Donnerstag, 31. Mai 2012

Meine liebsten Eurovisions-Gewinnertitel


Oh, Eurovision. Du erfüllst mich Jahr um Jahr mit Freud, Leid, Überraschung und Fremdscham. Selten, so etwa dieses Jahr, bescherst du mir primär Ödnis, doch ich fürchte, nein, hoffe ... Halt! Ich hörchfte, dass du mich in weniger als einem Dutzend Monaten erneut in deinen Bann ziehst. Und zum Ausgleich dafür, dass du mir neulich so gleichgültig warst, beschäftige ich mich an dieser Stelle mit deinen mich am meisten reizenden Siegesmomenten. Ich präsentiere meine elf liebsten Eurovision Song Contest-Gewinnertitel.

Platz 11: Hold Me Now - Johnny Logan (Irland, 1987)

Ein leicht schnulziger, aber sympathischer Klassiker, der mit einer raueren Stimme (und/oder vielen, vielen Leuten die mitsingen) noch ein Stück weit emotionaler ist. Es ist ESC-Kitsch, aber ein hübsches Exemplar eben dieser Gattung.

Platz 10: Fly on the Wings of Love - Olsen Brothers (Dänemark 2000)

Ich hatte es 2000 ja Stefan Raab gegönnt, doch es hat nicht sollen sein. Der tatsächliche Gewinnertitel 2000 ist ein weiteres leicht kitschiges, aber in seiner Gefühlswelt überhaupt nicht brachiales Eurovision-Stück mit Herz und Charakter. Süß.

Platz 9: I wanna - Marie N (Lettland 2002)

Auch bekannt als "Der Grund, weshalb es so viele Eurovision-Performances mit multifunktionaler Garderobe gibt", denn Marie N begann ihren Auftritt in einem weißen Latinlover-Outfit, bloß um sich Stück für Stück in eine elegant-feurige Flamencotänzerin zu verwandeln. Die Nummer selbst ist eine standardmäßige Latinopop-Komposition (aus dem Osten Nordeuropas), aber mit eingängiger Melodie und einer guten Gesangsdarbietung, die meiner Ansicht nach diesen Rang rechtfertigt.

Platz 8: Ding A Dong - Teach In (Niederlande, 1975)

Super seicht, unreflektiert glückselig, dümmlich ... und soooo süß und noch aufmunternder. Es ist ein richtig doofer Eurovision-Titel, aber er macht Freude!

Platz 7: Everyway That I Can - Sertab Erener (Türkei, 2003)

Oder: Weshalb nicht so schnell mit den ausgetüftelten Kostümen Schluss war. Dabei ist die ganze Performance um Sertab Ereners dehnbares Kleid so ästhetisch nicht. Doch der Song hat einen starken Hook, einen mitgehbaren Refrain und Sertab Erener legt in die Strophen dieses Ethnopop-Lieds so viel Kraft und Seele, dass es auf eine bessere Ebene gehoben wird. Ein tanzbarer Ohrwurm mit Engagement!

Platz 6: Waterloo - ABBA (Schweden, 1974)

Was gibt's über diesen Popklassiker denn noch zu sagen? Es ist längst nicht ABBAs bester Titel, aber dennoch ein gutes, schlichtes, energiereiches Lied.

Platz 5: My Number One - Helena Paparizou (Griechenland, 2005)

Trotz mancher Durchhänger liefert Griechenland seit vielen Jahren beim Eurovision Song Contest das verlässlichste Entertainment. My Number One ist dabei sowas wie der Prototyp für griechische ESC-Musik, und so war ein Sieg wohl nahezu unausweichlich. Vielleicht nicht Griechelands beste Nummer, aber trotzdem starker, kurzweilig-alberner Ethno-Pop.

Platz 4: Satellite - Lena (Deutschland, 2010)

Sind's auch schon wieder zwei Jahre? Meine innere Uhr sollte eines Tages zum Uhrmacher ... Wie dem auch sei, ähnlich, wie mein Zeitgefühl wild herumspinnt, spinnt auch der titelgebende Satellit in Lenas Lied, spinnert die Interpretin und wirbelt meine Zuneigung zu diesem Song herum. Vergangenes Jahr wäre es wohl noch in meinen Top 3 aufgetaucht, aber seither hat es sich bei mir überhört und die nostalgische Brille (wenn man nach zwei Jahren überhaupt davon reden kann) bewirkt nicht viel dagegen. Gut möglich, dass es in zehn Jahren als "der deutsche ESC-Song meiner Jugend*" plötzlich nach dem Silberpokal in solch einer Hitliste greift, aber im Moment soll der vierte Rang genügen.

*Ja, Jugend, vor zwei Jahren war ich näher an der 20 als an der 25, also haut das in meinem Weltbild hin!

Platz 3: Poupée de cire, poupée de son - France Gall (Luxemburg, 1965)

Die in den frühen bis mittleren 60ern populäre Richtung des Yéyé, Frankreichs etwas galantere Antwort auf den britischen Pop, spricht mich vor allem mit ihrer kindlich-jugendlichen Verruchtheit an, und gerade Lieder wie dieses, die unter ihrer harmlosen, mitwippbaren Melodie zahlreiche ironische Feinheiten und Wortspiele verstecken, haben eine unbestechliche Anziehungskraft. Ja, so manch hippen Leute werden über die veraltete, nun piefige Frische des Songs lachen. Aber eines Tages wird jemand wie Quentin Tarantino diese Nummer wieder ausgraben, und plötzlich ist sie modernes Popkulturwissen, statt Popkultur unserer Eltern.

Platz 2: Fairytale - Alexander Rybak (Norwegen, 2009)

Ach, verflucht noch eins, dieses Lied hat einfach einen tief in mir liegenden Nerv getroffen, und reizt ihn immer wieder aufs Neue. Norwegens so irisch wirkende Antwort auf James Franco singt mit einem Hauch Melancholie und sehr viel Freude von seinem früheren Märchen von einer Geliebten, weckt Träume von saftigen grünen Wiesen voller Schmetterlinge und Kerrygold-Kühe, macht einem Lust, Krüge voller Baileys und Whiskey zu kippen und um Erinnerungen toller Mitmenschen herumzutollen. Oder so ähnlich. Was weiß ich. Fairytale klingt lebensfroh, nicht all zu abgeschmackt für Eurovision-Niveau und mit so fideler Fidelei hat man mich eh verhältnismäßig leicht für sich gewonnen.

Platz 1: Hard Rock Halleluja - Lordi (Finnland, 2006)

Hat irgendjemand bei mir was anderes erwartet? Lordis Beitrag zur Eurovision-Geschichte fetzt und macht einfach rockigen Spaß. Den ESC 2006 verfolgte ich mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eines Journalistenworkshops bei zwei Kisten von unserem Dozenten spendierten Bier auf einem winzigen Fernseher. Wir alle waren uns sicher, dass unser Lieblingsbeitrag durchfällt. Und dann räumte er eine Spitzenwertung nach der anderen ab. Ein für mich legendäres Stück kollektiver Fernseherlebnisse ...

Tja, Eurovision. Da trennen uns wieder unsere Wege. Mach's gut und auf bald. Wir werden unsere augenzwinkernde Hassliebe eh früher fortführen, als derzeit zu erwarten steht. Und vielleicht nerven wir 2013 damit wieder dir abgeneigte Blogleser, die dieses Jahr offenbar leicht über dich hinwegsehen konnten.

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3 Kommentare:

Manu hat gesagt…

Och nööö... Lordi auf Platz eins und Lena auf vier!! Aber wie war das noch gleich mit den Geschmäckern?? ;)

LG

Alice hat gesagt…

Ja nee, da haben wir dann absolut nicht den gleichen Geschmack. Aber muss ja nicht :)

Bubu hat gesagt…

Hmm, also mir würden nur ganz wenige Siegertitel einfallen. Da wären Lorde, die beiden deutschen Titel von Lena und Nicole und Waterloo von ABBA.
Das wären dann vier Titel, dazu kommt der aktuelle Siegertitel von Schweden. Ich weiß schon jetzt nicht mehr, was für ein Lied letztes Jahr gewonnen hat.
Nur die wenigsten Lieder vom Contest bleiben wirklich hängen.
Da ich davon kein Lied wirklich mag, müsste ich fast Lena auf 1 platzieren, obwohl ich mich sehr über Lordis Sieg gefreut habe.
Also von unterschiedlichem Geschmack will ich da nicht unbedingt sprechen.

Der bei dir auf drei platzierte Song "Poupée de cire, poupée de son" gefällt mir nach einmaligen Hinhören ziemlich gut, mir fällt da spontan kein besserer ESC-Beitrag ein.

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