Sonntag, 29. Juli 2012

Weitere Fälle, in denen ich dem Filmkonsens widerspreche

Vor etwas mehr als einem Jahr ließ ich mich über Filmwertungen aus, bei denen ich der allgemein vorherrschenden Meinung widerspreche. Meine Rangfolge der Star Wars-Filme ist nicht die normal übliche, ich finde den "falschen" Bully-Film am besten und M. Night Shyamalan hat nicht mit The Sixth Sense seinen besten Film abgeliefert.

Offembar bin ich ein echter Querdenker, denn mit diesen Beispielen haben wir längst nicht all meine Widersprüche mit dem Filmkonsens abgefrühstückt. Auch bei anderen Film- und Schaffensreihen vertrete ich Minderheitenmeinungen. Nachfolgend findet ihr drei weitere Beispiele:

Der coolste Teil der Ocean's-Reihe ist nicht Ocean's Eleven
Es stimmt schon, dass Steven Soderberghs lässiges Remake von Frankie und seine Spießgesellen der am besten ausgeklügelste und selbstredend der frischeste Teil der Reihe ist. Und der überragenden Mehrheit, die Ocean's Twelve völlig missraten findet, kann ich nur beipflichten, in dem Film gelingt nahezu nichts. Ocean's Thirteen wiederum scheint vielen ein "sehr nett" zu entlocken, nicht aber darüber hinauszukommen. Dabei ist er, auch wenn die Figuren hier gegenüber dem Original abflachen und die dichte Dramaturgie einem größeren augenzwinkernden Spiel weicht, doch wohl ganz klar der coolste diebische Einsatz von Danny Oceans Mannen. Mit einem hämischen, schwach unterdrückten Grinsen in den Backen richten sie ein Casino zugrunde, ohne auf Schusswaffen zu setzen oder sich auf spektakuläre Verfolgungsjagden einzulassen. Stattdessen tricksen, lügen und bluffen sie sich durch ihren absurd komplexen Plan, den Soderbergh in stilvoll-eleganten Bildern einfängt. Cooler geht's ja wohl kaum – und herrlich altmodisch ist das obendrein auch noch! Als ich bei meiner Besprechung von Wie klaut man eine Million? seufzte, solche Filme würden heute nicht mehr gemacht, habe ich Ocean's Thirteen bewusst ausgeklammert. Mit ein paar anderen technischen Spielereien hätte Ocean's Thirteen genauso gut aus jener Zeit stammen können. Er fühlt sich sogar ein bisschen wie eine sehr gute Disney-Reaktion auf den Kriminalkomödien-Trend an – und gute Filme, die sich ein bisschen wie Disney-Werke anfühlen ohne dreist abzukupfern, haben eh einen Stein in meinem Brett.

Jurassic Park 1 & 2 tun sich nicht viel
Jurassic Park, das Wunderwerk moderner Blockbusterkunst. Jurassic Park 2, die etwas dümmere und überflüssige, dennoch aber engagierte Fortsetzung. Jurassic Park 3, der billige Shit. Echt? Wieso bitte? Ja, Jurassic Park istt ein grandioser Meilenstein der Effektgeschichte und Spielberg vereint recht geschickt den Blockbuster-Thrill mit einem Gefühl des Wunders. Dennoch ist Jurassic Park schuldig in diversen Anklagepunkten: Saudumme Figuren, die sich bloß zugunsten des schnellen Schockmomentsin gefährliche Situationen manövrieren. Nervige Spielberg-Kinder. Deplatzierte Humoreinlagen. Jurassic Park ist gut, aber bei weitem nicht auf einer "Er wurde des Oscars in der Hauptkategorie beraubt!"-Ebene. Jurassic Park 2 fehlt etwas vom Zauber des ersten Teils, die Spannungssequenzen sind jedoch nicht so durchschaubar wie im Original und Jeff Goldblum lässt etwas hintergründigeren Witz einfließen. Das Original ist besser, keine Frage, aber der Abstand ist für mich längst nicht so enorm, wie der allgemeine Konsens zu sein scheint.

Der beste Monty Python-Film ist ...
... in den Augen vieler Das Leben des Brian. Gut möglich, dass diese Parodie auf Fehldeutung von Religion und Charleton-Heston-Bibelepen auch der zitierfähigste Film der britischen Kultkomiker ist. Aber er will sich mir nicht ganz so geschickt in mein Herzen schummeln. Den gesamten Alien-Gag finde ich saublöd, ansonsten ist Das Leben des Brian ein toller, verschrobener Steifen, der viel Spaß macht, für mich jedoch nur ab und an "Brillanz!" schreit. Dafür wirkt er mir zu langgestreckt. Das beste Filmwerk der Pythons ist meiner Ansicht nach ihr abschließendes, das sie in ihrer eigenen Dokumentation recht hastig unter "das gab's auch noch" durchhecheln: Der Sinn des Lebens. Diese lose thematisch zusammengehaltene Ansammlung an bissigen, bescheuerten, übergeschnappten und ulkigen Sketchen lässt das Feeling des Flying Circus wiederaufleben, hebt es aber von der kleinen TV-Bandbreite auf die Kinoleinwand füllende Ausmaße. Every Sperm is sacred, die beste Kotzszene der Filmgeschichte (noch vor Team America), der unerwartete Besuch von Gevatter Tod, Lebendorganspenden, seltsame Szenenübergänge ... Für mich ist Der Sinn des Lebens der gezielteste Einsatz des Python-Irrsinns, voller kultiger Momente und ohne holpernde Längen. Vielleicht strahlt hier, anders als bei den Rittern der Kokusnuss und Brian, nicht das Gesamtkonzept, jedoch stapeln sich dafür die hervorragenden Einzelgags.

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