Montag, 31. Dezember 2012

Meine Hits des Jahres 2012


2012, wir haben dich überstanden. Du warst ein Jahr, in dem ich viel vom neuen Pixar-Film erwartet und nur wenig bekommen habe. Du warst ein Jahr, dass den Untergang der Welt versprach, aber uns nur ein hämisches Grinsen entlockte. Du warst ein Jahr, in dem der heiß ersehnte Abschluss einer düsteren, anspruchsvollen Superheldensaga bei Kritiker und an den Kinokassen hinter geballtem Popcornspaß zurücksteckte. Du warst ein Jahr, in dem mein alter Computer endgültig den Geist aufgab und in dem mich die neuen Alben früherer Lieblingsbands gewaltig anödeten. 2012, du warst ein Jahr der Enttäuschungen – und meine Fresse, werde ich dich vermissen. Zum Abschied gönne ich dir meine gute, alte Traditionshitliste meiner Lieblingshits von dir. Wie immer gilt: Keine Instrumentalstücke, keine Filmmusiken. Was dieses Jahr die Kandidatenliste enorm ausdünnt, denn mehr denn je haben eben besagte, nicht qualifizierten Musikstücke meinen akustischen Alltag bestimmt.

Platz 14: Mond (Deichkind)
Ich will hier weg / ich muss hier raus
Ich bin selbst erstaunt, aber die Yippieh, yippieh, yeah! Krawall und Remmidemmi-Jungs haben sich, wie ihr später feststellen könnt, gleich zweifach in diese Hitliste gemogelt. Und der erste der beiden Songs ist obendrein eines der ruhigsten Stücke der gerne kunterbunt und mit Schwarzlichtkunst auftreteneden Spaßfraktion. Eine melancholische Klangatmosphäre, ein hübscher Text und dieses gewisse Etwas an „mrmpf, hach, ja, wird schon, obwohl, alles doof, neeee, hm ...“-Gefühl, das beim Hören zurückbleibt.

Platz 13: Rize of the Fenix (Tenacious D)
'Cause the fiery heart of a champion cannot be quelched / by a failure or an embarrassment, no way, no
Ich finde das neue Album von Tenacious D nicht so kultig und humorig wie das gefloppte Album zum Film The Pick of D, doch diese Parodie auf große Metal-Wiedererhebungsepen hat es mir nach kurzer Eingewöhungsphase angetan. Der weitläufige Aufbau, die Selbstkritik, die Albernheiten und kleine Spitzen gegen diese Art Songs ... Wohl das durchdachteste Lied auf dem ganzen Album!

Platz 12: Low Hangin' Fruit (Tenacious D)
It would be a hoot / To eat some low hangin' fruit
Billige, naheliegende Sexwitzchen? Nein, danke. Billige, naheliegende Sexwitzchen, keck von Jack Black vorgetragen … mit eingängiger, locker-flockiger Melodie? Hell, yes!

Platz 11: Stardust (Lena Meyer-Landrut)
We've been waiting for the sun to come out and play all these rainy days are getting on.
Ich komme da wirklich nicht drauf klar. Lenas Musik ist generell nicht mein Fall und ich sehe sie lieber als Talkgast, denn als Musikgast. Und dennoch findet Jahr für Jahr einer ihrer Songs Platz in meiner Hitliste. Verflucht noch eins! Stardust hatte es eingangs enorm schwer bei mir – die Drums passen nicht zum Tempo der restlichen Instrumente und Lenas Gesang klingt auch nicht „drauf“. Dazu diese anfangs abgehackte Melodie des Refrains – ich war die ersten paar Male, als das Stück im Radio lief, völlig ratlos, was ich damit anfangen soll. Und dann fing ich an, es unerklärlich süß zu finden … und niedlich … und hoffnungsvoll. Und süß und niedlich und putzig. Dann fing ich an, es mitzusummen. Und nun ist es auf diesem Platz gelandet.

Platz 10: TCR (Die Ärzte)
Wir kümmern uns um den Rock, wir sorgen für die musikalische Begleitung und niveautechnische Grenzwertunterschreitung ab und zu
Wortgewandter Ohrwurm mit spaßigen Stilwechseln und klassischem Ärzte-Spaßsound. Hat keine Assoziation zu meinem ganz eigenen Jahr, aber das braucht es ja auch nicht stets in meinem Ranking.

Platz 9: Lord of Steel (Manowar)
Stand and fight the lord of steel
Simpel, hart, eine starke Melodie und halt einfach guter, unkomplizierter, nicht zugegröhlter Metal. Vergleichsweise ambitionsarm für Manowar, doch der Song hat hohe Replayqualitäten.

Platz 8: Angekumpelt (Die Ärzte)
Ich kenn dich nicht, weil ich dich nicht kennen will / Du interessierst mich nicht
Hallo, guten Tag auch dir, ich habe gerade allein Spaß, bitte weitergehen, hier gibt es Nichts zu sehen – Der Song! Wie soll man das, noch dazu bei dem Sound, nicht mögen?

Platz 7: Touch the Sky (Manowar)
I feel so tall / I can touch the sky
Ein etwas gemächlicheres Tempo, tolle Riffs, melodiöser Refrain, stetiger Vorwärtsdrang. Läuft!

Platz 6: Little Talks (Of Monsters and Men)
The truth may vary / this ship will carry on
Ein Stück, das durch seinen Refrain einen leichten Seemannslied-Flair versprüht? Eine nicht zu seltsame, aber dennoch einzigartige, einprägsame Frauenstimme? Eine spaßige Notenfolge, die aber durch das Tempo und die Instrumentierung einen leicht traurigen, nachdenklichen Beigeschmack hat? Ein Songtext, der von der Ausdauer eines kleinen (Freundschafts)Bootes handelt (oder zumindest so gedeutet werden kann)? Check, check, check! Da hat sich jemand direkt in mein musikalisches Herzen geschrieben!

Platz 5: Augenbling (Seeed)
Deine Augen machen bling-bling / und alles ist vergessen
Hallo und herzlich willkommen zu unserer Hobbythek „Last Second Rängeverlieren“ – denn eigentlich hat Seeeds beschwingte Liebeserklärung an das Schönste aller wirklich hübschen Frauen, die Augen, alles, was es für ein stärkeres Ranking in meiner musikalischen Jahresbestenliste braucht. Schwung, Pepp, interessante, nicht zu aufgesetzt-krasse Tempiwechsel und ich kann mit einem Hauch des selektiven Hörens so tun, als wäre der (wenngleich simple) Text ein Ausdruck meines Befindens. Denn ja, so manche Augen müssen nur bling-bling machen, und alles ist vergessen. Aber ich habe es irgendwie geschafft, den Song über zu haben, Tja, machen süße Augen eben nicht ganz so überzeugend alles wieder besser. Gibt ja noch andere Freizeitbeschäftigungen, wie etwa ...

Platz 4: Leider geil (Deichkind)
Du doch nicht so / du magst es doch auch!
In diesem Lied hat sich gar nichts gereimt. Doch ich finde es … leider geil!
Eine der verzwicktesten Gefühlslagen unser sich dauernd bedauernden, konsumorientierten Spaßgesellschaften, nämlich das Genießen einer schädlichen Sache, bekam 2012 dank Deichkind eine verflixt eingängig-coole und auch humorige Hymne. Denn solcher Dreck ist … leider geil!

Platz 3: Cpt. Metal (Die Ärzte)
Wie oft hast du dich heute schon gefragt / Wieso klingt dein Radio wie 'ne Liveschaltung in den Supermarkt?
Metal ist eine Musikrichtung von gestern, verkauft heutzutage nur wenig Platten und überhaupt und sowieso. Aber er ist hart und verlässlich. Also bekommt er eine Heldenhymne mit Metalpower. Eine leicht beißend komische Hommage / Bestandsaufnahme also. Auch sowas sollten Ärzte beherrschen, und dass Die Ärzte es können, sei hiermit erneut bewiesen.

Platz 2: M & F ( Die Ärzte)
Denn Männern und Frauen ist's zuzutrau'n / dass sie sich gegenseitig gerne die Nacht versauen / und dann doch wieder allein nach Haus' abhau'n</>
Mir ist der Frühling zwar um ein Vielfaches lieber als der Winter, doch die Aussage, die frostige Jahreszeit sei die bessere, ist ja nun wahrlich nicht der Kern dieser Erfolgssingle der Ärzte. Leicht mitsingbarer Refrain, fetzig-spaßige Strophen, Gute-Laune-(Punk????-)Rock, bei dem Text und Musik toll zusammenpassen. Und, wow, schwirrte mit der Text dieses Jahr oft als Kommentar durch den Kopf. Ironisch, genau zur Situation passend oder als willkommener Zeitvertreib in drögen Momenten.

Platz 1: Somebody That I Used To Know (Gotye feat. Kimbra)
But you didn't have to cut me off / Make out like it never happened / and that we were nothing
Ich bin wirklich fast schon erschreckend spät auf den Somebody That I Used To Know-Zug gestoßen, geschweige denn aufgesprungen. Meine erste Berührung mit dem Lied war die neoParadise-Parodie des berühmten One-Take-Internetcovers. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie absurd diese frühe Erfahrung war – Joko, Klaas, Palina, Violetta und Oli Schulz, komplett neben jeglichem Ton, in eine enge Soundkabine gedrängt. Es war witzig, doch deutlich sinnloser, als es für Kenner des parodierten Clips wohl war. Wochen später waren die parodierten Internetkünstler bei TV total zu Gast, wo ich das Lied mal in einer nicht-schief-gesungenen Variante kennenlernen durfte. Es gefiel, ging ins Ohr, blieb aber nicht lange im Kopf. Eines Tages lief aber das Original im Radio, was einem riesigen „Aha!“-Erlebnis gleichkam. Und von da an hörte ich es häufiger und mit immer mehr zuhörender Hingabe. Die Instrumentierung ist toll, der so (selbst)mitleidsvolle männliche Gesangspart, die alles drehende weibliche Passage – toller Song, den ich noch lange nicht überreizt habe. *trällernd beklag* But you treat me like a stranger / and that feels so rough ... / You didn't have to stoop so low ... 


Viel Spaß bei euren Silvesterfeierlichkeiten und einen guten Rutsch!

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2 Kommentare:

Sunshine hat gesagt…

Zusammengefasst kann man sagen: Du mochtest das neue Album der Besten Band der Welt sehr gern. *g* Das war aber auch wirklich gut und unterhaltsam.

"Stardust" hat sich auch irgendwie so nach und nach bei mir eingeschmeichelt und mittlerweile find ich es irgendwie so positiv süß. Und es ist sogar ein hübscher Endcredits-Track für "Jesus liebt mich", das passte gut da hin.

Gotyes Hit hab ich ja zuerst gar nicht gemocht, aber irgendwann war der dann plötzlich richtig gut. Mist.

"Augenbling" und "Leider geil" sind beide wirklich leider geil. *g* Eine Freundin war gerade dem Seeed-Song sehr dankbar, weil der jeden Morgen genau dann kam, wenn sie los musste um den Zug zur Uni zu erwischen und sie durch das Lied gute Laune bekam.

Was mir in 2012 noch sehr gefallen hat: "Next to me" und "Read all about it" von Emeli Sandé, beinahe alles, aber besonders "Castles" von Ivy Quainoo, "Just a fool" von der Aguilera (eins der wenigen wirkich guten Lieder auf ihrem neuen Album), "Falling for you" von Nick Howard, "Red Carpet" von Sharyhan, "Skyfall", "Tonight (We are young)" von FUN, Cee Lo Greens "Fuck you"... ach wahrscheinlich noch mehr.^^

Sir Donnerbold hat gesagt…

Sonst enttäuschten mich ja auch viele neue Alben und da das neue Ärzte-Album auch wieder was eigensinniger als das vergangene ist, war diese Wahl fast sicher. "Skyfall" wäre auch hier drin, wäre es kein Filmlied. Von der Aguilera bekam ich gar nichts (bewusst) mit, "Tonight" wird mir zu schnell anstrengend und die Quainoo gefällt mir generell kaum.

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