Samstag, 23. Februar 2013

Oscars 2013: Meine (heimlichen?) Lieblingskategorien


Über die beste Kamera habe ich bereits ausführlich geschrieben, nun wird es langsam an der Zeit, über weitere meiner Lieblingskategorien zu sprechen. Da sie dieses Jahr nicht so viel Material hergeben wie die Kamera-Kategorie, werfe ich sie trotz meiner Begeisterung für sie ganz dreist zusammen. Los geht es mit bester Animationsfilm, wo folgende Filme antreten:

  • Merida
  • Ralph reicht's
  • Frankenweenie
  • Die Piraten
  • ParaNorman
Eins ist wohl nahezu sicher: Der Oscar geht dieses Jahr an einen Film der Walt Disney Company. Während die beiden restlichen Nominierten kaum Indikatorpreise für sich entscheiden konnten, haben sich die drei Disney-Werke die vergangenen Monaten tapfer geschlagen. Merida gewann den BAFTA und den Golden Globe und hat den Pixar-Bonus, Frankenweenie gewann viele Kritikerpreise und wäre eine Möglichkeit, Tim Burton endlich einen Oscar zu überreichen. Aber Ralph reicht's sehe ich vorne: Der Film sahnte bei den Annie Awards ab und ist zudem eine Produktion, über deren Charisma größere Einigkeit herrscht als bei den anderen beiden.

Der Oscar für den besten Song wiederum ohne weitere Umschweife in die Hände einer launigen Blondine geben. Denn wie unter diesen Nominierten ...
  • Before My Time aus Chasing Ice (Musik und Text: J. Ralph)
  • Suddenly aus Les Misérables (Musik: Claude-Michel Schönberg; Text: Herbert Kretzmer und Alain Boubil)
  • Pi’s Lullaby aus Life of Pi (Musik Mychael Danna; Text: Bombay Jayashri)
  • Skyfall aus Skyfall (Musik und Text: Adele Atkins und Paul Epworth)
  • Everybody Needs a Best Friend aus Ted (Musik: Walter Murphy; Text: Seth MacFarlane)
nicht Skyfall gewinnen kann, ist mir ein Rätsel.


Schwieriger sieht es bei der besten Filmmusik aus.
  • Anna Karenina (Dario Marianelli)
  • Argo (Alexandre Desplat)
  • Life of Pi (Mychael Danna)
  • Lincoln (John Williams)
  • Skyfall (Thomas Newman)
In Ermangelung relevanter Indikatorpreise muss man sich bei der Prognose in dieser Kategorie auf Bauchgefühl, Einschätzung der Nominierten und auf Rückschlüsse aus der Oscar-Vergangenheit verlassen. So fürchte ich, dass Anna Karenina keine großen Siegesaussichten hat. Wenn ein kleiner, finanziell weniger einträglicher Film in den vergangen rund zwanzig Jahren gewann, dann waren dies stets Werke, die als "Bester Film" nominiert wurde. John Williams wiederum ist zwar wirklich fleißig darin, Nominierungen zu sammeln, und würde Lincoln noch immer den Hype genießen, den er vor einigen Wochen hatte, so könnte ich mir vorstellen, dass viele Academy-Mitglieder den Film genauer ins Auge fassen und Williams' Score für sich entdecken ... doch so? Die Musik zu Lincoln ist sehr gut, sie ist ernst, feierlich, aber nicht übertrieben patriotisch. Aber sie ist nicht sehr eingängig.

In diese Sparte fällt eher Thomas Newmans Musikuntermalung von Skyfall, die liebevoll sowie harmonisch den klassischen 60er-Blechbläser-Orchesteround (sowie die typischen Bond-Themen) mit modern-rasanter Percussion und eigenen Melodien kombiniert. Allein schon, dass ein Komponist für einen neuen Eintrag in eine etablierte Filmreihe nominiert wurde, spricht dafür, dass die Musiker Hollywoods Newmans Arbeit sehr begeistert aufnahmen. Aber gehört dies in die Kategorie "Die Nominierung ist shon der Sieg, den wahren Preis soll jemand anderes gewinnen?"

Noch immer sitzt mir und vielen anderen Oscar-Experten der Durchmarsch von Slumdog Millionär im Nacken, weshalb Myhael Dannas Weltmusik für Life of Pi der große Favorit ist. Dannas Score ist emotional, poetisch, vielfältig und dennoch nicht aufdringlich. Aber wäre er ohne den Ausnahmesieg von Slumdog Millionär bei den Prognosen so weit vorne? Lassen wir uns etwa alle blenden?

Man darf Argo nicht ausschließen. Ähnlich wie die Musik zu Lincoln ist es nicht gerade die auffälligste Arbeit des verantwortlichen Komponisten, aber als ich Argo zum zweiten Mal sah, fiel sie mir stärker als beim ersten Mal auf. Sie ist sehr effektiv darin, die Stimmung einer Szene zu unterstreichen. Vom Hype geleitet dürften viele Oscar-Voter Ben Afflecks Film ein weiteres Mal gesehen haben. Wenn es einigen von ihnen wie mir ging, hätte Argo schon einen Vorteil. Außerdem ist Desplat langsam für einen Oscar überfällig. Und es wäre soooo typisch, wenn Desplat seinen ersten Academy Award für eine seiner weniger prägenden Kompositionen gewinnen würde.

Ich ohrfeige mich selbst für diese Prognose, dennoch setze ich hier tatsächlich auf Argo und nicht auf den sicheren, von der Allgemeinheit als Vorhersage favorisierten Life of Pi.

Und um es kurz zu machen: Beim besten Schnitt sehe ich Argo ebenfalls vorne. Dennoch gönnen wir uns einen Blick auf die Anwärter:
  • Argo (William Goldenberg)
  • Life of Pi (Tim Squyres)
  • Lincoln (Michael Kahn)
  • Silver Linings (Jay Cassidy und Crispin Struthers)
  • Zero Dark Thirty (William Goldenberg und Dylan Tichenor)
Argo gewann den Gewerkschaftspreis und den BAFTA für den besten Schnitt und ist von den Nominierten (meiner Einschätzung nach) der Film, der am heikelsten zu schneiden war. Die Eröffnung und die letzten 45 Minuten hätten leicht "zerschnitten" werden können, auch im Mittelteil gibt es eine ambitionierte Gegenüberstellung von drei tonal sehr unterschiedlichen Szenen, die ohne perfektes Timing geschmacklos geworden wäre. Michael Kahn gab dem fast dreistündigen, geschwätzigen Drama einen kurzweiligen Takt, Zero Dark Thirty hat gen Schluss ebenfalls Action und Life of Pi hat zahlreiche gelungene Übergänge, während Silver Linings sich traut, durch einige unwohle Cuts den Zuschauer anfangs in die neurotischen Figuren zu versetzen (was meiner Ansicht nach völlig misslang, aber die Cutter-Gewerkschaft sah dies anders und prämierte ihn als beste Komödie). Dennoch: Argo ist ein Paradebeispiel für eine starke Schnittarbeit und hat die Indikatorpreise auf seiner Seite. Oscar voraus!

Nicht verpassen: In der Nacht von Sonntag auf Montag, ab ca. 0.30 Uhr, hier im Blog ... mein Oscar-Liveblogging!

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