Donnerstag, 16. Mai 2013

Eurovision 2013: Das zweite Halbfinale


Das erste Halbfinale liegt hinter uns, doch bekanntlich folgt auf den ersten stets der zweite Streich. Das heutige ESC-Halbfinale bietet eine weitere bunte Mischung aus verstaubter und zeitgemäßer Musik, Mainstream, Nischenmusik und reinem Eurovision-Wahnsinn. Shall we begin?

1) PeR - Here We Go (Lettland)

Die Komposition ist solider 90er-Style-Boyband-Pop mit Mitmachfaktor und die Jungs tragen das Stück mit ansteckender Freude vor. Allerdings ist ihr "synchroner" Gesang doch sehr ... asynchron und schief. Wenn es auf der großen Bühne in Malmö harmonischer abläuft, könnte das obere Mittelfeld drin sein. Ansonsten wird's vermutlich ein Flop.

2) Valentina Monetta - Crisalide (San Marino)

Das winzige Land mit den starken Briefmarken bemüht sich in den vergangenen Jahren mit handwerklich starken Liedern um Anerkennung im Eurovision-Zirkus. Doch es fehlt wahlweise an Irrsinn, Bombast oder Seele, um San Marino zu einem ernstzunehmenden ESC-Land zu machen. Dieses Jahr kann man sich nicht ganz zwischen Eurovision-Herzschmerz und -Dancefloor entscheiden, und fällt so zwischen zwei Stühlen.

3) Esma & Lozano - Pred Da Se Razdeni (Mazedonien)

Dieses Duo bleibt auf jeden Fall in Erinnerung. Dick, schrill, laut, volumenhafte Stimme gegen drahtig, mit Radiopop-Stimme und unaufdringlicher. Die Elektrobeats sind mir etwas zu aufdringlich, aber ich habe da so ein Gefühl im Bauch, dass sich das Stück inmitten der Show zu einem kleinen Kuriositätenjuwel aufschwingen könnte ...

4) Farid Mammadov - Hold Me (Aserbaidschan)

Ein weiteres auf Spitzenwertungen durchkalkuliertes Pop-Nümmerchen, das handwerklich wenig falsch macht, mich aber durch seine gekünstelte Art abstößt. Doch beim Televoting-Publikum wird diese "Ach, komm doch her zu mir!!!!"-Popballade ankommen.

5) Krista Siegfrids - Marry Me (Finnland)

Wo wir von Berechenbarkeit reden: Die in Rockerklamotten gekleidete Finnin, die sich ein Stück aus Avril Lavignes Archiv bislang unveröffentlichter Songs bedient und die Nummer mit einer extra Dosis ESC-Glückseligkeit aufpeppt schafft es natürlich unter meine Favoriten des Jahres. Es ist ein quietschiges Stück Kaugummipop mit Pseudo-Girlie-Poprock-Elementen und nichts für meinen Musikalltag, aber beim europäischen Songwettbewerb gefällt es mir natürlich ungemein. Ja, ich kann vorhersehbar sein ...

6) Gianluca Bezzina - Tomorrow (Malta)

Ebenso kann man davon ausgehen, dass mir die "Ich bin ein schüchterner, gut gelaunter, verknallter weißer Typ mit Akustikgitarre"-Nummer für die Dauer von einer Minute wegen ihrer ehrlichen Leichtigkeit zusagt, ehe mir die restlichen zwei Minuten die dauernden Wiederholungen auf den Geist gehen und ich feststelle, dass in meinen Ohren alle Lieder dieses Subgenres gleich klingen.

7) Elitsa & Stoyan - Samo Shampioni (Bulgarien)

Grauenvolle Stimmen (wer hat die Siamkatzen aus Susi & Strolch hinters Mikro gelassen?), die eine spaßige Euro-Folklore-Popnummer zerstören, die enormes Potential hätte, im Rahmen des ESC ungeheuerlich abzuräumen. Seltsame Dudelsäcke, Elektrobeats, heftige Percussion? Klappt. Heulbojen? Weniger toll ...

8) Eyþór Ingi Gunnlaugsson - Ég á Líf (Island)

Schnarch. Aber immerhin klingts authentisch und ehrlich,

9) Koza Mostra & Agathon Iakovidis - Alcohol Is Free (Griechenland)

Ein Beitrag der Marke "Eigentlich scheiße, aber irgendwie kurzweilig."

10) Moran Mazor - Rak bishvilo (Israel)

Solide ESC-Ballade.

11) Dorians - Lonely Planet (Armenien)

Nichts, das hängen bleibt, aber für drei leicht pop-rockige Minuten mit mitwippbarer Melodie ist's gut. Gefällt mir. Der Tempowechsel am Ende reißt's noch ein wenig raus.

12) ByeAlex - Kedvesem (Zoohacker Remix) (Ungarn)

Fällt für mich in die Kategorie "Hintergrundrauschen".

13) Margaret Berger - I Feed You My Love (Norwegen)

Die Stimme ist mir etwas zu sauber und mit zu viel Echo-Filterspielerei versehen für diesen Song, der zumindest meiner Ansicht nach eigentlich mehr eine dreckige, drückende Powerröhre verlangt. Aber auf Dauer kann ich mich mit dieser "cleanen" Version auch anfreunden. Ist ein Lied, das mit Wiederholungen zulegt.

14) Adrian Lulgjuraj & Bledar Sejko - Identitet (Albania)

So klingt also albanischer Chartrock. Interessant, sehr interessant. Ungewöhnliche Instrumentierung, für meinen Geschmack könnte es bei der Lautstärke und dem Tempo gerne etwas weniger popharmonisch zugehen, aber alles in allem eine starke Nummer. Mein Favorit (und somit wohl leider zum Untergang verurteilt).

15) Nodi Tatishvili & Sophie Gelovani - Waterfall (Georgien)

Bei solchen Liedern hole ich mir immer neue Snacks oder neue Getränke. Kennst du eins, kennst du alle.

16) Takasa - You And Me (Schweiz)

Ich wechsle alle 30 Sekunden zwischen "Find ich erschreckend eingängig und gut" und "Geh mir weg!" ... Hm ...

17) Cesar - It's My Life (Rumänien)

Von allen Liedern, die diesen Titel tragen und mir bekannt sind, ist diese schlecht aufgehende Mischung aus Operettengesang und WummsWummsWämms-Elektromucke mit Abstand das mieseste. Autsch.

Wer sich live von den ESC-Beiträgen überzeugen möchte, schaltet heute am besten um 21 Uhr den Informationssender Phoenix ein, denn ausgerechnet dort hat die ARD das Halbfinale, bei dem deutsche Zuschauer abstimmen dürfen, geparkt. Weshalb auch immer.

2 Kommentare:

Boris hat gesagt…

Leider komplett off-topic: Wirst du dich in irgendeiner Form dazu äußern, dass Disney das Aussehen von Merida verändert hat, sodass sie nun weiblicher, dünner etc. aussieht? In Amerika löst das ja gerade eine Sexismus Debatte aus, bei der auch die Regisseurin von Brave Stellung bezogen hat.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Ich finde das Redesign von Merida absolut bescheuert und betrachte es als Verrat an der Figur. Und wäre mein Alltag im Moment nicht so stressig, hätte ich mir auch schon längst edanken darüber gemacht, wie ich mir Blog darüber das Maul zerreißen kann, ohne einfach nur unflätig herumzuschimpfen oder die Parolen zu wiederholen, die man überall findet. Doch da es an Freizeit mangelt, habe ich zum Merida-Umdesign bisher nur im privaten Umfeld Worte verloren und irgendwo einen Foreneintrag hinterlassen. Wenn das Thema nä. Woche noch interessiert, finde ich vlt Zeit und Muse ... :-|

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