Donnerstag, 31. Januar 2013

Gibt es Ziegen in Nordkorea?


Es gibt gute Neuigkeiten für alle Freunde des noch immer nicht ausreichend gewürdigten Regisseurs Gore Verbinski, die für Pirates of the Caribbean-Freunde auch eine wehmütige Note haben: Der leicht verschrobene Mann hinter solch unterschiedlichen Filmen wie Mäusejagd, The Ring und den ersten drei Pirates of the Caribbean-Filmen hat sich ein völlig neues Projekt geangelt, das ihn wieder einmal in eine völlig neue filmische Kategorie führt.

Verbinski arbeitet mit New Regency zusammen, um eine Realverfilmung der Graphic Novel Pyongyang: A Journey in North Korea auf die Kinoleinwand zu bringen. Im Zentrum der Geschichte steht der französische Trickzeichner Delisle, der nach Nordkorea reist, um die Produktion seines Trickfilms zu überwachen, dessen Zeichenprozess vom Studio aus Kostengründen in den Diktatorenstaat verlegt wurde. In Nordkorea angekommen verstrickt er sich in zahllose bizarre Situationen und wird der Spionage beschuldigt ...

Die Graphic Novel vereint Dramatik, politischen Kommentar und rabenschwarzen Humor, eine Mixtur, die der Film beibehalten soll. Mit Gore Verbinski in der Funktion des Produzenten und Regisseurs bin ich mir sicher, dass dies auch gelingen wird.

Dass Verbinski nun sein Nachfolgeprojekt zu The Lone Ranger fand, ist allerdings eine bedauerliche Information, die man hinsichtlich Pirates of the Caribbean 5 im Hinterkopf behalten muss. Denn somit darf man nicht weiter erwarten, dass Gore Verbinski den fünften Part der Piratensaga inszenieren wird. Wahrscheinlich. Denn Verbinski hat eine an Robert Rodriguez erinnernde Tradition, Projekte anzukündigen und dann doch nicht zu verfolgen ...

Sonntag, 27. Januar 2013

Im Schatten der Maus – Spezial: Disneys animierter Non-Kanon

Walt am Set von The Reluctant Dragon (Quelle: Disney History)

Mit Frankenweenie startete in Deutschland kürzlich der jüngste Vertreter einer raren, wenngleich nicht zu verachtenden Gattung: Die Gattung der animierten Disney-Filme, die nicht zum so genannten "Meisterwerke"-Kanon der Walt Disney Animation Studios zählen. Dass einem Film, der stolz den Disney-Markennamen trägt, der Einzug in diese ehrenwerte Liste verwehrt wird, kann aus vielerlei Gründen geschehen. Die einfachste Erklärung lautet: Er stammt schlicht aus dem falschen Studio. In manchen Fällen ist die Urteilsfindung jedoch ungleich verzwickter. Und wenn dann auch noch irgendwelche Marketing-Genies versuchen, Videokassetten oder DVDs loszuschlagen, kann der unbedarfte Verbraucher schnell den Überblick verlieren ...

Die Kerndefiniton eines "Walt Disney Meisterwerks" oder "Walt Disney Animated Classics" ist leicht zu begreifen und tief in der Konzerngeschichte Disneys verwurzelt: Als der Disney-Konzern noch an vorderster Stelle aus einem kleinen Cartoon-Studio namens Walt Disney Productions bestand, waren die dort entstehenden Werke in Kurzfilme und Langfilme einzuteilen. Die Langfilme, also Schneewittchen und die sieben Zwerge, Pinocchio und Fantasia, begründeten die Tradition des animierten Klassikers, die Walt Disney im Fahrwasser des Erfolges von seinem vorab als Flop abgestempelten Märchenfilms von 1937 voller Tatendrang zweimal jährlich fortzusetzen versprach. Bekanntlich gelang Walt Disney dies nur 1940. Zu aufwändig war die Produktion eines abendfüllenden Zeichentrickfilms, zu perfektionistisch der Studioboss und alle Strippen in der Hand haltende Produzent, als dass es jährlich möglich gewesen wäre. Hinzu kamen die durch den Zweiten Weltkrieg ausgelösten Finanzprobleme des visionären Unternehmens sowie ein sich am Horizont abzeichnender Mitarbeiterstreik.

Um den erschwerten Rahmenbedingungen zum Trotz sein Studio am Laufen zu halten, nahm Walt Disney von seinen fast megalomanischen künstlerischen Bestrebungen Abstand und öffnete sich der Vorstellung von weniger aufwändigen Langfilmen mit simplerer Optik (wie Dumbo) und von Produktionen mit abendfüllender Laufzeit, die aus mehreren lose zusammengehaltenen Kurzsegmenten bestehen. Die erste dieser Kompilationen diente zudem, das öffentliche Interesse am Tagewerk hinter den Pforten zum Disney-Studio zu bedienen: The Reluctant Dragon verband Kenneth Grahames Geschichte eines Drachen wider Willen, die Story eines überintelligenten Babys sowie die Geburtsstunde von Goofys How to ...-Reihe dank einer Rahmenerzählung, in der Radiogröße Robert Benchley eine (durch und durch geskriptete und gestellte) Tour durch die Arbeitsabteilungen Disneys erhält, zu einem filmischen Gesamtpaket.

Rund 40 der 74 Minuten Laufzeit sind animiert, dennoch verzichtete man darauf, den für 600.000 Dollar innerhalb von knapp sechs Wochen runterproduzierten Film als Walts großen neuen Kinoklassiker zu bewerben. Auch mit etwas Abstand blieb diese filmische Notlösung, für die Fox-Vertragsregisseur Alfred Werker herbeigeholt wurde um die Realfilmsequenzen zu drehen, ein schwarzes Schaf in der disneyschen Filmfamilie: Im Gegensatz zu den meisten anderen Langfilmen erfuhr The Reluctant Dragon keine Wiederaufführung im Kino und die Heimkino-Auswertungen.

Bereits im Jahre 1942 fand eine weitere von gezeichneten Kurzfilmen unterbrochene Realfilmtour den Weg in die Kinos: Saludos Amigos, das erste Produkt von Disneys "Good Will Tour" nach Lateinamerika, wurde jedoch auf Postern als Walt Disneys neuster (und heiterster) Langfilm gepriesen. Dass der 42-minütige Reisefilm zum "Meisterwerk" befördert wurde, während die Führung durch das Disney-Studio in der Filmographie des Konzerns unter "Sonstiges" landete, erhielt niemals eine offizielle Erklärung. Plausibel erscheint, dass in Saludos Amigos das Filmmaterial von der Reise der Disney-Künstler bloß einen Rahmen darstellt, in The Reluctant Dragon ist  Benchleys Besichtigung des Disney-Geländes derweil ihre eigene Storyline für sich und sogar, je nach Sichtweise, das Hauptverkaufsargument des Films.

Einer der sonderbarsten, gleichfalls auch wichtigsten, Disney-Filme startete 1943: Die Dokumentation Victory Through Air Power, ein Passionsprojekt Walt Disneys, fasste die Geschichte der Fliegerei im Allgemeinen und des Luftkampfes im Speziellen zusammen, um abschließend auf Basis der Argumentation des Luftfahrtingenierus Alexander P. de Seversky eine Fürsprache für den Einsatz von Langstreckenflugzeugen im Kampf gegen die Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg zu halten. Dass diese Produktion trotz ihrer animierten Sequenzen nicht in den Kanon aufgenommen wurde, sollte sich selbst erklären – der Film hat keine unterhaltende Narrative, sondern ist ein abendfüllendes Pendant zu Disneys Informationsfilmen, Zeichentrick diente nur zur Auflockerung und Veranschaulichung.

Ab 1946 expandierten die Disney-Studios allmählich in den Realfilmsektor. Der erste, primär eine mit realen Darstellern gefilmte erzählende Film aus dem Mäusestudio bezauberte aber zudem mit amüsanten Geschichten, die ihre Titelfigur erzählte und sich als Tricksegmente vor den Augen der Zuschauer ausbreiteten. Onkel Remus' Wunderland ist dennoch nicht mit Saludos Amigos oder Drei Caballeros zu vergleichen, die sich im Kanon befinden: Füllte in ersterem Reisefilmmaterial die Zeit zwischen den Cartoons und flogen im zweitgenannten Film Donald und seine Freunde zwischenzeitlich in reale Gegenden, so legt Onkel Remus' Wunderland sein Hauptaugenmerk auf die Geschichte eines sich einsam fühlenden Jungen, der sich mit einem weisen und humorvollen Märchenonkel anfreundet. Die Trickelemente sind inhaltlich die Stützen für die Beziehung zwischen den Hauptfiguren, nicht aber das Hauptelement. Selbst wenn die Rezeption den Fokus verschob.

Noch weiter traten die Zeichentrickelemente in Ein Champion zum Verlieben in den Hintergrund, wo eine kurze Fantasiesequenz fast schon alibimäßig daherkommt: Es ist eine Disney-Produktion, es muss was gezeichnetes über die Leinwand hüpfen! Künstlerisch weitaus fallen da schon die gezeichneten Elemente des fantastischen Musicals Mary Poppins ins Gewicht, die keine Selbstgefälligkeiten sind, sondern dazu dienen, die Figuren für eine Sequenz lang in eine Fantasiewelt abtauchen zu lassen. Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett kopierte diese Formel nach Walt Disneys Ableben und wurde zwischenzeitlich auf Kinoveröffentlichungen, genauso wie Mary Poppins, aus Marketinggründen bei Heimkinoveröffentlichungen als "Walt Disney Meisterwerk" beworben, obwohl die Leute aus den Disney-Trickstudios nur einen kleinen Teil zu ihnen beisteuerten. Ein aus heutiger Sicht besonders interessanter Fall ist das Musical Elliot, das Schmunzelmonster. Während Disneys andere Familien-Mischmusicals selbst heute möglicherweise mit Zeichentrickelementen berücken wollen würden, stellt sich die Frage, ob heutzutage weiterhin ein Zeichentrickdrache oder vielleicht doch ein fotorealistischer CG-Drache in Elliot, das Schmunzelmonster vorkäme. Sind die Trickfiguren in Mary Poppins auch für Mary Poppins, Bert und die Banks-Kinder Teil einer kunterbunten, künstlichen Welt, so bleibt bei Elliot die Frage offen, ob er als Trickfigur oder als lebensecht aussehender Drache wahrgenommen wird.

Ein weiterer Mischfilm, und bislang der letzte aus dem Disney-Konzern, der intensive Interaktionen zwischen gezeichneten Figuren und realen Darstellern beinhaltet, ist natürlich der Megahit Falsches Spiel mit Roger Rabbit von 1988. Anders als Mary Poppins entging diese Kriminalgeschichte stets einer falschen Kategorisierung als "Walt Disney Meisterwerk", da Disney die kokette Spielerei mit Trickfilmgesetzen und Film-noir-Konventionen aufgrund ihres teils brisanten Humors als Film seiner Touchstone-Pictures-Marke veröffentlichte. Außerdem fand die Produktion auf Wunsch von Richard Williams, dem Regisseur der Trickelemente, nicht in Burbank statt, sondern in einem Londoner Studio (auch wenn viele Disney-Talente dafür nach England geflogen wurden – das Ziel war allein, die Bürokratie des Mäusekonzerns loszuwerden).

Nachdem Roger Rabbit und Arielle, die Meerjungfrau das Zeichentrickmedium neu belebten, sprangen nicht nur zahlreiche andere Studios auf den Zug auf, auch Disney expandierte. Die Frequenz der Meisterwerke wurde erhöht und darüber hinaus gründete der Konzern weitere Studios, um Animationsfilme abseits seines geschätzten Kanons zu veröffentlichen. Und somit öffnet sich ein völlig neues Kapitel im Buch der Disney-Filme, die trotz Animation nicht als Meisterwerk eingeordnet werden ...


Im September 1989 erwarb Disney das französische Trickstudio Brizzi Films, um es zu Walt Disney Animation France, S.A. aufzubauen. Das Studio wurde mit der Produktion vereinzelter Episoden diverser Disney-Trickserien beauftragt und war auch federführend in der Produktion von DuckTales: Der Film – Jäger der verlorenen Lampe, bei dem es auch von der Arbeitskraft der Walt Disney Television Animation Australia unterstützt wurde. Das Entenabenteuer blieb hinter seinen finanziellen Erwartungen zurück, dennoch folgte ein weiterer Kinofilm, der auf einer TV-Serie basiert. Die 1995 veröffentlichte Vater-Sohn-Geschichte Der Goofy Film jedoch wurde nicht gänzlich den internationalen Disney-Dependences überlassen. Stattdessen fand sämtliche Vorproduktionsarbeit in den Disney-Hauptstudios in Burbank statt, deren Arbeiten als Meisterwerke gelistet werden, erst dann ging das Material nach Frankreich, wo der Löwenanteil animiert wurde. Einzelne Szenen wurden außerdem in Australien bearbeitet, das Clean-Up hingegen war wieder die Aufgabe der Studios in Burbank.

Und nun dürfen die Debatten beginnen: Während der australische Disney-Ableger zu den DisneyToon Studios wurde, die sich auf für den Videomarkt gedachten Fortsetzungen von Disney-Meisterwerken spezialisierten, taufte Disney das französische Studio in Walt Disney Feature Animation Paris um, das sich an den meisten der Disney-Meisterwerken der restlichen 90er und frühen 00er beteiligte. Wieso also fand Der Goofy Film nicht Einzug in den Meisterwerke-Kanon, zumal ein ganz anderer Film retrospektiv zur Liste hinzugefügt wurde?

Die Rede ist von Dinosaurier, Disneys technisch ambitionierter, inhaltlich lauwarmer Verschmelzung von realen Hintergründen und computeranimierten Dinosauriern, die so realistisch aussehen, wie es Ende der 90er mit allen Mitteln der Computertechnologie möglich war. Und so weit sprechende Dinosaurier halt realistisch aussehen können ... Erschaffen wurde der Film von einem speziell zusammengesetzten Team aus Effektkünstlern von DreamQuestImages, einer in den 90ern führenden Effektfirma, die in Sachen Ansehen branchenintern knapp hinter Industrial Light & Magic folgte und 1996 von Disney gekauft wurde, sowie der Computereffektspezialisten von Walt Disney Feature Animation. Letztere wurden zwecks dieser Großproduktion von ihrem alten Arbeitsplatz weggezerrt, um gemeinsam mit den DreamQuestImages-Schaffenden ein neues Studio zu gründen: The Secret Lab!

Dieser jüngste Zuwachs zur ständig wachsenden Familie der Disney-Tochterfirmen litt aber unter massiver Fehlkalkulation seitens der Konzernführung. Die Firmenbosse waren überzeugt, dass Dinosaurier ein gigantischer Hit wird, so dass von 2000 bis 2002 für The Secret Lab eine riesige Lücke im Arbeitsplan gelassen wurde, um eine Fortsetzung des Dino-Films zu verwirklichen. Dazu war die Publikumsrezeption allerdings zu lauwarm und das Effektstudio tat sich auch schwer, andere Aufträge zu erhaschen, weshalb bereits im Oktober 2001 die Schließung des Secret Lab verkündet wurde.

Disney-Fans diskutierten in den Jahren nach dem Dinosaurier-Kinostart, ob der Film in den Kanon gehört oder ob er ein schwarzes Schaf wie The Reluctant Dragon darstellt. Die deutschen Heimkinoveröffentlichungen etwa sparten sich den "Meisterwerk"-Aufdruck, während selbst reine DisneyToon-Studios-Produktionen wie Das Dschungelbuch 2 zur Verbesserung der Verkaufszahlen einfach Mal zu Meisterwerken befördert wurden. Wenige Monate vor dem Kinostart von Rapunzel wurde Dinosaurier allerdings in die offizielle Liste sämtlicher Produktionen der Walt Disney Animation Studios (ehemals Walt Disney Feature Animation ehemals Walt Disney Productions) aufgenommen, wodurch Rapunzel den Titel des 50. Meisterwerks sicher hatte.


Abseits der Filme, die vom "richtigen" Studio produziert wurden, aber zu viel Realfilmmomente beinhalten, und jenen, die vom richtigen Studio unter zu großer (oder eben doch nicht zu großer) Unterstützung anderer Studios verwirklicht wurden, gibt es zu guter Letzt jene, die keine relevante Verbindung zum zentralen Disney-Animationshaus haben. Über Pixar-Filme etwa muss man wohl nicht weiter sprechen, das Studio mit der süßen Lampe im Logo ist längst bekannt genug: Pixar hatte ursprünglich einen Vertriebs- und Finanzierungsdeal mit Disney, kreativ hatte Disney jedoch nur eine beratende Funktion für das unabhängige Studio. 2006 kaufte Disney dann Pixar auf, strukturell bleibt Pixar dennoch eine eigene Entität.

Künstlerisch deutlich hinter Pixar zurück liegen derweil die DisneyToon Studios, die trotz vereinzelter Versuche, Qualität abzuliefern, schlicht kaum mehr sind als der verlängerte Arm der Merchandising-Abteilung. Generell produzieren die Studios für den Heimkinomarkt, ab und an erhalten Produktionen wie Peter Pan 2 oder TinkerBell: Das Geheimnis der Feenflügel aber größere Kinoauswertungen, weil irgendwelche Verantwortlichen im Disney-Konzern die Qualität als hoch genug für einen Kinostart halten. Oder Disney einen schnellen Dollar braucht.

Und dann wären da noch die animierten Filme, die von anderen Künstlern speziell für Disney erstellt wurden. Darunter fallen alle Stop-Motion-Projekte, da die Disney-Trickstudios diese mühevoll zu erlernende Kunst nicht zu ihren Fähigkeiten zählen. Deshalb versammelten Henry Selick und Tim Burton für Nightmare before Christmas und Frankenweenie Fachmänner und -frauen auf diesem Gebiet um sich. Auch Robert Zemeckis' Eine Weihnachtsgeschichte und Milo und Mars waren Projekte, die von Pionieren auf einem Animationsgebiet für Disney produziert wurden. Verwünscht wiederum entstand zu einer Zeit, als die Walt Disney Animation Studios ein reines Computeranimationshaus darstellten, weswegen die Zeichentricksequenzen in die James Baxter Studios ausgelagert wurden.

Abschließend sind noch die Filme zu nennen, die Disney lediglich vertreibt. Die britische Animationskomödie Valiant über Tauben, die im Zweiten Weltkrieg ihren Dienst leisteten, war ursprünglich kein Disney-Projekt, aber das Mäusestudio übernahm den US-Verleih. Auch sämtliche Produktionen von Studio Ghibli finden ihren US-Vertrieb durch den Disney-Konzern, einst via Miramax, nun über Disney selbst.

Dann wäre da noch einer der am meisten verachteten Filme, die den Disney-Namen tragen: Tierisch wild. Produziert von C.O.R.E. Feature Animation sollte dieser Film von 2006 Disney eine neue, fruchtbare Partnerschaft sichern. Der Film entstand, als das Verhältnis zwischen Disney und Pixar sehr gestresst war und die Disney-Bosse sich nach einem Ersatz umsahen. Ähnlich wie bei Pixar hatte Tierisch wild Disneys volle PR-Power hinter sich, der Konzern sicherte sich sämtliche vorstellbaren Rechte am Film und unterstützte das Projekt auch finanziell. Trotzdem ist Tierisch wild bloß so sehr Disney, wie es auch Toy Story ist. Da diese wilde Komödie enorm floppte und Disney die Idee, C.O.R.E. zum neuen Pixar aufzubauen, mangels Qualität (oder Notwendigkeit) aufgab, machten sich die C.O.R.E.-Leute keinen Namen wie es Pixar gelang.

Solche kleine Wunderfabriken wie Disney oder Pixar entstehen nunmal nicht auf Befehl. Bestimmen lassen sich nur die Definitionen, mit denen deren Produktionen eingeteilt werden. Und wie man sieht ist selbst dies einfacher gesagt als getan.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Star Wars - Episode VII: Rise of the Lens Flares


J. J. Abrams, du brillanter, fieser Lügner: Wie nun ans Licht kam, bist du also doch der Regisseur von Star Wars Ep. VII! Somit teilen sich Star Trek und Star Wars künftig einen zentralen Filmschaffenden, was der Nerdwelt allerhand auszudiskutieren gibt. Wichtiger aber: Star Wars Ep. VII ist definitiv in fähigen Händen!

Aber schön der Reihe nach: Im Dezember 2012 sprach sich Abrams noch dagegen aus, den Regieposten anzunehmen, weil er ein riesiger Star Wars-Fan sei und sich diese Verantwortung deswegen nicht auflasten möchte. Stattdessen wäre er lieber als ahnungsloser, zahlender Zuschauer dabei, wenn Star Wars fortgeführt wird. Doch siehe da: Er ließ sich umstimmen! Wie The Wrap erfuhr, war es Steven Spielberg, mit dem Abrams an Super 8 zusammenarbeitete (ein liebevoller Rückgriff auf die Art hochspannender Familienfilme, die Spielberg und George Lucas in den 80ern produzierten), der die neue LucasFilm-Vorsitzende Kathleen Kennedy davon überzeugte, Abrams die Aufgabe, Star Wars Ep. VII zu drehen, schmackhaft zu machen. Spielberg vertraut Abrams und wie ich finde zurecht: Star Trek bewies, dass Abrams mit den technischen Anforderungen an Star Wars klarkommt, Super 8 wiederum zeigte grob, dass Abrams die Sensibilitäten eines guten Lucas-Films beherrscht. Und auch wenn Abrams mit seinen Lichtbrechungen übertreibt, erzählerisch ist er einer der fähigsten kommerziellen Leute Hollywoods, was sich ja schon seit Alias zeigt. Dass er Star Trek Into Darkness um ein Jahr verschieben ließ, um ein besseres Skript durchzukriegen, ist auch ein Pro-Argument für ihn: Er kann sich gegen Studiobestimmungen durchsetzen, wenn er glaubt, den kreativen Prozess somit zu fördern.

Neben Abrams hätten Disney/Lucasfilm laut /Film auch Gespräche mit Ben Affleck geführt, dessen Ansehen als Regisseur nach nur drei Filmen bereits enorm hoch ist und der auch auf Christopher Nolans Wunschliste für Man of Steel stand (zudem ist er mit Sean Bailey befreundet, Chef der Filmproduktion bei Disney). Ein weiterer Regisseur, der seitens des Konzerns angesprochen wurde, ist Kick-Ass-Mann Matthew Vaughn (der eine Hauptrolle für Chloe Mortez vorgeschlagen haben soll).

Doch wisst ihr, was für mich der vielversprechendste Punkt an dieser News ist: J. J. Abrams ist großer Fan von Brad Bird, weshalb er ihn für Mission: Impossible - Phantom Protokoll engagierte. Man mag nur davon träumen, dass Abrams für Bird ein Wort einlegt und ihn zum Regisseur von Episode VIII macht ...

Also: Abrams als Regisseur, Michael Arndt als Autor ... Die Welt sieht gut aus für die neue Star Wars-Trilogie ...

Mittwoch, 23. Januar 2013

POM Wonderful Presents: The Greatest Movie Ever Sold

He's not selling out, he's buying in

Werbung umgibt uns nahezu überall, und wer die hiesige Werbeüberfrachtung bereits nervenaufreibend findet, dürfte in den USA rasch durchdrehen. Während in Deutschland nur vereinzelte Crosspromotions zwischen Filmen und Marken ankommen, aktuell etwa eine Werbekooperation zwischen Subway und Stirb langsam: Ein guter Tag zum Sterben, werden im Heimatland modernen Marketings und Hollywoods kostspielige Filme von Promoaktionen in zweistelliger Anzahl begleitet. Der Kinostart von Iron Man zum Beispiel wurde via Kindermenü-Spielzeuge und Aktionsburger bei Burger King, Sammelbecher bei 7 Eleven, spezielle Audi-Werbespots und viele, viele weitere Promodeals beworben. Und während in Deutschland der Medienjournalismus Amok läuft, wenn Thomas Gottschalk sich bei der Beschreibung eines Gewinnspielpreises in Euphorie quatscht, forcieren Firmen in US-Serien Dialoge wie "Tut mir leid, dass ich zu spät komme, aber ich musste mir noch dieses leckere Footlang-Chicken-Teriyaki-Sandwich bei Subway holen!"

Der humorige Dokuessayist Morgan Spurlock, der bereits mit Super Size Me und Where in the World is Osama Bin Laden? die Grenzen zwischen polemischem Comedyexperiment und popkulturell verdaulicher Gesellschaftskritik verwischte, blickt in POM Wonderful Presents: The Greatest Movie Ever Sold hinter den Vorhang der viel besungenen, wenig im Detail abgebildeten Crosspromotion, Markeeingdeals und Product-Placement-Abmachungen – wie der Titel suggeriert, indem er sich daran beteiligt. Aber, dass will uns die Tagline der Dokumentation versichern: Morgan Spurlock verhurt sich nicht, er steigt bloß ins Geschäft ein.

In einem Paradebeispiel für Transparenz handelt Spurlocks dritte abendfüllende Dokumentation davon, wie Spurlock bei Werbeagenturen und potentiellen Sponsoren Klinken putzt, um das gesamte, 1,5 Millionen Dollar hohe Budget für seine Dokumentation darüber aufzutreiben, wie er bei Werbeagenturen und potentiellen Sponsoren Klinken putzt, um seine Dokumentation zu finanzieren. Richtig gelesen: POM Wonderful Presents: The Greatest Movie Ever Sold ist der womöglich einzige Film der Kinogeschichte, der im Grunde genommen allein aus seinem eigenen Making-of besteht. Damit hat sich Morgan Spurlocks dokumentarische Werbesatire neben Adaptation, und Exit Through The Gift Shop einen Ehrenplatz in den Annalen des Metafilms verdient.

Spurlocks Reise durch die Werbewelt beginnt, als er beschließt, den "Iron Man der Dokumentarfilme" zu verwirklichen. Wozu es, was ihm die Filmwelt der vergangenen Jahre lehrte, die Unterstützung von Werbepartnern benötigte. Also besucht er diverse Werbeagenturen, denen er die Filmidee vorschlägt, mindestens eine zweistellige Summe an Promotionpartnern aufzutreiben. Diese Suche wolle er filmen und dann, durch Unterstützung der Geschäftsdeals, ins Kino bringen. Sämtliche namenhafte Agenturen schütteln ob dieser transparenten Idee den Kopf, haben Angst, dass sie und ihre Klienten von Spurlock in den Dreck gezogen werden. Doch eine kleine, für verrückte Ideen offene Agentur sieht in Spurlocks Vorhaben eine attraktive, aneckende Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu gewinnen. Und so beginnt für Spurlock die Suche nach Marken, die zu ihm passen und ihm vertrauen, eine Reise die ihn zu zahlreiche Konferenzsälen führt, in denen Werbeideen ausgebrütet werden. Zwischendurch sucht Spurlock auch Marketing- und Medienexperten sowie bekannte Filmemacher auf, um sich beraten zu lassen: Kann man seine Integrität behalten, wenn man sich auf solche Machenschaften einlässt?

Gegner von Spurlocks Herangehensweise werfen ihm vor, seine Dokumentationen drehten sich um schale Weisheiten, denen man sich bereits vor dem Film gewiss sein konnte. McDonald's macht fett, der Nahe Osten ist nicht die vereinte Terroristengruppe, die von den Fox News beschrieen wird, und übermäßige Werbung ist lästig. "Wow, wer hätte das gedacht?", lästern Spurlocks Kritiker. Seltsam, dass diese Argumentation nicht bei weiteren Dokus angewendet wird. Nazis waren böse, dass Menschen an Krebs sterben ist traurig, dass in Afrika Kinder verhungern ist ärgerlich und von Drogen wird man high. Na sowas!

POM Wonderful Presents: The Greatest Movie Ever Sold geht selbstredend thematisch tiefer als bloß darauf hinzuweisen, dass Filmwerbedeals existieren. Einen so offenen und ehrlichen, dank Spurlocks lockere Art zudem noch dermaßen kurzweilig vermittelten, Blick auf die Maschinerie hinter Crosspromos erhält der gewöhnliche Kinogänger so schnell nämlich nicht. Zu den Höhepunkten zählen Spurlocks Besuch bei einer Agentur, die ihm nach einer ausführlichen Befragung erklärt, welche Art Marke er repräsentiert, sein Vorsprechen bei einem aufstrebenden Deo-Hersteller, der selber keinerlei Plan hat, wie er sein Produkt bewerben soll, sowie seine Verhandlungen mit Vertretern einer äußerst seltsamen Shampoo-Marke. Die versteckte Vielschichtigkeit der Doku kommt wiederum am Besten zur Geltung, als Spurlock seinen ersten großen Deal abschließt: Derart aggressive Werbekampagnen sind uns Kinogängern üblicherweise lästig, aber wir kommen nicht umher, Spurlock für seinen Erfolg zu beglückwünschen und dem Safthersteller für seinen Mut, an einer kritischen Dokumentation mitzuwirken, unseren Respekt zu zollen. Spurlock zieht in Momenten wie diesen meisterlich die Strippen der Medienwirkung und hält uns somit den Spiegel vor: Wir sind längst nicht so immun gegen Werbung, wie wir es uns erhoffen. Zum Glück holt uns Spurlock kurz darauf mit einem sarkastisch übertriebenen Spot für seine neuen Werbekumpanen wieder auf den Teppich zurück.

In vereinzelten Vignetten verlässt Spurlock seine immer abstrusere Werbeknechtschaft, aufrund derer er nur an bestimmten Orten Interviews führt, bloß ausgewählte Lebensmittel zu sich nimmt und schwört, Deutschland nicht zu diffamieren, um andere Aspekte des Themas aufzuzeigen: Er besucht die werbefreie (und dadurch erschreckend leer wirkende) Stadt Sao Paulo und eine Schule, die ohne den Verkauf von Werbeflächen schließen müsste. Diese Detouren lockern die Doku auf und bieten weitere amüsante wie erschreckende Fakten zur Werbewirtschaft.

Nach einem sich in seinem Metahumor eskalierenden Spurt zur Ziellinie geht Spurlock leider plötzlich die Puste aus und er entlässt den Zuschauer mit einer halbherzigen, pointenlosen Schlussbotschaft in den Abspann. Es ist klar, dass gerade ein Film wie POM Wonderful Presents: The Greatest Movie Ever Sold während der Produktionsschlussphase erst sein Ende findet und im Schneideraum hektisch abgerundet werden muss, weshalb man Spurlock die lahme Schlussminuten nicht zu sehr vorhalten kann. Dennoch wäre ein großer Tusch zum Ende oder eine etwas komplexere, ehrlichere abschließende Anekdote willkommen, um POM Wonderful Presents: The Greatest Movie Ever Sold den letzten Schliff zu verleihen.

Dennoch: Wer Super Size Me und Metafilme magt oder sich für Crosspromo interessiert, wird POM Wonderful Presents: The Greatest Movie Ever Sold gewiss lieben. Auf viele weitere kecke Dokuessays von Morgan Spurlock (der mit diesem Film nicht die vertraglich festgesetzte Mindesteinnahme erreichte und somit wohl eine persona non grata in der Markenwelt wurde),

Dienstag, 22. Januar 2013

Sin City 2: Es geht voran, es geht wirklich voran


Es waren lange, harte Jahre, doch so ganz langsam gewinne ich wirklich den Glauben daran, dass Sin City 2 kein bloßes Hirngespinst ist, sondern tatsächlich Gestalt annimmt. Die Dreharbeiten sind im vollen Gange, selbst wenn das Casting noch nicht abgeschlossen ist (hey, wir reden von Robert "El Mariachi" Rodriguez, der pfeift auf sinnige Reihenfolgen), neben zwei Comicadaptionen gibt es zwei neue Geschichten und gefilmt wird mit nigelnagelneuen 3D-Kameras, die wie Ferraris aussehen. Und Bruce Willis ist zurück!

Aber lasst es euch von Rodriguez selbst erzählen:



Montag, 21. Januar 2013

Disneyland°2 - World of Color & Disney Dreams!


Welcome, foolish mortals!

Disneyland Paris feiert sein 20-jähriges Jubiläum, und für mich ist dies die ideale Gelegenheit, den hiesigen Park mit dem Anaheimer Original zu vergleichen.




So, hiermit bin ich beim Finale meiner Vergleichsreihe angekommen - die beiden Shows, die in Anaheim und in Paris nun täglich den Abendhimmel erleuchten.
Dabei kommt beiden Präsentationen eine enorme Bedeutung in ihren jeweiligen Parks zu. Als World of Color im Sommer 2010 eröffnet wurde, gelang es der Show praktisch im Alleingang, California Adventures zu neuem Ruhm zu verhelfen und den schlechten Ruf des Parks zu heben. Die Show ist so erfolgreich, dass man sich als Zuschauer für die (enorm große) Tribünenfläche Tickets besorgen muss, die täglich bis zum Mittag vergriffen sind. Disney Dreams! stellte für 2012 dagegen die große Neuerung in Paris dar, die den 20. Geburtstag von Disneyland attraktionsmäßig erfolgreich alleine bestreiten konnte.

Anaheim

Natürlich ist mir bewusst, dass mein Gastgeber sich schon längst um einen Vergleich der beiden Shows gekümmert hat, doch es gibt genug Gründe, warum ich nun trotzdem nicht zurückstecken will - zum einen wäre es eine Schande, dieses Glanzstück meines Park-Vergleiches auslassen zu müssen, außerdem kann es zu diesen zwei großartigen Präsentationen kaum je zu viele Begutachtungen geben, und schließlich habe ich das Glück gehabt, beide Shows live erleben zu können. Dazu kommt, dass ich zu der eher objektiv-rationalen Sichtweise von Sir Donnerbold nur zu gerne mein persönliches, subjektives Empfinden hinzufügen möchte.

Paris

Gerade weil es sich in beiden Fällen um Vorführungen handelt, die ihre Zuschauer auf möglichst vielen Ebenen bewegen, aber auch beeindrucken wollen - anders gesagt, es geht nicht zuletzt um den „Wow-Effekt“ - macht es, denke ich, einen großen Unterschied, ob man die Show wirklich direkt erleben konnte. Und das fängt schon bei der jeweiligen Umgebung an. Anders als bei einer Videopräsentation stehen die Shows in Wirklichkeit ja nicht im luftleeren Raum; sie beide sind von Stimmung und Thematik her fest in ihr Umfeld eingegliedert.

Paris
Disney Dreams! kann in Paris mit der Kulisse des Dornröschenschlosses nicht nur den geographischen Mittelpunkt des Parks für sich verbuchen, sondern vor allem den thematischen - ein phantastischeres Umfeld als dieses ist kaum vorstellbar. Damit erhebt die Show schon von vornherein den klaren Anspruch, der zauberhafte Mittelpunkt des Abends zu sein, und dazu ein würdiger Ersatz für das frühere Feuerwerk. In Anaheim hat Disneyland dagegen ein eigenes Schloss-Feuerwerk; hier geht es bei World of Color wirklich um eine Alternative zu der um das Dornröschenschloss flatternden Tinker Bell. Damit muss und will die Show nicht wie in Paris alle erwünschten Aspekte vereinen.
Anaheim
Nicht umsonst befindet sich World of Color nicht in Disneyland, sondern in California Adventure. Natürlich handelt es sich dabei auch um einen Disneypark, aber der Fokus ist unübersehbar anders gesetzt - es geht bei dem Park weit weniger um Zauber und Disneymagie, sondern um Abenteuer und grandiose Erlebnisse. In diesem Sinne ist auch die gesamte Umgebung gestaltet; die Zuschauer betrachten die Show vor der Kulisse des Paradise Pier, der nicht etwa von einem Schloss, sondern von Mickeys Riesenrad dominiert wird. Damit herrschen von Anfang an völlig andere Erwartung an die Show, und auch wenn die glamouröse Cony-Island-Stimmung Paris‘ traumartige Schlosskulisse kaum übertreffen kann, so macht sie ihr durch ein völlig anderes Feeling doch gewaltige Konkurrenz.
Aber es gibt von der Umgebung her noch einen anderen, nicht unerheblichen Unterschied: Statt der kleinen Schlossfläche steht hier ein riesiges Becken zur Verfügung, das Platz für eine wahre Unmenge an Wassergeräten gibt. Alleine technisch hat World of Color dadurch einen Riesenvorsprung.


Anaheim
Eigentlich sagen diese Vorbedingungen schon alles über das Wesen der beiden Shows aus: Disney Dreams! bietet eine magische Präsentation, während World of Color zuallererst spektakulär sein will. In diesem Sinne bemüht man sich in Anaheim gar nicht erst darum, eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen; es geht um das Erlebnis, um die grandiosen Effekte, auf die sich die Show denn auch voll und ganz konzentriert. Das Ergebnis ist schier überwältigend; riesige Wasserfontänen und gewaltige Feuereffekte erfüllen immer wieder die gesamte Sichtweite der Zuschauer. Hier ist definitiv das Wasser selbst die Hauptsache, auf die jede Einzelheit der Show voll und ganz ausgerichtet ist.
Paris
Disney Dreams! ist alleine von seinen Ausmaßen sehr viel kleiner gestaltet, doch dafür ist es den Künstlern gelungen, den vorhandenen Platz auf völlig andere Weise zu nutzen. Hier bekommt der Zuschauer eine eigene Geschichte um Peter Pan und seinen widerspenstigen Schatten erzählt, und die Effekte sind hauptsächlich dafür da, diese Handlung zu unterstreichen, statt die eigene Hauptattraktion zu sein. Außerdem kann die Show zusätzlich auf die Macht von Feuerwerk, Schlosskulisse und vor allem den grandiosen Projektionen zählen - und sie nutzt diese Mittel mit beeindruckender Effizienz. Das Wasser ist schließlich kaum mehr als ein schönes Beiwerk, während das Schloss selbst sicher den ersten Rang einnimmt, weshalb ich das Ganze auch eher als Projektions-, denn als Wassershow bezeichnen würde.
Die Show will berühren und auf künstlerischer Ebene beeindrucken, wie wenn das Schloss kurzfristig zu Notre-Dame wird, oder auch zu einer Steampunkversion seiner selbst, die, begleitet von düsterster Musik, wirklich beeindruckend wirkt. World of Color beruft sich dagegen ganz auf die überwältigende Wirkung, die schon alleine aus der genutzten Größe entsteht. So hat das Bösewicht-Segment in Anaheim eine vollkommen andere Wucht; die Musik aus Fluch der Karibik geht über in den Feuervogel und die Nacht auf dem kahlen Berg, ehe schließlich während Das Feuer der Hölle der gesamte Horizont buchstäblich in Flammen steht. Es handelt sich für den Zuschauer um ein wahres Erlebnis, wohingegen Disney Dreams! eher eine theaterartige Präsentation sein will.

Anaheim
Wie schon zu Beginn festgestellt, muss meine eigene Beurteilung gerade in diesem Falle höchst subjektiv ausfallen. Auch wenn zugeben muss, dass Disney Dreams! wohl realistisch betrachtet die durchdachtere, „bessere“ Show sein mag, so war das Liveerlebnis von World of Color doch eine einmalige Erfahrung, die in seiner überwältigenden Wirkung von nichts zu übertreffen ist.

Ananke Ro gibt‘s jetzt auch auf einer eigenen Seite: Besucht mich auf www.AnankeRo.com!

Samstag, 19. Januar 2013

Waltmenschen: Jack Kinney


An dieser Stelle möchten wir den bekannten und weniger bekannten
Mitarbeitern Walt Disneys einige Zeilen widmen – Im Schatten der Maus.


Jack Kinney (links) und Cliff Edwards posieren für ein Dumbo-Produktionsfoto

Im Rahmen von "Im Schatten der Maus" wurde ja bereits erwähnt, dass Goofy mehrere geistige Väter hat. Neben Studioboss Walt Disney, Originalstimme und Inspiration Pinto Colvig und dem seinen Charakter analysierenden Animator Art Babbitt wären da der Zeichner John Sibley, der den späteren, schnelleren Goofy-Humor vorführte und perfektionierte, sowie niemand geringeres als der Regisseur Jack Kinney, ohne den Disneys schlappohriger Tollpatsch nie zu seinen prototypischen Cartoons gekommen wäre.

Jack Kinney wurde am 29. März 1909 geboren und lernte auf der High School seinen besten Freund und langjährigen Mitarbeiter Roy Williams kennen. Die beiden an der Zeichenkunst interessierten Footballspieler heuerten in den frühen 30er-Jahren bei den Walt Disney Studios an (Kinney begann seine Arbeit offiziell am 9. Februar 1931), wo Kinney zunächst zu den wenigen Männern zählte, die im "Ink & Paint"-Departement des Studios tätig waren. Kinney gab dort unter anderem Mickys erstem Farbcartoon The Band Concert seine Form, ehe er in die Storyabteilung aufsteigen durfte und als leitender Storykünstler für diverse Micky- und Pluto-Filme verantwortlich war. Darunter befanden sich The Brave Little Tailor, Walts großer Hoffnungsträger für den Start eines Micky-Comebacks, sowie Mickey's Trailer, einer der vielen gemeinsamenAuftritte vom braven Mäuserich, dem Hunde-Tollpatsch und dem zornigen Unglückserpel.

Kinney und Williams wurden in den Disney-Studios rasch bekannt wie ein bunter Hund. Der große, auffällige und nicht gerade stille Ire Kinney gab allein schon optisch neben dem schon früh seine Haare verlierenden, untersetzten und ein wachsendes Bäuchlein vor sich herschiebenden Williams einen ulkigen Anblick ab, was dem Duo selbst stets bewusst war. Als wären sie nie der Pubertät entwachsen, fuhren sie nahezu immer gemeinsam in Williams' Ford Roadster zu den Studiotoren vor und kündigten ihre Ankunft mit frechen Spitznamen füreinander an. An ihrem Arbeitsplatz rangelten sie regelmäßig, was häufig genug dazu führte, dass Storyboardtafeln und Wasserspender zu Bruch gingen.

Großen Respekt bei ihren Kollegen ernteten die zwei wilden Buben, als sie den unter den Angestellten verhassten Studiomanager George Drake während eines besonders hitzigen Exemplars seiner gefürchteten Tobsuchtsanfälle packten, emporhoben, in aller Seelenruhe und kommentarlos aus dem Studio trugen und mitten auf der Hyperion Avenue absetzten. Zwar bekamen sie dafür einen Anschiss von oben, aber die Standing Ovations ihrer Kollegen sollen es angeblich wert gewesen sein.

Das freimütige und unbändige Naturell Kinneys spiegelte sich auch in seiner Arbeitshaltung und dem Humor seiner Kurzfilme wider. Als Hitzkopf Art Babbitt, aufgrund des großen Studiostreiks vorläufig nicht zur Verfügung stand, sprang Jack Kinney ein und schuf als Regisseur ein Goofy-Segment für den Mischfilm The Reluctant Dragon. Dieses fungierte als Geburtsstunde für die How to ...-Reihe und somit als Wendepunkt zwischen Babbits und Kinneys Goofy. Die Reihe steigerte sich nach dem dezent mit Ironie und noch besonnenem, Disney-typischen Slapstick arbeitenden Einstieg How to Ride a Horse konsequent in immer mehr Irrsinn hinein, die dem „erdigeren“ Goofy Babbits weniger und weniger entsprach. Wenn nicht mit How to Play Baseball, dann stellten die Goofy-Cartoons spätestens mit Hockey Homicide reinen Ausdruck von Kinneys anarchischem, hyperrasanten und überaus körperlichem Chaoshumor dar.

Es war auch Jack Kinney, und nicht Donalds Stammregisseur Jack King, der den Oscar-Gewinner DerFuehrer's Face inszenierte und somit Donalds Albtraum, im Naziland zu leben, mit seinem denkwürdigen, keinerlei Grenzen kennenden Irrsinn ausstattete.

Die feistere Seite von Kinneys Humor zeigt sich am besten in dieser Karikatur der "sieben Gesichter Walt Disneys"

Die Rasanz Kinneys zeigte sich auch gegen Ende seiner Disney-Karriere im Kurzfilmsektor, etwa in dem eskalierenden Limited-Animation-Cartoon Pigs Is Pigs von 1954 oder in den von ihm geschriebenen Donald-Kurzfilmen How to Have an Accident in the Home und How to Have an Accident at Work. Kinney war allerdings nicht völlig auf Chaosslapstick-Cartoons festgelegt und war als Sequenzregisseur an den Meisterwerken Pinocchio, Saludos Amigos, Drei Caballeros, Make Mine Music, Fröhlich frei, Spaß dabei, Musik, Tanz und Rhythmus sowie Die Abenteuer von Ichabod und Taddäus Kröte beteiligt. Kinneys nunmehr wohl umstrittenste Leistung während seiner Disney-Laufbahn ist unterdessen die Leitung der Krähen-Sequenzen in Dumbo, welche von vereinzelten Filmhistorikern des Rassismus angeklagt wird.

Die Krähen waren bereits Part von Joe Grants und Dick Huemers ursprünglichem, 102 Seiten starken Storytreatment, worin jedoch für deren Szenen kein Song vorgesehen war. Während des Storyboard-Prozesses empfand es Kinney als naheliegend, den Kern der Szene mit einem Lied zu vermitteln, was zunächst einiges Hin und Her zwischen den verschiedenen Studioabteilungen verursachte und dazu führte, dass die betroffenen Sequenzen zu den letzten zählten, die fertig gestellt wurden. Als der Song feststand, so erinnert sich jedenfalls Disney-Legende Ward Kimball, schlug Kinney vor, für die Aufnahme neben des (afro-amerikanischen) Hall Johnson Choirs auch Jiminy-Cricket-Sprecher Cliff Edwards zu besetzen.

Grund dafür war ein Liveact, den Edwards zusammen mit Komiker Lou Clayton 1922 aufführte und der sehr positive Kritiken erhielt, weil Edwards im (sonst so unsensiblen) Blackface eine akkurate, unüberspitzte Imitation schwarzen Slangs zum Besten gab. Gemeinsam mit Edwards Erfahrung hinter den Disney-Mikros und seiner Fähigkeit, zahlreiche Instrumente nachzuahmen, habe dies ihn für die Rolle eine der Krähen qualifiziert und seine lebendige Performance soll es gewesen sein, die seine Krähe zum Anführer der Bande herauskristallisierte. Die der Besetzung Edwards und der Umsetzung der Szene zuweilen unterstellte Diffamierung von Afro-Amerikanern war demnach niemals Intention Kinneys und des restlichen Studios.

Gemäß Ward Kimball war Kinney generell ein sehr intuitiv arbeitender Regisseur, der sich, so weit es ihm möglich war, seine Zeichner aussuchte und solche Verrückten wie nunmal Kimball oder den genügsamen, zeichnerisch stets die Pointe auf den Kopf treffenden John Sibley um sich scherte. Kinney habe vorab genau gewusst, was er wollte, und aus dem Bauch heraus entschieden, wie dies erreicht werden kann und wo er den Animatoren freie Hand lassen kann. Oft habe er ihnen sogar völlig freies Geleit gegeben und dann die Stapel Zeichnungen genommen, um selbst das Timing zurecht zu rücken oder aus mehreren Alternativen die endgültige Fassung zusammenzusetzen. Dies habe ihn zum Gegenstück von Regisseuren wie Wilfred Jackson gemacht, welcher seine Aufgabe wie eine Wissenschaft betrachtete und Studien anfertigte, um die Szenen bis ins Detail zu analysieren.

1954 bis 1957 kam Kinney dann die mehr Disziplin und Feinarbeit verlangende Aufgabe zuteil, die Übergänge zwischen neuer und wiederverwendeter Animation in der TV-Show Disneyland zu überwachen. Am 13. März 1958 gründete er schließlich seine eigene Produktionsfirma, die in den Folgejahren für UPA 1001 Arabian Nights mit deren gezeichneten Superstar Mr. Magoo umsetzte, zudem erstellten Jack Kinney und sein Bruder Dick zwischen 1960 und 1962 100 Fernseh-Farbcartoons mit Popeye.

Bald darauf zog sich Kinney aus der Trickproduktion zurück. 1988 veröffentlichte er als einer der ersten Disney-Filmschaffenden eine prominent veröffentlichte Memoirensammlung (mit dem humorigen Titel Walt Disney and other assorted characters - An unauthorised account of the early years at Disney's), vier Jahre später verstarb er eines natürlichen Todes.

Donnerstag, 17. Januar 2013

Meine Gedanken über das Kinojahr 2012


Langsam, aber sicher nähert sich auch in Hollywood das Kinojahr 2012 seiner Abschiedsvorstellung. Die Golden Globes sind bereits verliehen, und sobald die Oscars ausgehändigt wurden, kann sich 2012 in den Cinemahimmel verabschieden. Bis dahin möchte aber auch ich meinen traditionellen Rückblick auf das hinter uns liegende Jahr abhalten, wieder einmal mit ein paar Wochen Abstand zum Feiertagstrubel.

Allerdings fällt es mir auch mit einigen Tagen Bedenkzeit schwer, 2012 einen Stempel zu verpassen. War es das Jahr der großen Blockbuster? Nun, mit den gelungenen Milliarden-Dollar-Hits The Avengers, The Dark Knight Rises und Skyfall war 2012 gewiss kein zurückhaltendes Jahr, aber nach diesen drei Filmen kommt in Sachen überdimensionaler und erfolgreicher Action erstmal eine ehrfürchtige Lücke, ehe solche Blockbuster wie The Amazing Spider-Man, Die Tribute von Panem oder Men in Black III folgen. Und bedenkt man erst, was sich 2015 alles in den Kinos stapeln wird, nämlich Disneys mordsmäßige Blockbuster-Armada sowie eventuell Justice League und Avatar 2, so kann man 2012 nicht guten Gewissens ein Jahr der Hollywood-Megalomanie nennen.

Da war 2012 schon eher ein Jahr gelungener Filme des mittelgroßen Kinos (zu populär für Nischenfilme, zu eigen für's Multiplex), wobei viele meiner Favoriten in Deutschland verspätet gestartete 2011er Produktionen waren. Aber dazu bald in meiner endlich in den Startlöchern stehenden Lieblingsfilmliste 2012.

2012 war auch ein Jahr der Enttäuschungen, wobei dieses Urteil eher auf der reinen Masse der Enttäuschungen basiert, denn keine der Enttäuschungen war so groß, dass sie meine Sichtweise des Filmjahres getrübt hätte. Aber in ihrer Gesamtheit stellen sie eine stattliche Gruppe dar: John Carter war eine finanzielle Schlappe, Merida enttäuschte meine Hoffnungen auf ein epochales Pixar-Märchen, Hugo Cabret war längst nicht so magisch und kunstvoll wie ich mir ausmalte, The Rum Diary unfassbar öde, Woody Allens To Rome With Love war mehr Fehlschlag als Treffer, The Raid und Dredd 3D hielten meiner Meinung nach ihrem Hype nicht stand, und dann war da noch meine größte Enttäuschung 2012: Dark Shadows, Tim Burtons verzweifelter Versuch, ein bis zwei Jahre Seifenoper in einen einzelnen Kinofilm zu quetschen und die Vorlage gleichzeitig zu parodieren, ihr zu huldigen und eine rauere Ader zu verpassen. Was aus diesem kreativen Chaos entstand, war ein riesiger Berg heißer Luft und viel, viel Langeweile und der dritte Burton-Film bei dem ich mir denke "brauch ich den überhaupt auf DVD?"

Doch selbst Dark Shadows ist eher Teil der Kategorie "schnell vergessen", und somit kein prägender Moment des Jahres. Was mir von 2012 brennender in Erinnerung blieb, findet ihr hier:

Besondere Kinobesuche
2012 konnte ich sowohl meinen privaten wie auch meinen beruflichen Kinoalltag durch einige tolle Sonderveranstaltungen auflockern. Zwar fand das große Autokinowochenende in meiner Nähe wegen der enttäuschenden Filmauswahl ohne mich statt, dafür nahm ich an gleich zwei Triple-Features teil:

Zuerst war da die ausschweifende Batman-Nacht zum Kinostart von The Dark Knight Rises, die dank nahezu vollem Haus und vielen die Filme aufsaugenden Fans ein wunderbares Kinofest für mich war. Ja, während der ersten zwei, drei Actionszenen herrschte wegen der Tragödie in Aurora eine leichte Anspannung, aber da sich das Saalpublikum traute, bei den witzigen Stellen herzlich zu lachen, statt so zu tun, als wären Nolan-Filme durchweg staubtrocken, lockerte sich die Stimmung rasch auf. Nach Batman Begins ging ein allgemeines "Wow, besser als ich in Erinnerung hatte"-Raunen durch den Saal und bei The Dark Knight Rises war noch nichts der im Internet aufblühenden Rumnörgelei zu spüren.

Ganz anders war das Der Herr der Ringe-Triple am Sonntag vor dem Hobbit-Start. Es war weniger eine Zelebration der Filme, sondern ein kollektives Staunen. Zwischen den Filmen gab es sehr amüsante Gespräche, etwa über Legolas' Expositionslasten im ersten Part, insgesamt war dieses Triple aber ruhiger und überwältigter. Es hat meinen Respekt vor der Saga nochmal etwas erhöht, zugleich wurde mir dank dieses Triples jedoch sehr anschaulich klar, was mir alles an Der Hobbit nicht schmeckt.

2012 kam ich außerdem, durch reinen Zufall, in den Genuss einer Privatvorführung. Es hat an dem Abend halt sonst niemand ein Ticket für Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen gelöst. Aber der absolute Höhepunkt war das von den entsprechenden Filmsequenzen begleitete Livekonzert zu Fantasia (und genau genommen auch Fantasia 2000), mit dem ich mir die Jahreszielgerade versüßen durfte. Tolle Musik, wunderbare Tricksegmente, DONALD! und eine wundervolle Atmosphäre im Saal, locker und kultiviert zugleich. Für rund zwei Stunden waren alle Sorgen abseits des Saals vergessen.

Positive Überraschungen
2012 galt es zwar allerhand Enttäuschungen durchzustehen, dennoch bot auch dieses Jahr Filmerlebnisse, die längst nicht so grausig waren wie zuvor befürchtet. Erwartete ich von Tarsem "Wie zum Chernabog konnte sich der Kerl eine so eingeschworene Fangemeinde erarbeiten?" Singhs Schneewittchen-Schwachfug Spieglein Spieglein, dass er schierer Folter gleichkommt, entpuppte er sich als weitgehend harmlos. Viele Gags fielen flach und die visuellen Ideen scheiterten oft an der ungaren Umsetzung, allerdings waren manche Szenen doch ganz einfallsreich und die Grundstimmung des Films angenehm niedlich. Bei weitem kein guter Film, aber wenn die Trailer vorab Seltzer/Friedberg-Niveau versprechen, ist "joah, annehmbar" bereits eine freudige Überraschung. Men in Black III war derweil, vom Titelsong abgesehen, um einiges besser als der direkte Vorgänger und machte dank der Chemie zwischen Will Smith und Josh Brolin sehr viel Spaß. Das 3D war wohlgemerkt für die Tonne.

Außerordentlich überrascht war ich dann, wie sehr mir The Amazing Spider-Man gefiel. Ja, der Film ist überflüssig und eine eiskalte Geschäftsnummer von Sony Pictures, allerdings stimmten Tonfall, Optik und Darstellerwahl. Das Finale hat eine ungeheuerlich peinliche Aktion, die es zu verkraften gilt (*hust*Kräne*hust*), aber Andrew Garfield gefiel mir in seiner Rolle, Emma Stone ist super, der Humor sitzt und der dunkle, nicht aber übertrieben düstere Look hatte auch was für sich. Die streng genommen größte Überraschung des Jahres war für mich ... Battleship! Ja, Battleship, und ich weiß, viele werden nun verzweifelt mit dem Kopf schütteln. Ich schlag diesen Hohldoof-Film ja nicht für einen Oscar vor oder bewerbe inniglich die Blu-ray, ich will bloß festhalten, dass er weit über meinen enorm, enorm weit unten angesiedelten Erwartungen abschnitt:

Als mit Alienraumschiffen vollgestopfte Big-Budget-Verfilmung eines Brettspiels, deren Trailer zum Bersten voll mit Transformers-Soundeffekten waren, kündigte sich Battleship als Zeichen der Hollywood-Apokalypse an. Michael Bays Transformers-Filme fand ich schon unausstehlich genug, da brauchte es wahrlich keinen kostspieligen Trittbrettfahrer, der auf einer noch dünneren Vorlage basiert und diese dünne Vorlage noch herber fehlinterpretiert als es Bay mit seinen Roboterautoaliens tat. Im Vorfeld schmerzte mir einfach alles an Battleship: Die Idee, die Vorstellung, dass es mehr davon geben wird, was dieser Film repräsentierte, die Besetzung von Rihanna, das Sound- und Aliendesign im Trailer ...

Möglicherweise lag es an meinen unfassbar niedrigen Erwartungen, doch tatsächlich habe ich mich im Kino von Battleship (auf denkbar niedrigem Niveau) nett unterhalten gefühlt. Zumindest deutlich mehr als von jedem einzelnen Transformers-Film. Taylor Kitsch gefällt mir in seiner "der raue Held mit warmen Herzen, der Verantwortung lernen muss"-Rolle mehr als Shia LaBeouf in der Transformers-Reihe, der Humor sitzt besser als bei Michael Bays Parade der Peinlichkeiten und die Nebenplots sind zwar durchweg vom Reißbrett, jedoch erträglicher als in ... ihr wisst schon. Dass mir Peter Bergs kommerzgeile Geldbettelei mehr gefiel als seine oberflächliche Inspiration, liegt auch daran, dass Berg sich mehr im Griff hat als Michael Bay. Bay ist ein wahrer Krawallästhet, seit Beginn seiner Robotersaga erkennt man dies bloß kaum noch, weil er sich in seinen eigenen Markenzeichen verliert und durch Megacloseups, Wackelkamera und den dauernden Superdupertemposchnitt die Hochglanzzerstörung kaputt macht. Peter Berg inszeniert mit ruhigerer Hand, und obendrein erinnert er sich besser an die Wurzeln dieser polierten Popcornaction als ihr Spitzenschüler Bay. Ja, Transformers ist unübersehbar das Vorzeigevorbild, die Figurenzeichnung und -konstellation und der generelle Tonfall erinnern mehr an eine etwas verblödete Version des guten alten 90er-Bruckheimers, statt an Bays Arbeiten ohne den Überproduzenten. Statt eines miesen Abklatschs der Transformers-Reihe stellt Battleship für mich also das dar, was diese Filme mit Bruckheimer an Bord hätten werden können, eine dümmliche, hochgezüchtete Fortführung seiner stylisch-lauten Explosionsaction ohne CG-Overload. Auf einer Popcornspaßkinoskala von 0 bis 10, auf der 0 für Pearl Harbor und die 10 für Armageddon oder The Rock steht, würde ich Battleship eine 5 geben. Und das ist schon weit mehr als man ihm gemeinhin anrechnet. Ja, ich, Sir Donnerbold, toleriere diesen Film. In einer Welt, in der der Kritikerkonsens von Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten besagt, dass der Film zu kompliziert (seriously?!) sei, und in der Pixar Filme wie Cars 2 produziert, ist das eines der geringsten cineastischen Verbrechen!

Die beste Synchro
Wenn mich eine deutsche Synchro 2012 voll und ganz in ihren Bann gezogen hat, dann die von The Dark Knight Rises. Sie ist keineswegs perfekt, sondern hat so ihre unerklärlichen Patzer. Beispielsweise ist Marcus Off auf Nestor Carbonell in seiner ersten Szene eindeutig nach unten gepitcht, wieso weshalb warum auch immer. Aber es gibt auch Dinge, die für die deutsche Fassung sprechen, ganz gleich, wie frevlerisch es in Zeiten der immer lauteren O-Ton-Jünger sein mag, so etwas zu behaupten. David Nathans Batman-Stimme rutscht nie derart ins unverständlich-überzogene wie die von Christian Bale und Maud Ackermann bleibt standfester in der Miranda Tate angebrachten Tonlage als Marion Cotillard im Original. Aber das sind alles nur nichtige Randbemerkungen, denn ein Mann allein ist es, der die hiesige Lokalisierung von The Dark Knight Rises emporhob und für mich zu einer der einprägsamsten Kinomomente 2012 formierte: Tobias Kluckert!

Der Stammsprecher von Seth Rogen, Jason Bateman, Gerald Butler (mit Ausnahmen wie 300) und Bradley Cooper gehört aufgrund seiner sonoren, kumpelhaft-warmen und leicht rauchigen Stimme sowie seiner darstellerischen Vielseitigkeit eh zu meinen Lieblingssprechern überhaupt und ist für mich definitiv der Star der neuen Generation an Künstlern aus einer Branche, die immer mehr von Publikumsignoranz, Studioauflagen, Zeitdruck sowie mangelndem Nachwuchs in Mitleidenschaft gezogen wird. Wie das englischsprachige Original, so polarisierte auch die deutsche Darstellung Banes das Kinopublikum. Ebenso wie Tom Hardy, warfen einige Kritiker Kluckert vor, Bane einen verwirrenden, sonderbaren Sprechrhythmus verliehen zu haben. Ich aber stelle mich mit Bestimmtheit hinter den Rücken des Berliners und sage, dass Bane die beste Sprechrolle seiner bisherigen Karriere darstellt! Das Adjektiv "kongenial" wird im Zusammenhang mit Synchros leider recht leichtfertig gebraucht, nahezu jede Synchro, die nicht unterdurchschnittlich ist, wird nunmehr mit diesem Etikett bedacht, aber in diesem Falle trifft es (zumindest für meine Ohren) vollauf zu. Kluckert nahm, unter der Synchronregie von Tobias Meister, Tom Hardys Original und modulierte es nicht nur verlustfrei für den deutschen Sprechhörer um, sondern hob es sogar auf eine noch eindringlichere Ebene.


Hardys Bane mit Kluckerts Stimme hat eine einschüchternde Präsenz, ist ein unberechenbarer Muskelprotz von einem Schurken, doch wenn er während seiner Monologe den Gestus eines entspannten Showmasters emuliert, wird bereits nonverbal deutlich, dass er kein bloßer Haudrauf-Trottel ist. Sobald er das Wort an einen richtet, entwickelt er fast schon eine benebelnde Wirkung: Der Tonfall ist hart, das Timbre charismatisch und er liefert seine bitterbösen, von manischem Tatendrang bestimmten Reden mit einem faszinierenden Singsang ab. Dass der so düstere Bane unwillkürlich irgendwelche Silben zu hoch anstimmt, verwirrt, lässt unterbewusst vermuten, dass alles für ihn nur ein Spiel ist. Kluckerts Bane ist verachtungswürdig, doch es ist schwer, von ihm zu lassen, seine Spielfreude verleiht ihm ein diabolisches Charisma.

Als ich The Dark Knight Rises erstmals in der Synchronfassung sah, in einen riesigen Kinosessel eines Lichtspiehauses mit kräftigen Soundboxen versunken, und der Bane-Prolog auf die Leinwand flimmerte, war ich wie hypnotisiert. Dieser Sprecher, solch eine genüssliche Schurkenrolle mit bitterem Humor, diese Sprechfärbung ... Mein innerer Fanboy war hellauf begeistert. Und ist es noch immer. Gäbe es eine Hörbuchreihe Tobias Kluckert liest Klassiker der Weltliteratur ... als Bane, ich würde sie abonnieren.

Nervendes Publikum
Ähm, genug der Liebeserklärung, Zeit für die Spezialität des Internets: Zorn! Man sollte denken, ich habe im Kino bereits genug erlebt, aber noch immer renne ich Jahr für Jahr mindestens einmal in einen Saal voller Nervensägen. 2012 jedoch blieb ich immerhin so weit von den Kinoknigge ignorierenden Blödhammeln verschont, als dass ich an dieser Stelle nur eine einzige Hassanekdote zu berichten habe. Diese betrifft den großartigen Agentenfilm Dame König As Spion mit einem umwerfenden Gary Oldman in der Hauptrolle als Agent, der auf coole Art und Weise beweist, dass denkende, nicht schießende Agenten ebenfalls ihren Platz im Kino verdient haben. Das Saalpublikum, das ich bei meiner Sichtung dieses durchdachten und zurückhaltenden Thrillers durchleben musste, empfand aber vollkommen anders. Es hätte mir schon eine Warnung sein müssen, dass so ein ruhiger, wortlastiger und intelligenter Film in einem Multiplex vor ausverkauftem Haus spielte. Hier dachten wohl alle, dass sie ein Streifen der Marke Bond erwartet, inklusive heißer Verfolgungsjagden, schnellen Bräuten, bombastischer Musik und melodiöser Action (oder sowas). Denn schon in der Introsequenz war unzufriedenes Gemurmel zu hören, dass der die gesamte Handlung in Gang bringende Angriff so unaufgeregt inszeniert ist. Sobald dann Verhöre ohne Folterandrohung geführt und Akten gewälzt werden, beginnen im ganzen Saal ungeduldig Hintern auf ihrem Sessel rumzurutschen. Die ersten "was für'n langweiliger Scheiß, alda!"-Gespräche beginnen, genervt wird auf dem Popcorn gekaut, und wann immer eine Knarre gezeigt wird, atmen alle erleichtert auf, nur um dann frustriert zu stöhnen, weil sie nicht gebraucht wird. Und: Niemand, niemand, niemand (!) verließ den Saal. Alle quälen sich weiter durch, stöhnen, ächzen,  brummeln, fangen Gespräche an.

Höhepunkt der Idiotie: Nach dem einzigen brutalen Moment, in dem einer Figur das Hirn rausgepustet wird, fragt das Mädel hinter mir (ohne jeden Anflug von Ironie) "Ist die jetzt tot?". Als der Film dann sein triumphales Ende erreichte und der gesamte Saal (bis auf zwei Personen) aufschrie "Na endlich", legte das Mädel nach: "Was für eine Drecksscheiße!" Ihr Freund: "Mir gefiel's!" Sie: "Echt? Ich fand ihn von Anfang bis Ende sterbensöde! Wie kannste das toll finden?" Er: "Ich hab den Film ja auch verstanden ..."

Ohje, so können Beziehungen ihr Ende finden. Und auf jeden Fall findet so dieses Posting sein Ende, denn mehr habe ich über 2012 nicht zu sagen. Von der Liste meiner Lieblingsfilme des Jahres abgesehen, und die hat ja ihren eigenen Beitrag verdient!

Montag, 14. Januar 2013

1952: George Clooney offiziell Star des geheimnisvollen Brad-Bird-Projekts


Boah, Disney, ey, ich hatte heute Abend eigentlich noch anderes vor, als mich über Kino-Ankündigungen zu freuen! Aber gut, weil du mein Lieblingsstudio bist: Disney bestätigte nun die Gerüchte, dass niemand geringeres als der charmante Superstar George Clooney die Hauptrolle im Science-Fiction-Film 1952 übernimmt.

Die von Damon Lindelof, Jeff Jensen und Brad Bird entwickelte Großproduktion wird von allen Beteiligten in einen riesigen Mantel des Schweigens gehüllt und soll eine ähnliche Stimmung wie Spielbergs Unheimliche Begegnung der dritten Art aufweisen, allerdings nicht von Aliens handeln (öhh ... ja, genau, klingt logisch!). Außerdem bezieht sich der Titel auf ein sonderbares Fundstück aus den Disney-Archiven.

Brad Bird, der ein großer IMAX-Verfechter ist und sich bislang als 3D-Freund äußerte, der jedoch die Zukunft des Formats anzweifelt und bislang kein Projekt fand, dass diese Technik rechtfertigt, wird mit 1952 seine 3D-Premiere feiern, der Kinostart ist für den 19. Dezember 2014 vorgesehen. Denn nicht alles kann erst 2015 ins Kino kommen.

Dieses Jahr schon wieder ...

"Du bleibst! Wir servieren dir ein fürstliches, filmisches Mahl, also denk ja nicht, vor 2015 zu verschwinden!"

2015 ist das letzte Jahr, das Disneys CEO Bob Iger in seinem Amt verbringen wird. Danach dankt er ab. Und offenbar will sich Iger mit seinem letzten Jahr bei Disney selbst ein Denkmal setzen: 2015 soll Disney angeblich sein bislang streng geheimes Videospiel-Projekt auf den Markt bringen, für Ende 2015 wird die Eröffnung des allen Planungen nach malerischsten Disney-Themenparkkomplex (Shanghai Disneyland) erwartet und dann wären da noch die dezenten, kleinen Indie-Produktionen Marvel's The Avengers 2 und Star Wars: Episode VII sowie die Möglichkeit eines dritten Tron-Films. Ein Jahr, dass Igers Nachfolger so leicht nicht toppen können wird!

Sonst noch was, das das Fanherzen begehrt? Ja, natürlich! Ihr alle wisst, wohin mein Kompass stets deutet, wieso also weiter künstlich Spannung erzeugen: Am 10. Juli 2015 startet Pirates of the Caribbean 5!

Selbst mit der noch immer nicht sonderlich einzuordnenden Nachricht im Rücken, dass Piraten-Novize Jeff Nathanson am Drehbuch rumspielt, ist diese Meldung für mich wie ein kräftiger Schluck Rum. Vitalisierend, wohltuend und ein Grund, weshalb ich plötzlich nicht mehr klar denken und gerade gehen kann. Wuhu!

Leichte Fanängste bleiben dennoch. Ich mag nun auch erfahren, ob Terry Rossio weiterhin als Autor an Bord ist (bittebittebitte!) und wer bei Jack Sparrows fünften Kinoabenteuer Regie führt (bittebittebitte ein Name, den ich gerne höre!). Und dann kann ich endlich wieder mit glückeligem Grinsen im Gesicht durch die Welt torkeln.

Zack Snyder + Star Wars = Ein Sucker Punch direkt in die Magengrube der Fans?


Was ihr gerade spürt, ist keine Erschütterung der Macht, sondern das Gefühl kollektiv aufkommender Panik unter Star Wars-Fans. Denn niemand geringeres als Zack Sucker Punch Snyder ist der erste öffentlich gewordene Regisseur der Disney-Ära des beliebten Megafranchises. Aaaaaaaaaaaah? Oder sollten wir doch lieber aufschreien: Jaaaaaaa?

Zur Beruhigung: Zack Snyder dreht nicht Star Wars: Episode VII, sondern einen alleinstehenden, Post-Rückkehr der Jedi-Ritter-Film, der eine Nebenstory abseits der großen Star Wars-Saga aufmacht. Disney•Lucasfilm meint die Ankündigung, regelmäßig neue Star Wars-Filme abseits der neuen Trilogie zu produzieren, also wirklich ernst. Und so lange Snyder nicht in der echten Saga rumpfuscht, halte ich meine Wut zurück. Denn während ich einen von Michael Arndt geschriebenen, von Zack Snyder inszenierten Film schlichtweg für unmachbar halte und es dämlich fände, jemanden mit einer so dicken Handschrift wie Snyder zu nehmen, dessen größte Stärke eben diese ist, nur um sie ihm zwecks Einheitlichkeit klein streicht (oder noch schlimmer: einer der Saga-Filme sieht plötzlich wie ein Ultra-Snyder-Film aus), so darf Snyder abseits der Saga gerne was aufdrehen.

Wie Vulture berichtet, soll Snyders Film eine von den Jedis handelnden, grobe Nacherzählung von Akira Kurosawa Die sieben Samurai werden, der schon Lucas' ursprüngliche Trilogie beeinflusste.

Ob Snyder selbst und alleine das Drehbuch schreibt, ist bislang nicht öffentlich geworden. Angesichts Sucker Punch wäre es mir viel lieber, wenn Snyder viel Geleit im Schreibprozess erhält oder sich ganz aufs Regieführen konzentriert. Watchman und 300 waren ja nicht übel. Was viel über die Rezeption von Sucker Punch aussagt, dass das halbe Internet gerade dennoch vor Wut und Verzweiflung in Flammen steht.

Aber sehen wir es so: Disney greift in Sachen Star Wars nach ungewöhnlichen Hollywoodstimmen, die sich einen Namen gemacht haben. Der Konzern hätte ja auch all die Andy Fickmans, Andy Shankmans und Walt Beckers aus dem konzerninternen Adressbuch raussuchen können.

Update: Oder war alles eine laute Ente? *dam-dam-daaaam*

Die 70. Golden Globes: Das Live-Blogging


4:59: Großartig, so macht die Oscar-Saison wieder Spaß. Gute Nacht oder guten Tag noch an alle, wir lesen uns nächsten Monat zum nächsten Liveblogging!

4:58: Wooooohooo, Argo gewinnt den Globe für das beste Drama!

4:57: Julia Roberts torkelt auf die Bühne.

4:51: Day-Lewis verrät den restlichen Ablauf des Abends: Nachdem ein Ex-Präsident auftauchte wird die HFPA noch mehr protzen, denn die Queen wird jeden Moment mit Fallschirm ins Theater springen, um in letzter Sekunde Skyfall für einen Award vorzuschlagen. Will das sehen!

4:50: Daniel Day-Lewis, what, wer hatte den denn bitte auf der Rechnung?

4:48: Jessica Chastain gewinnt als beste Drama-Kinodarstellerin

4:41: Fickt euch, Oscar-Nominierung-gestützte Globe-Prognosen! Les Misérables gewinnt als bester Comedy- oder Musicalfilm!

4:33: Wer klaut bitte die Räder von Wolverines Fahrrad. Halt, wieso braucht Wolverine ein Fahrrad?

4:31: Hugh Jackman, bester Comedy- oder Musical-Darsteller I approve.

4:22: Beste Comedyserie: Girls

4:20: Affleck zollt seinen Respekt auch Leuten, die nicht nominiert wurden, "like Paul Thomas Anderson who I think is like... Orson Welles!"

4:18: Derweil, irgendwo bei den Mitgliedern der Academy: Ben Affleck gewinnt als bester Regisseur. Ben Affleck gewinnt den Globe. Liebe Academy-Mitglieder: Der Mann, der euch keine Nominierung wert ist, gewinnt für Argo den Regie-Globe. Weil er verdient hat!

4:17: Quentin Tarantino Spit Take. Because ..?

4:05: Liebe Disney-Kinderstars: Schaut euch diese Frau an. Ihr könntet auch ihren Weg gehen, wenn ihr euch anstrengt. Es muss nicht immer der Weg der zugedröhnten Klatschpressenopferschlampe mit mittelmäßiger Musikkarriere sein.

4:01: Robert Downey Junior spricht über sich, denn die Laudatio für den Ehrenglobe sagt laut ihm so viel über den Laudator aus wie über die Gewinnerin (Jodie Foster). Downey darf gerne die Oscars 2013 moderieren.

3:53: Fun Fact aus einem Paralleluniversum: Ralph reichts wurde als Pixar-Film veröffentlicht und gewann den Globe als bester Animationsfilm. Weil: Markenwiedererkennungundso!

3:52: Lena Dunham gewinnt als beste Comedyseriendarstellerin.

3:48: Ach, Mark Andrews, du kannst sagen, was du willst, ich hasse dich noch immer wegen deiner "Wir bei Pixar sollten nicht mehr so lange an Filmen rumwerkeln, sondern schneller produzieren"-Nummer. Nimm den Globe, mehr hast du diese Awardsaison an Preisen hoffentlich nicht zu akzeptieren.

3:47: Bester Animationsfilm: Merida. Da haben die HFPA-Mitglieder also nur auf das Produktionsstudio, nicht auf die Qualität geachtet.

3:45: Sacha Baron Cohen spielt einen betrunkenen Laudator ... und war das Helena Bonham Carter neben John Lasseter?

3:36: "Es gibt viele TV-Schauspielerinnen" ... -"aber nur 5 sind heute hier." Lea Michele und Nathan Fillion bewerben sich für die mieseste Laudatio des Jahres. Claire Danes gewinnt für Homeland als beste TV-Drama-Darstellerin.

3:35: Liebe gewinnt und nähert sich in jeglichem Prognosenspiel dieser Erde dem Oscar-Gewinn. Haneke kann noch immer kein brauchbares Englisch.

3:34: Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone verleihen den Fremdsprachenfilm-Globe, "woil Änglisch foar uns a Froimdsprachn is'"

3:30: Eilmeldung! Jessica Alba im intensiven Gespräch mit Harvey Weinstein. Ich sehe eine bewegende Silver Linings-mäßige Tragikomödie für 2014 vorher, die Alba im Februar 2015 den Oscar einbringt.  Die zehn Leichen mehr in Weinsteins Keller machen den Kohl auch nicht mehr fett.

3:28: Don Cheadle gewinnt für House of Lies den "Bester TV-Komödiendarsteller"-Globe.

3:26: Jeremy Irons lässt selbst Sätze wie "Das ist Lachsfischen im Jemen" epochal, weltbedeutend und leicht einschüchternd klingen.

3:25: Tarantino bedankt sich bei den Freunden, denen er seine Drehbücher vorliest. "Ich danke euch, denn ihr wisst nicht, wie wichtig ihr seid. Nicht falsch verstehen, ich will kein Feedback, aber ich höre die Szenen dann durch eure Ohren"

3:23: Yeah, Quentin Tarantino gewinnt mit Django Unchained den Preis für das beste Drehbuch und einen dicken Schmatzer von dem Screaming-Mantis-Double, das ich noch immer nicht identifiziert habe.

3:17: "Danke an die HFPA für diesen stumpfen Gegenstand, den ich für den Rest meines Lebens als Waffe gegen Selbstzweifel benutzen werde" ... Awwwwwwww ... Kann jemand die Gute mal kurz knuddeln?

3:15: Jonah Hill und Megan Fox versuchen sich an einem "Wir hatten mal Sex und Jonah ruft mich nicht mehr an, was mich ärgert"-Sketch, der in die Hose geht. Und Anne Hathaway gewinnt als beste Nebendarstellerin im Kino. Lovely!

3:14: Leonardo DiCaprio sieht noch immer wie ein schleimiger Sklavenbesitzer/Plantagenbetreiber aus. Soll keine Beleidigung sein, sondern die Vorstellung, er gibt die Rolle erst auf, wenn die Awardsaison vorbei ist.

3:13: Ed Harris, bester Nebendarsteller TV-Film/Miniserie. Nicht da.

3:06: Jennifer Lawrence nähert sich mit dem Globe-Gewinn für Silver Linings dem Oscar-Sieg as beste Hauptdarstellerin. Und bedankt sich bei Harvey Weinstein: "thank you for killing whoever you had to kill to get me up here" - sie kann also doch witzig sein!

3:05: Können die beiden den restlichen Abend übernehmen?

3:02: Kristen Wiig und Will Ferrell spielen ahnungslose Präsentatoren. Großartig. "Emily Blunt ... Selmon Fishing in the Yemen ... wow ... when the Selmon comes out and you ... amazing!"

2:59: Acho, er kündigt den Lincoln-Trailer an. Somit prognostiziere ich einen Gewinn für den Film in der Kategorie "Bestes Drama (Kino)" (wieso sonst sollte die HFPA so einen tollen Präsentator holen?), außerdem klage ich an: Das ist eine Verschwendung. Hätte Clinton nicht die Song-Nominierten mit seinem Saxophon vorspielen können?

2:58: Bill Clinton, was zum Teufel machst du hier?

2:55: Jessica Alba verhaspelte sich schon bei der Bekanntgabe der Globe-Nominierungen, nun stolpert sie über Benedict Cumberbatchs Namen ... Und Kevin Costner gewinnt als bester TV-Film/Miniserien-Darsteller. Kollegin Antje sucht gerade ihr Kündigungsschreiben.

2:48: Adele gewinnt mit Skyfall den Globe für den besten Song und bewirbt sich gerade für den Ehrenglobe in der Kategorie "Freut sich am meisten über den Sieg".

2:45: Mychael Danna: Globe-Gewinner für die Musik von Life of Pi. Jason Statham: Knallharte Sau, die Probleme hat, einen Briefumschlag zu öffnen.

2:44: Oh, cool, der gestrige Schlag den Raab-Teilnehmer geht Hand in Hand mit Jennifer Lopez.

2:42: John Goodman sagt CIA-Agenten Tony Mendez an, der die geniale Idee hatte, durch einen Fake-Film im Iran Geißeln zu befreien, und nun den Argo-Trailer ansagt. Affleck, der ihn in Argo spielt ist größer als das Original. Und darf meiner Meinung nach heute gern was gewinnen. Und cool, dass die HFPA Mendez geholt hat.

2:37: Zwischenschnitte zeigen Quentin Tarantino im herzlichen Gespräch mit seinem alten From Dusk Till Dawn-Kumpel George Clooney und Robert Downey Junior, der Mel Gibson abknutscht. Mein müdes Hirn spinnt sich gerade einen neuen Robert-Rodriguez-Film zusammen, in dem Iron Man im Auftrag eines verrückten Wissenschaftlers mit Bieberpuppe gegen Zombie-Quentin und Aggro-Clooney (mit sichtbaren Brustwarzen) kämpft. Brauch ich einen Doktor oder ist das normal?

2:35: Öhm, peinlicher "Text vergessen"-Moment mit Paul Rudd und Salma Hayek oder verkackter Gag? Keine Ahnung, aber Homeland gewinnt als beste Drama-Serie.

2:32: Damian Lewis nimmt mit seiner Hauptrolle im TV-Drama Homeland Bryan Cranston seinen verdienten Gobe weg.

2:29: Ach ja, die Hollywood Foreign Press Association. Hollywood macht sich über dich lustig, genießt eure Gratisdrinks und freut sich, dass eure Preise angesehen sind, so dass sie für Filme und Serien als Gratiswerbung durchgeht. Wenigstens nimmt ihr euch selbst auch nicht mehr zu ernst ("Jeffrey Katzenberg will never forget my name ... because he never knew it in the first place", zittert die Präsidentin, deren Platz ich in 30 Jahren hoffentlich einnehmen werde.)

2:21: Eine ungeheuerlich aufgebrezelte, paradoxerweise noch immer natürlich aussehende Julianne Moore gewinnt für ihre Darbietung in Game Change.

2:20: Wenn Don Cheadle nicht gerade eine Rolle spielt, sieht er so dauertraurig aus, findet ihr nicht auch?

2:16: Game Change gewinnt als Miniserie/TV-Film. Ob die Globes auch einen Game Changer in Sachen Oscar-Prognosen darstellen? *badum-tzzz*

2:12: Maggie Smith gewinnt als beste TV-Nebendarstellerin, aber wen soll das schon interessieren? Spannender ist es, davon zu träumen, Waltz hätte weiterhin die Hauptrolle im neuen Muppet-Film inne. Traurig, dass das nicht hinhaute ...

2:09: Waltz legt die Messlatte hinsichtlich der Eloquenz für die restlichen Dankesreden des Abends wieder einmal sehr hoch.

2:07: Kate Hudson erinnert mich gerade irgendwie enorm an jemanden, den ich privat kenne. Nur an wen? Naja, egal, wen soll das schon interessieren? Bester Nebendarsteller (Kino): Christoph Waltz für Inglourious Basterds - Dieses Mal ist es ein echter Western. Geilo!

2:05: Halt, liebe Internetpromi-affinen Mitzuschauer, war das Screaming Mantis neben Quentin Tarantino? Kann die Kamera nochmal an ihm vorbeifahren?

2:02: "Kathryn Bigelow, ich habe die Kontroverse rund um deinen Film nicht verfolgt, aber wenn es um Folter geht, dann vertrau ich niemandem mehr, als der Frau, die drei Jahre mit James Cameron verheiratet war."

2:00: Los geht es mit der Oscar-Generalprobe, in die sich einige TV-Kategorien eingeschlichen haben.