Donnerstag, 20. Februar 2014

Die FFA-Zahlen 2013


Die Filmförderungsanstalt gab vergangene Woche die Jahreszahlen zur Lage des deutschen Kinos 2013 bekannt, und wie es für mich hier im Blog Tradition geworden ist, kann ich die wirtschaftliche Entwicklung der hiesigen Lichtspielhäuser nicht unkommentiert lassen. Und die FFA-Zahlen sind wahrlich nicht erfreulich: Obwohl es 2013, anders als im Vorjahr, keine durch die EM erzwungene Dürreperiode im Kinoprogramm gab und auch keine zuschauerstarken Olympischen Sommerspiele stattfanden, gingen die Besucherzahlen um vier Prozent zurück. Statt 135,1 Millionen Kinobesuchen wurden nur noch 129,7 Prozent gezählt, was allerdings dank gestiegener Eintrittspreise geschickt kaschiert werden konnte:

Der Umsatz sank nämlich dank einer Ticketpreiserhöhung von 3,1 Prozent bloß um einen Prozentpunkt von 1,033 Milliarden Euro auf 1,023 Milliarden. Mittlerweile kostet dem deutschen Kinobesucher der Einlass im Schnitt 7,89 Euro, was zugegebenermaßen ein Witz gegen das ist, was man in Großstädten am Wochenende gegen abends für einen Blockbuster in einem Multiplex zahlen muss, dennoch aber zu hoch ist. Erst recht, wenn die Kosten für einen Kinoeintritt rascher steigen als die Inflation. Wie Mark G bei Insidekino schon betonte: Ein Plus von 3,1 Prozent beim Kinoticket erscheint gegenüber einer Inflation von 1,5 Prozent erschreckend hoch.

Die deutsche Filmwirtschaft wird 2013 dennoch feiern, immerhin stieg der Marktanteil hiesiger Produktionen
von 18,1 Prozent und 24,0 Millionen verkauften Tickets im Jahr 2012 auf 26,2 Prozent und 33,6 Millionen Besucher. Fack ju Göthe! sei Dank. FFA-Vorstand Peter Dinges kommentierte: "Der deutsche Film hat nach den eher durchwachsenen Ergebnissen von 2012 ein tolles Jahr hingelegt! Über 33 Millionen Kinobesucher und sieben Besuchermillionäre sind eine zusätzlich Bestätigung für das Urteil von Karlsruhe, in dem das Bundesverfassungsgericht dem deutschen Film eine unverzichtbare Bedeutung für das Kino zugesprochen hat." Und auch, wenn er damit recht hat, so muss dringend daran gearbeitet werden, den regulären Kinobesuch wieder attraktiver zu machen. Stattdessen wird aber die Schuld an den bestenfalls mäßigen Zahlen 2013 in Hollywood gesucht: Die Erfolgsfilme seien 2013 ausgeblieben.

Hm. Wirklich? In den USA knackten zwei Filme die 400-Millionen-Marke, zwei weitere übertrafen die Grenze von 350 Millionen Dollar Einspielergebnis. Iron Man 3 wurde weltweit einer der fünf erfolgreichsten Filme aller Zeiten, Die Eiskönigin peilt die Top 20 an.

Die Sir-Donnerbold-Zahlen

Mich trifft jedenfalls keine Schuld: Insgesamt war 111 Mal im Kino, darunter befanden sich exakt 30 Vorführungen in 3D. Ich war in zwei Double-Features und einem Triple, außerdem habe ich eine mit Orchestermusik begleitete Filmvorführung besucht und war in zwei Mitmachaufführungen der Rocky Horror Picture Show. Alles in allem haben 25 Kinos an mir profitiert.

Siehe auch:

1 Kommentare:

corny hat gesagt…

Lieber Donnerbold :-)

wenn man so den Bericht liest denkt man im ersten Moment: OMG die Kinos sind am sterben!
Ist das den wirklich so?

Nun ich dank deiner super aufgearbeiteten Jahresberichte ergibt sich ein sauinteressantes Bild:

Jahr : Zuschauer in Millionen / durch.Ticketpreis:

2007: 125,4 Mill. / 6,12 €
2008: 129,4 Mill. / 6,14 €
2009: 143,6 Mill. / 6,67 €
2010: 126,6 Mill. / 7,27 €
2011: 129,6 Mill. / 7,39 €
2012: 135,1 Mill. / 7,65 €
2013: 129,7 Mill. / 7,89 €

Wenn man sich jetzt so die Zahlen betrachtet, so fällt einem auf das die Kinogeherzahlen über die Jahre hinweg betrachtet recht konstant sind. Mir ist schon klar das die Besucherzahlen in den 90ern und 80ern (und 30ern :-P ) höher waren - doch angesichts der "Raubkopie" Debatte und den wirklich unsäglichen Streamingseiten halten sich meiner Meinung nach die Zahlen erstaunlich gut.
Ja wenn nicht sogar hervorragend! Gerade wenn man gleichzeitig sieht das seit 2007 der Ticketpreis um knappe 30 (!!!!!) % gestiegen ist. Wo gibts den solche Preissteigerungen sonst noch - ohne (!) das sich die Kunden in Massen abwenden?

Und unabhängig von irgendwelchen Raubkopien die meiner Ansicht nach wirklich ein Übel sind - hat doch auch die Konkurrenz gegenüber dem Kino deutlich zugenommen: Seis via Sozialmedia Interaktionsmöglichkeiten, Videospielen, Eventsportarten oder auch das klassische TV - das ja schon in den 60ern Jahren das Kino erheblich zugesetzt hat und sich aktuell durch eine Flut an hervorragenden Serien auszeichnet (Stand ja auch bei Quotenmeter.de ein interessanter Artikel dazu: http://www.quotenmeter.de/n/66881/the-golden-age-of-cable-television).

Gleichzeitig ist auch die Konkurrenz hinsichtlich Blu-Rays enorm gewachsen. Wenn heute ein aktueller Kinofilm knapp 4 Monate nach dem Kinorelease schon auf der Scheibe rauskommt - dazu dann die BluRays heute locker nach kurzer Zeit schon für unter 10 € neu zu bekommen sind (gebraucht bei Ebay nochmals deutlich günstiger) und die Qualität der Filme auf den Scheiben mit 1080p = ~ 2K = dem aktuellem Kinostandard gleichkommt. Nun da wundert es mich viel mehr das die Zahlen sich so gut halten können.

Für mich sind die Zahlen daher eher ein Beweis dafür dass das Kino noch lange leben wird - und sich in dem Kultur & Freizeitbewusstsein einen sicheren Platz erkämpft hat.
Angesichts der zunehmenden Differenzierung und Möglichkeiten der Freizeitgestaltung bin ich mir aber auch sicher dass das Kino auf Dauer immer mehr an Attraktivität verlieren wird - und mehr in Richtung "Eventkino" gehen wird. Das muss ja ned schlecht sein - immerhin sind meiner Ansicht nach die aktuellen Kinostreifen gar ned schlecht - ach was sag ich, im Vergleich zu den 80er Jahre Streifen erleben wir ja sogar nen "Goldenen Herbst" des Kinos ^^

Ein Problem seh ich aber leider doch am Zelluloidstreifen aufkommen: Wenn die Preissteigerungen weiter so laufen, dann gräbt sich das Kino so langsam die Zuschauer ab. Es ist doch ganz logisch: Nochmal 30 % und wir sind vor Ende des Jahrzehnts bei einem Durchschnittspreis von 10 € (!) angekommen. Von den Multiplex Kinos mal ganz abgesehen. Ich denke das hier - vorallem hier - das große Problem für die Zukunft sein wird. Wenn weiterhin BluRays so günstig sind (und eventuell sogar noch günstiger werden) dann werden sicherlich immer weniger Leute sich ins Kino begeben und lieber auf die Scheiben oder die noch günstigeren legalen (!) Streamingangebote zurückgreifen.

Ich denke das hier die wirkliche Herausforderung für das kommende Kinogeschäft liegt. Die Preise hinsichtlich der vielfältigen Freizeitkonkurrenz und Preisdrucks der digitalen / BluRay Medien konstant zu halten und nicht der Versuchung zu erliegen weiterhin an der Preisschraube zu drehen nur um noch mehr Umsatz zu generieren! Denn am Ende läuft das dann auf das hinaus, wovor du & ich Angst haben: Den langsamen Sterben der Kinos.

lg
Corny :-)

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