Samstag, 24. Mai 2014

Ant-Man: Edgar Wright und Marvel gehen getrennte Wege


Es ist ja durchaus lobenswert, welche Treue Filmliebhaber nunmehr Regisseuren schwören. Wann immer ein Regisseur mit einem Produktionsstudio aneinander gerät, häufen sich harsche, das Studio verteufelnde Internetkommentare. So auch heute Nacht, als bekannt wurde, dass Edgar Wright sein Passionsprojekt Ant-Man aufgrund kreativer Differenzen mit Marvel verließ. Die Vorproduktion befindet sich aktuell in ihrer heißen Phase, der Drehbeginn soll demnächst stattfinden und Marvel möchte am Kinostarttermin festhalten, der für den 17. Juli 2015 geplant ist. Ein neuer Regisseur wird momentan noch gesucht.

Es ist keine Schwierigkeit, enttäuschte Kommentare im Internet zu finden, die sich gegen Marvel richten. Der Konsens der Film- und Comicfans ist ganz klar: Marvel ist nicht offen genug, eine tolle Idee von Edgar Wright umzusetzen. Und auch meine erste Reaktion war ein schlichtes: "Oh, fuck!"

Allerdings ist es fast schon unverschämt simpel, davon auszugehen, dass Marvel als Multi-Millionen-Studio hier der böse, böse Goliath ist, der den kreativen, tollen David tyrannisierte. De facto wissen wir, die außerhalb des Prozesses stehen, gar nichts. Und auch wenn die Erfahrung normalerweise lehrt, dass Studios sich gegen gute, kreative, ungewöhnliche Ideen sperren, gibt es auch so manches Argument dafür, dass Marvel nicht das typische, feige Studo darstellt. Obwohl es von einem Mann namens Kevin Feige geleitet wird.

Erinnern wir uns einfach an folgendes:

  • Marvel ersetzte den keinerlei Handschrift aufweisenden Jon Favreau nach zwei kommerziell erfolgreichen Iron Man-Filmen für den dritten Part der Reihe durch den markanteren Shane Black
  • Captain America: The First Avenger wurde von Joe Johnston inszeniert, der mit diesem Film seinen Stil so stark betonte wie seit Rocketeer nicht mehr
  • Die ersten beiden Avengers-Filme wurden Joss Whedon anvertraut, der im Kino zuvor keinen finanziellen Erfolg aufzuweisen hatte und im Fernsehen zu einem Geek-Liebling wurde, der seine ganz eigenen Ideen hat.
  • Erst vor wenigen Tagen führte Marvel mit dem zweiten Guardians of the Galaxy-Trailer vor, dass dieses Studio tatsächlich einen total irren, knalligen Film über einen wandelnden Baum und einen schießwütigen Alien-Waschbären produziert
  • Laut James Gunn, dem im Vergleich mit Edgar Wright weitaus weniger massentauglichen Regisseur von Guardians of the Galaxy, ermutigte Marvel ihn unentwegt, diese Space-Oper mehr zu seinem ganz eigenen Projekt zu machen
  • Ant-Man befindet sich seit 2006 im großen Marvel-Plan, und dies primär, weil es eine Herzensangelegenheit von Edgar Wright ist, von der sich Kevin Feige begeistern ließ. So sehr, dass das gesamte bisherige Marvel Cinematic Universe an einzelne Ideen und Themen aus Wrights Originaldrehbuch angepasst wurde, damit die Filme ab Iron Man zu diesem Werk hinleiten
Marvels Studiobosse wussten seit vielen Jahren, was Wright plant, basierten gar Elemente des Marvel Cinematic Universe auf Wrights Vorhaben und bewiesen schon mehrfach, dass sie ihren Regisseuren vertrauen. Das klingt nicht nach einer Mentalität, die Edgar Wright aufgrund fescher Einfälle den Kopf kostet. Ist Ant-Man nun schlicht der urplötzliche künstlerische Verfall des Studios, die Superheldenantwort auf Cars 2? Oder ging Wright mit einer wahrlich absonderlichen Idee wirklich zu weit?

Andererseits: Er drehte Shaun of the Dead, Hot Fuzz und Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt und somit drei wirklich großartige Filme (sowie den netten The World's End). Wie falsch können seine Ant-Man-Ideen schon sein?

Wer weiß. Vielleicht bekam Wright nur ein dringenderes Angebot (Star Wars-Spin-off?) und Marvel hat die Chance, einen noch besseren Regisseur an Land zu ziehen ([hier darf jeder seinen Favoriten einsetzen])? Eins ist klar: Ant-Man wird ab nun mit noch gebannterem Auge verfolgt.

Freitag, 23. Mai 2014

Starttag, Kino, DVD, Oh je ... : Big Hero 6

Nachdem mich sämtliche Teaser und Trailer zu Die Eiskönigin nervten und ich (im Gegensatz zu nahezu allen anderen Kinogängern) auch mit dem fertigen Film nicht sonderlich zufrieden war, war ich natürlich umso gespannter, ob mich Disney mit seinem nächsten abendfüllenden Trickfilm abholt. Als Verfilmung eines obskuren Marvel-Comics ist Big Hero 6 schonmal eine ganz originelle Abkehr vom üblichen Stoff der Walt Disney Animation Studios. Doch wie ist der erste Eindruck, den uns Disney von diesem Film vermitteln möchte?

Ein Blick auf den kürzlich veröffentlichten Teaser wird es verraten. Welche Momente schreien nach "Das muss ich am Starttag sehen", was riecht eher nach "Ich warte auf die DVD"?

Kino: Disney trifft einen westlichen Comic-Look, der sich sehr, sehr lose an Mangas orientiert. Außerdem: Hallo, Luxo! ;-) 

Kino: Ja, sieht nach Marvel aus, ohne den Disney-Look zu betrügen ...

Starttag: Ooooooh, wie knuffig!

Kino: Wie bewarb der erste Die Eiskönigin-Teaser Disneys Märchenmusical über eine junge Frau mit Eiskräften, die sie nicht kontrollieren kann und die daher verachtet wird, doch ungewollten Rückhalt bei ihrer Schwester findet? Mit einem dumm dreinblickenden Schneemann, der seine Nase verliert und einem Rentier, das sich wie ein Hund benimmt. Wie bewirbt Disney Big Hero 6? Mit einem netten Teenager, der nach seiner Enttäuschung darüber, dass sein cooler Roboter ganz anders aussieht als versprochen, ihn mögen lernt und ihm voller Engagement eine Rüstung bastelt.

 Starttag: Ja, der Gag mit der nicht passenden Rüstung erinnert ein wenig an Die Unglaublichen, doch die Aussage ist hier eine ganz andere. Bei Pixar hieß es: "Dieser Superheld ist außer Form." Hier heißt es: "Unsere Roboter sind anders als gewohnt. Und unser menschlicher Held schließt dennoch Freundschaft mit einem dieser knuffigen Blobs!" Außerdem: Liebe Animationsfans, findet ihr es auch so faszinierend, welche Konsistenz der Roboter offenbar hat? Die Animation seines "Fetts", kombiniert mit dem Sounddesign, ist einmalig! Ganz toll!

Starttag: Mensch, sind die zwei ein tolles Team. Und ich will eine Actionfigur vom Roboter!

Und hier findet ihr den kompletten Teaser:



Big Hero 6 startet in Deutschland voraussichtlich am 29. Januar 2015.

Donnerstag, 22. Mai 2014

James Bond 007 – Der Hauch des Todes


Auf den knalligeren Schluss von Sean Connerys Bond-Ära folgte ein ernsthafterer Lazenby-Film. Auf diesen folgte ein weiterer, flippiger Connery-Streifen, der die Reihe kurzzeitig wieder zur nunmehr gewohnten Formel zurückführte. Daraufhin versuchte sich die erste 007-Produktion mit Roger Moore daran, moderne Einflüsse in die Bond-Welt zu holen. Am Ende seiner Bond-Ära lieferte Rogere Moore äußerst humorige Agentenabenteuer ab – was anderes konnte da den Produzenten wohl unter den Nägeln brennen, als eine weitere Kehrtwende? Ein weiteres Mal sollte Bond beim Darstellerwechsel auch seinen Tonfall komplett austauschen, nur zwei Jahre nach Moores überdrehter Abschiedsvorstellung war nun eine plausible, raue Stimmung angesagt. Fast wäre es sogar zu einem inhaltlichen Reboot gekommen: Der erste Impuls nach Moores Kündigung war bei EON, ganz vorne anzusetzen und von Bonds erstem Auftrag als Geheimagent zu erzählen. Produzent Albert R. Broccoli stimmte jedoch dagegen, weshalb die Drehbuchautoren Richard Maibaum und Michael G. Wilson stattdessen ein Skript entworfen haben, das sich erstmals seit mehreren Bond-Filmen wieder stärker an einer Ian-Fleming-Geschichte orientierte.

Die Darstellersuche verlief parallel dazu nicht ganz unproblematisch: Einige Schauspieler gelangten in die engere Auswahl und drehten ausführliche Probeaufnahmen, darunter der neuseeländische Schauspieler Sam Neill, Remington Steele-Hauptdarsteller Pierce Brosnan und der schon bei früheren Bond-Suchen in Betracht gezogene Timothy Dalton. Der Deal mit Brosnan war, unter anderem aufgrund seiner Chemie mit Bondgirl Maryam d’Abo, fast schon besiegelt, als der Medienrummel um Brosnans gute Karten beim Rennen um die Bond-Rolle dazu führte, dass die Quoten der fast abgesetzten Serie Remington Steele wieder stiegen und das Format eine neue Staffel erhielt. Somit stand Brosnan wider Erwarten nicht zur Verfügung, weshalb Dalton den Zuschlag erhielt.

Mit Dalton hielt auch eine neue Moneypenny Einzug in das Franchise: Caroline Bliss, die die Figur nicht nur wieder verjüngen und so dem neuen Bond anpassen, sondern auch mit einem tapsigeren Charme auftreten sollte. Damit passte sie besser zu dem, was Bonds anderer Dauer-Weggefährte Q mittlerweile wurde: Auch in Daltons Premiere liefert Desmond Llewelyn eine Parade quirliger Gags, womit er einen Teil der alten Bond-DNA in diesen kreativen Neustart rettet. Dies gilt zudem für John Barry, der zum letzten Mal für einen Bond-Film die Musik schrieb und hier seinen markanten Stil behutsam den späten 80ern anpasst: Klassische Kompositionen mit Barry-Handschrift ziehen sich als Leitthemen durch den 130-Minuten-Streifen, werden zuweilen von elektrischen Elementen aufgepeppt, ohne das Orchester an den Rand zu drängen.

John Glen führte einmal mehr Regie, drosselte für Daltons Einstand wohlgemerkt das Tempo und auch den Bombast von Im Angesicht des Todes, um sich dagegen wieder mehr auf das Spannungselement zu konzentrieren. Von einer ausladenden Verfolgungssequenz abgesehen, in der Bond seinem Austin Martin einen Trick nach dem anderen entlockt, knallige Einzeiler aus dem Ärmel schüttelt und schlussendlich sogar via Cellokasten vor den Schurken flieht, ist dieser Film somit ein Rückgriff auf den Suspense-Bond von Liebesgrüße aus Moskau. Besagte Sequenz wirkt viel mehr wie ein Moore-Ära-Relikt, da sie jedoch inhaltlich relevant ist und mit ihrem übertrieben Spaßfaktor dazu dient, 007 und Bondgirl/Cellistin Kara Milovy zusammenzuschweißen, wirkt sie nicht wie ein stilistisch fremdes Störelement, sondern gibt dem Film nochmal kurz etwas Zunder.

Den hat Der Hauch des Todes leider durchaus nötig, denn bis der Plot in die Gänge kommt und sich der britische Superagent mittendrin in seinen Ermittlungen befindet, vergehen fast 40 Minuten. Zuvor werden zwar alle wichtigen Figuren eingeführt beziehungsweise neu vorgestellt (im Falle der Neuinterpretationen von Bond und Moneypenny), doch dies erfolgt in einem zu gemächlichen Tempo, dem Plot wird nicht der Nachdruck verliehen, den er sich verdient hat.

Sobald die Handlung rollt, weiß sie aber zu überzeugen, nicht zuletzt dank ihrer cleveren Der dritte Mann-Anleihen: Bond hat den Auftrag, dem russischen General Georgi Koskov zur Flucht über die österreichisch-tschechoslowakische Grenze zu verhelfen. Da dieser den Verdacht hegt, dass ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wurde, ist äußerste Vorsicht geboten. Bond widersetzt sich dabei den "erst schießen, dann fragen" Befehlen seiner Vorgesetzten, womit er der Cellistin Kara Milovy das Leben rettet. Anschließend entdeckt Bond einen Komplott rund um Koskov, der ihn auf die Spur ruchloser Waffenschmuggler bringt ...

Es ist sehr erfrischend, Bond wieder beim Aufdecken eines halbwegs realistischen Falls zu sehen, und Dalton passt perfekt in diese vergleichsweise plausible Agentenwelt: Der später oft auf Schurken reservierte Darsteller zischt seine coolen Sprüche mit einem effizienten Zynismus, statt sie süffig zu zelebrieren. Wenn er einen seiner Gefährten sterben sieht, blitzt in seinen Augen spürbar ein Rachegedanke auf. Er ist zwar mit Leib und Seele Agent, doch für ihn ist es kein glamouröser Job, sondern eine wertvolle, schwierige Aufgabe, weshalb er oft kühl nach einer Lösung sucht. Im Intro landet er zufällig auf der Yacht einer gelangweilten, attraktiven Frau, doch ehe er sie anbaggert, nutzt er ihr Telefon, um Bericht zu erstatten. Wenn er später Kara Milovy entkleidet, dann primär, um einen Schurken abzulenken. Was nicht heißt, dass Daltons Bond keinerlei Freude empfindet oder versprüht. Zwischen ihm und Milovy knistert es, und auch wenn nicht ganz die Romantik aus Im Geheimdienst Ihrer Majestät aufkommt, so sorgt die Dynamik zwischen Dalton und seiner Leinwandpartnerin für eine in dieser Reihe lange vergessene Stimmung, die Abenteuerlust, Suspense und leichtfüßige Romantik vereint. Im direkten Vergleich zum Casanova Connery und zum lockeren Moore wirkt Dalton zugegebenermaßen etwas steif, was jedoch wohl mehr daran liegt, in welche Situationen das Skript ihn manövriert. Daltons Darbietung jedenfalls ist nicht gerade schwunglos, kann der Waliser doch in Sekundenschnelle glaubwürdig vom gesottenen Agenten zum austeilenden, harschen Actionhelden mutieren.

Dem gegenüber steht die schlechteste, nervigste Verkörperung von Bonds CIA-Kollegen Felix Leiter (gespielt von John Terry) sowie eine schlecht gealterte Darstellung des Afghanistan-Konflikts, wobei die Einführung des Themas immerhin erstaunlich gut gelingt und sich flüssig in das Thema dieses Spionagefilms einfügt.

Alles in allem ist Daltons erste Bond-Mission eine mit Passion fürs Agentengenre gemachte Produktion mit viel handgemachter, rauer Action und einer ungewöhnlichen, raubeinigen Darstellung von 007. Anders als die ersten zwei Craig-Filme bricht Der Hauch des Todes allerdings nicht mit der Bond-Formel, sondern adaptiert sie für einen dunkleren Tonfall.

Dienstag, 20. Mai 2014

James Bond 007 – Im Angesicht des Todes


Zum zweiten Mal findet eine ausgedehnte Bond-Ära ihr Ende. Und erneut nimmt ein langjähriger Darsteller des wohl berühmtesten Geheimagenten der Welt mit einem äußerst überdrehten, humorigen Film seinen Hut. Doch während Sean Connerys endgültiger Abschied von der offiziellen EON-Reihe, Diamantenfieber, rückblickend von vielen immerhin als solider oder leicht unterdurchschnittlicher Teil des Franchises angesehen wird (Platz 12 von 21 im großen Entertainment-Weekly-Countdown 2006, 18 von 24 beim Rolling Stone Magazine, 3 von 5 Punkte in der Bond-Retrospektive des Stern-Magazins im Jahre 2012, 65 Prozent bei Rottentomatoes), fällt Moores letzter 007-Auftritt in der Kritik weitestgehend durch.

Ich habe ja hie und da meine ganz eigene Bond-Sichtweise. So auch bei diesen zwei Filmen. Ich kann mich der annehmbaren Kritik von Diamantenfieber nicht anschließen, sondern finde ihn erschreckend dröge. Dafür kann ich die schlechte Rezeption von Im Angesicht des Todes nicht so recht verstehen. Denn diese pompöse Agenten-Actionkomödie lässt mich jedes Mal, wenn ich sie sehe, vor Vergnügen bis über beide Ohren grinsen. Und im Gegensatz zu Connerys ersten EON-Abschiedsfilm Man lebt nur zweimal glaube ich sogar, dass hier die Komik nicht unfreiwillig ist.

Gewiss, Im Angesicht des Todes ist eine Produktion der Widersprüche. So zielt John Glens Regiearbeit mit einigen Elementen klar auf ein jugendliches Publikum, um eine neue Generation von Bond-Fans heranzuzüchten. Dies beginnt bereits bei der packend inszenierten Prologsequenz in Sibirien, die wieder einmal einer aufregenden Stuntchoreographie von Willy Bogner folgt. Die Ski-Legende arbeitete eine ausführliche Snowboardingpassage in den Prolog ein, womit erstmals ein breites Publikum mit diesem Sport konfrontiert wurde und was Moores Bond in seinem sportlichen Können nah an den Puls der Zeit rücken ließ. Im Anschluss an diesen Prolog, der mit einem augenzwinkernd-übertriebenen Techtelmechtel zwischen Bond und einer albern-freizügig gekleideten Kollegin endet, folgt zudem endlich wieder ein guter, flotter Bond-Titelsong. Dargeboten von Duran Duran und vom Pop-Duo in Zusammenarbeit mit dem wiederkehrenden Bond-Komponisten John Barry geschrieben, eroberte die Nummer die US-Chartspitze und wurde somit seinerzeit der erfolgreichste Titelsong der 007-Reihe. Begleitet wird das Stück von einer peppigen Titelsequenz, die die typischen Frauensilhouetten durch Damen ersetzt, die ganz zeitgemäß mit Leuchtfarbe bemalt wurden, was dank mancher Schnitt- und Kameratricks zu einigen netten Effekten führt.

Und dann wäre da die Wahl der zentralen weiblichen Rolle: Die rechte Hand des Schurken wird von der burschikosen Discoqueen Grace Jones verkörpert, die eine äußerst einschüchternde Leinwandpräsenz hat und körperlich die fähigste Person im ganzen Film ist. Was im Bond-Universum mit seinem eingefahrenen Rollenbild ein willkommener frischer Wind ist, zumal auf irgendwelche Küchenpsychologie verzichtet wird und Jones ihre taffe Rolle authentischer, unprätentiöser meistert als so manch anderes hart austeilendes Bondgirl. Der große Schurkenkomplott riecht ebenfalls nach den 80ern: Fiesling Zorin entwickelte neue, bessere Computerchips und will die Gesamtheit von Silicon Valley dem Erdboden gleich machen, um sich so seiner Konkurrenz zu entledigen.

So sehr diese Aspekte für einen modernen Bond-Film sprechen und ihn jünger, frischer erscheinen lassen, berücksichtigt er gleichwohl mehr denn je das Alter des Hauptdarstellers Roger Moore (damals 57): Im Mittelpart dreht sich alles um Betrügereien beim Pferderennen, wo Bond einen auf informierten, gesitteten und gealterten Experten machen kann. Der obligatorische Flirt mit Miss Moneypenny ist zurückhaltend, ruhig und erfolgt mit dem freundschaftlichen Charisma eines welterfahrenen Gentlemans. Und ebenso entwickelt er zu seiner wichtigsten Informantin, der Geologin Stacey Sutton, fast schon ein väterliches Verhältnis. Er kocht für sie, bewacht sie während sie schläft (ohne sich zu ihr zu betten) und er bemüht sich sogar, während des Kampfes gegen mehrere Einbrecher, bloß nicht ihre Einrichtung zu zerdeppern. Zugegeben: Gegen Ende des Films taut diese respektvolle Distanz auf, aber die Inszenierung und die Kommentare des dies beobachtenden Q verpassen dieser Entwicklung eine ironische Dimension, als wollten Glen und die Autoren Michael G. Wilson & Richard Maibaum sagen: "Hey, das muss bei Bond halt sein, oder?" All dies führt dazu, dass Im Angesicht des Todes, zumindest in meinen Augen, erfolgreicher auf Bonds fortgeschrittenes Alter eingeht, als das EON-Konkurrenzprodukt Sag niemals nie.

Kurioserweise ergeben die beiden Herzen dieses EON-Films ein unterhaltsames Gesamtpaket: Die jungen, hippen Elemente (die besser gealtert sind als alle Modernisierungsversuche in Sag niemals nie oder Moonraker) wiegen jene Aspekte auf, die sich mit Moores Alter beschäftigen, und verhindern so, dass sich Im Angesicht des Todes wie "James Bond, Opa Edition" anfühlt. Gleichzeitig erdet die Darstellung Bonds als erfahrenen Gentleman-Agenten den Aktualisierungsgedanken, weshalb dieser Film längst nicht so verschroben und untypisch daherkommt wie der (dennoch coole) Leben und sterben lassen.

Schwächen hat Moores letzte 007-Vorstellung dennoch. Da wäre die Hintergrundgeschichte des von Christopher Walken mit eisern-hämischer Miene verkörperten Bösewichts Zorin. Dieser Pferdesportbetrüger / Technologiemagnat / angehende Massenmörder ist nämlich, wie Bond im Laufe des Films erfährt, das Produkt eines medizinischen Experiments, das der Nazi-Wissenschaftler Dr. Carl Mortner (Willoughby Gray) an Embryonen durchführte. Die Erklärung, dass die in Folge dieser Experimente geborenen Kinder zu schizoiden Psychopathen heranwuchsen, hätte es wahrlich nicht gebraucht. Und auch wenn ich es verschmerzen kann, dass Moore für einen Großteil der Actionszenen aussetzte, so könnte der Übergang zum Stuntdouble besser kaschiert werden. Schnitt und Kameraeinstellung wechseln zuweilen zu offensichtlich, insbesondere bei der Verfolgungsjagd am Eiffelturm, bei dem 007 erstmals Bekanntschaft mit Grace Jones' Rolle May Day macht.

Dafür sind die Actionsequenzen in diesem Film sehr abwechslungsreich: Die Paris-Sequenz etwa entwickelt sich zu einer herrlich komischen Autoverfolgungsjagd, bei der aber allein die gezeigten Unfälle für Humor sorgen und nicht etwa eine überdeutlich nach Ein toller Käfer schmeckende Inszenierung. Handgemenge sind dagegen rau und schnell, das große Finale wiederum eine bunte, die Zutaten wohl abwiegende Mischung aus übertriebener Megalomanie und praktischen Elementen. So überwältigend und real das Höhlenset ist, welches nach und nach zerlegt wird und in dem Zorin kaltblütig seine Handlanger erschießt, so cartoonig-spaßig ist die anschließende Zeppelin-Action. Auf dem Papier klingt diese Mischung bescheuert, doch Regisseur John Glen gelingen die Übergänge vom einen zum anderen Tonfall unerwartet flüssig und mit viel Spielfreude. Dies gilt etwa auch für eine haarsträubende Verfolgungsjagd zu Pferd im ersten Part des Films, bei dem Zorins Männer mit albernen Kniffen versuchen, Bond zu Fall zu bringen. In vielen anderen Bond-Filmen wäre diese Sequenz ein Tiefpunkt, doch in diesem Teil der Reihe gilt: Alles geht, nichts muss. Zu vergnügt ist die Regieführung, zu temporeich die Umsetzung der einzelnen Passagen.

Zwangsweise muss sich solch ein Gemisch wie Im Angesicht des Todes im Vergleich zu stringenteren Bond-Werken etwas hohl anfühlen. Dies ist halt nicht der Bond im Hitchcock-Stil, der melancholisch-romantische Bond oder der Blaxploitation-Bond. Dies ist ein Gemischtwarenladen-Bond. Wenngleich ein süffisanter, der zumindest aufgrund dessen, wie ein Kapitel zum nächsten führt, nicht einen chaotisch-ideenlosen Eindruck erweckt. Viel mehr kommt das Feeling auf, das etwa bei manchen Carl-Barks-Abenteuercomics oder gewissen Simpsons-Folgen entsteht, bei denen die Story im ersten Drittel augenscheinlich nichts mit dem Abschluss gemein hat: Es ist ein extrem unterhaltsamer, flüssiger Eskapismus-Ritt. Dafür sorgt auch Moore, der viel kohärenter agiert als im direkten Vorgängerfilm und wieder den nett-gewieften Edelmannagenten raushängen lässt. Auch Running Gags wie Bonds selbstbewusst-faule Wahl seiner Tarnnamen tragen dazu bei, dass Im Angesicht des Todes ein großes Popcorn-Vergnügen wird, das sich seiner Identität bewusst ist, ohne zu aggressiv die selbstparodistische Schiene zu fahren.

Für einen ernstzunehmenden Bond-Film sind die vergnügt-augenzwinkernden Momente zweifelsfrei zu großzügig gesät und für eine markante Tonlage sind die einzelnen Zutaten dieser Rezeptur viel zu bunt gemischt. Und ja, durch die offensichtlichen Stuntdoubles geht viel Suspense verloren. Aber die Stuntchoreographien sind rasant, die Gags sitzen, Moore dreht seinen Charme wieder auf und es ist einfach zu beeindruckend, was in dieser Produktion alles tolldreist aneinandergereiht wird.

Für mich endet Moores Bond-Ära also so, wie es sein sollte: Mit einem extrem gut gelaunten, temporeichen Stil-Mix, der einfach alles enthält, was zu Bond passt. Ein ungewöhnlicher, aber verdienter Abschied für den stilistisch bislang wankelmütigsten Bond-Darsteller. Länger hätte Moores Engagement in dieser Rolle aber wahrlich nicht sein dürfen. Was er selbst erkannte: Als ihm bewusst wurde, dass ihn die Mutter seines Bondgirls Tanya Roberts alterstechnisch unterbietet, gab er seine filmische Lizenz zum Töten auf. Nicht, dass sich die Produzenten beklagt hätten: Trotz zufriedenstellender Einnahmen zählte Im Angesicht des Todes zu den wirtschaftlich schwächeren Teilen der 007-Reihe, womit sich ein Neuanfang anbot. Dieser fiel aber bekanntlich deutlich kürzer aus als EONs Liebelei mit Roger Moore …

Sonntag, 18. Mai 2014

Eine kleine Effektgeschichte

YouTube-Nutzer Jim Casey blickt auf die Geschichte der Spezialeffekte zurück. Von Georges Méliès bis Alfonso Cuarón, von kleinen optischen Täuschungen hin zu aufwändigen Computertricksereien. Welche Filme erkennt ihr?

Mittwoch, 14. Mai 2014

The Sound of Hollywood: Worlds of Adventure


Am Donnerstag, dem 8. Mai 2014, startete in Hamburg die erste The Sound of Hollywood-Tournee, in deren Rahmen das City of Prague Philharmonic Orchestra quer durch deutsche Lande tourt und denkwürdige Musikstücke aus berühmten Filmen zum Besten gibt. Das Orchester dürfte musikversessenen Filmliebhabern einerseits bekannt dafür sein, unter anderem die Originalmusik zu Filmen wie Alexander oder Pans Labyrinth eingespielt zu haben, und andererseits für seine Sampleralben ikonischer Filmstücke.

Während filmreihenspezifische Best-of-Alben wie Music from the Pirates of the Caribbean Trilogy aufgrund manch unambitionierter Neuarrangements und einer nicht wirklich satten Tonabmischung eher dürftige Kritiken ergatterten, sind solche Tributalben wieThe Music of James Horner und Film Music of Hans Zimmer, in denen das Orchester einen Querschnitt des Gesamtwerkes großer Filmkomponisten liefert, mit hörbar mehr Liebe gemacht. Umso gespannter war ich, als ich dank einer erfolgreichen Gewinnspielteilnahme den Premierentermin besuchen durfte: Zeigt sich das City of Prague Philharmonic Orchestra von seiner besten Seite und nimmt das Publikum mit auf eine beeindruckende Reise durch faszinierende Klangwelten? Oder wird der ganze Abend wie die leider sehr rasch runterproduziert wirkenden Pirates of the Caribbean-Alben aus der Stadt an der Moldau klingen?

Eine erste Antwort auf meine Fragen erfolgte rasch: Im sehr gut gefüllten Saal 1 des CCH im an diesem Abend vollkommen verregneten Hamburg wurden die anwesenden Musikfreunde und Filmliebhaber zu Beginn des Konzerts mit einer perfekten Darbietung des verspielten Hans-Zimmer-Stücks Up is Down aus Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt begrüßt. Unter der Leitung des britischen Dirigenten Nic Raine verwandelten die Musiker das kurze, dramatische Passagen sowie romantische Schnörkel in ein kraftvoll-spaßiges Gesamtstück verpackende Nummer in den idealen Startschuss für einen Abend voller Abenteuerlust weckender Filmmelodien. Direkt danach füllte sich die hinter dem Orchester prangende Leinwand mit der Zeichnung einer Großstadtkulisse, die sich in Bewegtbilder aus dem Gangsterfilm-Klassiker The Untouchables – Die Unbestechlichen verwandelte. Mit Flair wurden diese Bilder vom Hauptthema dieser Brian-de-Palma-Inszenierung untermalt, wobei die Musiker vor allem den heroischen Unterton von Ennio Morricones Komposition betonten, und weniger die selbstbewussten Megalomanie des Stücks.

Daraufhin betrat der Moderator des Konzerts die Bühne, und zwar niemand geringeres als „unser Mann für Hollywood“, der Oscar-Reporter und Schlag den Raab-Präsentator Steven Gätjen. Und schnell wurde deutlich: Gätjen ist die perfekte Wahl für den Moderatoren-Posten einer prunkvollen Filmmusik-Tournee. Der Kinofan verfügt über ein immenses Filmwissen, dass er sehr unterhaltsam von sich geben kann und somit das informierte und das wissbegierige Publikum ebenso abzuholen weiß wie den hauptsächlich den Unterhaltungsfaktor eines solchen Abends erwartenden Zuschauer.

Mühelos und mit ansteckendem Engagement vermischte Gätjen im Laufe des Abends bei der Einleitung der kommenden Musikstücke Hintergrundwissen, Analysen und lustige Anekdoten. Unter anderem wies Gätjen daraufhin, wie die Sanftheit von Alan Silvestris Forrest Gump-Musik die Zuschauererwartung betreffs der Titelfigur beeinflusst. Er analysierte zudem Hans Zimmers komplexe Inception-Komposition und ging dabei sowohl auf die Einsätze schwerer Bässe als auch auf die verschiedenen Tempowechsel ein, sowie auf den Kreisschluss, den der Score im Gesamtfilm absolviert. All dies formulierte Gätjen in gewählten, gleichwohl leicht verständlichen Worten, so dass der Hollywood-Experte nie über das Gesamtpublikum hinweg sprach und dennoch dem Gewicht seiner angeschnittenen Themen gerecht wurde. Darüber hinaus plauderte Gätjen aus dem Nähkästchen und verriet, wie voreingenommen er zu seinem ersten Interviewtermin mit Tom Hanks reiste, nur um dort von einer Seele von einem Menschen begrüßt zu werden oder wie schwer Hans Zimmer zu verstehen ist, wann immer er sich dran zu gewöhnen versucht, mal wieder Deutsch zu reden:„Das klingt dann so: 'Well hällo Stivn, ai laik wrtzenuetzuwoooiuu' Und ich sag dann immer nur: 'Ja, ja, Hans, ist schon gut. Trink erst einmal 'nen Tee!“

Gätjen musste zudem im Laufe des Abends wieder einmal beweisen, dass er nicht zuletzt dank der XL-Liveshow Schlag den Raab pannenerprobt ist. Da der Projektor zwischenzeitlich ausfiel, ging der Wahlhamburger liebenswürdig darauf ein, wie schwierig so ein Tourauftakt doch sein kann. Und machte dabei selber einen sehr charismatischen Fehler: „Sie kennen das sicher alle, das mit der lieben Technik. Etwa, wenn die Kaffeemaschine immer dann Kaffee macht, wenn Sie eigentlich gar keinen wollen …“ Meine Begleitung und ich sind seit diesem Abend fest davon überzeugt, dass Steven Gätjens Küche regelmäßig in einer Flut frisch gebrühten Kaffees untergeht. Armer Stevie …

Von diesem sympathischen Wortverdreher abgesehen zeigte sich Gätjen aber stets ebenso kompetent wie menschlich, ließ blicken, wenn er die Produktion, aus der eines der während des Konzerts aufgeführten Stücke stammt, weniger mochte oder wann er der Ansicht wahr, dass manche Filme vom Saalpublikum nicht genügend Ehrenapplaus bekamen. So empfahl er den Zuschauern Michael Manns Insider (den Gätjen in der Gladiator-Ankündigung erwähnte), während er sich offen als Pearl Harbor-Gegner zu erkennen gab, bevor das City of Prague Philharmonic Orchestra die dem Film überlegene Musik spielte. Doch egal, ob Gätjen einen Film mochte oder nicht: Stets zeigte den präsentierten Musikstücken gegenüber größten Respekt. Ebenso zollte er den nicht unerheblichen, aber gern übersehenen filmhistorischen Leistungen des Dirigenten Nic Raine Tribut.

Raine arrangierte zum Beispiel die Musik zum letzten Roger-Moore- und zum ersten Timothy-Dalton-Bondfilm und orchestrierte den von Vangelis komponierten Alexander-Score. Raine ließ es sich auch nicht nehmen, mit britisch-trockenem Witz auf Gätjens Anmoderationen einzugehen, womit er fast zu einer Art Sidekick für Gätjens Präsentatorenrolle wurde – etwa, wenn er Gätjens Aussprache von Daniel Craigs Nachnamen kritisierte oder Hans Zimmers Überpräsenz in der zweiten Hälfte des Konzerts kommentierte.

Die Musikauswahl geriet, trotz einer Konzentration auf einige, wenige, dafür umso einflussreichere Komponisten, sehr abwechslungsreich, ohne dabei an Harmonie einzubüßen. Nach Gätjens ersten Auftritt spielte das Prager Symphonieorchester zunächst ein fideles Medley aus den wichtigsten Indiana Jones-Motiven, im Anschluss brachte eine dezent umarrangierte Version der Jurassic Park-Abspannsuite den Saal zum Schwelgen – schließlich liegt der Fokus dieser Komposition auf dem idealistischen Entdeckergedanken hinter dem Dinopark. Erst gegen Schluss des Jurassic Park-Parts wurde es mit einer prägnanten Wiedergabe der Begleitmusik zu den T-Rex-Auftritten etwas wilder und düsterer. Umso optimistischer erklang danach ein E.T.-Medley, das dann Platz für Alan Silvestris Zurück in die Zukunft-Musik machte. Gespielt wurde eine Zusammenstellung der energetischsten Passagen, um Marty McFlys jugendlichen Abenteuerdrang und auch Leichtsinn zu betonen. Ein gelungener Rausschmiss in die kurze Pause, die die ungleich langen Hälften des Abends trennte. Dank filmischer Seitenhiebe auf die Elbphilharmonie zählte der Begleitfilm zu dieser Performance auch zu den besseren, die es zu sehen gab. Einige Filme bekamen neben gut gewählter Szenenausschnitten nämlich zusätzlich recht beliebige Symbolbilder spendiert.

Der längere Part des Konzerts begann mit einer musikalischen Reise quer durch die Welt von Star Trek. Das Titelthema der Originalserie und Voyager, des ersten Films, Teil vier und sechs sowie Passagen aus Star Trek Into Darkness wurden zu einer kurzweiligen Tour de Force gewoben, die den Retro-Elementen des Franchises ebenso wie den dramatischen, actionreichen und futuristisch-aufgeschlossenen Aspekten gerecht wurde. Highlight des Abends war aber der darauf folgende Querschnitt durch den Inception-Score. Schon die Ankündigung wurde von freudigem Applaus begrüßt, nach der Performance brach der Saal in frenetischen Beifall aus. Und dies vollkommen zurecht. Die sonst zurückhaltende Lichtgestaltung der Bühne wurde während der Inception-Darbietung zu beeindruckend-dramatischem Effekt eingesetzt und das Medley fügte die wichtigsten Melodien der Hans-Zimmer-Komposition großartig zu einer Einheit zusammen. Los ging es mit langsamen, elektrisierenden Bässen, ehe die Streicher immer schneidendere, härtere Töne von sich gaben und die Dramatik anstieg, ehe die melancholischeren Stücke des Films folgten. Das Finale ging dann in die Vollen und weckte bildhafte Erinnerungen an die pompöse Action des Nolan-Thrillers. In diesem Fall war auch die Auswahl an symbolhaftem Filmmaterial kongenial.

Danach kam es zum Tiefpunkt der Vorstellung: Broadway-Sängerin Lana Gordon versuchte sich an Adeles Skyfall, ging die hohen Töne aber viel zu aggressiv heran, weshalb James Horners Avatar-Suite mit ihren romantisch-exotischen Klänge im Anschluss wie Balsam anmutete. Es wurde danach noch romantischer, und zwar mit Hans Zimmers Eröffnungsstück von Michael Bays Pearl Harbor, einer sehr sanften Nummer voller Sehnsucht und nostalgischer Leichtigkeit. Auch Diane Warrens Ballade There You'll Be erklang in wohligen Tönen und schien Gordon besser zu liegen. Eine umfassende Gladiator-Suite brachte dann den offiziellen Teil des Konzerts zu einem pompösen Abschluss, als Zugabe folgte jedoch ein Fluch der Karibik-Best-of. Dessen Übergänge waren zwar gewöhnungsbedürftig, dank der tollen Melodien und der liebevollen Umsetzung der Hauptthemen erarbeitete sich das Orchester dennoch verdiente Standing Ovations.


Ich habe mich in den rund drei Stunden bestens unterhalten gefühlt und würde mich sehr über eine zweite Tournee freuen. Thematisch sind in Sachen Filmmusik praktisch keine Grenzen gesetzt und nach Worlds of Adventure bin ich mir sicher, dass den Verantwortlichen erneut eine erstaunliche Zusammenstellung gelingen wird.

Mehr zur Konzertreihe erfahrt ihr hier.

Dienstag, 13. Mai 2014

Eurovision 2014: Meine Nachbetrachtung


Die große Eurovisionsnacht. Viele meiner Favoriten gingen über die Jahre hinweg beim Finale des Eurovision Song Contests zugrunde. So auch dieses Jahr: Fand ich die Studioaufnahme des französischen Beitrags Moustache ungeheuerlich spaßig und sah in der verrückten, launigen Nummer großes Sommerhit-Potential, haben die chaotischen Jungs ihr Lied live vollkommen zerstört. Disharmonisch, schräg und nervig. Hätte ich der Studioversion einen Sieg gegönnt, hat die Liveversion den letzten Platz mehr als verdient.

Bekanntlich gewann stattdessen Conchita Wurst und bescherte Österreich somit seinen zweiten ESC-Sieg. Live fand ich die Ballade Rise like a Phoenix stärker als in der Musikvideo- oder CD-Version, weil auf der Bühne nochmal deutlich wurde, wie technisch perfekt und sauber Conchita singt. Meine Nummer eins des Abends war Österreich dennoch nicht. Ich bin in Sachen Balladen ja ein recht schwieriger Kandidat, und auch wenn Rise like a Phoenix wie der Entwurf eines kräftigen James-Bond-Titelsongs klingt, so fehlt der Komposition meiner Meinung nach die letzte Würze, ein Schuss mehr gefühlte Emotion unter dem handwerklich perfekten Gesang und ein etwas gewaltigeres Finale. Ein stärkerer Tempowechsel womöglich.

Das soll aber nicht heißen, dass ich Conchita Wurst den Sieg nicht gönne, da ich ja einerseits erkenne, wie makellos die gesangliche Darbietung war. Und zweitens ist dieses Abstimmungsergebnis ein gutes Zeichen für die Offenheit Europas (oder zumindest der ESC-Zuschauer). Auch wenn ja schon 1998 ein transsexueller Interpret gewann, weshalb der Sieg eines seriös auftretenden Travestie-Acts (im Gegensatz zu den gelegentlich auftauchenden schrillen Travestie-Nummern beim Eurovision Song Contest) zwar eine erfreuliche Sache ist, aber nicht die Revolution, zu der sie in den Medien aktuell gemacht wird.

Unchic fand ich derweil, wie das Saalpublikum sowohl den russischen Act ausbuhte als auch jedes Mal unruhig wurde, wenn die Zwillinge Punkte erhielten. Dass Russland sich aktuell keiner großen Beliebtheit erfreut, ist nicht verwunderlich, dennoch finde ich, dass zwischen Künstlern und Ländern getrennt werden sollte. Was können die zwei Blondinen schon für Putins Politik?

Nächstes Jahr dürfen wir dann also mit einem ESC aus Wien rechnen. Und bis dahin fängt sicher wieder die Diskussion über Deutschlands Stand beim Wettbewerb an. Diese blieb ja Sonntag und Montag unerwarteterweise trotz einer schlechten Platzierung aus ...

Freitag, 9. Mai 2014

Eurovision 2014: Meine Favoriten und Flops


Wenn ich dieses Jahr schon nicht die Zeit und Muse habe, hier im Blog sämtliche Eurovision-Songs zu besprechen, so will ich hier wenigstens meine zehn Lieblingsstücke aus dem europäischen Liederwettbewerb 2014 vorstellen. Und da kein Artikel zum Thema Eurovision Song Contest vollständig ist, wenn nicht auch gelästert wird, reiche ich natürlich auch meine 5 Flops des ESC-Jahres nach.

Viel Spaß beim (erneuten?) Anhören und natürlich auch bei der großen Show am Samstagabend!

Platz 1: Twin Twin - Moustache (Frankreich)

Eine sehr ironisch dargebotene Retro-Eurodance-Nummer mit diesem einmaligen Flair der französischen Elektropopszene. Alle Jubeljahre kommt aus dieser Richtung etwas, das mir so richtig Spaß macht, und dieses Mal ist es wieder so weit. ESC-Irrsinn, der weiß, was er darstellt.

Platz 2: The Common Linnets - Calm After The Storm (Niederlande)

Inside Llewyn Davis lässt grüßen: Wunderschöne Melodie, fantastische Stimmen, packende Atmosphäre.

Platz 3: Softengine - Something Better (Finnland)

Meine obligatorische E-Gitarren-Nummer für das Jahr.

Platz 4: Firelight - Coming Home (Malta)

ESC-Folklore-Country-Pop mit guten Stimmen.

Platz 5: Can-Linn (feat. Kasey Smith) - Heartbeat (Irland)

Richtig runder Pop aus der heimlichen Heimat des ESC. Leider nicht im Finale, aber was juckt mich das bei meiner Rangliste?

Platz 6: Tijana Dapčević - To The Sky (Mazedonien)

Der Anfang hat kleine Schwierigkeiten, danach legt die Nummer drei Gänge zu.

Platz 7: Pollapönk - No Prejudice (Island)

Könnte auch aus einer Disney-High-School-Komödie der 90er stammen. Und das meine ICH als Kompliment!

Platz 8: Basim - Cliché Love Song (Dänemark)

Schöne Selbstironie, eingängige Melodie.

Platz 9: Mariya Yaremchuk - Tick - Tock (Ukraine)

Eine waschechte ESC-Osteuropa-Pop-Nummer. Davon gibt es miese und gute. In diesem Fall ist das seelenlos-unterhaltsame Paket einfach zu gut produziert, dass es mir keine Laune machen würde.

Platz 10: Kállay-Saunders - Running (Ungarn)

Der erste Refrain ist mir musikalisch zu aufgedreht und gesanglich zu halbseiden, ansonsten aber eine gut vorgetragene (etwas zu sehr nach Aufmerksamkeit gierende), mitreißende Nummer.

Und hier meine Flops:

Platz 5: Dilara Kazimova - Start A Fire (Aserbaidschan)

Eine sterbenslangweilige, unauthentisch wirkende, dröge Nummer ohne Höhepunkte.

Platz 4: Vilija Matačiūnaitė - Attention (Litauen)

Schräg gesungen.

Platz 3: Suzy - Quero Ser Tua (Portugal)
Passiert in den drei Minuten etwas? Gesanglich gesehen?

Platz 2: Hersi - One Night's Anger (Albanien)
Geknödelter Gesang, drei Minuten lang. Lahme Melodie, keinerlei Spannung drin.

Platz 1: Freaky Fortune feat. Risky Kidd - Rise up (Griechenland)

Aus meinem liebsten ESC-Land kommt dieses Jahr eine richtig grausige, dahingeklatschte Dancenummer ohne Charakter und musikalischen Catcher. Rein in den Gehörgang, dort nerven, raus aus dem Gehörgang.

Mittwoch, 7. Mai 2014

Ana Johnsson, Vanilla Ninja und Co.: Die verschwundenen Musikstars der frühen 2000er


Zeit für eine frische Tasse Coopers Kaffee: Dieses Mal diskutieren Manuel Nunez Sanchez, Glenn Riedmeier und meiner einer über Musikerinnen und Musiker, die in den frühen 2000ern eine ganz große Nummer waren, mittlerweile aber von der Bildfläche verschwunden sind. Hat sich der Massengeschmack verändert? Haben sie aufgegeben? Oder hat sich ihre Musik zum Schwächeren entwickelt?

Ob Ana Johnsson, Nelly Furtado, Vanilla Ninja oder die Bloodhound Gang: Wen vermissen wir und wer kann uns gestohlen bleiben?

Mehr dazu hier!

Sonntag, 4. Mai 2014

May the 4th Be With You - Muppet-Style!

Dank der Star Wars-Kinoevents, die in zahlreichen Lichtspielhäusern stattfanden, habe ich dieses Wochenende wieder die volle Dosis der Macht erhalten. Wie wohl auch zahlreiche andere Filmfreunde, denn die Triple Features liefen ziemlich gut.

Um das Star Wars-Wochenende abzurunden, möchte ich euch an dieser Stelle aber noch ein kleines Schmankerl zeigen. Eine runde halbe Stunde Vergnügen, in der zwei Welten aufeinanderprallen, die damals, als diese TV-Sendung entstand, nichts miteinander zu tun hatten ... die nun aber beide Disney als ihre Heimat nennen. Hier ist sie, die prophetische Episode der Muppet Show mit den Star Wars-Helden. Man achte ganz besonders auf die Schlussnummer:


(gefunden beim YouTube-Kanal von Steinkauzeule)