Donnerstag, 1. Januar 2015

Meine Gedanken über das Kinojahr 2014


2014 hat sich verabschiedet, doch 2015 hat noch gar nicht so richtig angefangen. Die perfekte Gelegenheit, sich zurückzulehnen und die Gedanken kreisen zu lassen. Nicht etwa um irgendein Thema, sondern natürlich um mein favorisiertes Thema: Film. In den vergangenen zwölf Monaten entführten uns die Lichtspielhäuser in bunte Fantasiewelten, in grimme Parabeln unserer Realität und in faszinierende Abbildungen diverser Subkulturen. Die deutsche Kinowirtschaft erlebte ein erschreckend karges Jahr, angefeuert von einer gewaltigen Besucherflaute zur WM-Zeit. Aber wie sah das Kinojahr für mich persönlich aus? Nun …

In meinen Augen war das Kinojahr 2014 sehr stark. Darüber, was verdienten oder unverdienten Erfolg hatte und mit welchem Recht in welcher Breite gestartet ist, kann man sehr hitzig debattieren. Wenn ein weltweit umjubelter Film wie Under the Skin, der in zahllosen Kritiker-Bestenlisten auftaucht und mit Scarlett Johansson einen Weltstar in der Hauptrolle aufweisen kann, nur aufgrund von Fanprotesten und passionierten Kinobetreibern den Weg in die Lichtspielhäuser findet, dann läuft etwas schief. Dessen ungeachtet war die Ausbeute an Kinofilmen 2014 beachtlich: In der Welt der Blockbuster gab es zahlreiche extrem unterhaltsame Spektakel zu bestaunen, die nicht nur lärmenden Spaß darstellen, sondern auch gute Performances und ein gutes Skript haben. Marvel haute mit The Return of the First Avenger und Guardians of the Galaxy gleich zwei Volltreffer raus , Fox forderte das Popcorn-Publikum mit den neuen Teilen der X-Men- und Planet der Affen-Reihen heraus und im Herbst liefen außerdem Interstellar der dritte Tribute von Panem-Part an, die im Multiplex für mehr als nur Krachbumm sorgten.

Doch 2014 war nicht nur ein gutes Jahr für das Popcorn-, sondern auch fürs Programmkino, wo die gesamte filmische Palette mit neuen, starken Werken bestückt wurde. Ob nun der bereits erwähnte Under the Skin, solche „Kunstblockbuster“ wie Snowpiercer, Epen über den Alltag wie Boyhood, beklemmendes Kino wie Borgman oder auch kleine, smarte Wohlfühlfilme der Marke Gemma Bovery: Keine Facette der Filmwelt kam 2014 zu kurz. So lobe ich mir das!

Nur eine filmische Sparte war 2014 arm dran. Auch wenn mir da wohl einige widersprechen werden: In Sachen (westlichem) Animationsfilm sah es zuletzt wieder recht dürftig aus. Drachenzähmen leicht gemacht 2 war zwar gut, aber nicht so schön wie das Original. Die Boxtrolls war sehr mager, Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman ebenfalls, Die Pinguine aus Madagascar war extrem lustig, aber auch recht hohl, Rio 2 - Dschungelfieber war sogar richtig, richtig mies ... Eine rare Ausnahme ist The LEGO Movie. Aber auch hier muss ich etwas rummäkeln: Die Komödie ist zwar sehr toll, aber auch nicht die Offenbarung, zu der sie teils hochstilisiert wurde. 22 Jump Street hat mir da in Sachen "Selbstironische Streifen von Lord & Miller" mehr gefallen.

Die meiner Meinung nach schlechtesten Filme 2014 habe ich ja bereits vorgestellt, darüber hinaus galt es auch allerhand Enttäuschungen zu durchstehen. Also Produktionen, die nicht per se schlecht, aber meilenweit von meinen Erwartungen oder ihrem stellenweise angedeuteten Potential entfernt sind Nebraska etwa weiß mir zu gefallen, entlockte mir jedoch nicht die Reaktionen, die ich mir nach den zahlreichen Kritikerlorbeern erhofft hatte. Und der deutsche Hackerfilm Who Am I hat weder die kinetische Energie seiner Trailer, noch sind seine Twists so revolutionär, wie er wohl gern hätte.

Zu meinen Überraschungen des Jahres zählen im Gegenzug primär Actionfilme. Der Sci-Fi-Actionspaß Edge of Tomorrow (alias Live. Die. Repeat., wie Warner ihn nun gerne vermarktet) hatte auf dem Papier ein reizvolles Konzept, sah in den Trailern jedoch bescheiden aus. Doch die Mischung aus „Trial-and-Error“-Shooter und Und täglich grüßt das Murmeltier mit Tom Cruise und Emily Blunt ist extrem unterhaltsam geraten, weshalb sie sich auch ein deutlich besseres Einspielergebnis verdient hätte. Während ich The Raid fast schon verboten überbewertet finde, haute mich das Sequel während einer sehr stimmigen Mitternachtsvorstellung regelrecht aus den Socken, ähnlich, wie es mir vor der Preview zu Need for Speed graute – ich verließ sie aber als einer von gefühlt vier Filmkritikern, die diesen launigen, handgemachten Rennactionspaß toll findet. Und dann wäre da außerdem Transformers – Ära des Untergangs, der vierte Teil eines von mir verhassten Franchises. Dieses Mal aber bereitete mir Bays Explosionsoper sündiges, sündiges Vergnügen ... ... ... Ja. Ist so!

Wie schon in den vergangenen Jahren gönnte ich mir auch 2014 zudem einige besondere Kinoerlebnisse, und ich finde es sehr, sehr erbaulich, dass das Angebot an atypischen Vorführungen konsequent wächst. So konnte ich dank der Disney Days-Aktion einiger deutscher Kinos zahlreiche Disney-Klassiker zum wiederholten Male und teils auch zum ersten Mal auf der großen Leinwand erleben. Außerdem nahm eines der Kinos meines Vertrauens aufgrund des verfrühten Ablebens von Robin Williams Der Club der toten Dichter ins Programm auf, was ich selbstredend ausnutzte. Darüber hinaus unterstützte ich natürlich die Under the Skin-Protestaktion und löste ein Ticket für dieses Meisterwerk, das es hierzulande beinahe nicht in die Kinos geschafft hätte. Zudem erlebte ich eine der magischsten Retro-Aufführungen meiner Kinobiografie: The Shining im englischsprachigen Original vor ausverkauftem Haus ... als abgenutzte 35mm-Kopie mit einer atmosphärischen, beklemmenden Rottönung! Grandios! Auch den wegweisenden Disney-Abenteuerfilm 20.000 Meilen unter dem Meer durfte ich mit authentischem Filmgrieseln bewundern. Und in Düsseldorf brachte mich die Deutschlandpremiere der restaurierten Komplettfassung von Eine total, total verrückte Welt zum Lachen. Mehr davon! Auch an Filmmarathons habe ich einmal mehr teilgenommen, dieses Jahr an der May the Forth be with you-Aktion, die alle bisherigen Star Wars-Episoden umfasste, sowie an einem Die Tribute von Panem-Triple.

Meine zwei besten Kinoerfahrungen 2014 waren allerdings eine Wiederaufführung von Rob Marshalls brillantem Musical Chicago, die praktischerweise mit meinem Geburtstag zusammenfiel und somit als Geburtstagsfeier diente, sowie das von einem philharmonischem Orchester begleitete Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt-Event in München. Großer Film, riesige Leinwand, unvergessliche Melodien!

Umso ärgerlicher, dass im Kino weiterhin auch Störenfriede ihr Unwesen treiben. Das nervigste Kinopublikum des Jahres zu bestimmen, fällt mir jedoch schwer. Denn anders als 2013 gab es dieses Mal für mich keine Totalausfälle, dafür aber vermehrte Erlebnisse mit Deppen, die sich ganz allein gegen den restlichen Saal verschwören. Von einer dauerkommentierenden älteren Dame in Mr. May und das Flüstern der Ewigkeitund einem sich über eine andere, ruhige Person lustig machenden Paar in Her bis hin zu Mommy und zehn Leuten, die sich während der ersten 30 Minuten nicht entscheiden können, ob sie nun sitzen bleiben wollen oder in die Lobby gehen ... All diese Vorfälle ließen sich nach vermehrten Beschwerden jedoch beenden. Na bitte, geht doch! Einige weitere Ärgernisse halte ich nun für den Entengeschnatter-Podcast in der Hinterhand, so frech bin ich nun!

Als nächstes sei unsere Aufmerksamkeit endlich auf meine filmichen Höhepunkte 2014 gelenkt. Denn was bringt es, über Filme zu denken, wenn man sich jegliche Freude an dieser Passion verbietet?

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