Mittwoch, 1. April 2015

Braucht es (heute noch) "High School Musical 4"?


Aus manchen Dingen muss man einfach nicht rauswachsen. Selbst wenn ihre primäre Zielgruppe recht jung gestrickt ist. Für mich zählt, wie langjährige Blogleserinnen und -leser bezeugen können, das High School Musical-Franchise dazu. Obwohl es selbst (oder vielleicht sogar insbesondere?) unter Disney-Fans einige lautstarke Gegner aufweist, die es als reines "Tween-Futter" abtun, lege ich die drei Filme der für den Mäusekonzern so unsagbar einträglichen Reihe noch immer regelmäßig ein. Das Finale der Trilogie, High School Musical 3: Senior Year, hat es mit seinem finalen Song wohl vorhergesehen: High School Musical, Who Says We Have To Let It Go? wird da einem Mantra gleich gesungen, und was man als dreiste Werbebotschaft auffassen könnte, ist für mich eher einer der Belege dafür, dass Kenny Ortega und Co. Mitte der 2000er-Jahre mit Passion hinter dieser Filmreihe standen. Und nicht bloß Disney-Channel-Fließbandware verantworteten. "Hey, wir hatten alle Spaß, und es wäre schön, wenn er euch lange in Erinnerung bleibt", ist für mich die Aussage dieser Nummer. Sehr, sehr gerne dürfte sie aber auch aussagen "Das war es vorerst, doch wer sagt, dass wir die Reihe für immer ruhen lassen müssen?"

Disney ist ja was seine Marken angeht leider zuweilen recht schizophren. Einerseits weiß man bei Disney nie, ob eine Reihe oder eine Figur wirklich für immer und ewig ihren Schwanengesang geleistet hat. Ob nun ein Revival des Darkwing Duck-Comicrevivals, neue DuckTales-Folgen oder ein Dumbo-Remake: Der Unterhaltungsgigant zerrt seine Produkte all zu gern und überraschend zurück ins Scheinwerferlicht. Was mal gut zu heißen ist und mal zu verdammen. Andererseits ist Disney auch ein Konzern, der sich urplötzlich von einer viel gehypten Marke abwenden kann: Tron: Legacy lief unter den finanziellen Erwartungen, also lässt man es mit den Sequel-Plänen einige Jahre lang ganz, ganz ruhig angehen. Miramax verliert nach dem Weggang der Weinsteins an Zugkraft, also wird der Laden verkauft. Und obwohl High School Musical 3: Senior Year seinerzeit den US-Startrekord für Musicalfilme brach und allein an den Kinokassen weltweit mehr als das 22-fache des Budgets generiert wurde, setzte Disney nie seine Pläne für High School Musical 4 bis 6 um.

Da die ursprünglichen Pläne für den vierten Teil überaus lahm waren, schmerzt dies kaum, erst recht, da der Spin-Off-Film zum heimlichen Star der Originaltrilogie, Ashley Tisdale alias Sharpay Evans, ebenfalls eine Enttäuschung darstellte. Und dennoch, wenn ich sehe, dass sich auch lange nachdem High School Musical aus der öffentlichen Aufmerksameit verschwand, bei Twitter wenige Worte genügen, um Leute wieder anzufixen, glaube ich durchaus, dass da noch ungenutztes Potential vorhanden ist. Aber bitte nicht in Form eines Reboots (eine neue Teenie-Truppe erlebt ähnliche Ereignisse während seiner Schulzeit) oder eines Remakes (neue Interpretationen der uns bekannten Figuren erleben ungefähr das, was wir bereits gesehen haben).

Nein. Was ich mir wünsche, ist eine Fortsetzung: College Musical. Die Handlung setzt irgendwann gegen Ende der Collegezeit der Wildcats an und erzählt, was aus den HSM-Figuren geworden ist. Der Film ist dabei mit seinem Publikum gewachsen, was bedeutet, dass die Rückschläge des Lebens ehrlicher behandelt werden. Alkohol sollte eine Rolle spielen, denn eine Collegezeit ohne Promille machen nur sehr, sehr, sehr wenige Menschen durch. Auch vor Sex, oder zumindest Sinnlichkeit, sollte der Film nicht zurückschrecken, jedoch geht es mir hier nicht um ein "Gritty Reboot" des Schocks willen. Nein, ich möchte, dass College Musical für junge Erwachsene die Art Eskapismus wird, die High School Musical für Tweens und Teens ist: Erzählten die ersten drei Filme, dass sich alle Probleme als kurzes Irrlicht entpuppen, soll College Musical sagen, dass Rückschläge echt sind. Manch einem wird fremdgegangen, andere verlieren den Job oder viel zu früh ihre Eltern, wieder andere müssen die Ausbildung abbrechen. Jedoch sollte all dies nur als Herausforderung dargestellt werden, denn mit Findungsreichtum und Durchhaltevermögen findet man auf neuem Wege sein Glück - etwas weiser, um eine dramatische Erfahrung reicher. Es könnte Disneys Grease werden, nur halt kontemporär.

Gern darf der Film dann unter dem Touchstone-Label erscheinen, sollte Disney sich dies nicht unter seinem Markennamen gestatten wollen. Vielleicht erfüllt das Studio dann auch endlich Lucas Grabeels Wunsch, seine Figur Ryan offiziell als homosexuell zu outen. Obwohl: Streicht das 'vielleicht', Ryan muss Regenbogenfarbe bekennen.
Und natürlich ermöglicht das neue Setting obendrein eine Vielzahl an Filmreferenzen, genauso wie mit der älteren Zielgruppe die Musical-Tribute, die schon in High School Musical 3 einen Großteil des Sehgenusses ausmachten, ganz anders dargeboten werden können. Lasziver, dramatischer, frecher!

So lange man Zac Efron und Co. noch das Collegekid abkauft, sollte Disney also auf die Tube drücken. Zumindest ich würde mir das Ergebnis mit großer Neugier anschauen!

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