Mittwoch, 28. Januar 2015

Der CGI-Wahn fordert sein erstes Opfer


Ein Gastbeitrag von EdiGrieg

Nur kurz nach dem Golden-Globe-Erfolg von Drachenzähmen leicht gemacht 2 gab das in Redwood City, Kalifornien stationierte Studio PDI, welches ab 2000 fest bei Dreamworks Animation unter Vertrag stand, sein Aus bekannt. Mit der Schließung von PDI entlässt Dreamworks rund 500 Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit.

Gegründet wurde PDI 1980 von Carl Rosendahl als Pacific Data Images und startete mit visuellen Effekten und computergenerierten Grafiken für Nachrichtensendungen, TV-Shows und Werbebeiträge. Durch eine neuartige Morph-Technologie, die 1991 in Michael Jacksons Video Black or White für Furore sorgte, gelang der Sprung in die Filmbranche. So unterstützten sie das Stan Winston Studio bei den legendären Special Effects in Terminator 2 (1991) und legten digitale Hand an in Toys (1992), Angels - Engel gibt es wirklich (1994), Batman Forever (1995) und The Arrival - Die Ankunft (1996). Daraufhin holte Jeffrey Katzenberg PDI zu Dreamworks für den kommerziellen Disney-Angriff Antz (1998). Bereits 1996 kaufte sich Dreamworks zu 40% in PDI ein. Nach dem Erfolg von Antz verkaufte Carl Rosendahl seine bestehenden Anteile und PDI/Dreamworks wurden zu einer Einheit. Fest integriert gelang dann mit Shrek der Sensationserfolg, der dem Studio 2001 einen Oscar einbrachte. Shrek 2 übertraf den Erstling kommerziell und gilt mit einem Gewinn von $441.2 Millionen als sechsterfolgreichster Animationsfilm aller Zeiten.

Am 22. Januar 2015 gab Dreamworks nun bekannt, PDI im Zuge einer großen Umstrukturierung zu schließen. Jeffrey Katzenberg gab zu, dass man sich mit dem Plan von drei Filmen pro Jahr zu viel vorgenommen hatte. Die Hüter des Lichts, Turbo, Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman und insbesondere Die Pinguine aus Madagascar hatten einen Kapitalverlust von mehr als $290 Millionen zur Folge. Dazu kommt noch das schon im Vorfeld totgesagte Projekt Home, welches noch mit dem alten Budgettopf von rund $150 Mio. finanziert wurde. Für Trolls, der 2016 kommen soll, wurde die Kasse bereits auf $120 Mio. reduziert. Des Weiteren sollen die Veröffentlichungstermine künftig mehr auf den Anfang des Jahres verlegt werden, statt sich in den Sommer- und Herbstterminen mit der Konkurrenz zu messen. "Die Spielfilmsparte wieder zum Laufen zu bekommen, hat oberste Proirität", beteuert Katzenberg. Während B.O.O.: Bureau of Otherworldly Operations und das Bollywood-thematische Mumbai Musical erst einmal zurück geschraubt wurden, liegt der Fokus in den kommenden drei Jahren auf Kung Fu Panda 3 (18. März 2016), Trolls (4. November 2016), Boss Baby (13. Januar 2017), Die Croods 2 (22. Dezember 2017), Larrikins (16. Februar 2018) und Drachenzähmen leicht gemacht 3 (29 Juni 2018).

Der erste große Kopf rollte bereits am 4. Januar, als Co-Präsident Bill Damaschke auf seinen früheren Rang als Chef der kreativen Abteilung degradiert wurde und das Feld den Damen Bonnie Arnold und Mireille Soria räumte, den Hauptproduzenten der Madagascar- und Drachenzähmen-Reihen. Sowohl Damaschke als auch Arnold gehörten einst zu den Gefolgsleuten, die Katzenberg beim Weggang von Disney brav hinterher trotteten. Dieser baut erneut auf die starke Vertriebs-Allianz mit 20th Century Fox, die seit einiger Zeit die Distributionslast von Dreamworks Schultern genommen haben. Was dies für Auswirkungen auf Fox eigentliches CGI-Zugpferd hat, den Ice Age-Machern Blue Sky Studios, steht in den Sternen. Deren Gründer Chris Wedge arbeitete 2013 zum ersten Mal mit Paramount zusammen, Dreamworks' ehemaligem Partner. Wie gut, dass Pixar bei Disney in guten Händen ist. Allerdings sollten sich Lasseters Jungs auch mal wieder einen Hit einfallen lassen, sonst haben die Macher von Die Eiskönigin und Baymax bald auch nur noch einen lästigen Klotz am Bein .... 

Quellen: Variety (US), Wikipedia (US) und Focus on Animation (Fr)

Sonntag, 25. Januar 2015

Meine 30 Lieblingsfilme 2014 (Teil III)

Bevor ich meine filmische Jahresbestenliste 2014 mit den zehn Produktionen beende, die mich ganz persönlich am meisten begeistert haben, möchte ich noch einmal die Gelegenheit ergreifen, einige ehrenwerte Nennungen von mir zu geben. Diese Filme hätten in einem Jahr mit etwas weniger derart harscher Konkurrenz wohl den Einzug in meine Top 30 geschafft – und auch 2014 zählten sie für mich zu den schönen cineastischen Stunden. Auch abseits von Bestenlisten wartet Qualität! Dies zeigen etwa Mike Leighs impressive Malerbiografie Mr.Turner mit einer preiswürdigen Darbietung von Timothy Spall und schwärmerischer Kameraarbeit oder die Charlotte-Roche-Verfilmung Schoßgebete, die Familientragödie, aufgeschlossenes Familiendrama und lockeren Beziehungsspaß gekonnt vereint.

Nachdem ich den Vorläufer böse überbewertet fand, hat mich The Raid 2 sprichwörtlich vom Hocker gehauen, Stromberg – Der Film ist ein würdiger, pointenreicher Leinwandausflug des kultigen Büroekels inklusive leinwandreifer Charakterentwicklung und Zombiber ist unvergesslicher, selbstironischer Trash voller campiger Zitate (und könnte daher eine Halloween-Tradition für mich werden). Killing Time hat als spannendes, außergewöhnliches Kammerspiel zweier übellauniger Auftragskiller ebenfalls eine Erwähnung verdient und auch wenn ich mir von Denis Villeneuves surrealen Psychothriller Enemy so viel mehr versprochen habe, als ich geboten bekam, ist Jake Gyllenhaals Performance eine, die Cineasten noch jahrzehntelang feiern werden. Und das völlig verdient!

Und um den größtmöglichen Kulturschock zwischen meinen Sondernennungen und Rang zehn zu erzwingen, muss ich einfach noch Partei für Need for Speed ergreifen. Denn Scott Waughs Videospieladaption hat zwar ein, zwei Längen im Mittelteil, doch die furiosen Auto-Stunts und die 3D-Kameraarbeit, durch die sämtliche Wucht der Actionszenen spürbar wird, sowie das launige Ensemble ließen mich damals im Kino wunderbar unterhalten zurück. So viel besser als jeder einzelne Fast & Furious-Film!

Platz 10: Under the Skin (Regie: Jonathan Glazer)
Ästhetisch und beklemmend, poetisch und niederschmetternd. Der britische Regisseur Jonathan Glazer treibt in diesem Low-Fi-Arthaus-Thriller Superstar Scarlett Johansson zur bislang besten Leistung ihrer Karriere an: In der Rolle einer kühlen, weltfernen Femme fatale, die nach einer denkwürdigen Begegnung am eigenen Leibe erfährt, zu welcher Schönheit und Bitternis die Menschheit fähig ist, lotet sie mit minimalen Mitteln eine erstaunliche emotionale Bandbreite aus – und erschafft eine namenlose Protagonistin, die einen nicht mehr loslässt. Um sie herum komponieren Glazer und sein Kameramann Daniel Landin Bilder, die manchmal von nachhallender Kargheit sind, manchmal von bewundernswerter Vielschichtigkeit. Ein Film der fordert – und reich entlohnt.

Platz 9: Nymph()maniac (Regie: Lars von Trier)
Lars von Trier gewaltiger Abschluss seiner Depressions-Trilogie beginnt mit einer klaren Ansage. Nach minutenlanger Ruhe, allein gebrochen durch monotones Quietschen und Plätschern, dröhnt mit voller Wucht Rammsteins Führe mich aus den Boxen, während die schwer verletzte Nymphomanin Joe (Charlotte Gainsbourg) in einer schauerlichen Gasse vom alternden Junggesellen Seligman (Stellan Skarsgård) aufgelesen wird. Von nun an gibt es für über fünf Stunden kein Zurück mehr. Der dänische Autorenfilmer mit Hang zur Nachdenklichkeit, Provokation und Verbitterung, der sich trotzdem einen extrem eigenen und fiesen Sinn für Humor bewahrt hat, packt uns und führt uns durch eine wahrlich epische Geschichte über Sexualität, Verlogenheit und Sehnsucht. Entgegen dem weitläufigen Image, das von Trier genießt, übt er sich dabei nicht ausschließlich in Trübsinn und Pessimismus. Volume I strotzt auch vor ehrfurchtslosem Humor (siehe: Seligman und Joe debattieren über Symbolismus) und betörend-obszöner Poesie (Stichwort: Cantus firmus). Gewiss, Volume II erhöht (dramaturgisch völlig gerechtfertigt!) die Schlagzahl an dramatischen Entwicklungen und garstigen Gesellschaftskommentaren. Aber selbst dies ändert nichts daran, dass Nymphomaniac den zuversichtlichsten Part der Depressions-Trilogie darstellt. Dies mag zwar ein übermäßig … schattenhaftes Licht auf von Triers Gemüt werfen, dennoch: Da ist Licht! Ein winziger, winziger, verschwindend geringer Funken der Zukunftserwartung. Im trierschen Universum gleicht dies der Leuchtkraft von Tausend Sonnen! Und in der 'Wärme' dieses Lichts wuchs von Triers bislang (pardon!) geilster Film heran. Und das vielleicht unverblümteste Mantra des Kinojahres: Mea maxima vulva.

Platz 8: Her (Regie: Spike Jonze)
Bei so viel Tragik, Sex und nackter Haut in meinen Top 10 des Filmjahres könnte sich meine romantische Ader glatt vernachlässigt fühlen – aber glücklicherweise gibt es ja Spike Jonzes Zukunftsromanze Her! Mit einem zurückhaltenden, ungewohnt einfühlsamen Joaquin Phoenix in der Hauptrolle erzählt Being John Malkovich-Regisseur Spike Jonze eine intellektuelle, bittersüße Liebesgeschichte zwischen einem Mann und seinem empathischen, hyperintelligenten Betriebssystem … und dank gefühlvoller Dialoge ist diese Geschichte rührender und ergreifender als viele 'echte' Filmromanzen. Egal, aus welchem Winkel man Her betrachtet: Als Parabel auf Fernbeziehungen, die Verarbeitung von Trennungsschmerz, die Unvermeidlichkeit individueller Veränderungen zweier Liebespartner oder auf Liebe im Zeitalter der digitalen Kommunikation – dieser Film hat das Hirn und das Herz, um einen lang bleibenden Eindruck zu hinterlassen!

Platz 7: Snowpiercer (Regie: Bong Joon-ho)
Ein dystopischer Thriller, der nur so brodelt. Vor Kreativität und vor Spannung: Inspiriert von der französischen Graphic Novel Schneekreuzer erschafft Bong Joon-ho eine pessimistische Sci-Fi-Parabel auf Gesellschaftsstrukturen und Machtgefüge – erzählt seine harsche Geschichte allerdings unverschämt kurzweilig! Stylische Action, zahllose schockierende, verwundernde und teils saukomische Twists, eine kraftvolle Hintergrundmusik, ein durchweg engagiertes Ensemble und eine zünftige Prise Humor machen diesen Klassenkampf zu einem wahren Genrehighlight. Actionreich, intelligent und außergewöhnlich!

Platz 6: Boyhood (Regie: Richard Linklater)
Wie ungewöhnlich doch ein Film über das gewöhnliche Leben eines ganz normalen Teenagers sein kann. Und wie viel Magie einer Geschichte innewohnen kann, in deren Fokus ein Junge steht, dessen träumerische Seite nach und nach Raum für Ernüchterung macht. Aber Richard Linklater hat es mit seinem logistischen Albtraum eines Coming-of-Age-Dramas geschafft. Innerhalb von 165 Minuten sehen wir, wie Mason (Ellar Coltrane) die Höhen, die Tiefen und vor allem die bemerkenswerten Alltäglichkeiten des Erwachsenwerdens durchmacht. Nebenher sausen zwölf Jahre westliche (Pop-)Kultur am Zuschauer vorbei und graduell durchläuft er noch einmal die Weltsicht eines Heranwachsenden: Die Eltern (Patricia Arquette & Ethan Hawke) stehen auf einem Podest, sind rätselhaft, untragbar … echte Menschen mit Ecken und Kanten. Freunde kommen und gehen. Passionen tauchen auf, verschwinden und kehren wieder. Linklater hat es erfasst: Das Leben ist ein Abenteuer – ein stilles, und trotzdem ein genüssliches.

Platz 5: Saving Mr. Banks (Regie: John Lee Hancock)
Wohl kein Filmprojekt 2014 hat mich vorab nervöser gemacht – denn bei keinem bestand mehr Potential in beide Richtungen des qualitativen Spektrums. Diese Tragikomödie hätte eine unerträgliche Disney-Selbstbeweihräucherungsnummer werden können, in der Walt Disney als Engel von einem Menschen gezeichnet wird. Sie hätte eine rund zweistündige Mary Poppins-Dauerwerbesendung oder eine Ansammlung respektloser Fehldeutungen filmhistorischer Fakten werden können. Aber all meine Sorgen waren unberechtigt. John Lee Hancock schuf mit Saving Mr. Banks die Art Film, die ich mir häufiger von Disney wünsche: Herzzerreißend, amüsant und charmant. Emma Thompson in der Rolle der galligen Autorin P. L. Travers und Tom Hanks als der stets eine Show abziehende Walt Disney spielen vorzüglich, Thomas Newman zaubert einen smarten, effektiven Score und von der ersten bis zur letzten Minute versprüht dieser Film einen bittersüßen Zauber. Herrlich!

Platz 4: Can a Song Save Your Life? (Regie: John Carney)
Ein Film wie eine große Tasse warmer Kakao und die Lieblingsplatte an einem dank Sommerregen ins Wasser gefallenen Sonntagnachmittag: Regisseur und Autor John Carney kreiert ein filmgewordenes, zärtliches Loblied auf die Magie der Musik, ohne sich dabei zu fatalistischen Extremen hinreißen zu lassen. Gute, vom Herzen kommende Musik ist in dieser humorvoll-dramatischen Geschichte über eine Songwriterin und einen gescheiterten Musikproduzenten nicht fähig, sämtliche Probleme aus der Welt zu schaffen. Aber sie kann sie lindern – und zu verfolgen, wie Carney diesen Prozess schildert, ist ganz wundervolles Kino mit Indie-Charme. Tolle Musik, ausdifferenzierte, bezirzende Performances von Keira Knightley und Mark Ruffalo und obendrein die filmisch längst überreizte Metropole New York City, wie man sie sonst nie zu sehen bekommt. Ein reizendes Kleinod!

Platz 3: The Wolf of Wall Street (Regie: Martin Scorsese)
Mit über 70 Jahren ist Martin Scorsese noch immer einer der jungen Wilden Hollywoods. Wie hätte er es besser beweisen können, als dadurch, nach dem gemäßigteren Hugo Cabret eine gehaltvolle, beißende und losgelöste Komödie über Exzess raus zu hauen, die ihrem Thema alle Ehre macht? Nahezu drei Stunden lang hält uns der Meisterregisseur gefangen und lässt uns am unbändigen, regellosen und in hedonistischem Fehlverhalten ersaufendem Leben eines narzisstischen Finanzbetrügers teilhaben. Leonardo DiCaprio trumpft mit einer facettenreichen, urkomischen, widerlichen, schleimig-packenden, hochdramatischen Performance auf, die Dialoge sind brillant und trotz ausschweifender Laufzeit fühlt sich nicht ein einziger Moment überflüssig an. Berauschend, abartig und erschreckend erkenntnisreich: The Wolf of Wall Street ist der boshafte Partyfilm voller dramatischer Schattenseiten unter den Finanzsatiren.

Platz 2: The Return of the First Avenger (Regie: Anthony & Joe Russo)
Zur Seite, Platz da, das 'Marvel Cinematic Universe' hat einen neuen Höhepunkt. Selbst die geballte Power des ersten Avengers-Zusammentreffens unter der Federführung von Joss Whedon kann diesem Blockbuster-Meisterwerk nicht das Wasser reichen! Und sogar der dämliche deutsche Filmtitel ist nicht dazu imstande, die Grandeur von Captain America: The Winter Soldier zu schmälern. Kongenial verschmelzen in diesem megalomanischen Actionthriller die üblichen Zutaten eines Marvel-Hits und die Stärken eines politisch motivierten Suspensefilms zu einer entfesselten Einheit zusammen. Chris Evans, Scarlett Johansson, Samuel L. Jackson, Sebastian Stan, Cobie Smulders und Anthony Mackie geben die rundesten Darbietungen ab, die bislang das Licht des 'Marvel Cinematic Universe' erblicken durften. Henry Jackmans Score ist eine ungebremste, kraftvolle Zusammenkunft symphonischer und elektrischer Klangwelten. Die Actionszenen sind mitreißend, bombastisch und dramaturgisch perfekt ausbalanciert – und obendrein so abwechslungsreich, dass es trotz der von den Russo-Brüdern gebotenen, stattlichen Frequenz an Verfolgungsjagden, Schießereien und Faustkämpfen nie eintönig wird. Die Story ist spannend, kurzweilig erzählt, erschüttert das Marvel-Filmuniversum in seinen Grundfesten und schlägt jedem Zweifler, der Captain America noch immer für eine hohle Propagandafigur amerikanischer Konservativer hält, mit Genuss in die Fresse. Und obwohl Marvels Ausflug in eine pseudo-realistische, atmosphärische Ecke des Superhelden-Filmsektors keine Gefangenen macht, bleiben die Autoren der Mentalität ihres Protagonisten treu – und liefern mehr perfekt sitzende Pointen als so manche flockig gemeinte Comicadaption. Der erste Captain America-Film des 'Marvel Cinematic Universe' war bereits all seinen Vorläufern überlegen, Steve Rogers' zweite Mission wiederholt diese Glanzleistung auf noch höherem Niveau. Während der Wartezeit auf Avengers: Age of Ultron gibt es daher nur eins zu tun: Bestaunt noch einmal The Return of the First Avenger. Befehl des Captain!

Platz 1: Gone Girl (Regie: David Fincher)
Ein Suspense-Geniestreich nach alter Schule, vor gegenwärtigem Setting und mit moderner Bild- sowie Klangästhetik. Eine köstlich-gemeine Mediensatire. Ein Ehe-Drama, das kein Blatt vor den Mund nimmt. David Fincher, an der Oberfläche so leicht zugänglich wie nie zuvor. David Fincher, unterschwellig cleverer codiert denn je. Ein Unterhaltungsfilm, der ein hochspannendes, wendenreiches Erlebnis liefert, das seinesgleichen sucht. Ein unverschämt smartes Bravourstück, das voller kleiner Weisheiten, Gemeinheiten und cleveren Einfällen steckt. Niedere Unterhaltung, hohe cineastische Handwerkskunst. Gone Girl fühlt sich auf so vielen Ebenen wohl – und auf jeder einzelnen funktioniert Finchers brillante Regiearbeit fehlerfrei. Schriftstellerin Gillian Flynn perfektionierte ihren Bestseller für die Leinwand mit spürbarer Passion, die Komponisten Trent Reznor & Atticus Ross übertreffen sich selbst, Schnitt und Kameraarbeit sind auf den Punkt und jedes einzelne Ensemblemitglied ist nicht nur perfekt gecastet, sondern leistet auch bemerkenswerte Arbeit. Allen voran natürlich Rosamund Pike, die für ihre Leistung nicht genug Ehrwürdigungen erhalten kann. Beim ungespoilerten ersten Anblick ein Film, der den Atem stocken lässt, bei wiederholter Sichtung reiht sich dagegen ein Moment des Staunens ob der makellosen Umsetzung an den nächsten. Für mich das filmische Nonplusultra 2014. Fincher, was hast du mir da nur angetan. Was wirst du mir noch antun?

Dienstag, 20. Januar 2015

Leseempfehlung: Rotes Abendlicht


Wo auch immer der Gedanke "Wenn es in gedruckter Form publiziert wurde, dann muss es ja ein Mindestmaß an Qualität aufweisen!" herrührt: Dieser Gedanke ist der reine Unfug. Der immer wieder totgesagte Printmarkt wird seit einiger Zeit mit (mitunter sehr erfolgreichen) Twilight-Nachmachen und mittlerweile auch mit tonnenweise Fifty Shades of Grey-Abklatsch überschwemmt. Neu durchstartende Autoren, die sich nicht in diese belletristischen Gefilde begeben wollen, haben es mitunter sehr schwer, sich bei den Verlegern überhaupt Gehör zu verschaffen. Weshalb es mehr und mehr Talente gibt, die ihre Werke als eBook oder auf Blogs veröffentlichen. Wo es wiederum natürlich auch kaum Qualitätskontrollen gibt, und am Ende weiß eigentlich kaum jemand, welcher Medienform er überhaupt trauen kann.

Was mich zu meiner Leseempfehlung bringt. Denn meine sehr verehrte Bloggerkollegin und gelegentliche Gastautorin Ananke Ro geht auf ihrem Blog ebenfalls einen dieser lange verpönten Publikationswege und veröffentlicht ihren Roman Rotes Abendlicht in Form von Blogposts. Und passenderweise handelt dessen vor sehr atmosphärischen, kontemporären Setting spielende Geschichte von Wahrnehmung, Vertrauen und Zweifeln. Wenngleich von Zweifeln an den eigenen Sinnen und nicht etwa vom Vertrauen in alteingesessene oder neue Medien, aber das ist ja nicht gerade minder interessant!

Jedenfalls durfte ich schon einen großen Teil des Romans lesen (ein bisschen Vitamin B tut nicht weh!) und darf sagen, dass diese fesselnde, eloquent erzählte Story über Schizophrenie ein regelrechter "Pageturner" ist. Beziehungsweise wäre. Ich durfte es ja in PDF-Format lesen und kann somit von Seiten reden, in Blogform ist das ein wenig schwieriger. Dann ist Rotes Abendlicht eben ein echter "Linkklicker". Nein, das liest sich irgendwie seltsam ... Wie dem auch sei, Ananke Ro veröffentlicht in einem regelmäßigen Turnus (jeden zweiten Sonntag) ein neues Kapitel. Und ich versichere euch, ihr werdet das bereits veröffentlichte Material verschlingen und danach himmelschreiend das nächste Kapitel herbeisehnen.

Wer sich also traut, seine Ungeduld zu provozieren, wechselt nun rüber zu Anankes Reich und fängt an zu lesen. Ihr werdet es nicht bereuen. Naja, vom Lesegenuss her. Die Sache mit der Warterei hingegen ist schon gemein, da will ich keinen Hehl draus machen ...

Montag, 19. Januar 2015

Meine 30 Lieblingsfilme 2014 (Teil II)

Es ist zum Mäusemelken: Da veröffentliche ich bereits eine Top-30-Liste und dehne obendrein die Definition einer solchen sehr weit aus, indem ich auf den letzten Rang mittels Gleichstand sogar drei Filmen Platz gebe – und das reicht noch immer nicht aus! Es gibt einfach so viel mehr als nur Höhen und Tiefen in einem Filmjahr, nämlich auch viele, viele Produktionen, die sich dazwischen befinden. Und einige von ihnen haben so viele Pluspunkte zu bieten, dass es eine Schande wäre, im Rahmen meiner Jahresbestenliste nicht wenigstens ein paar gute Worte über sie zu verlieren.

Zu diesen ehrenwerten Nennungen gehört etwa Anton Corbijns Spionagekrimi A Most Wanted Man, der durch Phillip Seymour Hoffman auf ein ganz hohes Niveau gehoben wird. Auch Tommy Lee Jones' grimmes Westerndrama The Homesman kämpfte lange um den Einzug in meine Top 30, genauso wie das hierzulande direkt auf DVD gebannte Biopic Lovelace, das mit seiner sehenswerten Erzählstruktur und einer tollen Amanda Seyfried in der Hauptrolle des Pornostars Linda Lovelace auftrumpft. Die satirische, bittere und teils melancholische Hollywood-Dokumentation Verführt und verlassen hätte es in einem anderen Jahr wohl ebenfalls in meine Bestenliste geschafft. Gleiches gilt für die äußerst interessante Doku Finding Vivan Maier über eine talentierte Fotografin, die erst nach ihrem Tod Aufmerksamkeit erlangte.

Weitere Ehrennennungen gibt es im Finale meiner Jahresbestenliste, aber zuvor präsentiere ich euch meine Plätze 20 bis 11:

Platz 20: Maps to the Stars (Regie: David Cronenberg)
David Cronenberg begab sich für diese soghafte Mixtur aus Drama, Thriller und Satire erstmals nach Hollywood – soft ist der kanadische Regisseur durch die Nähe zur Traumfabrik aber wahrlich nicht geworden. Der Regisseur stellt sich ganz und gar in den Dienst des Skripts aus der Feder Bruce Wagners und lässt dysfunktionale Menschen in einem kaputten System allmählich gen Verderben treiben. Julianne Moore ist fulminant als verzweifelte, determinierte Schauspielerin, die alle Hebel in Bewegung setzt, um in einem nach Oscar-Gloria riechendem Biopic über ihre Mutter die Hauptrolle zu übernehmen. Mia Wasikowska tänzelt wirkungsvoll auf einer feinen Linie zwischen bemitleidenswert und rätselhaft-verängstigend und Jungschauspieler Evan Bird ist wunderbar eklig sowie unterhaltsam als arroganter, schmieriger, drogensüchtiger Teenie-Star. Bitterböse, von dunkler Poesie durchzogen und stellenweise nervenzerreißend – Cronenbergs bester Film seit A History of Violence!

Platz 19: Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil I (Regie: Francis Lawrence)
Deutlicher lässt sich wohl kaum vorführen, dass mir das Kinojahr 2014 noch besser gefiel als das Kinojahr 2013: Obwohl mir der dritte Teil der Tribute von Panem-Saga noch mehr zusagte als der zweite Part, schneidet das Vorglühen zum großen Finale der jugendtauglichen Dystopie hier um einige Ränge schwächer ab. 2014 kamen nun einmal sehr viele Produktionen raus, die mir überaus gefallen haben. Der erste Mockingjay-Teil etwa aufgrund dessen, dass er die Panem-Saga noch weiter über sich hinauswachsen und die Teenie-Ursprünge der Filmreihe abstreifen lässt. Dieses Sci-Fi-Epos ist ein dunkles, spannendes Drama über mediale Kriegsführung mit mehreren Gänsehautmomenten und guten Performances. Ich kann den Abschluss dieser Filmreihe kaum erwarten!

Platz 18: Nightcrawler (Regie: Dan Gilroy)
Oberflächlich betrachtet erzählt Dan Gilroys Regiedebüt von einem jungen Mann mit soziopathischer Störung, der eine Karriere als freier Journalist beginnt und sich in der Berichterstattung über Unfälle und Gewaltverbrechen spezialisiert. Doch unter der Oberfläche dieses mediensatirischen Thrillers brodelt eine bittere Erkenntnis über den Zeitgeist und den journalistischen Status quo. Der hier völlig verwandelte Jake Gyllenhaal ist nicht nur abscheulich, sondern zumindest bis zu einem gewissen Grade auch ein Opfer der Umstände. Die klassische journalistische Schule entschwindet, in der Generation Praktikum kann nur der auf sich aufmerksam machen, der sich über Regeln hinwegsetzt und rücksichtslos seinen Willen durchbeißt. Und so ist dieser Protagonist nicht nur hypnotisierend finster, sondern auch ein tragisches Statement.

Platz 17: 12 Years a Slave (Regie: Steve McQueen)
Zweifelsohne: Das erst 2014 nach Deutschland gelangte Historiendrama 12 Years a Slave gehört zu den besten Produktionen des US-Kinojahres 2013 und hat seine Oscars in den Sparten 'bester Film', 'bestes adaptiertes Drehbuch' und 'beste Nebendarstellerin' redlich verdient. An der Signifikanz und Qualität dieser nervenaufreibenden, hochemotionalen Produktion will ich auch gar nicht rütteln. Daher muss ich an dieser Stelle auch wohl kaum die berechtigten Lobeshymnen wiederholen – schließlich sollten sie allseits bekannt sein. Stattdessen mag ich erläutern, weshalb Steve McQueens dritte Regiearbeit in meiner ganz und gar subjektiven Jahreshitliste vergleichsweise niedrig abschneidet. Und dies liegt an einigen sehr, sehr kleinen Störfaktoren, die 12 Years a Slave objektiv wahrlich nicht schwächen, aber mich rein persönlich dazu bringen, ihn 'nur' hier zu platzieren. So finde ich den Schnitt partiell irritierend, und dies an Stellen, die meiner Auffassung nach nicht irritieren sollen. Und der von mir so geliebte Komponist Hans Zimmer steuert ein paar Stücke bei, die ich dann doch als zu dick aufgetragen für diese Art Film empfinde. Und Brad Pitts Minigastauftritt ist ziemlich missglückt. Das alles ist nur Haarspalterei, aber wenn ich mich mit dieser schwachen Platzierung schon unbeliebt mache, dann gehören solche Argumente einfach dazu. (So oder so: Wem es nach einem schmerzenden, markanten, stark gespielten Geschichtsdrama gelüstet, kann mit diesem nahezu gar nichts falsch machen!)

Platz 16: Mommy (Regie: Xavier Dolan)
Das kanadische Wunderkind Xavier Dolan nimmt den Zuschauer mit auf eine Achterbahn der Gefühle, indem er den himmelhochjauchzenden, zutiefst betrüblichen Alltag der alleinerziehenden Mutter Diane (Anne Dorval), ihres pubertierenden, ungezähmten Sohnes Steve (Antoine-Olivier Pilon) und ihrer schüchternen Nachbarin Kyla (Suzanne Clément) in erschreckend intimen Bildern einfängt. Grobkörnige, kontrastreiche Aufnahmen im 1:1-Bildformat zeigen jedes Muskelzucken in den angespannten, geladenen Gesichtern dieses dysfunktionalen Trios. Es sei denn, es feiert gerade einen seiner raren, berauschenden Augenblicke des puren, losgelösten Glücks. Erschütternd und doch verzaubernd!

Platz 15: Guardiansof the Galaxy (Regie: James Gunn)
Marvels erster Originalfilm seit The Avengers trumpft vor allem mit seiner unvergleichlichen Attitüde auf: Die mit fantastischen Computereffekten und aufwändigen praktischen Bauten, mit mühseligem Make-up, stylischen Requisiten und saucoolen Kostümen geschaffene Welt der Guardians of the Galaxy sieht einfach verflucht toll aus und hebt sich ganz klar von anderen Sci-Fi-Fantasy-Filmwelten der jüngeren Vergangenheit ab. Denn die 'realistische' Schmutzigkeit, die nunmehr in diesem cineastischen Sektor erwartet wird, erhält hier durch zwölf Prozent Idiosynkrasie einen knalligen, schrillen Einschlag, ohne dass man sich als Zuschauer in eine Persiflage verirrt glaubt. Dieses Rezept findet sich auch im Drehbuch und inszenatorischen Stil wieder: James Gunn und Nicole Perlman erzählen eine Story, die nicht so recht als klassische Originstory durchgeht, sehr wohl aber an archetypische erste Filme in langlebigen Superheldenreihen erinnert. Und die Figuren sind allesamt exzentrisch und schrill, aber auch in der Handlung verwurzelt und von nachvollziehbaren Motiven getrieben. Die Action zählt zwar nicht durchgehend zum Besten, was die Marvel Studios so zu bieten haben, doch wann immer James Gunn sich von den Konventionen löst, werden die Actionpassagen nicht nur visuell imposant, sondern auch extrem lustig. Und was die Zusammenstellung von Archivmusik anbelangt, ist der Tromeo & Julia-Regisseur von nun an einer jener Regisseure, die es genaustens zu beobachten gilt!

Platz 14: Paddington (Regie: Paul King)
Was sicherlich eine x-beliebige Familienkomödie oder gar eine derbe Beleidigung der beliebten Vorlage hätte werden können, wurde zu einer der wohligsten Überraschungen des Filmjahres 2014: Regisseur/Autor Paul King und Co-Autor Hamish McColl verleihen dieser Geschichte eines gutmütigen, ungeschickten Bären, der in England nach einer neuen Familie sucht, nicht nur eine warmherzige Ausstrahlung, sondern auch zeitlosen, generationenübergreifenden Humor sowie dramatische, clevere Untertöne. Mit einer vergnüglichen, vor Ideen strotzenden Inszenierung und überaus engagierten Darstellern sowie einwandfreien Effekten ist diese britische Produktion ein wundervolles, denkwürdiges Filmerlebnis mit einzigartiger Atmosphäre. Hätte Disney die Rechte an den Paddington-Büchern erworben und Gore Verbinski damit beauftragt, frei nach Belieben daraus eine Realfilmkomödie zu spinnen, es wäre wohl exakt dieser Film bei herausgekommen. Und wer meinen Filmgeschmack kennt, weiß, was für ein Kompliment das ist. Magisch, smart, witzig, bewegend und dank vorsichtig eingesetzter Ironie und Dramatik auch erwachsen, ohne seine Unschuld zu verlieren. Bärenstark und superknuffig!

Platz 13: Interstellar (Regie: Christopher Nolan)
Überwältigende Bilder. Ein packender Filmschnitt. Hans Zimmer in absoluter Hochform, der tieftraurige, fragile, komplexe und treibende Melodien sowie intelligente 2001: Odyssee im Weltraum-Referenzen zu einem himmlischen Score vereint. Und eine Tonabmischung, die es in sich hat: Interstellar wurde für die große Leinwand gefilmt und für ein mächtiges Kino-Soundsystem vertont! Dieser Weltraumtrip reicht zwar nicht ganz an Inception heran, trotzdem ist es einmal mehr erstaunlich, wie Nolan es unter einen Hut bringt, dass er formal exorbitante Gefühle zum Ausdruck bringt, während es das Storytelling auf den Verstand des Betrachters absieht. Interstellar ist eine Parade zusammenhängender Gedankengänge – von der Diskrepanz zwischen Ehrlichkeit und kommunikativer Tauglichkeit über die Relativität der Zeit bis hin zum Stellenwert der Emotionen in der Evolution des Menschen. All dies umgesetzt in Form eines fesselnden Weltallabenteuers mit gewaltiger Bild- und Klangästhetik. Das ist so wirkungsreich, dass ich mehr als gewillt bin, vereinzelte, kleine Schwächen zu verzeihen!

Platz 12: Muppets Most Wanted (Regie: James Bobin)
Ohne jede Frage die sensationellteste, fabehalftelteste, blödelhaftelteste, muppetionelteste Komödie des Jahres! Die kultige Chaotentruppe lässt die Herzlichkeit ihres vorherigen Kinofilms hinter sich, um dafür in Sachen Wahnwitz, Meta-Humor und Albernheit drei oder vier Gänge hoch zu schalten. Wie auch 22 Jump Street trieft Muppets Most Wanted vor Selbstironie, verdrehten (oder überdrehten) Klischees und einer ansteckenden Just-for-Fun-Mentalität. Hinzu kommen Songs der Spitzenklasse, ein neues Ehrenmitglied des Pantheons irrer, urkomischer Disney-Schurken sowie Cameos, so weit das Auge blickt. Die Muppets war perfekt, um Kermit und Co. mit einem Paukenschlag zurück zu ihrer wahren Form zu bringen, Muppets Most Wanted dagegen fühlt sich wie ein Film an, den die Muppets zwischen zwei Staffeln ihrer Muppet Show gedreht hätten. Nicht ganz so massentauglich, dafür reicher an sinnlosen Explosionen und Fröschen, die die Kamera mit Vaseline beschmieren!

Platz 11: No Turning Back (Regie: Steven Knight)
Oder, wie dieses mobile Kammerspiel im Original heißt: Locke. Alternativ könnte es aber auch Tom Hardy ist einer der besten Schauspieler seiner Generation, und bloody hell, das führt er hier mit jeder seiner Faser seines Körpers vor – Der Film heißen! Autorenfilmer Steven Knight lässt nahezu den gesamten Film allein in einem Auto spielen, das der Bauleiter Ivan Locke in der Nacht vor dem größten Projekt seiner Karriere quer durch England fährt. Mit einer Freisprechanlage bewaffnet versucht er, familiäre wie berufliche Baustellen und seine widersprüchlichen, inneren Konflikte in Angriff zu nehmen. Dank der geschliffenen Dialoge, des kinetischen Schnitts und Hardys beispielloser Darbietung ist dies nicht nur eine 85-minütige Verneigung vor der Schauspielkunst, sondern auch eine fesselnde Charakterstudie.

Samstag, 17. Januar 2015

Baymax – Riesiges Robowabohu


Ein großer Teil der Disney-Fans scheint in den vergangenen Monaten ein neues Hobby für sich entdeckt zu haben: Den Versuch, den Verlauf der Disney-Renaissance mit der heutigen Ära an Produktionen aus dem Haus der Maus abzugleichen. Ist Rapunzel für die aktuelle Disney-Epoche das, was Arielle, die Meerjungfrau für die Renaissance war? Oder eher ein neues Die Schöne und das Biest? Bevorzugt werden die Vergleiche zwischen Disney-Meisterwerken von damals und heute nicht kreuz und quer getätigt, sondern unter redlichen Bemühungen spekuliert, das sich die einstige Narrative aus Kritiker- und Publikumserfolg exakt aufs Heute übertragen lässt. So amüsant dieses Spielchen ist, ist es schlussendlich eine vergebliche Anstrengung. Zwar verläuft die größere Disney-Historie in gewissen Zyklen, so dass sich über Jahrzehnte hinweg einzelne Parallelen ziehen lassen, aber exakt gleich verlaufen die einzelnen Sektionen der Disney-Chronik nun wirklich nicht.

Daher mag ich mich an dieser Stelle auch nicht weiter mit dieser Fanspielerei beschäftigen, und mich stattdessen an einer etwas ergiebigeren Form des Vergleichs versuchen: Der konzeptuellen respektive tonalen Gegenüberstellung. Damit lässt sich wenigstens ein ungefährer Überblick verschaffen, was die Anhänger gepflegter Disney-Erwartung mit anstehenden Filmen erwartet. Und mit Baymax – Riesiges Robowabohu folgt auf den weltweiten Kassenerfolg von Die Eiskönigin so etwas wie ein neuer Lilo & Stitch. Insofern, als dass beide Werke actionreich sind, einen Sci-Fi-Abenteuer-Aspekt aufweisen und, gemessen am restlichen Disney-Kanon, überdurchschnittlich viel Humor haben. Und dies, obwohl sie zugleich eine sehr herzliche Familiengeschichte über Verlust, Trauer und Zusammenhalt erzählen.

Wo ein spielerischer Disney-Vergleich ist, da sind wohlgemerkt auch Haken nicht fern. Die Figuren in Baymax – Riesiges Robowabohu  sind deutlich braver als in Lilo & Stitch und somit ist auch der Humor des 54. abendfüllenden Disney-Trickfilms freundlicher, um nicht zu sagen knuffiger, als in der dahingehend wilden, fast anarchischen Regiearbeit des Duos Dean DeBlois & Chris Sanders. Zudem ist der emotionale Kern des frei an einer kurzlebigen Marvel-Comicreihe orientierten Computeranimationsspaßes feinfühliger als die Hawaii-Erzählung. Je nach persönlicher Präferenz ist Baymax – Riesiges Robowabohu also der softere, vorsichtigere, angepasstere Film in diesem Vergleich. Oder der vorausschauender abgestimmte, in sich ausgewogenere, also kohärentere. Oder man tickt so ähnlich wie ich und stellt beide Produktionen ungefähr auf die gleiche Ebene, nicht zuletzt, weil beide genau verstehen, welcher Tonfall jeweils zum zentralen Figurenpaar passt.


Das 14-jährige Genie Hiro Hamada weiß nichts mit sich anzufangen. Auf das College hat der Junge keine Lust, für einen Job ist er zu jung und Freunde, an denen er sich orientieren kann, hat er auch nicht. Und so verbringt Hiro seine Zeit, indem er mit seinem selbstgebauten Roboter an Botkämpfen teilnimmt und illegale Wetten abschließt. Dies geschieht sehr zum Unmut seines älteren Bruders Tadashi. Nicht, weil er fürchtet, Hiro würde sich damit Ärger einhandeln, sondern weil er nicht mit ansehen will, wie sein jüngerer Bruder all sein Potential verschleudert. Also schleppt Tadashi eines Abends Hiro mit in seine Universität: Das renommierte Technische Institut von San Fransokyo. Entgegen aller Erwartungen findet es Hiro dort sogar recht cool, weshalb er sich für einen Studienplatz bewerben will. Am Tag der alles entscheidenden Präsentation geht jedoch etwas schrecklich daneben, weshalb sich Hiro mehr denn je zurückzieht. Als der "persönliche Gesundheitsassistent" Baymax, ein überdimensionaler, aufblasbarer Roboter, auf den deprimierten Jugendlichen aufmerksam wird, setzt er alles dran, Hiro aufzumuntern. Währenddessen tun sich in San Fransokyo mysteriöse Ereignisse auf, welche die ganze Bevölkerung der Metropole in Gefahr bringen könnten. Der niedergeschlagene Hiro sieht es als seine neue Bestimmung, dem Einhalt zu gebieten – und verpasst dem süßen, lieben Baymax entsprechende Superhelden-Upgrades ...

Noch bevor das Publikum eine der handelnden Figuren zu sehen bekommt, lernt es dank einer ausführlichen Kamerafahrt den Schauplatz der Handlung kennen: Die betriebsame Metropole San Fransokyo. Der mit einer Totalen der nächtlichen Skyline beginnende, in einem Hinterhof der multikulturellen Großstadt endende Zoom ersetzt so gewissermaßen die klassischen, disney-typischen Kamerafahrten hinein in ein schmuckvoll gestaltetes Märchenbuch. Und sagt so stolz über Baymax – Riesiges Robowabohu aus: Wir lassen das Fantasyland hinter uns, um stattdessen in eine dezent futuristische Welt abzutauchen. Gleichzeitig wird beim Anblick des von warmen, bunten Neonlichtern erfüllten Nachthimmels dieser Verschmelzung aus San Francisco und Tokio klar, dass wir uns nicht in einer kühlen, industriell geprägten Zukunftsvision befinden. Die äußerst steilen Hügel, die engen Bürgersteige, der auffällig häufige Gebrauch von Holz als Baumaterial und die für provinzielle Gegenden Japans so typischen, geschwungenen Dächer erwecken auch ein zugleich exotisches, wie geborgen-vergangenheitsbewusstes Gefühl. Kurzum: Auch wenn uns die Regisseure Don Hall und Chris Williams hiermit eine actionreiche, die Möglichkeiten der Technik aufzeigende Superheldengeschichte präsentieren, bleibt  Baymax – Riesiges Robowabohu zeitlos und auch ein wenig verträumt. Es ist ein Setting, auf das der visionäre Nostalgiker (oder nostalgische Visionär?) Walt Disney gewiss stolz gewesen wäre: Mit einem Bein in der Zukunft, mit einem Bein im Damals.

Die erste Begegnung mit unserem Protagonisten Hiro untermauert das Gefühl, zwar keinen prototypischen Disney-Film zu sehen (sofern die Märchenfilme als die Norm gelten, was durch Disneys Marketing der vergangen Jahre wohl der Fall ist), wohl aber eine Produktion, in der die Disney-Tradition geachtet wird. Hiro zeigt sich als gewitzte Identifikationsfigur, die eine große Passion hat, jedoch keinen gefestigten Platz im Leben. Dass er seinen Verstand allein nutzt, um bei Roboterkämpfen anzutreten und auf sich selbst zu setzen, wird zwar dank des humorigen Einschlags der Eröffnungsszene durchaus als amüsante, fesche Betätigung gezeichnet, allerdings ist unmissverständlich, wie sehr sich Hiro unter seinem Wert verkauft. Es steckt mehr in ihm, da liegt sein Bruder Tadashi goldrichtig.
Worin sich Hiro allerdings von weiteren Disney-Helden abgrenzt, die nicht in einer ihnen angemessenen Position sind, ist seine Einstellung: Im Gegensatz etwa zu Aladdin, der weiß, mehr zu sein als nur eine Straßenratte, Arielle, die sich von ihrem Vater distanzieren möchte, oder dem hölzernen Bengel Pinocchio, der eine Wandlung zum richtigen Jungen herbeisehnt, ist Hiro glücklich mit dem Status quo. Er sieht eingangs keinen Reiz darin, in die Fußstapfen Tadashis zu treten und sein technologisches wie wissenschaftliches Knowhow an einer Universität formen zu lassen. Womit Hiro eine Rarität, möglicherweise gar ein Novum im Disney-Meisterwerke-Kanon darstellt: Er ist ein Protagonist, der zu seinem Glück gezwungen werden muss, der lernen muss, die richtige Perspektive einzunehmen. In unserer heutigen Gesellschaft und Wirtschaftslage eine passende Aktualisierung der Disney-Tradition, sind Biografien dank der zahllosen Möglichkeiten (aber steilen Anforderungen) unvorhersehbarer denn je.

Was Hiro hingegen mit zahllosen Disney-Hauptfiguren sowie allerhand Comic-Superhelden gemeinsam hat, ist die tragödiengerüttelte Familiengeschichte. Hiro und sein Bruder leben bei ihrer Tante Cass, und auch wenn der Verlust ihrer Eltern zumeist nur zwischen den Zeilen behandelt wird, ist er präsent. Anders als bei nahezu allen Entenhausenern (der Weltstadt der Veronkelung) ist dank der Wortwahl der Figuren, der Blicke, die sie austauschen und vor allem dank der Bemühungen Cass', sowohl eine Freundin für die Jungs zu sein als auch eine Ersatz-Autorität, spürbar, dass diese kleine Familie bereits eine Krise durchlebt hat. Und, ähnlich wie auch Peter Parker ein Abo auf frühe Verluste abgeschlossen hat und dadurch zu Spider-Man wird, muss auch Hiro einen weiteren Schicksalsschlag verarbeiten. Durch diesen gewinnt Baymax – Riesiges Robowabohu seinen emotionalen Kern: Der Antrieb des Films ist keine "Mit großer Macht kommt große Verantwortung"-Moral, selbst die Themen Freundschaft und soziale Akzeptanz sind in Baymax – Riesiges Robowabohu nur ein (wenngleich herzerwärmendes) Nebenprodukt des eigentlichen Leitmotivs. Nämlich Trauerbewältigung.


Selbstredend wird dies nicht so abgewickelt wie in einem aufwühlenden, mitunter trostlosen Erwachsenendrama, dennoch resoniert das von Jordan Roberts, Dan Gerson und Robert L. Baird verfasste Skript mit dem, was (nicht nur) Jugendliche in Hiros Situation durchmachen. Dass die Baymax-Crew führende Psychologen über den Prozess der Trauerverarbeitung befragt hat, ist dem Film anzumerken. Denn obschon die Gefühlslage des Teenagers den Film dank der vergnüglichen Erzählweise nie lange nach unten zieht, so ist der Ablauf seiner Trauer durchgehend glaubwürdig, fühlt sich authentischer an als in vielen anderen familientauglichen Produktionen mit ähnlichen Motiven. Um auf meinen anfänglichen Vergleich mit Lilo & Stitch-Vergleich zurückzukommen: Chris Sanders und Dean DeBlois nehmen in ihrer letzten Disney-Regiearbeit mehrmals radikale Stimmungswechsel vor, verleihen ihrer Geschichte einer unorthodoxen Patchworkfamilie partiell einen bittersüßen Geschmack und lassen sie bissiger, harscher wirken als "normale" Disney-Animationsfilme. Sowohl in den humorvollen, wie in den traurigen Momenten. Baymax – Riesiges Robowabohu dagegen wechselt viel seltener seinen Fokus zwischen den "Ein Robotik-Ass erlebt Abenteuer"- und "Ein Junge muss seine Trauer überkommen"-Aspekten seiner Geschichte, sondern verwebt sie über weite Strecken der Laufzeit zu einem einzelnen Faden, lässt Hiros Mimik, Temperament, Grundeinstellung allmählich andere Formen annehmen.

Hiro durchlauft die Phasen der Lethargie, der Wut, des Überwindens nebenher, während sich nach und nach die disneyfizierte Marvel-Superheldengeschichte entfaltet. Und Hiros Freundschaft zum Gesundheitsassistenten Baymax. Diesen betrachtet Hiro eingangs nur als bemerkenswerte Erfindung, für die er selbst allerdings keinen Nutzen hat. Da Baymax aber auf ein Rätsel stößt, das mit Hiros bahnbrechender Erfindung (mit Gedankenkraft steuerbaren Microbots) zu tun hat, lässt sich der Junge widerwillig auf Baymax ein, woraus sich seine Lust auf ein Abenteuer entwickelt – und um dieses zu überstehen, ist der Roboter lange nur ein Mittel zum Zweck. Aber ganz, ganz langsam knüpft Hiro eine Bande mit Baymax, was die Regisseure Don Hall und Chris Williams sehr liebevoll und auch unaufdringlich in Szene setzen. Und natürlich als Vorlage für zahlreiche Gags nutzen, denn die weit auseinanderklaffenden Persönlichkeiten des gleichermaßen naiven wie freundlich-sachlichen Baymax' und des pubertierenden Hiro sorgen für allerlei sprühende Funken. Sei es in Form von pointierter Fehlkommunikation, Situationskomik oder auch kreativem, aber nicht all zu wildem Slapstick. Das Dialogbuch glüht vor rezitierbaren Gags und nur in absoluten Ausnahmefällen ist der humorige Einschlag des Films überbordend. Diese raren Fälle, in denen Baymax – Riesiges Robowabohu förmlich stoppt, um einen kleinen Sketch zu bringen, gehören allerdings nicht dem zentralen Duo Hiro & Baymax, sondern einem anderen Mitglied der "Big Hero 6": Dem Comicgeek und wandelnden Schulmaskottchen Fred. Dieser hat aufgrund seiner gut gelaunten Art und seinem Comic-Fachwissen zwar auch viele gute Momente zu bieten. Wenn er aber in aller Ausführlichkeit seine Hygienegewohnheiten erläutert, zielen die Autoren zu deutlich und zu exklusiv auf die im Kinopublikum sitzenden Kinder im "Eklig ist lustig!"-Alter.


Dessen ungeachtet ist Fred die am weitesten ausgearbeitete Persönlichkeit, die sich Baymax und Hiro in ihr Superheldenteam holen. Die taffe GoGo Tomago etwa bekommt zwar in den Actionszenen einiges zu tun, hinterlässt aber abseits dessen kaum Eindruck, da der Zuschauer wenig über ihren Charakter erfährt. Währenddessen ist der neurotische, kraftvoll gebaute Wasabi zwar für eine Disney-Nebenfigur gut abgerundet, wie sich im dritten Akt zeigt, allerdings scheinen die Autoren kaum Ideen zu haben, was sie mit ihm anstellen sollen. Die in wissenschaftlichen Fragen begeisterungsfähige, optimistische, schlacksige Honey Lemon schlussendlich wird mit einer kleinen Handvoll amüsanter Szenen belohnt, erscheint mir aber so, als hätte man ihr Potential nicht voll ausgenutzt. Trotzdem sei dieses Figurenquartett für seine Vielfältigkeit gelobt – auch Honey Lemon, die auf Promomaterial ja zuweilen sehr nach Rapunzel aussieht, was ihr aber überhaupt nicht gerecht wird. Ihre Proportionen sind anders, ihr Gesicht ist anders, sie bewegt und verhält sich völlig anders, sie hat einfach nur die gleiche Haar- und Augenfarbe. Und das kann ja Mal vorkommen.

Generell erstaunt die Charaktervielfalt in  Baymax – Riesiges Robowabohu. Dank des Softwareprogramms Denizen ist dieses Abenteuer der computeranimierte Disney-Film mit der größten Bevölkerungsdichte und der höchsten Varianz an Statisten. Animationsliebhaber, die ihre Augen schweifen lassen, werden unzählige einmalige Randfiguren entdecken, wodurch San Fransokyo so belebt und echt wirkt, wie wohl kein anderer Schauplatz eines Animationsfilms vor ihm. Ebenso sorgt das Renderingprogramm Hyperion für eine prachtvolle digitale Beleuchtung. Die Farben strahlen, das Schwarz ist satt, der Schattenwurf so realistisch wie noch nie und vor allem ist die unterschiedliche Transparenz von Materialien äußerst wirkungsvoll. Dass Baymax wie ein riesiger Ballonmann aus Silikon aussieht, der einfach geknuddelt werden muss, und nicht einfach nur wie ein weißer Blob, ist nicht zuletzt dem Rendering zu verdanken.

Auch die Unmengen an Microbots, die sich in riesigen Massen zu überwältigenden Bauten formen, erstaunen mit ihren fließenden Bewegungen und Formationen, genauso wie Baymax' und Hiros temporeicher Flug über San Fransokyo. Die eigentlichen Actionszenen (also die Kämpfe und Verfolgungsjagden) dagegen sind "nur" grundsolide. Sie sind abwechslungsreich und knackig genug erzählt, um ihren Reiz nicht zu verlieren, jedoch fehlt ihnen die Raffinesse, die etwa die Action in Die Unglaublichen und die Wasserwerk-Sequenz in Rapunzel haben. Dafür beweist Roy Conli erneut, dass er innerhalb der Walt Disney Animation Studios der führende Produzent darin ist, moderne Klänge in seine Filme einzuweben. Die Rockgruppe Fall Out Boy fügt sich mit ihrem treibenden, heroischen Song Immortals, der passenderweise während einer Trainingsmontage zu hören ist, sehr gut in den Film, und tut es somit John Rzeznik gleich, der in Der Schatzplanet mit einer eigens für den Film komponierten Rockballade begeistert. Davon hätte sich Ralph reicht's ein Stück abschneiden sollen, der ja mit Rihannas Chartnummer Shut Up and Drive einen akustischen wie stilistischen Ausrutscher beinhaltet.

Henry Jackmans Score für Baymax – Riesiges Robowabohu ist ebenfalls gelungen, auch wenn er nicht ganz mit den stärksten der Disney-Trickfilmscores aus Non-Musicals (namentlich James Newton Howards Film-Triple zu Beginn des Jahrtausends) mithalten kann. Jackman entwickelt eine vielseitige, temporeiche sowie thematisch durchdachte und zudem in den richtigen Momenten rührende Klangtapete. Diese hilft dem Film auch, in seinen wenigen Momenten, in denen er erzählerisch an Schwung verliert, nicht zu sehr durchzuhängen. Im Gegensatz zu Howards großen Disney-Scores ist Jackmans Musik kein dominierendes, sondern ein unterstützendes Element. Was so gut zur Story passt, dass das kein Zufall sein kann!

Fazit: Baymax – Riesiges Robowabohu ist ein warmherziges, rührendes und überaus lustiges Disney-Abenteuer mit starker Optik und einem unvergesslichen zentralen Duo. Die Nebenfiguren lassen zwar etwas zu wünschen übrig, trotzdem vermischt diese Comicadaption die Traditionen des Studios deutlich treffsicherer mit neuen Einflüssen, als sein direkter Vorläufer im Meisterwerke-Kanon, der viel Pulver mit viel Getöse, aber wenig thematischer Kohärenz verschießt.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Oscar 2015: Die komplette Liste der Nominierungen


Die Nominierungen für die 87. Academy Awards stehen fest. Und wieder einmal sorgte die Oscar-Auslese für ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits haben es viele gute Filme ins Rennen geschafft, darunter auch manche, die keine typische Academy-Ware sind und daher bei den Prognosen auf der Kippe standen. Andererseits sind viele gute Leistungen übersehen worden.
Das Hauptproblem des untenstehenden Oscar-Felds ist, und das muss man ja auch einmal loben, nicht etwa, dass zu viele missratene Produktionen mitmischen. Ja, Ausnahmen gibt es. Beispielsweise hat sich Maleficent
mit seinen mittelmäßigen Kostümen rein gemogelt, trotzdem ist es, blickt man allein auf die nominierten Filme, ein solides bis gutes Jahr. Es mischt kein Extrem laut und unglaublich nah mit. Und das Oscar-Jahr 2015 liegt meilenweit über dem der 81. Academy Awards, als Frost/Nixon (zumindest in meinen Augen) die beste Produktion in der Hauptkategorie war.

Der kritische Punkt ist dieses Jahr, welche Filme fehlen. Und dahingehend ist das Nominiertenfeld 2015 überaus schmerzhaft. Einige Filme, die hier und da eine Nennung hätten erhalten dürfen, schnitten dieses Jahr dermaßen gut ab, dass viele bemerkenswerte Produktionen raus fielen. Exempel: Weniger Foxcatcher und Die Entdeckung der Unendlichkeit
, mehr Gone Girl und Nightcrawler, das hätte sein dürfen …

Bester Film
- Der Scharfschütze - American Sniper
- Birdman
- Boyhood
- Grand Budapest Hotel
- The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben
- Selma
- Die Entdeckung der Unendlichkeit
- Whiplash
Prognose: 8/10
Ich habe zwei Produktionen zu viel vorhergesagt, und ausgerechnet zwei Filme, denen ich es besonders gegönnt hätte, sind raus geflogen. In jüngerer Vergangenheit wurden wenigstens neun Filme nominiert, nicht nur acht. Und gerade 2015 hätte es aufgrund der Menge an guten Filmen gerne auch zehn werden dürfen ... 

Bester Hauptdarsteller
- Steve Carell für Foxcatcher
- Bradley Cooper für Der Scharfschütze - American Sniper
- Benedict Cumberbatch für The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben
- Michael Keaton für Birdman
- Eddie Redmayne für Die Entdeckung der Unendlichkeit
Prognose: 3/5
Autsch. Das hat man wohl davon, wenn man sich darauf verlässt, dass Foxcatcher an Kraft verloren, Nightcrawler dagegen gewonnen haben soll. Und Bradley Cooper ist nun endgültig ganz, ganz oben angekommen.

Beste Hauptdarstellerin
- Marion Cotillard für Zwei Tage, Eine Nacht
- Felicity Jones für Die Entdeckung der Unendlichkeit
- Julianne Moore für Still Alice
- Rosamund Pike für Gone Girl
- Reese Witherspoon für Der große Trip - Wild
Prognose: 4/5
So viel dazu, dass Kritiker nichts zu sagen haben: Cotillard verzichtete diese Saison auf Kampagnenarbeit (anders als die übergangene Jennifer Aniston), hatte aber eine laute Lobby unter den US-Kritikern ... 

Bester Nebendarsteller
- Robert Duvall für Der Richter - Recht oder Ehre
- Ethan Hawke für Boyhood
- Edward Norton für Birdman
- Mark Ruffalo für Foxcatcher
- J. K. Simmons für Whiplash
Prognose:5/5
Irgendwo muss man ja einen Volltreffer landen ...

Beste Nebendarstellerin
- Patricia Arquette für Boyhood
- Laura Dern für Der große Trip - Wild
- Keira Knightley für The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben
- Emma Stone für Birdman
- Meryl Streep für Into the Woods
Prognose: 4/5
Nicht Rene Russo zog an der von der Schauspielergewerkschaft nominierten Naomi Watts vorbei, sondern Laura Dern. Schade, aber hinnehmbarer als das Fehlen Gyllenhaals bei den Hauptdarstellern.

Bester Animationsfilm
- Baymax - Riesiges Robowabohu
- Die Boxtrolls
- Drachenzähmen leicht gemacht 2
- Song of the Sea
- Die Legende der Prinzessin Kaguya
Prognose: 3/5
Und ich Idiot hatte Song of the Sea so lange auf dem Zettel! Naja, mein Ärger darüber, dass ich ihn doch noch gegen Manolo und das Buch des Lebens eingetauscht habe, ist ein Witz gegen den lauten Aufschrei, weil The LEGO Movie fehlt. Ich habe ja auch mit ihm gerechnet, aber rückblickend: Reine Comedyfilme nominiert die Academy selbst in dieser Sparte ungern. Naja, von manchen peinlichen Ausnahmen abgesehen ... Etwa, wenn DreamWorks einen Will-Smith-Fisch animiert ... Schlimmer als das Fehlen LEGOs finde ich das Dabeisein der Boxtrolls ... 

Beste Kamera
- Emmanuel Lubezki für Birdman
- Robert Yeoman für Grand Budapest Hotel
- Lukasz Zal und Ryszard Lenczewski für Ida
- Dick Pope für Mr. Turner - Meister des Lichts
- Roger Deakins für Unbroken
Prognose: 4/5
Fremdsprachiger Schwarz-Weiß-Film mit hervorragender Komposition. Schön, dass so etwas berücksichtigt wird, schade derweil, dass Interstellar den Sprung nicht geschafft hat. 

Bestes Kostümdesign
- Milena Canonero für Grand Budapest Hotel
- Mark Bridges für Inherent Vice - Natürliche Mängel
- Colleen Atwood für Into the Woods
- Anna B. Sheppard und Jane Clive für Maleficent - Die dunkle Fee
- Jaqueline Durran für Mr. Turner - Meister des Lichts
Prognose: 4/5
Selma flog für den exzentrischeren Paul-Thomas-Anderson-Film Inherent Vice. Schade, hätte er nicht besser Maleficent rauskegeln können?

Beste Regie
- Alejandro G. Iñárritu für Birdman
- Richard Linklater für Boyhood
- Bennett Miller für Foxcatcher
- Wes Anderson für Grand Budapest Hotel
- Morten Tyldum für The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben
Prognose: 4/5
Die von mir vorhergesagte Ava DuVernay flog für Bennett Miller. Das wird man der Academy noch lange nachtragen ... 

Beste Dokumentation
- CitizenFour
- Finding Vivian Maier
- Last Days in Vietnam
- Das Salz der Erde
- Virunga
Prognose: 2/5
Glückwünsche an Werner Herzog und John Maloof (Finding Vivian Maier ist großartig). Aer wo zum Teufel ist Life Itself abgeblieben?

Beste Kurz-Dokumentation
- Crisis Hotline: Veterans Press 1
- Joanna
- Our Curse
- The Reaper
- White Earth
Prognose: 4/5
Bekomme ich hierfür etwas?

Bester Schnitt
- Joey Cox und Gary D. Roach für Der Scharfschütze - American Sniper
- Sandra Adair für Boyhood
- Barney Pilling für Grand Budapest Hotel
- William Goldenberg für The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben
- Tom Cross für Whiplash
Prognose: 2/5
Autsch. Das tut ungeheuerlich weh. Nicht nur, weil ich so sehr daneben getippt habe, sondern auch, weil ich gerne meine Prognose in der Realität umgesetzt sehen wollte (was ja nicht in jeder Kategorie der Fall ist). 

Bester fremdsprachiger Film
- Ida (Polen)
- Leviafan (Russland)
- Mandariinid (Estland)
- Timbuktu (Mauritius)
- Wild Tales: Jeder dreht mal durch! (Argentinien)
Prognose: 4/5
(Gut gemachter) Herzschmerz aus Mauritius schlägt Kritikerliebling, der an einem Beziehungsstreit die gegenwärtige menschliche Verfassung auseinander nimmt. Emotion statt Theorie. Juche?!

Bestes Make-Up und Hairstyling
- Bill Corso und Dennis Liddiard für Foxcatcher
- Frances Hannon und Mark Coulier für Grand Budapest Hotel
- Elizabeth Vianni-Georgiou und David White für Guardians of the Galaxy
Prognose: 2/3
Da gibt es eine Kategorie (neben 'bester Hauptdarsteller'), in der ich es Die Entdeckung der Unendlichkeit gegönnt hätte, und ausgerechnet da ist Steve Carell mit einer Nasenlänge voraus ... 

Beste Musik
- Alexandre Desplat für Grand Budapest Hotel
- Alexandre Desplat für The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben
- Hans Zimmer für Interstellar
- Gary Yershon für Mr. Turner - Meister des Lichts
- Jóhann Jóhannsson für Die Entdeckung der Unendlichkeit
Prognose: 4/5
Ich finde Mr. Turner ja sehr gut, aber diese Nominierung kann ich kaum nachvollziehen. Sehr schwerfällig und eintönig, mitunter vom Film ablenkend ...

Bester Song
- Shan Patterson mit "Everything is Awesome" für The Lego Movie
- John Stephens und Lonnie Lynn mit "Glory" für Selma
- Diane Warren mit "Grateful" für Beyond the Lights
- Glen Campbell und Julian Raymond mit "I'm Not Gonna Miss You" für Glen Campbell… I'll be me
- Gregg Alexander und Danielle Brisbois mit "Lost Stars" für Can a Song Save Your Life?
Prognose:3/5
Ich freue mich, dass meine Noah-Vorhersage widerlegt wurde. Aber, wirklich? Everything is Awesome, ein absichtlich mieser Song, ist drin, der dazugehörige Film nicht? Das verwundert mich. Naja, egal, dann warte ich nun halt gebannt auf die Liveperformance. Lasst euch was einfallen!

Bestes Produktionsdesign
- Adam Stockhausen und Anna Pinnock für Grand Budapest Hotel
- Maria Djurkovic und Tatiana Macdonald für The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben
- Nathan Crowley und Gary Fettis für Interstellar
- Dennis Gassner und Anna Pinnock für Into the Woods
- Suzie Davis und Charlotte Watts für Mr. Turner - Meister des Lichts
Prognose: 4/5
Man tausche Birdman (meine Prognose) gegen Mr. Turner
. Ich habe angesichts des Hypes um ersteren und die Stille um zweiteren nicht dran geglaubt, finde es aber völlig in Ordnung.

Bester animierter Kurzfilm
- The Bigger Picture
- The Damkeeper
- Feast
- Me and My Moulton
- A Single Life
Prognose: 3/5
Ich vermisse Glen Keanes Regiedebüt!

Bester Kurzfilm
- Aya
- Boogaloo and Graham
- Ein Bild für die Ewigkeit
- Parvaneh
- The Phone Call
Prognose: 4/5
Parvaneh hatte ich lange auf meinem Zettel. Ich hätte ihn drin lassen und Boogaloo and Graham trotzdem in meine Liste aufnehmen sollen. Carry On war es nämlich, den ich überschätzt hatte ... 

Bester Tonschnitt
- Alan Robert Murray und Bub Asman für Der Scharfschütze - American Sniper
- Martin Hernandez und Aaron Glascock für Birdman
- Brent Burge und Jason Canovas für Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere
- Richard King für Interstellar
- Becky Sullivan und Andrew DeCristofaro für Unbroken
Prognose: 3/5
Marvel habe ich überschätzt, Mittelerde und Unbroken unterschätzt. Schade. Meine Liste gefiel mir mehr!

Bester Ton
- John Reitz, Gregg Rudloof und Walter Martin für Der Scharfschütze - American Sniper
- Jon Taylor, Frank A. Montanp und Thomas Varga für Birdman
- Gary A. Rizzo, Gregg Landaker und Mark Weingarten für Interstellar
- Jon Taylor, Frank A. Montano und David Lee für Unbroken
- Craig Mann, Ben Wilkins und Thomas Curley für Whiplash
Prognose: 3/5
Verflucht, du schon wieder, Unbroken. Ein Hoch derweil auf Whiplash, unerwartet, aber sehr verdient!

Beste visuelle Effekte
- Dan DeLeeuw, Russell Earl, Bryan Grill und Dan Sudick für The Return of the First Avenger
- Joe Letteri, Dan Lemmon, Daniel Barrett und Erik Winquist für Planet der Affen: Revolution
- Stephane Ceretti, Nicolas Aithadi, Jonathan Fawkner und Paul Corbould für Guardians of the Galaxy
- Paul Franklin, Andrew Lockley, Ian Hunter und Scott Fisher für Interstellar
- Richard Stammers, Lou Pecora, Tim Crosbie und Cameron Waldbauer für X-Men: Zukunft ist Vergangenheit
Prognose: 3/5
So lasse ich mir gerne meine Prognose vermiesen. Adieu, Hobbit und Godzilla, ahoi,  The Return of the First Avenger und X-Men. Nun muss mein Favorit (Return) nur noch gewinnen, und ich jubel mich heiser.

Bestes adaptiertes Drehbuch
- Jason Hall für Der Scharfschütze - American Sniper
- Graham Moore für The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben
- Paul Thomas Anderson für Inherent Vice - Natürliche Mängel
- Anthony McCarten für Die Entdeckung der Unendlichkeit
- Damien Chazelle für Whiplash
Prognose: 4/5
Heilige Sektflasche, was zum Henker? Wo ist Gone Girl, alias "Eine Schriftstellerin perfektioniert ihr Werk für die Leinwand"?

Bestes Original-Drehbuch
- Alejandro G. Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris, Jr. und Armando Bo für Birdman
- Richard Linklater für Boyhood
- E. Max Frye und Dan Futterman für Foxcatcher
- Wes Anderson und Hugo Guinness für Grand Budapest Hotel
- Dan Gilroy für Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren Preis
Prognose: 4/5
Wirklich? Foxcatcher? Damit war zwar ein Stück weit zu rechnen, trotzdem hätte ich gut ohne gekonnt ...

Prognose gesamt: 88/123 oder 71,54 Prozent. Letztes Jahr sah es für mich etwas besser aus. Leider nicht so gut, wie ich es gern hätte. Mein Ziel sind stets die 75 Prozent. Trotzdem ein solides bis gutes Ergebnis, finde ich.

Mittwoch, 14. Januar 2015

Oscar 2015 - Die Nominierungen: Meine finale Prognose


Am 15. Januar 2015, um 14.30 Uhr deutscher Zeit, werden die Nominierungen zur 87. Oscar-Verleihung verlesen. In den vergangenen Monaten habe ich mir hier im Blog wiederholt den Kopf zerbrochen, wie das Feld in vereinzelten Kategorien aussehen könnte. Nun ist es Zeit, meine Vorhersage zu vollenden. Mal schauen, wie hoch meine Trefferquote sein wird ...

Bester animierter Kurzfilm

  • Feast (Liebe geht durch den Magen)
  • Duet
  • The Bigger Picture
  • The Damkeeper
  • Symphony No. 42
Bester Animationsfilm
  • Baymax- Riesiges Robowabohu
  • The LEGO Movie
  • Drachenzähmen leicht gemacht 2
  • Die Legende der Prinzessin Kaguya
  • Manolo und das Buch des Lebens
Meine ursprüngliche Prognose sah noch anders aus, seither habe ich jedoch einige weitere Filme aus der Liste qualifizierter Produktionen nachholen können. Nun stellt sich mir aber die Frage, welches Werk bei den Stimmberechtigten besser ankommt. Der aufwändige Boxtrolls (der bei den Annies gut dasteht), der visuell andersartige Manolo und das Buch des Lebens oder der heimliche Das Geheimnis von Kells-Nachfolger Song of the Sea? Ich tippe mit leichten Zweifeln auf Manolo, da er den richtigen Mix aus Originalität und Popularität trifft. Jedoch traue ich es auch den beiden anderen Filmen zu, das Rennen zu machen ...

Bester Kurzfilm
  • Aya 
  • Ein Bild für die Ewigkeit 
  • Carry On 
  • Boogaloo and Graham 
  • The Phone Call
Auch hier eine Abweichung von meiner ersten Prognose: Ich tausche die Toleranzgeschichte Pavaneh gegen den humorvolleren Kurzfilm Boogaloo and Graham aus, der zuletzt verstärkt gehypt wurde.

Beste Kurz-Dokumentation
  • Crisis Hotline: Veterans Press 1
  • White Earth
  • The Reaper
  • The Lion's Mouth Opens
  • Joanna
Beste Dokumentation
  • Finding Vivan Maier
  • Citizen Four
  • Life Itself
  • Keep On Keepin' On
  • The Overnighters
Die Dokumentation The Case Against 8 über die Homoehe verlor zuletzt an Buzz, während sich die spannende und erhellende Doku Finding Vivan Maier zuletzt wieder recht gut bei nennenswerten Branchenpreisen schlug. Also auch hier etwas Tuning gegenüber meiner letzten Prognose.

  • Interstellar
  • Planet der Affen: Revolution
  • Guardians of the Galaxy
  • Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere
  • Godzilla
Beste Musik
  • Grand Budapest Hotel - Alexandre Desplat
  • Gone Girl - Trent Reznor und Atticus Ross
  • The Imitation Game - Alexandre Desplat
  • Interstellar - Hans Zimmer
  • Die Entdeckung der Unendlichkeit - Jóhann Jóhannsson
Mitte Dezember habe ich noch die Liebe für Grand Budapest Hotel unterschätzt. Mittlerweile wurde ich eines besseren belehrt und glaube an den doppelten Desplat. 

Bester Song
  • Lost Stars aus Can a Song Save Your Life?
  • I'm Not Gonna Miss You aus Glen Campbell: I'll Be Me
  • I’ll Get You What You Want (Cockatoo in Malibu) aus Muppets Most Wanted
  • Mercy Is aus Noah 
  • Glory aus Selma
Der an Alzheimer erkrankte Countrymusiker Glenn Campbell bekommt seit einigen Wochen ordentlich Rückenwind seitens Oscar-Experten. Zudem ist es sein Abschiedssong, daher sollte man mit einer Nominierung rechnen. Es könnte aber genauso gut jeder andere Song aus der langen Liste an qualifizierten Nummern nominiert werden. Diese Sparte ist nicht umsonst so spannend und unberechenbar.

Bester Ton
  • American Sniper
  • Birdman
  • Interstellar
  • Guardians of the Galaxy
  • Into the Woods
Mögliche Überraschungen: Whiplash, Der Hobbit, Transformers, Unbroken, The Imitation Game und Planet der Affen. Dieses Jahr gab es viel satten Sound mit unterschiedlichster Wirkung ...

Bester Tonschnitt
  • Herz aus Stahl
  • Birdman
  • Interstellar
  • American Sniper
  • Guardians of the Galaxy
Auch hier überschlagen sich die Alternativen. Ich habe leider recht wenig Vertrauen in meine diesjährige Ton-Prognose.

Bestes Make-Up und Haarstyling
  • Grand Budapest Hotel
  • Guardians of the Galaxy
  • Die Entdeckung der Unendlichkeit
Seit meiner Prognose verlor Foxcatcher rapide an Aufmerksamkeit, umso mehr Raum blieb, um die wenigen negativen Ressentiments bezüglich der künstlichen Nase Steve Carells nachhallen zu lassen. Im Gegenzug gewann Grand Budapest Hotel an Zugkraft. Also: Lasst uns die Titel tauschen!

  • Argentinien, Wild Tales
  • Mauritius, Timbuktu 
  • Polen, Ida
  • Russland, Leviathan
  • Schweden, Höhere Gewalt
Das estländische Kriegsdrama Tangerines über einen Farmer, der einen verwundeten Mann bei sich aufnimmt, hat eine kleine, aber sehr passionierte Fanbase. Eigentlich sollte eine Nominierung drin sein, doch welcher Film muss für ihn weichen?

  • Birdman
  • Boyhood
  • Gone Girl
  • Nightcrawler
  • Whiplash
  • Birdman
  • Grand Budapest Hotel
  • The Imitation Game
  • Interstellar
  • Into the Woods
  • Grand Budapest Hotel - Milena Canonero
  • Selma - Ruth E. Carter
  • Maleficent - Anna B. Sheppard, Jane Clive
  • Into the Woods - Colleen Atwood
  • Mr. Turner - Jacqueline Durran
  • Unbroken - Roger Deakins
  • Birdman - Emmanuel Lubezki
  • Interstellar - Hoyte Van Hoytema
  • Mr. Turner - Dick Pope
  • Grand Budapest Hotel - Robert D. Yeoman
Bestes adaptiertes Drehbuch
  • Die Entdeckung der Unendlichkeit - Anthony McCarten
  • Gone Girl - Gillian Flynn
  • The Imitation Game - Graham Moore
  • American Sniper  - Jason Hall
  • Whiplash - Damian Chazelle
Eigentlich würde ich auf Der große Trip - Wild setzen, aber durch die plötzliche Passion, die American Sniper geschenkt bekommt, steht der Film auf der Kippe. Alternativ: Whiplash fliegt, weil zu wenig Stimmberechtigte wussten, dass sie unsinnigerweise in dieser Kategorie für ihn zu voten haben ...

Bestes Original-Drehbuch
  • Boyhood - Richard Linklater
  • Birdman - Alejandro González Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris, Armando Bo
  • Grand Budapest Hotel - Wes Anderson & Hugo Guiness
  • Nightcrawler - Dan Gilroy
  • Mr. Turner - Mike Leigh
Alternativen: Foxcatcher, Selma, A Most Violent Year und Ida ...


Bester Nebendarsteller
  • J.K. Simmons - Whiplash
  • Edward Norton - Birdman
  • Ethan Hawke - Boyhood
  • Mark Ruffalo - Foxcatcher
  • Robert Duvall - Der Richter
Eigentlich ist Steve Carell der beste Nebendarsteller in Foxcatcher, aber da heftig für ihn als Hauptdarsteller geworben wurde, dürften sich wohl die Stimmen splitten.

Beste Nebendarstellerin
  • Patricia Arquette - Boyhood
  • Keira Knightley - The Imitation Game
  • Emma Stone - Birdman
  • Rene Russo - Nightcrawler
  • Meryl Streep - Into the Woods
Die Rolle der SAG-Anwärterin Naomi Watts in St. Vincent erscheint mir, gemessen am Geschmack der Academy, als zu banal. Aber wer ersetzt sie, um neben dem relativ sicheren SAG-Quartett Knightley/Streep/Stone/Arquette nominiert zu werden? Jessica Chastain könnte sich für A Most Violent Year ins Feld mischen. Sie ist eine von der Academy geliebte Aktrice. Rene Russo aber spielt im beliebteren Film mit ... 

Bester Hauptdarsteller
  • Michael Keaton - Birdman
  • Eddie Redmayne - Die Entdeckung der Unendlichkeit
  • Benedict Cumberbatch - The Imitation Game
  • Jake Gyllenhaal - Nightcrawler
  • David Oyelowo - Selma
Bradley Cooper wird durch die späte Beachtung von American Sniper zur Gefahr für dieses Quintett, ebenso Ralph Fiennes, der die Comedyabneigung in dieser Sparte bezwingen könnte. Und was ist mit Steve Carell, wird er mit der Kraft der "For Your Consideration"-Kampagnen hier auftauchen?

Beste Hauptdarstellerin
  • Rosamund Pike - Gone Girl
  • Julianne Moore - Still Alice
  • Felicity Jones - Die Entdeckung der Unendlichkeit
  • Jennifer Aniston - Cake
  • Reese Witherspoon - Der große Trip - Wild
Die Kategorie, die seit der Bekanntgabe der Screen Actors Guild Awards eingefroren schein!

  • Richard Linklater - Boyhood
  • Alejandro Gonzalez Inarritu - Birdman
  • Wes Anderson - Grand Budapest Hotel
  • Morten Tyldum - The Imitation Game
  • Ava DuVernay - Selma
Bester Film
  • Boyhood
  • Birdman
  • The Imitation Game
  • Grand Budapest Hotel
  • Die Entdeckung der Unendlichkeit
  • American Sniper
  • Nightcrawler
  • Selma
  • Whiplash
  • Gone Girl
Im Moment überhäufen sich die Fragen: Ist Gone Girl zu Oscar-untypisch, waren die fehlenden Nominierungen für den Preis der Regiegilde und den Golden Globe die überdeutlichen Hinweise? Oder ist die Mischung aus Düsternis, Humor, Spannung, Zeitgeistkommentar, Cleverness und Publikumserfolg sehr wohl perfekt für den Oscar? Ist der American Sniper-Hype ab Donnerstagnachmittag wieder nur Schall und Rauch? Nach der Bekanntgabe der Nominierungen wird alles klar erscheinen ...