Donnerstag, 21. Januar 2016

Meine Gedanken zum Kinojahr 2015


Es ist wieder diese Zeit im Kinojahr: Die Oscar-Nominierungen stehen, aber bis zur Verleihung des Goldjungen ziehen noch wenige Wochen ins Land, zudem dauert es noch etwas, bis das neue Filmjahr mit aktuellen Großstarts so richtig in Gang kommt. Und während viele andere Filmverrückte bereits auf das vergangene Jahr zurückgeblickt haben, mache ich mich erst jetzt auf. Ich hatte Zeit, 2015 sacken zu lassen, meine Favoriten und Gedanken zu sortieren. Bevor ich demnächst an dieser Stelle endlich meine persönlichen Lieblingsfilme 2015 vorstelle, möchte ich daher zusammenfassen, was das hinter uns liegende Kinojahr mir persönlich bedeutet.

Qualitativ war 2015, in meinen Augen, ein interessantes Jahr: Es mangelte an Filmen, bei denen ich Gutes erwartet und letztlich Brillantes erhalten habe. Davon gab es im Vorjahr Beispiele im Überfluss: Meine kompletten Top Ten des Jahres 2014 bestand aus Filmen, die meine hohen Erwartungen um Längen übertroffen haben. Ohne diesen Wow-Faktor wirkte 2015, wo meine ganz großen Favoriten ungefähr wie erwartet abschnitten, nach dem fiebrigen Überraschungshoch von 2014 viel normaler. Was, mit etwas Abstand betrachtet, aber zu hart ist, denn richtig gute Filme gab es trotzdem noch immer zuhauf zu sehen. Jedoch war ich 2015 auch öfter als in jüngerer Vergangenheit im Kino genervt, frustriert und enttäuscht.

Allerdings gab es 2015 auch einen Trend, den ich nur laut jubelnd unterstützen kann: Es gab mehr gelungene Frauenrollen im Hollywood-Kino zu bestaunen, als in all den Jahren zuvor, seit ich diesen Blog führe! Ob Furiosa in Mad Max: Fury Road, Riley, Freude, Kummer und Ekel in Alles steht Kopf, Rey in Star Wars: Das Erwachen der Macht, Casey Newton und Athena in A World Beyond, die Hexe in Into the Woods, Joy in Joy, Kate in Sicario, Izzy in Broadway Therapy, Brooke in Mistress America, Ilsa Faust in Mission: Impossible - Rogue Nation oder, oder, oder: Allmählich scheint Hollywood verstanden zu haben, dass wir auch mit weiblichen Figuren mitfiebern können und wollen. Und selbst wenn viele Menschen Black Widows Monolog in Avengers: Age of Ultron missverstanden haben, setze ich auch ihn auf die Liste der Triumphe für weibliche Filmheldinnen, denn seit wann handeln Actionblockbuster auch davon, dass Frauen es verdient haben, selber über ihren Körper entscheiden zu dürfen? Darüber hinaus sorgte Magic Mike XXL endlich für Gerechtigkeit und gönnte all jenen, die auf Männer stehen, einen Film voller Eyecandy, der dennoch sehr gut gemacht ist. Und anders als Magic Mike drehte sich der Roadtrip nicht darum, wie elendig sich der titelgebende, von Channing Tatum verkörperte Stripper so fühlt, liegt in Magic Mike XXL der Schwerpunkt darauf, wie Frauen glücklich gemacht werden - ein schöner Schachzug, denn euphorisierte Frauen sind ja auch nicht zu verwehren ...

Dennoch war auch 2015 nicht frei von Enttäuschungen und Frustrationen, abseits der Filme aus meiner Flopliste. Auf ansehnlichem Niveau enttäuschten mich das Tribute von Panem-Finale (smart, tritt im Mittelteil aber zu sehr auf der Stelle), Der kleine Prinz (bezaubernd, die Erzählung-in-der-Erzählung ist sehr hübsch animiert, doch ich hätte ohne den Löwenanteil des Schlussaktes gekonnt) und Minions (woran hauptsächlich die nahezu alle Gags vorwegnehmende Werbekampagne Schuld hat). Darüber hinaus haben Pan (dennoch nett), Love (gute Szenen, miese Szenen), Krampus (öde) und The Program (nichtssagend) sowie Jurassic World (Fluff, Fluff, Fluff) und ABCs of Death 2 (nicht so hübsch unberechenbar wie das Original) ihr Potential nicht ganz ausgereizt.

Wie es sich für mich mittlerweile gehört, habe ich auch 2015 diverse besondere Kinobesuche erlebt. Darunter: Ein weiteres Geburtstagsspecial im Freundeskreis (dieses Mal: Gone Girl, inklusive hörbarer Schocks meiner nichtsahnenden Mitzuschauer sowie Lacher an genau den richtigen, bitterbösen Stellen), die erste Sneak in meinem Leben (und diverse weitere Sneaks), German Angst im Rahmen der Fantasy Filmfest Nights in Anwesenheit der Filmemacher (inklusive spannender Q&A-Runde), ein großer Marvel-Filmmarathon (mit allen MCU-Teilen von Avengers bis Avengers: Age of Ultron), und zu guter Letzt ein sehr launiges (und gut gefülltes) Zurück in die Zukunft-Triple.

Besonders nerviges Kinopublikum hatte ich auch wieder einmal. Ein Mann hinter mir hat nach mehr als der Hälfte der Laufzeit realisiert, dass The Imitation Game von einem Homosexuellen handelt und sofort lautstark seinen Ekel bekundet, wie grauenvoll das doch sei, "dass die Schwuchteln ja jetzt überall mitspielen müssen". Und in Diary of a Teenage Girl haben ein paar Teenager-Jungs unenwegt gegkichert, geplappert und ihre Meinung über "die voll hässliche Alte da" in den Saal hinausposaunt.

Aber es gab ja mehr als genug gute Filme und entsprechend schöne Kinoerfahrungen. Die stelle ich euch hier demnächst endlich vor. Seid bereit!

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