Seiten

Sonntag, 30. Dezember 2007

High School Musical 2


Vor einiger Zeit habe ich im Duckfilm-Forum eine Rezension über High School Musical 2 gepostet. Da sie recht lang ist und im "Zuletzt gesehener Film?"-Thread etwas aus dem Rahmen fällt, poste ich sie einfach nochmal hier.


High School Musical 2 - Die Farce der Familie Evans


Endlich sind Sommerferien und Sportass Troy will seine Zeit seiner großen Liebe Gabriella verbringen. Die reichen und in der Schule populären Evans-Geschwister möchten sich im Sommer dagegen von der Blamage, nicht die Hauptrollen in der letzten Schulaufführung erlangt zu haben, erholen. Sharpay Evans, die wesentlich aktivere und auch intrigantere Hälfte des Geschwisterpaars, möchte allerdings noch mehr erreichen: Endlich möchte sie den beliebtesten Schüler der East High, Troy, für sich gewinnen. Also lässt sie ihn für den elitären Club ihrer Eltern als Arbeiter anheuern, um so die Beziehung zwischen ihm und Gabriella zu zerstören. Troy möchte jedoch auch all seine Freunde mitnehmen und schon sieht Sharpay ihren Sieg beim Talentwettbewerb in Gefahr... Alles recht simpel und mehr oder weniger altbekannt, oder?

Die Handlung ist letzten Endes eh nur Grundlage der Produktion, entscheidend sind hier viel mehr die Songs und auch der Spaß den Teenagercharaktere zuzusehen.

Hinzu kommt, dass Teil 2 eindeutig auch ein "Fanservice" ist. Dazu muss man wissen, dass in der Disney-Channel-Zielgruppe (und in der amerikanischen Jugendkultur) "High School Musical" eine zentrale Rolle eingenommen hat und sich zu einem Phänomen aufgearbeitet hat (wie vorhin ja schon angedeutet). Die "HSM"-Fans befassen sich eingehend mit den Charakteren und Darstellern und verehren die Songs - hier treffen wir auch den Knackpunkt. Denn diejenigen, die "HSM" nicht mögen können die Filme deshalb schwerer ignorieren als man zum Beispiel "Jump in" (einen anderen Disney-Channel-Film) ignorieren könnte. Da ich den ersten teil aber mochte (ihn jedoch auch bei weitem nicht als den besten Disney-Fernsehfilm überhaupt bezeichnen würde) frage ich mich viel eher, wie man sich mit so einem einfach gestrickten Filmuniversum befassen kann - tiefschürfendes Material bietet "HSM" nämlich nicht, es ist seichte, aber gute, Unterhaltung.

Während der erste Teil ja nicht auf eine Fanbase aufbauen konnte (es gab ja noch keine), und deshalb noch halbwegs "massentauglich" war, so konzentriert sich "High School Musical 2" aber wirklich fast nur auf die Fans des ersten Teils - was so manchem den Zugang erschweren könnte. Nicht, dass man wichtige Informationen nicht hat, sondern weil einen die "Dienstleistungen" für Freunde des Originals nicht wirklich interessieren.

Die Fan-Service-Momente lassen Teil 2 sogar teils zu einer (beabsichtigten) Farce werden - was aber nicht unbedingt schlecht sein muss.

Soviel also zur "Vorwarnung"... Nun zum eigentlichen Film, der in keinem einzigen Moment versucht zu verheimlichen, dass es nahezu ausschließlich darum geht die Fans aus Teil 1 zufrieden zustellen. Und da es vornehmlich Kinder und junge Teenager sind, muss es schnell gehen - bereits in den ersten paar Minuten bekommen wir nahezu alle jugendlichen Figuren aus Teil 1 sowie die auffälligste der erwachsenen Figuren (nämlich die... ich sag mal... extrovertierte Englischlehrerin und Theater-AG-Leiterin Mrs. Darbus) zu sehen. Egal ob Hauptfigur (Troy, Gabriella, Sharpay, Ryan, Troys Freund Chad), Nebenfigur (die kleine unter Hüten versteckte Komponistin Kelsi und die leicht zickige Freundin von Gabriella, Taylor McKessie) oder Randfigur (einige auffälligere Tänzer und Tänzerinnen aus Teil 1), jeder muss mal in die Kamera gucken, bevor der (von einer immer größer und lächerlicher werdenden Uhr angekündigte) erste Song richtig loslegt.
Scheinbar trauten die Macher des Films den HSM-Fans weniger Geduld zu als die Köpfe hinter "Pirates of the Caribbean", wo in den Fortsetzungen so manche Figuren ganz schön lange auf ihre Rückkehr auf die Leinwand warten lassen.

Bemerkbar macht sich auch, dass Chad (gespielt von Corbin Bleu) nun erstmals singt (Stichwort: Fans zufriedenstellen) und sogar eine kurze Tanzsequenz ohne die anderen HSM-Charaktere hat. Letzteres wohl Ergebnis dessen, dass der charmante Darsteller zu den Lieblingen der Disney-Geschäftsleitung gehört (im Gegensatz zum hitzköpfigen Hauptdarsteller Zac Efron alias Troy).

Es deutet sich an, dass "HSM2" eine der häufigsten Klagen an Teil 1 ("für ein Musical wird aber sehr wenig gesungen") ausbügeln will - und nicht nur das. Während fast alle Songs in Teil 1 auch in einem "normalen" Film hätten gesungen werden können (da sie Teil eines Karaokeabends oder eines Vorsingens waren), so wandelt sich die Fortsetzung sich endgültig zum "waschechten" Musical, in dem Gefühle und Gedanken der Figuren nicht gesagt, sondern gesungen werden. Und es geht noch weiter: Hie und da werden in den Songsequenzen auch die Gesetze der realen Welt außer Kraft gesetzt, Requisiten und Backgroundtänzer tauchen auf und verschwinden wieder.
Besonders auffällig wird dies in Sharpays ersten Song, "Fabulous". Während Sharpay und Ryan in Teil 1 recht wenig singen durften bekommt zumindest die Diva in Pink schnell ihren eigenen Song - wohl auch um den einen oder anderen Fan der Figur zufrieden zu stellen. Die Sequenz entpuppt sich als Blick in die einfach gestrickte Seele der Figur: Alles möglichst pompös und theatralisch. Dementsprechend taucht im (!!!) Pool, an dem das Lied gesungen wird, auch urplötzlich ein rosa Flügel auf, an dem Sharpays Bruder als Elton-John-Miniaturausgabe klimpern darf (Sekunden vorher lag er noch im T-Shirt auf einem Liegestuhl), und ein Wasserballett darf auch nicht fehlen.

Hier sollten sich dann auch die Zuschauer endgültig scheiden - wer sich darauf einlässt, dass der Film hauptsächlich daraus besteht das zu bieten, was Fans im Laufe der häufigen Sichtungen des ersten Teils vermissten, der wird seinen Spaß haben. Alle anderen könnten vergrault werden, es sei denn allein die Songs halten sie noch am Schirm, weil sie genau den gewünschten Musikgeschmack treffen. Der da sehr poppig wäre - zwar mischen sich immer wieder andere Elemente ein, aber sie alle werden stark dem heutigen Popsound (inklusive leicht hyperaktiven Synthesizer) angepasst.

Nach dieser zweiten Musiksequenz wird endgültig klar, wessen Film das ist: Sharpays und noch mehr der von Ryan. Vor allem letzterer darf sich weiterentwickeln und aus dem Schatten seiner lauten Schwester treten, neue Bekanntschaften knüpfen und noch mehr fröhliche Outfits inklusive obligatorischem Hut zur Schau tragen. Sharpay, die in Teil 1 bloß die eh vorhandenen Konflikte anheizen durfte, wird hier schließlich zur alleinigen Drahtzieherin [spoiler], wird am Ende bekehrt und zeigt sogar echte Gefühle, lässt also ihre Divenmaske fallen.[/spoiler].

Öfter als noch in Teil 1 darf auch die charmante, aber leider immer noch unterforderte Figur Kelsi auftreten, wie im ersten Song schon vorausgedeutet darf auch Chad mehr sein als nur die Stimme der Sportasse, bekommt endlich fast sowas wie ein eigenes Profil.

Besonders auffällig wird diese neue Richtung, die auch die größte Stärke der Fortsetzung gegenüber des ersten Teils ist, während des Songs "I don't dance". Chad betont in dieser Sequenz, die auf einem Baseballfeld stattfindet, dass er nie tanzen würde (eine Referenz zu seiner eher kleinen Rolle in den Musiksequenzen des Originals?), während Ryan beweist, dass er tanzen und Baseball spielen kann - was Chad von seiner Anti-Tanz-und-Gesang-Haltung abbringen soll. Dass hier zwei Figuren, die zuvor im Schatten von Troy und Sharpay standen einen gemeinsamen Song bekommen, der zudem als wohl obligatorischer Ersatz für den Basketball-Song aus Teil 1 dienen soll (Hauptsache Sport *g* ) ist nicht nur ein ungemeiner Fanservice, nein, auch eine wirklich originelle Paarung, die einem nach mehr verlangen lässt.

Die Schwäche des zweiten High School Musicals: Die Hauptfiguren. Gerade der im ersten Film als besonders intelligent vorgestellte Gabriella scheint im Laufe des letzten Schuljahres wohl sämtliche Gehirnzellen verloren zu haben. Sie beschwert sich, dass ihr Freund an seine Zukunft denkt, zugleich zögert sie aber jedes Mal, wenn er dann doch was für sie tun will (und deshalb die Regeln im Club etwas umschiffen muss). Als Troy dann erst zum bloßen Opfer von Sharpays Intrige wird, flennt sie endgültig ohne Grund herum. [spoiler]Später im Film erlaubt sich Troy dann wirklich einige arrogante Dinge, die jedoch nur bei seinen Freunden. Doch anstatt dass Gabriella sich ihres Liebsten annimmt und ihn auf den rechten Weg zurückbringt, rammt sie ihm sprichwörtlich das Messer in den Rücken. Allein dies schießt ja den Vogel ab - erst durchschaut sie, extrem spät, was Sharpay vorhat, wirft ihr dies auch vor den Kopf, und dann verlässt sie Troy. Was bei mir den Wunsch mir die Haare auszureißen hervorruft, wird die eigentliche Zielgruppe aber kaum jucken, da Gabriella sofort eine tiefschwere, jauchzende Ballade spendiert bekommt - als wenn dies solche Entscheidungen entschuldigen würde. (Schade, dass der Kontext den Song so kaputt macht, die Balladen in Teil 1 waren nämlich gut und auch Gabriellas Klagelied in diesme Film hätte eigentlich Potential gehabt) Bezeichnend, dass Troys Freunde dagegen am Ende des Films dafür sorgen, dass das Mädel zurückkommt. Wären die genauso engstirnig gegenüber Troy (wozu sie ja mehr Gründe hätten), dann sähe der Film ganz anders aus.[/spoiler]
Und auch Troy wird nicht gerade intelligenter. Dafür darf er aber erstmals, sozusagen als Gegendarstellung, endlich mal seine Sicht der Dinge schildern, in einem Song, der nur ihm ganz allein gehört. Das aber nicht in einer weiteren traurigen Ballade, sondern viel mehr in einem energiegeladenen Powersong (auf dem Golfplatz), der Pop mit heftigsten Elektronikeinlagen mischt. Teilweise ist der Ausflug auf den Dancefloor etwas zu extrem geraten, eine Stelle erinnert mich nämlich stets auffällig stark an den "He's a Pirate"-Remix von Tiesto, den man im Rahmen des Kinostarts von "Fluch der Karibik 2" veröffentlichte. Dies wäre wirklich nicht nötig gewesen...
Das Lied selbst ist trotz allem schön anzuhören, die dazugehörige Szene übertreibt aber ein klein wenig, aber ich muss zugeben, dass ich es bei wiederholtem Sehen anfange zu akzeptieren. Vor allem ist es der Kontext, der dieser Szene schadet. Troy als einer der "normalen" Figuren stößt einem mit dieser Ausgelassenheit nunmal, wäre er mehr wie Sharpay oder Ryan (oder würde einer dieser beiden das Lied singen), wäre es völlig in Ordnung.
[Spoiler]Der Erfolg des ersten HSM-Filmes scheint übrigens gereicht zu haben, Zac Efrons Figur zum Dank dafür in eine lange Disney-Tradition einzureihen. Oder wieso guckt er plötzlich in sein Spiegelbild auf dunklem Wasser?[/Spoiler]

Doch genug der Klage: "HSM2" ist wesentlich eigenständiger als sein Vorgänger, d.h. die Geschichte schielt, so simpel sie eigentlich auch ist, weniger stark auf andere Disney-Channel-Movies und Musicals. Die Musikauswahl ist weiterhin abwechslungsreich und da man mehr Songs abseits der Bühne hat ist auch die Choreographie gewagter, zugleich auch besser, da interessanter, ausdrucksstärker oder witziger (je nach Song). Außerdem verleugnet der Film seine überzeichnete Ader auch nicht, so wie das Original es tat, sondern spielt sie viel mehr zum eigenen Vorteil aus. Gerade die Szenen mit den Eltern der Evans-Geschwister oder dem Butler Mr. Fulton unterstreichen den beabsichtigen Touch einer Farce, die "HSM2" vom Vorgänger unterscheidet.

Deshalb bietet der Film knapp 100 Minuten gute, saubere und musikalisch schön anzuhörende, seichte Familienunterhaltung. Die neuen Stärken und Schwächen gleichen sich ungefähr aus, so dass Teil 2 ungefähr auf Niveau von Teil 1 bleibt (sofern man sich, wie gesagt, darauf einlässt, dass das anvisierte Publikum hier etwas weniger breit gefächert ist).

Anspieltipps (auch für Besitzer des Soundtracks): What Time is it?, Fabulous, I don't dance, Bet on it, Humuhumunukunukuapua'a
Mein Wunsch: Eine Ryan-Hutkollektion, eine Spin-Off-TV-Serie mit Ryan und Kelsi, am besten in Kombination mit dem Wunsch-Spin-Off der Alias-Autoren (eine Serie, in der Weiß und Marshall eine Bar eröffnen). Die vier zusammen... das wäre eine klasse Sitcom!

Freitag, 28. Dezember 2007

Erstes Bild von Disneys nächstem Meisterwerk...

... nämlich von Thunderbolt, äh, Knuddelbolt, nein, Knut, äh, neee, Bolt! Ja, genau, Bolt:

(Meine Quelle)

Bolt sieht definitiv süß aus, vielleicht sogar etwas zu süß. Die Farben sind mir auch ein wenig zu kräftig-knallig, aber zumindest die Katze lässt mich schmunzeln. Ist also erstmal warten angesagt. Der (langsam überfällige) Trailer sollte dann ein richtiges Urteil erlauben.

Mittwoch, 26. Dezember 2007

2007 in der großen CG-Retrospektive

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Zeit für einige Jahresrückblicke. Auch auf CGSociety gibt es den nahezu obligatorischen Jahresrückblick. Dort gestaltet er sich jedoch ein klein wenig anders. In einer großen Umfrage suchte man die für Computeranimation (und -programmierung) wichtigsten Ereignisse, Produkte, Personen und Dinge dieses Jahres.

Die Top 20-Hitliste könnt ihr hier nachlesen.

Stellenweise merkt man, dass sich dieser Artikel von Kennern an Kenner richtet, und so konnte ich nicht mit jeder Platzierung etwas anfangen.
Auf jeden Fall freue ich mich, dass Spider-Man 3 hinter Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt landete. Zwar ist die Geburt des Sandmanns ein wirklich beeindruckendes Stück Computeranimation, aber die Effekte im Rest des Films waren in meinen Augen einfach "nur" gut. Bei den Pirates dagegen haben sich die beeindruckenden Effekte nicht nur auf eine einzige Szene beschränkt, ganz abgesehen davon, dass es stellenweise so gut gemachte Tricks gab, dass ich sie erst durch Making-ofs als solche erkennen konnte.

Die Platzierung von 300 sehe ich mit gemischten Gefühlen, da hier die Schauwerte natürlich einen sehr prägenden Eindruck hinterlassen haben, doch für mich geht bei dem Film mehr Verdienst an die Farbfilter-Spielereien und weniger an die "klassischeren" CG-Effekte. Beowulf und Transformers haben sich ihre hohen Platzierungen im Rahmen dieses Kontexts verdient. Zwar würden sie in (m)einer Kinoretrospektive 2007 bei weitem nicht so gut bewertet werden, aber in Sachen CG-Arbeit sind die Plätze durchaus gerechtfertigt.

Platz 1 wiederum steht außer Diskussion. Und wenn es nach mir ginge, könne man bereits den Sieger des nächsten Jahres festlegen. Der wäre übrigens auch von Pixar...

Montag, 24. Dezember 2007

Frohe Weihnachten

Ich wünsche allen Lesern und allen die mich kennen und mögen ein gesegnetes Weihnachtsfest. Verbringt ein paar besinnliche Stunden mit euren Liebsten und genießt eure Geschenke.

Sonntag, 23. Dezember 2007

6-Disc Grindhouse-Komplettbox angekündigt!

Das wohl ambitionierteste Spaßprojekt des Kinojahres sorgte nicht nur für eine Unmenge Filmspaß, sondern leider auch für jede Menge Unmut: Erst wurde die 191-minütige Hommage an das B-Movie-Kino der 60er und 70er Jahre außerhalb der Vereinigten Staaten in zwei seperate Filme aufgeteilt, dann fielen in diesen (verlängerten) Versionen die in Internet-Filmgeek-Kreisen so beliebten Fake-Trailer weg, und dann wurden weltweit nur seperate DVDs angekündigt (ohne Fake-Trailer).

Da rauft sich der auf illegale Downloads verzichtende Filmfreund natürlich die Haare. Diesen Film kann man legal wohl gar nicht in perfekter Version besitzen. Zudem rechnet der Fan auch mit großer Abzocke. Denn dieser Film könnte eine wahre DVD-Goldgrube werden. Man kann mit so vielen DVDs rechnen...

  • Planet Terror - Internationale Version
  • Death Proof- Internationale Version
  • Grindhouse - US-Version
  • Internationale Versionen in seperaten Special Editions
  • Internationale Special Editions im Kombipack mit zusätzlichem Bonusmaterial
  • Grindhouse - Special Edition
  • Grindhouse - Special Edition im Kombipack mit beiden internationalen Special Editions
  • und sicherlich noch viel mehr...

Die DVD-Labels haben uns schon oft genug mit noch neueren und besseren Versionen überrascht. Kein Wunder, dass man kritisch wird. Aber nun wurde eine DVD angekündigt, die wohl kaum durch eine noch bessere Ausgabe getoppt werden könnte.

Am 21. März erscheint eine 6-Disc-Box mit viel Bonusmaterial, den internationalen Filmversionen und dem unveränderten "Grindhouse"-Cut aus den USA (also mitsamt Faketrailern!)

Hier die genaue Inhaltsangabe:

Disk 1

  • Death Proof (Extended Version)
  • Japanische Trailer und TV-Spots
  • Texttafeln zur Besetzung
  • Texttafel "What is Grindhouse?"

Disk 2

  • Planet Terror (Extended Version)
  • Audiokommentar von Robert Rodriguez
  • Japanische und Internationale Trailer und TV-Spots
  • Texttafeln zur Besetzung
  • Texttafel "What is Grindhouse?"

Disk 3

  • Death Proof Bonusmaterial
  • Special Message to Japan from Tarantino
  • Staff and Cast interviews on Death Proof
  • Stunts on Wheels: The Legendary Drivers of Death Proof
  • Introducing Zoë Bell
  • Kurt Russell as Stuntman Mike
  • Finding Quentin's Gals
  • The Uncut Version of "Baby, It's You" Performed by Mary Elizabeth Winstead
  • The Guys of Death Proof
  • Quentin's Greatest Collaborator: Editor Sally Menke
  • Double Dare Trailer

Disk 4

  • Planet Terror Bonusmaterial
  • 10-Minute Film School
  • The Badass Babes of Planet Terror
  • The Guys of Planet Terror
  • Casting Rebel
  • Sickos, Bullets and Explosions: The Stuns of Planet Terror
  • The Friend, The Doctor and The Real Estate Agent

Disk 5

  • Grindhouse (Kinocut)

Disk 6

  • Grindhouse Bonusmaterial
  • Grindhouse - US Trailer
  • 2006 San Diego Comicon
  • Tarantino Interview (About the homages in Death Proof, About Planet Terror, Use of Music, Possible Sequel to Death Proof)
  • Staff/Cast comments
  • The Directors of the Fake Trailers
  • Coments on past Grindhouse Films
  • Making Of Planet Terror
(Quelle: Schnittberichte.com)

Klingt großartig, nicht wahr? Doch es gibt leider einen Haken an der Sache: Diese Box wurde bislang nur für Japan angekündigt.

Ich werde mir deshalb die wirklich edlen deutschen Special-Edition-DVDs der beiden Grindhouse-Segmente besorgen und warten, bis irgendwann eine DVD-Veröffentlichung der originalen Grindhouse-Fassung erscheint. Dann habe ich den Film in beiden möglichen Versionen und kann vergleichen, inwiefern die Erweiterungen in der internationalen Version den Film bereichern oder verschlechtern. Von einer große Kombibox werde ich dann nicht abhängig sein...

Keinohrhasen


Mit barfuss brachte Til Schweiger 2005 einen wahren Überraschungsfilm in die Kinos. Auf hohem Produktionsniveau präsentierte Schweiger eine fast märchenhafte Liebesgeschichte der anderen Art, eine RomCom mit vielen dramatischen Zügen und einem guten Schuss Roadmovie-Charme.

Mit Keinohrhasen bringt Schweiger zur Weihnachtszeit 2007 das indirekte Nachfolgewerk zum Millionenerfolg. Erneut stand Schweiger auf Basis eines eigenen Skriptes vor der Kamera und produzierte den Film selbst. Stilistisch und vor allem von der Atmosphäre her ist Keinohrhasen dabei das flottere, modernere Gegenstück zum zeitloseren, nostalgisch-verträumten barfuss.

Damit halst sich Keinohrhasen allerdings auch sofort eine schwierige Aufgabe auf - während barfuss schon allein aufgrund seines Erzählstils und der Atmosphäre originell und einzigartig wirkte, sticht Keinohrhasen als moderne, romantische Komödie eben nicht so schnell aus der Masse der Genrevertreter heraus. Um Keinohrhasen trotzdem originell wirken zu lassen, benötigt es eines intensiven, kreativen Preproduktionsprozess.
Doch es ist barfuss, in den mehr Arbeit floss. Dieses Projekt schleppte Schweiger Jahre lang mit sich herum, nahm es sogar zeitweise mit in die USA, produzierte es letztlich aber aufgrund der größeren künstlerischen Freiheit hier in Deutschland.

Keinohrhasen ist da schon wesentlich gewöhnlicher - und das hindert ihn daran, sich komplett an seinen Vorgänger anzuschließen.

Keinohrhasen erzählt, wie zu erwarten, die Geschichte eines Mannes und einer Frau aus verschiedenen Welten, die sich zunächst auch überhaupt nicht leiden können. Schweiger spielt hier den Boulevardreporter Ludo, der sämtliche Verantwortung ablehnt, eine Frau nach der anderen abschleppt und im Beruf keinerlei Skrupel kennt. Als er eines Tages die Pressefreiheit eindeutig viel zu weit überschreitet, wird er zu Sozialstunden in einem Kinderhort verdonnert. Wie es der Zufall so will arbeitet eben dort (die von Nora Tschirner verkörperte) Anna, ein Mädchen aus der Nachbarschaft, das früher von Ludo immer herumgeschubst wurde und nun zu einer verantwortungsbewussten jungen Frau herarnrief.

Durch das Setting eines Kinderhorts gewinnt der Film sehr viel Humor. Die Interaktion zwischen Schweiger, Tschirner und den Kindern sowie viel Slapstick- und Situationskomik prägen den Film ungemein. Vor und nach der Arbeit mit den Kindern lockern zusätzlich noch fesche Seitenhiebe auf die Welt der Boulevardblätter den Film auf. Die Methoden von Ludo erinnern nicht von ungefähr an die der selbst ernannten "Zeitung" mit den vier Buchstaben. Egal ob Ludo und sein Fotograf nun C-Promis auf offener Straße überfallen und ihre Schwangerschaft aufdecken, oder ob sie ein Volksmusikantenehepaar über ihre heile, heile Welt interviewen, die Ausflüge in die Pressewelt sind angenehm lächerlich (und leider auch zutiefst wahr). Heimliches Highlight des Films ist schließlich eine Szene mit Jürgen Vogel, die ganz zu Beginn gezeigt wird und sich zusätzlich noch über den Schönheitswahn bei den Promis lustig macht. Aber auch Rick Kavanian als cholerischer Redaktionschef weiß die Lacher auf seine Seite zu holen.

Außerdem geht es im Film um Sex. Zwar reichen die Sexgespräche allein schon rein quantitativ und in ihrer Ausführlichkeit nicht ganz an jene aus Filmen von Kevin Smith heran, aber so wie sie in den restlichen Film eingebaut wurden und trotz frivoler Komik nicht den Charme des Filmes nicht zerstören (sondern ihn zum Teil sogar untermauern), lässt einen wirklich nicht die Vermutung los, Schweiger hätte sich den Kultregisseur zum Vorbild dieser Szenen genommen.

Gerade auch in diesen Szenen beweist sich das Casting von Nora Tschirner als Volltreffer. Tschirner spielt ihre Rolle sehr charmant und glaubwürdig, hat zudem ein großartiges Gespür für's Timing in den Wortgefechten zwischen ihr und Schweiger.

Das Gefühl für Timing hat dieser wiederum bei der Arbeit an Keinohrhasen leider nicht so ganz gehabt. Als modern-flotter barfuss-Nachfolger steigert er sich mitunter zu sehr in eine MTV-Dramaturgie hinein. Obwohl der Film mit über 100 Minuten bereits eine stolze Laufzeit für eine Komödie aufzuweisen hat, hetzt er sich streckenweise viel zu sehr ab, wird nahezu holprig. Vor allem in den ersten 15 bis 20 Minuten wirft der Film durch diese holprige Weise nahezu jedes Gefühl für Zeit über Bord. Denkt man noch, weiterhin Ludos ersten Tag im Hort erzählt zu bekommen, ist plötzlich davon die Rede, dass die Kinder in Vergangenheit mögen gelernt und bei ihren Eltern lobend erwähnt haben.
Das ist wirklich schade, da gerade eine Romanze sich nicht abhetzen sollte, da dies viel von der romantischen Atmosphäre zerstört. An den Stellen, an denen Schweigers Schnitt bzw. Erzählweise (mit einem übertriebenen Hang zu Montagen) mal eben drei, vier Sequenzen lang holpernd den romantischen Charme zu zerstören bedroht muss Tschirner mit ihrem Charme und den feschen Dialogen den Film und vor allem dessen Charme völlig alleine stützen.

Dafür muss man Schweiger zu gute geben, dass er alles tat, um den Film davor zu bewahren wie eine deutsche Beziehungskomödie zu wirken. Auf Produktionsniveau gleicht dieser Film genauso wie der Vorgänger mehr einem US-Kinofilm als einer deutschen Fernsehproduktion.

Auf deren Niveau ist Keinohrhasen auch keinesfalls abgeglitten. Charme, Witz und gute Dialoge hat er definitiv. Doch durch das undurchdachte Tempo fehlt die gewisse Romantik und es erschwert dem Zuschauer auch mit dem Film mitzugehen, man wird stellenweise zu sehr aus der Handlung herausgerissen. So ist Schweigers neuster ein überdurchschnittlicher Film, der das Potential gehabt hätte gut zu werden.

Siehe auch:

Samstag, 22. Dezember 2007

Verwünscht noch eins - Disney bleibt halt Disney. Gut so!



Gut Ding will manchmal auch Weile haben. Die Idee zu Verwünscht (Originaltitel: Enchanted) - bereits September 1997 erwarb Disney das ursprüngliche Drehbuch von Bill Kelly für stolze 450.000 Dollar. Die Geschichte war dem Studio zwar zu Beginn noch etwas zu sehr gewagt (die Prinzessin in dieser Version wäre plötzlich auf einer Junggesellenabschiedsparty in Chicago aufgetaucht und wurde für eine Stripperin gehalten), doch man wusste, dass man die Geschichte den eigenen Erwartungen entsprechend verändern könnte. Aber die Produktion lief und lief nicht an. Immer wieder kam etwas dazwischen, die Geschichte wurde erneut verändert und optimiert. Und der Regiestuhl ging von einer Hand in die andere.

Aber zumindest bei Disney hat eine turbulente Produktionsgeschichte nicht zwingend einen unter Problemen leidenden Film zu bedeuten. Verwünscht ist ein mehr als gelungener Beweis dafür.
Wer also bei Verwünscht eine scham- und witzlose Disney-Parodie befürchtete, sei entwarnt. Viel mehr ist der Film eine zauberhafte Verbindung von Märchen, Disney-Familienkomödie und Romantik. Eine tolle Mischung für jede Altersgruppe - und obendrauf gibt es eine Spur extra Magie für Disney-Liebhaber.

Standesgemäß beginnt der Film mit dem noch jungen "Walt Disney Pictures"-Logo, welches nun auch leicht abgewandelt wird. Nachdem der Disney-Schriftzug eingeblendet wurde fährt die Kamera auf das Schloss zu, führt uns zu einem Raum, in dem ein Märchenbuch liegt (die erste von zahlreichen Hommagen und Ehrerbietungen an Disney-Klassiker wie Schneewittchen und die sieben Zwerge). Das Buch öffnet sich, wie gewohnt von Geisterhand, und eine Erzählerin (im Original niemand geringeres als Julie "Mary Poppins" Andrews) führt uns in die Geschichte ein:


Giselle ist eine junge, hübsche und freundliche Dame im Zeichentrickkönigreich Andalasien. Sie lebt leicht verträumt in einer kleinen Baumhütte, zusammen mit zahlreichen sprechenden Tieren, darunter auch das vorlaute, aber charmante Backenhörnchen Pip, und träumt davon eines Tages ihren Traumprinzen zu treffen. Derweil ist der fesche, flotte und heldenmütige (aber auch einfältige) Prinz von Andalasien, Prinz Edward, gemeinsam mit seinem Diener Nathaniel (welcher in Wahrheit die getreue rechte Hand der bösen Königin Narissa ist) auf Trolljagd. Prinz Edward hört Giselles betörenden Gesang und eilt zu ihr. Wie es sich für eine Märchenwelt gehört, planen die zwei kurz nachdem sie sich kennen lernten eine romantische Hochzeit. Königin Narissa fürchtet aber dadurch ihre Macht zu verlieren und schubst Giselle deshalb an ihrem Hochzeitstag einen magischen Brunnen hinab, welcher geradewegs ins moderne New York führt.

Bis hierhin ist Verwünscht in liebe- und fantasievoller, traditioneller Animation gehalten. Die Farben sind lebendig, die Figuren dynamisch gezeichnet, im typischen Disney-Märchen-Stil. Nur ein wenig knuddeliger. Die Landschaft ist ein wenig bunter. Allein in solchen Details wird klar, dass Disney sich keineswegs seiner Wurzeln entledigen möchte. Man spürt, dass die Animatoren (die hierfür nicht bei Disney, sondern im Studio des einstigen Disney-Mitarbeiters James "Jessica Rabbit" Baxter arbeiteten, da er zu Produktionsbeginn halt besser ausgestattet war) es wahrlich genießen wieder eine Märchensequenz zu drehen. Zugleich ist da dieses zwinkernde Auge. Es ist keinesfalls beißender Humor a la Shrek. Es ist nicht einmal Ironie... es ist viel mehr dieses Quentchen Übertreibung, das schlicht zum Film dazugehört. Die Märchenwelt ist bunt und naiv, die unsrige verbittert und trist. Und so kommt es, dass man bei der Märchensequenz über die disney'schen Märchenfilmgesetze lacht, ohne sie nieder zu machen. Ein in der Theorie unglaublich schwer klingender Drahtseilakt, der bei Verwünscht so leicht von der Hand geht, das man gar nicht mehr drüber nachdenkt, es funktioniert, weil es gerade auf der Leinwand so gezeigt wird...

Außerdem läuft Verwünscht bis zum Eintritt ins reale New York in einem kleineren Bildformat, ein Trick, den wir schon von Bärenbrüder kennen - mit dem Wechsel der Welt, ändert sich das Format zum leinwandfüllenden Breitbild.

So erlebt man in voller Breite, wie die verwirrte und hilflose Giselle durch New York stolpert, auf der Suche nach einem Schloss, wo sie um Rat fragen kann.
Auf dieser, natürlich erfolglosen, Suche trifft sie Robert Philip, allein erziehender Vater und Scheidungsanwalt, sowie auf dessen Tochter. Diese ist überzeugt, dass Giselle eine echte Prinzessin ist, während ihr naives Gerede von Traumprinzen und fernen Königreichen Robert nur denken lässt, er wäre einer netten, aber auch völlig verwirrten Frau begegnet. Da diese völlig durchnässt ist, bietet er ihr an, dass sie sich bei ihm Zuhause abtrocknet und ihren Traumprinzen anruft. Doch Roberts Tochter Morgan lässt nicht nach, und so darf Giselle über Nacht bleiben.

Prinz Edward bleibt derweil natürlich nicht untätig und teleportiert sich selbst nach New York, um Giselle zu retten. Auch Pip macht sich auf, um dem Prinz unter die Arme zu greifen. Die böse Königin Narissa bekommt dies jedoch mit und schickt deshalb schickt sie auch Nathaniel nach New York und beauftragt ihn damit Giselle zu töten.

Soviel also zur Ausgangssituation. Wie man sich denken kann, stellt die an die Liebe auf einen Blick glaubende, an eine Märchenwelt gewöhnte Giselle das Leben von Scheidungsanwalt Robert auf den Kopf. Bereits am nächsten Morgen bringt sie aus Versehen dessen Verlobte Nancy Tremaine auf den Gedanken, er würde sie mit Giselle betrügen. Und während Prinz Edward auf der verzwickten Reise durch New York ist um Giselle zu finden (und Pip alles mögliche unternimmt um Nathaniel zu stoppen) erklärt Robert Giselle, dass es die Liebe auf den ersten Blick nicht gibt. Sie dagegen versucht Robert ihre romantischeren, aber auch naiveren, Vorstellungen nahe zubringen.


Verwünscht ist somit ein Film, wie er nur von Disney kommen kann. Die Kollidierung von unserer Welt und der Märchenwelt ist eigentlich dazu verdammt schmalzig und albern zu sein. Oder aber zwar nett, aber auch leidlich bemüht, wie etwa die Hallmark-Produktion Ein Kuss mit Folgen. Oder aber das Konzept würde zur bösen Märchenparodie verkommen, die die Realität wie sie ist als das einzig wahre zelebriert.
All dies ist Verwünscht zum Glück nicht geworden. Hier wird sehr erfolgreich ein Kompromiss zwischen den romantisch-fantastischen Märchenvorstellungen und der Wirklichkeit geschlossen - oder zumindest der disney'schen Familienfilmversion eben jener. Denn natürlich ist Verwünscht ein süßer, verträumter Film über Liebe, Fantasie und ewigem Glück. Aber was anderes sollte er auch nicht sein - weder soll er zum pursten Kitsch verkommen, der dem Erwachsenen den Genuss vermiest, noch soll zur anderen Seite überkippen.
Das dominierende Element, das zum erfolgreichen Balanceakt in Verwünscht gehört, ist natürlich das Märchenelement. Während zum Beispiel Pixars diesjähriges Meisterwerk als modernes Märchen beschrieben werden könnte, ist dieser Film zum Großteil ein klassisches Disney-Märchen, nur halt mit modernerem Setting. Dass sich dies nicht beißt ist dem zu verdanken, dass Giselle nicht in einem zynischen New York landet, sondern bloß in einem realistisch denkendem New York. Scheidungsanwalt Robert glaubt nicht an die märchenhafte Liebesvorstellung Giselles, weil er realistisch denkt und auch zu gewissem Grad verletzt ist. Wirklich zynisch und verbittert ist er nicht. Dies ist zwar nur eine feine Unterscheidung, doch dieser haben wir es zu verdanken, dass Giselle wegen vermeintlichen Wahnvorstellungen nicht in eine Psychiatrie verfrachtet wird und dass die New Yorker sich bei den Begegnungen mit den Märchenfiguren zwar zu Beginn den Kopf kratzen, aber nicht gleich wild auf diese "Fremden" einprügeln.
Insofern besteht der Verwünscht-Mix also auch aus einer Prise "90er-Jahre-Disney-Fantasy-Famlienkomödie". Vor allem auch im Fernsehen brachten die Disney Studios im letzten Jahrzehnt fantasiereiche Geschichten, die im hier und jetzt spielen, heraus.

Verwünscht aber ist besser durchdacht und liebevoller konzipiert als die meisten anderen Vertreter dieses Genres. So kommt es, dass es bei Verwünscht im Gegensatz zu Produktionen wie Life Size oder auch Inspektor Gadget keinen Leerlauf gibt. Keine Szene ist überflüssig und in keinem Moment weiß der Film nicht mehr, wie er jung und alt zugleich unterhalten kann, so dass der Zuschauer plötzlich mit einer halbgaren Sequenz genötigt wird.


Außerdem ist Verwünscht eine tolle Situationskomödie. Die meisten Lachern erntet Verwünscht nicht aufgrund der übertriebenen Märchenmomente (diese sind ja meistens rein liebevoll), sondern aufgrund aus diesen Situationen entstehenden Reaktionen oder Twists. Dass Giselle in New York nur dreckige Tiere anlockt ist keinesfalls eine Parodie auf Märchen, sondern das Ergebnis dessen, dass in New York halt weniger saubere Disney-Cartoon-Tiere herumlaufen wie in Andalasien. Noch witziger als diese für Giselle neue Situation sind hierbei aber ihre Reaktionen darauf. Und der einfältige Prinz Edward bringt den Zuschauer nicht zum lachen, weil er dumm ist, viel mehr sind es die Ergebnisse seiner Dummheit die witzig sind. Schließlich ist New York viel komplexer als die Welt in Disney-Märchentrickfilmen, wo es meistens genügt herbeizureiten und das nächstgelegene zu tun (Prinzessin wach küssen oder erst den unübersehbaren Drachen töten und dann die Prinzessin küssen). Kein Wunder, dass Prinz Edward in New York überfordert ist.

Doch die Märchencharaktere sorgen nicht nur für den meisten Spaß, sie bieten auch die interessantesten darstellerischen Leistungen im Film, allen vorran natürlich Amy Adams als Giselle, die zu Recht für den Golden Globe nominiert wurde.
Sie spielt nicht nur die liebenswürdige "Prinzessin" (ist sie ja eigentlich gar nicht, aber sag das mal den jungen Mädchen, die sich vom Disney-Prinzessinen-Merchandising reinlegen lassen), sie IST diese Figur. Sie verkörpert den Charakter einer solchen Zeichentrickfigur nahezu perfekt. Es bestünde ja die Gefahr, dass Giselle aufgrund ihrer Naivität zur reinen Witzfigur ohne jedes Krümmelchen Verstand verkommt, doch dank Adams' liebevoller Identifikation mit ihrer Figur ist Giselle richtig glaubwürdig - eine Märchenfigur, die zunächst völlig unbeirrt so weiterlebt wie bisher. Halt nur in New York und nicht in der bunten Märchenwelt.

Im Gegensatz zu Giselle wirklich ein wenig dümmlich, aber trotzdem keineswegs lächerlich ist Prinz Edward, gespielt von James Marsden. Man sieht ihm die Freude an dieser herrlich einfältigen und simpel gestrickten Persönlichkeit an. Edward hat die Rollenverteilung aus Märchen geradezu gefressen und handelt dem entsprechend - und so sorgt Marsden für zahlreiche Lacher. Man könnte auch sagen, dass er von allen am meisten Hommage und Parodie am besten vereint. Adams ist so wie die Originale, Marsden dagegen verkörpert eine augenzwinkernde Hommage an die frühen Disney-Prinzen. Timothy Spall wiederum ist ein herrlicher Sidekick - er ist eine echte Witzfigur, verkörpert das cartoonhafte seiner Rolle ohne dabei jedoch zu parodieren. Seine Rolle könnte 1:1 aus einem Disney-Meisterwerk stammen.

Die wohl ehrlichste Hommage ist aber die Königin Narissa. Egal ob von Susan Sarandon gespielt oder von Andreas Deja gezeichnet - sie ist eine tiefe Verbeugung vor Malefiz und der bösen Königin aus Schneewittchen. Die Boshaftigkeit sprüht geradezu aus der Leinwand. Gerade dies könnte vielleicht einige Zuschauer gegen die Figur stimmen.
Denn Narissa funktioniert nur als Figur aus einer Hommage, wie Verwünscht eine ist - Narissa besitzt nicht die Eigenständigkeit wie etwa ihre rechte Hand, die so auch in einem "echten" Disney-Meisterwerk vorkommen könnte. Mich aber stört es nicht: Die Disne-Bösewichter sind zu Recht beliebte, aber selten genug ausreichend gewürdigte Figuren und deshalb kann ich es Deja und Sarandon nicht verübeln, dass sie die Chance ergriffen haben um sich gebührend vor den "Villains" zu verneigen. Zumal sich in Narissa sogar ein Hauch Ysma eingeschlichen hat (eine Figur, die Andreas Deja abgegeben hat, als aus dem ernsten Märchenmusical eine Kömodie wurde), so dass wir nicht nur einen Einblick kriegen, wie die Figur vielleicht unter Deja geworden wäre, sondern auch den nötigen Schuss Humor in der Figur präsentiert bekommen, der Narissa dem restlichen Film anpasst. Und deshalb hatte ich den ganzen Film über riesige Freude an ihren Szenen.

Ansonsten ist von den Darstellern nur noch Patrick Dempsey zu erwähnen, der eine sympathische Figur abgibt. Ihm kommt die schwierige Aufgabe zu, als Mensch aus der echten Welt gegen die hyperaktive Giselle anzuspielen. So verwundert es nicht, dass er hauptsächlich der "reale" Gegenpart zu ihr ist und nicht mehr. Aber man muss ihm zu gute schreiben, dass er im von Giselle ausgelösten bunten Treiben nicht untergeht, sondern hie und da auch einen kleinen Impuls abgibt, zum Beispiel wenn er Giselles Gesang kommentiert. Sicherlich keine denkwürdige Darstellung, aber er holt das beste aus der Rolle.

Alle anderen menschlichen Figuren werden eher an der kurzen Leine gehalten, wofür man sich bei dem Regisseur Kevin Lima und den Autoren bedanken muss. Weitere Figuren im Scheinwerferlicht hätte der Film nicht weiter tragen können - und ihn möglicherweise runtergezogen. Zwar nimmt zum Beispiel India Menzels meistens eher passive Nancy dem Film weiteres von seiner Realität, aber dafür gewinnt er wieder an magischem Charakter - außerdem geraten gerade solche Rollen wie die von Nancy bei Disney sehr gerne zickig und nervig, was aber durch die eher kurze Screentime Nancys vermieden wird.

Besonders nennenswert dagegen ist noch das Backenhörnchen Pip, welches vor allem in New York auf Hochtouren anläuft. Die übertriebene Mimik und Gestik des plötzlich verstimmten Pips ist Komikgold pur. Im Gegensatz zu den computeranimierten Tieren aus Narnia bemüht man sich hier keineswegs um Realismus, Pip wirkt wie eine Cartoonfigur, was sich auch damit erklären lässt, dass er ja auch eine ist. Das cartoonhafte trifft auf alle Spezialeffekte in Verwünscht zu, was auch keineswegs stört, da somit der krasse Kontrast zwischen modernem CGI und Zeichentrick umgangen wird.


[Spoileranfang]Lediglich die computeranimierte Drachenform von Narissa fällt negativ auf. Narissa wirkt als Drache zu cartoonhaft, sieht zu nett und süß aus. An dieser Stelle hätte man sich mehr an Malefiz' Drachenform orientieren sollen, die im Gegensatz zu den anderen Tieren des Films eben nicht dem disney'schen Knuddeltierschema entsprang, sondern unheimlich und bedrohlich wirkte - im Gegensatz zu Narissas Drachenform.[/Spoilerende]

Soviel also zu den Figuren und ihren Darstellungen - doch eine Frage, die wohl viele Disneyfans beschäftigte muss noch beantwortet werden. Wie sind die Songs?

Nun, gerade Musik ist schwer objektiv einzuschätzen, aber wem die typischen Menken-Songs aus Arielle, Die Schöne und das Biest und Aladdin gefielen wird ebenso auf seine Kosten kommen wie die Freunde der eher "klassischeren" Disney-Songs wie in den älteren Prinzessinnenfilmen. Denn an genau diesen zwei Stilen orientiert sich Verwünscht bei seinen wichtigsten Liedern.
"Der wahren Liebe erster Kuss" ist ein klassisches Liebes- und Wunschlied wie "A Dream is a Wish your Heart makes" oder "Ich wünsch mir" - die Stimmung solcher Lieder haben Alan Menken und Stephen Schwartz perfekt eingefangen ohne sich zu sehr bei den Vorbildern zu bedienen.
"Das flotte Aufräumlied" steht in der Tradition der großen Disney-Reinemachlieder "Wer bei der Arbeit pfeift" und "Mit einem Teelöffelchen Zucker", ist stilistisch aber näher an Menkens Broadway-Sound. Die Szene selbst dagegen ist vom Grundkonzept her (Giselle macht zusammen mit Ratten und Tauben sauber) eine herrliche Parodie eben jener, wird aber dank zahlreichen im Detail versteckten Hommagen richtig liebenswürdig (außerdem arbeitet Giselle wesentlich mehr mit als Schneewittchen).
"Wie Zeigst Du Deine Liebe?" ist das zentrale Musikstück des Films, eine ausufernde Musiksequenz im Central Park.

["Spoiler" über den Ablauf einer Szene in der Mitte des Films]
Gerade diese Szene zeigt, wie der gesamte Film zu sehen ist. Zu Beginn der Sequenz kam ich aus dem Lachen nicht heraus - da in New York die üblichen Musicalgesetze ja nicht gelten kann Giselle nunmal nicht auf die Unterstützung aller umstehenden rechnen und wird bloß von Straßenmusikern begleitet, die gerade eh nichts besseres zu tun haben. Dieser Zusammenprall der Realität mit Giselles Welt ist zu Beginn Komik pur - doch mit und mit entfleucht die Sequenz den Gesetzen unserer Welt und wird zur opulenten Broadwy-Musical-Sequenz die an die besonders fröhlichen Lieder anderer Menken-Disneyfilme erinnert, aus Lachen über Giselles nicht ganz gelingen wollenden Versuch wie in Andalasien zu handeln wird Begeisterung darüber, wie es nun doch klappt. Zugleich schwingt neben der Opulenz und Dynamik der Szene dieser Hauch Romantik mit - eine wirklich Gänsehaut erregende Mischung.
[/Spoilerende]

Die restlichen Lieder sind eher aus der unsrigen Welt: "So nah!" ist eine romantische Popballade, der Abspannsong "Ever, ever After" klassischer Radiopoprock, möchte mir aber nicht wirklich gefallen, da er im Gegensatz zu "So nah" gar nichts besonderes oder märchenhaftes an sich hat.

Alles in allem ist Verwünscht schlicht und ergreifend ein hervorragender Disney-Film mit viel Humor und Romantik, der als Familienfilm genauso gut funktioniert wie als "Date-Movie" für junge und jung gebliebene Pärchen.

Ich bin also vollauf zufrieden und werde deshalb ein zweites Mal ins Kino gehen, um den Film zu sehen.

Und nach meiner zweiten Sichtung werde ich hier einen genaueren Blick auf die Disney-Anspielungen werfen.

Bis dahin... geht gefälligst in diesen Film und lasst euch verzaubern!

Siehe auch:

Dienstag, 18. Dezember 2007

Alles, was ein Ende haben wird, muss auch einen Anfang haben

So weit ist es nun also schon gekommen... Zuerst belästigte ich nur meine Famlile mit meiner Existenz, nicht lange danach auch eine kleine Region in NRW... Gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts tappte ich erstmals vorsichtig ins Internet. Berüchtigte, zu meist völlig übertrieben geschwätzige Internetauftritte in Foren sollten folgen... Und nun also das...

Ein Blog von und mit... Sir Donnerbold!

Hier werde ich, wenn es die Zeit erlaubt, meine Meinung über Filme, Serien, Internetseiten gelegentlich auch Bücher und Comics, vielleicht auch irgendwann mal über Videospiele (sollte ich mir jemals die Wii kaufen) breittreten. Das soll nicht nur Balsam für mein Ego sein, sondern auch unterhaltsam für meine Leser.
Diesen werde ich (sofern ich je eine kleine Stammleserschaft haben sollte) hoffentlich dann auch irgendwann einmal mit ein paar netten Anekdoten helfen ihre Zeit tot zu schlagen - denn auch deshalb liest man doch so gerne Blogs, nicht wahr? Also... wer weiß... wenn ich mal richtig warm mit dieser Bloggerei geworden bin, vielleicht gibt es hier nicht nur News und meine übertrieben lang geschilderte Meinung, sondern auch kurzweiliges....

Na dann... Viel Spaß!



Dieser Blog enthält Verknüpfungen zu Websites Dritter ("externe Links"). Diese Websites unterliegen der Haftung der jeweiligen Betreiber. Der Anbieter hat bei der erstmaligen Verknüpfung der externen Links die fremden Inhalte daraufhin überprüft, ob etwaige Rechtsverstöße bestehen. Zu dem Zeitpunkt waren keine Rechtsverstöße ersichtlich. Der Anbieter hat keinerlei Einfluss auf die aktuelle und zukünftige Gestaltung und auf die Inhalte der verknüpften Seiten. Das Setzen von externen Links bedeutet nicht, dass sich der Anbieter die hinter dem Verweis oder Link liegenden Inhalte zu Eigen macht. Eine ständige Kontrolle der externen Links ist für den Anbieter ohne konkrete Hinweise auf Rechtsverstöße nicht zumutbar. Bei Kenntnis von Rechtsverstößen werden jedoch derartige externe Links unverzüglich gelöscht.
Sämtliche Bilder, Fotos und Videos unterliegen dem Copyright ihrer jeweiligen Urheber.