Bildquelle: James Gillham / StingMedia for Disney
Manchmal kommt es vor, dass ich mit einem Berg an Material von einem Interviewtermin zurückkomme und genau weiß: Es war zu spannend und unterhaltsam, als dass ich auch nur irgendwas wegwerfen wollen würde. Doch für meinen Auftraggeber ist nicht alles zu gebrauchen. Sei es wegen des Themenschwerpunkts, weil der Artikel sonst zu lang werden würde oder weil einzelne Fragen den Lesefluss stören, der den zentralen Fragen und Aussagen zugrunde liegt. Daher habe ich hier bei SDB-Film eine neue Kategorie ins Leben gerufen. Unter dem Label "Aus dem Schneideraum" möchte ich euch jenes Interviewmaterial vorstellen, dass es nicht in meine Interviewfeatures an anderer Stelle geschafft habt. Den Auftakt machen Paul Bettany und Emily VanCamp,
Wie haben Sie die Drehtage in Leipzig erlebt?
Emily VanCamp: Ich glaube, ich hatte leider nur zwei Drehtage in Leipzig. Es war aber eine sehr schöne Zeit: Mein Freund ist mit rübergekommen und wir haben in den Drehpausen viel unternehmen können. Ich habe die Gelegenheit auch genutzt, um Berlin bei idealem Sommerwetter kennenzulernen und bei einer Radtour zu erkunden.
Erwartet Marvel, dass Sie sich, und auch die anderen Darsteller, nach Erhalt der Rolle dann doch in die Comicwelt hineinschmeißen und alle möglichen Storylines und Varianten ihrer Figuren verinnerlichen?
Paul Bettany: Nein, das erwarten sie nicht. Sie schicken einem aber sehr wohl Comics zu. Und sie sind sehr daran interessiert, was man von seiner Figur hält und was man denkt, welchen Weg sie einschlagen soll. Ich weiß nicht, was sie mit der Information dann anfangen, ob sie da überhaupt drauf hören. Aber sie erwecken zumindest den Anschein, sehr daran interessiert zu sein, was du von deiner Rolle hältst, weil sie wissen, dass du für eine lange Zeit mit dieser Figur leben musst.
Die Marvel-Figuren, wie sie in den Filmen auftreten, unterscheiden sich ja durchaus von den bereits vielfältigen Versionen ihrer Comic-Inkarnationen. Hatten Sie bereits bei der Entstehung der Film-Version Visions Einfluss auf die Richtung, die das Ganze einschlägt? Beziehungsweise: Ließ man Sie wenigstens im Glauben, dass dem so wäre? (lacht)
Paul Bettany: Nein, die Abwandlungen gegenüber den Comic-Varationen von Vision wurden nicht auf mein Drängen beschlossen. Es stimmt, dass es auch bei meiner Figur große Unterschiede zu den Comics gibt, aber diese Abweichungen sind allesamt sehr bewusst gewählt. Und ich habe das Gefühl, dass dies bei anderen Regisseuren und bei einem anderen Studio richtig schief gehen könnte. Doch bei Marvel wird immense Passion in die Filme gesteckt, die auf grundehrlicher Liebe zu den Vorlagen fußt. Der Moment, der mir dies am eindrücklichsten vorführte, ist folgender: Kevin Feige war bei Age of Ultron zugegen, als ich meinen ersten Drehtag als Vision hatte. Und da steht er, dieser Studioboss, der die Marvel-Figuren über alles liebt, und er sieht mich in meinem vollen Kostüm, woraufhin er vor Glück wie ein kleines Kind strahlt.
Ich finde, dass man daran erkennt, dass die Leute bei Marvel Studios nicht nur einen riesigen Haufen Geld verdienen wollen. Natürlich wollen sie auch das und das gelingt ihnen mit links. Aber es geht ihnen dabei stets darum, diesen Figuren und Geschichten einen Dienst zu erweisen, sie zu ehren und ihr Vermächtnis zu beschützen. Das bedeutet aber auch, dass zugunsten einer interessanten Adaption die Regeln verbogen werden können. Es gibt etwa das ungeschriebene Gesetz, dass jemand, der bereits eine Rolle im 'Marvel Cinematic Universe' spielt, nicht plötzlich eine andere übernehmen kann. Für mich wurde aber eine Ausnahme gemacht, noch dazu eine ohne Präzedenzfall. Jarvis war in keinem Comicuniversum die Voicematrix von Vision. Das hat man im 'MCU' geändert, und die Fans haben es geliebt. Würden Leute diese Filme verantworten, die nicht so viel Erfahrung mitbringen und nicht so gut in den Comics bewandert sind, so wäre die Fanboy-Welt sicher bereits voller Zorn Sturm gelaufen.
Welche Entwicklung sollte Vision denn Ihrer Meinung nach durchmachen?
Paul Bettany: Vision wurde in Age of Ultron geboren. Das wird ja sicherlich nicht noch einmal passieren. Und da war er omnipotent, aber auch unfassbar naiv. Das zu spielen hat sehr viel Spaß gemacht. Nun versucht er, herauszufinden, was Menschlichkeit ist. Und er kleidet sich in 50er-Jahre-Klamotten, weil er glaubt, sich so anpassen zu können, genauso, wie er versucht, sich endlich abzugewöhnen, durch Wände zu schweben, statt Türen zu benutzen. Ich glaube, Vision versteht nahezu ausschließlich das Konzept der Logik, weshalb es in seiner Sicht der Dinge keinen Raum für Loyalität gibt. Soll heißen: Jede neue Information könnte Visions Allianzen verschieben. Aber Liebe ist der Tropfen, der bei ihm das Fass zum Überlaufen bringt: Er ist von Scarlet Witch fasziniert, weil beide etwas gemeinsam haben. Sie wurde aus der selben unfassbaren Macht geboren wie er. Und sie beide kennen die Begrenzungen ihrer Fähigkeiten nicht. Sie sind wie meine vierjährige Tochter, die nicht weiß, wo ein Raum anfängt und wo er aufhört. Für sie beide existieren keine Regeln und Einschränkungen, und Vision erkennt in The First Avenger: Civil War, dass sie beide gefährlich sind. Darauf würde ich künftig gerne aufbauen.
Was war Ihre erste Reaktion, als Sie den für die Filme geplanten Look von Vision gesehen haben?
Paul Bettany: Ich dachte nur: "Na, das wird aber fucking viel Zeit im Make-up mit sich bringen. Mann ... das wird hart!" Es ist zum Glück nicht ganz so schlimm wie befürchtet. Zu Beginn einer Produktion sind alle noch eingerostet, dann dauert es jeden Tag 1,5 bis 2 Stunden. Später kommt da eine Routine rein und es brauchen drei extrem talentierte Leute, die gleichzeitig an mir arbeiten, noch knapp eine Stunde dafür. Dabei muss ich aber meine Brille abnehmen, ohne die ich jedoch kaum etwas sehe. Das heißt, dass ich währenddessen nicht einmal ein Buch lesen kann, weshalb ich mich dabei zu Tode langweile. Danach kommen noch 30 bis 40 Minuten, um mir Visions Kleidung oder Rüstung anzulegen. Was mir gefällt, ist, dass Visions Look zwar digital ergänzt wird, dabei aber auch auf viele, alte Theatertricks zurückgegriffen wird. Ich habe eine Glatzenkappe und dann diese prothetischen Maskenteile, die mir bis zu den Augenbrauen gehen und festgeklebt werden mit ... ich glaube, es heißt Gaffcot, aber das kann es nicht sein. Das klingt wie eine Figur aus Star Wars, aber das stimmt ebenfalls nicht ... Hinzu kommt das lilafarbene Makeup, mit dem meine freiliegende Haut bemalt wird. Außerdem bekomme ich zu guter Letzt Kontaktlinsen eingesetzt, damit meine Augen wie Objektive aussehen.
Wären Sie auch bei einem realen Civil War-Konflikt im Team Iron Man?
Paul Bettany: Ja. Jede autonome Gruppierung von Wesen mit Superkräften stellt, ob gewollt oder nicht, ein Risiko dar, daher wäre es fahrlässig, sie nicht zu kontrollieren.
Montag, 2. Mai 2016
Sonntag, 1. Mai 2016
Soy Luna
Nach dem riesigen Erfolg von Violetta hätte sich Disney Channel Latin America dazu entschließen könnten, was in der hiesigen Fernsehlandschaft gerne Mal passiert: Aus einer Telenovela (einem Genre, das konzeptgemäß ein festes Ende hat) wird flugs eine Soap (die theoretisch unendlich läuft) gemacht. Doch bei Disney tickt man nicht so. Stattdessen wurde nach einer neuen Formatidee gesucht, die dieselbe Zielgruppe anspricht und somit auch ein ähnliches Feeling versprüht.
Der inoffizielle Violetta-Nachfolger wurde letztlich in Soy Luna gefunden, einer weiteren Tween- und Teenie-Telenovela mit einer weiblichen Hauptfigur und zumeist strahlend positiver Attitüde. Unterschiede gibt es allerdings auch: Obwohl Musik hier ebenfalls ein nicht unerheblicher Bestandteil der Serie ist, steht der Gesang nun nicht im Mittelpunkt des Geschehens. Titelheldin Luna (Karol Sevilla) ist vernarrt ins Rollschuhfahren, das in Argentinien wieder en vogue ist (oder zumindest im Argentinien, wie der Disney Channel es sieht), inklusive Rollschuhbahnen, die zum Treffpunkt der hippen sowie auch weniger hippen Jugendlichen avancieren.
Als Luna mit ihren Zieheltern nach Buenos Aires zieht, weil diese ein attraktives Jobangebot annehmen müssen, verbringt sie daher nahezu ihre gesamte Freizeit im Jam & Roller, wo sie sich aber zunächst ungeschickt anstellt, weil sie es nicht gewohnt ist, auf dem glatt gebohnerten Boden einer Rollschuhbahn zu fahren. In ihrer neuen Eliteschule wiederum muss Luna noch lernen, sich in der sozialen Hackordnung einzufügen ...
Wie schon Violetta ist auch Soy Luna in einer farbfrohen, etwas überbelichteten Optik gehalten, und erneut wird mit Archetypen gearbeitet: Der verknallte beste Freund, das Mauerblümchen, die sich unterschätzende Hauptfigur, die Oberzicke ... In den ersten beiden Folgen, die mir zur Sichtung zur Verfügung stehen, werden diese kaum unterwandert, dafür wird die sehr stringente, frohgemute Erzählung rund um Lunas Einfinden in ihr neues Leben durch einen waschechten Telenovela-Subplot gewürzt: Ein älterer Herr in einem Pflegeheim kämpft mit dem Leben und mit dem bislang geheim gehaltenen Wissen rund um Lunas wahre Herkunft. All das ist in seiner Dramaturgie betont kindertauglich gehalten, hat aber etwas mehr Biss, als man nach Violetta unbedingt erwartet hätte,
Die Darsteller, ob jung oder alt, arbeiten solide mit dem Material, das ihnen geboten wird, und vor allem die Teenie-Truppe ist sehr sympathisch und wird der Zielgruppe genügend Identifikationsmaterial bieten. In Sachen Charme und unaffektiertem Spiel können viele deutsche Dailys von den argentinischen Disney-Stars tatsächlich noch Einiges lernen.
Da Soy Luna, wie schon Violetta, die selbstironische und mit Referenzen an Genrekollegen gespickte Camp-Attitüde eines High School Musical fehlt, hat die Serie nur begrenzte Anknüpfungspunkte für Zuschauer außerhalb der Kernzielgruppe. Dank Charisma und guter Laune ist Soy Luna aber auch keineswegs eine dieser Tween-Produktionen, die es dem älteren Publikum schwer machen.
Soy Luna ist ab dem 2. Mai 2016 immer montags bis freitags um 19.20 Uhr im Disney Channel zu sehen.
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