Donnerstag, 19. Juli 2012

Disneyland°2 - Indiana Jones

Welcome, foolish mortals!

Disneyland Paris feiert sein 20-jähriges Jubiläum, und während ich es kaum erwarten kann, die großartig angekündigte neue Wassershow Disney Dreams! selbst zu sehen, ist dies für mich die ideale Gelegenheit, den hiesigen Park mit dem Anaheimer Original zu vergleichen.



Auch wenn die Disneyparks mit ihrem sorgfältigen Theming hauptsächlich mit - nun ja - Disneyfilmen assoziiert werden, ist es nicht schwer, auch reine Actionerlebnisse und rasante Achterbahnen für die etwas Älteren zu finden. Natürlich stehen auch diese Bahnen nicht nackt im Raum, sondern sind in perfekte Geschichten und Bauten eingebunden, die die Besucher nicht weniger in eine andere Welt eintauchen lassen, als es der klassische Darkride tut - auch wenn zu diesem Zweck gerade in den Neunzigern gerne auch Disney-fremde Settings benutzt wurden. Schließlich, welche Abenteuer-Filmreihe - und speziell deren zweiter Teil - schreit mehr nach einem Achterbahnerlebnis als die Erlebnisse unser aller liebsten Archäologieprofessors?


Bei der Planung des Pariser Parks war ursprünglich ein großes Indiana-Jones-Land angedacht, in dem unter anderem eine aufwändige Fahrt durch die Minenbahn aus „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ und eine von der Jungle Cruise inspirierte Bahn geplant waren. Doch wie so oft lag es an Geld- und Logistikproblemen, dass dieses ambitionierte Projekt erst verschoben und dann auf eine einzelne Achterbahn heruntergekürzt werden musste: Indiana Jones et le Temple du Péril. Für das klassische Indy-Feeling sorgt ein alter, düster überwucherter Tempel, durch den die Wagons im Stil von außer-Kontrolle-geratenen Minenwagen brausen, während sich den Gästen gleichzeitig einer der besten Aussichtspunkte über den Park bietet.
Auch wenn die Bahn nicht schlecht ist - sie kann immerhin den ersten Looping eines Disneyparks aufweisen - ist sie aus heutiger Sicht nichts Außergewöhnliches und der seinerzeit extreme Thrill-Faktor wurde längst von anderen Achterbahnen überholt. Das und die eher versteckte Lage sorgen heutzutage dafür, dass man normalerweise mit Wartezeiten von wenigen Minuten rechnen kann, was die Fahrt schon beinahe zu einem Geheimtip macht.



Erst zwei Jahre später bekam Indy 1995 auch in Anaheim mit Indiana Jones Adventure: Temple of the Forbidden Eye seine große Attraktion spendiert. Dieses Fahrgeschäft ist mit nichts vergleichbar, was ich bisher in Freizeitparks erlebt habe und ich tue mich schwer, einen angemessenen Namen dafür zu finden. Im Gegensatz zu Paris kam hier die neueste Technik zu Einsatz; Disneys neu entwickelte EMV (Enhanced Motion Vehicle). Es handelt sich um große, Jeep-ähnliche Wagen, die über eine derartige Beweglichkeit verfügen, dass eine rasante Action-Fahrt durch ein klassisches Indiana-Jones-Setting auf lebensechteste Weise simuliert werden kann. Die Wagen ruckeln, schaukeln und schwanken in alle Richtungen, während sich die Gäste vor heruntersausenden Fallen und Angriffen aus dem Hinterhalt in acht nehmen.

Diese Bahn bietet eine richtige Storyline, die in der meist langen Schlange ausführlich erklärt wird: Die Besucher fahren in ihrem Jeep durch (was sonst) einen alten Tempel der Gottheit Mara, der sie mit Geschenken segnen wird, solange sie es nicht wagen, ihm ins Auge zu schauen. Natürlich wird der Fluch unter Beihilfe von jeder Menge Feuereffekten ausgelöst und dann geht die Action erst wirklich los; es folgt eine typische Indiana-Jones-Verfolgungsjagd mit jeder Menge versteckter Fallen und am Ende eine große Felskugel, vor der Indy persönlich die Besucher im letzten Moment rettet.
Das Ergebnis kann man vielleicht am besten als Symbiose aus einer Achterbahn und einem Dark Ride beschreiben; eine Abenteuerbahn par excellence. Diese innovative Technik, verbunden mit dem gleichzeitig originellen und klassischen Design, sorgt für eine Bahn, die unter ihresgleichen mit vollem Recht heraussticht.


Dass die Pariser Achterbahn bei weitem nicht so erfolgreich war, führte dazu, dass sie 2000 eine nicht uninteressante Verwandlung durchmachte: Der Name wurde mit dem Zusatz Backwarts! versehen und für einige Jahre liefen die Wagen auf ihren Schienen rückwärts. Durch diese einigermaßen originelle Idee wurde das Fahrerlebnis zu etwas Besonderem, was die Bahn von den anderen Achterbahnen des Parks angenehm abhob. Ich kann nicht ganz verstehen, warum diese Neuerung 2004 wieder rückgängig gemacht wurde - aus heutiger Sicht jedenfalls sieht es nicht so aus, als wäre das Original sehnsüchtig zurückerwartet worden.

Die Entscheidung, welche der beiden Bahnen ich bevorzuge, fällt in diesem Fall leicht. Während die Pariser Achterbahn einem soliden Standard entspricht, der eher unter dem Durchschnitt der Disney-Thillrides liegt, bietet Anaheim ein wirklich herausragendes Fahrgeschäft; originell und absolut einzigartig.



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Mittwoch, 18. Juli 2012

The Raid


Mitten in den Slums der indonesischen Hauptstadt Jakarta hat der Drogenbaron Tama (Ray Sahetapy) ein Hochhaus zu seinem eigenen, nahezu uneinnehmbaren Refugium aufgebaut. Mit dem erbarmungslosen Kampfkünstler Mad Dog (Yayan Ruhian) und dem ausgebufften Andi (Doni Alamsyah) hat er zwei begnadete Handlanger zu seiner Seite, darüber hinaus sind ihm Hunderte Kleinganoven treu, die auf Befehl mit jedem Polizisten kurzen Prozess machen. Dennoch wagt sich eine zwanzigköpfige Polizeieinheit, darunter der idealistische Rama (Iko Uwais), in diese Todesfalle, um diesen Sündenpfuhl zu stürmen und Tama zu stürzen. Die ersten Stockwerke kann die mit vielen Anfängern gespickte Mannschaft noch problemlos absichern, doch dann gerät sie in einen tödlichen Hinterhalt. Die Truppe wird in einem chaotischen Gemetzel dramatisch demzimiert, bis nur noch wenige Männer übrig sind. Diese formieren sich neu und kämpfen sich ebenso verbissen wie gerissen weiter, hoffend, ihre Mission vollenden zu können ...

Seit seinen ersten Festivalvorstellungen genießt The Raid, insbesondere unter Onlinekritikern, große Achtung und es sind auch diese überschwänglichen Reaktionen von Festivalbesuchern und Internetkritikern, die dieser indonesischen Produktion in allen Ecken der Welt einen Kinostart mit durchaus beachtlicher Kopienzahl sicherte. Die positiven Stimmen zu The Raid reichen mitunter so weit, dass er als der beste Actionfilm seit Jahrzehnten bezeichnet wird – selbstredend sind solche Zitate ein Geschenk für jede Marketingabteilung, die ein Poster für eine Produktion ohne auch nur einen international bekannten Darsteller entwerfen muss.

Derartige Superlative erst einmal bei Seite gestellt, herrscht Einstimmigkeit, dass der walische Regisseur Gareth Evans mit dieser hundertminütigen Polizeirazzia ein raues Actionkonzentrat geschaffen hat, welches sich seiner Genrenatur überaus bewusst ist. Im Gegensatz zu anderen Genre-Nischenfilmen reduziert The Raid seine Alibigeschichte auf ein Minimum, um mehr Raum für ausführliche Schießereien, Messerkämpfe und von asiatischer Martial Arts beeinflusste, allerdings reale, auf Seilarbeit verzichtende Faustduelle zu schaffen. Das Minimum an Charakterisierung und Dialogen fügt sich nahtlos in die vom kargen, dreckigen Schauplatz geprägte Stimmung ein, weswegen sich in den ersten Minuten unmittelbare Dramatik und somit auch echte Anspannung einstellt.

Sobald der nur wenige, kurze Pausen nehmende Kampf der Polizeitruppe richtig in Gang kommt und die Gewaltschraube aufgedreht wird, verpufft jedoch diese raue, fast schon dokumentarische Wirkung von The Raid. Zwar ist The Raid mit seiner ungeschönten Nonstop-Action ein unverfälschter Gegenpol zu den auf Familientauglichkeit getrimmten Hollywood-Großproduktionen, über die sich viele Actionliebhaber der alten Schule aufregen, aber eine ideal ausgeführte Alternative kann ich in The Raid nicht erkennen. In den ersten vierzig bis fünfzig Minuten reiner Kampfszenen ähnelt eine Szene der anderen, immer wieder setzt Evans auf den leicht durchblickten Schockeffekt, zwei Figuren in einer Unterhaltung zu zeigen und diese plötzlich blutig zu erschießen, die direkten Mann-gegen-Mann-Scharmützel sind aufgrund der dicht an die Darsteller herangehenden Kameraeinstellungen, den ständigen Bildwacklern und der hektischen Schnittarbeit unmöglich zu überblicken. Doch auch in den Sequenzen, in denen die Kämpfe deutlicher abgebildet werden, hat dieses Gewaltspektakel keine einvernehmenden Qualitäten. The Raid besteht bloß aus einer Aneinanderreihung kurzer Kämpfe, von zwei etwas besser ausgetüftelten Kämpfen mit der Figur des Mad Dog abgesehen.

Somit fehlt The Raid eine über die gesamte Action stehende, künstlerische Dachqualität – gewissermaßen ein schlagkräftiges Stilmittel, welches 100 Minuten Action mit reduzierter Charakterentwicklung und einem hauchdünnen Alibiplot rechtfertigt. Verglichen mit anderen Action-Hochkonzentraten steht The Raid nämlich recht blass dar. Ihm mangelt es an der visuellen Poesie eines Hero, dem durchgestylten Auftreten eines Kill Bill, Vol. 1, dem selbstironischen Irrsinn eines The Transporter 2 oder Crank und selbst an der graphischen Gewaltdarstellung eines John Rambo (geschweige denn härterer Kaliber). Dadurch, dass sich The Raid, sobald der Kampf ums Hochhaus erst ins Rollen geraten ist, aber genauso wenig darum kümmert, seine semi-dokumentarische Stimmung aufrecht zu erhalten, kann nicht einmal die Realismus-Karte für diesen Actionstreifen ausgespielt werden.

Und so hämmert der speziell für die internationale Verwertung von Linkin-Park-Mitglied Mike Shinoda und Filmkomponist Joseph Trapanese aufgenommene, monotone Soundtrack durch das schwer entwirrbarre Hauen, Schlagen, Schießen und Stechen, während simpel gehaltene Figuren durch den mit immer neuen Twists Tiefe vortäuschenden Plot stapfen. Die Action ist nicht besonders genug, um alleine stehen zu können –  allerdings ist alles andere in The Raid dermaßen runtergebrochen, dass die Action als alleiniges Qualitätsmerkmal herhalten muss.

Wie The Raid so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte, ist mir schleierhaft.