Dienstag, 31. Oktober 2017
Die Rückkehr der vergessenen Freunde
Bevor sich der Disney Channel dank High School Musicals in das Musicalgenre verliebt hat, tobten sich die Original Movies des Senders in diversen Genres aus - unter anderem im Bereich der Science-Fiction. Wie etwa in Form von Zenon, die kleine Heldin des 21sten Jahrhunderts. Verantwortlich dafür war Nummer 5 gibt nicht auf-Regisseur Kenneth Johnson, mit dessen Arbeit der Disney Channel so zufrieden war, dass er ihn direkt danach mit einem Film für die Halloween-Saison beauftragt hat.
Das Ergebnis, Die Rückkehr der vergessenen Freunde (Originaltitel: Don't Look Under the Bed) sollte Disney-Fernsehgeschichte schreiben: Da Johnson darauf bestand, die Komödie über unheimliche Ereignisse in einer unauffälligen Kleinstadt so zu inszenieren, dass sich das junge Publikum zwischendurch auch mal gruselt, wurde sie zum ersten Disney-Channel-Film mit einer PG-Freigabe. Zudem zeigt der Film einen der ersten Filmküsse in der Disney-Historie zwischen einer Weißen und einem Schwarzen, was laut Johnson den Sender beunruhigte, da dieser keine Lust auf Proteste aus den südlicheren US-Staaten hatte. Da das Skript jedoch nach diesem Kuss verlangt und das Casting halt so ausfiel, wie es ausfiel, wurde der Kuss drin behalten. Ja, 1999 mag so lange nicht her sein, und dennoch fühlt es sich in manchen Belangen so an, als sei es ewig her ...
Die Story dreht sich um die frühreife Frances Bacon (Erin Chambers, die später in General Hospital mitspielen sollte), die vorzeitig von der Middle School auf die High School geschickt wurde und alles nach strengen rationalen Prinzipien abklopft. Doch eines Nachts startet eine Serie von eskalierenden Streichen in ihrer Heimatstadt. Uhren werden vorgestellt, das Auto ihres Lieblingslehrers mit Eiern beworfen, Spinte werden mit Graffitis besprüht. Da sie von manchen der Streichen verschont wird, und sehr viele von ihnen mit Dingen zu tun haben, über die sie kurz zuvor gesprochen hat, steht ausgerechnet die Musterschülerin im Verdacht, diese Gemeinheiten zu begehen.
Zudem sieht sie einen humorvollen, hibbeligen Jungen, der sich Larry Houdini (Ty Hodges) nennt und den sonst keiner sieht - von sehr jungen Kindern abgesehen. Frances zweifelt an ihrem Verstand, als Larry erklärt, ein unsichtbarer Freund zu sein und einen Boogeyman bekämpfen zu wollen. Aber Frances muss zu ihre Wohl einsehen, dass es im Leben mehr gibt als langweilige Logik ...
Das Drehbuch von Mark Edward Edens hangelt sich an einigen Genrekonventionen entlang: Die ungläubige Protagonistin, die sich dem Übernatürlichen öffnen muss, um Unheil abzuwenden. Die Lektion, dass eine Balance zwischen Kindlichkeit und Erwachsenensein erstrebenswert ist. Und die Gruselelemente im Film sind zwar nicht völlig ausgelutscht, doch sie orientieren sich durchaus an Genrestandards.
Was Die Rückkehr der vergessenen Freunde dennoch zu einem denkwürdigen, ja, sogar herausragenden Disney-Channel-Original-Movie macht, ist die Umsetzung des Ganzen: Dank eines Verzichts auf Jump Scares und an eine an deren Stelle tretende, gesunde Balance aus übernatürlichen Absurditäten und schaurig-seltsamen Ereignissen eignet sich der Film hervorragend als früher Einstieg ins Grusel- und Horrorkino, zudem folgen die Dramaturgie des Skripts sowie der einzelnen Schauerelemente ihrem eigenen Tempo. So bleibt die vorhersehbare Erschrecken-nach-Zahlen-Erzählweise vieler "echter", erwachsenenorientierter Horrorfilme aus, weswegen sich der Film als kurzweilige Halloween-Unterhaltung auch für ältere Zuschauende eignet, die auch einfach mal einen vergnüglichen Genrebeitrag gönnen wollen.
Darüber hinaus verzichten Johnson sowie Edens auf den Disney-Channel-Moralhammer: Die Lehre, dass man nicht zu früh erwachsen werden muss und ebenso wenig ewig Kind bleiben kann, wird beiläufig vermittelt, und Frances' Wandel wird von Erin Chambers glaubwürdig, ja, sogar mitreißend rüber gebracht: Wenn sie sich gegenüber dem von Hodges spritzig gespielten Larry darüber rechtfertigt, wie sie mit der Krankheit ihres kleinen Bruders umgeht, fühlt sich das Gespräch viel echter an als von TV-Familienfilmen gewohnt.
Dank einiger liebevoll gemachter praktischer Effekte und eines ebenso schaurigen, wie aber auch stilvollen Designs des Boogeymans ist Die Rückkehr der vergessenen Freunde rauer und kantiger als die übliche Disney-Channel-Ware und dennoch nicht derart deplatziert, dass der semi-offizielle Bann auf dem Film gerechtfertigt sei. Wenn ihr ihn dann doch mal im Programmguide entdeckt: Einschalten und aufzeichnen!
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Disney Channel Original Movie,
Rezension,
TV
Montag, 30. Oktober 2017
Underworld: Blood Wars
Mit einem mittels vier Kinofilmen ergatterten Gesamteinspielergebnis von rund 460 Millionen Dollar ist die Underworld-Saga nicht gerade als Gigant in Hollywoods Franchiseparade zu betrachten. Profit haben die kostengünstig produzierten Fantasy-Horror-Actioner dennoch stets eingebracht, und so zerren Lakeshore Entertainment sowie Screen Gems die Lack-und-Leder-Vampire in unregelmäßigen Abständen wieder ans Tageslicht, äh, ins kuschelige Dunkel des Kinosaals.
Für Interessierte, die seit Teil vier von 2012 die Prämisse vergessen oder die 2003 gestartete Filmreihe bislang völlig ignoriert haben, eröffnet der fünfte Part praktischerweise mit einer Zusammenfassung. Dass sich diese für Novizen als nennenswert hilfreich erweist, dürfte allerdings unwahrscheinlich sein, so schnell und spröde, wie Protagonistin Selene (Kate Beckinsale) die ewige Hatz um sie herum zusammenfasst. Das ist insofern hinderlich, als dass Underworld: Blood Wars nach den actiongesteuerten Vorgängern ungewohnt großen Fokus auf den Plot legt – welcher sich jedoch als ambitionsloses „Game of Thrones light“-Intrigenspiel herausstellt.
Nachdem sie von ihrem Vampirclan hintergangen wurde und die Lycaner, feindliche Werwolfwesen, in Marius (Tobias Menzies) einen neuen, gefährlichen Anführer gefunden haben, befindet sich Selene auf der Flucht. Unterstützung erhält sie allein durch ihren früheren Protegé David (Theo James) und dessen Vater Thomas (Charles Dance), die sich auch schon um Selenes Tochter gekümmert haben, welche genauso wie Selene aufgrund ihres besonderen Bluts gejagt wird. Derweil verspricht Vampirclan-Anführerin Samira (Lara Pulver), dem ständigen Kriegstreiben ein Ende zu setzen – und zwar auf ihre Art …
So wird eine schleppend erzählte Abfolge von Lügen, Intrigen und politisch-kriegerischen Schachzügen losgetreten. Vom Bremer Kameramann Karl Walter Lindenlaub (Die Chroniken von Narnia – Prinz Kaspian von Narnia) wird diese durchweg in einer Farbpalette festgehalten, die von Dunkelblau über Stahlblau und Nachtblau bis hin zu Mattschwarz, Glänzendschwarz und Schimmerndschwarzesleder reicht. Die Dialoge hingegen, die Cory Goodman den Figuren in den Mund legt, decken ein Spektrum von staubtrocken bis verbittert-uninspiriert ab, so dass die doppelbödige Fehde zwischen den verschiedenen Parteien keinerlei Spannung zu erzeugen weiß. Dass die Charaktermotivationen dünner sind als schwarze Seide und alle Figuren (abseits von Lara Pulvers Samira) in einem monoton-austauschbaren Tonfall der Dauerdepression vor sich hin klagen, legt der Handlungsdynamik zusätzlich schwere Fesseln an.
Die Actionsequenzen, zu denen es ungefähr so häufig kommt wie zu Rückblenden, bringt Regisseurin Anna Foerster wiederum durchwachsen hinter sich: Die bei diversen Roland-Emmerich-Filmen als Regisseurin des zweiten Stabes dienende Outlander-Veteranin macht kein Geheimnis daraus, wann immer ihre Darsteller an Drähten hängen, und eine eigene Dramaturgie haben die auf maue CG-Effekte und jede Menge Platzpatronen setzenden Kämpfe nur selten. Allerdings sind sie relativ übersichtlich aufgebaut und die punktuell gesetzten, derben Gewaltspitzen tragen eine makabre Freude an sich.
Kate Beckinsale schlägt sich als Kampfmaschine routiniert durch die wenig Konsequenzen nach sich ziehende, mit einem laschen Cliffhanger endende Produktion, sonst dient allein Lara Pulver mit einer schelmischen Keckheit als schauspielerischer Farbtupfer – denn letztlich sind es hier die Kostüme, die den Großteil des darstellerischen Gewichts tragen: Bojana Nikitovic (The Forest) hüllt das Ensemble in eng sitzenden, stylischen Lack-und-Leder-Klamotten sowie in freizügigen Fetischkleidern, die oftmals mehr über die Charakterentwicklung aussagen als Plot und Mienenspiel. Daher sind es Anhänger eben solcher Mode, die neben überaus energischen Underworld-Komplettisten am wenigsten den Kauf einer Blu-ray-Kopie bereuen dürften.
Fazit: Attraktive Menschen in aufreizenden Kostümen führen langweilige Gespräche über Fantasyintrigen und verstricken sich in uninteressant choreografierte Actionsequenzen mit mau animierten, aber kernigen Splatter-Gewaltspitzen.
Diese Kritik erschien zuerst bei Quotenmeter.de
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