Posts mit dem Label JJ Abrams werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label JJ Abrams werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 12. Februar 2017

Meine Lieblingsfilme 2016 (Teil II)

Nachdem unter anderem ein wortloser Animationsfilm, ein rasanter Actionfilm, ein ruhiges Disney-Abenteuer und ein satirisches Wirtschaftsdrama ihre Zeit im Rampenlicht dieser Hitliste hatten, geht es nun in Runde zwei meiner favorisierten Filme aus dem Jahr 2016. Und um euch noch ein bisschen mehr auf die Folter zu spannen, möchte ich zunächst noch einige Ehrennennungen abhaken – denn 2016 habe ich neben sehr viel Mittelmaß und einigen ärgerlichen Filmen auch einige Produktionen gesehen, die ich genossen habe – aber nicht so sehr liebe, dass ich ihnen einen Rang in dieser Liste geben möchte.

Dazu zähle ich die Komödie Keanu mit den Comedy-Central-Kultkomikern Key & Peele: Diese Story zweier Normalos, die ins Gangsterdasein rutschen, um das wohl knuffigste Kätzchen der Weltgeschichte zurückzuerlangen, fühlt sich an wie ein moderner Nachfolger solcher Touchstone-Komödien wie Nix zu verlieren oder Verbrechen verführt. Das weckt bei mir einfach nostalgische Gefühle. Auch Antoine Fuquas Die glorreichen Sieben hat mir als actionzentrischer, haptischer Western auf eine "Schön, dass sowas noch gemacht wird"-Art gefallen, ähnlich wie der zwar etwas zäh startende, dann aber zu einem angenehm-kernigen, geradlinigen Actioner werdende Kino-Tatort mit dem Titel Tschiller: Off Duty.

Außerdem lieferte Todd Phillips mit War Dogs eine staubtrocken-ironische Dramödie über groß tönende Emporkömmlinge ab, die das Militär mit Ausrüstung beliefern. Als Mischung aus Pain & Gain und Lord of War ist dieses Jonah-Hill-und-Miles-Teller-Vehikel eine überraschend doppelbödige Demontage des üblichen Phillips-Stils – hat diesen Ansatz aber leider nicht genügend Kritikern und Kinogängern klar genug verkauft.

Green Room ist ein, zu Beginn nicht recht aus dem Quark kommender, starker Slasher mit smarten, vorausschauend handelnden Figuren und einschneidenden Gewaltspitzen. Star Trek Beyond ist quasi "Die Star Trek-Figuren stolpern in einen zügigen Sci-F-Actionfilm", Conjuring 2 ein ausschweifender, handwerklich sehr überzeugender Horrorfilm mit kleineren Durchhängern und Money Monster ein sehr unterhaltsamer Echtzeitthriller mit aufgelegtem Cast, der vielleicht zu oft den belehrenden Zeigefinger rausholt, mir dennoch eine sehr gute Zeit im Kinosaal verschafft hat.

Nun aber genug des Hinhaltens. Hier sind die Plätze 35 bis 26!

Platz 35: The Revenant – Der Rückkehrer (Regie: Alejandro González Iñárritu)

Der Film, der Leonardo DiCaprio endlich seinen verdienten Oscar eingebracht hat: Iñárritu erzählt in diesem Rache-/Survival-Schneewestern von einem Mann, der nach einer nahezu tödlichen Begegnung mit einem Bär eine erschöpfende Reise auf sich nimmt, um es dem Kerl heimzuzahlen, der ihn sterbend zurückgelassen und seinen Sohn auf dem Gewissen hat. Diese geradlinige breitet Iñárritu in aufreibender Ausführlichkeit aus, lässt einen bis ins Detail am Überlebenskampf des Protagonisten teilhaben und kreiert dank Emmanuel Lubezkis Kameraarbeit daraus ein ebenso raues wie atemberaubend schönes Abenteuer mit poetischer Beinote.

Platz 34: 10 Cloverfield Lane (Regie: Dan Trachtenberg)

Mit seinem Langfilmdebüt liefert Regisseur Dan Trachtenberg ein unerwartet humorvolles, zugleich beengendes und hochspannendes Kammerspiel ab: Mary Elizabeth Winstead findet sich in einem Schutzbunker wieder, bekommt von dessen Besitzer (ein magnetischer John Goodman) erzählt, dass draußen grauenvolle Dinge geschehen würden. Hat er Recht oder lügt er, um zu vertuschen, dass er sie entführt hat? Eine rätselhafte Achterbahnfahrt mit starken Performances und geschliffener Dramaturgie.

Platz 33: Ein ganzes halbes Jahr (Regie: Thea Sharrock)

Thea Sharrocks Bestselleradaption ist zugleich eine Romantikkomödie und eine Tragödie über das Verdrängen: Emilia Clarke spielt eine junge Frau, die vor der Verwirklichung ihrer Träume wegläuft, und sich bei Ausführung ihres neuen Jobs verliebt - nämlich in den gelähmten jungen Reichen, den sie pflegen soll. Dank Emilia Clarkes aufgewecktem, animiertem Spiel und der rabenschwarzen Humor aufweisenden Performance ihres Gegenübers Sam Claflin ist der Kassenschlager seinem erstaunlich lustig, doch umso tiefer trifft sein eigentliches Thema: Sharrock führt listig vor, wie leicht wir uns etwas einreden können und gibt dieser zwischendurch so fluffigen Produktion ein bleibendes Echo mit ...

Platz 32: SMS für Dich (Regie: Karoline Herfurth)

Mit ihrem Langfilm-Regiedebüt beweist Karoline Herfurth, dass die deutsche Romantikkomödie doch nicht tot ist: SMS für Dich ist zwar, ganz nüchtern betrachtet, kaum mehr als eine schlichte, konventionelle RomCom-Geschichte. Doch Herfurth formt die "Die Liebe aufgegeben habende Frau verliebt sich neu, hat aber Hürden zu nehmen"-Erzählung dank stilvoller Optik, charmant-gewitzten Dialogen, durch die Bank weg liebenswerter Figuren, die mittels engagierter Schauspielleistungen zum Leben erweckt werden sowie grazilem Tänzeln zwischen romantischer Dramatik und schwärmendem Humor zu einem wunderbaren Genrevertreter.

Platz 31: Unsere Zeit ist jetzt (Regie: Martin Schreier)

Poprapper Cro macht so gar nicht meine Musik. Aber, welch Überraschung: Er macht Kino, das genau nach meinem Geschmack ist. Der Mann mit der Pandamaske produzierte mit Unsere Zeit ist jetzt eine experimentierfreudige Mischung aus Konzertfilm, überdramatisierendem und mehr Fragen aufwerfendem als beantwortendem Origin-Story-Zeichentrickfilm, zuckersüß-graziöser Romantikkomödie und feucht-fröhlicher Meta-Gaga-Komödie in feinster Muppet-Manier. Peri Baumeister gibt in diesem unverdient gefloppten Film die goldigste Darbietung des Kinojahres, Til Schweiger hat göttlichen Spaß daran, sich selber auf den Arm zu nehmen und Regisseur Martin Schreier zaubert wiederholt richtig schöne, stimmige Bilder. Richtig gut und für eine deutsche Mainstreamproduktion erfreulich daneben.

Platz 30: Die Wildente (Regie: Simon Stone)

Simon Stones Neuinterpretation des Theaterstücks Die Wildente gehört für mich zu der Art Film, die mit der Zeit reifen: Zunächst fand ich die nach Australien verlagerte Geschichte einer Familie, die durch die Heimkehr eines frustrierten, mit Geheimnissen bewaffneten Freundes von der Zerschlagung bedroht wird, "nur" recht gut. Ein gut gespieltes, etwas behäbiges Drama. Doch Stone schafft es, diese Geschichte nachhallen zu lassen und dank der komplexen Figurenzeichnung Lust auf Neusichtungen zu wecken. Odessa Young begeistert als komplizierte, eigensinnige Jugendliche, Geoffrey Rush als betrübter Industriemagnat, der kurz vor einer erneuten Eheschließung steht und Paul Schneider als gefrusteter Mann, der ein Familienidyll zu zerstören droht, einfach nur, weil er sich nicht länger mit seinem Leid allein fühlen will. Mit lebensnahen, fein beobachteten Dialogen und raffiniert eingesetzter Symbolik ist Die Wildente ein schlichter, kleiner Film, von dem ein bemerkenswerter Zauber ausgeht. Außerdem: Jeder Film, in dem die Satzfolge fällt: "Die Ente ist jetzt unsere Herrscherin. Sie steht über uns allen!", ist automatisch einer der Guten.

Platz 29: Mit besten Absichten (Regie: Lorene Scafaria)

Aus der unregelmäßig aufploppenden Kategorie "Filme, die früher Touchstone Pictures veröffentlicht hätte" brachte uns das Jahr 2016 die unaufgeregte Feel-Good-Dramödie Mit besten Absichten der Auf der Suche nach einem Freund für das Ende der Welt-Regisseurin Lorene Scafaria. Die wundervolle Rose Byrne und die nicht minder gut aufspielende Susan Sarandon sind hier als Mutter-Tochter-Gespann zu sehen, das sich zwar mag, bei dem es jedoch derzeit hapert: Seit dem Tod ihres Mannes hängt Marnie an ihrer Tochter Lori wie eine Klette. Lori ist davon genervt, Marnie ist davon verletzt, dass Lori genervt ist. Scafaria folgt beiden Figuren durch ihren Alltag, zeigt schleichende Veränderungen und Momente unaufdringlicher Situationskomik. 100 Minuten geballter Charme und ausdifferenzierte Figuren, die sich durch einen süß-herben Tonfall manövrieren. Ein Film, den ich einfach lieb haben muss.

Platz 28: The Lobster (Regie: Giorgos Lanthimos)

Dogtooth-Regisseur Giorgos Lanthimos erschafft mit seinem ersten englischsprachigen Film eine Satire, wie es sie schon lange nicht mehr zu sehen gab: Bitterböse, auf eine kurios-genüssliche Weise staubtrocken, in ihrer Ausführung todernst. Lanthimos arbeitet nicht mit grellem Humor, um sich über das Ziel seiner Satire lustig zu machen, sondern baut ein betrübliches Paralleluniversum auf, in dem das Singledasein verboten ist und die Gesellschaft schockierende Wege geht, um Paare zu formen. Dennoch ist The Lobster keine alltägliche Dystopie, sondern eine, die (vor allem im ersten Akt) durch ihre betont spröde Art einen galligen, rabenschwarzen Sinn für Humor entwickelt. Dieser dient jedoch keinem Selbstzweck, sondern um das Fundament für die in The Lobster erschaffene Welt zu legen. Profund, schräg, dramatisch und ungewöhnlich gespielt: The Lobster ist die Abrechnung mit unserer Gesellschaft, die sie nicht hat kommen sehen, die sie aber dringend braucht.

Platz 27: Hardcore (Regie: Ilya Naishuller)

Crank trifft Egoshooter: Regisseur Ilya Naishuller versetzt sein Publikum in die Ich-Perspektive eines durchtrainierten, taffen Typen, der durch modernste Technologie zum kybernetisch gestärkten Kämpfer aufgewertet wird. Kurz, bevor er endlich seine Stimme zurückbekommen soll, wird seine Freundin, die an dieser Cyborg-Forschung mitwirkt, von einem über telekinetische Fähigkeiten verfügenden Schurken entführt. Nun rennt, springt, schießt und prügelt sich unser Protagonist durch Moskau, um seine Geliebte zu retten. Brutal, einfallsreich, pervers-lustig und (vom etwas zähen Anfang und einem etwas laschen Bordellbesuch abgesehen) wahnsinnig turbulent: Ein schwitziger, dreckiger Adrenalinritt, wie ihn das Actionkino nur selten zu sehen bekommt.

Platz 26: Mustang (Regie: Deniz Gamze Ergüven)

Die türkisch-deutsch-französische Gemeinschaftsproduktion skizziert die gesellschaftlichen Verhältnisse in ländlichen Regionen der Türkei nach - und lässt diese für sich selbst sprechen, statt noch unnötig alles drei Mal zu unterstreichen und mit wohligeren Strukturen zu vergleichen: Eine Gruppe von fünf Schwestern gönnt sich an einem Sommertag einen Moment des Herumblödelns am Strand. Daraufhin wird im Dorf über sie getuschelt - und aus dem Vorwurf, sie seien unzüchtige Luder wird eine Teufelsspirale aus drakonischen Strafen und vehementer Rebellion ausgelöst. Ein Film, der gewollt an den Nerven zerrt, mit einprägsamen Performances und Sequenzen, die lange nachhallen.

Fortsetzung folgt ...

Samstag, 21. Mai 2016

Meine Lieblingsfilme 2015 (Teil IV)

Was lange währt, wird endlich ... gut? Nun, das müsst ihr entscheiden, ob sich das lange Warten seit dem dritten Teil dieser Hitliste gelohnt hat. Es waren sehr arbeitsreiche und turbulente Wochen. Und etwas, für das ich so viel Passion übrig habe wie für die Präsentation geliebter Filme, wollte ich einfach nicht zwischen Tür und Angel, Überarbeitung und rarer Entspannung reinquetschen. Also lieber sagen: "Wenn ich eh schon spät dran bin, dann bringe ich es wenigstens so zu Ende, wie ich es angebracht finde." Ob die Auswahl an Filmen angebracht ist, könnt ihr diskutieren, müsst ihr aber nicht. Denn ich spreche hier aus vollem Herzen, und somit sind meine Top 15 völlig angebracht: Wer kann besser entscheiden, welche 15 Filme ich am meisten mag, und welche somit in dieses Ranking gehören, als ich selber?

Natürlich bin ich trotzdem gespannt, inwiefern ihr meine Hitliste nachvollziehen könnt, wo sie sich mit euren Countdowns deckt und was euch besonders überrascht. Bevor das Warten aber endlich ein Ende hat, zögere ich die Vorstellung meiner Top 15 jedoch noch ein letztes Mal hinaus. Mit weiteren Ehrennennungen: Ridley Scotts Der Marsianer - Rettet Mark Watney hat mich im Kino sehr gut unterhalten (und so ein Grinsen ins Gesicht gezaubert, dass mich die "Die Globes spinnen, den Film als Komödie zu sehen!"-Debatte mal am verlängerten Rücken küssen kann). Das 3D ist gut, die Songauswahl pointiert, Matt Damon spielt engagiert und Ridley Scotts Inszenierung ist rund. Aber so gewitzt das aus der spannenden Survival/Rettungsmission-Story entwachsende Dialogbuch sein mag: Schon beim ersten Rewatch hat mich der Film deutlich weniger gepackt und ja, die dramatischeren Passagen treffen mich so stark nicht, weshalb Der Marsianer knapp den Einzug ins Ranking versäumt hat. Mistress America von Noah Baumbach ist ein peppiges Vehikel für Greta Gerwig und Lola Kirke, das auf quirlige Weise Zeitgeist-Porträt mit Streitgespräch-Farce vermengt, nur blieb es nicht so intensiv in meiner Erinnerung haften wie die Filme aus dieser vierteiligen Jahresbestenliste. Mr. Holmes ist eine kluge, durchaus spannende Auseinandersetzung mit dem Älterwerden und der Beziehung zwischen Erinnerung und Fiktion, und Die Highligen drei Könige ... macht trotz mancher Längen und manchmal fragwürdiger Schrulligkeiten einfach verdammt viel Spaß.

Doch die Top 15, die gefallen mir nochmal um ein Vielfaches besser. Hier sind sie ...

Platz 15: Ich und Earl und das Mädchen (Regie: Alfonso Gomez-Rejon)

Herzerwärmend, selbstironisch, Genrekonventionen aushebelnd und voller liebevoller Filmreferenzen. Und bei aller Überzeichnung sind die hier agierenden Figuren dennoch fähig, authentische, charmante Dialoge von sich zu geben: Die Romanadaption Ich und Earl und das Mädchen ist ein liebevoller, tragikomischer Indie-Genuss, der dezent nerdige Wohlfühlstunden bietet und in eine etwas verschrobenere, dennoch dramatische Version unserer schnöden Wirklichkeit entführt.

Platz 14: Steve Jobs (Regie: Danny Boyle)

Ein Mann. Drei Abschnitte in seinem Schaffen. Drei Kameras, drei Musikrichtungen, drei Bild- und Klangästhetiken. Der mitunter sehr hibbelige Regisseur Danny Boyle nimmt Aaron Sorkins Schnellfeuerdialoge und formt aus ihnen einen stilistisch überbordenden Film, der seinen Style mit Substanz unterfüttert. Michael Fassbender gibt eine intensive Performance als Jobs, der Innovator, Jobs, der Nachtragende und Jobs, der Träumer, sowie als Jobs, der Problemvater ab. Seth Rogen, Michael Stuhlbarg, Kate Winslet, ach, einfach der gesamte restliche Cast überzeugt ebenfalls rundum. Und dass Daniel Pemberton für seinen Score keine Oscar-Nominierung erhielt, ist richtig, richtig bedauerlich.

Platz 13: Whiplash (Regie: Damien Chazelle)


Jazz ist Krieg. Und Musik ist mehr Leiden als Leidenschaft: Damien Chazelle nimmt in Whiplash den filmischen Mythos des exzentrischen, doch wohlmeinenden Mentors und wirft ihn für eine ungewöhnlich nervenaufreibende Geschichte über Bord, in der J. K. Simmons auf meisterlichem Niveau herumbrüllen und Schüler verbal missbrauchen darf, während Miles Teller als talentierter Drummer völlig von seiner harten Ausbildung verschluckt wird. Mit gemeinem Witz, dramatisch-menschlichen Momenten, fetziger Musik und einem furios geschnittenen Finale ist Whiplash eine musikalische Tour de Force, die ihresgleichen sucht.

Platz 12: Mad Max: Fury Road (Regie: George Miller)

Wild. Wahnwitzig. Rasant. Rau. Verrückt. Stets vorwärtstreibend: George Millers vierter Mad Max-Film ist pures Actionkino, mit waghalsigen Stunts, explosiven Ideen, einer bombastischen Musikuntermalung, extrastylischen Bildern und einem dünnen Plot, der die dynamischen Bewegungen nur äußerst selten ausbremst. Das, was an offensichtlicher Handlung fehlt, kompensiert der durchgeknallte Australier mit Bände sprechender Ästhetik. Ob in den Kostümen, den Frisuren, den Requisiten oder den Schauplätzen. Hinzu kommen eine coole, taffe Charlize Theron und eine verdammt noch mal geile, Feuer speiende E-Gitarre! Ein einmaliger, regelrechter, doch eigenwillig denkender, fiebriger Action-Trip!

Platz 11: Heil (Regie: Dietrich Brüggemann)

Der fiebrige, verrückte, laute, schrille Cousin der kommerziell ungleich erfolgreicheren Buchverfilmung Er ist wieder da: Der in seinen vorhergegangenen Filmen so gesittet und geerdet vorgehende Regisseur Dietrich Brüggemann leiht sich einige Seiten aus Christoph Schlingensiefs Lehrbuch und zelebriert seine "Verflucht nochmal, wir dürfen die Rechte in Deutschland nicht aus den Augen lassen, und, gute Güte, wir müssen uns alle an die eigene Nase fassen, wenn wir eine offenere Gesellschaft wollen"-Botschaft als abgedrehte, gewollt überfrachtete (Pseudo-Trash-)Komödie. Dick überzeichnete Karikaturen rennen, stolpern und irren hier quer durch die Bundesrepublik, wahlweise, um die Bundesrepublik wieder in das (und nun alle schön das "R"-Rollen und zudem aus vollem Halse krächzen) rrrächtä Licht tzu rrrückän, oder um genau dies zu verhindern. Doch irgendwo hinter dieser hysterisch-manisch-zotig-ulkig-grotesken Oberfläche wartet eine treffgenaue Beobachtung, welche Konstruktion aus kleinen Zahnrädern den politischen Rechtsruck überhaupt ermöglicht. Vom nur nach schockierender Authentizität und rätselhaften Botschaften schielenden Kunstbetrieb hin zu den als Promoshows dienenden Talksendungen und der mitunter sehr hibbeligen Antifa und Polizisten, die eine sehr eigenwillige Prioritätenfolge haben. Wunderbar bescheuert, grell, einfallsreich, mutig und bei all den launigen Sketchen, die hier in die Handlung gewoben werden, trotzdem nicht auf den Kopf gefallen. Geiles Ding.

Platz 10: Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) (Regie: Alejandro González Iñárritu)

Willkommen im Verstand eines Schauspielers. Eines ehemaligen Superhelden-Megablockbuster-Darstellers, der nun auf den Brettern der Theaterwelt seine künstlerische Integrität retten will. Oder beweisen. Oder vortäuschen. Oder sich von seiner wahren Integrität ablenken will? Michael Keaton weiß jedenfalls, sämtliche potentielle Dimensionen dieses tragikomisch-satirischen Showbiz-Psychogramms zur Schau zu stellen. Verstärkt durch die hypnotische, mit ultralangen Plansequenzen punktende Kameraarbeit von Emmanuel Lubezki und einer lässigen, teils aggressiven Drum-Untermalung durch Antonio Sánchez raubt uns Alejandro González Iñárritu jegliches Gefühl dafür, was Analogie, was filmische Realität und was Vorstellung der handelnden Figuren ist - und erzeugt so eine einzigartige Erzählung über Hybris. Hybris unter Schauspielern. Unter Regisseuren. Unter Kritikern. Obendrein gibt es noch Emma Stone als leicht psychotische Star-Tochter und Edward Norton als ... ungeheuerlich komische Edward-Norton-Kopie. Aber was versuche ich überhaupt, diesen mehrfachen Oscar-Gewinner zu erläutern? Ein Film ist ein Film, und nicht, was ich über ihn schreibe!

Platz 9: A Most Violent Year (Regie: J. C. Chandor)

Wobei passionierte Hinweise auf nicht genügend geachtete Filme dennoch willkommen sind, also erkläre ich halt, welches Meisterwerk ein Großteil der Kinowelt versäumt hat, als er A Most Violent Year mit der kalten Schulter begrüßt hat: J. C. Chandor erschuf ein neues, mit stiller Suspense gestärktes Drama, wie es einst von Sidney Lumet gedreht worden wäre. Oscar Isaac trumpft als Geschäftsmann im Ölbusiness auf, der sich viel darauf einbildet, vollkommen fair und ohne jegliche Gaunereien den Weg nach ganz oben beschritten zu haben. Okay, abgesehen vom Frisieren seiner Steuer und manch überaus ausgefuchster, wenngleich legaler Geschäftstaktikten. Angesichts seiner teils sehr kriminellen Mitbewerber dennoch eine erstaunliche Leistung, die nun aber auf dem Spiel steht: Ausgerechnet er ist nun im Visier des neuen, ambitionierten Staatsanwalts in New York, und genau jetzt, wo er expandieren will, schrecken seine finanziellen Unterstützer zurück, während kurioserweise nur seine Öltanker überfallen werden. Chandor bleibt bei dieser moralisch komplexen Geschichte (hat Isaacs wortkarger, viel mit seinen Augen ausdrückender Protagonist diese Pechsträhne verdient, wird er seine moralischen Bedenken aufgeben, und wenn ja, wäre das gerecht?) auf dem Boden, verzichtet darauf, einen Scorsese-Gangsterstück zu inszenieren. Die spannendste Sequenz ist eine raffiniert gefilmte Verfolgungsjagd zu Fuß sowie ein Streitgespräch mit Jessica Chastain, die Isaacs Leinwandfrau mimt, die aus einer Gangsterfamilie stammt. Kühl, klug, klasse gefilmt.

Platz 8: Magic Mike XXL (Regie: Gregory Jacobs)

Nach dem (zumindest in meinen Augen) doppelzüngigen, sexnegativen ersten Teil ("Stripper ist ein Drecksjob, alle drogenabhängig und verlogen, fang damit gar nicht erst an ... Oh, guck mal, haben wir hier nicht 'ne geile Tanzsequenz?!") habe ich praktisch gar nichts von der Fortsetzung erwartet. Und prompt wurde sie die wohl größte Überraschung des Jahres 2015: Statt des außerhalb der Tanzszenen steifen Channing Tatum gibt es hier Charmebolzen-Tatum zu sehen, der den Titelhelden als zwar nicht gerade hochintelligenten, wohl aber aufgeweckten, einfühlsamen Beau mit dezent geknicktem Ego anlegt. Wo im Erstling die Chemie zu seinem Co-Star Alex Pettyfer verpestet war, regiert hier ein launiges Zusammenspiel engagierter, gut aufgelegter Typen - insbesondere Joe Manganiello besticht neben Tatum mit einer verschmitzten Performance. Und die ach-so-betont-dramatische Handlung, der durch die geifernde Inszenierung der Standard-Stripsequenzen ein Beinchen gestellt wurde, wird gegen einen amüsanten Road-Trip eingetauscht. Bloß, dass es dieser ganz heimlich faustdick hinter den Ohren hat und in den Dialogen und Stripszenen darüber referiert, wie auch im Erotikbusiness Selbstverwirklichung möglich ist. Sowie eine größere, weniger abgedroschene Zufriedenstellung der Kund(inn)en. Gewürzt mit einer saukomischen, ironischen Musikauswahl (Oh ho ... Like an oreo ...), einer umwerfend peppigen Jada Pinkett Smith, einer erstaunlich normalen, charmanten Amber Heard und richtig, richtig originellen Tanzeinlagen ergibt dies ein wirklich scharfes Paket von einem Film. Hut ab!

Platz 7: A World Beyond (Regie: Brad Bird)

Es gibt Filme, die werden Kritiker-Flops, und ich kann mir erklären, weshalb sie verrissen werden, selbst wenn sie in meinen Augen große Qualitäten aufzuweisen haben. Heil ist solch ein Fall. Bei A World Beyond derweil kann ich mir noch so viele negative Kritiken durchlesen, ich kann schlicht nicht verstehen, was da meine Kolleginnen und Kollegen, die diesen Film brutal abstrafen, bitte gesehen haben wollen. Ich kann es nachvollziehen, wenn man dieses nostalgische Abenteuer, das mit seiner schwelgerischen Weltsicht und seinen gewitzten Kinderfiguren in den 80ern noch von Steven Spielberg gedreht worden wäre, nicht liebt. Aber es als reaktionär, spießig oder lahm zu bezeichnen? Naja, jedem das Seine. Ich finde Brad Birds farbenfrohe Science-Fiction-Geschichte mit ihrem schmissigen Dialogwitz, ihren sympathischen Hauptfiguren und seinem 50er-Jahre-Futurismus-Look sowie seiner eingängigen, bezaubernden Musik aus der Feder Michael Giacchinos richtig toll. Ja, kleinere Längen haben sich eingeschlichen, aber wenn Raffey Cassidy als Athena verbal und non-verbal austeilt, Britt Robertson als Casey Newton immer wieder munter nach vorne guckt und George Clooney wieder einmal den liebenswerten Grummel-Clooney auspackt, dann habe ich großen, großen Spaß. Und, ja, die Disney-Referenzen helfen mir, das Ganze noch mehr zu genießen. Meckert ihr nur!

Platz 6: Ex_Machina (Regie: Alex Garland)

Sunshine-Drehbuchautor Alex Garland legt mit seinem Regiedebüt ein ungeheuerlich starkes Brett hin: Ex_Machina ist einer dieser Filme, die sich auf zahlreiche Weisen beschreiben lassen, und sie alle werden ihm gerecht. Es ist ein Low-Sci-Fi-Kammerspielthriller über den Angestellten eines exzentrischen IT- und Robotik-Genies, das eine Künstliche Intelligenz entwickelt hat und diese überprüfen lassen will. Durch das beklemmende Setting, das unberechenbare Handeln des von Oscar Isaac gespielten Erfinders Nathan und die kühle, mal einschüchternde, mal eingeschüchterte Art der von Alicia Vikander beeindruckend gespielten Ava schürt Garland eine dichte Atmosphäre und erschafft eine dichte Spannung, so dass es schwer fällt, nicht um Domhnall Gleesons Caleb zu bangen. Doch Ex_Machina ist mehr als nur ein Spannungsfilm. Es ist auch eine Auseinandersetzung damit, inwiefern unsere alltägliche Ethik auf Künstliche Intelligenzen zutrifft, womit, je nach Sichtweise, auch die mit erstaunlichen Spezialeffekten zum Leben erweckte Ava zur Triebfeder der mitleidenden Anspannung wird. Und neben all dem ist Ex_Machina vor allem eine tiefgreifende Analogie über Genderdenken sowie die Stolperfallen unserer patriarchalen Gesellschaft. Oder habt ihr geglaubt, dass es ein Zufall ist, dass hier ein chauvinitisches, sich aufspielendes Männlein sowie ein überbetont freundlich-einfühlsamer Bube glauben, diejenigen zu sein, die ein mit gemeinhin als feminin aufgefassten Merkmalen ausgestattetes Wesen definieren können, dürfen und müssen?

Platz 5: Into the Woods (Regie: Rob Marshall)

Ein ungewöhnlicher, schwieriger, komplexer Film. Nicht, dass die Handlung besonders kompliziert sei: Ein Bäcker und seine Frau wollen endlich ein Kind haben, weshalb sie versuchen, den Fluch einer Hexe aufzuheben. Währenddessen kreuzen sie den Weg diverser bekannter Märchenfiguren ... und blicken hinter die tradierte Heile-Welt-Fassade. Doch als Gesamtwerk ist Into the Woods schwer einzuordnen. Ist er eine disneyhafte Entschärfung der Vorlage (der böse Humor wird klar minimiert) oder ist er eine für dieses Studio rare Dramatisierung (der böse Humor wird klar minimiert). Ist es Marshalls bühnenhafteste Musicaladaption (die Kamera ist ruhiger als vom Chicago-Regisseur gewohnt, der Schnitt nicht so musikvideohaft) oder ist es eine sehr filmische Übersetzung des Sondheim-Musicals (der sehr theateraffine Aufbau des Stücks wird stark gebrochen)? So oder so ist es ein Film, der genau meinen Nerv trifft. Komplexe, facettenreiche Songs. Ein großartiger Cast, unter anderem bestehend aus einer liebenswürdigen Emily Blunt, einer humorvollen Anna Kendrick, einer wunderbar rotzig-goldigen Lilla Crawford, einem herrlich schmierigen Chris Pine, der unfassbaren Meryl Streep und einem kuriosen Johnny Depp als Pädo-Wolf. Scharfzüngige Dialoge, ein märchenhaft-grimmer Look und eine Story, die mit emotionalen Höhen und Tiefen aufwartet. Ein sperriger Film, bei dem ich genau verstehe, weshalb manche Filmfreunde nicht warm mit ihm werden. Ein ungewöhnlicher Film, von dem ich denke, dass man ihn wenigstens respektieren sollte. Und ein Gesamtpaket, das wie auf mich zugeschnitten ist!

Platz 4: Avengers: Age of Ultron (Regie: Joss Whedon)

Wilder als Marvel`s The Avengers. Durchgeknallter. Vollgestopfter. Dramatischer. Ungewöhnlicher. Und dennoch auch lustiger. Age of Ultron übertrumpft den ersten Teil in ziemlich allen Belangen, abgesehen von der Zugänglichkeit. Age of Ultron kommt schneller in Gang, hat aufregendere Schauplätze und da die Avengers bereits eine eingespielte Gemeinschaft sind, mit kleinen Kabbeleien und mit durch gemeinsame Erfahrungen gestützten Sympathien, gibt es auch allen "Was haben wir nur getan?!"-Bedrohungen zum Trotz mehr genüsslich-amüsanten Dialogspaß. Es ist ein wenig albern, das Gefühl zu haben, einen Milliarden-Dollar-Hit verteidigen zu müssen, aber: Der Backlash bezüglich der Black-Widow-Szenen lässt mich ratlos zurück. Nein, es ist nicht sexistisch, wenn "Die Frau nun natürlich verknallt ist". Sexistisch ist Ungleichbehandlung, und nachdem alle anderen Avengers ein romantisches Leben erhalten haben, wieso darf nicht auch Natasha darüber nachdenken, ob sie vielleicht mehr für einen Freund empfindet? Und wieso darf ein Superheldenblockbuster nicht genutzt werden, um zu sagen, dass Frauen selber die Entscheidungsgewalt über ihren Körper haben sollten? Naja, was soll's. Ultron rockt, einer der lustigsten Schurken im Marvel-Universum und endlich einer mit Persönlichkeit. Außerdem: Die Party-Szene. Die allein ist schon spitze!

Platz 3: Baymax – Riesiges Robowabohu (Regie: Don Hall & Chris Williams)

2013 hat Die Eiskönigin - Völlig unverfroren nur knapp meine Flopliste verpasst. Lass jetzt los ist einfach ein zu guter Song, um zuzulassen, dass "sein" Film in der Flopliste landet. Selbst wenn alles um Elsas Powersong herum diese Abstrafe verdient gehabt hätte. Baymax - Riesiges Robowabohu hat 2015 zum die Disney-Ehre in meiner Welt verteidigt! Don Hall und Chris Williams entführen uns in diesem animierten Superheldenfilm über Freundschaft und Trauerbewältigung in eine wunderschöne, aufregende, farbenfrohe Großstadtwelt - und formen mit dem Gesundheitspflegeroboter Baymax eine neue Disney-Figur, die direkt so tief in mein Herz watschelte, dass sie nunmehr zu meinen liebsten Disney-Schöpfungen zählt. Aber ich liebe nicht nur den gutherzigen, umsorgenden Baymax und die großartige Stadt San Fransokyo, sondern auch die kreativen Actionszenen, die pointierten Dialoge, den knuffigen Slapstick sowie, vor allem, diese so glaubwürdige, herzliche Art, mit der Hall & Williams das Thema Tod (und vor allem die Wochen und Monate nach dem Ableben eines geliebten Menschen) anpacken. Einfach ein richtig, richtig schöner Film!

Platz 2: Star Wars – Das Erwachen der Macht (J. J. Abrams)

Rey! Poe! Finn! BB-8! Kylo Ren! Der neue Star Wars-Film nimmt ein uns bereits bekanntes Universum und bevölkert es mit neuen, aufregenden Figuren, deren Interaktion einen großen Sehgenuss darstellt und den Actionsequenzen eine emotionale Tragweite gibt. Bildhübsche Kameraarbeit, ikonische Soundgestaltung, einfallsreiche Szenenübergänge und obendrein Harrison Fords engagierteste Leinwandleistung seit, was, zehn, fünfzehn Jahren? John Williams' Score könnte die neuen Themen etwas prominenter einsetzen, und R2-D2 hat hier was von einem Deus-Ex-Machina-Droiden, dafür hat J.J. Abrams' Franchiseneustart einen gewaltigen Gänsehautschluss sowie Schauspielleistungen, die weit über dem Genrestandard schweben. Nun bleibt nur die Frage: Wie geht es weiter?

Platz 1: Alles steht Kopf (Regie: Pete Docter)

Ich habe gelacht. Ich habe geweint. Ich habe darüber geschmunzelt, wie oft ich gerührt war. Ich habe Freudentränen vergossen. Ich habe über den visuellen Ideenreichtum gestaunt. Ich habe innerlich gejubelt, wie wunderschön, eingängig und emotional komplex Michael Giacchinos Musik ist. Ich habe mir gewünscht, den perfekt gestalteten, so aussagekräftigen Emotionen in Rileys Kopf noch stundenlang zuschauen zu können. Ich wollte ihn mir sofort noch einmal anschauen. Und noch einmal. Und noch einmal. Pixar, mal besonders introspektiv. Und urkomisch. Und aufwühlend. Und dabei noch auf gestalterischer Ebene so schlüssig und stimmig. Ein Meilenstein der Trickkunst!

Das war es nun also! Auf dass die kommenden Monate für mich entspannter werden und uns allen noch jede Menge Spitzenfilme bescheren. Und auf dass meine Topliste 2016 noch vor den Oscars 2017 fertig wird!

Donnerstag, 14. Januar 2016

Oscars 2016: Die Nominierungen für die 88. Academy Awards


Der heutige Tag ist einer, der Filmfans ein Wechselbad der Gefühle bescherte: So wurde am Nachmittag bekannt, dass Alan Rickman traurigerweise von uns gegangen ist. Neben dieser erschütternden Meldung, dass wir einen belesenen, talentierten, vielseitigen Mimen verloren haben, wurden aber auch die Oscar-Nominierungen verlesen. Für Filmliebhaber wie mich Jahr für Jahr ein kleiner, spannender Höhepunkt. Und selbst wenn es wieder einmal einige Kategorien gibt, wo ich persönlich anders entschieden hätte, so ist die diesjährige Auswahl insgesamt sehr ansehnlich und zudem mit einigen netten Überraschungen gespickt.

Bester Film
- The Big Short
- Bridge of Spies: Der Unterhändler
- Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten
- Mad Max: Fury Road
- Der Marsianer - Rettet Mark Watney
- The Revenant
- Raum
- Spotlight
Prognosenerfolg: 7/10
Schon wieder schließt die Academy ein starkes Jahr damit ab, dass nur acht der zehn möglichen Slots vergeben werden. Es ist an der Zeit, wieder auf das System mit den gesetzten zehn (inklusive zehn Nominierungen im internen Wahlprozess) zurück zu schwenken, selbst wenn es bei älteren Mitgliedern verhasst war. Außerdem: Alles steht Kopf wurde beraubt! Wenn nicht dieser Animationsfilm, welcher soll es dann als nächstes schaffen?!

Bester Hauptdarsteller
- Bryan Cranston für Trumbo
- Matt Damon für Der Marsianer - Rettet Mark Watney
- Leonardo DiCaprio für The Revenant
- Michael Fassbender für Steve Jobs
- Eddie Redmayne für The Danish Girl
Prognosenerfolg: 5/5

Bester Nebendarsteller
- Christian Bale für The Big Short
- Tom Hardy für The Revenant
- Mark Ruffalo für Spotlight
- Mark Rylance für Bridge of Spies: Der Unterhändler
- Sylvester Stallone für Creed - Rocky's Legacy
Prognosenerfolg: 4/5

Beste Hauptdarstellerin
- Cate Blanchett für Carol
- Brie Larson für Raum
- Jennifer Lawrence für Joy: Alles außer gewöhnlich
- Charlotte Rampling für 45 Years
- Saoirse Ronan für Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten
Prognosenerfolg: 4/5
Wow, obwohl Joy in den USA eher mäßig aufgenommen wurde, holt sich Lawrence eine verdiente Nominierung für ihre bislang beste Performance ab! Sie versaut mir so zwar die Prognose, aber ich freu mich für sie! 

Beste Nebendarstellerin
- Jennifer Jason Leigh für The Hateful Eight
- Rooney Mara für Carol
- Rachel McAdams für Spotlight
- Alicia Vikander für The Danish Girl
- Kate Winslet für Steve Jobs
Prognosenerfolg: 4/5
Ich habe sogar fünf von fünf Schauspielerinnen richtig vorhergesagt, nur dass ich Vikander in The Danish Girl als Hauptdarstellerin eingeordnet habe und sie hier für Ex Machina im Rennen sah. Die Academy und das Kategorienchaos mal wieder ...

Bester Animationsfilm
- Anomalisa
- Der Junge und die Welt
- Alles steht Kopf
- Shaun das Schaf - Der Film
- Erinnerungen an Marnie
Prognosenerfolg: 4/5

Beste Kamera
- Ed Lachman für Carol
- Robert Richardson für The Hateful Eight
- John Seale für Mad Max: Fury Road
- Emmanuel Lubezki für The Revenant
- Roger Deakins für Sicario
Prognosenerfolg: 5/5

Beste Kostüme
- Sandy Powell für Carol
- Sandy Powell für Cinderella
- Paco Delgado für The Danish Girl
- Jenny Beavan für Max Max: Fury Road
- Jacqueline West für The Revenant
Prognosenerfolg: 3/5

Beste Regie
- Adam McKay für The Big Short
- George Miller für Mad Max: Fury Road
- Alejandro G. Inarritu für The Revenant
- Lenny Abrahamson für Raum
- Tom McCarthy für Spotlight

Prognosenerfolg: 4/5

Bester Dokumentarfilm
- Amy
- Cartel Land
- The Look of Silence
- What Happened, Miss Simone?
- Winter on Fire: Ukraine's Fight for Freedom

Prognosenerfolg: 4/5

Bester Kurz-Dokumentarfilm
- Body Team 12
- War Withhin the Lines
- Claude Lanzmann: Spectres of the Shoah
- A Girl in the River: The Price of Forgiveness
- Last Day of Freedom

Prognosenerfolg: 3/5


Bester Schnitt
- Hank Corwin für The Big Short
- Margaret Sixel für Max Mad: Fury Road
- Stephen Mirrione für The Revenant
- Tom McArdle für Spotlight
- Maryann Brandon und Mary Jo Markey für Star Wars: Das Erwachen der Macht

Prognosenerfolg: 4/5
Obwohl Spotlight beim Cutter-Gewerkschaftspreis ausgelassen wurde, mischt er beim Oscar mit. Das spricht für großen Rückhalt bei den Academy-Mitgliedern und erhöht die statistischen Gewinnchancen enorm!

Bester fremdsprachiger Film
- Embrace of the Serpent (Kolumbien)
- Mustang (Frankreich)
- Son of Saul (Ungarn)
- Theeb (Jordanien)
- A War (Dänemark)

Prognosenerfolg: 3/5

Bestes Make-Up und Hairstyling
- Lesley Vanderwalt, Elka Wardega und Damian Martin für Mad Max: Fury Road
- Love Larson und Eva von Bahr für Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
- Sian Grigg, Duncan Jarman und Robert Pandini für The Revenant

Prognosenerfolg: 2/3
Sowohl Mr. Holmes als auch Black Mass hätten es mehr verdient als Der Hundertjährige ...

Beste Originalmusik
- Thomas Newman für Bridge of Spies: Der Unterhändler
- Carter Burwell für Carol
- Ennio Morricone für The Hateful Eight
- Johann Johannsson für Sicario
- John Williams für Star Wars: Das Erwachen der Macht

Prognosenerfolg: 3/5

Bester Original-Song
- Earned It für Fifty Shades of Grey
- Manta Ray für Racing Extinction
- Simple Song #3 für Ewige Jugend
- Til It Happens to You für The Hunting Ground
- Wirting's On the Wall für Spectre

Prognosenerfolg: 2/5

Beste Ausstattung
- Adam Stockhausen, Rena DeAngelo und Bernhard Henrich für Bridge of Spies: Der Unterhändler
- Eve Stewart, Michael Standish für The Danish Girl
- Colin Gibson und Lisa Thompson für Max Max: Fury Road
- Arthur Max, Celia Bobak für Der Marsianer - Rettet Mark Watney
- Jack Fisk und Hamish Purdy für The Revenant

Prognosenerfolg: 2/5

Bester Kurz-Animationsfilm
- Bear Story
- Prologue
- Sanjay's Super Team
- We Can't Live without Cosmos
- World of Tomorrow

Prognosenerfolg: 5/5

Bester Kurzfilm
- Ave Maria
- Day One
- Alles wird gut
- Shok
- Stutterer

Prognosenerfolg: 4/5

Bester Tonschnitt
- Mark Mangini und David White für Mad Mad: Fury Road
- Oliver Tarney für Der Marsianer - Rettet Mark Watney
- Martin Hernandez und Lon Bender für The Revenant
- Alan Robert Murray für Sicario
- Matthew Wood und David Acord für Star Wars: Das Erwachen der Macht

Prognosenerfolg: 4/5

Bester Ton
- Andy Nelson, Gary Rydstrom und Drew Kunin für Bridge of Spies: Der Unterhändler
- Chris Jenkins, Gregg Rudloff und Ben Osmo für Mad Max: Fury Road
- Paul Massey, Mark Taylor und Marc Ruth für Der Marsianer - Rettet Mark Watney
- Jon Taylor, Frank A. Montano, Randy Thom und Chris Duesterdiek für The Revenant
- Andy Nelson, Christopher Scarabosio und Stuart Wilson für Star Wars: Das Erwachen der Macht

Prognosenerfolg: 3/5

Beste Effekte
- Andrew Whitehurst, Paul Norris, Mark Ardington und Sara Bennett für Ex Machina
- Andrew Jackson, Tom Wood, Dan Oliver und Andy Williams für Max Max: Fury Road
- Richard Stammers, Anders Langlands, Chris Lawrence und Steve Warner für Der Marsianer - Rettet Mark Watney
- Rich McBride, Matthew Shumway, Jason Smith und Cameron Waldbauer für The Revenant
- Roger Guyett, Patrick Tubach, Neal Scanlan und Chris Corbould für Star Wars: Das Erwachen der Macht

Prognosenerfolg: 4/5

Bestes adaptiertes Drehbuch
- Charles Randolph und Adam McKay für The Big Short
- Nick Hornby für Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten
- Phyllis Nagy für Carol
- Drew Goddard für Der Marsianer - Rettet Mark Watney
- Emma Donoghue für Raum

Prognosenerfolg: 4/5
Wow, Aaron Sorkin würde für Steve Jobs übergangen! Auch wenn der Film in den USA unterging, hätte ich das nie erwartet!

Bestes Original-Drehbuch
- Matt Charman, Ethan Coen und Joel Coen für Bridge of Spies: Der Unterhändler
- Alex Garland für Ex Machina
- Peter Docter, Meg LeFaure, Josh Cooley, Ronnie del Carmen für Alles steht Kopf
- Josh Singer und Tom McCarthy für Spotlight
- Jonathan Herman, Andrea Berloff, S. Leigh Savidge und Alan Wenkus für Straight Outta Compton

Prognosenerfolg: 3/5
Keine Nominierung für Quentin Tarantino und während ich die Sicario-Liebe an anderer Stelleunterschätzt habe, habe ich sie hier überschätzt. Schade. Hätte es wenigstens einem der beiden Filme gegönnt, an Stelle von Bridge of Spies genannt zu werden!

Gesamt: 90/123
also ca. 73,2 Prozent der Nominierungen richtig getippt.

Oscars 2016: Meine komplette Prognose der Nominierungen


Kurz. Knackig. Knifflig: Das könnten sie sein. Die 88. Oscar-Nominierungen ...

Bester Kurzfilm
Ave Maria
Alles wird gut
Stutterer
Day One
Bis gleich

Bester animierter Kurzfilm
Sanjay's Super Team
We Can’t Live Without Cosmos
Bear Story
World of Tomorrow
Prologue

Bester Kurz-Dokumentationsfilm
Body Team 12
Claude Lanzmann: Spectres of the Shoah
Minerita
Starting Point
A Girl in the River: The Price of Forgiveness

Beste Dokumentation
Amy
Cartel Land
The Look of Silence
Winter on Fire: Ukraine's Fight for Freedom
Going Clear

Bester Tonschnitt
The Revenant
Der Marsianer
The Hateful Eight
Mad Max: Fury Road
Star Wars: Das Erwachen der Macht

Bester Ton
Mad Max: Fury Road
The Revenant
Star Wars: Das Erwachen der Macht
Sicario
Straight Outta Compton

Bester Song
Simple Song 3 aus Ewige Jugend
Love Me Like You Do aus Fifty Shades of Grey
See You Again aus Fast & Furious 7
Til It Happens aus The Hunting Ground
I'll See You In My Dreams aus I'll See You In My Dreams

Beste Musik
John Williams, Star Wars: Das Erwachen der Macht
Michael Giacchino, Alles steht Kopf
Ennio Morricone, The Hateful Eight
Alexandre Desplat, The Danish Girl
Thomas Newman, Bridge of Spies

Bestes Make-up & Hairstyling
Mad Max: Fury Road
Mr. Holmes
The Revenant

Bester fremdsprachiger Film
Belgien: Das brandneue Testament von Jaco Van Dormael
Frankreich: Mustang von Deniz Gamze Ergüven
Deutschland: Im Labyrinth des Schweigens von Giulio Ricciarelli
Ungarn: Saul fia von László Nemes
Jordanien: Theeb von Naji Abu Nowar

Bester Schnitt
Mad Max: Fury Road
Der Marsianer
The Revenant
Star Wars: Das Erwachen der Macht
The Big Short

Beste Kamera
Robert Richardson, The Hateful Eight
Edward Lachman, Carol
John Seale, Mad Max: Fury Road
Emmanuel Lubezski, The Revenant
Roger Deakins, Sicario

Beste Ausstattung
Bridge of Spies, Adam Stockhausen
Crimson Peak, Thomas E. Sanders
Cinderella, Dante Ferretti
Mad Max: Fury Road, Colin Gibson
Star Wars: Das Erwachen der Macht, Rick Carter, Darren Gilford

Beste Effekte
Avengers: Age of Ultron
Ex Machina
Der Marsianer
Mad Max: Fury Road
Star Wars: Das Erwachen der Macht

Beste Kostüme
Brooklyn – Odile Dicks-Mireaux
Carol – Sandy Powell
The Danish Girl – Paco Delgado
Cinderella – Sandy Powell
Star Wars: Das Erwachen der Macht – Michael Kaplan

Bester Animationsfilm
Alles steht Kopf
Anomalisa
Shaun das Schaf - Der Film
Die Peanuts - Der Film
Boy and the World

Bestes adaptiertes Drehbuch
Drew Goddard - Der Marsianer
Adam McKay & Charles Randolph - The Big Short
Aaron Sorkin - Steve Jobs
Emma Donoghue - Raum
Phyllis Nagy - Carol

Bestes Original-Drehbuch
Josh Cooley, Pete Docter, Meg LeFauve - Alles steht Kopf
Alex Garland - Ex Machina
Quentin Tarantino - The Hateful Eight
Tom McCarthy & Josh Singer - Spotlight
Taylor Sheridan - Sicario

Beste Nebendarstellerin
Jennifer Jason Leigh - The Hateful Eight
Rooney Mara - Carol
Rachel McAdams - Spotlight
Kate Winslet - Steve Jobs
Alicia Vikander - Ex Machina

Bester Nebendarsteller
Christian Bale - The Big Short
Idris Elba - Beasts Of No Nation
Mark Ruffalo - Spotlight
Mark Rylance - Bridge Of Spies
Sylvester Stallone - Creed

Beste Hauptdarstellerin
Cate Blanchett - Carol
Brie Larson - Raum
Charlotte Rampling - 45 Years
Saoirse Ronan - Brooklyn
Alicia Vikander - The Danish Girl

Bester Hauptdarsteller
Bryan Cranston - Trumbo
Matt Damon - Der Marsianer
Leonardo DiCaprio - The Revenant
Michael Fassbender - Steve Jobs
Eddie Redmayne - The Danish Girl

Beste Regie
Alejandro G. Iñárritu - The Revenant
Tom McCarthy - Spotlight
Adam McKay - The Big Short
George Miller - Mad Max Fury Road
Ridley Scott - Der Marsianer

Bester Film
Spotlight
The Big Short
Der Marsianer
Mad Max: Fury Road
The Revenant
Alles steht Kopf
Carol
Straight Outta Compton
Bridge of Spies
Raum

Ufff, ist das ein schweres Jahr ...

Dienstag, 12. Januar 2016

Oscars 2016: Meine Vorhersage in der Kategorie "Beste Kostüme"


Eine der Kategorien, bei denen die Maxime "Mehr ist besser" gilt. Zumindest aus Sicht er Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Daher lohnt es sich, auf die Nominierungen der Kostümbildner-Gewerkschaft zu blicken und sich zu fragen: Welche Arbeiten sind besonders prunkvoll?

Beste Kostüme in einem kontemporären Film
  • Beasts of No Nation – Jenny Eagan
  • Joy – Michael Wilkinson
  • Kingsman: The Secret Service – Arianne Phillips
  • Der Marsianer – Janty Yates
  • Ewige Jugend – Carlo Poggioli
Beste Kostüme in einem Historienfilm
  • Brooklyn – Odile Dicks-Mireaux
  • Carol – Sandy Powell
  • Crimson Peak – Kate Hawley
  • The Danish Girl – Paco Delgado
  • Trumbo – Daniel Orlandi
Beste Kostüme in einem fantastischen Film
  • Cinderella – Sandy Powell
  • Ex Machina – Sammy Sheldon Differ
  • Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil II – Kurt and Bart
  • Mad Max: Fury Road – Jenny Beavan
  • Star Wars: Das Erwachen der Macht – Michael Kaplan
Auffällige Auslassungen: Die zerlumpten Pelze und dicken Wollkleidungen in The Revenant, die stilsichere Arbeit in Bridge of Spies und die rundherum bildhübschen Kostüme in Am grünen Rand der Welt. Wenn die Academy völlig schräg drauf ist, könnte auch Pan eine Rolle spielen und in Sachen "Klassischer Kostümfilm" fehlt noch Suffragette.

Gehen wir zuerst auf die nahezu gesetzten Anwärter ein: Sandy Powell ist eine der Grande Dames dieser Kategorie und hat mit Cinderella sowie Carol zwei sehr starke, aussagekräftige Leistungen im Rennen. Auch Brooklyn wird intensiv für seine Kostüme gefeiert und The Danish Girl lebt ebenfalls von seinen Textilien. Wer also nimmt Slot Fünf ein? Star Wars für neue ikonische Outfits wie das von Rey und Kylo Rens Rüstung sowie für die Aktualisierung bereits bekannter Rüstungen? Mad Max für seinen Irrsinn? Crimson Peak für den Gothic-Chic?

Da Crimson Peak unverdient rasch in Vergessenheit geraten ist, und bei Mad Max das Weltendesign einprägsamer ist als die einzelnen Kostüme, sehe ich knapp Star Wars vorne, womit Episode VII in einer Sparte mitmischen würde, in der das Original einst gewonnen hat.

Meine Prognose lautet also:
  • Brooklyn – Odile Dicks-Mireaux
  • Carol – Sandy Powell
  • The Danish Girl – Paco Delgado
  • Cinderella – Sandy Powell
  • Star Wars: Das Erwachen der Macht – Michael Kaplan

Sonntag, 10. Januar 2016

Oscars 2016: Meine Prognose für die Kategorie "Beste Ausstattung"



Die Academy-Award-Kategorie für filmischen Augenschmaus: Welche Filme sehen preisverdächtig gut aus, mit schmucken Sets, toll zurecht gemachten Locations und denkwürdigen Requisiten? Die Art Directors Guild hat glücklicherweise sogar drei Filmsparten, in denen sie Nominierungen ausspricht (und konsequenterweise auch Gewinner ernennt). Daher haben wir bereits eine hübsche Vorauswahl für die Oscar-Prognose. Doe ADG-Nominierten lauten:

Historienfilm:
  • Bridge of Spies, Adam Stockhausen
  • Crimson Peak, Thomas E. Sanders
  • The Danish Girl, Eve Stewart
  • The Revenant, Jack Fisk
  • Trumbo, Mark Ricker
Fantastischer Film:
  • Cinderella, Dante Ferretti
  • Jurassic World, Edward Verreaux
  • Mad Max: Fury Road, Colin Gibson
  • Star Wars: Das Erwachen der Macht, Rick Carter, Darren Gilford
  • A World Beyond, Scott Chambliss
Zeitgenössischer Film:
  • Ex Machina, Mark Digby
  • Joy, Judy Becker
  • Der Marsianer - Rettet Mark Watney, Arthur Max
  • Sicario, Patrice Vermette
  • Spectre, Denni Gassner
Um ehrlich zu sein: Ginge es nach mir, so würde die Academy einfach die zweite dieser drei Kategorien nehmen, Jurassic World rauskegeln und wahlweise durch Ex Machina, Joy, Sicario, Crimson Peak, Bridge of Spies oder The Revenant ersetzen, und fertig sind die Nominierungen. Aber so einfach ist das leider nicht. Zumal mit Carol ein Favorit vieler Filmliebhaber ausgeblieben ist, der vorübergehend in aller Munde war, und auch Raum durchaus Beachtung erhalten hat.

Also gehen wir der Reihe nach: Crimson Peak erscheint mir als sehr wahrscheinlich, da Thomas E. Sanders bereits zwei Mal nominiert wurde und mehr und mehr zu einem Produktionsdesigner wird, über den gesprochen wird. Zudem neigt die Academy durchaus dazu, Gothic-Look mit vielen Details zu entlohnen, wie Into the Woods, Hugo Cabret und Alice im Wunderland bewiesen haben. Adam Stockhausen hat bereits einen Oscar gewonnen und hat somit so manchem Konkurrenten in Sachen "die Academy blickt auf ihn" etwas voraus, zudem ist Bridge of Spies sehr detailgetreu. Und Star Wars: Das Erwachen der Macht ist mit seinen ambitionierten Sets wie gemacht für diese Kategorie. Mad Max: Fury Road müsste aus diesem Grund auch mitmischen, allerdings hat Colin Gibson aus Academy-Sicht noch "Newbie-Status", weshalb ich bei dieser Prognose noch unsicher bin. Bleibt die Frage: The Danish Girl, Carol oder Cinderella? Ohne Kostümfilm kommt diese Sparte einfach nicht aus, und während die ersten Beiden zwischendurch "Bester Film"-Buzz genossen haben und daher genauer betrachtet wurden, ist Cinderella märchenhaft-pompös und zudem von Dante Ferretti, der ein wahrer Liebling dieser Sparte ist. Daher sage ich ...

Die voraussichtlichen Nominierten sind:
  • Bridge of Spies, Adam Stockhausen
  • Crimson Peak, Thomas E. Sanders
  • Cinderella, Dante Ferretti
  • Mad Max: Fury Road, Colin Gibson
  • Star Wars: Das Erwachen der Macht, Rick Carter, Darren Gilford

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Star Wars: Das Erwachen der Macht


In der Welt der Blockbuster-Franchises ist es die vielleicht unnötigste Frage, die über einen Film gestellt werden kann: „Worum geht’s?“ Nicht, weil kostspielige, effektreiche Kinoproduktionen automatisch inhalts- und sinnlos sein müssen. Dieses böse Vorurteil soll an dieser Stelle gar nicht erst Unterstützung erfahren! Immerhin werden Werke wie Christopher Nolans Inception bis ins kleinste Detail analysiert, und einige Bombast-Kassenschlager wie Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt bekommen von diversen Kritikern gar das Attribut „zu kompliziert“ verpasst. Auch die Filme der Star Wars-Saga sind wahrlich nicht gehaltlos: Sogar ein Philosophie-Fachmagazin stimmt diesen Winter in die intensive Berichterstattung über die siebte Episode der Weltraum-Erzählung mit ein. Und dieses Heft liest sich keinesfalls so, als müssten die Autoren nach Strohhalmen greifen, um es mit lesenswerten Beiträgen zu füllen!
 
Die Frage nach dem „Worum geht’s?“ ist also nicht etwa irrelevant, weil Filme wie Star Wars: Das Erwachen der Macht keine erwähnenswerte Handlung zu bieten haben. Sondern, weil sie für den Impuls, einen Kinobesuch zu wagen, eine untergeordnete Rolle darstellt. Die Vorverkaufszahlen belegen es: Allein in Deutschland wurden bis Anfang Dezember über 500.000 Eintrittskarten für die neue Regiearbeit von J. J. Abrams (Super 8) losgeschlagen. Und nicht nur in der Bundesrepublik erfreut sich Star Wars: Das Erwachen der Macht eines bemerkenswerten Vorabhypes: In den USA wurde mit einem Vorverkaufs-Erlös von mehr als 50 Millionen Dollar ein stattlicher neuer Rekord aufgestellt – und das, obwohl vor Kinostart kaum Details über die Handlung nach außen gedrungen sind.
 
Auf welchem Planeten wir als Kinogänger erstmals auf BB-8 treffen, den aus Disneys Marketing bestens bekannten, kugelrunden Droiden? Welche der Figuren aus der Original-Trilogie wann genau mit welchen der neuen Abenteurer Bekanntschaft machen? Wer warum auf der Seite der Gerechtigkeit kämpft, und wer den Helden mit welcher Motivation gegenübersteht? All da sei an dieser Stelle nicht verraten – im Kino wirken diese Erkenntnisse viel schöner als in einer schnöden Rezension. Zumal: Filmfreunde, die seit Jahren dem Kinostart von Star Wars: Das Erwachen der Macht mit aller Kraft entgegenfiebern, ließen sich eh kaum durch solche inhaltliche Details umstimmen. Vollkommen unerwartet kommt diese Einstellung keineswegs: Entscheidend ist eh nur die Frage nach der Qualität. Denn fast jede Geschichte kann dank gelungener Umsetzung fesseln oder aufgrund missratener Verwirklichung enttäuschen.
 
Gerade die Star Wars-Reihe ist ein Paradebeispiel dafür. Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung erzählt etwa davon, wie eine ganze Galaxis in einen Krieg gestürzt wird. Und trotzdem wird er von Fans ohne Unterlass gescholten, während der erste Krieg der Sterne auf dem Papier so wirr klang, dass nahezu alle Beteiligten an eine filmische Katastrophe geglaubt haben. Und letztlich wurde daraus ein unvergesslicher Klassiker …
 

Eine neue Hoffnung
Um die brennende Frage, ob Episode VII denn ein Produkt der hellen oder der dunklen Seite der Macht ist, nicht weiter hinaus zu zögern: Die Macht ist mit diesem rund 200 Millionen Dollar teuren, galaktischen Sci-Fi-Western-Abenteuer-Märchen! Und es nutzt sie zum Guten! Dass der Disney-Konzern Kultmarken, die er aufkauft, mit Respekt sowie Liebe behandelt, sollte zu diesem Zeitpunkt eigentlich keine schockierende Enthüllung mehr darstellen. Den Marvel-Helden ergeht es unter der Regentschaft der Maus schließlich auch hervorragend! Wer aber weiterhin auf Betätigung pochte, erhält sie nun endgültig: Star Wars-Jünger dürfen einer rosigen Zukunft entgegenblicken – die Jedi sind in sehr guten Händen. Das Drehbuch von J. J. Abrams und Das Imperium schlägt zurück-Mitverfasser Lawrence Kasdan, die auf einem Skriptentwurf von Oscar-Preisträger Michael Arndt (Little Miss Sunshine, Toy Story 3) aufbauen, achtet alles, was die Original-Trilogie so zeitlos macht. Dies beinhaltet eine Weltenbildung, wie sie schon Episode IV auszeichnet. Einige Jahrzehnte nach dem Ende von Die Rückkehr der Jedi-Ritter hat sich das einst von George Lucas erdachte, farbenfrohe Universum gewandelt. Statt aber mit hölzernen, monologisierenden Erklärungen sowie ungelenken Expositionsdialogen um sich zu schlagen, verlassen sich die Autoren auf den kurzen, knackigen „Opening Scrawl“. Dieses einleitende Textband umreißt die wichtigsten Eckdaten, ab dann übernehmen vornehmlich das Produktionsdesign und die Inszenierung das Storytelling.
 
Gewiss, dann und wann füllen kleine Dialogbrocken vereinzelte inhaltliche Lücken. Und da mit Rey (Newcomerin Daisy Ridley) und Finn (Attack the Block-Mime John Boyega) zwei Figuren große Teile der Geschichte auf ihren Schultern tragen, die kaum etwas vom sie umgebenen Universum zu Gesicht bekommen haben, erhalten die zentralen Protagonisten auch so manche inhaltlich gerechtfertigte Lektion in Sachen Geschichte. Diese Momente helfen dann auch Kinogängern auf die Sprünge, die im Star Wars-Mythos nicht sonderlich firm sind. Dennoch ist nicht zu verachten, wie sehr J. J. Abrams die Emotionen seiner Figuren und Informationen über die von ihm erkundete Film-Galaxie non-verbal zum Ausdruck bringt.
 
Wenn der findige Wildfang Rey unbeeindruckt durch Wüstenlandschaften wandert, in denen monumentale Kriegsmaschinen verrotten, sagt dies deutlich eleganter aus, wie viel Zeit in der Star Wars-Welt vergangen ist, als es jeder Dialogwechsel vermögen würde. Auch wird auf jene übertrieben deskriptiven Dialogzeilen verzichtet, mit denen George Lucas die Prequels partiell zur Lachnummer gemacht hat. Wenn sich Rey nach neuen Horizonten sehnt oder Finn einsieht, dass er seinen bisherigen Lebensweg nicht weiter verfolgen kann, dann sind es allein die Mimik der Darsteller und die von Abrams gewählte Farbästhetik, die Aussagen treffen – sowie John Williams‘ klassisch gehaltener Score.
 
Sehr originär sind obendrein viele der Effekte und Sets geraten: Das Erwachen der Macht schlägt durchaus Nutzen aus den Fortschritten in Sachen Digitaltrick, beispielsweise durch vereinzelte Alienrassen, die dank Computeranimation mit äußerst expressiver Mimik aufwarten. Oder dadurch, dass sich größere Raumschiffflotten perfekt in die Landschaften und Sternenpanoramen fügen, wohingegen in der Original-Trilogie gelegentlich die Modelle hervorstechen und sich in den Prequels die CG-Effekte öfters durch schwaches Shading als solche zu erkennen geben. Diese und andere aus dem Computer stammenden Tricks dienen hier aber allein als nahtlose Ergänzung der zahlreichen praktischen Bauten. Sei es ein in der Wüste stehender, verlebter Alien-Basar, der Anblick diverser herrlich grotesker Wesen oder eine Vielzahl an geräumigen, detailverliebten Sets: Der Alias-Schöpfer Abrams bedient mit diesen wunderschönen Produktionswerten die Nostalgie eingefleischter Fans und zieht hoffentlich eine neue Generation an Filmfreunden sowie –machern heran, die die Magie der praktischen Umsetzung zu schätzen weiß.
 
In Kombination mit Abrams' Inszenierungsstil, der weitaus weniger hektisch als in seiner vorherigen Regiearbeit Star Trek Into Darkness, und dennoch sehr dynamisch ausfällt, ist das Design von Das Erwachen der Macht das perfekte Gewand für eine Weltall-Mär, die tonal wieder am Erstling anknüpft: Aufregende Action, dramatische Charaktermomente, große, schwelgerische Abenteuerlust und viel Humor!
 

Das Imperium schlägt zurück
Der erste Star Wars-Film ist tonal zwar der siebten Episode am ähnlichsten, ein Hauch des häufig gefeierten zweiten respektive fünften Teils, Das Imperium schlägt zurück, weht jedoch ebenfalls durch die Story:  Obwohl der ausdrucksstarke, knuffige Droid BB-8 und diverse launige, losgelöste Momente zwischen neuen wie alten Figuren für viele herzliche Lacher sorgen, wirkt die Bedrohung durch die First Order naher und dringlicher als im verspielten Ursprungsfilm.
 
Dies rührt zu weiten Teilen daher, dass das neue Lucasfilm-Team die garstigen Mächte der Galaxie behutsam ausgearbeitet hat. Generierte sich die Faszination des Imperiums im Original weitestgehend aus Darth Vader, dem beeindruckenden Todesstern und der stylischen Sturmtruppen-Rüstung, folgte Das Imperium schlägt zurück mit zusätzlicher Prägnanz bei der Charaktermotivation. Das Erwachen der Macht kann dieses populäre Sequel hinsichtlich der Antagonisten zwar nicht überholen, vermischt aber sehr gut das mystische Element, das die Prequel-Schurken mitbringen, und die bürokratisch-faschistischen Tendenzen, die das Imperium im Krieg der Sterne aufzeigt. Alles eine Frage der Zeit-Mime Domhnall Gleeson als gestrenger, Disziplin fordernder General bekommt zwar nicht genügend markante Szenen, um sich in den Vordergrund zu spielen. Doch der Schauspieler lässt mehr darstellerische Passion durchklingen als seine doch etwas verstaubt agierenden Militär-Kollegen aus der ersten Trilogie. Gwendoline Christie alias Captain Phasma indes wird allein schon aufgrund ihres Kostüms zur Ikone aufsteigen und Adam Drivers Kylo Ren ist als ungestümer Lichtschwertschwinger dank dramaturgischem Unterbau und überzeugend dargebotener Impulsivität ein sehenswerter Darth-Vader-Ersatz.
 
Hilfreich ist außerdem, dass auf das Pathos verzichtet wird, mit dem George Lucas seine Prequel-Siths zeichnete, und dafür ein effizienter Kompromiss aus überhöht-launiger Abenteuerfilm-Bedrohlichkeit und charakterbasierter Motivation eingegangen wird – nicht ungleich Das Imperium schlägt zurück. Wie auch in diesem Genreklassiker sind die Actionsequenzen in Das Erwachen der Macht zwar turbulent und aufwändig, aber nicht chaotisch-vollgestopft, und wechseln je nach inhaltlichem Kontext zwischen einem Entdeckerlust weckenden, erfreulichen Tonfall und Weltraumoper-Suspense. Das unterstreichen auch die Schnitt- und Kameraarbeit erfolgreich: Abrams lässt, gerade in Flugsequenzen, gern die Kamera durch die Luft wirbeln, Zwei-Personen-Kämpfe wiederum sind zumeist ruhiger inszeniert, um sie stärker zu erden und als charakterbezogene Konfliktsituationen zu markieren.
 

Die Rückkehr der Jedi-Ritter
Der unter Fans viel debattierte letzte Teil der Ursprungs-Trilogie lässt das Star Wars-Universum durch bis dahin unbekannte Zivilisationen wachsen. Obwohl Kasdan, Abrams und Arndt darauf verzichten, in ihrem Film ebenfalls viel Leinwandzeit für eine neue, flauschige Art frei zu räumen, ist Das Erwachen der Macht von immenser Diversität. Neben einer illustren Runde an nicht-menschlichen Randfiguren trifft dies aber auch endlich auf die menschlichen Figuren zu. Und das Skript tut diese Rollen nicht als lästige Quotenerfüllung ab: John Boyega als seine wagemutige Seite suchender Finn und Oscar Isaac als charismatischer Spitzenpilot dürfen mehrere Facetten zeigen und den Plot entscheidend vorantreiben – auch wenn es ungewohnt ist,  A Most Violent Year-Frontmann Oscar Isaac in einer vornehmlich humorvollen Rolle zu sehen. Mit Daisy Ridleys vor Energie und Tatendrang überquellender, dennoch auch Momenten der Schwäche und Beorgnis zeigender Rey wird obendrein die Schlagzahl an gelungenen Star Wars-Frauenfiguren gekonnt erhöht. Mehr noch: Die britische Jungschauspielerin spurtet in ihren Szenen zuversichtlich aus dem langen Schatten der bisherigen Protagonisten dieser Saga!
 
Aber auch die Star Wars-Veteranen bekommen im Verlauf des mit pfiffigen Szenenübergängen punktenden Film ihre Augenblicke im Scheinwerferlicht. Während Carrie Fisher mit dunkler Raucherstimme ihren wenigen Dialogen Gewicht verleiht, ist Harrison Ford der Überflieger unter den Rückkehrern. Dass Ford verwegenen Haudegen Gravitas verleihen kann, ist längst kein Geheimnis mehr, aber die lebende Legende erstaunt in Das Erwachen der Macht mit einer Spielfreude, die er seit Jahrzehnten nicht mehr auf der Leinwand zu Tage hat kommen lassen.
 

Die dunkle Bedrohung
Wo die helle Seite der Macht wirkt, ist die dunkle Seite nicht fern. Allerdings sind die schauerlichen Elemente, welche die Hoffnungen der Star Wars-Liebhaber auf eine rosige Zukunft trüben, denkbar gering: So flüssig das Drehbuch strukturiert sein mag, knubbeln sich nach dem Eintreffen der Veteranen kurz einige leicht bemüht wirkende, nachgeschobene Erklärungen, was aufgrund des engagierten Spiels der Beteiligten aber nicht zu schwer wiegt. Und, um auf sehr hohem Niveau zu meckern: Die Reprisen und Neuarrangements bekannter Star Wars-Themen sind so grandios, dass die stimmungsvollen neuen musikalischen Motive nicht sofort ins Ohr gehen, sondern von den Klassikern überschattet werden. Episode I kann mit vielen Vorwürfen bedacht werden, diverse neue Stücke aus dem Ur-Prequel sind jedoch regelrechte Ohrwürmer. Ansonsten gibt es nur noch das willkommene, wenngleich mitunter sehr bewusst eingesetzte Element der Familiarität …


Angriff der Klonkrieger
Als siebter Eintrag in eine von einigen erzählerischen Traditionen und wiederkehrenden Elementen geprägten Filmreihe kann Star Wars: Das Erwachen der Macht den X-Wing selbstredend nicht von Grund auf neu erfinden. Bei einigen Aspekten haben sich die Verantwortlichen allerdings ziemlich eng an der Original-Trilogie bedient. Der dramaturgische Aufbau von Das Erwachen der Macht lehnt sich insbesondere an den Erstling von 1977 an – die Parallelen sind keineswegs so groß und aufdringlich, dass es störend wirken würde. Kommende Teile dürfen dessen ungeachtet an Eigenständigkeit zulegen – Das Erwachen der Macht hat als Beginn einer neuen Trilogie dahingehend noch etwas „Welpenschutz“, wenn erneut Droidenspaß die Eingewöhnungsphase erleichtert und sich die neue, schurkische Vereinigung First Order sehr an den Schachzügen des Imperiums bedient.
 
Überhaupt wiederholen sich einige Konstellationen – genügend abgewandelt, um nicht als „alte, blaue Milch in neuen Schläuchen“ durchzugehen. Doch ein neu auftauchendes,  altes, weises, Gnomwesen wird sich in Fangesprächen wohl ebenso als „neuer Yoda“ deklarieren lassen müssen, wie die Frage gestattet ist: Wie viel soll einer bestimmten, kleinen Figurentruppe aus einem so umfangreichen Universum denn noch widerfahren? Diese (weltall-)seifenopernartigen Zufälle sind erfreulicherweise durch die Mythologie des Franchises gerechtfertigt, und somit in Episode VII noch genehm. Da Disney in Zukunft aber noch Dutzende von Star Wars-Projekten plant, darf der Wunsch geäußert werden, dass über kurz oder lang auch ganz neue Personengruppen und Geschehnisse in den Fokus gerückt werden.  Dann verschwindet vielleicht auch die Versuchung, alte Fanlieblinge mit aller Macht in den Film zu hebeln – Das Erwachen der Macht schlägt sich dahingehend zwar um Längen besser als die Prequels, die Auftritte von R2D2 oder C-3PO sind vor strengen Blicken übertrieben kritischer Zuschauer dennoch nicht gefeit. Fans dieser schillernden Rollen werden diese Wiedersehen hingegen herzlich willkommen heißen – und anders als bei manch anderen auf Nostalgie basierenden Film-Weiterführungen droht hier keine späte Erkenntnis: „Was haben wir uns da nur vorsetzen lassen?“
 

Die Rache der Sith
Kurzum: Das Morgen von Star Wars ist extrem erfreulich! Mit gestochen scharfem, wenngleich nur gelegentlich für denkwürdige Pop-up-Effekte genutztem 3D geht Star Wars: Das Erwachen der Macht den Weg in die technische Blockbuster-Moderne auf hohem Niveau – und Ben Burtts ikonisches Sounddesign klingt in Dolby Atmos besser denn je! Zumindest beim 3D bleibt Puristen außerdem eh die Möglichkeit des Verzichts. Der Blick nach vorne bietet strengen Fans daher nur eine Unsicherheit, die halbwegs begründet ist: In dieser neuen, nerdigen Popcornkinowelt wird man sich nie mehr sicher sein, je mitzubekommen, wie die in Das Erwachen der Macht angefangenen Plotstränge zu Ende geknüpft werden. Denn Disney gibt sich nicht mehr mit simplen Trilogien zufrieden. Das hat viele, viele Vorurteile, ist aber angesichts des in den Sternen stehenden Schlusspunkts auch leicht befremdlich.
 
Es wird also deutlich: Den überaus unterhaltsamen, fesselnden Ritt durch eine weit, weit entfernte Galaxis auseinander zu nehmen, ist ein kniffliges Unterfangen! Es stehen also lange, lange Streitgespräche unter Star Wars-Liebhabern bevor, wo genau er sich in der Riege der besten Parts dieser noch sehr lang weiterwachsenden Saga einordnet. Aber das ist ein unverschämt angenehmes Luxusproblem: Ist der von Abrams versiert gefilmte, mit sympathischen Figuren bevölkerte, ikonische Einstellungen und fesselnde Action liefernde siebte Teil nun ein ernstzunehmender Anwärter auf den Star Wars-Thron? Oder „bloß“ richtig starkes Popcorn-Kino für junge, junggebliebene und erwachsene Fans der farbenfrohen, politisch so schockierend instablien Galaxis?
 
Fazit: Die Macht ist stark, sehr stark mit der siebten «Star Wars»-Episode: Disney, Lucasfilm und J. J. Abrams ergänzen den Blockbuster-Olymp mit einem galaktischen Spektakel, das Fans und Neulinge gleichermaßen anspricht – mit viel Witz, großartiger Optik, liebenswerten Figuren und fescher Action.

Star Wars: Das Erwachen der Macht ist ab dem 17. Dezember 2015 in vielen deutschen Kinos zu sehen – in 2D und 3D!