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Freitag, 20. Dezember 2024

Mediatheken-Tipps (20. Dezember 2024)

Einsam zweisam (Großstadt-Drama, 2019) Cédric Klapisch erzählt mit Alltagspoesie und nach Anschluss suchendem Herzen die Geschichte zweier einsamer Menschen, die in Paris versuchen, ihr Leben wieder in die Bahn zu kriegen. Und unentwegt drängt sich die Frage auf: Können sie sich nicht einfach gegenseitig retten? Doch so einfach ist das nicht... ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 2. Januar 2025

No Turning Back (Kammerspiel-Thrillerdrama, 2013) In diesem Anwärter auf den Titel "Tom Hardys beste Performance" will ein Bauleiter vergangene Fehler und aktuelle Lebenskrisen meistern, all das während einer einsamen Autofahrt. Bewegend, spannend, saustark gespielt. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 8. Januar 2025

Die Regenschirme von Cherbourg (Durchkomponiertes Musical, 1964) Jacques Demy atemberaubendes Meisterwerk über Liebe, gebrochene Herzen und Sehnsucht, eingefangen in kräftig leuchtenden, märchenhaften Farben. Zum Dahinschmelzen! arte-Mediathek, abrufbar bis zum 8. Januar 2025

The Green Knight (Dramatische Fantasy, 2021) David Lowerys imposant gefilmte, intensive Atmosphäre aufweisende und vielschichtige Interpretation der romantischen Rittersage Sir Gawain und der grünen Ritter aus dem Sagengeflecht über die Tafelrunde. Ein Film mit einem unmwerfenden Dev Patel in der Hauptrolle und immenser Sogwirkung. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 10. Januar 2025

Der schwarze Korsar (Piraten-Abenteuer, 1976) Sergio Sallimas Romanverfilmung über einen adligen Piraten auf Rachemission setzt mehr auf schmachtende Figuren, als auf Hochsee-Thrill, lebt aber von der ästhetischen und tonalen Patina des 70er-Abenteuerkinos aus Italien und prachtvollen Schauplätzen. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 11. Januar 2025

The World of Hans Zimmer (Konzertfilm, 2024) Nach seinem Prager Konzertfilm zieht es Hans Zimmer gen Krakau. Unter anderem mit einem Chor und der Sängerin Lisa Gerrard präsentiert der einflussreiche Komponist neu arrangierte Kompositionen und Medleys aus Gladiator, Interstellar, Wonder Woman 1984, Dune: Part Two, Sherlock Holmes, Im Glanz der Sonne, Der König der Löwen und der Pirates of the Caribbean-Saga. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 29. Mai 2025

Dienstag, 18. Juni 2024

Mediatheken-Tipps (18. Juni 2024)

Das schwarze Quadrat (Trockene Kriminalkomödie, 2021) Sandra Hüller, Pheline Roggan, Bernhard Schütz und Jacob Matschenz in einer knochentrocken erzählten Ansammlung spritziger Skurrilitäten: Zwei Kunstdiebe sitzen auf einem Kreuzfahrtschiff fest und müssen sich durch Lug und Trug bis zur Ankunft im sicheren Hafen als Elvis- und David-Bowie-Imitatoren durchschlagen. Schön absurd und toll unterkühlt. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 9. Juli 2024

M - Eine Stadt sucht einen Mörder (Thriller-Meisterwerk, 1931) Fritz Langs Tonfilm-Meilenstein ist zeitlos fesselnde, stilsichere Filmkunst - und eine leider weiterhin aktuelle Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Befindlichkeiten. Famos inszeniert, packend von Peter Lorre gespielt, brillant erzählt. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 10. Juli 2024

Daniel Hope: Dance! (Klassikkonzert, 2024) Starviolinist Daniel Hope lädt ein zu einer Welt- und Zeitreise durch berühmte Werke, bei denen die Füße einfach nicht stillstehen können. Das erstreckt sich vom Tango Escualo von Astor Piazzolla über Offenbachs Can-Can bis zum Danse macabre von Camille Saint-Saëns. ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 16. August 2024

Rechtsextremer Geheimplan gegen Deutschland (Szenische Lesung, 2024) Diese Zusammenarbeit zwischen dem Berliner Ensemble und der investigativen Redaktion von CORRECTIV schrieb Anfang des Jahres bereits Schlagzeilen, aber es kann ja ganz offensichtlich nie schaden, Leute auf sie hinzuweisen. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 18. Januar 2025

Billie Eilish: Happier Than Ever at the O2 (Konzertfilm, 2022) Falls ihr neben dem von Robert Rodriguez inszenierten Disney+-Konzertfilm zu Happier Than Ever einen konventionelleren Nachschlag benötigt! ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 31. Juli 2025

Stadt, Land, Kultur - Paris: Die Aristocats bringen die Stadt zum Tanzen (Kulturmagazin-Beitrag, 2024) arte schafft, was Disney+ nicht macht: In diesem informativen, dennoch lockeren Kulturbeitrag wird Aristocats in Relation zu dem Paris gesetzt, das der Film schildert. Welche kulturellen Anspielungen enthält der Film, wie erging es der Bevölkerung in der von Disney gezeichneten Epoche der Weltstadt Paris und wieso spielt der Film genau dort zu genau dieser Zeit? Man stelle sich vor, Disney+ würde allen Disney-Klassikern selbst solch eine Mini-Doku widmen... arte-Mediathek, abrufbar bis zum 24. April 2026

Warum Mediatheken-Tipps? Die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender sind ein unablässig sprudelnder Quell an sehenswerten Produktionen. Ob Spielfilm, Dokumentarfilm, Reportage, Konzertfilm, Serie, oder oder oder. Doch nicht nur, dass man da leicht den Überblick verlieren kann: Ich kenne einige Menschen, die den Mediatheken kaum oder gar keine Beachtung schenken. Mit dieser Artikelreihe möchte ich Orientierung bieten, ebenso wie Anreiz, sich vermehrt mit den Mediatheken zu befassen. Dazu gebe ich wöchentlich sechs Anschautipps.

Wieso sechs Tipps? Ich möchte, dass diese Artikelreihe händelbar bleibt. Für mich, damit ich sie neben meinen anderweitigen Verpflichtungen verfassen kann. Und für euch: Ich will euch nicht mit Anschautipps erschlagen. Sechs Tipps halte ich indes für umsetzbar: Selbst, wer alle Tipps ansprechend findet, kann sich täglich einen davon angucken, und hat dennoch bis zur nächsten Ausgabe der Reihe auch einen Tag "mediathekenfrei". 

Die Mediatheken-Tipps erheben selbstredend keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt viel mehr zu sehen, als ich hier Woche für Woche nennen könnte.

Samstag, 8. Juni 2024

Mediatheken-Tipps Spezial (8. Juni 2024)

 Kein Mucks! in Concert (Krimimusikkonzert, 2024)

Hörspielliebhaber Bastian Pastewka führt nun schon seit Jahren durch den Podcast Kein Mucks! in dem er durch die Archive der ARD-Radiowellen stöbert und Krimi-Hörspiele vorstellt. Was läge da näher, als ihn in einen Frack zu stecken, neben das WDR-Funkhausorchester zu stellen und ein Konzert voller Krimimelodien moderieren zu lassen? Mit seinem typischen Humor begleitet Pastewka einen Abend, der neben Evergreens wie der Miss Marple-Titelmelodie auch kriminalmusikalische Geheimtipps aus weitestgehend vergessenen Hörspielen umfasst. Zudem arrangierte Max Knoth beeindruckende Medleys aus Parodie und Vorlage, sowie schöne Suiten aus verschiedenen Musik-Interpretationen bekannter Krimi-Ermittler. Starkes Konzert.

Heldenreise: Broadway- und Film-Hits (Musical- und Filmkonzert, 2021)
Viel Disney, ein wenig Shrek und Wicked sowie ein feierlicher Konzertabschluss mit La La Land: die Musical-Stars Bettina Mönch und Dominik Hees singen, vom WDR-Funkhausorchester begleitet, Lieder, die ins Ohr und die Tanzbeine gehen. Gute Laune ist da sicher.

Wilder Westen (Filmmusikkonzert, 2019)
Natürlich erklingen Bernstein und Morricone, doch der Wilde Westen, interpretiert vom WDR-Funkhausorchester, ist noch facettenreicher. Haut die Bohnen in die Pfanne und nippt was Moonshine, es wird rau-romantisch.

So schön wie heut' (Konzert-Zeitreise in die Radiomusik der 1950er, 2023)
Gastgeber/Sänger Götz Alsmann, Sängerin Caroline Kiesewetter und Dirigent Jochen Neuffer bringen das WDR-Funkhausorchester und die WDR Big Band zusammen, um uns in die Klangwelt Deutschlands in den 1950er-Jahren zurückzuführen: Durch gewitzt-informative Einführungen kommentiert, ertönen die Radiohits der Wiederaufbaujahre, in denen eine Nation beschlossen hat, ihr Gedächtnis stummzuschalten, ein Wirtschaftswunder herbeizuschuften und sich mobil wie nie zuvor im Süden Europas zu erholen. 

Big Band Beethoven (Big-Band-Klassikkonzert, 2024)
Mit pandemiebedingter Verspätung zelebriert die WDR Big Band den 250. Geburtstag Beethovens, indem sie einige seiner bekanntesten Stücke auseinanderpflückt und im Big-Band-Sound rekonstruiert. Eine smarte, schöne und schmissige Verschmelzung der Klangwelten!

Das Konzert mit der Maus: Komponistinnen (Kinderfreundliche Konzertvermittlung, 2023)
Die Maus, Dirigentin Katharina Winco, das WDR-Sinfonieorchester, Moderatorin Jana Forkel und Moderator Johannes Büchs präsentieren einen faszinierenden Querschnitt an Werken einflussreicher Komponistinnen - wie Keiko Abe, Louise Farrenc und Ethel Smyth. 

Warum diese speziellen "Mediatheken"-Tipps? Die Arbeit der öffentlich-rechtlichen Sender ist ein unablässig sprudelnder Quell an sehenswerten Produktionen. Ob Spielfilm, Dokumentarfilm, Reportage, Konzertfilm, Serie oder halt im realen Leben: Die Rundfunkorchester spielen in Deutschland einen großen Beitrag zur Kulturvermittlung und genießen internationales Ansehen.

Daher überrascht es mich, dass ich in der ARD-Mediathek keine vollständigen Konzerte der ARD-Orchester gefunden habe (möglich, dass es sie in der Mediathek gibt - sie ist zwar sehr, sehr gut, ihre Suchfunktion aber nicht). Dafür gibt es allerdings eine Fülle an Konzerten auf YouTube. Und da ich seit der Veröffentlichung des Spielplans 24/25 der WDR-Ensembles recht viel über sie nachdenke, hatte ich Lust, euch so an meiner Freude teilhaben zu lassen. Einzelne Stücke dieser Ensembles kann man in der ARD-Mediathek finden und die Konzerte sind auch bei YouTube frei von nervigen Werbepausen!

Wieso sechs Tipps? Ich möchte, dass diese Artikelreihe händelbar bleibt. Für mich, damit ich sie neben meinen anderweitigen Verpflichtungen verfassen kann. Und für euch: Ich will euch nicht mit Anschautipps erschlagen. Sechs Tipps halte ich indes für umsetzbar: Selbst, wer alle Tipps ansprechend findet, kann sich täglich einen davon angucken, und hat dennoch bis zur nächsten Ausgabe der Reihe auch einen Tag "mediathekenfrei". 

Die Mediatheken-Tipps erheben selbstredend keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt viel mehr zu sehen, als ich hier Woche für Woche nennen könnte.

Dienstag, 28. Februar 2023

Gastbeitrag: Von blutigen Bären und dampfenden Mäusen

EdiGrieg ist ein Disney-Experte, wie er im Buche steht und ein Meister im Fachbereich Synchronisation. Daher solltet ihr alle seine Seite Trickfilmstimmen kennen, das beste Disney-Synchron-Archiv des World Wide Webs! Aber auch in anderen Themengebieten kennt er sich bestens aus, wie ihr nun feststellen werdet...


2022 erlebte die nicht aufzuhaltende Welle von Realfilm-Umsetzungen klassischer Disneyfilme durch "Pinocchio" einen neuen Tiefpunkt, während Guillermo del Toros Umsetzung des hölzernen Bengels im selben Jahr von Lob geradezu überschüttet wurde. 2023 wird nun der Film "Winnie-the-Pooh: Blood and Honey" Streamingnutzern eine blutige Version von A. A. Milnes berühmten Kinderbuch präsentieren, welches 1926 veröffentlicht wurde und 2021, 95 Jahre später nach US-Recht den Status "Public Domain" (Gemeinfreiheit) erlangte. Nach Christopher Robin Milnes Tod am 20. April 1996 verkaufte seine Witwe die Rechte an Puuh dem Bären an die Walt Disney Company. Solange Regisseur Rhys Frake-Waterfield im oben genannten Horrorfilm nichts verwendet, was wiederum Disney seinerzeit kreativ hinzu fügte, hat der Maus-Konzern aufgrund des PD-Status jedoch nun keine rechtliche Handhabe mehr.
 
Die Rechtsgrundlage vom Schutz geistigen Eigentums ist ein Thema, das Bücher füllen könnte und hat nirgendwo eine derartige Komplexität erlangt wie in den USA. Da nun in den kommenden Jahren viele bekannte und berühmte Werke der 20er Jahre aus Literatur, Musik und Film in die erwähnte 95'er Frist kommen, könnte die Medienlandschaft von Hollywood und Co., die sich unlängst in eine kreative Sackgasse aus Reboots, Remakes und Spin-Offs verrannt hat, noch um einige bekannte Franchises "bereichert" werden. Dieser Umstand entfachte unlängst Diskussionen in entsprechenden Fachkreisen. Ruth Bader Ginsburg, Richterin am Obersten Gerichtshof, gab zu Protokoll, dass (Zitat:)
"Wir an der Schwelle zu einer Zeit stehen, in der Urheberrechte für eine Reihe visueller Werke auslaufen." und auf einen eventuell kaum überschaubaren Ansturm an Rechtsverletzungsverfahren hinweist.
 
So haben diverse Nachrichtendienste reißerisch Artikel mit dem Thema veröffentlicht, dass Walt Disneys Micky Maus 2024 PD-Status erlangen wird und fröhlich darüber spekuliert, was dies wohl alles nach sich ziehen könnte. Nach Persönlichkeitsrecht hätte Micky sogar eine 70-Jahres-Frist nach dem Ableben Disneys bekommen, die erst 2036 ausläuft ... Nur ist Micky, Fans wissen das, nicht Walts persönliche Erfindung, sondern die von Ub Iwerks, der 1971 verstarb und die Frist damit sogar bis 2041 verlängern würde. Das Alles zählt aber nicht, weil Disney schon lange vorher festgelegt hatte, seine Kreationen ins Firmenrecht zu integrieren. Natürlich hatte er damals von der heutigen Rechtslage noch keinen Schimmer.
 
Und somit werden Figuren wie King Kong, Popeye, Flash Gordon, Superman und auch Micky & Donald im Laufe der nächsten Jahre gemeinfrei werden. Aber was bedeutet das im Detail? Vereinfacht gesagt geht es darum, dass Micky im Laufe der Jahrzehnte optisch immer wieder verändert wurde, wobei jeder Stil wiederum seinen eigenen Urheberrechtsanspruch einfordern kann.

Anders herum gesagt: Jeder darf eine Micky Maus öffentlich ausstellen, solange sie nicht wie eine von Disney gezeichnete Micky aussieht. Dieser "optische Schutz" verwirkt jedoch nach 95 Jahren. Aktuell geht es um die Verwendung Disneys erster Micky-Cartoons von 1929, allen voran der Klassiker "Steamboat Willie". Kann und darf ein Drittunternehmen ab 2024 die berühmte Dampferszene auf ein T-Shirt drucken und verkaufen, ohne von Disney belangt werden zu können? Nach US-Recht grundsätzlich ja!

Natürlich ist die kleine Maus nicht nur Copyright- sondern auch Marken-geschützt, und dieses Trademark läuft grundsätzlich NICHT ab, solange Disney existiert. Gerade hier wird es mit der Rechtsgrundlage aber etwas schwammig. Ein Trademark beinhaltet, dass die "Ideale" eines Unternehmens nicht gefährdet werden dürfen, und DAS treibt Rechtsexperten Schweißperlen auf die Stirn angesichts eines Unternehmens, dem zur Zeit angedichtet wird, sich auch noch Sony oder/und Netflix unter den Nagel zu reißen, um seinem Medien-Monster weitere Tentakel hinzufügen zu können.
 
Selbstredend beschäftigt der Konzern nicht nur einige der besten Künstler der Welt sondern wohl auch einige der besten Rechtsanwälte; und dass Disney mit Rechtsverletzungen nicht zimperlich umgeht, hat er schon des Öfteren unter Beweis gestellt. So wurde eine Kindertagesstätte in Florida gezwungen, ein nicht autorisiertes Minnie-Maus-Wandbild zu entfernen. Im Jahr 2006 sagte Disney einem Steinmetz, dass das Schnitzen von Winnie Puuh in den Grabstein eines Kindes das Urheberrecht verletzen würde, und 2020 berechnete eine Disney-Tochtergesellschaft einer Grundschule 250 US-Dollar, weil sie "Der König der Löwen" ohne Erlaubnis bei einer PTA-Spendenaktion gezeigt hatte.

Der darauf folgende Mediensturm war so heftig, dass sich Robert A. Iger entschuldigte und sagte, er würde eine persönliche Spende leisten. "Wenn es etwas gibt, das Disney ernster nimmt als geistiges Eigentum, dann ist es das Image in der Öffentlichkeit.", frotzelte Rechtsanwalt Aaron J. Moss, der explizit auf die ständig anwachsende "Creator Culture" der sozialen Medien von YouTube bis TikTok aufmerksam macht. Diese Landschaft könnte für Disney eine Herausforderung darstellen, wenn "Steamboat Willie" PD-Status erhält. "Sie werden nicht in der Lage sein, alle zu verfolgen", sagt Moss, "Kampflinien müssen gezogen werden." Frau Ginsburg gibt an, sie beobachte genau, ob Disney und andere Medien-Unternehmen versuchen, das Markenrecht als Ersatz oder Erweiterung des Urheberrechts anzuwenden, um, wie sie es ausdrückt, "einen separaten Schutz anzuwenden, der letztendlich greifen kann".
 
Im Falle von "Steamboat Willie" hat Disney dies unlängst getan. 2007 wurde das Firmenlogo neu gestaltet, der pfeifende Steamboat-Micky darin integriert und damit markengeschützt. Vielleicht - ich spekuliere hier - ist sogar Mickys optische wie charakterliche (freche) Rückkehr in alte Zeiten, welche 2013 begann (aktuelles Franchise: "The Wonderful World of Mickey Mouse"), nicht nur eine künstlerische Frischzellenkur, sondern schlägt auch rechtlich einen Bogen in die Vergangenheit, um später eventuelle Ansprüche des Konzerns unterfüttern zu können.
 
Die Themen Micky Maus und Urheberrecht sind seit Ende der 1990er Jahre im öffentlichen Bewusstsein, als sich Disney und andere Medienunternehmen erfolgreich für eine Ausweitung des Urheberrechtsschutzes im Kongress einsetzten. In vielerlei Hinsicht ist Micky dabei zum ultimativen Symbol für geistiges Eigentum geworden. Die Verlängerung des Urheberrechts von 1998 löste einen hässlichen Rechtsstreit aus, wobei Kritiker argumentierten, der Kongress habe die Verfassung missachtet, die klar vorsieht, dass Urheberrechtsschutz nur für eine begrenzte Zeit gewährt werde.

Laut Paul Goldstein, Professor an der Stanford Law School und Autor einer fünfbändigen Abhandlung über das US-Urheberrecht, tauchten damals erstmals "Free the Mouse"-Autoaufkleber auf. "Disney hat nicht aktiver auf die Verlängerung gedrängt als alle anderen, aber der Konzern habe einen bequemen Bösewicht abgegeben.", sagte er. Ginsburg und ihre Richter-Kollegen segneten zwar damals die Kongress-Entscheidung ab, warnten aber vor einer erneuten Verlängerungs-Forderung, die wohl nur in einer unsäglichen Schlammschlacht enden würde. Auch Rechtsanwalt und Medienexperte Daniel Mayeda erklärt: "Sie haben ihre Amtszeit für Micky & Co. erfolgreich verlängert, aber ich denke, dies wird das Ende der Fahnenstange sein."
 
EdiGrieg
unter Zuhilfenahme eines Artikels von Brooks Barnes
(New York Times, 27.Dezember 2022)

Montag, 28. November 2022

Strange World

 Als Kirk Wise und Gary Trousdale den Beschluss gefasst haben, nach dem Märchenmusical Die Schöne und das Biest und dem romantisch-dramatischen Musical Der Glöckner von Notre Dame mit Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt einen gezeichneten Action-Abenteuerfilm zu wagen, erklärten sie und ihr Produzent Don Hahn diesen Impuls mit einem Disneyland-Vergleich. Die von Walt Disney moderierte TV-Sendung und der von ihm erschaffene Themenpark sind in mehrere "Länder" unterteilt, die jeweils einem Genre respektive einer Erzähltradition gewidmet sind.

Während die Disney-Fernsehsendung aufgrund des immensen Erfolgs der Miniserie Davy Crockett gehäuft ins Frontierland wanderte, um auf die heimischen Mattscheiben Western-Geschichten zu werfen, sieht es in der Geschichte der Walt Disney Animation Studios anders aus:

Würde man die Filmografie des traditionsreichen Disney-Trickstudios in die Logik der Disneyland-Sendung zwängen, während deren Vorspann stets mitgeteilt wurde, in welches Land man heute schlendern wird, oder wie einen Parkbesuch auffassen, so übt ein Land eine überaus dominante Anziehungskraft auf die Studiobosse aus. Das Land direkt hinter dem Schloss. In Don Hahns Worten:

„Es gibt einen gewaltigen Bereich namens Adventureland im Disneyland, und wir sagten wir uns: Lasst uns einen Abstecher dorthin machen! Wir sind oft genug die Main Street entlang gelaufen und durch das Schloss ins Fantasyland gelangt – diesmal wollten wir die Abzweigung nehmen, nach links ins Adventureland gehen und dort ein bisschen Spaß haben.“

Leider folgte das zahlende Publikum Hahn, Trousdale und Wise während der Kinoauswertung von Atlantis bloß in überschaubaren Zahlen. Kurz darauf fiel auch Der Schatzplanet auf die Nase. Überhaupt zeigte sich über Jahre hinweg das Kinopublikum zögerlich, animierte Disney-Filme zu würdigen, die nicht ins Fantasyland passen.

Mittlerweile ist dieser Fluch gebrochen: Atlantis und Der Schatzplanet haben (vor allem unter Millennials) im Heimkino eine mittelgroße, stetig wachsende, sehr innige Fangruppe generiert. Und der dezent futuristische Superheldenfilm Baymax – Riesiges Robowabohu, der wohl am ehesten ins Tomorrowland gehört, wurde sogar zu einem der größten Hits der Walt Disney Animation Studios.

Insofern ist es nachvollziehbar sowie löblich, dass Der Schatzplanet- und Baymax-Produzent Roy Conli den Mut hatte, ein weiteres Mal das Fantasyland bei Seite zu lassen. Darüber, ob der von ihm produzierte Strange World nun eher ins Adventureland gehört oder in das (teilweise) an Jules Verne angelehnte, Pariser Discoveryland, lässt sich indes streiten. Bedauerlich ist derweil, dass sich bereits jetzt abzeichnet, dass sich die frühen 2000er-Jahre wiederholen:

Während sich das vergleichsweise überschaubare Echo von Raya und der letzte Drache noch durch die Pandemie erklären ließe, steuert Strange World nun ohne diese Ausrede auf einen ernüchternden Deutschland-Start hin. Die US-Zahlen sind ebenfalls nicht allzu euphorisch, erste Prognosen besagen, dass der Film Disney ein Minus von 100 Millionen Dollar einbringen wird. Zwei Nicht-Fantasyland-Filme mit bedauerlichen Zahlen, recht kurz nacheinander... Kein gutes Signal, dass das Publikum den Walt Disney Animation Studios da sendet. Aber unabhängig davon, wie schade dieses Déjá-vu im Prinzip ist... Wie finde ich eigentlich den Film, mal so ganz praktisch gesprochen?

Drei Abenteuergenerationen, ein anachronistisches Abenteuer

Es hat leider einen Grund, dass ich zunächst auf die ganze Fantasyland/Adventureland-Sache einging, statt direkt mit Strange World einzusteigen. Denn zumindest nach einmaligem Anschauen finde ich seine Position in der Disney-Filmgeschichte und die Wiederholung vergangener Publikumsreaktionen spannender und bedeutungsvoller als den Film selbst. Womit ich Strange World jedoch nicht absprechen will, Qualitäten zu haben. Regisseur Don Hall (inszenierte Winnie Puuh, verfasste unter anderem Mulan und Ein Königreich für ein Lama) und Autor/Ko-Regisseur (wirkte am Drehbuch von Raya und der letzte Drache mit) haben gute Ideen. Bedauerlicherweise ist deren Umsetzung zu oft lau, als dass diese Ideen oft genug reifen und aufblühen könnten.

Der wagemutige Entdecker Jaeger Clade und sein Sohn Searcher wollen die Welt erkunden und Wege finden, ihr kriselndes Heimatreich Avalonia zu stärken. Als sie während einer Expedition eine Elektrizität ausstoßende Pflanze entdecken, streiten sie sich: Searcher will mit der Pflanze heimkehren und Avalonia in eine neue Ära leiten, Jaeger will sich weiter durch die unüberwindbaren Berge kämpfen. Ihre Wege trennen sich. 25 Jahre später ist Avalonia ein utopisches Land, dessen Versorgung auf der von Searcher entdeckten und nun von ihm und seiner taffen Frau Meridian im großen Stil angebauten Pflanze fußt. Als immer mehr dieser Pflanzen verfaulen, müssen Searcher, Meridian und ihr gemeinsamer Sohn Ethan tief ins Innere der ihnen bekannten Welt vordringen, um der Sache auf dem Grund zu gehen...

Jules Verne trifft Kino-Serials, Abenteuercomics im Stile der großen Carl-Barks-Spektakel oder Tim & Struppi und B-Movie-Fantasyabenteuer, aufgepeppt mit einem Schuss kontemporärem Zeitgeist und Retro-Futurismus. Die Welt und Erzählhaltung von Strange World ist ein bunter Mix an Einflüssen, und das gilt allein schon, bevor die Clades einen auf Reise zum Mittelpunkt der Erde machen und durch eine wobbelige, wibbelige, glibberige, farbenfrohe Welt der Sonderbarkeiten stapfen, kämpfen und fliegen.

Ästhetisch geht Strange World dabei nicht derart markante Wege wie einst der im kantigen Mike-Mignola-Stil gehaltene Atlantis oder der an die Brandywine-Schule angelehnte Schatzplanet. Trotzdem sind mir an der Animation und dem Produktionsdesign Elemente besonders aufgefallen. So sind die Oberflächenstrukturen der Figuren und ihrer Umgebung in Strange World vor der zentralen Expedition atypisch spröde, rau, geradezu porös: Avalonia und seine Bevölkerung sind nicht so scheinend-glatt wie im Disney-CG-Animationskino gewohnt. So, als würden wir einen auf rauem Papier gedruckten Comic lesen, während Chaos im Netz etwa in dieser Metapher auf Hochglanzpapier gedruckt wurde.

Es passt zur Stimmung des Films und hebt Avalonia von der titelgebenden, sonderbaren Welt im tiefen inneren der unerforschten Berge ab. Die ist glibberig, wabbelnd und squishy. Doch hier kommt eine der Schwächen von Strange World zum Zuge: Der Film ist gleichzeitig zu lang, und doch zu hektisch erzählt. Die auf eine deutliche, punktgenaue Lösung zusteuernde Geschichte ist, um im Comic-Talk zu bleiben, ein Carl-Barks-30-Seiter, oder um ins Abenteuerkino von einst zu gehen, ein 75 Minuten langer Familienspaß, den man sich sonntags in der Matinee anschaut. Mit 99 Minuten Laufzeit (inklusive Abspann, zugegebenermaßen) überdehnt Strange World das, was er erzählt, hält sich für eine 70 Seiten Minimum einnehmende Geschichte im Lustigen Taschenbuch oder ein größeres, wortwörtlich abendfüllendes Stück Abenteuerkino. Das bringt mit sich, dass der halb-subtil vorab telegrafierte Schlussakt wirkt nicht wie eine konsequente Lösung. Sondern wie ein schlecht gehüteter Twist.

Gleichzeitig wirkt Strange World wie gehetzt, da Hall und Nguyen von Schauplatz zu Schauplatz hurten, um kurze Impressionen verschiedener Ecken von Avalonia und dem Expeditionsschauplatz zu zeigen und dann weiterzumachen. Atlantis und Der Schatzplanet sind ebenfalls reich an Eindrücken, finden aber immer wieder prägnante, ruhigere Momente, in denen wir im Publikum ebenso wie die Figuren die Gelegenheit erhalten, zu staunen, die Welt und ihre Kultur aufzusaugen und auch Bedrohungen richtig sacken zu lassen. Strange World hätte auf ein paar Szenen verzichten, die übrig gelassenen dafür mehr auskosten müssen, damit das verspielte Produktionsdesign und die Entdeckergeschichte besser wirken können. Oder, alternativ: Alles so richtig komprimieren, für ein rasantes Abenteuer-Destillat. So hingegen fällt der Film leider zwischen zwei Stühle.

Die vielleicht größte Enttäuschung war für mich die Filmmusik: Sie störte mich zwar nicht, jedoch gelang es ihr zu keinem Zeitpunkt, eine griffige klangliche Stimmung zu entwickeln. Somit ist sie wohl zu beachtlichem Teil dafür mitverantwortlich, dass Strange World mir nie so einen richtigen Vibe transportiert hat: Die 40er- bis 60er-B-Movie-Abenteuer-Stimmung, der Retro-Futurismus, die Jules-Verne-Ansätze, die Abenteuercomic-Ästhetik und die "esoterischeren" Elemente - es gibt genug Ansätze, an die sich die Musik haften könnte. Geschweige denn Aspekte, die vereint werden könnten.

Stattdessen dudelt der Score munter, manchmal auch dezent-dramatisch vor sich her, nie unpassend, aber auch nie in einer Form, die den Film aufwertet. Dass die Musik von Henry Jackman stammt, überrascht mich enorm, fand er doch in den Ralph reicht's-Filmen und bei Baymax so eine formidable Balance aus Gefühl und Aufregung, Disney-Tradition und frischen Anstrichen. 

Daher ist es ausgerechnet ein kurzer Moment, in dem die Clade-Familie zu einem in unserer Welt halbwegs aktuellen Electro-Swing-Radiohit in der Küche tanzt und gemeinsam kocht, in dem am ehesten die Bild- und Klangwelt von Strange World zusammenfinden: Ein Radio im 40er-Jahre-Look, Figuren, die flippig mit Gesten moderne Memes referenzieren, eine zeitlos-gemütliche Hütte, in der futuristische technische Versatzstücke für Leben sorgen, all das zusammengehalten von einem Stück, das heute und gestern vereint.

Generischer als es sein sollte

Ähnlich, wie mich Jackmans Score überraschend gleichgültig ließ, und daher dem gesamten Film Atmosphäre fehlte, fand ich die Dialoge ernüchternd: Figuren kabbeln und versöhnen sich in recht generischen Wortwechseln, die man zu großen Teilen aus diesem Film lösen und in zahlreiche andere familienorientierte Abenteuergeschichten pflanzen könnte, ohne dass es auffällt. Wenn sich Farmer/Forscher Searcher mit Entdecker/Kampfnatur Jaeger reibt oder Ethan sich vor seinem Schwarm für seinen Vater schämt, sind das zeitlose Mini-Konflikte mit breitem Identifikationspotential. So weit, so gut.

Doch sie äußern sich nicht so, dass ich je ein Gefühl dafür entwickeln konnte: "Ja, DAS klingt total nach Ethan!" oder "Aha, das ist also Jaegers tiefergehende Persönlichkeit". Die Wortwechsel bleiben schlicht funktional. Und daher fiel es mir schwer, die Figuren wirklich liebzugewinnen. Sie nervten nie. Aber sie blieben Abziehbilder, Entwürfe, noch zu verfeinernde Archetypen.

Dabei ist das Potential, das sie hätten entfalten können, offensichtlich: Ethan etwa ist Fan eines Gesellschaftsspiels, irgendwo zwischen Die Siedler von Catan und den Scharen an Sammelkartenspielen, bei denen man sich mit dem Kauf von Blisterpackungen dumm und dusselig zahlt. Er hat eine gute Bindung zu seinem Vater, ist aber auch voll in der Pubertät und würde ihn daher am liebsten verstecken, wenn sein Liebster auf der Familienfarm vorbeischaut. Er ist ein guter Taktiker, lässt sich aber auch schnell ablenken.

Dadurch müsste Ethan eine herausstehende Disney-Figur werden, oder wenigstens einer der spannenderen Protagonisten im animierten Disney-Abenteuerkino. So nacherzählt ist er es womöglich auch, im Film selbst geht ihm aber durch die "egalen" Dialoge Charakter abhanden. Ähnlich verhält es sich mit dem Rest seiner Familie, geschweige denn mit den Horden an anonymen Besatzungsmitgliedern, die sich an der Expedition beteiligen. Daher sind die wortlosen, nicht-menschlichen Sidekicks denkwürdiger als der tragende, menschliche Cast. Selbst Atlantis hat mehr aus seinem überdimensionierten Cast rausgeholt: Viele Nebenfiguren sind zwar auch nur zweidimensionale Persönlichkeiten, aber sie sind wenigstens waschechte Knallchargen, und nicht etwa Statist:innen mit Text.

So kommt es auch, dass ich wegen der Schlusslösung von Strange World nur sanft lächelnd mit den Schultern gezuckt habe. Dass ich es vorgeahnt habe, geschenkt. Aber hätte ich die Möglichkeit gehabt, mit den Figuren stärker mitzufiebern, hätte es mich berührt, wenn sie das erfahren, was ich vorgeahnt habe. Und ich hätte mitgelitten, wenn sie darauf basierend schwerwiegende Entscheidungen treffen.

Nicht missverstehen: Im Prinzip ist Strange World als Fortschritt darin, wen Disney in seinen animierten Produktionen prominent repräsentiert, genauso löblich, wie ich die Lektion, die die Figuren lernen, schlüssig sowie als Gesellschaftskommentar bemerkenswert finde. Aber in Praxis habe ich das metaphorische Comicheftchen zugeklappt und auf einen Stapel geschmissen, statt es zuzuklappen, amüsiert und berührt durchzuatmen und sorgsam ins Regal zu stellen. 

Das, was Strange World für den Disney-Kanon bedeutet, bedeutet mir mehr als der Film selbst. Der ist leider nur ein nettes, schnell vergessenes Disney-Abenteuer. Aber hey, für viele sind Atlantis und Der Schatzplanet genau das. Und ich bin sicher: So wie viele, viele andere animierte Disney-Flops, wird auch Strange World seine Kult-Fangemeinde entwickeln. Und ich gönne es ihm, aus Prinzip. Teil von ihr werde ich nicht sein können, dafür ist er mir in Praxis zu egal.

Strange World läuft aktuell im Kino.

Freitag, 25. März 2022

Die 94. Academy Awards: Meine Prognose der Gewinnerinnen und Gewinner bei den Oscars 2022


Obwohl wir Ende März haben, und die Oscars somit einmal mehr deutlich später im Kalenderjahr stattfinden als wir es durch die vielen "Februar, allerspätestens Anfang März"-Jahre der jüngeren Vergangenheit gewohnt sind... Ich muss sagen: Mir kam diese Oscar-Saison verflixt kurz vor. Die mitunter unausstehlich hitzig werdenden Oscar-Debatten kochten auf kleinerer Debatte als in der Pre-Pandemie-Ära, und die Indikator-Preise wurden in den einschlägigen Awards-Medien weniger rauf, runter und wieder rauf analysiert als in "normalen" Jahren.

Das ist auf eine Weise angenehm (weniger Galligkeit im Filmdiskurs ist immer eine gute Sache). Aber es nimmt auch Spannung aus der Reise gen Oscar-Nacht. Und... es erschwert die Vorhersage. Aber ich will meine liebgewonnene Oscar-Tradition nicht aufgeben. Also: Hier sind sie, meine ins Blaue geratenen Vorhersagen, wer bei der 94. Vergabe der Academy Awards siegreich hervorgeht.

Bester Kurzfilm
  • Ala Kachuu – Take and Run
  • The Long Goodbye - Gewinner
  • On My Mind
  • Please Hold
  • Sukienka
Bester Kurz-Dokumentarfilm
  • Audible
  • Lead Me Home
  • The Queen of Basketball - Gewinner
  • Three Songs for Benazir
  • When We Were Bullies
Bester animierter Kurzfilm
  • Affairs of the Art
  • Bestia - Gewinner
  • Boxballet
  • Robin Robin
  • The Windshield Wiper
Bester internationaler Film
  • Drive My Car, Japan
  • Flee, Dänemark
  • The Hand of God, Italien
  • Lunana, Bhutan
  • Der schlimmste Mensch der Welt, Norwegen - Gewinner
Ich habe die Befürchtung, dass ich mich ärgern werde. Ich habe seit Wochen das Bauchgefühl, dass Der schlimmste Mensch der Welt diesen Preis gewinnen wird, OBWOHL Drive My Car als "Bester Film" nominiert ist. Drive My Car könnte seine Votes splitten, zudem kam es während der Votingphase zu einem neuen Hoch an Lobpreisungen von Triers Romantik-Dramödie, das Der schlimmste Mensch der Welt über die Ziellinie gebracht haben könnte. Aber ist es klug, den ziemlich sicheren Tipp Drive My Car für ein Bauchgefühl zu opfern?! Nein, überhaupt nicht. Mach ich es dennoch? Ja. Ich bin echt der schlimmste Mensch der Welt...

Beste Dokumentation
  • Ascension
  • Attica
  • Flee
  • Summer of Soul  - Gewinner
  • Writing with Fire
Bester Animationsfilm
  • Encanto  - Gewinner
  • Flee
  • Luca
  • Die Mitchells gegen die Maschinen
  • Raya und der letzte Drache
Beste Effekte
  • Dune - Gewinner
  • Keine Zeit zu sterben
  • Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings
  • Spider-Man: No Way Home
  • Free Guy
Bester Sound
  • Belfast
  • Dune - Gewinner
  • Keine Zeit zu sterben
  • The Power of the Dog
  • West Side Story
Bester Originalsong
  • Down to Joy aus Belfast 
  • Dos Oruguitas aus Encanto - Gewinner
  • Somehow You Do aus Four Good Days
  • Be Alive aus King Richard
  • No Time to Die aus Keine Zeit zu sterben
Beste Originalmusik
  • Nicholas Britell, Don't Look Up
  • Hans Zimmer, Dune - Gewinner
  • Germaine Franco, Encanto
  • Alberto Iglesias, Parallele Mütter
  • Jonny Greenwood, The Power of the Dog
Bestes Produktionsdesign
  • Dune
  • Nightmare Alley - Gewinner
  • The Power of the Dog
  • The Tragedy of Macbeth
  • West Side Story
Bestes Makeup & Hairstyling
  • Cruella
  • Dune
  • Der Prinz aus Zamunda 2
  • The Eyes of Tammy Faye - Gewinner
  • House of Gucci
Bester Schnitt
  • Hank Corwin, Dont' Look Up 
  • Joe Walker, Dune 
  • Pamela Martin, King Richard
  • Peter Sciberras, The Power of the Dog - Gewinner
  • Myron Kerstein und Andrew Weisblum, Tick, Tick…Boom!
Beste Kostüme
  • Jenny Beavan, Cruella - Gewinnerin
  • Massimo Cantini, Cyrano
  • Bob Morgan & Jacqueline West, Dune
  • Luis Sequeira, Nightmare Alley
  • Paul Tazewell, West Side Story
Beste Kamera
  • Greig Fraser, Dune
  • Dan Laustsen, Nightmare Alley
  • Ari Wegner, The Power of the Dog - Gewinnerin
  • Bruno Delbonnel, The Tragedy of Macbeth
  • Janusz Kaminski, West Side Story
Bestes Original-Drehbuch
  • Paul Thomas Anderson, Licorice Pizza - Gewinner
  • Zach Baylin, King Richard
  • Kenneth Branagh, Belfast 
  • Adam McKay, Don't Look Up
  • Joachim Trier und Eskil Vogt, Der schlimmste Mensch der Welt
Bestes adaptiertes Drehbuch
  • Jane Campion, The Power of the Dog 
  • Maggie Gyllenhaal, Frau im Dunkeln
  • Ryusuke Hamaguchi, Drive My Car
  • Sian Heder, CODA - Gewinnerin
  • Eric Roth, Jon Spaihts und Denis Villeneuve, Dune
Bester Nebendarsteller
  • Ciarán Hinds, Belfast
  • Troy Kotsur, CODA - Gewinner
  • Jesse Plemons, The Power of the Dog
  • J.K. Simmons, Being the Ricardos
  • Kodi Smit-McPhee, The Power of the Dog
Beste Nebendarstellerin
  • Jessie Buckley, Frau im Dunkeln
  • Ariana DeBose, West Side Story - Gewinnerin
  • Judi Dench, Belfast
  • Kirsten Dunst, The Power of the Dog
  • Aunjanue Ellis, King Richard
Bester Hauptdarsteller
  • Javier Bardem, Being the Ricardos
  • Benedict Cumberbatch, The Power of the Dog
  • Andrew Garfield, tick, tick... Boom!
  • Will Smith, King Richard - Gewinner
  • Denzel Washington, The Tragedy of Macbeth
Beste Hauptdarstellerin
  • Jessica Chastain, The Eyes of Tammy Faye
  • Olivia Colman, Frau im Dunkeln
  • Penelope Cruz, Parallele Mütter
  • Nicole Kidman, Being the Ricardos
  • Kristen Stewart, Spencer - Gewinnerin
Beste Regie
  • Paul Thomas Anderon, Licorice Pizza
  • Kenneth Branagh, Belfast
  • Jane Campion, The Power of the Dog - Gewinnerin
  • Ryūsuke Hamaguchi, Drive My Car
  • Steven Spielberg, West Side Story
Bester Film
  • Belfast
  • CODA - Gewinner
  • Don't Look Up
  • Drive My Car
  • Dune
  • King Richard
  • Licorice Pizza
  • Nightmare Alley
  • The Power of the Dog 
  • West Side Story
Die Vernunft sagt The Power of the Dog, das Näschen für die Berichterstattung aus Hollywood und der Blick auf den Preis der Produzentengewerkschaft sagt CODA...

Samstag, 5. Februar 2022

Oscars 2022: Meine Prognose der Nominierungen


Die Oscar-Saison wirkte auf mich bislang so leise wie noch nie zu meinen Lebzeiten. Das Ausbleiben eines großen Golden-Globe-Happenings dürfte dazu beigetragen haben, und dass die Schmutzkampagnen (zum Glück!) eher kleiner sind als üblich, ist ebenso willkommen wie ein weiterer Aspekt, der den Rummel klein ausfallen lässt.

Das mag angenehm sein, hat mir die alljährliche Nominierungsprognose aber enorm erschwert. Doch ich glaube, dass das hier unsere Nominierungen 2022 sein werden:

Bester Kurzfilm
  • Censor of Dreams
  • Frimas
  • The Long Goodbye
  • Tala'vision
  • When the Sun Sets

Bester Kurz-Dokumentarfilm
  • Camp Confidential: America's Secret Nazis
  • Coded: The Hodden Love of J.C. Leyendecker
  • The Queen of Basketball
  • Three Songs for Benazir
  • When We Were Bullies

Bester animierter Kurzfilm
  • Affairs of the Art
  • Robin Robin
  • Mum is Pouring Rain
  • Step Into the River
  • Us Again

Bester internationaler Film
  • Drive My Car, Japan
  • The Hand of God, Italien
  • A Hero, Iran
  • Lamb, Island
  • The Worst Person in the World, Norwegen

Beste Dokumentation
  • Ascension
  • Flee
  • Procession
  • The Rescue
  • Summer of Soul

Bester Animationsfilm
  • Belle
  • Encanto
  • Flee
  • Luca
  • Die Mitchells gegen die Maschinen

Beste Effekte
  • Dune
  • Matrix Resurrections
  • Keine Zeit zu sterben
  • Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings
  • Spider-Man: No Way Home

Bester Sound
  • Belfast
  • Dune
  • Keine Zeit zu sterben
  • The Power of the Dog
  • West Side Story

Bester Originalsong
  • So May We Start aus Annette
  • Down to Joy aus Belfast
  • Dos Oruguitas aus Encanto
  • Be Alive aus King Richard
  • No Time to Die aus Keine Zeit zu sterben

Beste Originalmusik
  • Hans Zimmer, Dune
  • Germaine Franco, Encanto
  • Alexandre Desplat, The French Dispatch
  • Alberto Iglesias, Parallele Mütter
  • Jonny Greenwood, The Power of the Dog

Bestes Produktionsdesign
  • Dune
  • The French Dispatch
  • Nightmare Alley
  • The Tragedy of Macbeth
  • West Side Story

Bestes Makeup & Hairstyling
  • Cruella
  • Dune
  • The Eyes of Tammy Faye
  • House of Gucci
  • The Suicide Squad

Bester Schnitt
  • Pamela Martin, Belfast 
  • Hank Corwin, Dont' Look Up 
  • Joe Walker, Dune 
  • Peter Sciberras, The Power of the Dog 
  • Sarah Broshar & Michael Kahn, West Side Story

Beste Kostüme
  • Jenny Beavan, Cruella
  • Massimo Cantini, Cyrano
  • Bob Morgan & Jacqueline West, Dune
  • Janty Yates, House of Gucci
  • Paul Tazewell, West Side Story

Beste Kamera
  • Haris Zambarloukos, Belfast
  • Greig Fraser, Dune
  • Ari Wegner, The Power of the Dog
  • Bruno Delbonnel, The Tragedy of Macbeth
  • Janusz Kaminski, West Side Story

Bestes Original-Drehbuch
  • Paul Thomas Anderson, Licorice Pizza
  • Zach Baylin, King Richard
  • Kenneth Branagh, Belfast
  • Adam McKay, Don't Look Up
  • Aaron Sorkin, Being the Ricardos

Bestes adaptiertes Drehbuch
  • Jane Campion, The Power of the Dog
  • Maggie Gyllenhaal, Frau im Dunkeln
  • Ryusuke Hamaguchi, Drive My Car
  • Sian Heder, CODA
  • Kim Morgan & Guillermo del Toro, Nightmare Alley
Bester Nebendarsteller
  • Jamie Dornan, Belfast
  • Ciarán Hinds, Belfast
  • Troy Kotsur, CODA
  • Jared Leto, House of Gucci
  • Kodi Smit-McPhee, The Power of the Dog

Beste Nebendarstellerin
  • Caitriona Balfe, Belfast
  • Ariana deBose, West Side Story
  • Kirsten Dunst, The Power of the Dog
  • Aunjanue Ellis, King Richard
  • Ruth Negga, Seitenwechsel

Bester Hauptdarsteller
  • Benedict Cumberbatch, The Power of the Dog
  • Leonardo DiCaprio, Don't Look Up
  • Andrew Garfield, tick, tick... Boom!
  • Will Smith, King Richard
  • Denzel Washington, The Tragedy of Macbeth

Beste Hauptdarstellerin
  • Jessica Chastain, The Eyes of Tammy Faye
  • Olivia Colman, Frau im Dunkeln
  • Penelope Cruz, Parallele Mütter
  • Lady Gaga, House of Gucci
  • Nicole Kidman, Being the Ricardos

Beste Regie
  • Paul Thomas Anderon, Licorice Pizza
  • Kenneth Branagh, Belfast
  • Jane Campion, The Power of the Dog
  • Steven Spielberg, West Side Story
  • Denis Villeneuve, Dune


Bester Film
  • Belfast
  • CODA
  • Don't Look Up
  • Drive My Car
  • Dune
  • Licorice Pizza
  • King Richard
  • The Power of the Dog
  • tick, tick... Boom!
  • West Side Story
Ich habe bei dieser Prognose ziemliche Kopfschmerzen, aber, joah, das ist sie halt.

Mittwoch, 16. Dezember 2020

Musikalisches Immergrün – Die besten Disney-Songs der Dekade (Teil XV)

 zurück zu Teil XIV

Unsere lange Reise durch die Disney-Musik der 2010er-Jahre nimmt ein Ende: Phineas und Ferb hatten viele tolle Sommertage, die Muppets haben gescherzt, der Disney Channel hat ... öh ... gedisneychannelt, und das ganz fabelhaft. Und auch der Disney-Animationsfilm-Kanon war natürlich wieder präsent. Ganz klare Sache. Schließlich ist er es, der die Verbindung zwischen Disney und Musik überhaupt erst so prägnant gestaltet hat. Ob sich auch ein Disney-Meisterwerk die Nummer eins dieser Hitliste schnappt? Gleich erfahrt ihr es ... 

Platz 5: Mann oder ein Muppet ("Man or Muppet") aus Die Muppets

Musik und Text von Bret McKenzie (dt. Fassung von Christine Roche & Klaus-Rüdiger Paulus)


Am 26. Februar 2012 war es endlich so weit. Die Muppets, die wohl musikalischste Schauspiel- und Comedy-Truppe des Film- und Fernsehgeschäfts, haben ihren ersten Academy Award für den besten Song gewonnen. Zweimal waren sie zuvor nominiert aber "aller guten Dinge sind drei". Darüber hinaus hat Walt Disney Pictures bei den 84. Academy Awards endlich das Dutzend voll gemacht und sich zum zwölften Mal einen Song-Oscar eingesackt. Komponist und Songtexter Bret McKenzie gab sich bereits nach der Nominierung bescheiden und betonte, niemals damit gerechnet zu haben.


McKenzie nahm sich vor, mit Mann oder ein Muppet ein Lied zu schreiben, das "urkomisch und wunderschön" ist, sowie gleichzeitig "ehrlich wie albern" wirkt. Das ist ihm vollauf gelungen, weshalb Mann oder ein Muppet ein verdienter erster (und hoffentlich nicht finaler) Muppet-Oscar-Gewinner ist. Denn dieses Lied trifft die Herzlichkeit der Muppets ebenso sehr wie ihre Überzogenheit. Denn Mann oder ein Muppet ist ein aus ganzem Herzen kommendes Lied über Sinnsuche, das Zweifeln an seiner Identität sowie ein Ausdruck dessen, endlich sich selbst erkennen und für den richtigen Weg entscheiden zu können. Bloß, dass das Dilemma der beiden singenden Figuren, Walter und Gary, lautet, nicht zu wissen, ob sie (im Inneren) Muppet oder Mensch sind, was sie mit überaus dick aufgetragenem Kummer herausschmettern. 


Trotz allem Humor in der Umsetzung ist es (dank McKenzies schön strukturierter Melodieführung und der emotionalen gesanglichen Darbietung) aber noch immer eine gelungene, ehrliche Form der Sinnkrisenbewältigung via Gesang. Powerballade auf Muppet-Art. Ich lieb's!

Platz 4: Alles ist grandios ("Life's a Happy Song") aus Die Muppets

Musik und Text von Bret McKenzie (dt. Fassung von Christine Roche & Klaus-Rüdiger Paulus)


Richtig gesehen: Die Muppets aus dem Jahr 2011 hat es sich sogleich zwei Mal in meinen Top 5 der besten Disney-Lieder der 2010er-Jahre bequem gemacht! Während Bret McKenzie mit Mann oder ein Muppet eine gefühlvoll-lustige Selbstfindungs-Powerballade geschaffen hat, ist dieser Eröffnungssong des formidablen Muppet-Quasi-Comebacks (sie waren ja nicht richtig weg, aber zweifelsohne ein paar Jahre nicht in Form und außerhalb der Aufmerksamkeit des Mainstreams) eine muppettastische Quintessenz des Happy Village-Song-Archetyps, der mich allein schon durch seine songschreiberische Dramaturgie gewinnt. Ich kann mir nicht helfen, aber ich bekomme allein schon dadurch eine Gänsehaut, wann im letzten Viertel des Songs wie eine Marschkapelle einsetzt und so das finale Gute-Laune-Crescendo dieser Nummer einleitet!


Vielleicht liegt es an der Attitüde, mit der McKenzie diesen Song geschrieben hat: Gegenüber der 'Los Angeles Times' erklärte er, dass Alles ist grandios als waschechte Musicalnummer aufblühen sollte, aber zugleich die Mechanismen einer Parodie haben müsse. Das Lied sollte, je nach Blickwinkel Gute-Laune-Eröffnungsnummern durch den Kakao ziehen oder einfach nur eine ernstzunehmende Gute-Laune-Eröffnungsnummer sein, die in die Vollen geht. Das passt nicht nur gut zu den Muppets generell und dem Film Die Muppets im Speziellen, sondern stützt auch wundervoll die Ausgangslage von Walter und Gary zu Beginn des Films: 


Der völlig verblendete, nicht erwachsen gewordene Walter und der nur minimal gefestigtere Gary denken, ihr Leben sei superfröhlich, leichtfüßig und perfekt, während es an Mary nagt, dass Gary nicht einmal erkennt, dass er erwachsenere Verpflichtungen und Bindungen eingehen sollte. Geschweige denn, dass er fähig wäre, sie einzugehen. Dafür lebt er zu sehr in einer Traumwelt. Alles ist grandios kann also wahlweise eine Spur drüber sein und sich neckisch über Garys und Walters Heile-Muppet-Kuschelherz-Welt erheben oder aber mit flauschiger Begeisterung ein Loblied auf diese heile, funktionierende Welt sein, die in den folgenden Minuten zerstört wird, wenn Walter erfährt, dass die Muppets, nunja, mehr als nur ein simples Karrieretief durchmachen. Doch für die finalen Takte von Alles ist grandios ... ist alles grandios! 


Platz 3: Lass jetzt los ("Let it Go") aus Die Eiskönigin

Musik und Text: Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez (dt. Fassung von Thomas Amper)


Was ist eine musikalische Disney-Hitliste in der Post-Eiskönigin-Ära ohne Lass jetzt los? Elsas große Powerballade hat die Welt im Eissturm erobert und hat sich innerhalb kurzer Zeit unwiderruflich an das "Disney-Erlebnis" festgeeist. Seit Beendigung der Eiskönigin-Kinoauswertung hatte ich keinen Disney-Parkbesuch mehr, ohne dass mir das Lied begegnet ist. Kaum eine Parade verzichtet auf diese Nummer, selbiges gilt für Disney-Lichterspektakel oder Eiskunstlauf-Tourneen. Geschweige denn für Disney in Concert-Veranstaltungen. Lass jetzt los hat sich zu einer disneykulturellen Stellung katapultiert, die Zip-a-dee-doo-dah Konkurrenz macht (und die Distanz zwischen den beiden Titeln wird nur noch wachsen), nunmehr über Hakuna Matata liegt, und nur von historisch gewachsenen, völligen Ausnahmetiteln wie Wenn ein Stern in finstr'er Nacht überschattet wird. 


Und was soll ich sagen? Ich versteh's. Total. Mein Genöle über Die Eiskönigin als filmisches Gesamtwerk habe ich schon oft genug vom Stapel gelassen, dennoch bleibt Elsa eine hervorragende Figur und ihr großer Glanzlichtmoment bleibt für mich glasklar Lass jetzt los. Dass der Song gleichermaßen den Film vorwärtsbringt, wie er auch für sich stehend aufgeht, ist sicher Teil seines Erfolgsrezepts. Die Power-Performance der zahlreichen offiziellen Elsa-Stimmen weltweit und die kraftvolle Songdramaturgie, die die Stärken aus Musical und Pop vereint (als Inspirationen dienten gleichermaßen Menkens Nummern aus der Disney-Renaissance und Stücke aus Sweeney Todd wie die Stilistiken von Adele, Aimee Mann, Avril Lavigne, Lady Gaga und Carole King), runden dieses Paket formidabel ab. 


Bekanntlich hatte Lass jetzt los ja sogar die Kraft, den ganzen Film zu verändern: Bevor das Lied geschrieben wurde, war Elsa noch schurkischer angelegt. Doch weil Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez Elsa als verschreckte, junge Frau sahen, die ihre Gabe weder zu kontrollieren, noch zu schätzen weiß, und während dieses Liedes all ihr Zaudern sich selbst gegenüber aufgibt, und dieses Lied einfach so kräftig und mitreißend war, musste halt der Film neue Wege einschlagen. Und auf diesen versuchen, qualitativ mit dem Song mitzuhalten. (Hier dürft ihr euch nun eure eigenen Gedanken machen, ob das aufging.)


Platz 2: Wo noch niemand war ("Into the Unknown") aus Die Eiskönigin II

Musik und Text: Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez (dt. Fassung von Thomas Amper)


Disney und die Popsong-Versionen seiner Filmsongs ... es ist ein ewiges Leid. In fast allen Fällen finde ich die Abspann-Cover der Filmlieder schwach oder gar zum Davonlaufen. Die Filmversionen sind einfach schöner, haben mehr Charakter und sind daher emotionaler. Aber es gibt sie, die berühmten Ausnahmen von der Regel. Elton Johns Can You Feel the Love Tonight schwebt meines Erachtens nach meilenweit über der Filmfassung des Der König der Löwen-Liebeslieds. Und auch wenn Wo noch niemand war in Die Eiskönigin II für mich zu den gelungensten Szenen gehört (egal ob in deutscher oder englischer Fassung), so gefällt mir das Lied nochmal um Längen besser, wenn nicht Elsa, sondern Panic! At the Disco es schmettert.


Das Arrangement von Into the Unknown im Abspann hat mit dem prägnanten Bläser-Einsatz und der poppig-rockig-opernhaften Dramaturgie (Wikipedia ordnet das Genre dieses Covers bezeichnenderweise als Pop-Rock, Showtune & Operatic Pop ein) glatt das Zeug dazu, in einem alternativen Universum das Titellied eines James-Bond-Films zu sein. Bevorzugt des ersten James-Bond-Films innerhalb eines Reboots. Das passt doch wie die Faust aufs Auge! Der Prolog ist zu Ende, der 007-Darsteller (oder die Darstellerin! Emily Blunt for Jane Bond, folks!) ist enthüllt, der erste Akkord von Into the Unknown ertönt und wir stürzen hinaus in eine bisher unerforschte, aufregende Bond-Welt!


Ich kann mir die dazugehörige Sequenz und glatt die ganze Tonalität des Bond-Films, der diesem Titelsong gebühren würde, förmlich vor dem inneren Auge ausmalen. Und das kommt wohl nicht von ungefähr. Denn: Der Text von Into the Unknown ist spezifisch genug, dass er ein detailliertes Kopfkino gestattet, hat man sich erst für ein Bild entschieden, das man mit den Lyrics und der klanglichen Attitüde der Nummer füllen möchte. Aber er ist vage genug, um vielfältige Deutungen zuzulassen. Das gibt dem Song ein großes Identifikationspotential und funktioniert auf filmischer Ebene als Wendepunkt, von dem aus der eigentliche Plot von Die Eiskönigin II ins Rollen kommt, ausgezeichnet. Es ist der Funken, der ein Abenteuer entfacht, und zugleich Inspirationsquelle für eine metaphorische Lesart von Elsas Reise.


Dass man sich im Hause Disney ziemlich uneinig war, wofür Elsas Reise steht, kann man in der herausragenden Dokumentarserie Into the Unknown auf Disney+ nachschauen, die auch zeigt, wie der Song (inklusive der Szene) Show Yourself (dt.: Zeige dich) im Produktionsprozess zum Stein des Anstoßes für ausführliche Debatten und Anreger von massig Arbeitsstress wird. Aber Into the Unknown, der die Story und die Parabel nicht auflösen muss, sondern sie nur in die Wege leitet, kann das völlig egal sein. Geht es um Abenteuerlust? Geht es um eine kritische Auseinandersetzung mit einem Familiengeheimnis oder gar mit den Privilegien der eigenen Herkunft? Ist es Elsas "Wage ich es, mich mit meiner Sexualität auseinanderzusetzen und letztlich gegenüber meinen Liebsten – oder einfach nur ohne weitere Ausflüchte und Abwiegelungen, sondern in voller Klarheit mir selbst gegenüber – ein Coming Out in Erwägung zu ziehen?"-Song, in dem die Elsa lockende Frauenstimme wortwörtlich eine sie anziehende Frauenstimme ist, weshalb sie gedanklich ausdiskutiert, ob es den bedauerlichen, potentiellen gesellschaftlichen Gegenwind wert ist, und dieser Sehnsucht zu folgen, indem sie das ihr bisher Unbekannte zu erkunden wagt?


Gerade letztere Interpretation wird in der vom Film losgelösten, hymnenhafteren Pop-Rock-Version mit operettenhafter Schmetterqualität befeuert: Elsa wurde sowieso schon nach Teil eins von vielen Fans als Lesbe gelesen, und Lyrics wie "There's a thousand reasons / I should go about my day / And ignore your whispers", "I'm sorry, secret siren / but I'm blocking out your calls [...] I don't need something new / I'm afraid of what I'm risking if I follow you" und "Or are you someone out there / Who's a little bit like me? / Who knows deep down / I'm not where I'm meant to be?" sowie "are you out there? / do you know me?/ can you feel me? / can you show me?" fügen sich formidabel in solch eine queere Interpretation des Songs. Dass ein offener Pansexueller die Popvariante von Into the Unknown performt, schnürt das queere Päckchen noch hübsch zusammen. 


Clark Spencer, Präsident der Walt Disney Animation Studios, fasste Into the Unknown in der 'Los Angeles Times' allerdings allgemeiner zusammen: Es ist seiner Ansicht nach ein Lied darüber, den Ruf der Bestimmung zu hören. Elsa zaudert zunächst, doch im Laufe dieses dramaturgisch mitreißenden, packend komponierten Songs überzeugt sie sich, keine Scheu mehr zu zeigen. Und egal, wie ich über den Film insgesamt denke: Dieser Song lässt mich Elsa gehörig anfeuern! Stürz dich ins Unbekannte, gute Frau!


Platz 1: Endlich sehe ich das Licht ("I See the Light") aus Rapunzel

Musik von Alan Menken, Text von Glenn Slater (dt. Fassung von Thomas Amper)


Vergleichsweise kurz nach Beginn der 2010er-Jahre hat sich Endlich sehe ich das Licht auf die Spitzenposition meiner liebsten neuen Disney-Lieder seit Veröffentlichung meiner ersten Musikalisches Immergrün-Reihe gesetzt. Und seither verharrt diese Pop-Ballade mit Folkrockeinflüssen auf dem Spitzenrang. Dieses Lied ist einfach wunderschön: Rapunzel und Eugene alias Flynn Rider singen hier nicht einfach bloß ein romantisches Duett - wenngleich Endlich sehe ich das Licht durchaus, zweifelsohne ein herrliches, emotionales Liebesduett ist. Aber zugleich ist diese herrliche Komposition von Alan Menken (und Texter-Spitzenleistung von Glenn Slater) auch ein introspektives, zerbrechlich-feinfühliges Lied über Wunscherfüllung, Selbsterkenntnis, Verletzlichkeit und diesen zarten, flüchtigen Augenblick, wenn man bereit ist, sich seinem bedeutsamen Gegenüber erstmals tiefgreifend zu öffnen.


Rapunzel und Eugene führen während Endlich sehe ich das Licht innere, gesungene Monologe darüber, etwas zu erreichen, das sie bis dahin für unerreichbar hielten - und nicht nur durch die dazugehörige Szene und ihre Umsetzung, auch schon dadurch, wie sie stimmlich ihre Zeilen betonen und verstärken, verändert sich im Laufe dieses Liedes die Bedeutung dessen. Der Schwerpunkt verlagert sich, von einem in sich geschlossenen, völlig insularen Wunsch zu einem geteilten Glück, was Endlich sehe ich das Licht so unfassbar romantisch macht: Es ist ein Liebeslied, das die einzelne Erfahrung der beiden Liebenden und das gemeinsame Erlebnis zugleich behandelt und ineinander verflechtet (womit der alberne US-Filmtitel Tangled fast beinahe ansatzweise rehabilitiert wäre).


Ursprünglich plante Menken eine kräftigere Komposition, eine Art Hymne, jedoch wurde Endlich sehe ich das Licht im Verlauf der Produktion von Rapunzel sanfter und "folkiger", was eigentlich nicht meine präferierte Rock-Subrichtung ist. Jedoch ist Endlich sehe ich das Licht in dieser Version so harmonisch und flüchtig-hübsch, dass es perfekt zum Text und dem Kontext der Szene sowie der Charakterisierung der Figuren passt, dass ich mir den Song gar nicht mehr als Powerhymne vorstellen mag. Ein Jammer, dass dieses Lied um den wohl verdienten Oscar als bester Song beraubt wurde. Aber dafür ist es die Nummer eins in dieser Hitliste. Ein schwacher Trost? Womöglich, aber ein unschlagbarer Abschluss für diesen ausgedehnten Countdown! 

Montag, 9. November 2020

Musikalisches Immergrün – Die besten Disney-Songs der Dekade (Teil XIV)

 zurück zu Teil XIII


Platz 10: Ich bin bereit ("How Far I'll Go") aus Vaiana

Musik und Text: Lin-Manuel Miranda (dt. Text von Thomas Amper)


Dieser soulige "Ich will"-Musicalsong von Lin-Manuel Miranda drückt aus, wie Vaiana sich mit ihren inneren Bedürfnissen auseinandersetzt. Denn anders als so manch schlichter geratener "Ich will"-Song, oder auch Mirandas ursprünglicher Songentwurf More, handelt Ich bin bereit davon, wie Vaiana ihre Liebe für ihre Heimat, ihre Familie, ihre Freunde und ihren Respekt für deren Gebote damit aufwiegt, wie sehr sie sich danach sehnt, neue Horizonte zu erkunden und ihren Abenteuerdrang zu befriedigen.


Diese konfusen, sich widersprechenden Gefühle, dieses Ringen zwischen dem Wir-Gefühl und den individuellen Wünschen, formuliert Ich bin bereit bedeutungsvoll, mit großer Symbolkraft und in einer wunderschönen Melodie aus, die den "Wellengang" von Vaianas Gefühlen, das Hin-und-Her zwischen Zurückhaltung und Vorwärtstrieb, akustisch greifbar macht. Ein großartiges Lied zum Mitschmettern.


Platz 9: Die Story geht weiter ("We're Doing a Sequel") aus Muppets Most Wanted

Musik und Text: Bret McKenzie (dt. Version: Christine Roche & Klaus-Rüdiger Paulus)


Nie zuvor widmete sich ein Lied der Muppets derart ihrem Faible für Metahumor und Selbstironie wie Die Story geht weiter. Während sich die Muppets-Lieder üblicherweise entweder deren Liebe für Wortspiele hingeben, ihrer herzlichen Seite, ihrer von Grund auf ehrlichen Albernheit oder aber schlicht ihre stilistisch breit gefächerte Musikalität repräsentieren, so eröffnet Muppet Most Wanted (das siebte Sequel zu ihrem Original-Film!) endlich mit einem Song, der die Meta-Spielchen voll aufdreht und dann noch einen Klecks Sahne drauf packt: Die Muppets befinden sich nach dem Ende von Die Muppets endlich wieder auf der Erfolgsstraße. Nun gut, nicht derart deutlich wie gedacht (die zahlreichen Fans, die die Muppets bejubelt haben, waren schlussendlich doch nur Statisten). Aber sie waren ausreichend populär, um prompt noch einen Film zu rechtfertigen! Das ist für die alten Kultchaoten, die zwischenzeitlich eher popkulturelle Underdogs waren, überhaupt nicht mehr der gewohnte Gang der Dinge. Und daher Anlass genug, zu singen und zu tanzen!

Und so besingen die Muppets im Introlied zu Muppets Most Wanted (der als Titel zwar halb so tolldreist ist wie das geplante The Muppets ... Again!, dafür aber wunderschön mehrdeutig) voller Freude und altmodischem MGM-Musical-Glamourstil, dass sie nun ein Sequel machen! Schließlich hält das Studio sie gerade für ein wirtschaftlich tragbares Franchise ... Jedenfalls jetzt genau in diesem Moment, wo es darauf wartet, dass Tom Hanks einwilligt, Toy Story 4 zu machen. 

Die Story geht weiter ist nicht nur unheimlich prophetisch (die Muppets sollten direkt, nachdem sie dieses Eisen geschmiedet haben, solange es heiß war, wieder kalter Kaffee werden, während sich Disney am anhaltenden Erfolg der Toy Story-Figuren laben durfte), sondern obendrein eine riesige, musikalische Wonne. Muppets Most Wanted in der Pressevorführung zu sehen und die ganzen herzlichen, frohen Lacher anderer anwesender Muppet-Fans zu hören, die glücklich mitwippen, ist eine meiner liebsten PV-Erinnerungen. Und die Muppets mit einem verdienten "Ha, wir sind gerade wieder oben angelangt und können weiter unseren Irrsinn machen"-Moment zu erleben, der so pfiffig hingeträllert wird, ist (war) doch auch mal schön! Auf dass sie sich erneut wieder nach oben ackern können.


Platz 8: BAMM aus Zombies - Das Musical

Musik: Ali Dee Theodore, Sergio Cabral, Julian Davis, Sarai Howard und Anthony Mirabella, Text: Ali Dee Theodore und Anthony Mirabella


Nach meinem Begleittext zu Rang neun schäme ich mich fast schon für Platz acht. Aber ... halt nur "fast"! Meine Liebe zum Disney Channel Original Movie Zombies - Das Musical (auch bekannt als Disney Zombies und Z-O-M-B-I-E-S, denn wer braucht schon Klarheit in der Namensgebung, wenn man auch einfach sagen kann: "Na, der bunte Zombie-Film halt. Wo die singen. Von Disney!"?) sollte mittlerweile kein Geheimnis mehr sein. Und BAMM trägt daran einen beachtlichen Anteil. Um mich selbst zu zitieren: "Es ist bescheuert, es macht enormen Spaß, ich liebe es."

Dieser zuckerinduzierte, tauringetränkte Partysong, in der Cheerleaderin Addison die Gute-Laune-Unterwelt der Zombies kennt, die in ihrem Teil der Stadt einfach sie selbst sein und sich sowie ihre Kultur feiern können, statt sich an die Menschen anzupassen, ist laut. Schrill. Schräg. Und er hat dennoch eine inhaltliche Relevanz (wie eben schon angeschnitten). Lasst mir den Spaß!


Platz 7: Gotta Be Me aus Teen Beach 2

Musik und Text: Niclas Molinder, Joacim Persson, Johan Alkenas und Charlie Mason


Ich werde nicht müde, Teen Beach 2 als Geniestreich-Ausnahmefilm unter den Disney Channel Original Movies zu bezeichnen. Teen Beach Movie-Regisseur Jeffrey Hornaday kehrt zurück in die von ihm geschaffene, aufgedrehte Welt mit Retrocharme-Campiness und vereint dieses Mal die bunte, schillernde, frohe Attitüde, die man von Disney Channel Original Movies erwartet, mit überraschend großem erzählerischen Anspruch und einer lobenswert konsequent verfolgten, thematischen Haltung. Und das auf derart beiläufige, selbstverständliche Weise, dass es Hornaday und das Drehbuch-Duo Matt & Billy Eddy ihrem Publikum nicht ins Gesicht schreien. So kommt es dann zu einem Ende, das weitab von jeder Familienfernsehfilmnorm ist - es ist ein wilderes erzählerisches Wagnis als gewohnt und es verfolgt seine Aussage verbissener und konsequenter, als üblich. Und das, ohne dem Publikum vorzukauen, wieso es nur so thematischen Sinn ergibt und nur so seinen Figuren gerecht wird.


Aber noch bevor Teen Beach 2 seinen kühnen Abschluss findet, beweist schon eine andere Szene, wie homogen dieses Comedy-Musical seine smarte Seite und seine aufgedrehte Zuckerschock-Disney-Fernsehfilm-Seite vereint. Nämlich der große Schulball, der in einem Disney Channel Original Movie von der Stange einfach nur das fröhliche, alle Probleme zuckrig bei Seite schiebende Finale wäre. Hier aber ist es strukturell gesehen die Verzögerung vor dem echten Schluss. Und zweitens: So, so froh, mitreißend, locker-leicht und stimmungsreich es auch ist, so ist hier die Figuren-Entwicklung durchdachter und mit Wortwitz vollendeter als es sich für Familienfernsehmusicals "gehört". Zwischen unserem Protagonistenpaar Mack und Brady wurde in den vorhergegangenen Filmminuten ein Graben gezogen, weil sie in Sachen Selbstbild, Interessen und Lebensgrundgefühl sehr unterschiedlich sind. Der formelhafte Disney-Channel-Film würde im Finale ein "Wir sind ja gar nicht so unterschiedlich"- oder ein "Wir können uns in der Mitte treffen"-Liedlein trällern und alles undurchdacht wegwischen.


In Teen Beach 2 dagegen wird ein losgelöstes, endorphingetränkes, modernes Poplied mit Rockabilly-Attitüde abgefeuert, das oberflächlich nach "Hach, sie lieben sich wieder, so einfach geht das!" klingt, dessen Text (und Choreographie) dagegen die Differenzen zwischen Mack und Brady eloquent ausdiskutiert, während sie einander versichern, dass sie sie selbst sein müssen, um glücklich zu sein. Der Verzicht auf einen Kompromiss, das Erkennen, nur dann glücklich zu sein, wenn man sich nicht verbiegt, und das mit Körperbewegungen und Blicken gefundene Verständnis, allen Unterschieden und sämtlichem, teils gegensätzlichem Selbststolz zum Trotz zusammenzupassen und zusammenzugehören, ist viel, viel nuancierter und setzt viel, viel mehr Beziehungserfahrung für das volle Verständnis dieser Figurendynamik voraus, als sich sonst für einen Disney Channel Original Movie geziemt. Und Gotta Be Me rockt diese Entwicklung sauber vom Parkett, als sei das hier ein Disney-Channel-Happy-End von der Stange. Selbststolzhymne trifft Wiedervereinigungsliebeslied trifft Teeniepartysong. Und es funktioniert bestens. Wow. Hut ab!


Platz 6: Glänzend ("Shiny") aus Vaiana

Musik und Text: Lin-Manuel Miranda (dt. Text von Thomas Amper)


Ich bin bekanntlich kein Synchro-Snob, und gerade Disney steht üblicherweise für liebevoll gemachte, clever übersetzte, toll besetzte Synchronfassungen. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn eine Synchronfassung eines Walt Disney Meisterwerks vermasselt ist. So zuletzt geschehen bei Vaiana. Und ausgerechnet in der Fassung habe ich den Film zum ersten Mal gesehen. Das hatte seine Folgen: Ich war während der Pressevorführung völlig vom Film distanziert, emotionale Momente waren gehemmt, Gags zündeten nicht. Aber dann kam Glänzend. Der Befreiungsschlag, der Knotenplatzer. Die Szene, die mich mit ihrer Freude, ihrer Bildgewalt und ihrer hervorragenden Synchronperformance von Tommy Morgenstern gepackt und in das Filmgeschehen gesogen hat. Es war ein Neustart meines Kinoerlebnisses und gestattete es mir, den Rest des Films involviert zu erleben. 


Allein schon deshalb hat sich Glänzend einen der vorderen Plätze in meinem 2010er-Disney-Songranking erarbeitet. Aber hier endet es noch nicht. Denn Lin-Manuel Mirandas Schurkensong, der mehr in der Tradition von King Louie und anderen "Ein Störfaktor auf unserem Weg"-Fieslingen steht als in der von plottragenden Bösewichten, bringt einen schimmernden, spaßigen David-Bowie-Vibe mit sich, ohne eine irritierend offensichtliche, aus dem Film reißende Hommage zu sein. Und obwohl der Song oberflächlich wie eine bunte Spaßnummer für zwischendurch wirkt, ist sie überaus durchdacht.


Denn die Bling-Bling-Krabbe Tamatoa ist eine überdimensionale Versinnbildlichung von Vaianas und Mauis inneren Ängsten. Als gieriges Monstrum, das primär Wert auf sein Äußeres legt, ist er das Zerrbild dessen, was der ebenfalls sehr eitle und selbstverliebte Maui werden könnte, wenn er seinen Anstand ablegen sollte. Und zugleich macht sich Tamatoa in seinem Song über Familienwerte, Gemeinschaftssinn und Traditionen lustig - womit er die grinsende Fratze dessen ist, was Vaiana befürchtet, durch ihren Abenteuerdrang zu werden, weil sie die Wünsche und Sorgen ihres Vaters missachtet und zudem etwas (auch) aus eigenem Antrieb in Angriff nimmt. Durch diese Begegnung werden die Figuren ihrer Ziele gewisser. Und wir haben einen Disney-Störenfried-Song mit Hintersinn erhalten, der enorm Spaß macht.


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Mittwoch, 28. Oktober 2020

Musikalisches Immergrün – Die besten Disney-Songs der Dekade (Teil XIII)

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Platz 15: Ich bin Vaiana ("I am Moana") aus Vaiana

Musik von Mark Mancina, Opetaia Foa'i und Lin-Manuel Miranda, Text von Opetaia Foa'i und Lin-Manuel Miranda (dt. Text von Tommy Amper)


Mit Ich bin Vaiana finden die drei musikalischen Stimmen aus Vaiana zusammen: Score-Komponist Mark Mancina, Musicalstar Lin-Manuel Miranda und der preisgekrönte Musiker Opetaia Foa'i, der zum Projekt hinzugezogen wurde, um einen authentischen südpazifischen Touch zu erhalten. Inhaltlich ist das Lied derweil quasi zugleich Staffelstabübergabe und Motivationslied: Zunächst singt Vaianas Großmutter dieses Lied der Ahnen für Vaiana, dann adaptiert sie es im Gedenken an ihre Oma und voller Stolz für sich selbst. Rührend und mit gesundem Pathos ist Ich bin Vaiana eine wunderschöne Powerballade!


 

Platz 14: Ways to be Wicked aus Descendants 2

Musik und Text von Sam Hollander, Josh Edmondson, Grant Michaels und Charity Daw


Müsste ich jemandem erklären, was der Disney Channel in den 2010er-Jahren so fabriziert hat, ich würde wohl zuallererst obiges Musikvideo zu Ways to be Wicked vorführen, dem Introsong zu Descendants 2. Denn ich wüsste keinen Clip, der kompakter zusammenfasst, wofür Disney-Channel-Eigenproduktionen dieses Jahrzehnts stehen: Extrem von Elektropop und anderen modernen Einflüssen geprägte Musik, ein junger Cast an Schauspiel-Gesang-Tanz-Dreifachtalenten, knallige Farben, Musikvideo-Sounddesign, Schul-Geschichten, pubertierende Hauptfiguren und Konzepte, die mit einem Fuß in klassischen Disney-Gefilden stehen, und mit dem anderen irgendwie flippiger, bunter oder schräger sein wollen. 


Und darüber hinaus macht mir Ways to be Wicked einfach absurd viel Spaß. Wikipedia sortiert ihn als Dance-Rock ein, äh, ja gut, meinetwegen, ich würde es dagegen als "Disney-Introsong auf kennyortegasche Disney-Channel-Logik nach vier Dosen Energy Drink, wild in einer knallig gefärbten Kunstlederjacke von einer Lautsprecherbox zur nächsten springend" bezeichnen. Aber gut, das wird wohl kein geläufiges Genre. Die Nummer ist ein gigantischer Fake-out, die eine ganz andere Story für den auf sie folgenden Film anteasert, und zugleich doch inhaltlich kohärente Etablierung von Mals Dilemma, ein laut und wild voranpreschendes Stück Zuckerschock, die kitschig-alberne, ungeheuerlich liebenswerte Disney-Channel-Vision dessen, was wohl Punk-Attitüde wäre. Gaga und genau richtig so.


Platz 13: Lost in the Magic aus Disneyland Paris

Musik von Mark Hammond, Text von Carolyn Gardner


Seit 1989 arbeitet Vasile Sirli für Disney. Seither hat sich der Rumäne zum Musikalischen Direktor des Disneyland Paris aufgeschwungen. Anfangs verfasste er auch selbst unzählige der Songs, die während Shows oder Paraden unseres europäischen Disneylands ertönt sind - und während dieser Phase entstanden auch die für mich größten Original-Ohrwürmer, die "mein Heimatpark" so zu bieten hat. Die Paradensongs nach Sirlis aktiver Zeit direkt an der musikalischen Front sind zwar auch allesamt für unzählige unvergessliche Momente zuständig (*versoffene Piratenstimme an*"Magic Everywhere!!!"*versoffene Piratenstimme aus*), jedoch dauerte es bis zum 25-jährigen Jubiläum des Disneyland Paris, bis sich ein neuer Paradensong so sehr in mein Herz, meinen Verstand und meinen Gehörgang gebohrt hat, dass ich ihn mir auch außerhalb der Tore des Pariser Disneylands immer wieder anhöre. 


Der frühere A*Teens-Produzent und Arrangeur mehrerer Alan-Menken-Kompositionen lässt im Paradensong Lost in the Magic beide Welten seines früheren Schaffens wundervoll kollidieren und erschafft eine poppige, knallige Kollision aus einem neuen klanglichen roten Faden und den zahlreichen Disney-Stücken, durch die er sich hier schlängelt. Dieser Paradensong setzt auf eine sehr künstliche, aber auch sehr kräftige Klangkulisse, die das Marschieren der Tänzertruppen und Disney-Figuren vor Ort vortrefflich begleitet und auch in den eigenen vier Wänden zumindest bei mir für ordentlich Laune und Energie sorgt. Mit Lost in the Magic fühle ich mich beim Staubwischen, Wäscheaufhängen oder Fenster- und Bodenputzen als wäre ich bei einer magischen Parade und lasse in Gedanken großartige Erinnerungen wieder aufleben.



Platz 12: Mutter weiß mehr ("Mother Knows Best") aus Rapunzel

Musik von Alan Menken, Text von Glenn Slater (dt. Fassung von Thomas Amper)

Während Rapunzel gemeinhin auf Lieder setzt, die durch Pop und Soft Rock inspiriert sind, so baten die Regisseure Byron Howard und Nathan Greno das Songwriter-Duo Alan Menken & Glenn Slater darum, auch eine broadwayeskere, klassischere Nummer zu schreiben. Und so bekam Mutter Gothel eine Schurkennummer spendiert, in der sie mit selbstdarstellerischer Genüsslichkeit all die Gefahren aufzählt, die Rapunzel angeblich außerhalb ihres Turms erwarten. Gespickt mit passiv-aggressiven Attacken, getarnt als Fürsorge, die Rapunzel kleinhalten und gefügig machen sollen, ist Mutter weiß mehr in seiner beiläufigen Garstigkeit sehr sondheimesk. Die Lyrics der Hauptversion dieses Songs reichen leider weder im Original noch in der deutschen Synchro an Sondheim-Größe heran, jedoch ist Gothel einer der wenigen Disney-Fieslinge, denen eine Reprise vergönnt ist – und die baut sich melodisch wie textlich wundervoll-fies auf. Gepaart mit dem ominöseren, kraftvolleren Arrangement ist es die Reprise, die Mutter weiß mehr in meinem Ranking auf diesen Platz schiebt. 

Platz 11: Wann fängt mein Leben an? ("When Will My Life Begin?") aus Rapunzel

Musik von Alan Menken, Text von Glenn Slater (dt. Fassung von Thomas Amper)

Der Eröffnungssong von Rapunzel ist zugleich ihr „Ich will“-Lied, wobei sich Rapunzel ihren Sehnsüchten nicht von Beginn an durch und durch klar ist: Zunächst listet das blonde Langhaar all das auf, womit es sich seine Zeit im Turm vertreibt. Und das in einer munteren, mild-flotten Art, die Andrew Lloyd Webbers Evita auf den Blumenkinderrock von Joni Mitchell treffen lässt. Das Arrangement lässt die Akustikgitarre klar in den Vordergrund treten, doch auch die Percussion ist deutlich und zunächst flippig. Erst, wenn Rapunzel allmählich aufgrund der Monotonie ermüdet und sich ihre Sehnsucht herauskristallisiert, an ihrem Geburtstag die alljährlich den Nachthimmel erleuchtenden Lichter von ganz nah zu erleben (oder gar generell mehr von all dem da draußen mitzubekommen, sollte Mutter es denn gestatten), wird die Melodie langsamer und die Streicher werden deutlicher.

Wann fängt mein Leben an? drückt Rapunzels Dilemma (sie kennt nur ein Leben, ist weitestgehend komfortabel damit, fühlt sich dennoch eingepfercht, aber aufgrund ihrer Ziehmutter hat sie Angst vor dem Unbekannten, so dass sie sich nicht im Klaren ist, ob, und wenn ja, wann sie ein Leben im Freien führen will/wird, geschweige denn ein Leben der freien Entscheidungen) auf den Punkt genau aus – und war laut Alan Menken der erste Song, der für Rapunzel geschrieben wurde. Diese Nummer bestätigte die Disney-Legende darin, den Weg einzuschlagen, die Musik im Film durch Mitchell beeinflussen zu lassen, und wurde auch im Score zu Rapunzels Leitmotiv.

Für Wann fängt mein Leben an? wurden zwei Reprisen verfasst, wobei die erste es nur auf den Soundtrack geschafft hat, während die zweite den Wendepunkt im Film markiert, an dem sich Rapunzel aus dem Turm hinaus wagt. Anfangs zögerlich, hüpft diese Reprise geradezu in immer freiere, forschere, frohere Klanggefilde und mündet in ein großartiges Gänsehaut-Crescendo. 

Dienstag, 6. Oktober 2020

Musikalisches Immergrün – Die besten Disney-Songs der Dekade (Teil XII)

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Platz 20: My Year aus Zombies - Das Musical

Musik und Text von Hannah Jones, Jack Kugell und Matt Wong


Wie sieht ein klassischer "Happy Village"-Song aus, in einer Filmwelt, die comichaft, auf keusche Art campy, mit Retro-Ästhetik versehen und von hip-modernen Einflüssen durchzogen ist? In einem Film, der Rassismus sowie Klassismus anklagt, dies aber via einer Romeo-und-Julia-Geschichte über einen Zombie und eine menschliche Cheerleaderin? Noch dazu auf dem Disney Channel? Nun, ganz einfach: So! My Year lässt Musical-Zeitlosigkeit mit modernen Einflüssen kollidieren, all dies übermäßig fröhlich, bis es selbstsicher-albern wird, aber nicht direkt eine Persiflage darstellt, selbst wenn die dazugehörige Szene mehrmals gezielt bis ganz nah an die Grenze herandüst. Ich find's überaus faszinierend und vergnüglich.


Platz 19: Wir kennen den Weg ("We Know the Way") aus Vaiana

Musik von Opetaia Foa'i, Text von Opetaia Foa'i und Lin-Manuel Miranda (dt. Text von Tommy Amper)


Wir kennen den Weg ist zwar nicht weiter der erste Song im Film, war aber der erste Song, den Mark Mancina, Opetaia Foa’i, und Lin-Manuel Miranda für Vaiana geschrieben haben und zudem ist es der erste Song, den viele Fans und Pressemitglieder zu Gehör bekommen haben. Und es war auch ein echt starker Vorgeschmack für das, was Vaiana zu bieten hat: Mit starker Percussion und von Fernweh, Stolz und Abenteuerdrang versehenen Lyrics ist Wir kennen den Weg eine extrem schöne Feier der seefahrenden Vorfahren unserer Titelfigur. In einer frühen Filmfassung eröffnete das Lied übrigens den Film und zeigte unter anderem die Geburt Vaianas.


Platz 18: Cruisin' for a Bruisin' aus Teen Beach Movie

Musik und Text von Mitch Allan, Jason Evigan, Jason Charles Miller und Nikki Leonti


Die Retronummer in Teen Beach Movie: Protagonist Brady und Protagonistin Mac sind in Bradys Lieblingsfilm gelandet, und es gibt für Brady nichts, das schöner wäre, als mitzuerleben, wie die grease-ige Rockerbande im Lieblingsschuppen der chilligen Surfer landet und eine Rockabillynummer zum Besten gibt, in die er schon immer mal einsteigen wollte. Dass Brady wirklich da einsteigt, war im Film eigentlich nicht geplant, aber weil Brady-Darsteller Ross Lynch die Choreo zum Song beherrschte und voller Passion hinlegte, wurde die Szene umarrangiert. Der Song selbst ist einfach richtig schön kaugummigroovy und riesiges Vergnügen.

Platz 17: Ich geb' dir, was du willst ("I'll Get You What You Want (Cockatoo in Malibu)") aus Muppets Most Wanted

Musik und Text von Bret McKenzie (dt. Version: Christine Roche & Klaus-Rüdiger Paulus)


Schurkensong, Bret-McKenzie-Style: In Muppets Most Wanted ersetzt ein böses Double Kermit in der Muppet-Truppe, und zerstört das Teamwork und den Teamgeist sowie die besondere Chemie in deren Show, indem er einfach allen unentwegt das gibt, was sie wollen. Um eine grantelnde Miss Piggy milde zu stimmen, äußert Constantine in Kermit-Verkleidung eine Nummer im Stil von Lionel Richie, Michael McDonald und den Doobie Brothers. Mit Groove, Flair, Disco-Funkel-Funkel und (urkomisch geratener) Bemühung, sexy zu sein, gibt er Miss Piggy immer absurdere Versprechen. Sehr, sehr lustig, doppelbödig und echt groovy!

Platz 16: Der Einband kann täuschend sein ("A Cover Is Not The Book") aus Mary Poppins' Rückkehr 

Musik von Marc Shaiman, Text von Scott Wittman und Marc Shaiman (dt. Text von Nina Schneider)


Bei meinem ersten Anschauen von Mary Poppins' Rückkehr war noch Stellt euch das nur mal vor ganz klar mein Lieblingslied aus dieser späten, späten Mary Poppins-Fortsetzung. Die Melodie der Tauchfahrt-Begleitnummer hat mich einfach mehr mitgenommen. Aber als Gesamtszene betrachtet hat mich schon während der Pressevorführung mit weitem Abstand Der Einband kann täuschend sein mehr gepackt. Viel mehr! Sehr, sehr viel mehr. Noch während des ersten Anschauens dieses Rob-Marshall-Filmmusicals habe ich mich in diese Szene schockverliebt. Emily Blunt, die eh schon super in dieser Rolle ist, blüht förmlich auf, während sie Mary Poppins spielt, die nun in Velma-Kelly-Bob eine Cockney-Vaudeville-Dame spielt, die zusammen mit Laternenanzünder Jack kleine (oft anzüglich angehauchte) Geschichtlein zelebriert. Chicago trifft Walt Disney Pictures, und Marshall inszeniert das mit Leichtigkeit, Fröhlichkeit und Geschmack. Lin-Manuel Miranda spielt besser als im restlichen Film, das bewusst künstliche Bühnenbild ist wunderschön und die Zeichentrickfiguren lassen mein Herz höher schlagen. Eine Bombenszene, die mich kurz glauben ließ, Mary Poppins' Rückkehr könnte mein Lieblingsfilm 2018 werden. Leider brach der Film danach brutal ein, aber die Szene selbst blieb in meinem Herzen, weshalb ich die Szene immer und immer wieder geguckt habe - was wiederum mein Ansehen des Songs vergrößerte. Die darin nacherzählten Geschichten stammen übrigens allesamt aus Travers-Büchern.

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