Samstag, 22. August 2020

Musikalisches Immergrün – Die besten Disney-Songs der Dekade (Teil XI)

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Platz 25: It's Goin' Down aus Descendants 2
Musik und Text: Antonina Armato, Tim James, Tom Sturges und Adam Schmalholz

Dieser Song ist einer der zentralen Gründe, weshalb ich Descendants 2 als den Höhepunkt von Kenny Ortegas knalliger Fieslingssprößlingetrilogie erachte: Raus mit dem pappigen Herzschmerz von Teil eins, rein mit "Wie stellt sich Kenny Ortega eigentlich eine dramatische Actionszene vor ... nach eigener Art?" Disneys Spezialist für Camp und glitzernder Musicaltheatralik gestaltet das, was in einem handelsüblichen (TV-)Abenteuerfilm über den Kampf zwischen Gut und Böse wäre, mit gerapptem Egostreicheln, hektischem Elektrobass, einem Soundeffekt, der so klingt, als würde direkt neben dem Filmgeschehen ein unbehelligter Super Mario seelenruhig Münzen einsammeln und einer peppigen inneren Dramaturgie. Das ganze macht einfach Laune, und weil Descendants 2 der klotzende Höhepunkt der Trilogie ist, ist das alles gar nicht der Höhepunkt von Akt drei, sondern nur das Vorspiel für das eigentliche Filmfinale. 


Platz 24: Rotten to the Core aus Descendants
Musik und Text: Joacim Persson, Shelly Peiken und Johann Alkenas

Der Song, mit dem alles begann: Nach großem Vorab-Antihype älterer Disney-Fans, die das Konzept "Was, wenn alle Disney-Schurken ihre Filme überlebt hätten, ungefähr zur selben Zeit aktiv gewesen wären und Kinder bekommen hätten, die wiederum nun zusammen mit den Kindern der Helden auf dieselbe Schule gehen?" als großen Affront abgetan haben, der unmöglich Spaß machen könnte, lief dieser bunte Irrsinn 2015 im Disney Channel. Und beim Eröffnungssong Rotten to the Core sollte schnell klar werden: Aha, so läuft dieser Hase also. Ironisch-dick aufgetragen und selbstbewusst-durchgeknallt, übergossen mit einer dicken Soße aus EDM und disneytauglich-weichgewaschenem Dubstep. Muss man nicht mögen, sollte man aber als seine ganz eigene, schräge Nummer erkennen, die keinerlei Anspruch erhebt, Teil des Meisterwerke-Kanons zu sein. 

Fun Fact: Einer der Verantwortlichen hinter dieser sehr tanzbaren "Hallo, das sind wir, hier sind die Markenzeichen unserer Figuren und so klingt dieser Film halt"-Eröffnungsnummer ist Joacim Persson, einer der Auddly-Geschäftspartner von ABBA-Mann Björn Ulvaeus, der unter anderem schon Nummern für Kelly Clarkson, John Legend, Lady Gaga und Miley Cyrus verantwortete.


 
Platz 23: Can't Back Down aus Camp Rock 2: The Final Jam
Musik und Text: Antonina Armato, Tim James und Tom Sturges

Anhand der Camp Rock-Filme lässt sich sehr gut der Einfluss der High School Musical-Reihe auf die Disney Channel Original Movies messen: Teil eins kam 2008 heraus, wurde aber erst kurz nach der Ausstrahlung von HSM 2 gedreht und entwickelt, während der HSM-Zug erst ins Rollen kam. So fügt sich der Film zwar in Disneys Tendenz ein, im Fernsehen mehr und mehr auf Musik zu setzen. Jedoch verfolgt Camp Rock noch eine "Realweltlogik", die Songs sind allesamt diegetisch: Sie ertönen in Momenten, in denen in einem Musiker-Sommercamp auch wirklich gesungen würde. Camp Rock 2 hingegen wurde von der HSM-Welle getroffen und vermischt (ähnlich wie die HSM-Filme) Realweltlogik mit Momenten, die vollauf eine Musicalhaltung einnehmen. Das mag ein Bruch mit den Paramatern der Filmreihe sein, führte aber zum stärksten Moment der zweiteiligen Saga: Can't Back Down ist ein mit Wucht und Zorn und Power gesungener Protest- und Durchhaltesong, in dem sich die Protagonisten anfeuern, gegen die widrigen Umstände aufzulehnen, die ihnen widerfahren. Nämlich ... die mögliche Abschaffung ihres Lieblingssommercamps. Ja, die Unverhältnismäßigkeit zwischen Ernsthaftigkeit und Vehemenz der Musik sowie der Performances einerseits und den flippigen Tanzmoves mehrerer Figuren sowie des Anlasses für die Nummer ist Teil des Charmes. Und es ist einfach ein waschechter "Banger", unter anderem geschrieben von Antonina Armato, die schon den ähnlich operierenden Troy-Bolton-Selbstfindungs-Tanzsong Bet On It verfasst hat. Wenn man's weiß, hört man's glatt raus, oder?


Platz 22: Kinderlümper ("Kinderlumper") aus Phineas & Ferb
Musik und Text: Michael Diederich, Robert F. Hughes, Martin Olson, Dan Povenmire und Michael Singleton (dt. Fassung von Christine Roche, Ursula von Langen & Thomas Amper)

Ein sehr unterhaltsamer Song, der exzellent einfängt, was an Phineas & Ferb so großartig ist: Hier, in der nunmehr vierten Staffel, gönnen wir dem albern-sympathischen Schurken Dr. Doofenshmirtz eine ausführliche, jazzige Big-Band-Nummer im Stil von Cab Calloways Minnie the Moocher, die gleichzeitig riesiges Mitleid für ihn erzeugt, weil ihm in seiner Kindheit grausige Bösnachtmärchen eingetrichtert wurden, die andererseits aber auch eine große Lachnummer ist, da sie ein vollkommen übertriebener Kinderschreck ist. Was auf der visuellen Ebene jedoch kaum gebrochen wird - der titelgebende Kinderlümper sieht schon schrecklich aus und kreist unheimlich um die in grau-braunen Rückblenden gezeigten, verängstigten Kinderlein.

Später in der Folge kommt es zu einer fröhlicheren Reprise - als Invertierung dessen, wie Musicals gerne zu einer dramatischen Reprise tendieren.

 
 Platz 21: You and Me aus Descendants 2
Musik und Text: Mitch Allan und Nikki Leonti Edgar

Das wahre Finale von Descendants 2: Auf einer Yacht treffen unsere Figuren zusammen und feiern die große Liebe, die sich kurz zuvor in einem CG-Kampf durchgesetzt hat. Alle sind klatschnass, das Deck steht knöcheltief unter Wasser und es wird ein harmonischer, poppig-froher Song angestimmt, der Freude und Verständnis feiert, und uns alle in die Verantwortung zieht, dies zu vermitteln. Kenny Ortegas Choreografie der Szene ist wirklich hübsch und unterstreicht die ansteckende Glückseligkeit der Nummer sehr gut. 

Fortsetzung folgt ...

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