Freitag, 25. Juni 2021

Freitag der Karibik #74

Was bisher geschah: Ich bin wieder voll im Piratenfieber. Daher widme ich mich nun den weniger bekannten Deleted Scenes aus Gore Verbinskis Pirates of the Caribbean-Fortsetzungen. Also den komplett gekippten oder gestutzten Filmpassagen, die erst in späteren, internationalen Sammeleditionen al Bonusmaterial zu finden waren. Die entsprechenden Szenen zu Teil zwei behandelte ich bereits hier.


Und nun weitere Deleted Scenes, inszeniert von Gore Verbinski!

Die Postproduktion von Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt war legendär-stressig. Der Drehschluss des großen Finales von Gore Verbinskis Piratentrilogie verschob sich aufgrund zahlreicher Komplikationen (von einem Hurrikan zerstörte Sets! Szenen, die komplett neu gedreht werden mussten, um bessere Effekte zu ermöglichen!) wiederholt nach hinten. Die kreativen Verantwortlichen beknieten daher Disney, den Starttermin von Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt ebenfalls zu verschieben. Doch sie lehnten ab. Und so mussten die sich stapelnden Erledigungen in deutlich weniger Zeit abgearbeitet werden, als geplant. Der Legende nach erhielt Gore Verbinski vom Studio während der Postproduktion Fahrverbot, weil es Angst hatte, dass der unzählige Überstunden schiebende Mann am Steuer einschlafen und so einen schweren Unfall bauen könnte.

Und dennoch kam am Ende ein wahrhaftiges Meisterwerk heraus (wenn man mich fragt, und da ihr auf meinem Blog seid, tut ihr das ja offenbar!), wenngleich ein Meisterwerk, um das die hitzigsten Diskussionen entstanden. Hätte mehr Material auf dem Boden des Schneideraums landen müssen? Weniger? Warum bitte landeten manche Dinge auf dem Boden des Schneideraums? Es ist an der Zeit, sich die Tonnen an Deleted Scenes näher anzuschauen und Gore Verbinski höchstpersönlich zu lauschen, während er erklärt, was er sich dabei gedacht hat ... 

(Titellos)

In der einzigen Aufnahme, die für den verworfenen Anfang von Am Ende der Welt gemacht wurde, sehen wir Barbossa nachdenklich an einem Tisch sitzen, mit einer Acht-Realis-Münze in der Hand. 

Gores Kommentar: Ursprünglich sollte Am Ende der Welt damit beginnen, wie jeder der Piratenfürsten eine solche Münze erhält, was als Einladung Barbossas zum Rat der Bruderschaft gelten sollte.

Mein Urteil: Hau weg den Dreck, keine Alternative kommt an den Hoist the Colors-Prolog ran!

The Canaries

Nachdem Barbossa und Elizabeth in das Badehaus Sao Fengs eingetreten sind, sehen wir bereits Tia Dalma (die in der endgültigen Filmfassung erst etwas später wiedereingeführt wird). Sie und Jack, der Affe nutzen die Drehorgel, um die Feilgeräusche zu übertönen, die Gibbs und Co. verursachen. Als die Wachen der East India Trading Company sie verjagen wollen, verrät Tia Dalma einem der Wachmänner etwas aus seiner Kindheit (er warf stets Laken in den Brunnen) sowie eine ihn tiefer treffende Wahrheit (dass seine Mutter ihn durchschaute, aber ihm verzieh). 

Gores Kommentar: "Es ist eine Art Verweis auf Obi-Wan in Star Wars ... 'Das sind nicht die Droiden, die ihr sucht'. Ich glaube, die Autoren Ted & Terry waren als Kinder große Fans von diesem Film. Aber letztlich wollten wir zügiger zum Treffen mit Sao Feng kommen, also musste diese Szene weichen."

Mein Urteil: Keine Szene, bei der ich denke "Hach, wäre sie doch nur drin geblieben!", gestört hätte sie mich aber auch nicht. Doch ich will nicht wissen, wie ungeduldig das Publikum damals, im Mai 2007, während des Triple Features mit Mitternachtsvorpremiere geworden wäre, hätte es noch länger gedauert, bis wir zu Jack Sparrows Auftritt kommen. Also, ja, im Sinne des Publikums: Gut entschieden. Und auch ohne die Meute im Kino im Blick ist ja nichts wertvolles verschollen gegangen.

A Pox on Us All

Sao Feng kritisiert etwas länger den Gedanken einer Fürsten-Zusammenkunft, woraufhin Barbossa den Hohen Rat mit Nachdruck und romantisiertem Tonfall verteidigt.

Gores Kommentar: Er merkt an, dass das Treffen mit Sao Feng insgesamt viel ausführlicher war, doch letztlich beschloss er, es auf das Wesentliche zu reduzieren. Er vermisst jedoch die kurzen Zeilen, in denen Barbossa Sao Feng verdeutlicht, was der Hohe Rat der Bruderschaft den Piraten alles ermöglichte. Gore ist sich dessen bewusst, dass diese Informationen weiterhin im Film stecken, jedoch mag er es, wie Barbossa sie hier mittels seiner Gravitas als Verhandlungsmittel einsetzt.

Mein Urteil: Rush spielt wirklich klasse, aber die Szene wäre schon redundant ... 

You're a Pirate

Pintel begegnet während der Singapur-Kampfszene zwischen den Piraten und der East India Trading Company dem Verräter mit dem zerlaufenen Tattoo (der später auch als Leiche zu sehen ist, die die Wasserstelle vergiftet, die die Crew der Black Pearl nach der Up is Down-Szene nutzen möchte).

Gores Kommentar: Diese zweite von planmäßig eigentlich drei Szenen rund um die Verräterfigur sollte dafür sorgen, dass ihre dritte Szene (die als Leiche im Wasserloch) stärker nachhallt. Aber zu wenige Leute erkannten den Verräter in dieser zweiten Szene wieder, so dass sie auch direkt für etwas mehr Tempo fliegen konnte,

Mein Urteil: Kein Verlust, der Am Ende der Welt irgendwie mindern würde. Aber die kurze zusätzliche Action-, Humor- und Storyeinlage ist gut gefilmt und gespielt. Ich finde, sie hätte bleiben dürfen.

You Weren't Supposed to Get Caught

Während der Wegfahrt von Singapur auf dem von Sao Feng geliehenen Schiff: Barbossa ermahnt Will, dass er sich nicht hat erwischen lassen sollen. Wills kühle Antwort suggeriert, dass alles nach seinem Plan verlief, er sich also hat erwischen lassen, um bei der Unterredung mit Sao Feng dabei zu sein und verhandeln zu können.

Gores Kommentar: Er nennt keinen Grund, weshalb die Szene gekürzt wurde, merkt nur an, dass sie sehr früh aufgegeben wurde.

Mein Urteil: Der Szenenübergang von Singapur zu Davy Jones ist im fertigen Film so stark, ich glaube glatt, dass dieser zusätzliche Beat an Will-Ambivalenz (die ja dennoch in Am Ende der Welt spürbar ist) daher fliegen musste.

It's a Two-Part Plan

Murtogg und Mullroys Wiedereinführung fällt etwas länger aus, mit Gescherze über den Zustand der Flying Dutchman. Anschließend sehen wir, wie sich Gouverneur Swann in das Egomessen Lord Becketts und Davy Jones' einmischt und Jones anfährt, weil er den Piratenschiffen nicht ausreichend Möglichkeit gibt, sich zu ergeben. Jones behauptet daraufhin Swann gegenüber, dass Elizabeth tot sei und Beckett davon wüsste.

Gores Kommentar: Gore sagt, dass diese Szene für viele, eifrige Diskussionen sorgte und für Meinungsverschiedenheiten, ob sie Sinn ergeben würde. Daher habe sie weitere Handlungsfäden, vor allem die restlichen Szenen rund um Gouverneur Swann, in Mitleidenschaft gezogen. Daher hat er sie umgeschnitten.

Mein Urteil: Der zusätzliche Comedy-Beat mit Murtogg und Mullroy ist zurecht geschnitten worden: Ich mag die beiläufige Reintegration der Figuren, das Understatement passt zur Stimmung, die Am Ende der Welt im ersten Akt hat, und sie schürt die Vorfreude auf späteren Unfug mit den Beiden. Das Gespräch zwischen Jones, Beckett und Swann ist aber echt gut gespielt, und daher ist es schon schade, dass der fertige Film ohne die Szene auskommen musste. Aber ich verstehe Gores Bedenken und, hey, es gibt ja die Blu-ray mit der Sequenz in den Extras!

Swann Song

Emotional aufgrund der obigen Szene aufgelöst, rennt Gouverneur Swann zur Truhe des Todes und versucht, Davy Jones' Herz zu durchstechen. Norrington kann ihn davon abhalten. Ein in Tränen zerfließender Swann erzählt Norrington, dass Elizabeth tot sei, woraufhin Norrington mit brechender Stimme, aber strengem Auftreten den um ihn stehenden Soldaten befiehlt, den Raum zu verlassen. Jones betritt die Szene, wird sofort von Norrington mit einer gezückten Pistole bedroht, während er weiter Swann zu trösten versucht. Dieser erklärt Swann mit diabolischer Freude den Fluch, den er auf sein Herz gelegt hat. Mercer und Beckett stoßen dazu. Mercer klärt auf, dass Elizabeth noch lebt, und Beckett merkt schelmisch an, dass er dieses Wissen willentlich zu unterschlagen versucht hat. Swann verlässt entgeistert den Raum, Beckett schnaubt Jones an. Sobald Mercer und Beckett allein sind, spricht Mercer den Gedanken an, dass Swann und Norrington sterben müssen, weil sie zu viel wüssten. Beckett erklärt, dass er Norrington achtet und weiter gebrauchen kann, Swann dagegen ... 

Gores Kommentar: Durch die Kürzung der obigen Szene, musste zwangsweise auch diese weichen. Gore erklärt, dass man sich während der stressigen Produktion von PotC 2 & 3 an dieser Stelle in eine Ecke manövriert habe. Der Handlungsstrang rund um Gouverneur Swann war verfahren: Diese so emotional aufgeladene Szene verpuffe für das Publikum, weil es mehr weiß als der wütend-traurige Swann und der ihn mit Geheimnissen über seine Vergangenheit triezende Davy Jones. Dass Jones an dieser Stelle die Regeln des Fluchs vertiefe, würde zudem dafür sorgen, dass die Enthüllung von Swanns Tod an emotionaler Kraft verliert:

Wenn er als Geist gezeigt wird und Elizabeth die Regeln über Jones' Herz erklärt, drohe es laut Gore aufgrund dieser Szene, dröge zu werden, weil Swann etwas wiederkaut, das ohne diese Szene neu für uns wäre. In Gores Augen ist Swanns Tod bedeutsamer, wenn mit ihm auch Erkenntnisgewinn für Publikum und die Figuren einhergeht. Also wurde diese Szene gestrichen und ein verkürzter Ersatz geschrieben, um Mercers und Becketts Absicht, Swann zu töten, dennoch im Film zu haben. Am meisten trauert Gore um Jones' triezenden Monolog über seinen Fluch, der letztlich sein eigenes Ende begründet. Doch die Szene, die zu diesem Moment führt, habe zu große Kosten, um den Genuss an ihm zu rechtfertigen.

Mein Urteil: Als ich die Szene erstmals sah, dachte ich: "Wow! Wieso wurde die geschnitten?!" Jonathan Pryce, Jack Davenport, Bill Nighy und Tom Hollander spielen großartig auf, vor allem Pryce und Davenport lassen einen an ihrem Sturm der Emotionen teilhaben. Und David Schofield ist als Mercer einmal mehr herrlich fies. Die Szene ist, für sich stehend, einfach klasse anzuschauen. Und dann habe ich Gores Kommentar gehört und ... Ja, ich verstehe ihn. Die Szene ist an sich grandios, aber wenn ich mir vorstelle, sie wäre im Film, dann würde im Mittelteil bei einem wichtigen Wendepunkt Emotion fehlen. Der Schock wegen Swanns Tod wäre kleiner, der unmittelbare Gefühlsbogen rüber zur Anspannung, was wir mit der Information über Jones' Fluch anfangen soll und was Jack damit anfangen wird, wäre nicht mehr da, somit fiele der emotionale Wellengang aus, der uns quasi auf den Schwung von Up is Down raubt ... Es ist ein Jammer, dass man keine Möglichkeit fand, eine Version dieser Szene zu entwerfen, die im Gesamtwerk funktioniert. Denn, liebe, innige PotC-Fans: Wenn ihr diese Sequenz noch nicht kennt, besorgt euch umgehend ein Blu-ray-Set, in dem sie enthalten ist. Es lohnt sich, wenn ihr mich fragt!

This Was Your Idea

Pintel und Ragetti necken sich länger, während sie kopfüber am Mast der Black Pearl hängen.

Gores Kommentar: Gore ist kurz davor, das Entfernen dieser Szene zu bereuen, nennt sie eine der größten Verluste. Aber letztlich war sie unnötig und musste daher raus, damit der Kern der Geschichte stärker rausgearbeitet ist.

Mein Urteil: Gore ist voller Überraschungen. Das hier ist für ihn eine der Szenen, die er am ehesten/meisten vermisst? Verrückt.

Kraken Slayers, Pt.1

Pintel und Ragetti blödeln länger neben, um und auf der Leiche des Kraken herum

Gores Kommentar: Gore liebt alles, was Pintel und Ragetti am Strand treiben, während wir den Krakenleichnam sehen. Es sei absurd und passe zur Thematik des Films, denn letztlich würden Pintel und Ragetti ja die Kommerzialisierung von Mythen ausdiskutieren, unwissentlich, dass sie somit ideologisch mit Lord Beckett verbrüdert sind, obwohl er ihren Untergang bedeutet. Er vergleicht Pintel und Ragetti mit den sprichwörtlichen Leichenfledderern aus The Wild Bunch, die nicht erkennen, dass sie sich dem Ende ihrer Ära nähern.

Mein Urteil: Wow ... Also, wenn ich einer anderen Person Gore Verbinskis visuellen Stil erklären muss, so ist mein Paradebeispiel bislang die Szene am Steg im Hafen von Tortuga in Pirates of the Caribbean - Die Truhe des Todes. (Ja, ich weigere mich mal wieder, den richtigen deutschen Titel zu nehmen, ja, das ist kindisch von mir. Ignoriert es einfach.) Ted & Terry haben es ja in ihrem Audiokommentar genauso getan. Gore nimmt eine lange Dialogszene, in der viel Information übermittelt wird, und macht aus ihr eine Passage, die sich zügig bewegt, in der ein Gag nach dem nächsten zündet, und die jede Menge kinetische Ebenen hat (Statisten, die keinerlei Ruhe finden, Figuren, die in Bewegung bleiben, schaukelnde Schiffe) ... und eine Ziege.

Aber müsste ich demnächst wieder erklären, wie Gore Verbinski als Regisseur tickt, wenn es darum geht, wie er geistig an seine Filme herantritt ... Ich glaube, ich würde künftig womöglich diese Deleted Scene zeigen, zweimal nacheinander. Einmal pur, danach mit Audiokommentar. Im fertigen Film ist Pintels und Ragettis Geblödel kurz, knackig, es entspricht ihren Persönlichkeiten, es schafft eine Fallhöhe für Jacks und Barbossas unerwartet ernstes und sentimentales Gespräch. Als ich diese Deleted Scene das erste Mal sah, dachte ich nur: "Ja. Okay. Mehr Comedy." Und dann habe ich Gores Kommentar gehört, der damit beginnt,  wie enorm er diesen geschnittenen Passagen hinterher trauert, und ich war bereit, zu denken: "Gore! Was?! Warum?!"

Und dann enthüllt er, wie sehr er es liebt, dass diese Szene völlige Absurdität mit thematischer, ernster Konsistenz mit dem restlichen Film vereint, als dass sie zwei sympathietragende Dummbeutel als Leute zeichnet, die lachend in ihren Untergang schippern und sich unwillentlich ideologisch an die Seite der imperialistischen Macht stellen, die sie leiden und verenden sehen will ... Wow. Und es ist kein hochtrabendes Gerede, Gore hat völlig recht, die Szene drückt genau das aus, und es ist verblüffend, wie nahtlos das ineinander übergeht. Im fertigen Film kommt dieser Gedanke weiterhin rüber, und seit ich Gores Kommentar gehört habe, liebe ich die Szene rund um den toten Kraken mehr denn je, und ... Ja, wie kann man Gore Verbinski besser erklären, als "Das ist der Mann, der zwei tölpelige Nebenfiguren liebend gern Unfug reden lässt, und somit die schwere Thematik seines Films unterstreicht"? Das ist fast schon die Essenz dieses Mannes!

Kraken Slayers, Pt.2

Pintel und Ragetti scherzen nach Jacks und Barbossas schwermütigem Gespräch im Angesichts des toten Kraken weiter. 

Gores Kommentar: Gore liebt auch diese Stelle. Pintel und Ragetti sind, anders als Jack und Barbossa, bereit, ahnungslos und glücklich unterzugehen.

Mein Urteil: Siehe oben.

It's Just Good Business

Die deutlich verlängerte Verhandlung zwischen Käpt'n Jack Sparrow und Lord Cutler Beckett, die mehr ihrer gemeinsamen Vorgeschichte enthüllt (inklusive der durch den Roman The Price of Freedom wieder kanonisierte "People aren't cargo, mate"-Zeile Jacks, die erklärt, dass er zum Pirat wurde, weil er sich weigerte, für Beckett Sklaven zu verschiffen). Anschließend bedrohen und verwirren sich Jack und Beckett, schüchtern ein, versuchen einander durch Wortgeflechte in die Ecke zu drängen. Beckett legt seine Ideologie klipp und klar offen: Die Gesellschaft verlangt Waren "und solange alles pünktlich und ausreichend geliefert wird, sind Menschen damit einverstanden, bloß Zahlen in einem Kontobuch zu sein". Jacks Erdnuss-Running-Gag wird stärker herausgestellt, Beide bemühen sich, den jeweils Anderen dazu zu bringen, unwillentlich die ihm entgegengesetzten Ziele zu verfolgen. 

Gores Kommentar: Gore erklärt, dass die Szene ursprünglich als Einzelstück gedacht war, das so im Film abläuft, wie hier gezeigt, also ohne Parallelschnitt zu den weiteren Verhandlungen zu diesem Handlungszeitpunkt (Will und Sao Feng, Sao Feng und Barbossa, Sao Feng und Mercer, Barbossas Verhandlung via Blicke mit Tia Dalma, etc.). Gore wünschte sich eingangs nämlich eine substanzielle, gehaltvolle und schwere Szene, weil hier erstmals die Kontrahenten Beckett und Jack aufeinander treffen, die sich in der Vorgeschichte der Trilogie einander schufen. Doch im Schnitt bemerkte er, dass dieses philosophisch gefühlte Wettrüsten der Egos, während dem impliziert wird, wie sehr Beckett Jack für seine Freiheit beneidet und dass es "viel Unausgesprochenes" zwischen ihnen gibt, zu behäbig geraten sei. Daher habe er es gestutzt und in die Parallelmontage gepackt. Der Erdnuss-Gag ist für Gore mehr als ein Gag, nämlich auch eine dramatische Erinnerung an das fatale Schicksal, das Jack droht, sollte er scheitern.

Dass Jack Becketts Drinks stiehlt (was auch im fertigen Film zu sehen ist), versteht Gore als pointierte Vordeutung, dass Jack letztlich Beckett alles nehmen wird. Die Sequenz sei bewusst so geplant, dass erst Beckett die Oberhand gewinnt, mit Einschüchterungstaktik und kapitalistischer Überzeugungskraft, ehe Jack gewieft und teuflisch-widerlich das Sagen zurückgewinnt und für Freiheit einsteht, selbst wenn bei ihm die Angst im Raum steht, dass er für seine Freiheit alle anderen verraten wird. Doch so gelingt es ihm immerhin, Beckett dazu zu bringen, ihn zur Dutchman zu führen, weil Beckett denkt, dass Jack dies vermeiden will. 

Mein Urteil: Ich verstehe Gores Gedanken, dass die Szene gestrafft werden muss. Aber dass "People aren't cargo, mate" und Becketts Zitat über die Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber den verheerenden Folgen des Turbokapitalismus, solange sie ihre gewünschten Güter zügig und reichlich geliefert bekommen, gewichen sind, ist einfach schade. Die hätten doch drin bleiben können? Und vor allem Becketts Äußerungen würden in den Zeiten eines immer mächtiger werdenden Onlinehändlers Am Ende der Welt rückwirkend noch prophetischer dastehen lassen. Wirklich ein Jammer.

Ted & Terry erklärten mal, dass sie bei Diskussionen über Teil zwei und drei zumeist geschlossen hinter der Position "weniger erklären, mehr visuell andeuten und ambivalent lassen" standen. Also kann ich mir vorstellen, dass sie für "weniger konkrete Bestätigung der Jack-Hintergrundgeschichte" einstanden. Gore ist in Interviews ja sehr offen, wenn es darum geht, über Studio-Einmischerei zu sprechen, und er sagte nie, dass Disney die Filme zu kommerzkritisch waren - daher würde ich der These "vielleicht ließ Disney die Beckett-Zitate streichen" erstmal Wind aus den Segeln nehmen. Vielleicht war es Gore zu unsubtil? Oder die Zeilen waren ein weiteres Opfer von "Die Szene drum herum war mir zu träge, und durch die nötigen Kürzungen schwebten die starken Zeilen zusammenhanglos im Raum"Kill-your-Darlings-Problemen ... So oder so: Sollte es je eine Jubiläums-Extended-Cut-Veröffentlichung von Am Ende der Welt geben, würde ich diese Passage reintegriert sehen wollen!

Legendary

Barbossas Trickserei, Sao Fengs These, Elizabeth sei Calypso, zu verstärken und sie an ihn zu verhandeln, wird ausführlicher dargestellt. Außerdem hält er eine Rede über den Einfluss Calypsos, die letztlich an anderer Stelle im Film wiederaufgenommen wird (nachdem diese Fassung gekürzt wurde).

Gores Kommentar: Gore nennt dies die unsubtile Fassung dessen, was letztlich im Film steckt.

Mein Urteil: Jepp.

The Thing You Want Most

Jack und Beckett verhandeln weiter, nun darüber, wer wen ausgehändigt bekommt. So deutet Jack an, er wolle Elizabeth für sich, um Beckett bezüglich seiner wahren Intentionen in die Irre zu führen. Das Element mit Beckett, der Jacks Kompass hält, der wiederum auf Jack zeigt, wird etwas länger ausgespielt.

Gores Kommentar: Gore erklärt, dass das Jack-Will-Elizabeth-Liebesdreieck-Thema in Teil zwei ausgeschöpft wurde, und er eine Rückkehr zu dem Thema vermeiden wollte. Auch die "Beckett will Jacks Tod, aber auch wie Jack sein"-Dualität habe nicht in den Film gepasst.

Mein Urteil: Sehe es wie Gore.

Grammatically Incorrect

Sao Feng unterhält sich länger mit Elizabeth, die er für Calypso hält, und sie versucht, sich mit ihm argumentativ zu messen, doch nach etwas Zeit, in der sie die Überhand, deutet sich an, dass Sao Feng ihr in diesem Spiel über ist

Gores Kommentar: Gore befand, dass die Mitte von Am Ende der Welt drohte, überfüllt zu sein. Daher musste etwas von der Wortklauberei zwischen Sao Feng und Elizabeth weichen

Mein Urteil: Weiß nicht, wie das den Film hätte bereichern sollen.

Choices

Jack und Will diskutieren darüber, welche Entscheidungen sie treffen müssen und/oder nicht treffen können, um zum Ziel zu gelangen. Es ist eine längere Version ihres Gesprächs, bevor Jack Will über Bord jagt, damit er Beckett eine Botschaft überbringt.

Gores Kommentar: Gore nennt diese Szene ein Echo des Moralgesprächs in Teil eins ("Was ein Mann kann, und was er nicht kann") und somit eine Verdeutlichung eines zentralen Elements der Trilogie: Jacks Wissen darum, wie sehr wir durch unsere Entscheidungen definiert werden. Er nennt die PotC-Trilogie eine Reihe über Figuren, die Entscheidungen treffen, die ihren Gefühlen widersprechen, um das zu erreichen, das sie logisch als korrekt erachten. 

Mein Urteil: Schönes, längeres Gespräch zwischen Jack und Will, die deutlicheren Rückverweise auf Fluch der Karibik gefallen mir. Hätte drin bleiben können.

The Coming Storm

Barbossa und Calypso diskutieren länger miteinander, bevor die Pearl zur Schiffbruch Bay fährt. 

Gores Kommentar: Die Szene wurde aus logistischen Gründen sehr früh während der Dreharbeiten zu Teil zwei gedreht. Bei der Fertigstellung von Am Ende der Welt wurde deutlich, dass Teile des Gesprächs aufgrund Drehbuchanpassungen des Drehbuchfinales redundant wurden und daher gekürzt werden konnten.

Mein Urteil: Ja, das hier ist letztlich unnötig.

The Devil's Throat

Die Pearl durchfährt eine enge Schlucht, um zum Ort Schiffbruch zu gelangen.

Gores Kommentar: Durch den engen Zugang zum Ort sollte die Gefährlichkeit von Jacks Plan unterstrichen werden, was sich aber als unnötiger Schnörkel erwies

Mein Urteil: Hätte drin bleiben können, ich vermisse es aber auch nicht.

Honest Streak

Gibbs merkt zum Abschluss des Hohen Rats der Bruderschaft (deutlicher als im fertigen Film) an, dass er Jack nicht mehr vollauf wiedererkennt. 

Gores Kommentar: Gore findet, dass das Publikum das innere Ringen Jacks auch ohne Gibbs' Anmerkung begreift: Er ist noch ehrlicher, noch bemühter um das Vermeiden von Opfern, als zuvor, nun, da er aus Davy Jones' Reich zurückkehrte. Er ist weniger Pirat als die anderen Piratenfürsten und wünscht sich, er könnte seine ehrliche Seite runterschlucken - aber es ist ihm nicht möglich

Mein Urteil: Ja, es ist zu überdeutlich.

"Her"

Beckett deutet während der Parlay-Szene an, dass er denkt, Jack handle aus seinem Interesse an Elizabeth und dem Versuch, Will los zu werden.

Gores Kommentar: Wie schon weiter oben erwähnt, wollte Gore das Liebesdreieck größtenteils aus Am Ende der Welt entfernen: Die Folgen sollen drin bleiben, es selbst aber nicht weiter aufrecht erhalten. Dass Jack Beckett gegenüber so tut, als sei er weiter an Elizabeth interessiert, um mit diesem Trick einen anderen Trick durchzuziehen, um sein Ziel zu erreichen, war ihm zu viel der Komplikationen

Mein Urteil: Ja, ist gut, dass es raus ist.

Poppycock

Jack, seine "regulären" Doppelgänger und der verkrustete Jack reden noch mehr Unsinn.

Gores Kommentar: Jacks Herleitung, wie er aus der Brig entkommt, sollte ausführlicher sein: Er sollte Kopfweh haben, Kopfschmerzen erinnern ihn an Will, Will erinnert ihn an die Gefängnisflucht in Teil eins ... Gore erklärt, dass die Szene zu umständlich war, als dass sie im Handlungsfluss hätte funktionieren können.

Mein Urteil: Ja, ein Comedy-Beat zu viel.

The World We Know Ends Today

Vor der Befreiung Calypsos aus dem engen Körper Tia Dalmas hält Barbossa noch eine Rede

Gores Kommentar: Gore liebt die Reden, die Ted & Terry für Barbossa geschrieben haben, und wie Rush sie spielt, aber "es wurde inflationär, also musste diese weichen"

Mein Urteil: Du sagst es, Gore.

I Miss Him Already

Noch mehr Jack-Doppelgänger-Unsinn, nun mit der Rückkehr des Hühner-Jacks

Gores Kommentar: Für sich stehend liebt er die Absurdität der Szene, und generell bereitet es ihm riesige Freude, einen Film in den tonalen Extremen bis an seine Grenzen zu bringen ... aber dieser Gag ist kurz vor dem großen Endkampf deplatziert, weil er die Gravitas des Moments zerstört. Also musste er weg. 

Mein Urteil: Ja, wieder ein Comedy-Beat zu viel.

Ring Around the Capstan

Jack wirbelt Davy Jones während des Kampfes auf der Flying Dutchman länger umher

Gores Kommentar: Ein schöner Moment, den er nicht überreizen wollte, also stutzte er ihn

Mein Urteil: Ja, schon wieder ein Comedy-Beat zu viel.


Und das waren sie. Die selten gesehenen Deleted Scenes aus Am Ende der Welt. Welche hättet ihr drin behalten?!

Dienstag, 15. Juni 2021

Freaky

Ich habe großen Spaß an Christopher Landons Happy Deathday-Filmen. Sie haben ihre Makel, und doch schau ich sie mir immer wieder gern an. Weil Landon genau weiß, was er konzeptuell auf der Hand hat, und wie er es als "Babys erster Slasher / Slasher-Erfahrene bekommen eine launige Sause geboten"-Tonfallspagat ausspielen muss. Und weil Jessica Rothe eine wahre Wucht in ihnen ist. Als Landon und Blumhouse ankündigten, nach den Zeitschleife-Horrorkomödien als nächstes mit Freaky einen Körpertausch-Horrorspaß abzufeuern, war ich sofort Feuer und Flamme. Und dann noch mit Golferin/Meisterdetektiv Pikachu-Nebendarstellerin Kathryn Newton in der Hauptrolle? "Shut Up and Take My Money!", wie man in memedurchsetzter Internetkommunikation so schön sagt!

Die Trailer hatten mich dann auch vollends überzeugt, so dass ich den Kinostart kaum abwarten konnte. Und dann, einen Tag vor der Vorpremiere in einem Kino in meiner Nähe ... haben im Herbst 2020 die Lichtspielhäuser wieder ihre Pforten geschlossen. Und so musste ich warten, warten, bangen, dass dieser Film nicht ins Streaming geschüttet wird, warten, bangen, warten und bangen.

So baute sich in mir allmählich der Traum auf, mit Freaky meine Rückkehr ins Kino zu feiern. Das sollte letztlich nicht eintreffen, denn der leinwandfüllendere Godzilla vs. Kong hat sich mit der ersten Pressevorführung 2021 in meiner Nähe dazwischen gedrängelt. Nicht, dass ich klagen würde. Dennoch war der Riesenmonsterkampf für mich der Appetitanreger. Und Freaky, der eine Woche später als meine zweite PV 2021 herbeitänzeln sollte, der Kino-Comeback-Hauptgang. Zumindest in Sachen Vorfreude und Erwartung. 

Und, was für ein Glück: Meine Erwartungen wurden erfüllt! Weshalb auch ihr euch auf Freaky freuen solltet? Aaaaalso ... 

Mittwoch, der 11., und die folgenden Tage

Im sonnigen, unauffälligen Städtchen Blissfield geht seit Jahrzehnten die Legende vom Blissfield Butcher um, einem großen, starken, maskierten Killer, der bevorzugt auf Teenager Jagd macht. Und noch lieber auf sexuell aktive Teenager, die es für ihre unsittliche Art zu bestrafen gilt. Eine gut betuchte Freundesgruppe macht sich beim nächtlichen Rumhängen über diese Sage lustig, nur um kurz darauf am eigenen, alsbald toten Leib zu erfahren, dass der Blissfield Butcher (Vince Vaughn) sehr wohl existiert. Bei seiner Abschlachterei der vorlauten Jugendlichen entwendet der Maskenmörder zudem einen rituellen Dolch, genannt La Dola. Am nächsten Abend setzt er diesen Dolch ein, um die schüchterne Halbwaise Millie Kessler (Kathryn Newton) zu attackieren, die verzweifelt darauf wartet, dass ihre alkoholsüchtige Mutter (Katie Finneran) sie von einem Footballspiel abholt. Dem Butcher gelingt es nicht, Millie zu töten, dafür geschieht entgegen seiner Erwartung etwas völlig anderes:

Denn am Freitagmorgen wachen Millie und der Butcher im jeweils anderen Körper auf. Während der Butcher seine unschuldige Erscheinung als Millie nutzt, um seinen Blutdurst zu stillen, muss Millie im Körper des berüchtigten Killers versuchen, ihre besten Freunde (Misha Osherovich und Celeste O'Connor) über diesen Vorfall zu unterrichten, die ganze Schule vor der drohenden Gefahr zu warnen und einen Weg zu finden, diesen Körpertausch wieder rückgängig zu machen.

"Der blutigste Disney-Film, der je gedreht wurde"

Ich habe wenige Tage, bevor die Einladungen zu den Freaky-Pressevorführungen eintrudelten, einem geschätzten Kollegen, der etwas überrascht war, dass ich diesem "unscheinbaren Film" so sehr entgegenfiebere, erklärt: "Natürlich freue ich mich so enorm auf Freaky. Ich bin die Kernzielgruppe!" Denn wenn es im so stark verkürzten, deutschen Kinojahr einen Film mit einem Budget über 15 Millionen Dollar gibt, der wie auf mich zugeschnitten wirkt, dann wohl dieser. Der (aus Sorge vor Urheberrechtsklagen schnell fallen gelassene) Arbeitstitel war Freaky Friday the 13th, Menschenskinder, noch offensichtlicher kann man den Clash aus Filmgewalt und Familienkino kaum beschreiben, und ich liebe solche gewollten tonalen Aufprallsituationen.

Obwohl: Man kann den bei Freaky intendierten Clash sehr wohl noch besser erklären. Regisseur Christopher Landon, der zusammen mit Michael Kennedy auch das Drehbuch geschrieben hat, steckte seine Absicht hinter diesem Film im Gespräch mit Fandom wie folgt ab: Die zentrale Frage war für ihn stets "Wie kann ich den blutigsten Disney-Film aller Zeiten machen?"

Und genau so muss man Freaky sehen: Wenn nach dem gewaltreichen Prolog rund um den Blissfield Butcher Millie, ihre Familie und ihre Freunde eingeführt werden, verfolgen die Autoren Michael Kennedy und Christopher Landon dies nach der Disney-Teenie-Komödien-Formel. Millie ist ein schüchternes Mauerblümchen, das ohne zu murren mit seiner Mutter in eine Musicalvorführung, statt zum anstehenden Ball geht. Millies Schwester Char (Dana Drori) ist eine strenge Polizistin, die von Millies Schüchternheit und der klammernden Art ihrer Mutter genervt ist. Sowie davon, dass sie seit dem Tod von Millies und Chars Vater (natürlich gibt es ein totes Elternteil!) so übermäßig deprimiert ist.

Als "Nun, da wir aufgrund der Gewalt ein R-Rating haben, können wir auch an anderer Stelle stärker reinklotzen"-Boni gibt es ein paar vulgäre Worte und einen Subplot darüber, dass sich Millies Mutter mit Alkoholmissbrauch durch den Tag hilft. Aber der Disney-Duktus der Dialoge, die Disney-Schablone der Familienkonflikte bleibt deutlich, selbiges gilt für Millies Freunde Nyla und Josh: Josh ist das extrovertierte Naturell in dieser Clique und macht gegenüber Passanten flapsige Sprüche, wenn er Millie abholt (nur, dass diese flapsigen Sprüche in Freaky sehr eindeutig-zweideutiger Art sind), Nyla ist die Vernünftige. Millie wird in der Schule sehr Disney-Channel-Film-mäßig gemobbt, hat natürlich heimlich ein Auge auf einen Jungen geworfen. Alle reden so, als hätte man einem Disney-Teeniefilm die Euphemismen und Selbstzensuren gestohlen und aus "Heck" wieder "Hell", aus "Fudge" wieder "Fuck" gemacht, und so weiter ... 

Es ist eine Filmtemperatur, für die man gemacht oder in die man sich zumindest einfühlen muss. Schließlich ist es nicht wirklich eine Parodie, aber schon eine zwinkernde Überspitzung - einer meiner Lieblingsmomente passiert, wenn der Butcher als Millie zur Schule geht, und vorm Haupteingang die Cheerleading-Truppe das reinste Happening mit Flickflacks, Pyramide und viel Konfetti veranstaltet, während Butcher-Millie mit eisernem Blick durch das Getümmel spaziert. Das muss man schon amüsant finden können.

Aber ich finde, dass sich das enorm lohnt: Der gesamte Freaky-Cast ist gut aufgelegt und weiß genau, welche Art Film das ist. Ich habe die guten Figuren mit verschmitztem Lächeln geliebt und die Fieslinge liebend gern gehasst. Generell stehen sich die zwei Identitäten von Freaky nicht im Weg, sondern ergänzen sich bestens: Der Komödien/Freaky Friday-Teil sorgt mit Charme und Sympathie dafür, dass ich im Slasher-Teil umso mehr mit den Figuren mitfiebere (statt nur auf den nächsten Kill zu warten), die Spannung des Slasher/Freitag, der 13.-Teils sorgt dafür, dass der Witz im humorvollen Teil noch lustiger wird, weil er eine kathartische Wirkung hat.

Landons Regie und die Licht- sowie Bildführung von Kameramann Laurie Rose (Ben Wheatleys Rebecca) helfen dabei enorm, die zwei Tonfälle zu vereinen: Freaky sieht für sein schmales Budget sehr hochwertig aus, die Schule ploppt farblich enorm auf, die Nachtszenen sind sattschwarz, mit gezielt gesetzten Akzenten für Atmosphäre oder die nötige Übersicht, um die gut umgesetzten Kills auskosten zu können. Das ästhetische Highlight in Freaky ist jedoch die bereits zum Kult gewordene, rote Lederjacke vom Butcher-als-Millie, die aus dem Stand heraus eine geradezu ikonografische Ausstrahlung hat und Film sowie Charakter perfekt repräsentiert. Kostümchefin Whitney Anne Adams hat mit diesem Fund einen Volltreffer gelandet.

Hinzu kommt ein launiger Soundtrack, doch vor allem gilt: Vaughn und Newton sind formidabel in ihren Rollen, spielen (ähnlich wie Lindsay Lohan und Jamie Lee Curtis in Freaky Friday von 2003) hervorragend in dieser Grauzone zwischen überzeugend und komödiantisch überhöht. Ich hoffe, dass wir bald einen zweiten Teil (oder ein Crossover mit Happy Deathday) zu sehen bekommen!

Freaky startet am 24. Juni 2021 in den deutschen Kinos, und sobald es für euch sicher möglich ist, solltet ihr euch diesen Mordsspaß auf der Leinwand anschauen!