Montag, 28. Februar 2011

Tarantino, Western, Waltz?

Steht nun fest, was Quentin Tarantino als nächstes tun wird? Die Gerüchteküche ist sich zumindest ziemlich sicher! Wie AICN meldet, lösten italienische Interviews mit Darsteller Franco Nero (Django) Gerüchte aus, dass Tarantino eine action- und humorgeladene Sergio-Leone-Hommage namens The Angel, The Bad and The Wise plane. Neben Franco Nero sollen Keith Carradine, Treat Williams und allen vorran Christoph Waltz eine Rolle übernehmen und die Dreharbeiten noch dieses Jahr in Italien sowie Spanien beginnen.

Allerdings werden Teile dieser Gerüchte von Industrie-Insidern teils bezweifelt. Es ist ja schonmal erstaunlich, wie schnell Tarantino plötzlich das Skript zusammengeschrieben haben soll, nachdem er Ewigkeiten an Kill Bill und Inglourious Basterds hing. Trotzdem sollen folgende Körnchen Wahrheit enthalten sein: Tarantino wird als nächstes einen Spaghetti-Western machen und Waltz wird einer der Stars sein.

Nach Western-Einflüssen in Kill Bill und dem als Zweiter-Weltkriegs-Märchen verpackten Beinahe-Spaghetti-Western Inglourious Basterds nun also ein "echter" Western von Tarantino? Liebend gerne. Wird mir bestimmt besser gefallen als True Grit...

Jetzt wird die Filmwelt erstmal gespannt darauf warten, wer in Sally Menkes Fußstapfen tritt. Es wird keine leichte Aufgabe, das steht fest.

Sonntag, 27. Februar 2011

Oscars 2011: Meine finale Prognose

Es dauert nicht mehr lange, dann beginnt sie endlich: Die 83. Oscar-Verleihung. Viel hat sich seit Beginn der Saision getan, Favoriten gingen unter, andere stiegen auf. Die meisten werden ihr Hauptaugenmerk auf die Kategorien "Bester Film" und "Beste Regie" legen, wo es wohl heißen wird: The King's Speech vs. The Social Network. Doch auch alle anderen Kategorien sind durchaus interessant - und abseits der Hauptkategorien könnte es auch einige Überraschungen geben.

Bevor die große Galanacht beginnt, möchte ich sie also durchexerzieren, die kleinen und großen Duelle der Oscar-Nacht. Wer wird gewinnen, wer sollte gewinnen? Eine Prognose, basierend auf Oscar-Vorwissen, Buzz (nein, nicht Lightyear) und Bauchgefühl.

(Fett markierte Nominierungen bedeuten, dass ich einen Gewinn vermute)

Bester Film:
  • “Black Swan” Mike Medavoy, Brian Oliver und Scott Franklin
  • “The Fighter” David Hoberman, Todd Lieberman und Mark Wahlberg
  • “Inception” Emma Thomas und Christopher Nolan
  • “The Kids Are All Right” Gary Gilbert, Jeffrey Levy-Hinte und Celine Rattray
  • “The King's Speech” Iain Canning, Emile Sherman und Gareth Unwin
  • “127 Hours” Christian Colson, Danny Boyle und John Smithson
  • “The Social Network” Scott Rudin, Dana Brunetti, Michael De Luca und Ceán Chaffin,
  • “Toy Story 3” Darla K. Anderson
  • “True Grit” Scott Rudin, Ethan Coen und Joel Coen
  • “Winter's Bone" Anne Rosellini und Alix Madigan-Yorkin
Kommentar: Mit dem Ensemblepreis der Schauspielgesellschaft und den Hauptpreisen der Regie- und Produzentenvereinigungen dürfte beim besten Film kaum ein Weg an The King's Speech vorbeiführen. Zudem ist The King's Speech ein Film, dem man schwer Antipathie entgegenbringen kann. Er wird also viele erste Rangplätze auf den Stimmzetteln ergattern, sowie einige zweite und dritte Plätze. Das macht ihn zu einem, wenn auch nicht sehr mutigen, recht deutlichen Anwärter auf den Oscar in dieser Kategorie.
Wer gewinnen sollte? Nun, da bin ich dieses Jahr sehr offen. Toy Story 3 wäre genial, The Social Network würde mich sehr freuen, so auch Inception. 127 Hours wäre geil - und The King's Speech fände ich ebenfalls keinen schlechten Gewinner.

Beste Regie:

  • “Black Swan” Darren Aronofsky
  • “The Fighter” David O. Russell
  • “The King's Speech” Tom Hooper
  • “The Social Network” David Fincher
  • “True Grit” Joel Coen und Ethan Coen
Kommentar:  Tom Hooper wäre als DGA-Gewinner der sichere Tipp, doch ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Fincher für eine kleine Überraschung sorgt. Er ist ein erfahrener, geachteter Regisseur, dem man nun zu einem geeigneten Zeitpunkt seine verdiente Ehrung zuteil kommen lassen kann. Unter den Nominierten ist er auch mein Wunschsieger, knapp vor Darren Aronofsky für Black Swan.

Bester Hauptdarsteller:

  • Javier Bardem in “Biutiful”
  • Jeff Bridges in “True Grit”
  • Jesse Eisenberg in “The Social Network”
  • Colin Firth in “The King's Speech”
  • James Franco in “127 Hours”
Kommentar: Colin Firth, Colin Firth, Colin Firth. Ich kann mir kaum vorstellen, wie er nicht gewinnen soll, nach all den Preisen, die er abräumte. Mein Wunschsieger wäre er ebenfalls. Oder James Franco.

Beste Hauptdarstellerin:

  • Annette Bening in “The Kids Are All Right”
  • Nicole Kidman in “Rabbit Hole”
  • Jennifer Lawrence in “Winter's Bone”
  • Natalie Portman in “Black Swan”
  • Michelle Williams in “Blue Valentine”
Kommentar: Natalie Portman wird und soll gewinnen.

Bester Nebendarsteller:

  • Christian Bale in “The Fighter”
  • John Hawkes in “Winter's Bone”
  • Jeremy Renner in “The Town”
  • Mark Ruffalo in “The Kids Are All Right”
  • Geoffrey Rush in “The King's Speech”
Kommentar: Andrew Garfield und Justin Timberlake hätten wenigstens nominiert werden müssen. Von den Nominierten wünsche ich es Geoffrey Rush am meisten, und ich denke, dass er auch in Wirklichkeit knapp die Nase vor Christian Bale hat. Sehr knapp.

Beste Nebendarstellerin:

  • Amy Adams in “The Fighter”
  • Helena Bonham Carter in “The King's Speech”
  • Melissa Leo in “The Fighter”
  • Hailee Steinfeld in “True Grit”
  • Jacki Weaver in “Animal Kingdom”
Kommentar: So enttäuscht ich von True Grit war, Steinfeld verdient diesen Oscar. Ich habe lange gezögert, ob ich auf sie oder Melissa Leo tippen soll. Leo gewann die wichtigeren Indikatorpreise, aber irgendwie befürchte ich bei den Oscars einen Split mit der bei der Academy sehr beliebten Amy Adams. Trotzdem denke ich, dass Leo gewinnen wird. Bonham Carter ist in The King's Speech zu unauffällig, als dass sie gewinnen wird.

Bestes adaptiertes Drehbuch:

  • “127 Hours” Drehbuch von Danny Boyle & Simon Beaufoy
  • “The Social Network”Drehbuch von Aaron Sorkin
  • “Toy Story 3” Drehbuch von Michael Arndt; Story von John Lasseter, Andrew Stanton und Lee Unkrich
  • “True Grit” Für die Leinwand verfasst durch Joel Coen & Ethan Coen
  • “Winter's Bone” Für die Leinwand adaptiert durch Debra Granik & Anne Rosellini
Kommentar: Wenn mit Toy Story 3 erstmals ein Trickfilm für sein Drehbuch den Oscar erhielte, wäre das ein Traum, aber ich werde mich ebenfalls enorm für The Social Network freuen, der höchst wahrscheinlich auch gewinnt.

Bestes Original-Drehbuch:
  • “Another Year” Geschrieben von Mike Leigh
  • “The Fighter” Drehbuch von Scott Silver und Paul Tamasy & Eric Johnson; Story von Keith Dorrington & Paul Tamasy & Eric Johnson
  • “Inception” Geschrieben von Christopher Nolan
  • “The Kids Are All Right” Geschrieben von Lisa Cholodenko & Stuart Blumberg
  • “The King's Speech” Drehbuch von David Seidler
Kommentar: Ich wünsche es vom ganzen Herzen Christopher Nolan für Inception, doch ich befürchte, dass The King's Speech die Nase vorne hat. Er ist dafür einfach zu beliebt...

Bestes Szenenbild:

  • “Alice im Wunderland” Produktionsdesign: Robert Stromberg; Set-Dekoration: Karen O'Hara
  • “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1” Produktionsdesign: Stuart Craig; Set-Dekoration: Stephenie McMillan
  • “Inception” Produktionsdesign: Guy Hendrix Dyas; Set-Dekoration: Larry Dias und Doug Mowat
  • “The King's Speech” Produktionsdesign: Eve Stewart; Set-Dekoration: Judy Farr
  • “True Grit” Produktionsdesign: Jess Gonchor; Set-Dekoration: Nancy Haigh
Kommentar: Das gleiche Spiel nochmal. Ich will Inception sehen, denke aber, dass es The King's Speech machen wird.

Beste Kamera:

  • “Black Swan” Matthew Libatique
  • “Inception” Wally Pfister
  • “The King's Speech” Danny Cohen
  • “The Social Network” Jeff Cronenweth
  • “True Grit” Roger Deakins
Kommentar: Inception sollte, aber der ebenfalls sehr gut fotografierte True Grit wird gewinnen, denn irgendwann muss Roger Deakins ja gewinnen!

Beste Kostüme:

  • “Alice im Wunderland” Colleen Atwood
  • “I Am Love” Antonella Cannarozzi
  • “The King's Speech” Jenny Beavan
  • “Der Sturm” Sandy Powell
  • “True Grit” Mary Zophres
Kommentar: Statistisch gesehen müsste Atwood gewinnen, und in Alice gab es auch eindrucksvolle Kostüme zu sehen, was ebenfalls für den Sieg spricht. Ich gönne ihn ihr auch!

Bester Schnitt:
  • “Black Swan” Andrew Weisblum
  • “The Fighter” Pamela Martin
  • “The King's Speech” Tariq Anwar
  • “127 Hours” Jon Harris
  • “The Social Network” Angus Wall und Kirk Baxter
Kommentar: Ich vermisse die Nominierung für Scott Pilgrim und Inception, bin aber unter den Nominierten für den Gewinnerfavoriten. Mit einem Eddie (dem Cutter-Gewerkschaftspreis) im Nacken, scheint es eine beschlossene Sache.

Bestes Makeup:

  • “Barney's Version” Adrien Morot
  • “The Way Back” Edouard F. Henriques, Gregory Funk und Yolanda Toussieng
  • “The Wolfman” Rick Baker und Dave Elsey
Kommentar: Oft wird einfach nur das aufwändigste Make-Up geehrt, und das spricht für Wolfman. Dieser profitiert zudem von Rick Baker, dem meist prämierten Maskenbildner der Oscar-Geschichte. Wer gewinnen soll? Pfff... Baker, einfach, damit meine Prognose stimmt.


Beste Filmmusik:

  • “Drachenzähmen leicht gemacht” John Powell
  • “Inception” Hans Zimmer
  • “The King's Speech” Alexandre Desplat
  • “127 Hours” A.R. Rahman
  • “The Social Network” Trent Reznor und Atticus Ross
Kommentar: Es tut mir in der Seele weh, den meiner nach schlechtesten Score aus diesem Feld als Gewinner vorherzusagen, aber ich kann nicht anders. The King's Speech ist beliebt, Desplat aus mir schwer erklärlichen Gründen ein ungeheuerlich verehrter Komponist und deshalb wird sein Durchschnittsgeklimper gewinnen. Wer es mehr verdient hat? Alle anderen! Wer es am meisten verdient hat? Hans Zimmer für Inception, doch für Drachenzähmen leicht gemacht würde ich ebenfalls jubeln.

Bester Song:

  • “Coming Home” aus “Country Strong” Musik und Text von Tom Douglas, Troy Verges und Hillary Lindsey
  • “I See the Light” aus “Rapunzel” Musik von Alan Menken, Text von Glenn Slater
  • “If I Rise” aus “127 Hours” Musik von A.R. Rahman, Text von Dido und Rollo Armstrong
  • “We Belong Together” aus “Toy Story 3" Musik und Text von Randy Newman
Kommentar: Alle sagen We Belong Together vorher, aber Newman hat seinen Entschuldigungs-Oscar schon erhalten, und zwar für einen waschechten Ohrwurm (Ohne dich wär' ich des Lebens nicht froh aus Monster AG). Damit kann man We Belong Together gar nicht vergleichen. Nein, es wird Zeit, dass Alan Menken wieder gewinnt. Unsichere Wähler könnten für ihn gewonnen werden, weil Rapunzel sonst keine Oscar-Chancen hat. Ich hoffe, dass es so kommt. Inständig.

Bester Tonschnitt:

  • “Inception” Richard King
  • “Toy Story 3” Tom Myers und Michael Silvers
  • “Tron: Legacy” Gwendolyn Yates Whittle und Addison Teague
  • “True Grit” Skip Lievsay und Craig Berkey
  • “Unstoppable” Mark P. Stoeckinger
Kommentar: Verdient haben ihn irgendwie alle (es war ein gutklingendes Kinojahr *g*), für Tron: Legacy und Toy Story 3 würde ich aus Studio-Sympathie jubeln, für Inception, weil er wohl jeden Oscar braucht, den er kommende Nacht kriegen kann. Für seinen traumartigen, dennoch klaren Klang und das Jonglieren von Dialogen, Musik und Action tippe ich auf den letztgenannten.

Bester Ton:

  • “Inception” Lora Hirschberg, Gary A. Rizzo und Ed Novick
  • “The King's Speech” Paul Hamblin, Martin Jensen und John Midgley
  • “Salt” Jeffrey J. Haboush, Greg P. Russell, Scott Millan und William Sarokin
  • “The Social Network” Ren Klyce, David Parker, Michael Semanick und Mark Weingarten
  • “True Grit” Skip Lievsay, Craig Berkey, Greg Orloff und Peter F. Kurland
Kommentar: Siehe oben. Größtenteils. Alle Nominierungen sind okay, am meisten freuen würde ich mich aber für Inception und The Social Network.

Beste Spezialeffekte:

  • “Alice im Wunderland” Ken Ralston, David Schaub, Carey Villegas und Sean Phillips
  • “Harry Potter und die Heiligtümer des Toded - Teil 1” Tim Burke, John Richardson, Christian Manz und Nicolas Aithadi
  • “Hereafter” Michael Owens, Bryan Grill, Stephan Trojanski und Joe Farrell
  • “Inception” Paul Franklin, Chris Corbould, Andrew Lockley und Peter Bebb
  • “Iron Man 2” Janek Sirrs, Ben Snow, Ged Wright und Daniel Sudick
Kommentar: Inception soll gewinnen, wird gewinnen.

Bester Animationsfilm:

  • “Drachenzähmen leicht gemacht” Chris Sanders und Dean DeBlois
  • “The Illusionist” Sylvain Chomet
  • “Toy Story 3” Lee Unkrich
 Kommentar: Er ist als bester Film nominiert, herrje! Und es ist auch men Wunschsieger, so als mein zweiliebster Film 2010. Wäre Rapunzel jedoch nominiert...


Beste Dokumentation:

  • “Banksy - Exit through the Gift Shop” Banksy und Jaimie D'Cruz 
  • “Gasland” Josh Fox und Trish Adlesic
  • “Inside Job” Charles Ferguson und Audrey Marrs
  • “Restrepo” Tim Hetherington und Sebastian Junger
  • “Waste Land” Lucy Walker und Angus Aynsley
Kommentar: Gift Shop als heiß diskutierte Doku mit Unterhaltungsfaktor dürfte ein neues Bowling for Columbine werden. Ich hoffe es.

Bester animierter Kurzfilm:

  • “Day & Night” Teddy Newton
  • “The Gruffalo” Jakob Schuh und Max Lang
  • “Let's Pollute” Geefwee Boedoe
  • “The Lost Thing” Shaun Tan und Andrew Ruhemann
  • “Madagascar, carnet de voyage (Madagascar, a Journey Diary)” Bastien Dubois
Kommentar: Pixar gewann zuletzt vor rund zehn Jahren. Mit der großteils stillen Mischung aus Zeichentrick und Computeranimation sollte es endlich wieder klappen.

Und ab jetzt... Raterunde!

Bester fremdsprachiger Film:

  • “Biutiful” Mexiko
  • “Dogtooth” Griechenland
  • “In einer besseren Welt” Dänemark
  • “Incendies” Kanada
  • “Outside the Law (Hors-la-loi)” Algerien
Bester Kurzfilm:

  • “The Confession” Tanel Toom
  • “The Crush” Michael Creagh
  • “God of Love” Luke Matheny
  • “Na Wewe” Ivan Goldschmidt
  • “Wish 143” Ian Barnes und Samantha Waite  
Beste Kurzdokumentation:
  • “Killing in the Name”
  • “Poster Girl”
  • “Strangers No More
  • “Sun Come Up”
  • “The Warriors of Qiugang”
Ab ca. 1 Uhr diese Nacht werde ich Livebloggen!  Ich bin gespannt, wie gut mein Riecher dieses Jahr ist...

Samstag, 26. Februar 2011

Gehiiiiiiirrnnnnnn!

Munchkin, die verrückte Rollenspielparodie im Kartenformat, geht in eine weitere Runde. Nach dem naheliegenden Fantasy-Setting und solch genialen Spin-Offs wie Star Munchkin, Super Munchkin, Munchkin beißt oder Munchkin Freibeuter folgt demnächst die wohl makaberste und humorvollste Munchkin-Welt:

Munchkin Zombies!

Spieleschöpfer Steve Jackson und Illustrator John Kovalic präsentierten auf GeekDad eine Vorschau auf einige der wirklich brüllend komischen Karten, und wie sich während dieser Preview zeigte, lohnt sich Munchkin Zombies auf für Disneyfans:

In Deutschland soll Munchkin Zombies im Mai bei Pegasus Spiele erscheinen. Ich denke, ich werde zuschlagen!

Freitag, 25. Februar 2011

Oscar 2011: Kuriose und spannende Fakten im Academy-Award-Rundumschlag


In der Nacht vom Sonntag auf Montag, den 28. Februar, ist es endlich so weit: Die 83. Verleihung der Academy Awards findet statt! Die Oscars 2011 könnten die Awards-Show des stotternden Königs werden - oder erleben wir etwa doch das Jahr der Überraschungen? The King's Speech ist gegen The Social Network längst nicht so übermächtig, wie man denken könnte. Und für Inception und Toy Story 3 lässt sich in einigen Kategorien ebenfalls weiter mitfiebern!

Damit ihr mit zahlreichen spannenden, kuriosen und wissenswerten Zahlen und Fakten bewaffnet in die Oscar-Nacht gehen könnt, habe ich euch in drei kurzweiligen Artikeln einiges über die diesjährigen Anwärter auf die Academy Awards zusammengetragen. Ich hoffe, euch gefallen diese Specials und seht danach mit neuer Lust auf die große Preisverleihung entgegen!
Wer mag, kann außerdem hier meine Einschätzung über das gesamte Nominiertenfeld nachlesen.

Bis Sonntag werde ich außerdem hier im Blog meine Gewinnerprognose veröffentlichen. Ab ca. 1 Uhr findet hier zudem in der Oscar-Nacht mein traditionelles Live-Blogging statt. Vielleicht mit neuer Technik. Ich freu mich über jeden Besucher, über kommentierende umso mehr. Dann fühlt man sich vor'm Fernseher nicht so allein.

Henry Selick macht Stop-Motion-Horror für Disney

Stop-Motion erlebt wieder ein kleines Konjunkturhoch. Nach den sensationellen Coraline und Mary & Max sowie Wes Andersons Der fantastische Mr. Fox taucht in lockeren Abständen immer wieder ein neues Knetprojekt am Horizont auf.

So kam einerseits Guillermo del Toro auf den Geschmack, und plant nun eine surreale, makabre Adaption des Kinderbuchklassikers Pinocchio. Diese soll CGI mit Stop-Motion kreuzen und in Zusammenarbeit mit Pathe und der Henson Company entstehen.

Ein Veteran dieses Trickmediums findet dagegen den Weg (zurück) zu Disney: Henry Selick, bekannt durch James und der Riesenpfirsich, Coraline sowie die Regiearbeit an Nightmare before Christmas unterschrieb zwar bereits im April letzten Jahres einen Vertrag mit Disney•Pixar, allerdings war bisher nicht sicher, dass diese Kooperation auch fruchtet. Man erinnert sich vielleicht an Disney Double Dare You, das Horror-Label von Guillermo del Toro, welches keinen einzigen Film rausbrachte, und dessen geplantes Premierenstück Trollhunters nun bei Dreamworks liegt?

Nun, dieses Mal könnten Disneyfans endlich ihren animierten Familienhorror bekommen (nachdem ja auch die Idee, die DisneyToon Studios dafür zu nutzen nie in die Tat umgesetzt wurde)! Wie Bleeding Cool berichtet, hat Henry Selick eine neue Produktionsstätte in San Francisco eröffnet, um dort für Disney an einem Projekt namens Shademaker zu arbeiten.

Sonderlich mehr ist über Shademaker bislang nicht bekannt. Es wird ein Stop-Motion-Film für die ganze Familie, es wird gruselig... oh, achja: Der talentierte Pixar-Konzeptkünstler Lou Romano, der insbesondere den Look von Oben prägte, wird an Shademaker mitwirken! Ich kann's kaum erwarten, erste Konzeptbilder zu sehen.

Donnerstag, 24. Februar 2011

Der erste Trailer zu Hangover II ist da

Der Komödien-Überraschungshit Hangover wird fortgesetzt. Nachdem das Wolfsrudel von Chaoten Las Vegas auf den Kopf stellte, muss sich dieses Mal Thailand festhalten. Denn wo diese Kerle Urlaub machen, bleibt kein Stein auf dem anderen.



Uninformativer geht es wohl kaum. Wenigstens steht nun mein deutscher Wunsch-Titel für die Fortsetzung fest: Hangover - Jetzt wird's schmutzig!

True Grit

Ich sehe mich durchaus als Fan der Coen-Brüder, jedoch nicht als bedinungslosen Verehrer. Dass A Serious Man (in meiner eigenen Filmhitliste 2010 auf Platz 12) als bester Film nominiert wurde, hat mich durchaus überrascht. Miller's Crossing finde ich beispielsweise etwas überschätzt. Dafür ist der Hass, der Ein (un)möglicher Härtefall auf sich zieht für mich schwer verständlich.

Was ich an den Coens besonders schätze, und was gerade bei ihren noch jungen Werken No Country for Old Men und Burn After Reading derart hervorstechend war, ist die einhergehende Genreanalyse, die ihre Filme so ausmacht. Sie betrachten das Genreumfeld ihres neuen Werkes, invertieren Konventionen und pervertieren die Zuschauererwartung. Ideale Voraussetzungen für das Remake eines Westerns über ein 14-jähriges Mädchen, das Blutrache will?

Vielleicht... bloß werden wir das so schnell nicht erfahren, denn True Grit ist der bislang wohl purste Film der Coen-Brüder. Nur eine Prise Ironie in Bridges Marshall-Figur und Matt Damons dick aufgetragenen Texas Ranger, keine rabenschwarze Weltsicht, keine raumfüllenden Spielereien mit den Gesetzen des Genres.
Das ist schon enorm schade, aber hinzu kommt, dass True Grit unter seiner handwerklichen Perfektion auch als "normaler"Western (wenn er schon nicht typisch Coen ist) inhaltlich makelbehaftet ist. Es kommt insgesamt nur wenig Spannung auf, und die (erwachsenen) Figuren bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Für mich die bislang einzige Enttäuschung im diesjährigen "Best Picture"-Oscarfeld.

Mittwoch, 23. Februar 2011

Marcus Off, Jack Sparrows deutsche Stimme, über das Synchon-Tumult um Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten


Im deutschen Trailer zu Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten wird Jack Sparrow nicht weiter von seinem bisherigen Sprecher Marcus Off, sondern von Johnny Depps und Christian Bales Stammstimme David Nathan vertont. Das sorgte bekanntermaßen zunächst für Verwirrung, jedoch noch nicht für Panik. Beim ersten Trailer zum zweiten Teil der Reihe war es ja auch so. Dann jedoch gab Disney bekannt, dass dieser Sprecherwechsel aufgrund "geschäftlicher Unstimmigkeiten" endgültig sei. Der Aufschrei deutscher Fans ließ nicht lange auf sich warten. Kolumnen wurden geschrieben, Petitionen gegründet.

Markus Ruoff (Der Experte) und ich hatten vor kurzem die Gelegenheit, Marcus Off zu interviewen, als erste seit der ganze Synchrontumult losgetreten wurde.

Was er über die Auseinandersetzung mit Disney sagt und wie er zu seinem Kollegen David Nathan oder Untertitel-Puristen steht, erfahrt ihr bei Quotenmeter.de! Viel Spaß beim Lesen!

Dienstag, 22. Februar 2011

Hans Zimmer holt sich Hilfe für "Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten"

Arrrr-iba? Hans Zimmer holt sich neue Leute ins Boot, um den nicht zuletzt dank Penelope Cruz mit spanischem Temperament gewürzten Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten eine eigene musikalische Sprache zu verleihen, die ihn von seinen drei Vorgängern abhebt.

Wie einer US-Pressemitteilung zu entnehmen ist, wird das Gitarrenduo Rodrigo y Gabriela am Score zum vierten Kinoabenteuer von Captain Jack Sparrow mitwirken. Das mexikanische Erflgsduo (es verkaufte weltweit über eine Million Alben) soll der Musik von Fremde Gezeiten "dieses ikonische Filmmusik-Franchise [inspirieren], mit einem einfallsreichen, frischen und individuellen Klang seinen nächsten Schritt vorwärts zu tätigen", so Mitchell Leib, Präsident der Musik- und Soundtrack-Departements von  Walt Disney Studios Motion Picture Group und der Disney Music Group.

Der Soundtrack, der Erstling für Rodrigo y Gabriela, wird am 17. Mai, also kurz vor Kinostart, erscheinen. Ich bin sehr gespannt, was dieses kleine Experiment ergeben wird und bin neugierig, ob Teil 5 uns nachher einen schottischen Piraten und Alestorm bescheren wird. In der PotC-Welt scheint vieles möglich...

Montag, 21. Februar 2011

Robert Rodriguez und Nike präsentieren: Black Mamba

Was macht eigentlich mein Lieblings-Projektdauerankündiger Robert Rodriguez im Moment? Seit Danny Trejo der Presse erzählte, das Drehbuch für Machete 2 wäre bereits fertig, schien der Desperado unter den Filmemachern vom Erdboden verschluckt. Arbeitete er etwa an seiner Frauenknast-Serie? Oder Sin City 2? Citizen Jane? Fire And Ice?

Nö. Er drehte lieber einen (Werbe-)Kurzfilm mit Basketballlegende Kobe Bryant. Nein, halt, nicht weiterscrollen, es lohnt sich dennoch, sich das Video anzusehen! Denn dieses im Grindhouse-Stil gehaltene Spaßprojekt enthält so einige Gags und Gastauftritte, die mir als Fan von Robert Rodriguez ungeheuerlich gefielen. Und euch deshalb vielleicht auch:



Für ein längeres Werbevideo recht kreativ und ambitioniert... aber... Robert, bitte, hör auf deine Zeit zu vergeuden und widme dich mal deinen vielen, vielen tollen Filmideen. Und nein, nicht noch ein Spy Kids, dass du Teil 4 drehst, ist schon genug Familienfutter...

New Police Story

Nicht nur Hollywood schwört darauf, eingefahrene Filmreihen wie Spider-Man oder Batman mit einem Reboot neu in Gang zu bringen. Auch in Hong Kong lässt sich diese Praxis beobachten, etwa mit Jackie Chans rasant-komödiantischer Actionreihe Police Story, welche 2004 mit New Police Story einen dramatischeren Nachleger erhielt. Der praktisch gesehen kaum Verbindungen zu seinen Vorgängern hat. Der Titel spielte mal wieder die Musik.

In New Police Story spielt Jackie Chan, unter der Regie von Benny Chan (Jackie Chan ist Nobody), den erfolgreichen Polizeiinspektor Chan Kwok-Wing, der den Auftrag erhält, einen Einsatz gegen eine fünfköpfige Jugendbande zu leiten. Die Polizei unterschätzte jedoch die Ernsthaftigkeit der Lage: Die Jugendlichen sind wahre Sadisten und tüftelten einen brutalen Plan aus, wie sie einen von Kwok-Wings Männern nach dem anderen schnappen können. Kwok-Wing soll daraufhin in Wettstreiten gegen die Jugendbande um das Leben seiner Kollegen, darunter auch seinen Schwager, spielen. Doch er verliert einen nach dem anderen. Von diesem traumatischen Ereignis zerrüttet, verliert sich Kwok-Wing an den Alkohol.
Ein Jahr später tritt ein junger Mann namens Frank in seine Wohnung, um ihm zu berichten, dass er sein neuer Partner sei und mit ihm endlich der bankraubenden und polizistenmordenden Jugendbande auf die Schliche zu kommen. Zunächst widerwillig, rafft sich Kwok-Wing auf, als er erfährt, dass Frank seinen Bruder während des tragischen letzten Einsatzes seines neuen Partners verlor.

Mit New Police Story wollte der an diesem Film auch als Produzent tätige Jackie Chan beweisen, dass er als Darsteller nicht auf (sympathischem) Blödel-Kung-Fu reduziert werden darf. Anfangs kann sich Jackie Chan in New Police Story auch von diesem Image distanzieren, er mimt glaubwürdig und engagiert den ernsten, nicht aber verbiesterten, Polizeiinspektor, dem ein wichtiger Einsatz entgleitet.
Der erste Akt von New Police Story besticht vor allem aber durch die dichte Atmosphäre, die Regisseur Benny Chan mit dunklen Bildern und präzisen Schnitten kreiert. Wie sich die aus verwöhnten Reichensöhnchen und -töchterchen bestehende Jugendbande langsam als gemeingefährliche Anarchotruppe enttarnt, und Jackie Chans Figur von ihr an den Rande der Verzweiflung gedrängt wird, sorgt für packende und auch beklemmende Filmminuten. Rückblickend bietet sich fast schon der Vergleich mit dem Banküberfall des Jokers in The Dark Knight ein, auch wenn Kameramann Anthony Pun längst nicht derart überwältigend-hypontische Aufnahmen auf Zelluloid bannte, wie es Wally Pfister für Christopher Nolans Megaerfolg tat.

Nach der Entgleisung von Kwok-Wings offenbaren sich jedoch die Schwächen in Alan Yuens Drehbuch des nie fortgesetzten Police Story-Reboots. So wird der Verfall des zuvor stolzen Polizeiinspektors nicht ohne an Team America erinnernde Übertreibungen skizziert - was Jackie Chans Darstellung mit über die Grenze zur ungewollten Parodie drängt. Daraufhin braucht New Police Story seine Zeit, um sich wieder zu fangen. Während die Handlung leidsam bemüht in ihre (leider nicht sonderlich mutigen) Bahnen gelenkt wird, etabliert man Nicholas Tse in seiner Rolle des Frank Cheng Siu Fung behutsam als jungen Jackie Chan. Dies zeigt sich spätestens in der ersten gemeinsamen Actionsequenz von Tse und Chan, in der sich Tse als tollpatschiger und weniger erfahrener Partner mit einer guten Dosis Slapstick-Elementen aus gefährlichen Situationen prügelt.

Moment, Slapstick? Ja, Slapstick! Denn selbst wenn New Police Story nicht die komödiantischen Ausmaße der herzlich-blödeligen Rush Hour-Filme oder Shanghai Noon/ Shanghai Knights annimmt, so entfernt sich der Film mit zunehmender Laufzeit vom grimmeren Anfang und nimmt wieder typischere Jackie-Chan-Züge an. Eine sich an die Original-Police Story anlehnende Bus-Verfolgungsjagd und eine in bester Chan-Tradition sämtliche Requisiten und Set-Elemente ausnutzende Actionsequenz in einer LEGO-Ausstellung (!) lassen gegen Schluss letztlich kaum noch atmosphärische Rückschlüsse auf den ernsthafteren Anfang ziehen.

Es gibt nunmal Filme, bei denen man das Gefühl entwickelt, die Macher hätten sich zunächst auf einen möglichst ausgerundeten Anfang konzentriert - und den Rest halt hinterhergeschmissen. New Police Story ist solch ein Film. Ein großartiger Anfang, der mit etwas Feinschliff sogar beklemmend-albtraumhafte Qualitäten erhalten könnte, ein stackselnder Mittelpart, der sich bemüht, wieder Fahrt aufzunehmen und die Story in Griff zu kriegen sowie ein routiniert-annehmbarer, nur leider zu vorsichtiger Schluss. Das ergibt einen für Jackie-Chan-Fans unverzichtbaren, für Action-Freunde ganz ansehnlichen Film, der nicht das ist, was er zunächst sein möchte.

Empfehlenswerte Kritiken:

Sonntag, 20. Februar 2011

Ein friedlicher Bulle wandert von Disney zu Fox

Wie Vulture berichtet, können Disney-Fans sehr gespannt auf den nächsten Film von Ice Age-Regisseur Carlos Saldanha sein. Denn dieser wird für 20th Century Fox das Kinderbuch The Story of Ferdinand von Autor Munro Leaf und Illustrator Robert Lawson als Computeranimationsfilm verwirklichen.

Was das denn Disney-Fan kümmern soll? Also wirklich, Leute, ich muss euch das doch nicht wirklich erklären, oder? The Story of Ferdinand wurde bereits 1938, zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung des sich bis heute immens gut verkaufenden Buches, von den Disney-Studios als Cartoon verarbeitet. Der Trickfilm über einen friedlichen Stier, der lieber an Blumen schnüffelt, als zu kämpfen, und dennoch in einen Stierkampf gedrängt wird, wurde damals mit dem Oscar ausgezeichnet. Kurioserweise sicherte sich Disney damals lediglich die Rechte, die Geschichte in einem Kurzfilm zu verarbeiten, statt wie von den Disney-Langfilmen gewohnt umfangreichere Verträge zu schließen. Und so kam es, dass nach einer Erwähnung dieser Geschichte im Sandra-Bullock-Drama Blind Side nicht nur die Verkäufe des Buchs wieder in die Höhe schnellten, sondern sich auch zahlreiche Trickstudios bei Martin Bright, dem Repräsentanten der Erben des Buchillustrators Lawson, meldeten. Den Zuschlag erhielt Fox, da dieses Studio wohl bereits vor Blind Side einmal angefragt hat, ob man einen Langfilm über Ferdinand produzieren dürfte.

Die Moral von der Geschicht? Ähm..."Lieber sofort fragen, als abzuwarten"?

Checkin' In With Goofy

Irgendwie hat es mit der Rückkehr der Disney-Cartoons ja leider nicht so richtig geklappt. Das hat man wohl davon, wenn man einen neuen Goofy-Film international vor Daddy ohne Plan versteckt und ihn danach auf einer Kicher-Kracher-DVD verballert.

Naja, immerhin gibt es neuerdings ein originelles Internetvideo, das mit der Einfachheit des Check Ins bei der Disney Cruise Line wirbt. Die normalen Menschen in diesem Werbespot sind was unheimlich geraten, Goofy ist in manchen Einstellungen ein wenig steif, aber die Idee und das insgesamt vorherrschende Charisma vertrösten zumindest mich dann doch.



(gefunden via Cartoon Brew)

Samstag, 19. Februar 2011

127 Hours

Als ich in den Kinosaal trat, wurde mir schon mulmig: 32 junge Frauen, Pubertät oder kurz danach. Inklusive mir nur 8 Männer, alle schon etwas weiter von der Pubertät entfernt. Ohne Vorurteile auf die Welt loszulassen: Bin ich wirklich im richtigen Saal?

Ja, war ich. Und während Aron Ralston, verkörpert von James Franco, 127 Stunden in einer Felsspalte festgeklemmt ist, war ich knapp über 90 Minuten mit dem entflohenen Twilight-Publikum zusammengepfercht. Üblicherweise käme ich nun nonchalant mit der Frage an, was wohl das schlimmere sein mag. Doch mit dem äußerst wirksamen und eindringlichen 127 Hours so frisch in Erinnerung, mag ich so zynisch nicht sein.

Angenehm war der Kinobesuch von 127 Hours dennoch nicht. Die gackernden Hühner waren klare Top-5-Kandidatinnen für meine Hitliste der nervigsten Kinobesucher meines Lebens. Und dabei kann ich sie nichtmal als Banausen beschimpfen, denn im Abspann ging sofort das Gerede los, wie geil der Film doch war, den sie durchgekichert haben. Sie haben sich nicht über 127 Hours lustig gemacht... die waren einfach so Matsche im Hirn. Und schreckhaft. Ganz schlimm waren deshalb die schmerzhaften Momente aus diesem Abenteurer-Drama. Ihr kennt das vielleicht, manche erschrecken sich, ekeln sich ein wenig. Ein kurzes Aufschreckgeräusch, eventuell noch ein "Üüüüh...". Diese Glucken schreckten auf, retteten sich dann in einen Lachanfall (wie witzig, du Waschweib hast dich erschreckt... Ach... du aber auch, hahahahahahahahaha...), und wenn das intensive Leinwandgeschehen einfach nicht enden will, erzählt man sich dann halt was ablenkendes.

Dagegen waren die vielen Nahaufnahmen von James Francos Gesicht die reinste Wonne. Man hörte nur förmlich über zwei Dutzend Uteri kochen, zwischen notgeil, verliebt und beschähmt changieredes Kichern. Naja, nicht nur Kichern, denn drei, vier von den Hennen im 127 Hours-Saal hatten sie... die debile Assi-Lache. Aus DNA-Resten von Curryking-Dennis (von Switch reloaded) und hyperaktiven "S-Bahn-Opfaaaaah!s" geklont, saßen diese Gestalten da herum und drehten mit ihrem Lachen jeden einzelnen Nerv in meinem Nacken um.

Qualen. Und trotzdem blieb die Faszination von 127 Hours unberührt. Es ist nicht der kunstvollste oder in seiner Makellosigkeit ruhendste, der zehn Oscar-nominierten Filme im diesjährigen Rennen um den Goldjungen, doch er ist auf eine sehr emotionalen Ebene der eindringlichste. Nach dem meiner Meinung nach überbewerteten Slumdog Millionär (der in meiner Gunst beim zweiten Mal enorm zusammenbrach) bringt Danny Boyle mit dieser James-Franco-Alleinunterhaltershow eine emotionale, öfter's in die Magengrube schlagende Achterbahnfahrt. Und das, obwohl der Film de facto über eine Stunde stillsteht. Das zeugt von scharfer Inszenierung, einem cleveren Dialog-Monolog-Buch und natürlich vor allem von einem faszinierenden, die Rolle für sich einvernehmenden und den Zuschauer wie einen Freund an den Qualen und am Galgenhumor teilhaben lassenden Hauptdarsteller.

127 Hours nimmt eine schnell trocken oder langweilig werdende Prämisse und verwandelt sie mit einer energetischen Inszenierung, kräftigen Farben und einem nie übertreibendne Pulverfass von James Franco in ein Extremsportler-Kammerspiel mit Zügen eines modernen Charaktermonologs. 127 Hours ist der Arthouse-Film für die Youtube-Generation: Flippige visuelle Einfälle, fesche Zynik und dennoch ein ehrliches, nahe gehendes und in seinen schmerzvollsten Momenten erschreckend nachfühlbares Drama mit fundierten Emotionen.

Freitag, 18. Februar 2011

Tim Allen dreht Sitcom-Piloten für ABC

Im September letzten Jahres wurde bekannt, dass Tim Allen nach einer eher durchwachsenen Kinokarriere ins Fernsehen zurückkehren möchte und sich deswegen mit zahlreichen Serienmachern traf, um das geeignete Projekt zu finden. Darunter befand sich auch der für die US-Version von The Office verantwortliche Greg Daniels.

Laut einer heutigen Meldung von Deadline ist Tim Allens Suche nach einer neuen Fernsehheimat abgeschlossen. In Form einer Heimkehr. Der Hör mal, wer da hämmert-Star verpflichtete sich nämlich für einen Sitcom-Piloten für seinen einstigen Heimatsender ABC. Geschrieben wurde der zwischenzeitlich als Man Up und The Last Day of Men, derzeit jedoch wieder namenlose Pilot von Jack Burditt, welcher mit 30 Rock großen US-Erfolg genießt.

Das Grundkonzept für Tim Allens neue Serie liest sich, wie ein Neuaufguss von Hör mal, wer da hämmert: Er spielt einen Mann, der in einer zunehmend von Frauen dominierten Welt seine Männlichkeit zu verteidigen versucht. Eine Neuerfindung des Rads ist es nicht, doch es führt Allen in sein Element zurück, ohne Gefahr zu laufen, die seligen Erinnerungen an seine Kultserie verspätet mit dem Hintern einzureißen. Und sollten Tim Allen sowie Jack Burditt genug Feinfühligkeit und Ironie im Umgang mit dem Geschlechterkampf haben (was Hör mal, wer da hämmert ja zu einem großen Teil so besonders machte), will ich mich überhaupt nicht über dieses Konzept beschweren. In Zeiten eines immer giftiger werdenden Mario Barth sind mir humorvollere und "konstruktivere" Thematisierungen des Geschlechterverhältnisses überaus willkommen.

Siehe auch meine Rezensionen zu Allens Kult-Sitcom:

The King's Speech

Welch ein Oscar-Jahr: Toy Story 3, Inception, The Social Network, Black Swan. Und da kommt so ein zurückhaltendes, britisch-besonnendes und bodenständiges Drama über die Königsfamilie und prischt an die Favoritenposition. Ja, darf das denn angehen?

Ja, es darf. Tom Hoopers The King's Speech ist nicht der traurigste, mutigste, witzigste oder wichtigste Film der letzten Monate. Doch er ist in seiner Gesamtheit so fehlerfrei, in seiner Nachhaltigkeit so erquicklich und zu gleichen Teilen anrührend, witzig wie intelligent, dass man sich einfach nicht über den Gedanken aufregen könnte, dass er vielleicht den Goldjungen mit nach Hause nimmt. Mit einer adelsgleichen Gelassenheit erzählt der smart betitelte The King's Speech (endlich mal wieder ein englischer Titel, der berechtigterweise nicht eingedeutscht wurde) die Geschichte von Prinz Albert, dem Herzog von York, der unter einem gravierenden Sprachfehler leidet. Er stottert selbst im Kreis der Familie, aber bei öffentlichen Auftritten wird es richtig katatstrophal. Also unterzieht er sich einer Sprachtherapie nach der anderen. Als er letztlich beim australischen Exzentriker Lionel Louge landet, ecken das aufbrausende Adelsgeblüt und der dreiste Therapeut mit seinem staubtrockenen Humor an. Mit hilfreichen Folgen für die Sprechprobleme des angehenden Königs...

The King's Speech wird garantiert den Oscar für den besten Film gewinnen. Denn er ist nicht nur ein intelligenter, aufrichtiger und dennoch keineswegs hochtrabender Wohlfühlfilm, sondern vor allem eine fantastische Bühne für seine Darsteller. Colin Firth verschmilzt mit dem gequälten Prinz Albert / König George VI, der eigentlich lieber auf die Verantwortung verzichten würde, sie aber angesichts seines Lebemann von Bruders nicht abstreifen möchte und Geoffrey Rush... ist Geoffrey Rush in Bestform. Man hätte ihm nur noch in einer Szene 'nen Piratenhut verpassen müssen. Diese beiden ungleichen, sich respektierenden Männer wachsen dem Zuschauer ans Herz, durch ihnen wird die historische Fußnote, die der Film nacherzählt, zum fesselnden Kinoerlebnis mit hoher Klasse. Idealerweise natürlich in der Originalfassung.

James Franco und Mila Kunis verzaubern Oz

Munteres Besetzungskarussel im zauberhaften Land: Nachdem Robert Downey jr. Sam Raimis und Disneys Oz: The Great and Powerful ausschlug, wendete sich Produzent Joe Roth an Disneys wandelnden Glücksbringer Johnny Depp. Einige Tage später wurde jedoch bekannt, dass Depp lieber nicht den Frauen verführenden Scharlantan spielen möchte, der in diesem Film zu einer von Disneys wohl ungewöhnlichsten Hauptfiguren aufsteigen würde.

Wieder einige Tage später kamen Meldungen auf, dass Disney die Altersvorstellungen neu setzte und Verhandlungen mit James Franco aufnahm, der derzeit in 127 Hours in einer Felsspalte feststeckt, immer wieder Gastauftritte in andere Filmen absolviert und bald die Oscars moderiert. Ein klares Urteil blieb bislang aus. Bislang.

Denn jetzt fand Disney auch seine böse Hexe des Westens. In Form vom Black Swan Mila Kunis. Wie Vulture meldet, sollen James Franco und Sam Raimi bei einem Treffen beschlossen haben, Kunis auf das Projekt anzusprechen. Als sie zusagte, stimmte auch Franco zu, sich nun fest an diesen Film zu binden. Dafür verließ Kunis die Manga-Verfilmung Akira von den Book of Eli-Regisseuren, The Hughes Brothers. Das Projekt befand sich bereits in Schwierigkeiten, da Warner Bros. einen namenträchtigen Hauptdarsteller verlangte, und der anvisierte Brad Pitt abdankte. Nun hat man auch Kunis verloren.

Bezüglich Oz: The Great and Powerful bin ich nun wieder sehr gespannt. Ich freue mich auch, dass man so ein großes Projekt in die Hände einer etwas jüngeren Riege talentierter, vielfältiger Darsteller gab. Jetzt muss es bloß mehr werden, als ein schwacher Wicked-Abklatsch...

Donnerstag, 17. Februar 2011

Die "Dreharbeiten" zu Rango

Gore Verbinskis Animationsfilm Rango rühmt sich mit der Technik des Performance Capturing. In Wahrheit bedeutet das schlichtweg: Johnny Depp, Bill Nighy und Co. blödeln während der Tonaufnahmen auf einer Bühne herum. Klingt längst nicht mehr so bahnbrechend, sieht aber enorm spaßig aus. Hoffentlich gibt's für's Heimkino sehr ausführliches Bonusmaterial. Ein kleiner Vorgeschmack wäre jedenfalls schon online:



Animiert gibt's das ganze ab dem 3. März in den deutschen Kinos zu sehen.

Weiteres zu Rango:

Mittwoch, 16. Februar 2011

Ein Unterhaltungsveteran verabschiedet sich von Deutschlands Samstagabend-Dinosaurier

Vergangenen Samstag, den 12. Februar 2010, strahlten das ZDF, der ORF und SF die erste Ausgabe von Wetten, dass..? nach dem tragischen Unfall von Wettkandidat Samuel aus. Im Vorfeld wurde, nach einem so erschreckenden Schicksalsschlag wohl unvermeidlich, sehr viel über die Zukunft der gigantischen Unterhaltungssendung diskutiert. Wie fühlt sich eine Jubiläumsausgabe zum 30-jährigen von Europas größter Samstagabendshow an, wenn sie zugleich Ausgabe 1 nach einem derartigen Unglück ist? Wie geht es weiter, wie spaßig will, ja darf Thomas Gottschalk durch den Abend führen?
Im Laufe des späteren Freitags und Samstags verdichteten sich auch die Gerüchte, der goldlockige Moderator wolle seinen Hut nehmen. Von diesen Meldungen bekam ich, obwohl ich seit ungezählten Jahren treuer Stammseher der Sendung bin, nichts mit. "Fluch der Karibik live in Concert" war eine zu starke (und tolle) Ablenkung.

Sonntag kehrte ich dann aber aus München heim, und dann wurde ich mit der Nachricht überrumpelt. Einer Nachricht, die eh eines Tages kommen musste, nur wusste man zuvor nie, wann, in welcher Form und aus welchem Anlass: Thomas Gottschalk tritt als Präsentator von Wetten, dass..? zurück.

Wie treue Hörerinnen und Hörer des Quotenmeter-Podcast sicherlich schon bemerkt haben, sind Wetten, dass..? und Thomas Gottschalk für mich feste Banken der deutschen Unterhaltungskultur. Diese nun im Bruch zu sehen, erschüttert mich tatsächlich. Ja, das klingt banal, sich die Moderation einer TV-Sendung so zu Herzen zu nehmen, aber vielleicht versteht ihr in diesem Zusammenhang den Titel dieses Blogs besser. Es geht hier nunmal um Bagatellen, denen ich großen Platz einräume (ohne damit das größere Weltbild degradieren zu wollen). Und Wetten, dass..? gehört dazu. Gottschalks Entscheidung trifft mich, gewissermaßen, persönlich, denn durch sie wird ein weiteres Stück meiner Kindheit abgetragen, eine weitere Verbindung zwischen mir und dem Stück des deutschen Fernsehbetriebes, den ich unreflektiert seit Jahren genießen konnte. Ich sah schon als kleiner Steppkes diese in ihrer Ausführung einmalige Symbiose aus Gala-Abend und Kindergeburtstag. Die Show, wo sich große Namen in feinem Zwirn auf einem Sofa niedersetzen, Gottschalks mal kalauernde, mal jegliche Grenze einer öffentlich-rechtlichen Familiensendung sprengende Altherrenwitzchen lauschen, Gespräche führen, die im Idealfall (wenn der Thommy besonders gut aufgelegt ist) die Formel "Style over Substance" zu einer eigenen, überhöhten Unterhaltungsform formierten und Normalbürger mit verrückten Talenten oder Hobbys irgendwelche amüsanten und/oder spannende Wettspielchen absolvieren. Überaus entscheidend für diesen atmosphärischen Spagat: Thomas Gottschalk, in seiner weltmännischen und dennoch bodenständigen Rolle als der juxende und sich jeden zum Kumpel machenden Moderator. Durch die Trennung dieser Einheit zwischen Sendung und Moderator stirbt für mich also ein Stück lebender Nostalgie. Es musste eines Tages geschehen, aber wer hätte je damit gerechnet, dass es vor dem Hintergrund einer solchen Tragödie wie Samuels Unfall geschieht? Und dadurch gewinnt die von mir eh stets befürchtete Nachricht einen bitteren Nachgeschmack.

Es Gottschalk auszureden, ist dabei jedoch zwecklos. Selbst wenn Aussicht auf den Rücktritt vom Rücktritt bestünde, wäre es falsch, Gottschalk zum Bleiben zu zwingen. So bedauerlich es für mich als Wetten, dass..?-Nostalgiker ist, so korrekt ist diese Entscheidung für den Moderator, der dieser Sendung das Bild verlieh, welches sie seit Jahrzehnten ausstrahlt. Wie Blogger- und Quotenmeter-Kollege Stefan bei Orange Ink treffend schreibt, ist Thomas Gottschalk von der raren Sorte menschlich-authentischer Fernsehprofis im deutschen Medienzirkus. Samuels Unfall warf für ihn einen Schatten auf seine Erfolgssendung, obwohl er sich keinerlei Schuld anzulasten braucht, zeigt Gottschalk nicht allein Mitgefühl, sondern zieht auch für ihn weitreichende Konsequenzen aus dem Schockerlebnis. Mit schwerem Herzen möchte er Wetten, dass..? nicht weitermoderieren, unter seinen Möglichkeiten bleiben. Das zeugt von menschlicher Größe, von einer Charakterstärke, wie sie im Fernsehgeschäft zur Seltenheit wurde. Schade bloß, dass sie in diesem Falle dem Zuschauer zum Nachteil gereicht. Denn, sinkende Quoten hin, sinkende Quoten her, Wetten, dass...? ist weiterhin eine riesige Erfolgsgeschichte und zeigte trotz der überflüssigen Rolle von Michelle Hunziker die letzte Staffel über wieder einige Glanzlichter.

Eine Schonfrist ist dem Zuschauer noch vergönnt, doch 2012 wird Wetten, dass..? mit einem neuen Gesicht auf die Bildschirme zurückkehren. Eine seit Jahren diskutierte Frage, zu der es noch immer keine greifbaren Antworten gibt. Die für viele naheliegendste Lösung hört auf den Namen Hape Kerkeling. Tatsächlich vereinen ihn, trotz unterschiedlichem Humor und Moderationsstil, viele Ähnlichkeiten mit Gottschalk. Beide erreichen ein junges, wie altes Publikum, können gleichermaßen gut mit Prominenten und Normalbürgern. Kerkeling strahlt etwas brüderliches aus, ist eine neckische, auf dem Boden gebliebene Person, hat dennoch ein starkes Star-Appeal und hat die "Größe" oder "Breite" für eine solche Gala-Sendung. Bloß ist Kerkeling als Gottschalk-Nachfolger unwahrscheinlich. Er spricht seit Jahren von seinem Fernsehausstieg, er würde nun kaum eines der Flagschiffe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens übernehmen.

Ist Kerkeling aus dem Weg, wird die Luft bereits erschreckend dünn. Schon gute Livemoderatoren lassen sich nicht ohne weiteres finden, und von denen fallen einige stilistisch raus. Scheinbar, jedenfalls. Soll Wetten, dass..? einen vergleichbaren Anstrich wie in Gottschalks Ausführung behalten, fiele etwa der Schlag den Raab-Veteran Matthias Opdenhövel raus, da sein Zielpublikum (noch) etwas zu jung ist. Günther Jauch, ARD-Vertrag mal außer acht gelassen, fehlt diese "Ah, hier, mein Lieber!"-Mentalität, ist dort zu journalistisch-steif. Er kann auch gute Unterhaltungssendungen auf die Beine stellen, bloß passen deren Dynamik nicht zum Wetten, dass..?-Geschmack. Stefan Raab, der erst auf einer Schlag den Raab-, dann auf einer Eurovision-Welle ernsthaft von den Medien betrachtet wurde: Zu sehr Macher, zu wenig Moderator. Raab selbst brachte seinen Praktikanten Elton ins Gespräch. Es wird wohl kaum geschehen, ist allerdings längst nicht so absurd, wie man vermuten könnte. Er hat den Promis und Wettkandidaten umgarnenden Knuddelbär-Charme, der zwar in eine andere Kerbe als Gottschalks kumpelhaftes Altherren-Gerede schlägt, doch eine ähnliche Wirkung zeigt. Nur die riesige Präsenz mit den Hallen füllenden Gesten fehlt ihm - und die nicht zu stoppende Eloquenz Gottschalks, der eigentlich auch die ganze Sendung alleine bestreiten könnte. Etwas, mit dem auch Pilawa durchfällt, der seine Sendungen immer mehr runterspult.

Flachnasen wie Marco S. will ich gar nicht erst beäugen. Die einzige, bislang völlig übersehene, Möglichkeit, die gar nicht so absurd wäre, ist für mich Ilja Richter. Er hat die Disco-Erfahrung, eine Altersgrenzen sprengende Ausstrahlung, sehr viel Charisma, dank welchem er sich auch kleinere Frechheiten erlauben darf. Ich höre Ilja Richter sehr gerne zu (ich wiederhole mich hier alle eineinhalb Jahre, aber sein ausführliches Radio-Interview, das mich durch eine stundenlange Autofahrt begleitete, werde ich nie vergessen), er ist witzig... jünger als Gottschalk... Und dennoch hätte er nicht viel zu verlieren.

Darin liegt wohl die größte Gefahr: Wer auch immer in die Riesentreter Gottschalks schlüpft, er wird kritisiert. Die Weitergabe des Staffelstabs von Wetten, dass..? ist nicht ohne weiteres mit Verstehen Sie Spaß und Stern TV zu vergleichen (und letzteres war ja nun auch nicht gerade eine Randnotiz der TV-Geschichte). Fragt Wolfgang Lippert.

Dienstag, 15. Februar 2011

A Capella: Käpt'n Balu und seine tollkühne Crew

Der Youtube-User DeservingDeath macht sich Stück für Stück als toller A-Capella-Video-Macher einen Namen in der Welt des Webs. Um ihn auf seinem Aufstieg zu den Netzsternen zu helfen, gibt's hier eines seiner vielen Disney-Videos: Den Titelsong von Käpt'n Balu!

Montag, 14. Februar 2011

Disney live in Concert: Fluch der Karibik

Am 19. Mai kehrt Captain Jack Sparrow endlich mit einem neuen Abenteuer auf die Leinwände unserer Gefilde zurück. Dann sogar in drei Dimensionen.

Im Vorfeld des neuen Kapitels der unterhaltsamsten Piratensaga der Filmgeschichte, bescherte Disney die Piratenanhänger, experimentierfreudigen Kulturfreunde und spendablen Filmfreaks unter uns mit einem von den Verehrern der Musik Hans Zimmers (und Klaus Badelts) lange ersehnten Ereignis: Fluch der Karibik - Live in Concert!

Denn die wuchtigen und einprägsamen Melodien aus dem einfallsreichen Seeräuberspaß gehören ebenso untrennbar zu seiner Erfolgsformel, wie der ikonisch torkelnde Johnny Depp. Ebenso, wie Jack Sparrow nunmehr im Pantheon der denkwürdigsten Leinwand(anti)helden steht, fanden auch die Musikstücke aus Fluch der Karibik einen unvorstellbaren Erfolg. Eben ihnen kommt nun mit dem tourenden Konzerterlebnis verdiente Ehre zuteil. Ich selbst gönnte mir einen Besuch der Münchner Vorstellung unter der Leitung von Helmut Imig. Die Münchner Symphoniker verwandelten, vor einer stattlichen Leinwand platziert, die Philharmonie der urigen Großstadt in Jerry Bruckheimers hämmernde Tropenwelt, wo schwankelmütige Seefahrtsmelodien, semiklassizistische Symphonien und fetzender Actionbombast ein harmonisches Ganzes ergeben.

Das Problem mit uns Fans: Wir wissen zu viel, sind zu firm, bemerken jeden klitzekleinen Fehler. Und so bemerkte ich die, für den Normalbesucher keinesfalls gravierenden und sicherlich kaum spürbaren, Patzer hinsichtlich des Timings. Wenn ein Schock-Tusch einen Wimpernschlag zu früh kommt, oder die Slapstick-Pointe mit dem Ansatz einer Viertelpause später als bei der Original-Filmtonspur musikalisch unterstrichen wird, dann rollen wir mit den Augen, ballen die Faust oder zucken enttäuscht zusammen.

Das Gute an uns Fans: Wir wissen unser Steckenpferd zu ehren. Während mir oben genannte "Fehler" negativ auffallen, freue ich mich über andere Abweichungen. Die Münchner Symphoniker sind weniger stark besetzt, als Badelts oder Zimmers Filmorchester. Dadurch, und durch die Live-Situation, fielen besondere Instrumente stärker auf, als auf der Soundtrack-CD, geschweige denn der mit Dialogen und Soundeffekten bereicherten Film-Tonspur. Auflockernde Rasseln, mir bislang nur aus Grundschulen und von Sportplätzen bekannte Klappdinger, oder, oder: Die kleinen exzentischen Anstriche des Scores betont zu sehen (zu hören), hat mir richtig gut gefallen. Allerdings bestehe ich jetzt deswegen auch auf Konzerte zu den wesentlich verrückter besetzten Scores aus Teil 2 und 3.

Über das Konzerterlebnis allgemein, muss ich wohl kaum sagen, dass die Musik mit optimaler Akustik und live natürlich noch mehr unter die Haut geht und noch mitreißender ist, als aus der Konserve. Aufgrund der rockig-epochalen Natur einiger Motive aus dem Score von Fluch der Karibik musste ich alter Rocker dann und wann mit Gewalt meine Arme unter Kontrolle halten. Die Teufelshörnchen mitten in der Philharmonie, das wäre wohl nicht gut angekommen.
Besonders loben muss ich die Streicher (wenn man sie nicht nur hört, sondern auch sieht, merkt man erst, wie anstrengend Fluch der Karibik für diese Musiker sein muss) und die Percussion/Drums. Die waren energetisch, mit drallem Sound und enormer Antriebskraft. Auch der Männerchor, der die für die zustätzliche Prise filmmusikstilistischer Epik sorgte, hat mir unheimlich gut gefallen, die Stimmen erfüllten den Saal besonders bei Jacks Ankunft in Port Royal mit einer Ehrfurcht ergebenden, Jacks de facto eigentlich gescheiterten Einmarsch konterkarikierenden Ehrhabenheit.

Um wieder zu kritteln: Der Kampf in der Scheune war mir etwas zu laff. Das habe ich live während eines Filmmusik-Medleys (inklusive nunmehr obligatorischem Piraten-Part) schonmal dynamischer erlebt. Bei manchen Actionszenen war mir auch die Effektspur des Films zu schmächtig. Explodierende Schiffe machen nicht *püff*!

Dafür wuchs das Orchester im letzten Drittel über sich hinaus: Der "Kampf der Verdammten" auf der Isla de Muerta, der munter He's a Pirate und das Skellettpiraten-Thema (laut Soundtrack-CD heißt es ja Swords Crossed, aber wie jeder eingeschworene Liebhaber von Fluch der Karibik weiß, wäre Moonlight Serenade der korrekte Titel, so wie es auch wohl in der Komplettpartitur des Films vermerkt wurde) vermischt war sensationell, die Hinleitung zum Abspann und die dort vorkommende, finale Anwendung von He's a Pirate sowieso. Bemerkenswert fand ich auch, dass das Orchester die (")romantischen(") Themen fantastisch wiedergab, wodurch sich die Qualität der zugehörigen Szenen nochmal hebte. Jaaa, Wills und Elizabeths Geturtel unter Deck war nun tatsächlich hinreißend!
Dadurch verstärkt sich aber auch mein Drang nach einem Am Ende der Welt-Konzert. Marry Me, live, mit solch einer emotionalen Eindringlichkeit? Ich glaube, mein Herz würde zerreißen SOWIE explodieren, es wäre gleichzeitig das traurigste, romantischste und coolste, was ich je hören würde. Na gut, ich übertreibe gerade vielleicht ein wenig - Fakt ist, dass Am Ende der Welt als der (bislang?) romantischste Pirates-Score ein Gänsehaut erregendes Symphonie-Erlebnis wäre, mit dem sich Fluch der Karibik in diesen Belangen nicht messen könnte. Dafür hat der Beginn der Reihe insgesamt die klassischere Besetzung und viel mehr He's a Pirate... Hach ja...

Ich würde eine Kino/Livekonzert-Kombination der Fluch der Karibik-Fortsetzungen garantiert besuchen. Ich müsste jedoch bezüglich Teil 1 kritisch anmerken, dass er für eine solche Idee nicht gänzlich perfekt geeignet ist. Es dürfte natürlich niemand überraschen, dass sich das Drehbuch und somit der komplette Film nicht nach einer schlüssigen, musikalischen Instrumentalkonzert-Dramaturgie orientiert. Deswegen gibt es gerade in der ersten Hälfte einige "stumme" Momente, die während des Konzerterlebnisses schleppend rüberkamen. Ich weiß nicht, ob Die Truhe des Todes und Am Ende der Welt die selben Probleme hätten, selbst wenn, hielte es mich nicht davon ab, reinzugehen. Ich würde auch niemandem davon abraten, sofern er die Filmmusik mag, denn ein paar Atempausen sind nun wahrlich nichts tragisches. Als reines Konzert, mit einer die Filmreihenfolge ignorierenden Anordnung der Themen hätte Fluch der Karibik (oder die gesamte Pirates of the Caribbean-Reihe) allerdings nochmal etwas mehr Kraft hinter sich.

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Samstag, 12. Februar 2011

Gullivers Reisen - Da kommt was großes auf uns zu

Jack Blacks Rollenwahl war auch schonmal glücklicher. Der Kugelblitz unter den schauspielernden US-Komikern ließ seine Fans bereits mit Year One im Stich, und Gullivers Reisen ist nicht gerade die verdiente Entschuldigung.

Dass diese Neuverfilmung von Gullivers Reisen wie fast alle Verarbeitungen dieses Stoffes weite Teile der Vorlage und ihre sozialsatirischen Töne rauswirft, ist keine große Überraschung und deshalb noch leicht verdaulich. Dass aber Jack Black bloß mit angezogener Handbremse vor sich hinspielt und zwischen den rar gesäten, gelungenen Gags sehr viel familientaugliche Ödnis breit macht, ist schon deutlich ärgerlich. Jedoch lernt man die Ödnis schätzen, wenn gar grausige Ideen wie ein Riesenroboter oder eine überpeinliche Musiksequenz die Bühen betreten.

Für Black-Fans vielleicht noch als DVD-Grabbelkisten-Film einen Blick wert, für Kinder schmerzlos, doch schnell vergessen. Und für alle anderen... nicht weiter der Rede wert.

Stirb langsam 5: Regisseur gefunden?

Bruce Willis spricht schon seit längerem davon, seine Erfolgsserie Stirb langsam mit zwei weiteren Filmen abzuschließen. Im Mai fand sich sogar ein Drehbuchautor, womit sich Willis' Ziel der Erfüllung näherte. Inwiefern man es sich wünschen kann? Nun, Willis möchte die Reihe weiter in einen Größenwahn wachsen sehen und dabei gleichzeitig ironisch brechen. Macht Spaß, hat aber nicht mehr soooo viel mit Teil 1 zu tun.

Wie dem auch sei, jetzt hat man auch einen Regisseur auf der Hand. Wie Deadline berichtet, soll Noam Murro, fünffach für den Preis der US-Regie-Gewerkschaft nominierter Werbefilmer, die Regie übernehmen.

Meinetwegen... Könnte was werden, vielleicht auch nicht... Was soll ich nun groß mutmaßen?

Freitag, 11. Februar 2011

Disney-Legende Bill Justice stirbt im Alter von 97 Jahren

Der Mann, der Klopfer sein markantes Klopfen beigebracht hat, ist gestern, am 10. Februar 2010, verstorben. Bill Justice, 1996 zur Disney-Legende ernannt, starb in einem Pflegeheim in Santa Monica eines natürlichen Todes. Nur einen Tag nach seinem 97. Geburtstag,

Der in Dayton, Ohio geborene, gerlernte Portraitzeichner stieß 1937 zu den Walt Disney Studios, wo er seine Feuerweihe mit dem Zeichentrick-Meilenstein Fantasia bestand. Direkt im Anschluss beteiligte er sich als Zeichner am Oscar-prämierten Donald-Duck-Cartoon Der Fuehrer's Face und als Zeichner von Klopfer in Bambi. Im Bereich der abendfüllenden Zeichentrickfilme folgten für ihn Beteiligungen an Saludos Amigos, Drei Caballeros, Make Mine Music, Die Abenteuer von Ichabod und Taddäus Kröte, Alice im Wunderland sowie Peter Pan. Darüber hinaus wirkte Justice an 57 Kurzfilmen mit. Als Zeichner war er Teil einiger der besten späteren Donald-Kurzfilme, wie The Plastics Inventor, dem Vorboten der zahlreichen A- und B-Hörnchen-Cartoons Old Sequia, Wet Paint (mit einem der furiosesten Wutanfälle des cholerischen Erpels), Clown of the Jungle (der dem Kinopublikum ein Wiedersehen mit dem Aracuan aus Drei Caballeros bescherte) oder die ganz klar zu den Highlights von Tick, Trick und Tracks Kinolaufbahn gehörenden Soup's On und Donald's Happy Birthday. Darüber hinaus war Justice mehrfach als Zeichner von A- und B-Hörnchen verantwortlich, darunter in ihrem charmanten und über die Jahre zum Kult gewordenen, Donald-freien Cartoon Two Chips and a Miss.

In die Herzen der US-Baby-Boom-Generation fand Justice aber mit dem Vorspann zum Original-Mickey Mouse Club Eingang, bei welchem er Regie führte. Justice führte daraufhin vermehrt Regie, unter anderem bei den drei Oscar-nominierten Kurzfilmen Noah's Ark, A Symposium on Popular Songs und The Truth About Mother Goose, außerdem zeigte das Multitalent sein Faible für Stop-Motion-Trickserien, indem er an den Effekten in Babes in Toyland, Mary Poppins und Die Vermählung ihrer Eltern geben bekannt... mitwirkte. Justice zeigte sich auch für den Vorspann (und somit den charmantesten Teil) von The Misadventures of Merlin Jones verantwortlich. Von seinen anvertrauten Kollegen X. Atencio (der später Yo-Ho (A Pirates' Life for Me schrieb) und T. Hee wurde er als der Anführer des eingeschworenen Trios bezeichnet.

Von Justices vielfältigen Fähigkeiten beeindruckt, bat Walt Disney ihn darum, Teil des Walt-Disney-Imagineering-Teams zu werden. Dort programmierte er zahlreiche Audio-Animatronics für die Attraktionen Great Moments with Mr. Lincoln (einem Meilenstein der Robotertechnologie), The Carousel of Progress, Mission to Mars, Pirates of the Caribbean, The Haunted Mansion, Country Bear Jamboree und America Sings, sowie später auch in der Hall of Presidents von Walt Disney World sowie der Mickey Mouse Revue. Insbesondere die Arbeit an der legendären Attraktion Pirates of the Caribbean machte ihm große Freude, da er die Arbeit an den zahlreichen Vignetten der Handlung als erfüllende Herausforderung betrachtete.

Justice beließ es allerdings nicht nur bei den Audio-Animatronics. Er enwtickelte zudem ein Faible für das Gestalten von Paraden, weshalb er die Kostüme und Paradenwagen für die erste Weihnachtsparade im Disneyland entwarf und die ersten Konzeptbilder zur von Disneyfans umfeierten Main Street Electrical Parade zeichnete.

Justice gehört zu jenen Disney-Legenden, die mit ihrer Arbeit für Walt Disney und sein Erbe aufblühten. Er war eifriger Besucher und Gastredner auf Disney-Conventions und fand immer Zeit, den Anwesenden eine Skizze zu schenken, und sei gerade auch nur eine Papierserviette griffbereit.

Er hinterlässt seine Tochter und eine Enkelin.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Neuer Trailer zu Disneys High-School-Komödie "Prom"

Disneys neue Geschäftsführung möchte den Kinoausstoß des Studios polarisieren: Filme haben auf der einen Seite immer größer und fortsetzbarer zu werden, auf der anderen intimer, preisgünstiger und mit gößerem "Kleiner-Film-Charme". Prom soll zur zweiten Kategorie gehören, ein Film, der mehrere Jugendliche auf den Weg zum Abschlussball begleitet. Tonal soll man John-Hughes-Teeniekomödien anvisiert haben. Ein erster Trailer ist schon bekannt, hier Nummero Zwo:



Mh, könnte nett werden. Wirkt nicht so unflätig und schnell veraltend hip wie die meisten anderen Teeniekomödien, aber auch nicht ganz so sehr nach Kiddie-Disney-Kitsch, wie ihn High School Musical zu versprühen vermochte. Deutscher Kinostart ist am 25. August, also pünktlich lange, nachdem deutsche Abiturienten ihren Abschlussball hatten. Eine potentielle Publikumsgruppe, mal so eben abgeschnitten...

Mittwoch, 9. Februar 2011

(Ab)Gebildet: Hit Somebody

Kevin Smith, Stimme einer Generation, Stellvertreter einer Geekkultur oder einfach nur ein Spaßbär? Für mich ist der Mann aus New Jersey alles zugleich. Er ist ein die Konventionen des Drehbuchschreibens auf den Kopf stellender Regisseur, der das Kunstprogramm mit Fäkalsprache und vermeintlichen Banalitäten unterwandert. Oder untermauert er seine vulgären Darstellungen menschlicher Bagatellen mit subversiv eingewobenem, ihm selbst womöglich unbewusstem künstlerischen Intellekt? Nun, beide Beschreibungen passen gewiss nicht auf den Kevin Smith zu, der Cop Out gedreht hat, bezüglich seine restlichen Regiearbeiten kann man diese Diskussion allerdings in Angriff nehmen. Je nach Film mit unterschiedlich starker Inbrunst, aber immerhin. Kevin Smith gelang es einst, das Programmkino-Klientel (oder zumindest den Anteil davon, der bei Schimpfwörtern und detaillierter Nacherzählungen sexueller Akte die Ohren abfallen) ebenso anzulocken, wie College-Kumpels, die mit dem Bier in der Hand auf Jay und Silent Bob warten.

Sofern Smith sich nicht gedanklich neu sortiert, können wir langsam Abschied von diesem vielleicht nicht jedermann liegendem, dennoch aber äußerst interessanten Filmemacher verabschieden. Denn nach Red State möchte er seinen letzten Film drehen: Das Hockey-Drama Hit Somebody. Es wäre durchaus ein angemessener Abschluss seiner Karriere als Autorrenregisseur. Denn seine selbst geschriebenen Regiearbeiten enthielten allesamt Referenzen auf seinen Lieblingssport.

Clerks
Ein Regiedebüt kann einen persönlichen Stil begründen, aber aus naheliegenden Gründen noch keine wiederkehrenden Elemente beweisen. Clerks, ein Film dessen Popularität laut Kevin Smith seine gesamte Karriere überschattete, sie aber auch gleichermaßen überhaupt vital hielt, enthielt Elemente, die unvermeindlich als Smiths Stil erkennbar waren. Die ehrlichen, überhöht dargestellten und vom Mund des nicht gerade im Zentrum der sozialen Hackordnung stehenden, männlichen Slackers abgeschauten Dialoge. Die Haltung, dass das Gesprochene wichtiger als die Kamera ist (man könnte es auch als das Fehlen eines inszenatorischen Stils bezeichnen). Die Einarbeitung seiner Lieblingsthemen. Star Wars und Hockey. Aber es wurden auch Elemente eingeführt, die sich erst später als Markenzeichen offenbaren konnten: Nahezu jedermanns Lieblingsgag des Films hat mit der Zahl "37" zu tun, die daraufhin als Running Gag immer wieder bei Smith auftauchte. Um nun jedoch endlich zum Hockey zu kommen: Dante, der eigentlich seinen freien Tag gehabt hätte, muss im Quick Stop, einem Gemischtwarenladen, arbeiten. Um das mit Freunden abgesprochene Hockey-Spiel nicht zu versäumen, beschließt er kurzerhand, es auf das Dach des Ladens zu verlegen.

Mallrats
In einer Zeit vor Cop Out und Jersey Girl galt Mallrats als das schwarze Schaf der Kevin-Smith-Filmografie. Nicht nur einige Fans belächeln den Nachfolger auf Smiths Sensationsdebüt, auch sein Förderer Harvey Weinstein war nicht sonderlich begeistert, so dass das Projekt zu Universal abwandern musste. Ein amüsanter Zufall, Universal schien sich somit als Auffangbecken für Weinstein-Kumpanen etabliert zu haben. Als Tarantinos Inglourious Basterds für die Weinsteins zu teuer wurde, kam ebenfalls Universal an Bord. Mallrats hatte nicht nur das größere Budget und somit unter anderem einen neuen, schmucken Ledermantel für Silent Bob in petto, sondern auch das Etablieren einer Figurenkontinuität in Smiths Filmen (im neu erschaffenen "View Askewniverse" kennt eigentlich jeder jeden um ein paar Ecken) sowie auf die Spitze getriebene Star Wars-Zitate und natürlich neue Hockey-Referenzen. Das obige Bild steht eigentlich stellvertretend für Smiths Referenzfreudigkeit: Comic-Anspielung, Hockey-Shirt, Hommage an Der weiße Hai. Alles drin.

Anders als in Clerks gibt es in Mallrats kein Hockeyspiel zu bestaunen. Dafür zockt der unter der Fuchtel seiner Mutter stehende Brodie direkt, nachdem er von seiner sexuell unbefriedigten Freundin aufgeweckt wurde auf seiner Sega-Konsole eine digitales Eishockey. Was eines der wiederkehrenden Grundthemen des "View Askewniverse" zusammenfasst: Nerdige Kerle, die mit ihren gutaussehenden Freundinnen, von denen sie selbst nicht wissen, wie sie sie bekamen, nicht umzugehen wissen und sich in spielerische Ablenkung fliehen.

Chasing Amy
Direkt auf den belächelten Mallrats folgte Kevin Smiths möglicherweise bester Film: Clerks umgibt zwar der größere Kult, doch das amüsante Liebesdrama Chasing Amy dürfte wohl die meiste Anerkennung erhalten haben. Mein persönlicher Liebling ist es nicht, dafür finde ich Dogma einfach zu witzig, trotzdem ist Chasing Amy jegliches Stück Respekt gegönnt, dass der Film bekommen kann. Vor allem, da Chasing Amy für Smith als Autoren und Regisseur einen großen Sprung bedeutete. Die Figuren sind ausgereifter, die Dialoge gehen einem näher, der Sextalk ist nicht nur da, um da und cool zu sein, sondern hat auch dramaturgische Relevanz und auch die Hockey-Elemente gehen dieses Mal über das bloße Tragen eines Shirts hinaus...

...oder einen Rückgriff auf das aus Mallrats bekannte Videospiel!

Eine unaufhaltsam entgleisende Unterhaltung zwischen den beiden Hauptfiguren wird von Regisseur Kevin Smith durch Gegenschnitte auf das von ihnen besuchte Hockeyspiel kommentiert. Die Entwicklung des Hockeyspiels, die eskalierenden pysikalischen Handlungen sind die Komplementärelemente zu den verletztenden Ausschreitungen im Gespräch der zwei Protagonisten. Die Gegenschnitte auf das Hockeyspiel sind rau und unbehandelt, was man als verstärkendes Element entschuldigen kann, als handwerkliche Unterstreichung der auf der Bildebene aufgezeigten Parallele zwischen verbaler und körperlicher Gewalt. Doch man muss sich auch als Smith-Anhänger eingestehen: Eine aufpoliertere Schnittmontage hätten die damals noch immer ungeschliffenen Cutter Scott Moiser und Kevin Smith nicht auf die Beine stellen können.

Dogma
In seiner Religionskomödie Dogma hielt sich Smith angesichts der zahlreichen ihn erwartenden, größeren Aufgaben mit zu vielen überflüssig ausgewalzten Traditionen glücklicherweise zurück. Zwischen Spezialeffekten und der Arbeit mit klassisch ausgebildeten Schauspielern wie Alan Rickman auch noch möglichst eine Hockey-Szene reinquetschen? Nein, danke. Einen angemessenen Platz für seinen Lieblingssport fand Kevin Smith trotzdem: Ein gemeingefährlicher, aus drei Jugendlichen bestehender Schlägertrupp benutzt für seine Gewalttaten Inliner (man muss sich ja schnell fortbewegen) und Hockeyschläger. Einer der drei stillen Jungs trägt außerdem ein Hockeyshirt (der fiktiven Mannschaft Highlands Clamdiggers), während der obig links abgebildete Bub' die obligatorische Comicreferenz des Films in Form eines thematisch überaus passenden Hellboy-Shirts am Leibe trägt. Der Kerl in der Mitte scheint mir dagegen eine Parodie von "Mr. Powerschuss" Fulton Reed aus Mighty Ducks zu sein. Dieser grimmige Blick, die trüb-zornigen Augen, die verwaschene Football-Kriegsbemalung...

Jay und Silent Bob schlagen zurück
Kevin Smiths problemlos auch als "Fanservice - Der Film" betitelbarer Beinahe-Abschluss seiner "View Askewniverse"-Reihe ist dermaßen mit Selbstreferenzen, Brüchen der vierten Wand und Serienkontinuitätsspielereien beschäftigt, dass für sonstige Traditionen nur der nötigste Raum blieb. Naja, mit mehreren Star Wars-Cameos hat sich Smith bei seinem Lieblings-Filmthema nicht zurückgehalten, dafür gibt es wie schon in Dogma gerade Mal ein Hockeyshirt zu bewundern. Andere Verweise auf Smiths Lieblingssport sucht man vergebens. Und sogar die Hockeyreferenz in Jay und Silent Bob schlagen zurück ist ein Selbstverweis Smiths: Randal trägt hier das gleiche CCCP-Trikot wie in Clerks.

Jersey Girl
Als bislang einziger von Kevin Smith selbst geschriebener Film, muss Jersey Girl ohne Hockey auskommen, was seinen Status als schwarzes Schaf nur weiter verstärkt. Dennoch hat der Film mehr Respekt verdient, wie ich finde, weshalb ich ihn auch nicht einfach aus diesem Artikel ausschließe. Statt einer Hockey-Abbildung serviere ich euch halt ein Filmbild der Grundschulaufführung von Sweeney Todd, die im Film vorkommt. Ganz einfach, weil ich's kann.

Clerks 2
Mit Clerks 2 macht Kevin Smiths Hauptschaffenswerk den Kreis vollkommen. Das "View Askewniverse" endet, wo es begann. Dass die Existenz von Hockes nun sogar auf die bloße Anwesenheit eines Tors und eines an die Tür gelehnten Schläger beschränkt wird, könnte der überengagierte Zuschauer als Brillanz auffassen: In einem Film, der in der Welt des Fast Foods spielt, kann der einzige mit größerer Präsenz gesegnete Sport bloß sowas wie langsam-spaßiges Kartfahren sein. Aber das ist eine Überinterpretation und reiner Zufall.


Spielt Kevin Smith mit Zack and Miri Make A Porno ein sicheres Spiel, oder stellte die Komödie mit Seth Rogen und Elizabeth Banks ein kleines Wagnis dar? Fans sind sich uneinig, wie sie Zack & Miri auf Smiths Weg zu einem anderen Filmemacher einordnen sollen. Klar ist schonmal: Den Verzicht auf Jay und Silent Bob kompensiert Smith mit einer Rückkehr zum Gefühl von Chasing Amy und einer Vielzahl an Hockey-Elementen, angefangen bei Elizabeth Banks im Pittsburgh-Penguins-Trikot. Und auch Star Wars-Fans haben einige Gründe, den Film zu sehen, aber das wäre Stoff für einen anderen Artikel.


Außerdem gibt es eine Stanley-Cup-Flagge der zu Drehbeginn zweifachen Siegermannschaft zu sehen. Die Verweise auf die Penguins dienen auch als Lokalkolorit: Zack and Miri Make A Porno spielt nicht in Kevin Smiths Heimatstaat New Jersey (so wie alle seine Filme zuvor, sondern in Pennsylvania, wo er auch gedreht wurde. Neben diesen Verweise auf Pennsylvanias Hockeymannschaft wird dem Drehort auch Tribut gezollt, indem die Figuren das nahe Pittsburgh gebraute Iron City Beer trinken. Auch die aus Zombie bekannte Monroeville Mall hat einen Auftritt, ebenso wie der aus Pittsburgh stammende Tom Savini.


Der Regisseurs des Pornos-im-Films, gespielt von Clerks-Veteran Jeff Anderson, wird derweil von einem Hockeyspiel der fiktiven Mannschaft Monroeville Zombies weggecastet.

 Weniger Hockeyreferenz, als Selbsttribut: Genau wie bei den Dreharbeiten für Clerks müssen die Figuren aus Zack and Miri Make A Porno aus Geldmangel improvisieren, weshalb sie statt professioneller Angelmikros an einen Hockeschläger geklebte Standardmikros verwenden. Überhaupt haben die Umstände, die Zacks und Miris Filmdreh umgeben viele Parallelen zu Kevin Smiths Erfahrungen als Regiedebütant. Der einzige große Unterschied ist im Grunde, dass Zack und Miri schon in Farbe drehen können. Und dass in Clerks bloß über Sex geredet wurde.

Und zu guter Letzt erleben wir in Zack and Miri Make A Porno, wie sich eine der Hauptfiguren als Schießbudenfigur bei einem Hockeyspiel verdingt. Dieser Gag ist ein Überbleibsel von einem früheren Clerks 2-Drehbuchentwurf, in dem Randel (gespielt von Jeff Anderson) sich damit ein kleines Zubrot verdient.

Dies wären also die mal mehr, mal weniger einschneidenden Hockey-Referenzen aus Kevin Smiths bisherigem Schaffen. Wie es in Red State mit Hockey aussieht, weiß ich derzeit nicht, dafür scheint Hit Somebody den umgekehrten Weg zu gehen. Nachdem Smiths Filmwerk mit Hockey-Versatzstücken bespickt wurde, plant Smith, seinen Hockey-Film mit selbstreflexiven Gedanken zu versetzen und seinen evenuellen Abschiedsfilm außerdem mit Gastauftritten all seiner Wegbegleiter zu unterfüttern.

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