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Samstag, 2. Januar 2010

Meine Filmsongs des Jahres 2009

Traditionen sollte man pflegen. Und deswegen folgt auf meine Songhitliste des Jahres 2009 meine Filmsonghitliste. Denn wie schon in den Jahren zuvor, habe ich zwar das eine oder andere neu veröffentlichte "normale" Lied gehört, die längste Spieldauer jedoch fiel in den Bereich der Filmmusik. In dieser Hinsicht kann ich nunmal einfach nicht aus meiner Haut als Filmliebhaber.

Was Filme aus früheren Jahren anbelangt, hielten sich Kickapoo und Beelzeboss aus Tenacious D - Pick of Destiny, einige Stücke aus dem Soundtrack von The Dark Knight und natürlich allerhand von Disney sehr gut in meinem Musikalltag fest. Außerdem hat sich das Tarzan-Musical erfolgreich in meinem Musikplayer eingearbeitet. Dass aus Pirates of the Caribbean wieder Mal Marry Me und Up is Down, aber auch der gute alte Kraken intensivst gehört wurden, ist wohl keine Überraschung.

Nun aber auf zu den Songs aus Filmen, die 2009 ins Kino kamen (oder auf DVD ihre Premiere hatten). Wie schon im Vorjahr wage ich es hier nicht, eine wirkliche Rangliste zu erstellen. Fällt mir dann doch zu schwer. Also, geht's ohne eine strenge Rangordnung auf ins Hörvergnügen:


Aus Brüno:
- Dove of Peace: Am Ende der kontroversen, enttarnenden und tolldreisten "Dokusatiromödie" Brüno präsentiert uns Sacha Baron Cohen seine selbstverliebte und naiv-arrogante Kunstfigur Brüno als Interpreten eines bewegenden Charitysongs, in welchem er sich selbst als Friedenstaube besingt - und besingen lässt. Mit prominenten Gastauftritten und absolut übertriebenen, halsbrecherischen Liedtexten ausgestattet ist Dove of Peace ein schwungvolles Finale für die umstrittene Komödie über die sich die Leute noch ewig streiten werden (und sei es nur, um wieviel besser oder schlechter der indirekte Vorgänger Borat ist) und eine fantastische Parodie auf Wohltätigkeitshymnen wie We are the World. Egal, wie oft ich mir dieses Song angehört habe, er wurde nie unlustig.

Aus Transformer - Die Rache:
Um Transformer - Die Rache habe ich einen gewaltigen Bogen gemacht. Vor Transformer war ich ja ein durchaus leidenschaftlicher Verteidiger Michael Bays, da er sehr gut anzusehende, bombastische Actionfilme mit hohem Unterhaltungswert dreht und tatsächlich eine eigene Bildsprache entwickelte. Sicherlich keine tiefsinnige, aber eine distinktive. Aber Transformer fand ich so schlecht erzählt, so schlecht fotografiert (wenn man stets Super-Mega-Nahaufnahmen von zwei Robotern macht, erkennt der Zuschauer nicht, wer gerade wem welchen Blechschaden verpasst) und sogar für seine eigenen Ansprüche dermaßen ungenügend (ich ging rein um jede Menge Zerstörung zu sehen - und bekam zu sehen, wie sich Haus hohe Roboter in einem Garten verstecken), dass ich mit der Fortsetzung nichts mehr zu tun haben wollte. Aber dank Linkin Park gibt's wenigstens eine gute Sache an dem Film: Den Titelsong. Weiterhin im etwas dramatischeren, melodiöseren Stil des zurückhaltenden letzten Albums gehalten liefert die Band mit New Divide einen kräftigen, schmissigen Song ab, der einen mitgehen lässt, statt einen umzuhauen. Natürlich fehlt die coole Härte von One Step Closer oder die überraschende Emotionalität von What I've Done, für rockige 4 Minuten 26 reicht es allerdings allemal. Und tatsächlich wird dieses Lied mit mehrmaligem Hören besser! Ich wage zu bezweifeln, dass es dem dazugehörendem Film ähnlich geht.

- At the Opera Tonight: Zunächst, für alle Schlaumeier: Ja, ich bin darüber informiert, dass Repo! The Genetic Opera bereits 2008 auf einem deutschen Filmfestival aufgeführt wurde. Da er allerdings keine reguläre Kinoauswertung erhielt, und erst im Frühjahr 2009 auf DVD erschien, und somit erstmals für eine weitere Öffentlichkeit erhältlich wurde, gilt er in meinen Augen als Film des Jahres 2009. At the Opera Tonight ist ein sehr charakteristisches Lied für Repo!, da es eine sehr klar den Takt vorgebenes Schlagzeug, einen eingängigen Hintergrundchor, Operngeträller und einige tolle Gitarrenriffs hat, was zusammen eine explosive Mischung ergibt und den musikalischen Stil von Repo! gut zusammenfasst.

- Things You See in a Graveyard: Eine scheppernde E-Gitarre. Eine geheimnisvoll angehauchte Opernstimme singt wiederholt sehr dramatisch den Titel. Ein grimmiger, älterer Mann beschimpft rhythmisch seine unfähigen, potentiellen Erben. "Spaciges" Keybord-Gedudel. Wer bis zu diesem recht früh im Film aufkommendem Song sich noch nicht für die comichafte Rock-Goth-Operndystopie erwärmen konnte, wird spätestens in dieser modernen Sprechgesang, Oper und Rock vereinenden Szene einen Kulturschock erleiden. Alle anderen werden von der grummelig-wamren Stimme und der wild vermischten Hintergrundmusik endgültig hypnotisiert.

- Infected: Die Solonummern der Protagonistin Shilo Wallace (gespielt von Spy Kids-Schauspielerin Alexa Vega), der an einer Blutkrankheit erkrankten Tochter und ihrem übervorsorglichem Vater leidenden 17-jährigen, sind irgendwie die konventionellsten Numern aus Repo!. Da wäre etwa ihr rebellischer Teenie-Punk Seventeen, der mir aufgrund seiner Normalität während des Filmgenusses von Repo! sogar richtig sauer aufstößt, oder nunmal dieser Song, in dem Shilo ihre verstorbene Mutter für ihre Krankheit und das dadurch verpfuschte Leben verantwortlich macht und sich mit kräftiger Stimme aufregt. Der übliche Girlrocksound wird durch Pianoklänge und Streicher dramatisiert und ergibt so einen starken Song, der vor allem vom inbrünstigen Gesang Alexa Vegas lebt.

- Legal Assassin: Legal Assasin ist dank seiner Gangwechsel und des erneut sehr charakteristischen, sorgfältig eingesetzten E-Gitarren-Riffs sowie des weiblichen Backgroundgesangs ("Assassin! Murder! Monster!") sowie der Lieddramaturrgie wieder um einiges Repo!-hafter, aber noch immer recht leicht zugänglich und deshalb eine weitere gute Einstiegsdroge für alle, die sich noch unsicher sind, ob sie sich Repo! zulegen möchten, oder nicht.

- 21st Century Cure: Auftritt Terrance Zdunich. Der Komponist und Autor von Repo! The Genetic Opera spielt auch meinen Lieblingscharakter, den geheimnisvollen, stylischen und mit kraftvoll-charismatischer Stimme ausgestatteten Grabräuber. Dieser besingt in 21st Century Cure, wie es zu einer solch verdorbenen Gesellschaftslage kommen konnte und wie sich ein Markt und schließlich ein Schwarzmarkt für Organtransplation und die eben solche Operationen angenehmer machende Droge Zydrate bilden konnten. Während Schlagzeug, E-Gitarre und Bass hämmern, flüstert er wie ein unheimlicher Märchenonkel, nur um plötzlich loszubrüllen und daraufhin energischer zu singen. Zdunichs Stimme und die Musikuntermalung erzeugen zusammen eine Sogwirkung. Ich wollte ja keine Rangliste erstellen, aber unter den Repo!-Songs gehört dieser zu meinen absoluten Favoriten.

- Zydrate Anatomy: Und nun zu meinem Lielingslied aus Repo! The Genetic Opera. Als ich mir den Film zum ersten Mal ansah, durchschaute ich bis zum Beginn dieser Sequenz die anfängliche Struktur des Films und war deswegen bereits auf einen Song von Paris Hilton gefasst, welche die GenCo-Erbin Amber Sweet spielt. Ich schaltete mental bereits ein wenig ab, als die ersten Takte von Zydrate Anatomy erklingen, einem Song, der mit einem euphorischen "ich finde das was jetzt kommt klasse, und dir wird's auch gefallen" angekündigt wurde. Dunkle E-Gitarren scheppern hart voran, es ist die für mich perfekte Symbiose aus rockiger Dynamik und Metal-Härte sowie -Klangfarbe, eine schmissige, unschuldige, naiv wirkende (aber komplex umgesetzte) Melodie wird gespielt. Und schon rollen meine Augen, und ich rufe aus: "Oh nein, der Song, der mir auf Anhieb am besten gefallen könnte, und das ist ein Paris-Hilton-Song! Das kann ja nichts werden!"
Zunächst: Meine naseweise Beobachtung, dass ein Hilton-Solo folgen wird, erwies sich glücklicherweise als irrtümlich. Ihre nach Schönheitsoperationen süchtige Figur Amber Sweet mag zwar eine gewichtige Rolle haben und lüstern einiges an Text vor sich herzustöhnen, doch es ist der Grabräuber, der Zydrate Anatomy den Stempel aufdrückt. Im Kinder-Aufzählreimschema erklärt er die Funktion der Droge Zydrate (Er: "Zydrate comes in a little glass vile...", Protagonistin Shilo Wallace: "Zydrate comes in a little glass vile?" Die um sie versammelten, sexuell anzüglich bekleideten Drogenopfer: "Zydrate comes in a little glass vile!"), liefert einiges nachgeschobener Plot-Exposition, und Paris Hilton stöhnt notgeil herum, während sie sich auf dem Boden wälzt, an schmuddeligen Wänden reibt und bedröhnt rumtanzt. Dank zigtausend Verzerrern und aufgedrehtem Bass klingt es sogar recht stylisch, was die Frau von sich gibt. Cool, Ohrwurmverdächtig, für den Film allein schon inhaltlich unverzichtbar, ein stilistisches Blutbad. Genial.

- Night Surgeon: Dieser Song ist wieder ideal für die Definition von Repo!: Rock-Goth-Oper. Theatralisch, rasant, rasselnd, überdramatisierend, elektrisierend.

- We Started This Opera Sh*t: Repo!-Extreme! Ein chaotischer, dröhnender, lauter Mischmasch aus Rock, Goth, Metal, Oper. Brüllende, stöhnende, trällernde, sprechende und singende Charaktere, sekundenschnelle Reprisen vorheriger Lieder, ein kaum zu vernehmender roter Faden, der das Lied zusammenhält. Wenn einen diese Dampfwalze überrollt, kann man es nur lieben oder hassen.

- Needle Through a Bug: Die dazugehörige Szene wurde aus dem Film gestrichen, aber der Song ist so herrlich, dass man ihn wenigstens in den Abspann zwängen musste. Was für ein Glück, dass man es tat. Dunkles Pianogeklimper, flüsternder Gesang zwischen Shilo und dem Grabräuber, zynische Texte. Spaß pur.

- Genetic Repo Man: Genetic Repo Man ist im Grunde das Titellied von Repo!, es führt nicht nur die legalen Auftragskiller vor, sondern auch einige im Film wiederkehrenden Riffs, Choreinsätze und Melodien. Simpel, dynamisch, fetzig.

- Epitaph: Eine Reprise von Zydrate Anatomy. Any questions?

Aus Küss den Frosch:
- Wünsch dir was / In New Orleans / In New Orleans (Finale): Auch wenn es mir ein Rätsel ist, weshalb die deutsche Synchro den ersten Sekunden von "Down in New Orleans" einen anderen Titel verpasste, und man sicherlich darüber diskutieren kann, wie helle es ist In New Orleans von Roger Cicero, dem Sprecher von Prinz Naveen singen zu lassen, obwohl das Lied im Original von keinem spezifischen Filmcharakter gesungen wird, sondern von Dr. John, ist dieser Song eine wunderbare Buchstütze für den gesamten Film. Das Finale ist in der englischen Fassung kraftvoller, Anika Noni Rose spielt wesentlich mehr mit ihrer Stimme, bringt mehr Variation rein als Cassandra Steen, Cicero dagegen kann Dr. John überraschend gut transferieren. Natürlich fehlt ihm die kernige, einmalige Stimme Dr. Johns, aber er kompensiert das mit feinem Notenanschneiden. Ein lässiger, stilvoller Titel.

- Ganz nah dran: Anders als bei In New Orleans kann ich hier sehr gut mit Steens Arbeit leben und fühle mich nicht dazu fähig zu sagen, welche Fassung mir besser gefällt. Ganz nah dran ist wieder so einer der Songs, die mir nahe liegen. Ob So nah aus Verwünscht oder dieser Song, wenn bei Disney diese Situation und das Gefühl des "Es-beinahe-geschafft"-Habens besungen wird, dann mag ich es. Ganz gleich ob positiv oder negativ, ich habe eine Schwäche für dieses Liedthema. Hinzu kommt die tolle Art-Déco-Szene, und schon haben wir einen meiner Lieblingsmomente des Films.

- Freunde im Schattenreich: Ich erwähnte es ja bereits einmal im Rahmen meiner Musikalisches Immergrün-Artikelreihe, dass ich ein paar Probleme damit habe, waschechte Szenensongs in meinen Alltag einfließen zu lassen. Im Film sind sie ja oftmals schön und gut, aber ich kann sie mir selten nebenher anhören. Freunde im Schattenreich gehört zu diesen Ausnahmen. Spaßig-bösartig, charismatisch-unheimlich quatscht der großartige Bösewicht Dr. Facilier Prinz Naveen und seinen Diener Lawrence in einen Voodoo-Zauber und wickelt dabei mit stil und Schwung auch den Zuhörer um den Finger. Super.

- Du musst nur tiefer in dir graben: Marianne Rosenberg überrascht in der deutschen Synchro mit einer bis zur Unerkenntlichkeit auf rüstiges, lebhaftes Greisenalter verstellter Gesangsstimme und jeder Menge Spielfreude. Deswegen hinkt die deutsche Fassung dem Original in nichts hinterher, was bei einer pompösen Broadway-Gospelnummer durchaus eine Leistung ist. Du musst nur tiefer in dir graben macht jede Menge Spaß, hat Seele und ist richtig clever.

Außer Konkurrenz:
Da es in dieser Rangliste ja um für Filme dieses Jahres geschriebene Lieder gehen soll, startet Inglourious Basterds natürlich außer Konkurrenz, da dieser Film nur bereits existierende Lieder und Instrumentalstücke verwendet. Ursprünglich sollte Ennio Morricone einen neuen Score komponieren, aber zum Glück hat es sich so nicht ergeben. Denn besser als mit Tarantinos Archivfundstücken hätte man Inglourious Basterds nicht untermalen können.
Meine Lieblingsstücke dieses Soundtracks sind das vor Italo-Westernromantik und -dramatik triefende The Green Leaves of Summer, das Für Elise mit spanischer Westerngitarre und viel Wüstenspannung würzende The Verdict (die perfekte Auftrittsmusik für Christoph Waltz' fantastischen Hans Landa), David Bowies Cat People (Putting out the Fire) welches eine meiner Lienlingsszenen, womöglich sogar meinen absoluten Lieblingsmoment des Films perfekt untermalt und mir jedes Mal wieder eine Gänsehaut verleiht, sowie das musikalische Finale Rabbia E Tarantella, welches einen mit schmutzigem Grinsen aus den Film verließ und auch nach zigmaligem Anhören dieses Gefühl wieder aufleben lässt.

Außerdem hatte ich 2009 große Freude an Hans Zimmers Score für Illuminati, der sogar ein wenig zu spannend und epochal für den Film war, aber hervorragend auf eigenen Beinen stehen kann und mit jeder Menge Power, Dramatik und in den entscheidenden Momenten auch mit Gefühl punkten kann.

Das war also mein cineastisch-musikalisches Jahr 2009. Ich bin gespannt, was uns 2010 bringen wird. Am neugierigsten bin ich ja auf Harry Gregson-Williams' Arbeit für Prince of Persia und, natürlich, auf Alan Menkens Rapunzel. Gerade der letzte könnte sehr tief fallen oder enorm von mir verehrt werden. Wir werden's sehen.

Siehe auch:

Montag, 28. Dezember 2009

Die möglichen Oscar-Songs 2010

Awards Daily veröffentlichte in der Zeit vor Weihnachten eine Liste sämtlicher für die kommenden Oscars zugelassenen Filmsongs. Da die Songkategorie für mich zu den interessantesten gehört, möchte ich mit euch an dieser Stelle einen etwas genaueren Blick auf die möglichen Nominierten werfen.

Dieses Jahr sind wesentlich mehr Lieder zugelassen, als vergangene Oscar-Saison, insgesamt 63 Lieder wurden eingereicht und genügten den Kriterien für die Kategorie "Best Original Song". Im Vorfeld der letzten Oscars mussten sich die Stimmberechtigten durch "bloß" 49 Lieder durchhören.

Zu den freudigen Überraschungen gehören für mich die Qualifikationen von Dove of Peace aus Brüno und Stu’s Song aus Hangover. Eine Nominierung ist leider außerordentlich unwahrscheinlich, aber wünschen kann man es sich ja dennoch. Gerade Dove of Peace wäre sicherlich eine willkommene Erfrischung während der Preisverleihung.

Wie man es von Disney ja gewohnt ist, ist das Studio mit mehreren Filmen und mehreren Liedern pro Film vertreten. Aus Küss den Frosch qualifizierten sich Almost There (Ganz nah dran), Down in New Orleans (In New Orleans), Ma Belle Evangeline (Ich lieb' dich, Evangeline) und Never Knew I Needed, wovon ich den ersten beiden die größten Chancen auf eine Nominierung einrechnen würde, da sie zwar (mehr oder weniger) aus dem Off gesungen werden, aber gut in den Film eingetüftelt wurden, was dem Geschmack der Academy zu entsprechen scheint. Außerdem halte ich es für unwahrscheinlich, dass die Academy wirklich einen mit Akzent vorgetragenen Song eines Nebencharakters wählt - und gegen den Abspannsong habe ich etwas (wenn das Mal kein Grund ist... außerdem sollen Abspannsongs ja nicht mehr so beliebt sein...).

Aus Hannah Montana - Der Film qualifizierten sich Back to Tennessee, Butterfly Fly Away, Don’t Walk Away, Hoedown Throwdown und You’ll Always Find Your Way Back Home. Sollte irgendeiner dieser Songs nominiert werden, fress ich einen Besen mitsamt Putzfrau.

Andrea Bocellis Abspannsong God Bless Us Everyone aus Eine Weihnachtsgeschichte qualifizierte sich ebenfalls, genauso wie Bryan Adams' You’ve Been a Friend to Me aus Old Dogs und Ponyo on the Cliff by the Sea aus Ponyo, das verzauberte Goldfischmädchen.



Die Leinwandadaption des Musicals Nine, welches auf Fellinis 8 1/2 basiert, beinhaltet drei neue Songs, wobei einer jedoch auf einem instumentalen Stück aus dem Bühnenstück basiert. Deswegen konnten sich nur Cinema Italiano und Take It All qualifizieren. Ersterer wurde auch bereits für einen Globe nominiert und solte deshalb recht gute Chancen auf eine Oscar-Nominierung haben.

Natürlich haben sich auch wieder ein paar Charthits hineingemogelt. Da wäre etwa aus Transformer - Die Rache der Song New Divide von Linkin Park, einer meiner Lieblingsbands, und noch Leona Lewis' I See You aus Avatar. Ich würde Linkin Park natürlich gerne mit einer Oscar-Nominierung geschmückt sehen, jedoch haben etablierte Chartkünstler eigentlich nur mit Schmalz eine Oscar-Chance. Der Avatar-Song, bereits für einen Globe nominiert, wird unsere Ohren also eher bei den Oscars quälen, als dass wir mit Linkin Park rechnen können.





Und diese Songs sind ebenfalls qualifiziert:

  • “All Is Love” aus “Where the Wild Things Are”
  • “Almost Over You” aus “My One and Only”
  • “AyAyAyAy” aus “The Maid”
  • “Being Bad” aus “Duplicity”
  • “Blanco” aus “Fast & Furious”
  • “Brothers in Arms” aus “Brothers at War”
  • “Colorblind” aus “Invictus”
  • “Depression Era” aus “That Evening Sun”
  • “Fly Farm Blues” aus “It Might Get Loud”
  • “Forget Me” aus “I Love You, Beth Cooper”
  • “Here” aus “Shrink”
  • “Hideaway” aus “Where the Wild Things Are”
  • “I Bring What I Love” aus “Youssou N’Dour: I Bring What I Love”
  • “(I Want to) Come Home” aus “Everybody’s Fine”
  • “If You’re Wondering” aus “The Lightkeepers”
  • “Impossible Fantasy” aus “Adventures of Power”
  • “Innocent Child” aus “Skin”
  • “Invictus 9,000 Days” aus “Invictus”
  • “Legendary” aus “Tyson”
  • “Let Freedom Reign” aus “Skin”
  • “Loin de Paname” aus “Paris 36”
  • “My One and Only” aus “My One and Only”
  • “Na Na” aus “Couples Retreat”
  • “New Jersey Nights” aus “Adventures of Power”
  • “New York Is Where I Live” aus “Did You Hear about the Morgans?”
  • “No Time for Love” aus “Simon & Malou”
  • “One Day” aus “Post Grad”
  • “Only You” aus “The Young Victoria”
  • “Other Father Song” aus “Coraline”
  • “Petey’s Song” aus “Fantastic Mr. Fox”
  • Possibility” aus “The Twilight Saga: New Moon”
  • “Raining Sunshine” aus “Cloudy with a Chance of Meatballs”
  • “Running Out of Empty (Make Ourselves at Home)” aus “Lymelife”
  • “Smoke without Fire” aus “An Education”
  • “Somebody Else” aus “Crazy Heart”
  • “Through the Trees” aus “Jennifer’s Body”
  • “Trust Me” aus “The Informant!”
  • “Un Bouquet des Violettes” aus “New York, I Love You”
  • “We Are the Children of the World” aus “The Imaginarium of Doctor Parnassus”
  • “We Love Violence” aus “The Imaginarium of Doctor Parnassus”
  • “The Weary Kind (Theme aus Crazy Heart)” aus “Crazy Heart”
  • “When You Find Me” aus “Adam”
  • “Winter” aus “Brothers”
  • “The Word Is Love” aus “Oy Vey! My Son Is Gay!”
  • “You Got Me Wrapped around Your Little Finger” aus “An Education”
Siehe auch:

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Tarantino und John Waters nennen ihre Lieblingsfilme des Jahres 2009

Für Heat Vision nahm sich Kultregisseur Quentin Tarantino etwas Zeit und listete seine acht liebsten Filme dieses Kinojahres auf. Eine sehr ungewöhnliche, bunt gemischte Auswahl hat er da zusammengestellt, der gute Mann:



Der nicht minder kultige John Waters (Pink Flamingos) stellte ebenfalls seine Favoriten des Kinojahres vor. Seine Top 10 liest sich zu weiten Teilen so, wie man es von ihm erwartet, und sogar der deutsche Film hat es reingeschafft:

1. Import Export (Ulrich Seidl)
2. Antichrist (Lars von Trier)
3. In the Loop (Armando Iannucci)
4. World’s Greatest Dad (Bobcat Goldthwait)
5. Brüno (Larry Charles)
6. Lorna’s Silence (Jean-Pierre and Luc Dardenne)
7. Broken Embraces (Pedro Almodóvar)
8. The Baader Meinhof Complex (Uli Edel)
9. Whatever Works (Woody Allen)
10. The Headless Woman (Lucrecia Martel)

(die von Waters kommentierte Hitliste gibt es hier)

Abgesehen davon, dass mich Baader-Meinhoff irritiert (ich fand den Film äußerst schwach), kann ich mit Waters Liste sehr gut leben. Mit etwas massentauglicherem hätte man bei ihm schonmal nicht rechnen dürfen.
Es freut mich übrigens insbesondere, dass Waters meine Meinung teilt und Brüno besser als Borat einschätzt. Wir sind mit dieser Einstellung ja leider recht einsam - dabei ist Brüno doch eine wesentlich fiesere Demaskierung der Gesellschaft und zugleich spritziger als sein geistiger Vorgänger.

Weiterführende Artikel:

Donnerstag, 9. Juli 2009

Brüno


Sacha Baron Cohen ist einer der radikalsten und schonungslosesten Komiker, die derzeit Erfolge feiern dürfen. Der subversive und entlarvende Humor des keinerlei Schamgefühl kennenden Cohens hält seinen Opfern einen Spiegel vor's Gesicht und seine Rollen sind absurde Horrorgestalten aus der Klischeehölle. Damit so eine kompromisslose Vereinigung von Satire, Schockhumor, beleidigenden Vorurteilen und kindischen Blödeleien tatsächlich funktioniert erfordert es eines komödiantischen Feinsinns der seinesgleichen sucht. Cohen möchte niemanden verletzen - außer diejenigen, die es verdient haben. Ist doch eigentlich ganz einfach...

Wirklich verständlich ist Cohens Humor dennoch nicht jedem.
Als noch Ali G. seine Paraderolle war, gab es wirklich genügend "oberkrasse Gangstaz", die in dem frauenfeindlichen, sexbesessenen Hip Hopper ein Idol gesehen haben. Zu viele fanden es "voll cool", wie der "den spießigen Politikerbacken" mal gezeigt hat "wo der kiffende Frosch die Locken hat, yo" und übersahen, wie er mit einem Schlag Politiker oder Kirchenvertreter verwirrte und die Rolle des coolen Gangsters durch seine Karikaturenhaftigkeit ad absurdum führte. Der Ali G-Film war bei der Aufklärung keine große Hilfe - ein Teil der Zuschauer feierte den "voll fetten", Weiber abschleppenden Macho, der andere suchte in der etwas platten Komödie die wenigen parodistischen und sarkastischen Elemente und freute sich über diese wenigen Goldnuggets im Matsch.

Als Cohen einen weiteren Charakter aus der Ali G Show ins Kino brachte und dieses Mal das eigentliche Konzept seiner erfolgreichen Fernsehsendung ebenfalls auf die Leinwand übertrug, erreichte er seinen bisherigen Popularitätshöhepunkt. Sofern man denn hinter Borat auch den eigentlichen Künstler erkannte bzw. erkennen wollte.
Der Film Borat entpuppte sich schließlich als ein wahres Phänomen: Baron Cohens provokantes und originelles Werk wurde in den Medien heiß diskutiert, die Kritiker feierten es aufgrund seiner aggressiven und kontroversen Natur und das Publikum strömte in die Kinos.

Borat: Kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen war radikal, eklig, schockierend und bei allem auch noch intelligent. Statt dass die Leute, wie noch bei Ali G, den sexistischen, antisemitischen und Manieren losen (und unerklärlicherweise mit verstecktem Charisma ausgestatteten) Borat als Idol feierten, erkannten sie seine Aussagen als beleidigend und vorurteilsbelastet. Allerdings zogen die intoleranten Reaktionen von Borats Umgebung wesentlich mehr Interesse auf sich: Wenn eine feine, gehobene Gesellschaft Borat geduldig erklärt, dass man einen Beutel voll mit seinem eigenen Geschäft nicht zurück an die Tafel bringt, sondern die Toilette benutzt, ihn dann aber hochkantig rauswirft, wenn er eine afro-amerikanische Prostituierte einlädt, muss man schon mit der Stirn runzeln. Und die legendären Standing Ovations für Borat, als er die Amis wegen ihres "Terrorkrieg" lobt, sprechen wohl Bände.

Gemäß seiner Natur zog Borat jedoch zahlreiche Kritik und Klagen nach sich. Seine Opfer verklagten Baron Cohen, weil er ihnen im Vorfeld nicht gesagt habe, wofür das gefilmte Material verwendet wird (natürlich hat er es nicht, sonst wäre das ganze völlig sinnlos), die von der Figur Borat beleidigten Gruppen stellten den Mann hinter der Figur an den Pranger und warfen ihm vor Gedankengut mit seiner Karikatur zu teilen.
Aber wie Baron Cohen später korrekterweise sagte, definiert sich der Erfolg eines solchen Unterfangens in der Menge der Klagen. Borat musste so unempfindlich und kontrovers sein, um zu funktionieren.

Das war sooo 2006

Aufrgund des außerordentlichen Kritikerlobs, dem für einen solchen Film extrem hohen Einspielergebnisses und des großen Hypes um Borat sind die Erwartungen an den Nachfolger Brüno entsprechend riesig. Von Brüno wird erwartet, dass er beleidigender, frecher, provokativer und witziger ist, außerdem muss er noch mehr schockierende Reaktionen von Passanten und Interviewpartnern auf Film bannen, mehr Geld einspielen und, je nach Humorvorlieben des Kinogängers, auch noch mehr derben inszenierten Humor wie die Nacktwrestlingszene aus Borat enthalten.

Dass Brüno mit einer FSK-Freigabe ab 16 Jahren versehen wurde, während Borat "bloß" eine (durchaus nicht unumstrittene) Fraigabe ab 12 erhielt, ließ dahingehend schon ein wenig Hoffnung aufkeimen. Tatsächlich könnte Brüno noch schonungsloser geraten sein. Allerdings sollte man sich dafür hüten eine FSK-Freigabe als Gütesiegel zu betrachten, zumal sie genauso gut auch nur eine gesteigerte Direktheit des derben Schock- und Ekelhumors bedeuten könnte, während der Rest des Films harmloser geraten ist.
Selbiges gilt auch für die ursprüngliche US-Freigabe: Die erste Schnittfassung des Films, die der MPAA vorgelegt wurde erhielt ein NC-17, woraufhin der Film auf ein R-Rating runtergeschnitten wurde. Ganz davon abgesehen, dass mittlerweile Gerüchte die Runde machen, dass man absichtlich eine Version einreichte, von der man überzeugt war, dass sie ein NC-17 erhielte, welches man mittels Kürzungen wieder revidieren wollte, war man sich uneinig, ob man jetzt mit schonungslosem Humor oder noch mehr von bei den Amerikanern so verhasstne Sexspäßen rechnen müsste. Oder beidem.

Als dann bekannt wurde, dass Baron Cohen auf Anraten der "Gay-Community" Hollywoods seinem Streifen noch ein Finetuning verpasste, machten sich schon erste Zweifel breit, dass der Komiker seine Bissigkeit verloren habe.
Erwartet uns mit Brüno am Ende etwa doch ein zahmes Kätzchen mit gestutzten Krallen anstelle der erhofften, erbarmungslosen Wildkatze?

Wild und fesch

Glücklicherweise stellen sich sämtliche Bedanken als unnötig heraus. Brüno legt noch während des Studiologos den mit Techno und Trance angetriebenen Turbo ein und gönnt einem nur höchst selten eine kurze Atempause. Zu Scooters "Nessaja" eröffnet uns der homosexuelle, aus Österreich stammende, extrovertierte Mode- und Trendjournalist seine Heimat und sein Ziel. Genauso wie Borat mit einigen inszenierten Sketchen und Witzchen begann, um den roten Faden für diese Dokusatiromödie mit Mockumentary-Elementen (oder ist es letztlich eine Mockusatiromödie mit dokumentarischen Elementen?) zu präsentieren, sehen wir zu Beginn von Brüno den stylischen, hippen und in seiner Heimat natürlich unheimlich populären und bedeutenden Titelcharakter in allerlei absurden, provokanten und das Publikum schnell in "für den Film geeignet" und "ungeeignet" aufteilt. Wer die drastische Schilderung von Brünos ausschweifendem Sexualleben abstoßend findet und dem übertriebenen, sarkastischen Bild, dass der Film von der oberflächlichen "In-Szene" und der Modewelt nichtmal ein Schmunzeln abgewinnen kann, der wird auch bei den späteren, realen Interaktionen zwischen Brüno und der "echten Welt" eher mit der Schulter zucken.

Wer niveaulosem Humor gar nichts abgewinnen kann, muss allerdings nicht schon nach diesem Absatz das Handtuch werfen: Die Charakterisierung Brünos zu Beginn verläuft mit dem selben comichaften Witz und der ironischen Note wie der Anfang von Borat. Die in aller Seelenruhe ausgespielten, sich immer weiter steigenden Schwulenklischees und Sexwitzchen befinden sich auf einer vergleichbaren Ebene wie Borats Antisemitismus und die überzeichnete Armut seines Kasachstans (und die ganzen anderen Behauptungen, wie das Land denn so sei). Es ist nicht beleidigend gemeint und der Witz resultiert aus der Übertreibung. Einen Film, in dem ein Schwuler auf Homophobie trifft, mit einer fast schon grotesken Darstellung dessen zu eröffnen, welche Bilder von Homosexualität in den Köpfen von genügend Menschen herumschwebt ist naheliegend, und gerade bei einem so waghalsigen Unterfangen wie Brüno sogar nahezu notwendig. Selbst wenn es in der radikalen Ausführung, die Baron Cohen wählte sicherlich so manchen potentiellen Zuschauer abschrecken wird.

Ich selbst finde den aberwitzigen Einstieg in Brüno jedenfalls rasanter und besser durchdacht als die Eröffnung von Borat. Diese hatte zwar einige großartige Sprüche von Borat zu bieten, jedoch auch unnötigen Leerlauf und Momente ohne jeden "Payoff". Brüno kommt dagegen schneller zur Sache und liefert gleichbleibend gute Gags in einer viel schnelleren Zeit. Und schon bald ist der rote Faden etabliert: Brüno möchte die Medienwelt erobern und ein weltweiter Star werden. Um sein Ziel zu erlangen, versucht er sich an allerlei verschiedenen Unterfangen. Er pilotiert eine US-Fernsehshow, versucht sich an einem Fotoshooting oder begibt sich ins Charitybusiness, oder, oder, oder...

Da ich nicht mit einer Stoppuhr bewaffnet im Kino saß, kann ich über die Zeit, die der erzählerische Rahmen einnimmt keine faktenbasierte Aussage tätigen, aber gefühlsmäßig ist der rote Faden in Brüno weniger aufdringlich als noch bei Borat, wo die "Handlungselemente" gerade bei wiederholten Sichtungen das Tempo leider ziemlich ausbremsten.

Wie wehrt man sich gegen einen Mann mit zwei Dildos?

Anders als die Trailer suggerieren besteht nur ein kleiner Teil des Humors in Brüno aus Situationen, in denen der Titelcharakter seine Umgebung gezielt provoziert oder beleidigt. Solche Momente, die es ebenfalls in Borat zu sehen gab (etwa sein Gespräch mit einer Feministinnengruppe), dürfen in Brüno zwar nicht fehlen und unterhalten superb mit Baron Cohens Dreistigkeit und seinem Mut, doch die gezielte Provokation spielt insgesamt eine kleinere Rolle als etwa noch in Borat. Berechtigte Reaktionen auf berechnete Affronts beschränken sich auf solch herrlich absurde Momente, wie Brünos aus dem Trailer bekannten Talkshowauftritt, in dem er vor einem afro-amerikanischen Studiopublikum behauptet sein schwarzes Adoptivkind "OJ" genannt zu haben und sich ähnliche Dreistigkeiten erlaubt. Hier amüsieren eher Baron Cohens Schauspiel und seine schwarzhumorigen Einfälle, als die (durchaus ebenfalls unterhaltsame) entstehende Randale im Studio. Wie Baron Cohen ohne mit der Wimper zu zucken in seiner Rolle bleibt und ungeniert die Provokationsschraube weiterzieht ist einfach köstlich.

Der Hauptgrund, sich Brüno im Kino anzusehen, sollte für die meisten allerdings der entlarvende Humor sein, die dokumentarischen Begegnungen zwischen einem aufgedrehten, österreichischen Homosexuellen mit Starambitionen und angeblich normalen Menschen. Der Sexismus, Fremdenhass und ähnliche Missstände, auf die Baron Cohen in Borat kühl draufhielt waren das große Verkaufsargument dieser Komödie, und erfreulicherweise spielen diese Momente im Brüno-Humorcocktail die übergeordnete Rolle.
Dabei konzentriert sich Brüno nicht bloß auf Homophobie, die uns im Laufe des Films selbstverständlich und erwartungsgemäß mehrfach begegnet, sondern lenkt seinen Blick auch auf die rücksichtslose Suche nach Ruhm, die viele Leute antreibt. Wenn beispielsweise Eltern bei Brünos Fotoshootingcasting ohne den leisesten Anflug von Zweifel jede noch so absurde, beleidigende oder den gesunden Beschützerinstinkt weckende Anforderung Brünos abnicken und fröhlich lächelnd bereit sind ihr Kind diesem unverantwortlichen Kerl zu überlassen kann man einfach nicht mehr anders, als vor lauter Schock lauthals aufzulachen.

Die inszenierten bzw. geskripteten Stellen in Brüno sind quantitativ mit denen von Borat vergleichbar, vielleicht sind es jetzt dank des lockereren roten Fadens sogar etwas weniger. Dafür haben sie in Brüno allerdings einen größeren Anteil an den Glanzstellen des Films. Das Finale von Brüno trieb mir die Lachttränen in die Augen und sollte bei den Oscars geehrt werden (was leider eher unwahrscheinlich ist).

Neu in diesem Cocktail sind gelegentliche Momente, in denen Brüno weder beleidigend wird, noch Intoleranzen oder erschreckende Meinungen entlarvt, sondern wie die Versteckte Kamera anmutet, nur in mutig, originell und witzig. Menschen werden in eine absurde Situation gebracht und man darf gespannt sein, wie sie reagieren. In einem der absoluten Highlights von Brüno, welches aufgrund seiner... naja... sagen wir mal "Fleischigkeit" zweifelsohne auch Mitschuld an der FSK-Freigabe haben wird, wird sogar die Geduld des eigenen Kinopublikums getestet, welches allerdings dank der ersten paar Szenen zumindest ansatzweise vorbereitet ist.

Überhaupt ist die FSK-Freigabe völlig berechtigt und lässt die Zweifel an Borats Freigabe ab 12 Jahren im Nachhinein verschwinden. Brüno ist als Film offensiver, dreister und direkter als sein indirekter Vorläufer. Obwohl die Figur Brüno weniger beleidigend ist und eigentlich nur ein naiver, oberflächlicher, aber ungefährlicher Kerl mit weniger radikalen Ansichten als etwas Borat ist, ist der Film wohl weniger massentauglich, was zusammen mit dem verlorenen Neuheitsfaktor (ein völlig neues Genre ist halt nur einmal völlig neu) höchst wahrscheinlich leider ein niedrigeres Einspielergebnis nach sich ziehen wird.

Und Schluss

Da in meiner nähren Umgebung keine Originalversion von Brüno läuft, musste ich der Synchronfassung eine Chance geben, die sich dann als überraschend gelungen und einfallsreich entpuppte. Brünos Sprecher Markus Pfeiffer klingt im endgültigen Film bei weitem nicht so gekünstelt und übertrieben wie noch im Trailer, außerdem verlieh man Brüno eine charmante und ordentliche Portion Wiener Schmäh.

Fazit: Brüno hat einen besseren Produktionsstandard als Borat, verläuft viel rasanter, ist pointierter, offensiver und vielfältiger. Ob man Borat oder Brüno bevorzugt, liegt wohl im eigenen Ermessen.
Die Figur des Borats hat mehr Wortwitz, Brüno ist wesentlich schräger und manchmal auch absurd. Ich selbst finde das Gesamtpaket in Brüno besser - der entlarvende Humor und die total schrägen, Momente ergänzen sich perfekt, Baron Cohen zeigt sich noch mutiger, er geht mit sich selbst viel erbarmungsloser um und die Grenze zwischen naivem und bitterbösem Humor, der Vorführung anderer Leute und absurden Streichen verschwimmt zu einem großen Lachmarathon.

Bloß eins stört mich an Brüno: Seine Länge. Der Film könnte locker noch einige Minuten mehr vertragen. Ich hoffe auf eine Unrated-Director's-Cut-Edition mit extra vielen Deleted Scenes!