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Dienstag, 23. Juli 2013
Einen hat er noch ...
Ganz so einfach ist es dann wohl nicht, das Filmemachen an den Nagel zu hängen: Nach Red State beschloss Kevin Smith, seine Karriere als Regisseur aufzugeben. Das große Finale sollte ursprünglich der Hockeyfilm Hit Somebody darstellen, welchen Smith dann jedoch lieber als Fernsehserie abwickeln wollte. Also sollte Clerks III den Kreis schließen ... Aber auf der San Diego Comic Con verkündete Smith, eine weitere Filmidee zu haben, und sogar das Drehbuch sei schon fertig.
Der Tusk betitelte Film stellt laut Kevin Smith die "knuffige Version von The Human Centipede" dar und basiert von einer Zeitungsanzeige, in der ein Mann sein Haus für Untermieter gratis zur Verfügung stellt. Die einzige Bedingung: Der Untermieter muss täglich für zwei Stunden in ein vom Hausbesitzer selbstgebasteltes Walrosskostüm schlüpfen und ein überzeugendes Walross spielen. Zu sprechen ist in diesen zwei Stunden untersagt, stattdessen wird nur über Walrosslaute kommuniziert, außerdem muss der Untermieter als Walross nach Fischen und Krabben schnappen, die ihm zugeworfen werden.
Smith sah in dieser Anzeige Potential für einen Horrorfilm, seine Wunschbesetzung besteht aus Michael Parks in der Hauptrolle des Walrossliebhaber und Quentin Tarantino als Walrossdarsteller. Das 85-seitige Skript sei auch schon bei Tarantino (der Red State abgöttisch liebt) angekommen, eine Antwort hat Smith jedoch noch nicht erhalten.
Die reale Kontaktanzeige hat übrigens eine melancholische Vorgeschichte: Der Mann mit der Begeisterung für Walrösser strandete auf einer verlassenen Insel und hatte für sechs Monate einzig und allein ein dort lebendes Walross als Freund. Seit seiner Rettung fühlt er sich einsam und verlassen, weshalb er auf die Idee kam, Mitbewohner / Untermieter zu bitten, ein Walross zu spielen.
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Freitag, 28. Dezember 2012
Einen hat er noch: Smith bereitet "Clerks III" als seinen Schwanengesang vor
"Ey, yo, Schwabbelbart, wenn man jeden achtzehnten Buchstaben aus der Bibel nimmt, steht da 'Und ihr werdet drei Jahrzehnte lang vor'm Quick Stop stehen!', Snoogangs!"
Ich habe es schon mehrfach gesagt und werde es noch mehrmals sagen: Disneys Verkauf von Miramax ist einer der größten Fehler der Businessgeschichte unser aller Lieblingsmaushauses. Nicht nur, dass Disney einen wertvollen Filmkatalog raushaute, nein, das Ende der Miramax-Ära kostete uns auch Kevin Smith als Filmemacher. Wie der rundliche Bartträger neulich beichtete, starb mit Miramax auch ein großer Teil seiner Passion fürs Filmemachen.
Ursprünglich sah er das Eishockeydrama Hit Somebody als seine Abschiedsvorstellung vor, aber dann expandierte das Drehbuch derart, dass er einen Zweiteiler daraus machen wollte. Davon sah Smith ab, nur um Anfang Dezember zu verkünden, dass er aus dem Hockeyfilm eine TV-Miniserie gemacht hat. Welcher Sender diese ausstrahlt, soll Anfang 2013 bekannt werden.
Ist Red State somit Smiths letzter Kinofilm? Nein. Denn während Hit Somebody von der großen Leinwand auf den kleinen Bildschirm wandert, befördert Smith den für die Bühne angedachten Clerks III auf die Leinwand, die die Filmwelt bedeutet! Gegenüber Good Day LA verriet er, dass er sich vorgenommen hat, den Film 2014 zum 20-jährigen Jubiläum des Originals zu veröffentlichen und so seine Kinokarriere mit einem Kreisschluss zu beenden:
Los Angeles Local News, Weather, and Traffic
Witzig, wie Zeit die Perspektive ändert. Clerks II war nach dem Misserfolg von Jersey Girl für Smith eine sichere Sache, die fast schon einem feigen Rückzug in gewohntes Gebiet darstellte, wofür ihn einige Fans auch kritisierten. Nun aber erscheint eine Clerks-Trilogie geradezu genial: Einmal je Jahrzehnt kehrt ein redelauniger Regisseur zu seinem persönlichen Schätzchen und Startpunkt zurück, um über sein Leben und seine Karriere zu philosophieren. Es ist eine Trilogie, die einen passionierten Regieanfänger Mitte 20, einen Indie-Star mit herbem Rückschlag Mitte 30 und einen mit seiner Kinokarriere abschließenden Socialmedia-Freak Mitte 40 repräsentiert. Das Nerdtum bewegte sich in dieser Zeit ebenfalls enorm, was in der Trilogie ebenfalls ausgedrückt wird.
Also ich freu mich drauf.
Sonntag, 15. Januar 2012
Quentin Tarantinos Lieblingsfilme und Filmflops des Jahres 2011
Quentin Tarantino hat einen sehr facettenreichen, manche würden sagen chaotischen, Filmgeschmack. Und er ist sich nicht zu fein, ihn auch stolz zu präsentieren. Dafür hat er meinen vollsten Respekt, nicht viele von Filmliebhabern so hoch angesehene Persönlichkeiten würden ohne jede Entschuldigung oder Verteidigung solch andersartige Hitlisten veröffentlichen. Sein Rückblick auf das Jahr 2010 krönte Toy Story 3 zum Film des Jahres und beinhaltete auch Rapunzel, aber dieses Mal bekommt Disney keine Rückenstärkung von Tarantino. Dennoch ist es eine bunte, interessante Mischung aus Kunst und Kommerz, Schund und Schönheit:
1. Midnight in Paris
2. Planet der Affen - Prevolution
3. Moneyball
4. The Skin I Live In
5. X-Men: Erste Entscheidung
6. Young Adult
7. Attack The Block
8. Red State
9. Warrior
10. The Artist / Our Idiot Brother [unentschieden]
11. Die drei Musketiere
Ich gerate ja schon ins schwärmen, dass Tarantino Midnight in Paris auf Rang 1 setzte, aber ich freu mich auch wie bescheuert, dass Tarantino auch Spaß an der Big-Budget-Trashperle Die drei Musketiere hatte. Dass Kevin Smiths Red State dabei ist, ist nach seinen immens lobenden Worten keine Überraschung, auch The Artist "gehört" in diese Liste. Also, meckern kann man meiner Ansicht nach nicht. Klar, meine Liste wäre anders (wird anders, ich arbeite ja weiterhin an ihr), ebenso wie die von wohl jedem, der das hier liest. Aber das ist die Natur solcher Hitlisten.
In unbestimmter Reihenfolge gefielen Tarantino auch folgende Filme sehr:
- 50/50
- Beginners
- Hugo Cabret
- Die eiserne Lady
- Der Gott des Gemetzels
- Green Hornet
- Green Lantern
- Captain America
- The Descendants
- My Week With Marilyn
- Fast and Furious Five
- Tree of Life
- Hangover II
- Mission Impossible 4
- Der Bieber
- Contagion
- The Sitter
- Gefährten
Ich denke, etwas mehr Stirnrunzeln und Gemecker wird aber Tarantinos diesjährige "Worst of" Liste auslösen. Seine unsortierten Filmflops lauten wie folgt:
- Sucker Punch
- Das Schmuckstück
- Miral
- Insidious
- Rampart
- Straw Dogs
- Paranormal Activity 3
- Meek's Cutoff
Irgendwo dazwischen sind Tarantinos Preisträger des "Netter Versuch"-Awards:
- Drive
- Hannah
- Drive Angry
- Real Steel
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Montag, 24. Oktober 2011
Scream 3
Nichtmal 365 Tage lagen zwischen den Kinostarts von Scream (1996) und Scream 2 (1997). Bis zum Kinostart zum Abschluss der ursprünglichen Scream-Trilogie sollte mehr Zeit vergehen: Erst im Februar 2000 fand Scream 3 den Weg in die Kinos. Fast ein Jahr zuvor, im April 1999, fand das Schulmassaker an der Columbine High School statt und änderte vorrübergehend die Empfindlichkeit gegenüber Mediengewalt. Konnten Scream 1 und 2 noch halb scherzend über vermeintlich medieninduzierte Gewalttaten sprechen, nahm man nach Columbine in den USA Distanz von ausufernder Gewalt in Filmen.
Blickt man heute zurück, wissen wir, dass es mit etwas Abstand zu Columbine in Sachen Mediengewalt nur deutlich härter wurde, Folter-Horror und mit CGI-Verstümmelungen gefüllte Remakes ziehen die Schockschraube noch viel mehr an, als es die ersten Scream-Filme taten. Aber im Frühjahr 1999, zum geplanten Produktionsbeginn von Scream 3, schien es zunächst unmöglich, wie gewohnt fortzufahren. Erst recht nicht mit der ursprünglich von Autor Kevin Williamson geplanten Handlung. Die Produzenten forderten einen neuen Ansatz, und da Williamson zudem mit anderen Projekten ausgelastet war, wandte man sich stattdessen an Ehren Kruger, der im Juli 1999 mit Arlington Road einen respektablen Erfolg feierte.
Für viele ist Scream 3 ein gewaltiger Bruch in der Scream-Reihe. Definitiv zeigen sich die turbulenten Produktionshintergründe auch im fertigen Film. Wie genau lässt sich nicht ohne Spoiler zu Scream 1 & 2 erläutern. Aber das erklärt sich ja von selbst.
Kevin Williamson wollte ursprünglich, dass Sidney in Scream 3 nach Woodsboro zurückkehrt. Dort sollte eine neue Mordserie vom Zaun brechen, deren Ursprung, wie sich herausstellen sollte, auch im Anfang der Filmreihe liegt: Killer Stu überlebte Scream und leitet als kriminelles Mastermind vom Gefängnis aus einen mörderischen Protégé. Aufgrund des Columbine Attentat lehnte man allerdings diesen Gewaltexzess, noch dazu vor einem Kleinstadt-Hintergrund, ab und ersetzte ihn durch einen weniger brutalen Trilogie-Abschluss, der weitestgehend auf seine Horror-Wurzeln verzichtet. Wie zwei schusselige Polizisten anmerken, erinnert der in Hollywood spielende Fall von Scream 3 eher an "Polizisten jagen einen Serienmörder"-Filme wie Se7en, bloß weitaus weniger grafisch...
Seit der in Scream 2 geschilderten Ereignisse stiegen sowohl Gale Weathers, als auch Cotton Weary zu bekannten Talkshowmoderatoren auf, wobei insbesondere letzterer mit seiner Sendung 100% Cotton (muhahaha) äußerst kontrovers aufgenommen wird. Eines Abends wird Cotton während seiner Heimfahrt von einem vermeintlichen Fan angerufen - aber schnell stellt sich heraus, dass es ein in seinem Haus lauernder Killer ist, der Informationen über Sidneys neuen Wohnsitz erpressen will. Cotton hält dicht - und zahlt mit seinem Leben.
Sidney lebt mittlerweile von der Außenwelt abgeschieden auf einem mehrfach abgesicherten Landhaus, wo sie unter dem Decknamen Laura als Telefonseelsorgerin für Frauen in Not tätig ist. Als sie davon erfährt, dass die Darsteller von Stab 3 nach und nach einer Mordserie zum Opfer fallen, vereint sie sich mit ihren letzten Vertrauten, den mittlerweile zerstrittenen Dewey und Gale, um bei den Ermittlungen gegen den Täter zu helfen. Will jemand die Karriere des Regisseurs sabotieren? Ist es ein menschenverachtender Publictiy-Stunt? Oder hat der Täter etwas mit dem Mord an Sidneys Mutter zu tun, welche ihrer traumatisierten Tochter neuerdings wiederholt erscheint?
Oh Leute, oh Leute, wo fange ich nur an? Mh, am besten mit dem Tod von Cotton Weary: Was für ein verschenkter Moment. Würde er ähnlich wie Randy gen Mitte des Films sterben, wäre es vielleicht ein Schock. Eine mehrdimensionale, charismatische und dennoch einschüchternde Figur direkt im Intro zu verbraten, hat natürlich etwas von einem Konventionsbruch, dessen erschütternde Wirkung wird allerdings absolut verschenkt. Wenn der Betrachter zu Beginn des Films Cotton wiedertrifft, ist er ein gänzlich anderer Mensch, als noch in Scream 2. Als wohlhabender, beliebter, wenngleich umstrittener Talkshow-Moderator mit gänzlich neuen Charakterzügen könnte es auch eine völlig andere Figur sein. Nur der Name und Darsteller Liev Schreiber erinnern uns daran, dass dies Cotton ist. Eine solche Charakterumkrempelei kann wirksam sein, würde man etwa beleuchten, wie er sich veränderte und dem Zuschauer wieder Zeit geben, sich an den "neuen" Cotton zu binden, so hingegen fällt Cottons Tod völlig flach. Selbst als nur indirekt mit dem Film verbundener, erster Mord in einer ganzen Serie (analog zum Intro von Scream 1 & 2) ist diese Sequenz nur ein schwacher Schatten der ersten Teile. Durch den Trieb "größer, schneller, weiter" zu sein, wird das Auflauern des Killers in Cottons Haus mit Zwischenschnitten zu behäbigen Auto-Stunts gestreckt, so dass keine beklemmende Stimmung aufgebaut wird. Die eigentliche Tat ist dann auch in Sekundenschnelle vorbei - von der Gewalteskalation in Scream oder der Zynik aus Scream 2 ist nichts zu spüren.
Dies ist nicht allein die Schuld der nach Columbine (kurzzeitig) weich gewordenen Miramax Studios, sondern auch des neu dazugezogenen Autors Ehren Kruger. Kruger gesteht selbst, dass er kein wirkliches Gefühl für die Scream-Figuren entwickeln konnte, er etwa Sidney in manchen Entwürfen zu einer viel zu taffen Powerfrau umgestaltete, und ihn Regisseur Wes Craven regelmäßig auf den rechten Pfad leiten musste. Nun kann ein Wes Craven sich ja auch nicht um alles kümmern, und das merkt man Scream 3 überdeutlich an. Keine der wiederkehrenden Figuren ist sich hundertprozentig treu geblieben, alle fühlen sich leicht "falsch" an. Am besten steht ganz klar Sidney da. Und das muss man vor allem Neve Campbell zu gute halten, deren Schauspiel, meiner Meinung nach, um ein Vielfaches besser geworden ist. In Scream 3 ist ihre Furcht viel deutlicher und lebensnaher, ihre aufkeimende Hoffnung, ihre Verzweiflung... all das bringt Campbell richtig gut zur Geltung. Schade nur, dass sie ihre beste Leistung der Trilogie im schlechtesten Teil abgeben muss...
Der neue Cast wiederum ist erschreckend farblos. Keine der neuen Figuren hat nennenswerte, sie vom Rest abhebende Charakterzüge, und stellenweise wird der Zuschauer über das vermeintliche Wesen einer Figur informiert, ohne dass sich dies daraufhin auch nur ansatzweise zeigt. So wird ein selbstironischer Gag darüber gemacht, dass Deon Richmonds Figur Tyson Fox in Stab 3 einen billigen Ersatz für eine bereits bekannte Figur spielt (er verteidigt sich, es sei viel eher eine "Hommage") - aber ohne diesen Wink käme niemand darauf, dass die Scream 3-Figur Tyson Fox auch nur eine der beiden Funktionen erfüllt. Patrick Dempsey wiederum weiß überhaupt nicht, wie er seinen Polizisten anlegen soll. Nett, bedrohlich, verräterisch schleimig, dümmlich... er probiert in jeder seiner Szenen einfach sämtliche Möglichkeiten durch, hoffend, dass irgendwas hängen bleibt und aufgeht. Eine vergebliche Hoffnung.
Auch die Meta-Ebene sowie der Humor von Scream 3 fühlen sich für mich nicht mehr korrekt an. Auf der einen Seite gibt es in Scream 3 weniger ausgewachsene, richtige Lacher. Gleichzeitig ist der groß angekündigte Trilogie-Abschluss von der Gesamtstimmung her lockerer, flockiger, komödienhafter. Nur halt ohne die so essentiellen Pointen. Die Art des Meta-Humors verstärkt diese Wirkung: Er ist nicht mehr so bissig, wie in Scream 1 & 2, und zugleich ist er längst nicht mehr so real. In den Vorgängern gab es überzeichnetere Momente, doch generell sprachen die Filmfiguren über Horrorstreifen, wie es echte Menschen tun. Scream 3 versucht sich zu sehr als Kommentar über das Medium, die Seitenhiebe auf Klischees und Medienrezeption sind schlicht konstruiert. Selbst Randys Videobotschaft, die von Jamie Kennedy mit Charisma, Leben und gesunder Ironie rübergebracht wird, ist ein behäbig in die Handlung geklopptes Element, das sämtliche Authentizität verloren hat und eher wie eine vom Drehbuchautor in die Welt seiner naiven Figuren platziert wurde.
Da Scream 3 die Bodenhaftung eh schon verlor, wäre es wohl am klügsten gewesen, richtig in die Vollen zu gehen. So taucht, für nur eine einzige Szene, Randys uns bislang völlig unbekannte Schwester auf. Unsere Filmhelden kennen sie dagegen schon seit langem und freuen sich, sie wiederzusehen. Das hätte man sehr clever nutzen können um die Filmhandlung besser aufzubereiten, außerdem wäre es nur zu angebracht, sich auch ausgiebig über diesen klassischen Autorenkniff zu mokieren. Stattdessen kommt sie, übergibt ein Video und geht ins Nirgendwo. Oh, und während der Gastauftritt von Jay & Silent Bob für andere lachhaft ist, finde ich die Idee an sich nett. Bloß wird nichts aus ihr gemacht. Ein Fehler, den Scream 3 recht häufig macht...
Trotzdem gibt es in Scream 3 wenigstens ein paar Meta-Kommentare, die durchaus sitzen. Die Darsteller von Stab 3 ärgern sich beispielsweise darüber, dass man aus Angst vor Internet-Leaking gleich drei versionen des Skripts erhielt - ganz so, wie bei Scream 3, bei dem man wegen des Lecks während der Produktion von Scream 2 besonders vorsichtig vorging. Und sowohl Teil 2, als auch Teil 3 wurden mehrfach umgeschrieben, was auch die Stab 3-Darsteller erdulden müssen. Sehr schön ist auch der Satz, Popkultur sei die Politik des 21. Jahrhunderts - durchaus wahre Worte, die in Scream 3 leider kein Stück weit mehr verfolgt werden.
Dafür liebe ich Sidneys gefrusteten Aufschrei, dass Psychopathen aufhören sollten, dauernd ihre Eltern oder die Medien für ihre Taten zu beschuldigen - sie töten, weil sie wollen, und sollten gefälligst anfangen, sich selbst dafür verantwortlich zu machen. Ein schöner Schlusspunkt für das heimliche, wiederkehrende Thema der Scream-Serie.
Was mich ebenfalls an Scream 3 stört, wobei das eher ins Feld der persönlichen Preferenzen rückt und nicht schon an und für sich ein großer Makel ist, ist das Neuschreiben der Vergangenheit Sidneys. Die Umstände des Mords an Sidneys Mutter waren bereits den handelnden Figuren und dem Zuschauer bekannt - es gab keine Ungereimtheiten, welche Scream 3 für eine eigene Geschichte ausnutzen konnte. Dass der Fall in Scream 3 neu aufgerollt und umgeschrieben wird, ist entweder ein unerwarteter Twist oder an den Haaren herbeigezogener Bullshit, der auf keinerlei zuvor etablierter Grundlage fußt. Je nach persönlichem Anspruch, den man an Plottwists stellt.
Aber nicht allein das Drehbuch, sondern auch die Inszenierung ist schwächer, als in den ersten Scream-Filmen. Wes Craven war wohl sehr frustriert, dass die Weinsteins einen blutleeren Scream-Film haben wollten, und dass Craven dennoch erneut Rangeleien mit der MPAA hatte, verärgerte den Regisseur nochmehr. Und dabei war er eh schon unmotiviert: Er willigte zu diesem Zeitpunkt nur ein, Scream 3 zu drehen, wenn Dimension Films danach sein Wunschprojekt (ein Musikdrama) unterstützt.
In einer Szene läuft Craven fast wieder zur alten Form auf: Sidney stolpert auf das Woodsboro-Set in den Studios, wo Stab 3 gedreht wird. Dort werden ihr die traumatischen Ereignisse aus Scream wieder vor Augen geführt, und auch wenn dieses Aufeinandertreffen von Kunstwelt und Vergangenheit nicht ganz so schaurig umgesetzt wird, wie es könnte, so hat diese Sequenz eine unwohle (und dadurch für den Betrachter auch coole) Eigenart an sich, die sie vom Rest des Films abhebt. Ansonsten ist Scream 3 zu einem dieser beliebigen, ideenlosen Horrorfilme geworden, den man zuvor noch angriff: Hollywood-Gesetze der Pysik, billige Schreckeffekte, feige "Es war nur ein Traum!"-Momente, sich idiotisch verhaltende Figuren und eine effekthascherische Auflösung, die aber auch durch jedwedes anderes Killer-Motiv ersetzt werden könnte. Am eigentlichen Film ändere sich nichts.
Um somit also zum Schluss zu kommen: Scream 3 ist langweilig, voller Logik- und Charakterisierungslücken und kurz davor, eine Beleidigung gegenüber Scream 1 & 2 zu sein. Dass dies abgewendet werden konnte, ist der Verdienst einer großartig agierenden Neve Campbell, kleinerer gelungener Meta-Gags (sowie einer Verwendung eines Eispickels, was ein sehr leiser, deshalb genialer Rückgriff auf einen Joke aus Scream ist) und der überdurschschnittlichen Verfolgungsjagd durch das Woodsboro-Set. Ansonsten ist es ein Horrorfilm ohne Schrecken, eine Komödie, die auf Witze verzichtet, und ein Abrutschen der intelligent mit Klischees spielenden Scream-Reihe in eine simple Aneinanderreihung von Klischees.
Siehe auch:
Blickt man heute zurück, wissen wir, dass es mit etwas Abstand zu Columbine in Sachen Mediengewalt nur deutlich härter wurde, Folter-Horror und mit CGI-Verstümmelungen gefüllte Remakes ziehen die Schockschraube noch viel mehr an, als es die ersten Scream-Filme taten. Aber im Frühjahr 1999, zum geplanten Produktionsbeginn von Scream 3, schien es zunächst unmöglich, wie gewohnt fortzufahren. Erst recht nicht mit der ursprünglich von Autor Kevin Williamson geplanten Handlung. Die Produzenten forderten einen neuen Ansatz, und da Williamson zudem mit anderen Projekten ausgelastet war, wandte man sich stattdessen an Ehren Kruger, der im Juli 1999 mit Arlington Road einen respektablen Erfolg feierte.
Für viele ist Scream 3 ein gewaltiger Bruch in der Scream-Reihe. Definitiv zeigen sich die turbulenten Produktionshintergründe auch im fertigen Film. Wie genau lässt sich nicht ohne Spoiler zu Scream 1 & 2 erläutern. Aber das erklärt sich ja von selbst.
Kevin Williamson wollte ursprünglich, dass Sidney in Scream 3 nach Woodsboro zurückkehrt. Dort sollte eine neue Mordserie vom Zaun brechen, deren Ursprung, wie sich herausstellen sollte, auch im Anfang der Filmreihe liegt: Killer Stu überlebte Scream und leitet als kriminelles Mastermind vom Gefängnis aus einen mörderischen Protégé. Aufgrund des Columbine Attentat lehnte man allerdings diesen Gewaltexzess, noch dazu vor einem Kleinstadt-Hintergrund, ab und ersetzte ihn durch einen weniger brutalen Trilogie-Abschluss, der weitestgehend auf seine Horror-Wurzeln verzichtet. Wie zwei schusselige Polizisten anmerken, erinnert der in Hollywood spielende Fall von Scream 3 eher an "Polizisten jagen einen Serienmörder"-Filme wie Se7en, bloß weitaus weniger grafisch...
Seit der in Scream 2 geschilderten Ereignisse stiegen sowohl Gale Weathers, als auch Cotton Weary zu bekannten Talkshowmoderatoren auf, wobei insbesondere letzterer mit seiner Sendung 100% Cotton (muhahaha) äußerst kontrovers aufgenommen wird. Eines Abends wird Cotton während seiner Heimfahrt von einem vermeintlichen Fan angerufen - aber schnell stellt sich heraus, dass es ein in seinem Haus lauernder Killer ist, der Informationen über Sidneys neuen Wohnsitz erpressen will. Cotton hält dicht - und zahlt mit seinem Leben.
Sidney lebt mittlerweile von der Außenwelt abgeschieden auf einem mehrfach abgesicherten Landhaus, wo sie unter dem Decknamen Laura als Telefonseelsorgerin für Frauen in Not tätig ist. Als sie davon erfährt, dass die Darsteller von Stab 3 nach und nach einer Mordserie zum Opfer fallen, vereint sie sich mit ihren letzten Vertrauten, den mittlerweile zerstrittenen Dewey und Gale, um bei den Ermittlungen gegen den Täter zu helfen. Will jemand die Karriere des Regisseurs sabotieren? Ist es ein menschenverachtender Publictiy-Stunt? Oder hat der Täter etwas mit dem Mord an Sidneys Mutter zu tun, welche ihrer traumatisierten Tochter neuerdings wiederholt erscheint?
Oh Leute, oh Leute, wo fange ich nur an? Mh, am besten mit dem Tod von Cotton Weary: Was für ein verschenkter Moment. Würde er ähnlich wie Randy gen Mitte des Films sterben, wäre es vielleicht ein Schock. Eine mehrdimensionale, charismatische und dennoch einschüchternde Figur direkt im Intro zu verbraten, hat natürlich etwas von einem Konventionsbruch, dessen erschütternde Wirkung wird allerdings absolut verschenkt. Wenn der Betrachter zu Beginn des Films Cotton wiedertrifft, ist er ein gänzlich anderer Mensch, als noch in Scream 2. Als wohlhabender, beliebter, wenngleich umstrittener Talkshow-Moderator mit gänzlich neuen Charakterzügen könnte es auch eine völlig andere Figur sein. Nur der Name und Darsteller Liev Schreiber erinnern uns daran, dass dies Cotton ist. Eine solche Charakterumkrempelei kann wirksam sein, würde man etwa beleuchten, wie er sich veränderte und dem Zuschauer wieder Zeit geben, sich an den "neuen" Cotton zu binden, so hingegen fällt Cottons Tod völlig flach. Selbst als nur indirekt mit dem Film verbundener, erster Mord in einer ganzen Serie (analog zum Intro von Scream 1 & 2) ist diese Sequenz nur ein schwacher Schatten der ersten Teile. Durch den Trieb "größer, schneller, weiter" zu sein, wird das Auflauern des Killers in Cottons Haus mit Zwischenschnitten zu behäbigen Auto-Stunts gestreckt, so dass keine beklemmende Stimmung aufgebaut wird. Die eigentliche Tat ist dann auch in Sekundenschnelle vorbei - von der Gewalteskalation in Scream oder der Zynik aus Scream 2 ist nichts zu spüren.
Dies ist nicht allein die Schuld der nach Columbine (kurzzeitig) weich gewordenen Miramax Studios, sondern auch des neu dazugezogenen Autors Ehren Kruger. Kruger gesteht selbst, dass er kein wirkliches Gefühl für die Scream-Figuren entwickeln konnte, er etwa Sidney in manchen Entwürfen zu einer viel zu taffen Powerfrau umgestaltete, und ihn Regisseur Wes Craven regelmäßig auf den rechten Pfad leiten musste. Nun kann ein Wes Craven sich ja auch nicht um alles kümmern, und das merkt man Scream 3 überdeutlich an. Keine der wiederkehrenden Figuren ist sich hundertprozentig treu geblieben, alle fühlen sich leicht "falsch" an. Am besten steht ganz klar Sidney da. Und das muss man vor allem Neve Campbell zu gute halten, deren Schauspiel, meiner Meinung nach, um ein Vielfaches besser geworden ist. In Scream 3 ist ihre Furcht viel deutlicher und lebensnaher, ihre aufkeimende Hoffnung, ihre Verzweiflung... all das bringt Campbell richtig gut zur Geltung. Schade nur, dass sie ihre beste Leistung der Trilogie im schlechtesten Teil abgeben muss...
Der neue Cast wiederum ist erschreckend farblos. Keine der neuen Figuren hat nennenswerte, sie vom Rest abhebende Charakterzüge, und stellenweise wird der Zuschauer über das vermeintliche Wesen einer Figur informiert, ohne dass sich dies daraufhin auch nur ansatzweise zeigt. So wird ein selbstironischer Gag darüber gemacht, dass Deon Richmonds Figur Tyson Fox in Stab 3 einen billigen Ersatz für eine bereits bekannte Figur spielt (er verteidigt sich, es sei viel eher eine "Hommage") - aber ohne diesen Wink käme niemand darauf, dass die Scream 3-Figur Tyson Fox auch nur eine der beiden Funktionen erfüllt. Patrick Dempsey wiederum weiß überhaupt nicht, wie er seinen Polizisten anlegen soll. Nett, bedrohlich, verräterisch schleimig, dümmlich... er probiert in jeder seiner Szenen einfach sämtliche Möglichkeiten durch, hoffend, dass irgendwas hängen bleibt und aufgeht. Eine vergebliche Hoffnung.
Auch die Meta-Ebene sowie der Humor von Scream 3 fühlen sich für mich nicht mehr korrekt an. Auf der einen Seite gibt es in Scream 3 weniger ausgewachsene, richtige Lacher. Gleichzeitig ist der groß angekündigte Trilogie-Abschluss von der Gesamtstimmung her lockerer, flockiger, komödienhafter. Nur halt ohne die so essentiellen Pointen. Die Art des Meta-Humors verstärkt diese Wirkung: Er ist nicht mehr so bissig, wie in Scream 1 & 2, und zugleich ist er längst nicht mehr so real. In den Vorgängern gab es überzeichnetere Momente, doch generell sprachen die Filmfiguren über Horrorstreifen, wie es echte Menschen tun. Scream 3 versucht sich zu sehr als Kommentar über das Medium, die Seitenhiebe auf Klischees und Medienrezeption sind schlicht konstruiert. Selbst Randys Videobotschaft, die von Jamie Kennedy mit Charisma, Leben und gesunder Ironie rübergebracht wird, ist ein behäbig in die Handlung geklopptes Element, das sämtliche Authentizität verloren hat und eher wie eine vom Drehbuchautor in die Welt seiner naiven Figuren platziert wurde.
Da Scream 3 die Bodenhaftung eh schon verlor, wäre es wohl am klügsten gewesen, richtig in die Vollen zu gehen. So taucht, für nur eine einzige Szene, Randys uns bislang völlig unbekannte Schwester auf. Unsere Filmhelden kennen sie dagegen schon seit langem und freuen sich, sie wiederzusehen. Das hätte man sehr clever nutzen können um die Filmhandlung besser aufzubereiten, außerdem wäre es nur zu angebracht, sich auch ausgiebig über diesen klassischen Autorenkniff zu mokieren. Stattdessen kommt sie, übergibt ein Video und geht ins Nirgendwo. Oh, und während der Gastauftritt von Jay & Silent Bob für andere lachhaft ist, finde ich die Idee an sich nett. Bloß wird nichts aus ihr gemacht. Ein Fehler, den Scream 3 recht häufig macht...
Trotzdem gibt es in Scream 3 wenigstens ein paar Meta-Kommentare, die durchaus sitzen. Die Darsteller von Stab 3 ärgern sich beispielsweise darüber, dass man aus Angst vor Internet-Leaking gleich drei versionen des Skripts erhielt - ganz so, wie bei Scream 3, bei dem man wegen des Lecks während der Produktion von Scream 2 besonders vorsichtig vorging. Und sowohl Teil 2, als auch Teil 3 wurden mehrfach umgeschrieben, was auch die Stab 3-Darsteller erdulden müssen. Sehr schön ist auch der Satz, Popkultur sei die Politik des 21. Jahrhunderts - durchaus wahre Worte, die in Scream 3 leider kein Stück weit mehr verfolgt werden.
Dafür liebe ich Sidneys gefrusteten Aufschrei, dass Psychopathen aufhören sollten, dauernd ihre Eltern oder die Medien für ihre Taten zu beschuldigen - sie töten, weil sie wollen, und sollten gefälligst anfangen, sich selbst dafür verantwortlich zu machen. Ein schöner Schlusspunkt für das heimliche, wiederkehrende Thema der Scream-Serie.
Was mich ebenfalls an Scream 3 stört, wobei das eher ins Feld der persönlichen Preferenzen rückt und nicht schon an und für sich ein großer Makel ist, ist das Neuschreiben der Vergangenheit Sidneys. Die Umstände des Mords an Sidneys Mutter waren bereits den handelnden Figuren und dem Zuschauer bekannt - es gab keine Ungereimtheiten, welche Scream 3 für eine eigene Geschichte ausnutzen konnte. Dass der Fall in Scream 3 neu aufgerollt und umgeschrieben wird, ist entweder ein unerwarteter Twist oder an den Haaren herbeigezogener Bullshit, der auf keinerlei zuvor etablierter Grundlage fußt. Je nach persönlichem Anspruch, den man an Plottwists stellt.
Aber nicht allein das Drehbuch, sondern auch die Inszenierung ist schwächer, als in den ersten Scream-Filmen. Wes Craven war wohl sehr frustriert, dass die Weinsteins einen blutleeren Scream-Film haben wollten, und dass Craven dennoch erneut Rangeleien mit der MPAA hatte, verärgerte den Regisseur nochmehr. Und dabei war er eh schon unmotiviert: Er willigte zu diesem Zeitpunkt nur ein, Scream 3 zu drehen, wenn Dimension Films danach sein Wunschprojekt (ein Musikdrama) unterstützt.
In einer Szene läuft Craven fast wieder zur alten Form auf: Sidney stolpert auf das Woodsboro-Set in den Studios, wo Stab 3 gedreht wird. Dort werden ihr die traumatischen Ereignisse aus Scream wieder vor Augen geführt, und auch wenn dieses Aufeinandertreffen von Kunstwelt und Vergangenheit nicht ganz so schaurig umgesetzt wird, wie es könnte, so hat diese Sequenz eine unwohle (und dadurch für den Betrachter auch coole) Eigenart an sich, die sie vom Rest des Films abhebt. Ansonsten ist Scream 3 zu einem dieser beliebigen, ideenlosen Horrorfilme geworden, den man zuvor noch angriff: Hollywood-Gesetze der Pysik, billige Schreckeffekte, feige "Es war nur ein Traum!"-Momente, sich idiotisch verhaltende Figuren und eine effekthascherische Auflösung, die aber auch durch jedwedes anderes Killer-Motiv ersetzt werden könnte. Am eigentlichen Film ändere sich nichts.
Um somit also zum Schluss zu kommen: Scream 3 ist langweilig, voller Logik- und Charakterisierungslücken und kurz davor, eine Beleidigung gegenüber Scream 1 & 2 zu sein. Dass dies abgewendet werden konnte, ist der Verdienst einer großartig agierenden Neve Campbell, kleinerer gelungener Meta-Gags (sowie einer Verwendung eines Eispickels, was ein sehr leiser, deshalb genialer Rückgriff auf einen Joke aus Scream ist) und der überdurschschnittlichen Verfolgungsjagd durch das Woodsboro-Set. Ansonsten ist es ein Horrorfilm ohne Schrecken, eine Komödie, die auf Witze verzichtet, und ein Abrutschen der intelligent mit Klischees spielenden Scream-Reihe in eine simple Aneinanderreihung von Klischees.
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Rezension
Mittwoch, 25. Mai 2011
Brennendes Interesse (Fremde Gezeiten)
Es sind Fremde Gezeiten, auf denen wir uns befinden. Drei Ausgaben des Brennenden Interesses lang befanden sich die karibischen Piraten unabrückbar auf Platz 1 der von mir am heißesten ersehnten Kinofilme. Doch nun ist Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten endlich in den Kinos angelangt - und bevor der von Terry Rossio für 2013 versprochene fünfte Teil seitens Disney oder Jerry Bruckheimer ganz offiziell bestätigt wird, sollten wir schnell einen vierten Blick auf meine rund um erneuerte "Most Wanted"-Hitliste werfen, bevor der erste Platz wieder total vorhersagbar ist.
Das Trio Infernale kehrt zurück. Wieso ich den Wunschfilm des Winnie Puuh-Autors nicht bereits abfeiere, wie ich es mit Pirates of the Caribbean 5 tun würde? Nun, während manche Pirates-Fans befürchteten, ihre geliebte Trilogie durch einen vierten Teil zerstört zu sehen, lebe ich meine Ader zum Fan-Pessimismus eher bei Film- und Fernsehprojekten mit dem schnatternden Erpel aus. Denn wer garantiert mir, dass man es mit dem Film nicht allein auf das Kinderpublikum abgesehen hat? Ein Kinofilm ist für Micky, Donald und Goofy eine riesige, wichtige Chance. Und die darf nicht in weniger als einen Volltreffer verwandelt werden...
Nun gut, möglicherweise wird das ganze nur "Hangover in der Schule", aber ich muss sagen: Nachdem ich zuvor nichts (bewusst) über den Film mitbekam, habe ich mich über die konsequente Dreistigkeit des Trailers im Kino richtig scheckig gelacht. Cameron Diaz wirkte so lustig wie seit Verrückt nach Mary nicht mehr, Jason Segel sehe ich eh immer gerne und den Justin Timberlake sehe ich bereits aus Prinzip gerne. Und: Kindern, denen in politisch inkorrekte Komödien Leid zugefügt wird, treffen das Humorzentrum eines dunklen Teils meiner Seele. Genau diese Seite von mir scheint dieser Film als sein Zielpublikum auserkoren zu haben - sollte Bad Teacher auf gen Schluss zunehmende Zuckrigkeit verzichten, sondern sich in seiner Schlechtigkeit aalen, dann könnte es mein Komödienhit des Jahres werden.
Ich spare mir zusätzlichen Sermon. Es wurde alles gesagt.
Ein weiterer Running Gag in dieser Artikelreihe: David Finchers, Zach Snyders, James Camerons, Gore Verbinskis und Guillermo del Toros rockender Fantasy-Animationsfilm für Erwachsene. Der wahrscheinlich hie und da an die Grenzen des Geschmacks wandern wird. Weshalb die Finanzierung trotz großer Regienamen (und Jack Black!) nicht vorankommt. Egal, noch will Fincher den Film durchziehen, und ich stärke ihm dabei mental den Rücken. Nicht, dass das ihm irgendwas bringt, aber schaden tut's auch nicht.
Von all den auf uns niederprasselnden "düsteren, erwachsenen und mutigen" Märchen-Neuinterpretationen ist dies womöglich die mutigste und innovativste. So sehr, dass man den Zusammenhang zum Märchen beinahe allein auf den Filmtitel begrenzen kann. Das Regiedebüt der australischen Romanautorin Julia Leigh handelt von einer Studentin, die sich ein Nebenbrot verdient, indem sie sich unter Drogen setzt und in diesem künstlichen Schlaf Freiern erlaubt, alles mit ihr zu treiben, was ihnen so einfällt. Emily Browning soll fantastisch spielen, die Inszenierung grandios sein... nur möchte alles nicht ganz so sehr aufgehen, wie die einzelnen Sequenzen für sich betrachtet. Egal, dieses Problem, dass die Gesamthandlung schwächer als die Einzelphasen sind, hat mich auch nicht vom Genuss an Tron: Legacy abgehalten. Und jetzt, da ich es geschafft habe, einen Cannes-Wettberwerbsfilm mit Tron: Legacy zu vergleichen, klopfe ich mir selbstverliebt auf die Schulter. Tut ja sonst niemand, und selbst eine Dirne wie Emily Browings schlafende Schönheit wäre mir bei diesem frustrierenden Schicksal nicht sonderlich nützlich...
Lange angedeutet, wurde es im Februar dieses Jahres endlich offiziell: Der Stop-Motion-Meister Henriy Selick (Nightmare before Christmas, Coraline) kooperiert mit den Disney-Studios sowie dem Pixar-Braintrust, um neue, schaurig-schöne Filme mit der liebenswürdigen "Knetmännchentechnik" zu schaffen. Shademaker soll ein Gruselfilm für die ganze Familie werden und wird von Pixars Konzeptkünstler Lou Romano (Oben) künstlerisch gestalter. Mehr weiß man nicht, mehr muss ich nicht wissen, um mich zu freuen.
Auf sich uneinige Kritiken aus Cannes gebe ich spätestens nichts mehr, seit Quentin Tarantinos Meisterwerk Inglourious Basterds dort eher lauwarm aufgenommen wurde, nur um dann von den selben Stimmen auf dem Weg zur Oscar-Verleohung plötzlich (und endlich gerechtfertigt) als der Geniestreich anerkannt zu werden, den die dramatische Weltkriegs-Spaghettiwestern-Comicmär darstellt. Insofern sind die Stimmen, Lars von Triers Weltuntergangs-Melancholiestück Melancholia sei entweder "etwas schwach in der Ausführung seiner Ideen" oder "doch recht gut" nun wahrlich keine Katastrophe. Und immerhin kann man offenbar wenigstens von Kirsten Dunst eine kleine Sensation erwarten. Der Trailer hatte mich bereits überzeugt, und da die größte Effekthascherei an diesem Film offenbar fehlgedeutetes, sarkastisches Rumgeulke seitens von Trier ist,
Joseph Kosinskis Regiedebüt Tron: Legacy war finanziell leider nicht der erhoffte Überschallknall, dennoch dürfte man den ehemaligen Architekten als Regisseur mit Zukunft verbuchen. Ob die Zwischenmenschlichkeit in Tron: Legacy wegen seiner Regieführung oder aufgrund des Drehbuchs unter den Möglichkeiten blieb, ist vorerst unklar, doch was die Weltenbildung und packende Verschmelzung von Sci-Fi-Action und Musik angeht, ist Kosinski außerordentlich vielversprechend. Da wundert es wohl nicht, dass Disney ihm neben einer Fortsetzung und einem Remake auch die Verfilmung seiner eigenen Graphic Novel zutraute. Aufgrund seiner düsteren Stimmung wurde der Sci-Fi-Thriller Oblivion dann aber letztlich von Disney aufgegeben. Bald darauf ist Oblivion mit Tom Cruise bei Universal wieder auferstanden, und ich verspreche mir einen actionreichen, postapokalyptischen Thriller mit beeindruckender visueller Komponente. Wenn dann auch noch die Emotionen stimmen sollten, wow, das wäre ein Bonbon obendrauf.
Martin Scorsese ist ein lauter Verteidiger der 3D-Technologie und wünscht sich, sämtliche Filme würden in 3D gedreht. Ob der Meisterregisseur selbst fähig ist, gute Leinwandlandschaften in drei Dimensionen zu erschaffen, werden wir bereits Ende dieses Jahres erfahren, wenn seine Romanverfilmung Hugo Cabret in die Kinos kommt. Die Geschichte handelt von einem Waisenjungen, der in einm Pariser Bahnhof lebt und verarbeitet auf magische Weise die wahre Geschichte von George Méliès (hier gespielt von Ben Kingsley). Außerdem mit dabei in der von Johnny Depp produzierten Produktion: Chloë Moretz, Sacha Baron Cohen, Jude Law und Christopher Lee. Spannend wird, wie nah sich Scorsese an die zahlreichen Illustrationen der zwischen Roman und Bilderbuch liegenden Vorlage orientieren wird - aber sicher ist, dass das Potential für einen ganz besonderen Scorsese vorhanden ist.
Oh... mein Gott... Diese Frisur... dieser Bart... dieses absolut genussvoll dämlich-böse Grinsen... Einige Geschlechtsgenossen werden sich Paul W.S. Andersons Musketier-Spektakel sicherlich nur ansehen, weil Milla Jovovich sich im Trailer fast schon lachhaft lasziv räkelt und offenbar bei einem barocken Striptease ein Haus hinuntersegelt, mein Hauptgrund für einen Kinobesuch ist dagegen Orlando Bloom. Es tut mir ja wirklich leid, schließlich mag ich den Welpen irgendwo, aber was Anderson und Kostümschneider Pierre-Yves Gayraud (Das Parfum) dem Mann antun, das ist wahrhaftiges Fremdschäm-Comedygold. Ich werde mich in eine hoffentlich vollbesetzte Abendvorführung des Films setzen, mit einem riesigen Grinsen im Gesicht, und mich an Orlando Blooms Garderobe ergötzen. Da sind ein Christoph Waltz in der Rolle desTim Curry üblen Kardinal Richelieus, das bei Anderson sicherlich äußerst spaßig eingesetzte Freizeitpark-3D und die offensichtlich mit der Vorlage drei Runden um den Effektzirkus spazierengehende Handlung fast schon nur kleine, feine Extrapunkte. Riesigen Spaß wird der Film garantiert machen, nur wie hoch der freiwillige Anteil daran ist, das mag ich noch nicht abschätzen.
Einen Originalitätspreis wird Hangover 2 garantiert nicht gewinnen: Der Trailer ist nahezu ein Shot-for-Shot-Remake des Trailers für Teil 1, nur mit einem Affen statt eines Huhns/Babys und Thailand statt Las Vegas. Allerdings wirkt es so, als wäre Hangover 2 extremer, mutiger als das Original. Ich kann mir also vorstellen, dass Hangover 2 lautere Lacher auf Kosten des kultigen Charmes abfeuert. Nun, so lange die Chemie im kernigen Ensemble stimmt und Todd Philips durch die Inszenierung erneut die geschmacklich inkorrekte Komödie mit Stil und Spannung würzt, ist mir das den Eintrittspreis locker wert. Jungs, Mädels... Kinoabend in großer Runde, das ist angesagt! Und hey, anscheinend ist man danach nicht gaaaanz so sehr in Reiselaune wie nach Hangover. Dann fühlt man sich mit seinen mickrigen Kröten auf der hohen Kante gleichmal um einiges besser.
Sherlock Holmes hat jede Menge Spaß gemacht. Guy Ritchie kam erstaunlich gut mit der Aufgabe zurecht, eine Großproduktion zu dirigieren, Jude Law und Downey junior haben wundervoll harmoniert, Hans Zimmer hat eine düster-muntere, extrem exzentrische Klangtapete kreiert und Ritchies fast ins Steampunk rutschende, aber noch immer reale London vergangener Zeiten sah super an. Und nun das ganze nochmal, nur mit einem smarteren Schurken sowie Noomi Rapace in ihrer ersten Hollywood-Rolle. Wenn dann noch das Ende was kompakter ausfällt, als bei Teil 1, dann wüsste ich nicht, wie diese Fortsetzung keine Verbesserung darstellen sollte.
Disneys ganz eigenes Der Zauberer von Oz- (bzw. Das zauberhafte Land-)Prequel hat bereits eine turbulente Geschichte hinter sich. Es fing bereits bei der Suche nach einem Regisseur an: Adam Shankman, Sam Mendes, Timur Bekmambetov und Guillermo del Toro, das Studio sprach mit einer wirklich ungewöhnlichen und uneinheitlichen Auswahl an Regisseuren, bis letzten Endes Sam Raimi den Zuschlag bekam. Für die Hauptrolle wurden Johnny Depp und Robert Downey junior anberaumt, bevor man sich entschied, den Film ein paar Takte jünger zu machen und die Hauptrollen James Franco und Mila Kunis zu geben. Lug, Trug, Verführung, darum soll es in dem Fantasystreifen gehen, und mit Sam Raimi am Steuer kann diese Reise in alle möglichen Richtungen gehen. Rachel Weisz und Michelle Williams werden ebenfalls dabei sein - Disney will wohl unbedingt das junge, männliche Publikum sabbernd reinlocken. Die Damen kriegt man ja mit James Franco (boah, war mein Kinobesuch von 127 Hours anstrengend), und vielleicht auch mit der Story. Tja, und ich habe ein unerklärliches, gutes Gefühl bei der Sache. Vom elendigen Oz-Ausgeschlachte mal abgesehen könnte das die Art Film werden, die ich von Disney gerne öfter sehen möchte. Oder es wird doch noch Schrott - sicher ist man sich ja nie...
Disney und Pixar lassen uns in Sachen John Carter (ehemals John Carter of Mars) ganz schön zappeln. Wo bleiben denn die ersten Filmbilder, der Teaser oder gar der (laut Taylor Kitsch bereits fertige) Trailer? Am 9. März nächsten Jahres findet bereits der US-Start des Realfilmdebüts von Andrew Stanton statt, und wir haben noch überhaupt nichts gesehen! Schade, denn ich bin mir sicher, dass die Verfilmung des Sci-Fi-Abenteuers aus der Feder des Tarzan-Autors Edgar Rice Burroughs viel höher auf dieser Liste stehen könnte. Musik von Michael Giacchino, ein ansprechendes Ensemble (Willem Dafoe, Taylor Kitsch, Marc Strong, Thomas Haden Church) und das von Pixar im Vorfeld ungewohnte Gerede, man sei so zufrieden, dass man eine Trilogie anvisiert... Das alles macht mich richtig heiß auf den Film. Aber dieser Mangel an Filmmaterial, wo andere Filme dieser Größenordnung schon die Werbetrommel rührten, der hält mich momentan noch was zurück in Sachen Euphorie.
Pixars erstes Märchen, soll es sein. Brave. Dabei scheint es wohl viel mehr ein schottisches Highland-Abenteuer zu werden. So oder so, die Konzeptbilder sind wirklich schön, die vom Regiestuhl gequatschte Brenda Chapman (Der Prinz von Ägypten) und Irene Mecchi (Der König der Löwen) gestalteten die Story, die Regie stammt von Mark Andrews (der Pixars ersten, bislang leider unveröffentlichten, Realfilm Violet sowie den Kurzfilm One-Man-Band schuf)... Ach, was red' ich: Es ist Pixar, aber Cars 2. Man kann also nur euphorisch sein! Es sei denn, man ist Fan des Pizza-Planet-Trucks, denn um seinen obligatorischen Cameo darf man sich berechtigte Sorgen machen.
Wenn Terry Gilliam es nicht macht, dann halt Gore Verbinski: Wie gemunkelt wird, bekommt die Welt jetzt doch noch The Man Who Killed Don Quixotte, nur halt ein wenig anders. Denn der von Gore Verbinski, Jerry Bruckheimer und Johnny Depp gewählte Ansatz für die Kino-Neuerfindung des Radio-Westernheldens Lone Ranger soll seinen Sidekick Tonto stärker in den Fokus rücken und einen an Gilliams gescheitertes Projekt erinnernden Blickwinkel annehmen. Außerdem möchte Depp die Chance nutzen, und auf subversive Weise das Bild der amerikanischen Ureinwohner korrigieren. Und das mit der finanziellen Macht eines Jerry Bruckheimers sowie der noch längst nicht genug geschätzten, gesund-verrückten, Genres verschmelzenden Inszenierung eines Gore Verbinski? Das lässt zwar vermuten, dass der arme in der vermeintlichen Hauptrolle gecastete Armie Hammer was zur Seite geschubst wird, aber ich erhoffe mir jetzt auch eine reizvolle Mischung aus Massentauglichkeit und liebenswerter Exzentrik. Rango trifft Pirates of the Caribbean trifft The Man Who Killed Don Quixotte... Hoffentlich auch wieder wie anfangs geplant mit einem Drehbuch von Ted Elliott und Terry Rossio, dann werde ich schon noch meinen Spaß haben. Und immer schön an die Ziegen im Hintergrundgeschehen denken!
Bereits kommendes Thanksgiving startet der neue Muppets-Film in den US-Kinos. Dort sind die Filzpuppen also tatsächlich näher, als unsererins denkt. In Deutschland ist derzeit dagegen leider ein Start im Januar 2012 angedacht - etwas, das sich hoffentlich noch ändern wird. Denn Jason Segels wahr gewordener Jugendtraum verspricht eine angemessene Rückkehr sowie Modernisierung des Muppet-Humors. inzu kommen ein paar Gesangseinlagen, eine sicherlich wie eh und je liebenswerte Amy Adams sowie zahllose Promi-Cameos. Die Rückkehr der leichtherzigen Humoranarchie? Vielleicht - doch ganz bestimmt wird es einfach nur eine richtig unterhaltsame Kinozeit! Schon der Teaser Trailer war ein guter Start: Man hat ihn extra ohne jegliche Vorab-Ankündigung oder Online-Veröffentlichung vor Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten kopiert, um das Publikum erstmal entnervt aufstöhnen und eine miese RomCom erwarten zu lassen. Schade, dass das nur in den USA gemacht wurde, denn die Reaktionen hätte ich nur zu gerne im Kino erlebt...
Virales Marketing. Zwei der Filme, die es im ganz großen Stil abgehalten haben sind Tron: Legacy und The Dark Knight. Ersterer war dann doch nicht so erfolgreich, wie vom Studio ersehnt, letzterer knackte die Milliardengrenze. Kein Wunder, dass die Fortsetzung erneut viral beworben wird. Und das Fundstück der ersten Schnitzeljagd für The Dark Knight Rises weckt ja schonmal Hunger auf mehr. Bane wurde in den Batman-Filmen bislang nicht gerade respektvoll umgesetzt, aber hier geht Simplizität zu coolen Ergebnissen vor - und da Tom Hardy auch schauspielern kann, muss man um die Figur wirklich nicht mehr bangen. Eher um den armen Batman, das wird wohl schmerzhaft...
Jetzt bräuchte ich hauptsächlich nur noch ein Bild von Anne Hathaway als Catwoman, denn diese Besetzungsentscheidung kann ich viel weniger einordnen. Ich mag Hathaway, doch mit ihr als Catwoman bin ich unsicher. Ich lehne sie nicht ab, ich freu mich nicht auf sie. Ich freue mich aber schon sehr auf die Kameraarbeit des endlich mit einem Oscar-prämierten Wally Pfister, der nun noch mehr mit dem IMAX-Format arbeiten wird. Insgesamt gilt: The Dark Knight zu schlagen wird sauschwer, alle am Film beteiligten behaupten, Nolan hätte es seitens des Skripts geschafft (würden sie vor Kinostart was anderes sagen?), dass es zumindest sehr gut wird, halte ich für nahezu garantiert. Auf ein Kino-Triple-Feature werde ich vielleicht verzichten, danach ist man bestimmt extrem deprimiert. Andererseits... mh, vielleicht mach ich's doch, und sei es, um das veranstaltende Kino zu entlohnen.
Die Weltpremiere von Red Statelöste im Internet ordentlich Tumult aus. Leute liebten ihn, Leute fanden ihn passabel, professionelle Internetjournalisten schwörten angesichts Kevin Smiths ungewöhnlicher Marktstrategien, nie wieder über diesen "Scharlantan" zu berichten. Viele sahen im (Horror-)Thriller über religiösen Fanatismus Kevin Smiths besten Film (oder zumindest seinen besten Film seit Chasing Amy), und er hätte mehr Potential, wäre er etwas kürzer. Nun, Kevin Smith war vernünftig genug, ihn in den Schneideraum zu nehmen und das rauszuschneiden, was nicht ankam. Seither tourt der Film extrem erfolgreich durch die USA und Quentin Tarantino "f*cking loves" Red State! Eine wahnsinnige Tour de Force von Humor, Gewalt und Dramatik, ein angeblich Oscar-würdiger Michael Parks und hypnotisierende Dialoge - Kevin Smiths vorletzter Kinofilm soll gefälligst, endlich einen deutschen Kinostart erhalten!
Viel ist über Django Unchained nicht bekannt. Aber das, was man bereits weiß, genügt. Es genügt, um Quentin Tarantinos Spaghettiwestern-Hommage/"Southern"/Sklaven-Rachefilm an die vorderste Front dieser Hitliste zu katapultieren. Nach seiner Gangster-Trilogie in den 90er Jahren, scheint Tarantino sich nun eine Blutrache-Trilogie aufzubauen (Kill Bill, Inglourious Basterds, Django Unchained), und irgendwie klingt es so, als hätte Django Unchained alles, um ein legitimer Nachfolger für Tarantinos Weltkriegs-Meisterwerk zu werden. Erneut hofft Tarantino, einen Hollywood-Weltstar in sein Universum zu entführen - und wenn Will Smith als befreiter und auf Rache sinnender Sklave auch nur halb so cool ist wie Brad Pitt als Lt. Aldo "The Apache" Raine, dann werden meine Augen wieder einmal an der Leinwand kleben. Christoph Waltz ist wieder mit von der Partie, Samuel L. Jackson schafft es nun über einen Cameo hinaus... Wie kann das nicht absolut genial werden? Nun gut, momentan klingt eine Art "Slavesploitation meets Spaghetti-Western" nicht so meisterlich wie Inglourious Basterds, da dieser Film mit seinem virtuosen Sprachenspiel auch eine extrem kunstvolle Note hatte, aber vor Kinostart hat die bei den Basterds auch niemand erwartet. Insofern ist alles offen. Sicher ist bei Tarantino eigentlich nur eins: Django Unchained wird saucool, voller meisterlich verschachtelter Genrezitate, B-Movie-Hommagen, effektiver Gewaltspitzen und Schauspielern, die zu Höchstformen aufglühen. Ich kann es nicht erwarten!
Cars 2, es tut mir leid, aber dein Rennen findet derzeit außerhalb dieser Hitliste statt. Nicht, dass ich dich grausig fände, doch es gibt Filme, die ich dringender erwarte. Sogar Der gestiefelte Kater wäre dank sehr positiver früher Stimmen fast in diese Liste gekommen. Und seit Thor habe ich langsam richtig große Lust auf The Avengers - das Zusammenspiel zwischen dem Donnergott und Iron Man stelle ich mir richtig herrlich vor. Überhaupt, es gibt so einige interessante Filme. Doch diese zwanzig sind vorerst das, was mich am ungeduldigsten hin- und herrutschen lässt. Über eure Wartelisten freue ich mich wie eh und je - ob ich endlich so viele zu lesen bekomme, wie ich es mir wünsche?
Hier sind sie dann also, meine 20 am meisten erwarteten Kinofilme:
Platz 20: Das neue Zeichentrickprojekt mit Micky, Donald und Goofy
Das Trio Infernale kehrt zurück. Wieso ich den Wunschfilm des Winnie Puuh-Autors nicht bereits abfeiere, wie ich es mit Pirates of the Caribbean 5 tun würde? Nun, während manche Pirates-Fans befürchteten, ihre geliebte Trilogie durch einen vierten Teil zerstört zu sehen, lebe ich meine Ader zum Fan-Pessimismus eher bei Film- und Fernsehprojekten mit dem schnatternden Erpel aus. Denn wer garantiert mir, dass man es mit dem Film nicht allein auf das Kinderpublikum abgesehen hat? Ein Kinofilm ist für Micky, Donald und Goofy eine riesige, wichtige Chance. Und die darf nicht in weniger als einen Volltreffer verwandelt werden...
Platz 19: Bad Teacher
Nun gut, möglicherweise wird das ganze nur "Hangover in der Schule", aber ich muss sagen: Nachdem ich zuvor nichts (bewusst) über den Film mitbekam, habe ich mich über die konsequente Dreistigkeit des Trailers im Kino richtig scheckig gelacht. Cameron Diaz wirkte so lustig wie seit Verrückt nach Mary nicht mehr, Jason Segel sehe ich eh immer gerne und den Justin Timberlake sehe ich bereits aus Prinzip gerne. Und: Kindern, denen in politisch inkorrekte Komödien Leid zugefügt wird, treffen das Humorzentrum eines dunklen Teils meiner Seele. Genau diese Seite von mir scheint dieser Film als sein Zielpublikum auserkoren zu haben - sollte Bad Teacher auf gen Schluss zunehmende Zuckrigkeit verzichten, sondern sich in seiner Schlechtigkeit aalen, dann könnte es mein Komödienhit des Jahres werden.
Platz 18: Sin City 2
Ich spare mir zusätzlichen Sermon. Es wurde alles gesagt.
Platz 17: Heavy Metal
Ein weiterer Running Gag in dieser Artikelreihe: David Finchers, Zach Snyders, James Camerons, Gore Verbinskis und Guillermo del Toros rockender Fantasy-Animationsfilm für Erwachsene. Der wahrscheinlich hie und da an die Grenzen des Geschmacks wandern wird. Weshalb die Finanzierung trotz großer Regienamen (und Jack Black!) nicht vorankommt. Egal, noch will Fincher den Film durchziehen, und ich stärke ihm dabei mental den Rücken. Nicht, dass das ihm irgendwas bringt, aber schaden tut's auch nicht.
Platz 16: Sleeping Beauty
Von all den auf uns niederprasselnden "düsteren, erwachsenen und mutigen" Märchen-Neuinterpretationen ist dies womöglich die mutigste und innovativste. So sehr, dass man den Zusammenhang zum Märchen beinahe allein auf den Filmtitel begrenzen kann. Das Regiedebüt der australischen Romanautorin Julia Leigh handelt von einer Studentin, die sich ein Nebenbrot verdient, indem sie sich unter Drogen setzt und in diesem künstlichen Schlaf Freiern erlaubt, alles mit ihr zu treiben, was ihnen so einfällt. Emily Browning soll fantastisch spielen, die Inszenierung grandios sein... nur möchte alles nicht ganz so sehr aufgehen, wie die einzelnen Sequenzen für sich betrachtet. Egal, dieses Problem, dass die Gesamthandlung schwächer als die Einzelphasen sind, hat mich auch nicht vom Genuss an Tron: Legacy abgehalten. Und jetzt, da ich es geschafft habe, einen Cannes-Wettberwerbsfilm mit Tron: Legacy zu vergleichen, klopfe ich mir selbstverliebt auf die Schulter. Tut ja sonst niemand, und selbst eine Dirne wie Emily Browings schlafende Schönheit wäre mir bei diesem frustrierenden Schicksal nicht sonderlich nützlich...
Platz 15: Shademaker
Lange angedeutet, wurde es im Februar dieses Jahres endlich offiziell: Der Stop-Motion-Meister Henriy Selick (Nightmare before Christmas, Coraline) kooperiert mit den Disney-Studios sowie dem Pixar-Braintrust, um neue, schaurig-schöne Filme mit der liebenswürdigen "Knetmännchentechnik" zu schaffen. Shademaker soll ein Gruselfilm für die ganze Familie werden und wird von Pixars Konzeptkünstler Lou Romano (Oben) künstlerisch gestalter. Mehr weiß man nicht, mehr muss ich nicht wissen, um mich zu freuen.
Platz 14: Melancholia
Auf sich uneinige Kritiken aus Cannes gebe ich spätestens nichts mehr, seit Quentin Tarantinos Meisterwerk Inglourious Basterds dort eher lauwarm aufgenommen wurde, nur um dann von den selben Stimmen auf dem Weg zur Oscar-Verleohung plötzlich (und endlich gerechtfertigt) als der Geniestreich anerkannt zu werden, den die dramatische Weltkriegs-Spaghettiwestern-Comicmär darstellt. Insofern sind die Stimmen, Lars von Triers Weltuntergangs-Melancholiestück Melancholia sei entweder "etwas schwach in der Ausführung seiner Ideen" oder "doch recht gut" nun wahrlich keine Katastrophe. Und immerhin kann man offenbar wenigstens von Kirsten Dunst eine kleine Sensation erwarten. Der Trailer hatte mich bereits überzeugt, und da die größte Effekthascherei an diesem Film offenbar fehlgedeutetes, sarkastisches Rumgeulke seitens von Trier ist,
Platz 13: Oblivion
Joseph Kosinskis Regiedebüt Tron: Legacy war finanziell leider nicht der erhoffte Überschallknall, dennoch dürfte man den ehemaligen Architekten als Regisseur mit Zukunft verbuchen. Ob die Zwischenmenschlichkeit in Tron: Legacy wegen seiner Regieführung oder aufgrund des Drehbuchs unter den Möglichkeiten blieb, ist vorerst unklar, doch was die Weltenbildung und packende Verschmelzung von Sci-Fi-Action und Musik angeht, ist Kosinski außerordentlich vielversprechend. Da wundert es wohl nicht, dass Disney ihm neben einer Fortsetzung und einem Remake auch die Verfilmung seiner eigenen Graphic Novel zutraute. Aufgrund seiner düsteren Stimmung wurde der Sci-Fi-Thriller Oblivion dann aber letztlich von Disney aufgegeben. Bald darauf ist Oblivion mit Tom Cruise bei Universal wieder auferstanden, und ich verspreche mir einen actionreichen, postapokalyptischen Thriller mit beeindruckender visueller Komponente. Wenn dann auch noch die Emotionen stimmen sollten, wow, das wäre ein Bonbon obendrauf.
Platz 12: Hugo Cabret
Martin Scorsese ist ein lauter Verteidiger der 3D-Technologie und wünscht sich, sämtliche Filme würden in 3D gedreht. Ob der Meisterregisseur selbst fähig ist, gute Leinwandlandschaften in drei Dimensionen zu erschaffen, werden wir bereits Ende dieses Jahres erfahren, wenn seine Romanverfilmung Hugo Cabret in die Kinos kommt. Die Geschichte handelt von einem Waisenjungen, der in einm Pariser Bahnhof lebt und verarbeitet auf magische Weise die wahre Geschichte von George Méliès (hier gespielt von Ben Kingsley). Außerdem mit dabei in der von Johnny Depp produzierten Produktion: Chloë Moretz, Sacha Baron Cohen, Jude Law und Christopher Lee. Spannend wird, wie nah sich Scorsese an die zahlreichen Illustrationen der zwischen Roman und Bilderbuch liegenden Vorlage orientieren wird - aber sicher ist, dass das Potential für einen ganz besonderen Scorsese vorhanden ist.
Platz 11: Die drei Musketiere 3D
Oh... mein Gott... Diese Frisur... dieser Bart... dieses absolut genussvoll dämlich-böse Grinsen... Einige Geschlechtsgenossen werden sich Paul W.S. Andersons Musketier-Spektakel sicherlich nur ansehen, weil Milla Jovovich sich im Trailer fast schon lachhaft lasziv räkelt und offenbar bei einem barocken Striptease ein Haus hinuntersegelt, mein Hauptgrund für einen Kinobesuch ist dagegen Orlando Bloom. Es tut mir ja wirklich leid, schließlich mag ich den Welpen irgendwo, aber was Anderson und Kostümschneider Pierre-Yves Gayraud (Das Parfum) dem Mann antun, das ist wahrhaftiges Fremdschäm-Comedygold. Ich werde mich in eine hoffentlich vollbesetzte Abendvorführung des Films setzen, mit einem riesigen Grinsen im Gesicht, und mich an Orlando Blooms Garderobe ergötzen. Da sind ein Christoph Waltz in der Rolle des
Platz 10: Hangover 2
Einen Originalitätspreis wird Hangover 2 garantiert nicht gewinnen: Der Trailer ist nahezu ein Shot-for-Shot-Remake des Trailers für Teil 1, nur mit einem Affen statt eines Huhns/Babys und Thailand statt Las Vegas. Allerdings wirkt es so, als wäre Hangover 2 extremer, mutiger als das Original. Ich kann mir also vorstellen, dass Hangover 2 lautere Lacher auf Kosten des kultigen Charmes abfeuert. Nun, so lange die Chemie im kernigen Ensemble stimmt und Todd Philips durch die Inszenierung erneut die geschmacklich inkorrekte Komödie mit Stil und Spannung würzt, ist mir das den Eintrittspreis locker wert. Jungs, Mädels... Kinoabend in großer Runde, das ist angesagt! Und hey, anscheinend ist man danach nicht gaaaanz so sehr in Reiselaune wie nach Hangover. Dann fühlt man sich mit seinen mickrigen Kröten auf der hohen Kante gleichmal um einiges besser.
Platz 9: Sherlock Holmes 2
Sherlock Holmes hat jede Menge Spaß gemacht. Guy Ritchie kam erstaunlich gut mit der Aufgabe zurecht, eine Großproduktion zu dirigieren, Jude Law und Downey junior haben wundervoll harmoniert, Hans Zimmer hat eine düster-muntere, extrem exzentrische Klangtapete kreiert und Ritchies fast ins Steampunk rutschende, aber noch immer reale London vergangener Zeiten sah super an. Und nun das ganze nochmal, nur mit einem smarteren Schurken sowie Noomi Rapace in ihrer ersten Hollywood-Rolle. Wenn dann noch das Ende was kompakter ausfällt, als bei Teil 1, dann wüsste ich nicht, wie diese Fortsetzung keine Verbesserung darstellen sollte.
Platz 8: Oz - The Great and Powerful
Disneys ganz eigenes Der Zauberer von Oz- (bzw. Das zauberhafte Land-)Prequel hat bereits eine turbulente Geschichte hinter sich. Es fing bereits bei der Suche nach einem Regisseur an: Adam Shankman, Sam Mendes, Timur Bekmambetov und Guillermo del Toro, das Studio sprach mit einer wirklich ungewöhnlichen und uneinheitlichen Auswahl an Regisseuren, bis letzten Endes Sam Raimi den Zuschlag bekam. Für die Hauptrolle wurden Johnny Depp und Robert Downey junior anberaumt, bevor man sich entschied, den Film ein paar Takte jünger zu machen und die Hauptrollen James Franco und Mila Kunis zu geben. Lug, Trug, Verführung, darum soll es in dem Fantasystreifen gehen, und mit Sam Raimi am Steuer kann diese Reise in alle möglichen Richtungen gehen. Rachel Weisz und Michelle Williams werden ebenfalls dabei sein - Disney will wohl unbedingt das junge, männliche Publikum sabbernd reinlocken. Die Damen kriegt man ja mit James Franco (boah, war mein Kinobesuch von 127 Hours anstrengend), und vielleicht auch mit der Story. Tja, und ich habe ein unerklärliches, gutes Gefühl bei der Sache. Vom elendigen Oz-Ausgeschlachte mal abgesehen könnte das die Art Film werden, die ich von Disney gerne öfter sehen möchte. Oder es wird doch noch Schrott - sicher ist man sich ja nie...
Platz 7: John Carter
Disney und Pixar lassen uns in Sachen John Carter (ehemals John Carter of Mars) ganz schön zappeln. Wo bleiben denn die ersten Filmbilder, der Teaser oder gar der (laut Taylor Kitsch bereits fertige) Trailer? Am 9. März nächsten Jahres findet bereits der US-Start des Realfilmdebüts von Andrew Stanton statt, und wir haben noch überhaupt nichts gesehen! Schade, denn ich bin mir sicher, dass die Verfilmung des Sci-Fi-Abenteuers aus der Feder des Tarzan-Autors Edgar Rice Burroughs viel höher auf dieser Liste stehen könnte. Musik von Michael Giacchino, ein ansprechendes Ensemble (Willem Dafoe, Taylor Kitsch, Marc Strong, Thomas Haden Church) und das von Pixar im Vorfeld ungewohnte Gerede, man sei so zufrieden, dass man eine Trilogie anvisiert... Das alles macht mich richtig heiß auf den Film. Aber dieser Mangel an Filmmaterial, wo andere Filme dieser Größenordnung schon die Werbetrommel rührten, der hält mich momentan noch was zurück in Sachen Euphorie.
Platz 6: Brave
Pixars erstes Märchen, soll es sein. Brave. Dabei scheint es wohl viel mehr ein schottisches Highland-Abenteuer zu werden. So oder so, die Konzeptbilder sind wirklich schön, die vom Regiestuhl gequatschte Brenda Chapman (Der Prinz von Ägypten) und Irene Mecchi (Der König der Löwen) gestalteten die Story, die Regie stammt von Mark Andrews (der Pixars ersten, bislang leider unveröffentlichten, Realfilm Violet sowie den Kurzfilm One-Man-Band schuf)... Ach, was red' ich: Es ist Pixar, aber Cars 2. Man kann also nur euphorisch sein! Es sei denn, man ist Fan des Pizza-Planet-Trucks, denn um seinen obligatorischen Cameo darf man sich berechtigte Sorgen machen.
Platz 5: The Lone Ranger
Wenn Terry Gilliam es nicht macht, dann halt Gore Verbinski: Wie gemunkelt wird, bekommt die Welt jetzt doch noch The Man Who Killed Don Quixotte, nur halt ein wenig anders. Denn der von Gore Verbinski, Jerry Bruckheimer und Johnny Depp gewählte Ansatz für die Kino-Neuerfindung des Radio-Westernheldens Lone Ranger soll seinen Sidekick Tonto stärker in den Fokus rücken und einen an Gilliams gescheitertes Projekt erinnernden Blickwinkel annehmen. Außerdem möchte Depp die Chance nutzen, und auf subversive Weise das Bild der amerikanischen Ureinwohner korrigieren. Und das mit der finanziellen Macht eines Jerry Bruckheimers sowie der noch längst nicht genug geschätzten, gesund-verrückten, Genres verschmelzenden Inszenierung eines Gore Verbinski? Das lässt zwar vermuten, dass der arme in der vermeintlichen Hauptrolle gecastete Armie Hammer was zur Seite geschubst wird, aber ich erhoffe mir jetzt auch eine reizvolle Mischung aus Massentauglichkeit und liebenswerter Exzentrik. Rango trifft Pirates of the Caribbean trifft The Man Who Killed Don Quixotte... Hoffentlich auch wieder wie anfangs geplant mit einem Drehbuch von Ted Elliott und Terry Rossio, dann werde ich schon noch meinen Spaß haben. Und immer schön an die Ziegen im Hintergrundgeschehen denken!
Platz 4: Die Muppets
Bereits kommendes Thanksgiving startet der neue Muppets-Film in den US-Kinos. Dort sind die Filzpuppen also tatsächlich näher, als unsererins denkt. In Deutschland ist derzeit dagegen leider ein Start im Januar 2012 angedacht - etwas, das sich hoffentlich noch ändern wird. Denn Jason Segels wahr gewordener Jugendtraum verspricht eine angemessene Rückkehr sowie Modernisierung des Muppet-Humors. inzu kommen ein paar Gesangseinlagen, eine sicherlich wie eh und je liebenswerte Amy Adams sowie zahllose Promi-Cameos. Die Rückkehr der leichtherzigen Humoranarchie? Vielleicht - doch ganz bestimmt wird es einfach nur eine richtig unterhaltsame Kinozeit! Schon der Teaser Trailer war ein guter Start: Man hat ihn extra ohne jegliche Vorab-Ankündigung oder Online-Veröffentlichung vor Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten kopiert, um das Publikum erstmal entnervt aufstöhnen und eine miese RomCom erwarten zu lassen. Schade, dass das nur in den USA gemacht wurde, denn die Reaktionen hätte ich nur zu gerne im Kino erlebt...
Platz 3: The Dark Knight Rises
Virales Marketing. Zwei der Filme, die es im ganz großen Stil abgehalten haben sind Tron: Legacy und The Dark Knight. Ersterer war dann doch nicht so erfolgreich, wie vom Studio ersehnt, letzterer knackte die Milliardengrenze. Kein Wunder, dass die Fortsetzung erneut viral beworben wird. Und das Fundstück der ersten Schnitzeljagd für The Dark Knight Rises weckt ja schonmal Hunger auf mehr. Bane wurde in den Batman-Filmen bislang nicht gerade respektvoll umgesetzt, aber hier geht Simplizität zu coolen Ergebnissen vor - und da Tom Hardy auch schauspielern kann, muss man um die Figur wirklich nicht mehr bangen. Eher um den armen Batman, das wird wohl schmerzhaft...
Jetzt bräuchte ich hauptsächlich nur noch ein Bild von Anne Hathaway als Catwoman, denn diese Besetzungsentscheidung kann ich viel weniger einordnen. Ich mag Hathaway, doch mit ihr als Catwoman bin ich unsicher. Ich lehne sie nicht ab, ich freu mich nicht auf sie. Ich freue mich aber schon sehr auf die Kameraarbeit des endlich mit einem Oscar-prämierten Wally Pfister, der nun noch mehr mit dem IMAX-Format arbeiten wird. Insgesamt gilt: The Dark Knight zu schlagen wird sauschwer, alle am Film beteiligten behaupten, Nolan hätte es seitens des Skripts geschafft (würden sie vor Kinostart was anderes sagen?), dass es zumindest sehr gut wird, halte ich für nahezu garantiert. Auf ein Kino-Triple-Feature werde ich vielleicht verzichten, danach ist man bestimmt extrem deprimiert. Andererseits... mh, vielleicht mach ich's doch, und sei es, um das veranstaltende Kino zu entlohnen.
Platz 2: Red State
Die Weltpremiere von Red Statelöste im Internet ordentlich Tumult aus. Leute liebten ihn, Leute fanden ihn passabel, professionelle Internetjournalisten schwörten angesichts Kevin Smiths ungewöhnlicher Marktstrategien, nie wieder über diesen "Scharlantan" zu berichten. Viele sahen im (Horror-)Thriller über religiösen Fanatismus Kevin Smiths besten Film (oder zumindest seinen besten Film seit Chasing Amy), und er hätte mehr Potential, wäre er etwas kürzer. Nun, Kevin Smith war vernünftig genug, ihn in den Schneideraum zu nehmen und das rauszuschneiden, was nicht ankam. Seither tourt der Film extrem erfolgreich durch die USA und Quentin Tarantino "f*cking loves" Red State! Eine wahnsinnige Tour de Force von Humor, Gewalt und Dramatik, ein angeblich Oscar-würdiger Michael Parks und hypnotisierende Dialoge - Kevin Smiths vorletzter Kinofilm soll gefälligst, endlich einen deutschen Kinostart erhalten!
Platz 1: Django Unchained
Viel ist über Django Unchained nicht bekannt. Aber das, was man bereits weiß, genügt. Es genügt, um Quentin Tarantinos Spaghettiwestern-Hommage/"Southern"/Sklaven-Rachefilm an die vorderste Front dieser Hitliste zu katapultieren. Nach seiner Gangster-Trilogie in den 90er Jahren, scheint Tarantino sich nun eine Blutrache-Trilogie aufzubauen (Kill Bill, Inglourious Basterds, Django Unchained), und irgendwie klingt es so, als hätte Django Unchained alles, um ein legitimer Nachfolger für Tarantinos Weltkriegs-Meisterwerk zu werden. Erneut hofft Tarantino, einen Hollywood-Weltstar in sein Universum zu entführen - und wenn Will Smith als befreiter und auf Rache sinnender Sklave auch nur halb so cool ist wie Brad Pitt als Lt. Aldo "The Apache" Raine, dann werden meine Augen wieder einmal an der Leinwand kleben. Christoph Waltz ist wieder mit von der Partie, Samuel L. Jackson schafft es nun über einen Cameo hinaus... Wie kann das nicht absolut genial werden? Nun gut, momentan klingt eine Art "Slavesploitation meets Spaghetti-Western" nicht so meisterlich wie Inglourious Basterds, da dieser Film mit seinem virtuosen Sprachenspiel auch eine extrem kunstvolle Note hatte, aber vor Kinostart hat die bei den Basterds auch niemand erwartet. Insofern ist alles offen. Sicher ist bei Tarantino eigentlich nur eins: Django Unchained wird saucool, voller meisterlich verschachtelter Genrezitate, B-Movie-Hommagen, effektiver Gewaltspitzen und Schauspielern, die zu Höchstformen aufglühen. Ich kann es nicht erwarten!
Cars 2, es tut mir leid, aber dein Rennen findet derzeit außerhalb dieser Hitliste statt. Nicht, dass ich dich grausig fände, doch es gibt Filme, die ich dringender erwarte. Sogar Der gestiefelte Kater wäre dank sehr positiver früher Stimmen fast in diese Liste gekommen. Und seit Thor habe ich langsam richtig große Lust auf The Avengers - das Zusammenspiel zwischen dem Donnergott und Iron Man stelle ich mir richtig herrlich vor. Überhaupt, es gibt so einige interessante Filme. Doch diese zwanzig sind vorerst das, was mich am ungeduldigsten hin- und herrutschen lässt. Über eure Wartelisten freue ich mich wie eh und je - ob ich endlich so viele zu lesen bekomme, wie ich es mir wünsche?
Montag, 7. März 2011
Eiserne Männer und (keine) rote Zahlen: Zwei Kurzmeldungen
Eigentlich wollte ich heute ja die Füße hochlegen, aber ich habe jetzt bis Glee überhaupt nichts zu tun, also gibt's heute mal wieder Kurzmeldungen. Denn diese zwei Filmnachrichten möchte ich schon gerne kommentieren. Weshalb dann auf morgen warten?
Zunächst einmal gibt es neues von Iron Man 3: Nachdem Jon Favreau, der Regisseur der ersten beiden Teile, den eisernen Superhelden allein zurückließ, um sich einer Verfilmung des Magic Kingdom zu widmen, fand man in Shane Black einen Ersatzmann. Er arbeitete mit Downey junior schon an Kiss Kiss Bang Bang und hat diesen Job nicht zuletzt deshalb bekommen.
Jedenfalls soll selbst Marvel eingesehen haben, dass Iron Man 2 durch die intensive Avengers-Werbung, äh Verzeihung, -Cameos eher eingeengt, denn verbessert wurde. Deswegen soll Iron Man 3 neue Wege einschlagen, und Black erklärte gegenüber AICN, wie diese aussehen werden: Keine Auftritte anderer Marvel-Helden und keine Superschurken in Iron Man-ähnlichen Kampfanzügen. Stattdessen will man sich realistischeren Schurken annehmen und Iron Man 3 zu einem Thriller im Stil von Tom Clancy machen. So lange der Humor in der Gleichung bleibt, find ich's klasse.
Und dann gibt's noch neues von Kevin Smiths Red State: Der Thriller über religiösen Fundamentalismus hat nun seine US-Tour begonnen und sofort für eine positive Überraschung gesorgt. Wie /Film berichtet, besuchten 3.800 Leute die erste Aufführung von Red State in der Radio City Music Hall in New York City. Durch die erhöhten Eintrittspreise für die Aufführung inklusive anschließender Q&A-Stunde, wurden 161.590 Dollar eingenommen. Dies bedeutet den zehntbesten Pro-Kino-Durchschnitt der US-Kinogeschichte. Red State ist somit der derzeit einzige Nicht-Disneyfilm in den Top Ten: Durch Disneys semi-regelmäßig stattfindenden Sonderaufführungen ihrer jüngsten Trickfilme wurde diese Statistik bislang regelrecht vom Mäusekonzern dominiert. Der König der Löwen steht mit stattlichem Vorsprung auf Platz 1 (793.377 Dollar pro Kino), gefolgt von Pocahontas (mit 448.285 Dollar). Es folgen Hercules, gleich zwei Mal (!) Küss den Frosch, Toy Story 2, Das große Krabbeln, nochmal Hercules und Atlantis. Frisch von Red State geschlagen: Bärenbrüder, der am Wochenende des 24. Oktobers 2003 in zwei Kinos jeweils durchschnittlich 145.970 Dollar einnahm. Wer die weiteren Zahlen nachschlagen möchte, sei auf Box Office Mojo verwiesen.
Zunächst einmal gibt es neues von Iron Man 3: Nachdem Jon Favreau, der Regisseur der ersten beiden Teile, den eisernen Superhelden allein zurückließ, um sich einer Verfilmung des Magic Kingdom zu widmen, fand man in Shane Black einen Ersatzmann. Er arbeitete mit Downey junior schon an Kiss Kiss Bang Bang und hat diesen Job nicht zuletzt deshalb bekommen.
Jedenfalls soll selbst Marvel eingesehen haben, dass Iron Man 2 durch die intensive Avengers-Werbung, äh Verzeihung, -Cameos eher eingeengt, denn verbessert wurde. Deswegen soll Iron Man 3 neue Wege einschlagen, und Black erklärte gegenüber AICN, wie diese aussehen werden: Keine Auftritte anderer Marvel-Helden und keine Superschurken in Iron Man-ähnlichen Kampfanzügen. Stattdessen will man sich realistischeren Schurken annehmen und Iron Man 3 zu einem Thriller im Stil von Tom Clancy machen. So lange der Humor in der Gleichung bleibt, find ich's klasse.
Und dann gibt's noch neues von Kevin Smiths Red State: Der Thriller über religiösen Fundamentalismus hat nun seine US-Tour begonnen und sofort für eine positive Überraschung gesorgt. Wie /Film berichtet, besuchten 3.800 Leute die erste Aufführung von Red State in der Radio City Music Hall in New York City. Durch die erhöhten Eintrittspreise für die Aufführung inklusive anschließender Q&A-Stunde, wurden 161.590 Dollar eingenommen. Dies bedeutet den zehntbesten Pro-Kino-Durchschnitt der US-Kinogeschichte. Red State ist somit der derzeit einzige Nicht-Disneyfilm in den Top Ten: Durch Disneys semi-regelmäßig stattfindenden Sonderaufführungen ihrer jüngsten Trickfilme wurde diese Statistik bislang regelrecht vom Mäusekonzern dominiert. Der König der Löwen steht mit stattlichem Vorsprung auf Platz 1 (793.377 Dollar pro Kino), gefolgt von Pocahontas (mit 448.285 Dollar). Es folgen Hercules, gleich zwei Mal (!) Küss den Frosch, Toy Story 2, Das große Krabbeln, nochmal Hercules und Atlantis. Frisch von Red State geschlagen: Bärenbrüder, der am Wochenende des 24. Oktobers 2003 in zwei Kinos jeweils durchschnittlich 145.970 Dollar einnahm. Wer die weiteren Zahlen nachschlagen möchte, sei auf Box Office Mojo verwiesen.
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Mittwoch, 9. Februar 2011
(Ab)Gebildet: Hit Somebody
Kevin Smith, Stimme einer Generation, Stellvertreter einer Geekkultur oder einfach nur ein Spaßbär? Für mich ist der Mann aus New Jersey alles zugleich. Er ist ein die Konventionen des Drehbuchschreibens auf den Kopf stellender Regisseur, der das Kunstprogramm mit Fäkalsprache und vermeintlichen Banalitäten unterwandert. Oder untermauert er seine vulgären Darstellungen menschlicher Bagatellen mit subversiv eingewobenem, ihm selbst womöglich unbewusstem künstlerischen Intellekt? Nun, beide Beschreibungen passen gewiss nicht auf den Kevin Smith zu, der Cop Out gedreht hat, bezüglich seine restlichen Regiearbeiten kann man diese Diskussion allerdings in Angriff nehmen. Je nach Film mit unterschiedlich starker Inbrunst, aber immerhin. Kevin Smith gelang es einst, das Programmkino-Klientel (oder zumindest den Anteil davon, der bei Schimpfwörtern und detaillierter Nacherzählungen sexueller Akte die Ohren abfallen) ebenso anzulocken, wie College-Kumpels, die mit dem Bier in der Hand auf Jay und Silent Bob warten.
Sofern Smith sich nicht gedanklich neu sortiert, können wir langsam Abschied von diesem vielleicht nicht jedermann liegendem, dennoch aber äußerst interessanten Filmemacher verabschieden. Denn nach Red State möchte er seinen letzten Film drehen: Das Hockey-Drama Hit Somebody. Es wäre durchaus ein angemessener Abschluss seiner Karriere als Autorrenregisseur. Denn seine selbst geschriebenen Regiearbeiten enthielten allesamt Referenzen auf seinen Lieblingssport.
Außerdem gibt es eine Stanley-Cup-Flagge der zu Drehbeginn zweifachen Siegermannschaft zu sehen. Die Verweise auf die Penguins dienen auch als Lokalkolorit: Zack and Miri Make A Porno spielt nicht in Kevin Smiths Heimatstaat New Jersey (so wie alle seine Filme zuvor, sondern in Pennsylvania, wo er auch gedreht wurde. Neben diesen Verweise auf Pennsylvanias Hockeymannschaft wird dem Drehort auch Tribut gezollt, indem die Figuren das nahe Pittsburgh gebraute Iron City Beer trinken. Auch die aus Zombie bekannte Monroeville Mall hat einen Auftritt, ebenso wie der aus Pittsburgh stammende Tom Savini.
Der Regisseurs des Pornos-im-Films, gespielt von Clerks-Veteran Jeff Anderson, wird derweil von einem Hockeyspiel der fiktiven Mannschaft Monroeville Zombies weggecastet.
Weniger Hockeyreferenz, als Selbsttribut: Genau wie bei den Dreharbeiten für Clerks müssen die Figuren aus Zack and Miri Make A Porno aus Geldmangel improvisieren, weshalb sie statt professioneller Angelmikros an einen Hockeschläger geklebte Standardmikros verwenden. Überhaupt haben die Umstände, die Zacks und Miris Filmdreh umgeben viele Parallelen zu Kevin Smiths Erfahrungen als Regiedebütant. Der einzige große Unterschied ist im Grunde, dass Zack und Miri schon in Farbe drehen können. Und dass in Clerks bloß über Sex geredet wurde.
Und zu guter Letzt erleben wir in Zack and Miri Make A Porno, wie sich eine der Hauptfiguren als Schießbudenfigur bei einem Hockeyspiel verdingt. Dieser Gag ist ein Überbleibsel von einem früheren Clerks 2-Drehbuchentwurf, in dem Randel (gespielt von Jeff Anderson) sich damit ein kleines Zubrot verdient.
Sofern Smith sich nicht gedanklich neu sortiert, können wir langsam Abschied von diesem vielleicht nicht jedermann liegendem, dennoch aber äußerst interessanten Filmemacher verabschieden. Denn nach Red State möchte er seinen letzten Film drehen: Das Hockey-Drama Hit Somebody. Es wäre durchaus ein angemessener Abschluss seiner Karriere als Autorrenregisseur. Denn seine selbst geschriebenen Regiearbeiten enthielten allesamt Referenzen auf seinen Lieblingssport.
Clerks
Ein Regiedebüt kann einen persönlichen Stil begründen, aber aus naheliegenden Gründen noch keine wiederkehrenden Elemente beweisen. Clerks, ein Film dessen Popularität laut Kevin Smith seine gesamte Karriere überschattete, sie aber auch gleichermaßen überhaupt vital hielt, enthielt Elemente, die unvermeindlich als Smiths Stil erkennbar waren. Die ehrlichen, überhöht dargestellten und vom Mund des nicht gerade im Zentrum der sozialen Hackordnung stehenden, männlichen Slackers abgeschauten Dialoge. Die Haltung, dass das Gesprochene wichtiger als die Kamera ist (man könnte es auch als das Fehlen eines inszenatorischen Stils bezeichnen). Die Einarbeitung seiner Lieblingsthemen. Star Wars und Hockey. Aber es wurden auch Elemente eingeführt, die sich erst später als Markenzeichen offenbaren konnten: Nahezu jedermanns Lieblingsgag des Films hat mit der Zahl "37" zu tun, die daraufhin als Running Gag immer wieder bei Smith auftauchte. Um nun jedoch endlich zum Hockey zu kommen: Dante, der eigentlich seinen freien Tag gehabt hätte, muss im Quick Stop, einem Gemischtwarenladen, arbeiten. Um das mit Freunden abgesprochene Hockey-Spiel nicht zu versäumen, beschließt er kurzerhand, es auf das Dach des Ladens zu verlegen.
Mallrats
In einer Zeit vor Cop Out und Jersey Girl galt Mallrats als das schwarze Schaf der Kevin-Smith-Filmografie. Nicht nur einige Fans belächeln den Nachfolger auf Smiths Sensationsdebüt, auch sein Förderer Harvey Weinstein war nicht sonderlich begeistert, so dass das Projekt zu Universal abwandern musste. Ein amüsanter Zufall, Universal schien sich somit als Auffangbecken für Weinstein-Kumpanen etabliert zu haben. Als Tarantinos Inglourious Basterds für die Weinsteins zu teuer wurde, kam ebenfalls Universal an Bord. Mallrats hatte nicht nur das größere Budget und somit unter anderem einen neuen, schmucken Ledermantel für Silent Bob in petto, sondern auch das Etablieren einer Figurenkontinuität in Smiths Filmen (im neu erschaffenen "View Askewniverse" kennt eigentlich jeder jeden um ein paar Ecken) sowie auf die Spitze getriebene Star Wars-Zitate und natürlich neue Hockey-Referenzen. Das obige Bild steht eigentlich stellvertretend für Smiths Referenzfreudigkeit: Comic-Anspielung, Hockey-Shirt, Hommage an Der weiße Hai. Alles drin.
Anders als in Clerks gibt es in Mallrats kein Hockeyspiel zu bestaunen. Dafür zockt der unter der Fuchtel seiner Mutter stehende Brodie direkt, nachdem er von seiner sexuell unbefriedigten Freundin aufgeweckt wurde auf seiner Sega-Konsole eine digitales Eishockey. Was eines der wiederkehrenden Grundthemen des "View Askewniverse" zusammenfasst: Nerdige Kerle, die mit ihren gutaussehenden Freundinnen, von denen sie selbst nicht wissen, wie sie sie bekamen, nicht umzugehen wissen und sich in spielerische Ablenkung fliehen.
Chasing Amy
Direkt auf den belächelten Mallrats folgte Kevin Smiths möglicherweise bester Film: Clerks umgibt zwar der größere Kult, doch das amüsante Liebesdrama Chasing Amy dürfte wohl die meiste Anerkennung erhalten haben. Mein persönlicher Liebling ist es nicht, dafür finde ich Dogma einfach zu witzig, trotzdem ist Chasing Amy jegliches Stück Respekt gegönnt, dass der Film bekommen kann. Vor allem, da Chasing Amy für Smith als Autoren und Regisseur einen großen Sprung bedeutete. Die Figuren sind ausgereifter, die Dialoge gehen einem näher, der Sextalk ist nicht nur da, um da und cool zu sein, sondern hat auch dramaturgische Relevanz und auch die Hockey-Elemente gehen dieses Mal über das bloße Tragen eines Shirts hinaus...
...oder einen Rückgriff auf das aus Mallrats bekannte Videospiel!
Eine unaufhaltsam entgleisende Unterhaltung zwischen den beiden Hauptfiguren wird von Regisseur Kevin Smith durch Gegenschnitte auf das von ihnen besuchte Hockeyspiel kommentiert. Die Entwicklung des Hockeyspiels, die eskalierenden pysikalischen Handlungen sind die Komplementärelemente zu den verletztenden Ausschreitungen im Gespräch der zwei Protagonisten. Die Gegenschnitte auf das Hockeyspiel sind rau und unbehandelt, was man als verstärkendes Element entschuldigen kann, als handwerkliche Unterstreichung der auf der Bildebene aufgezeigten Parallele zwischen verbaler und körperlicher Gewalt. Doch man muss sich auch als Smith-Anhänger eingestehen: Eine aufpoliertere Schnittmontage hätten die damals noch immer ungeschliffenen Cutter Scott Moiser und Kevin Smith nicht auf die Beine stellen können.
Dogma
In seiner Religionskomödie Dogma hielt sich Smith angesichts der zahlreichen ihn erwartenden, größeren Aufgaben mit zu vielen überflüssig ausgewalzten Traditionen glücklicherweise zurück. Zwischen Spezialeffekten und der Arbeit mit klassisch ausgebildeten Schauspielern wie Alan Rickman auch noch möglichst eine Hockey-Szene reinquetschen? Nein, danke. Einen angemessenen Platz für seinen Lieblingssport fand Kevin Smith trotzdem: Ein gemeingefährlicher, aus drei Jugendlichen bestehender Schlägertrupp benutzt für seine Gewalttaten Inliner (man muss sich ja schnell fortbewegen) und Hockeyschläger. Einer der drei stillen Jungs trägt außerdem ein Hockeyshirt (der fiktiven Mannschaft Highlands Clamdiggers), während der obig links abgebildete Bub' die obligatorische Comicreferenz des Films in Form eines thematisch überaus passenden Hellboy-Shirts am Leibe trägt. Der Kerl in der Mitte scheint mir dagegen eine Parodie von "Mr. Powerschuss" Fulton Reed aus Mighty Ducks zu sein. Dieser grimmige Blick, die trüb-zornigen Augen, die verwaschene Football-Kriegsbemalung...
Jay und Silent Bob schlagen zurück
Kevin Smiths problemlos auch als "Fanservice - Der Film" betitelbarer Beinahe-Abschluss seiner "View Askewniverse"-Reihe ist dermaßen mit Selbstreferenzen, Brüchen der vierten Wand und Serienkontinuitätsspielereien beschäftigt, dass für sonstige Traditionen nur der nötigste Raum blieb. Naja, mit mehreren Star Wars-Cameos hat sich Smith bei seinem Lieblings-Filmthema nicht zurückgehalten, dafür gibt es wie schon in Dogma gerade Mal ein Hockeyshirt zu bewundern. Andere Verweise auf Smiths Lieblingssport sucht man vergebens. Und sogar die Hockeyreferenz in Jay und Silent Bob schlagen zurück ist ein Selbstverweis Smiths: Randal trägt hier das gleiche CCCP-Trikot wie in Clerks.
Jersey Girl
Als bislang einziger von Kevin Smith selbst geschriebener Film, muss Jersey Girl ohne Hockey auskommen, was seinen Status als schwarzes Schaf nur weiter verstärkt. Dennoch hat der Film mehr Respekt verdient, wie ich finde, weshalb ich ihn auch nicht einfach aus diesem Artikel ausschließe. Statt einer Hockey-Abbildung serviere ich euch halt ein Filmbild der Grundschulaufführung von Sweeney Todd, die im Film vorkommt. Ganz einfach, weil ich's kann.
Clerks 2
Mit Clerks 2 macht Kevin Smiths Hauptschaffenswerk den Kreis vollkommen. Das "View Askewniverse" endet, wo es begann. Dass die Existenz von Hockes nun sogar auf die bloße Anwesenheit eines Tors und eines an die Tür gelehnten Schläger beschränkt wird, könnte der überengagierte Zuschauer als Brillanz auffassen: In einem Film, der in der Welt des Fast Foods spielt, kann der einzige mit größerer Präsenz gesegnete Sport bloß sowas wie langsam-spaßiges Kartfahren sein. Aber das ist eine Überinterpretation und reiner Zufall.
Spielt Kevin Smith mit Zack and Miri Make A Porno ein sicheres Spiel, oder stellte die Komödie mit Seth Rogen und Elizabeth Banks ein kleines Wagnis dar? Fans sind sich uneinig, wie sie Zack & Miri auf Smiths Weg zu einem anderen Filmemacher einordnen sollen. Klar ist schonmal: Den Verzicht auf Jay und Silent Bob kompensiert Smith mit einer Rückkehr zum Gefühl von Chasing Amy und einer Vielzahl an Hockey-Elementen, angefangen bei Elizabeth Banks im Pittsburgh-Penguins-Trikot. Und auch Star Wars-Fans haben einige Gründe, den Film zu sehen, aber das wäre Stoff für einen anderen Artikel.
Außerdem gibt es eine Stanley-Cup-Flagge der zu Drehbeginn zweifachen Siegermannschaft zu sehen. Die Verweise auf die Penguins dienen auch als Lokalkolorit: Zack and Miri Make A Porno spielt nicht in Kevin Smiths Heimatstaat New Jersey (so wie alle seine Filme zuvor, sondern in Pennsylvania, wo er auch gedreht wurde. Neben diesen Verweise auf Pennsylvanias Hockeymannschaft wird dem Drehort auch Tribut gezollt, indem die Figuren das nahe Pittsburgh gebraute Iron City Beer trinken. Auch die aus Zombie bekannte Monroeville Mall hat einen Auftritt, ebenso wie der aus Pittsburgh stammende Tom Savini.
Der Regisseurs des Pornos-im-Films, gespielt von Clerks-Veteran Jeff Anderson, wird derweil von einem Hockeyspiel der fiktiven Mannschaft Monroeville Zombies weggecastet.
Weniger Hockeyreferenz, als Selbsttribut: Genau wie bei den Dreharbeiten für Clerks müssen die Figuren aus Zack and Miri Make A Porno aus Geldmangel improvisieren, weshalb sie statt professioneller Angelmikros an einen Hockeschläger geklebte Standardmikros verwenden. Überhaupt haben die Umstände, die Zacks und Miris Filmdreh umgeben viele Parallelen zu Kevin Smiths Erfahrungen als Regiedebütant. Der einzige große Unterschied ist im Grunde, dass Zack und Miri schon in Farbe drehen können. Und dass in Clerks bloß über Sex geredet wurde.
Und zu guter Letzt erleben wir in Zack and Miri Make A Porno, wie sich eine der Hauptfiguren als Schießbudenfigur bei einem Hockeyspiel verdingt. Dieser Gag ist ein Überbleibsel von einem früheren Clerks 2-Drehbuchentwurf, in dem Randel (gespielt von Jeff Anderson) sich damit ein kleines Zubrot verdient.
Dies wären also die mal mehr, mal weniger einschneidenden Hockey-Referenzen aus Kevin Smiths bisherigem Schaffen. Wie es in Red State mit Hockey aussieht, weiß ich derzeit nicht, dafür scheint Hit Somebody den umgekehrten Weg zu gehen. Nachdem Smiths Filmwerk mit Hockey-Versatzstücken bespickt wurde, plant Smith, seinen Hockey-Film mit selbstreflexiven Gedanken zu versetzen und seinen evenuellen Abschiedsfilm außerdem mit Gastauftritten all seiner Wegbegleiter zu unterfüttern.
Weitere Artikel aus dieser Reihe:
Sonntag, 30. Januar 2011
Kevin Smith nimmt "Red State" nochmal in den Schneideraum
Als Kevin Smiths lang erwarteter Thriller/Horrorfilm Red State auf dem Sundance-Festival uraufgeführt wurde, waren die Reaktionen äußerst geteilt. Was aber die meisten Kritiken gemeinsam hatten, waren flammendes Lob für Michael Parks und die Kritik, dass der Film phasenweise zu zäh wurde, zehn Minuten schlanker wesentlich besser wäre. Auch Smiths jahrelanger Unterstützer Bob Weinstein schlug dies dem Regisseur vor.
Ich äußerte bereits die Furcht, dass Kevin Smith seit der kommerziellen Enttäuschung, die Zack & Miri Make a Porno erfuhr, nicht mehr in der Lage sei, diese Kritik aufzunehmen und umzusetzen. Glücklicherweise irrte ich: First Showing berichtet nun, dass er die Reaktionen während der Sundance-Premiere beobachtete um zu sehen, was besser und schlechter als erwartet ankam. Bevor Red State auf US-Tour geht, werde er sich den Film nochmal vorknöpfen, um im Schnitt seinem Werk die bestmögliche Form zu verpassen. Er vermutet, insgesamt fünf bis zehn Minuten schneiden zu müssen, wahrscheinlich auch Teile von Michael Parks zwanzigminütigem Monolog zu Beginn von Red State.
Im März startet die Red State-Zour durch Amerika, im Oktober kommt er regulär in die Kinos. Internationale Verleiher wurden bislang nicht gefunden (wurden sie überhaupt gesucht?).
Ich äußerte bereits die Furcht, dass Kevin Smith seit der kommerziellen Enttäuschung, die Zack & Miri Make a Porno erfuhr, nicht mehr in der Lage sei, diese Kritik aufzunehmen und umzusetzen. Glücklicherweise irrte ich: First Showing berichtet nun, dass er die Reaktionen während der Sundance-Premiere beobachtete um zu sehen, was besser und schlechter als erwartet ankam. Bevor Red State auf US-Tour geht, werde er sich den Film nochmal vorknöpfen, um im Schnitt seinem Werk die bestmögliche Form zu verpassen. Er vermutet, insgesamt fünf bis zehn Minuten schneiden zu müssen, wahrscheinlich auch Teile von Michael Parks zwanzigminütigem Monolog zu Beginn von Red State.
Im März startet die Red State-Zour durch Amerika, im Oktober kommt er regulär in die Kinos. Internationale Verleiher wurden bislang nicht gefunden (wurden sie überhaupt gesucht?).
Mittwoch, 5. Januar 2011
Die 100 zweitbesten Beleidigungen der Filmgeschichte
Vergangenen Juli machte ein hilfreiches Internetvideo die Runde. Es listete die 100 besten Beleidigungen der Filmgeschichte und half uns allen somit, unsere Schlagfertigkeit zu trainieren. Aber was, wenn man in den vergangenen Monaten sämtliche 100 Beleidigungen in seinen alltäglichen Konversationen mit Vorgesetzten, lahmhirnigen Dienstleistern, der Exekutive, dem ungeduschten Kommilitonen und sönstigen Störenfrieden aufgebraucht hat?
Nun, für diesen Fall gibt es die 100 nächstbesten Beleidigungen der Filmgeschichte! Holt den Notizblock, spitzt euren Bleistift und gebt gut acht:
Nun, für diesen Fall gibt es die 100 nächstbesten Beleidigungen der Filmgeschichte! Holt den Notizblock, spitzt euren Bleistift und gebt gut acht:
Mittwoch, 22. September 2010
Kevin Smith holt John Goodman in seinen "Red State"
Als Kevin Smith sagte, er wolle weder wirklich bekannte, noch unbekannte Schauspieler für Red State, sprach er offensichtlich nicht vom gesamten Ensemble.
Entweder das, oder er bricht sein eigenes Vorhaben. Wie /Film erfuhr, spielt nämlich auch John Goodman in Smiths Polit-Horrorthriller mit. Und diesen würde ich trotz Speed Racer nicht gerade zur Hollywood-Nichtprominenz zählen. Welche Rolle Ex-Fred-Feuerstein übernehmen wird ist unbekannt.
Dafür kann /Film berichten, dass Smith endlich mit den Dreharbeiten begonnen hat.
Zu den weiteren Ensemble-Mitgliedern des unabhängig finanzierten Projekts zählen Kevin Pollack, Dermot Mulroney (Die Hochzeit meines besten Freundes), Kyle Gallner (A Nightmare on Elm Street), Michael Angarano (Sky High), und Stephen Root (Männer, die auf Ziegen starren) und Michael Parks.
Entweder das, oder er bricht sein eigenes Vorhaben. Wie /Film erfuhr, spielt nämlich auch John Goodman in Smiths Polit-Horrorthriller mit. Und diesen würde ich trotz Speed Racer nicht gerade zur Hollywood-Nichtprominenz zählen. Welche Rolle Ex-Fred-Feuerstein übernehmen wird ist unbekannt.
Dafür kann /Film berichten, dass Smith endlich mit den Dreharbeiten begonnen hat.
Zu den weiteren Ensemble-Mitgliedern des unabhängig finanzierten Projekts zählen Kevin Pollack, Dermot Mulroney (Die Hochzeit meines besten Freundes), Kyle Gallner (A Nightmare on Elm Street), Michael Angarano (Sky High), und Stephen Root (Männer, die auf Ziegen starren) und Michael Parks.
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