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Montag, 15. April 2013

Meine 25 Lieblingsfilme 2012 (Teil III)

2013 setzt seinen Streifzug als äußerst bescheidenes Jahr fort. Doch uns bleibt ja noch immer der Blick in die Vergangenheit ...


Platz 13: Life of Pi (Regie: Ang Lee)
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass LiIfe of Pi einer dieser Filme ist, die mich vorab absolut kalt ließen. Und dies trotz Regisseur Ang Lee und zahlloser begeisterter Kritiken. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass aus dieser Geschichte ein packender Film entstehen würde. Doch ich wurde eines Besseren belehrt: Von den ersten Minuten an, in denen der durch und durch ruhige Pi einem ihm interviewenden Autoren seine märchenartige Vorgeschichte erzählt, mit all den verschrobenen Anekdoten, über das mitreißend gefilmte Schiffsunglück hin zur spannenden Schifffahrt mit dem im deutschen Titel genannten Tiger und bis zum philosophischen Schluss verfolgte ich gebannt das Leinwandgeschehen. Ang Lee und die Kamera- sowie Effektecrew schufen eine malerische visuelle Odyssee schufen eine dichte, nachdenklich-träumerische Atmosphäre. Weshalb der Film trotzdem nicht höher in meiner Gunst steht? Das ist schwer zu erläutern – so sehr ich Ang Lees Kinomärchen auch genoss, es scheiterte daran, den Clou der Erzählung mit so viel Nachhall zu vermitteln, wie ich es gern gehabt hätte. Das Buch hält sich länger an der Wende auf und das ist fürs literarische Medium auch in Ordnung, auf Film wiederum musste es rascher gehen – aber dennoch hätte es, im strengeren Wortsinne gesehen, effektreicher sein dürfen.



Platz 12: The Cabin in the Woods (Regie: Drew Goddard)
Ich als Liebhaber des gepflegten Metafilms komme einfach nicht umher, diesen witzigen und durchdachten Kommentar auf den Stand des Horrorgenres in meine Jahresbestenliste zu packen. Drew Goddards und Joss Whedons gewiefte Horrorsatire preist das Genre und stellt zugleich die Denkweise von Studiobossen und Zuschauern in Frage und erhöht den Schaffungsprozess eines Horrorfilms zu einem mythologischen Prozess. Der Film dekonstruiert seine Gattung und konstruiert zugleich sein eigens, humoriges und dennoch elaboriertes Universum. Das Ende, und damit meine ich wirklich den letzten Twist und nicht etwa den kompletten dritten Akt, ist, je nach Sichtweise, zu gemein oder nicht konsequent genug und vielleicht könnte The Cabin in the Woods noch ein wenig nervenaufreibender sein, aber alles in allem ist dieser Überraschungstreffer eine klare Empfehlung für alle Metafillm- und Slasherfreunde.


Platz 11: The Dark Knight Rises (Regie: Christopher Nolan)
So können die Erwartungen mit einem spielen. Ich war mir vor Kinostart des Finales von Christopher Nolans Batman-Trilogie sehr sicher, dass sich das Regiegenie einen Platz in meinen Top 5 des Filmjahres erkämpfen wird. Mir schwebte sogar schon eine Zusammenfassung vor, die ich, sollten meine Erwartungen erfüllt werden, in meiner Jahreslieblingsliste anbringen könnte, um auch den Wettstreit der Superheldenblockbuster anzureißen. „Die Superhelden-Filmhighlights des Jahres sind schwer zu vergleichen. Marvel's The Avengers ist das Geekfilmpendant dazu, beim Abschlussball mit der zuckersüßen Ballkönigin nach Hause zu gehen. The Dark Knight Rises dagegen ist eine jede Traumfantasie übertreffendes, psychologisch herausforderndes Date mit schockierendem, letztlich aber erfüllendem Verlauf. Das erste ist schön, das zweite kaum auszumalen … und erwies sich diesen Kinosommer als die atemberaubende Alternative zur ersten Option.“ Tja … schlussendlich war The Dark Knight Rises dann doch nicht das düstere, überdramatische Traum-Rendezvous, das ich mir erhofft hatte. Auch wenn mir Bane, die Dramaturgie des Films und die sich durch ihn durchziehende Atmosphäre wesentlich mehr gefielen als einigen anderen Zuschauern, so gab es unterm Strich im Jahre 2012 doch zehn Produktionen, die ich befriedigender fand, die ausgereifter erschienen und die ich etwas mehr ins Herz geschlossen habe. Allerdings traue ich es The Dark Knight Rises zu, dass er mit der Zeit wächst. Nolan rekontextualisiert seine Batman-Mythologie auf selbstbewusste Weise, weshalb ich diesen Bombastfilm beim zweiten Ansehen auch mehr mochte als beim ersten Mal. Die dritte Sichtung erfolgte etwas zu rasch, so dass mir einige der im Web vielfach zerrissenen Kleinigkeiten ebenfalls störend auffielen, selbst wenn ich etwa die Sprünge in der Dynamik zwischen Bruce Wayne und Selina Kyle oder die unebene Performance von Marion Cotillard noch immer auf eine vergleichsweise leichte Schulter nehme. Dennoch riss diese Sichtung den dritten Einsatz von Nolans Batman aus den Top 10 raus. Ich bin mir sicher, dass ich ihn in Zukunft wieder höher ansiedeln würde, allerdings kann ich nicht sagen wo und ich mag diese Rangliste nicht auf Spekulationen ergründen. Von daher: Sorry, Bruce. Keine Platzierung in den Top 10 für dich, dieses Mal ...


Platz 10: Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende derWelt (Regie: Lorene Scafaria)
      Lorene Scafaria lässt die Welt untergehen – und in ihrem Gesellschaftsbild zieht die Nachricht des garantierten Endes unser aller Tage eine ungeheuerliche, niemals endende Party mit sich. Koks, Gewalt und Rudelbummsen – wo es kein Morgen gibt, gibt e nichts zu bereuen. Aber nicht alle ticken so. Steve Carrell vertritt in dieser melancholischen Indie-Komödie den Schlag Mensch, der angesichts des nahenden Todes statt anonymen und oberflächlichen Spaß lieber die Suche nach erfüllender Liebe in Angriff nimmt. Und so rennt er seiner Jugendliebe nach, deren romantisches Geständnis, dass sie ihn zurück will, viel zu spät erreicht hat. Begleitet wird er von einer liebenswürdig-verpeilten jungen Frau, gespielt von Keira Knightley, die nach einem Streit mit ihrem Lebensgefährten lieber im Beisein ihrer Familie sterben möchte. Melancholisch, warmherzig, liebenswert und humorvoll – für mich der bislang schönste Weltuntergangsfilm, der aus dem aktuellen Boom rund um dieses Thema entstanden ist.

Platz 9: Argo (Regie: Ben Affleck)
Kann man sich enorm über den Oscar-Sieg eines Films freuen, obwohl er nicht sein Lieblingsfilm des Jahres ist? Natürlich! Argo belegt zwar „nur“ den neunten Rang in meiner persönlichen Favoritenliste des Jahres 2012, dennoch gehöre ich zu denen, die Ben Afflecks Thrillerdrama als gute Wahl der Academy ansehen. Argo ist einer dieser Filme, die beweisen, dass das Zusammenspiel aller einzelnen Elemente mehr wiegen kann als eine einzelne herausragende Leistung. Argo hat nicht die beste Musik, die besten Zitate, die besten darstellerischen Leistungen oder die beste Kamera des vergangenen Kinojahres zu bieten. Jedoch greifen alle guten Elemente dieses Films so zusammen, dass ein sehr gutes Ganzes entsteht. Affleck erzählt unaufgeregt und mit liebevollem Auge für Kleinigkeiten die Geschichte einer absonderlichen, doch wahren CIA-Rettungsaktion. Seine dritte Regiearbeit ist spannend, witzig und handwerklich grandios. Beim wiederholten Ansehen nutzt sich Argo in meinen Augen ein wenig ab, da es nicht viel zu entdecken gibt, das nicht auf Anhieb bewusst wird, dennoch ist es die Art von „Smart Popcorn“, die es bitte wieder häufiger im Kino zu bewundern geben sollte.


Platz 8: Drive (Regie: Nicolas Winding Refn)
Wenn Quentin Tarantino sich vornehme, einen The Transporter-Abklatsch zu inszenieren, nachdem er sich Lost in Translation ansah und aufgrund dessen beschloss, sich stilistisch etwas stärker an Sofia Coppola zu orientieren, dann würde wohl so etwas wie Drive dabei herauskommen. Ein Charakterdrama von einem B-Actionthriller mit schwelgerischem Retroflair, vielen ruhigen Momenten und derber Gewalt. Drive wird in den kommenden Jahren sicherlich sehr häufig kopiert, aber ich bezweifle, dass all die zu diesem Werk aufsehenden Newcomer etwas erschaffen können, das an die Klasse dieses Werks heranreichen wird. Dieser Ausnahmefilm ist, wie man im Englischen so schön sagt, „Lightning in a bottle“.


Platz 7: Young Adult (Regie: Jason Reitman)
Jason Reitman und Diablo Cody feierten mit Juno einen gigantischen Kritikererfolg und auch beim Publikum kam die sarkastische, doch auch optimistische Teenie-Dramödie sehr gut an. Ich jedoch finde viel mehr Gefallen an der zweiten Kooperation des Duos. In Young Adult kehrt die gescheiterte Autorin Mavis Gary, hervorragend gespielt von Charlize Theron, in ihre alte Heimatstadt zurück, um ihren Jugendfreund aus seiner erdrückenden Ehe zu retten. Was folgt ist eine deprimierende, rabenschwarze und rücksichtslos-freche, zugleich sehr wohl lebensnahe Erzählung des Chaos, des Selbstbetrugs und der Unbelehrbarkeit. Theron gefällt mir hier mehr denn je und legt nie weniger als mindestens drei Gefühle gleichzeitig zu Tage, die Dialoge sind messerscharf und die findige Charakterisierung in dieser tristen Komödie sorgt für ins Schwarze treffende Selbsterkenntnis sowie für hübsche Fremdscham. 


Platz 6: Marvel's The Avengers (Regie: Joss Whedon)
Marvels E-Ticket-Ride: Dies ist eine höchst vergnügliche Achterbahnfahrt unter den Popcorn-Blockbustern. Spaßige, denkwürdige Charaktere spielen einander die Bälle zu, die Action ist rasant und spannend und alle Beteiligten glühen vor Ambition. Entertainment der obersten Güteklasse. 


Siehe auch:

Donnerstag, 10. Januar 2013

Oscars 2013: Meine restlichen Prognosen


Wird mir mit dem letzten Drücker das Glück der Spontanen hold sein?

Beste Regie

  • Ben Affleck - Argo
  • Steven Spielberg - Lincoln
  • Kathryn Bigelow - Zero Dark Thirty
  • Ang Lee - Life of Pi
  • Quentin Tarantino - Django Unchained
Beste Kostüme
  • Jacqueline Durran - Anna Karenina 
  • Raco Delgado - Les Misérables 
  • Jacqueline West - Argo
  • Joanna Johnston - Lincoln
  • Kasia Walicka-Maimone - Moonrise Kingdom
Bester Schnitt
  • William Goldenberg - Argo
  • Dylan Tichenor & William Goldenberg - Zero Dark Thirty
  • Michael Kahn - Lincoln
  • Fred Raskin - Django Unchained
  • Tim Squyres - Life of Pi
Bestes Szenenbild
  • Anna Karenina
  • Lincoln
  • Les Misérables
  • Moonrise Kingdom
  • Cloud Atlas
Bester Tonschnitt
  • Zero Dark Thirty
  • Skyfall
  • Django Unchained
  • The Dark Knight Rises
  • Marvel's The Avengers
Bester Ton
  • Les Misérables
  • Zero Dark Thirty
  • Der Hobbit - Eine unerwartete Reise
  • Django Unchained
  • The Dark Knight Rises
Beste Dokumentation
  • Searching for Sugar Man
  • The Gatekeepers
  • How To Survive a Plague
  • Bully
  • The Invisible War
Bester animierter Kurzfilm
  • Paperman
  • Adam and Dog
  • The Eagleman Stag
  • Dripped
  • Fall of the House of Usher
Bester Kurzfilm
  • Death of a Shadow
  • Curfew
  • When you find me
  • 9meter
  • A Fabrica
Bester Doku-Kurzfilm
  • The Perfect Fit
  • Open Heart
  • Inocente
  • Redemption
  • Mondays at Racine
Bester fremdsprachiger Film
  • Liebe
  • Ziemlich beste Freunde
  • No
  • Kon-Tiki
  • Sister
Siehe auch folgende Prognosen:

Sonntag, 6. Januar 2013

Oscar 2013: Die möglichen Nominierungen in der Kategorie "Beste Filmmusik"


Eine der Oscar-Kategorien, bei denen ich Jahr für Jahr am intensivsten mitfiebere, ist die für die beste Original-Filmmusik. Erstens, weil ich großer Fan von instrumentaler Filmmusik bin, zweitens, weil ich Jahr für Jahr große Favoriten habe, die ich unbedingt gewinnen sehen will und drittens, weil es in dieser Sparte unfassbar schwer ist, den Gewinner vorherzusagen.

Da die Academy einige sinnige Einschränkungen hat, welche Scores am Rennen um den Oscar teilnehmen dürfen (so sind Filmmusiken, die zu einem hohen Anteil die Scores früherer Filme kopieren nicht nominierbar) und auch allerhand unsinnige (Instrumentalmusik darf sich nicht an verwendeten Lieder bedienen, ebenso wie Scores in Filmen, die zudem zu einem gewissen Teil von der Verwendung bereits existierender Stücke leben und Musiken, an denen zahlreiche Komponisten arbeiteten), stellt sich zudem einmal im Jahr die Frage, welche Filme überhaupt für diese Kategorie qualifiziert sind.

Dieses Jahr zum Beispiel flog schon im Vorfeld einer meiner absoluten Favoriten aus dem Oscar-Rennen: Alexandre Desplats gehoben-verschrobene Benjamin-Britten-Hommage aus Wes Andersons Goldstück von einem Film, Moonrise Kingdom. Seine kindlich-naiv elaborierte Suite, die sich von verschüchtert zu unheilvoll steigert ist einfach fantastisch, macht aber auch bloß einen kleinen Teil des Klangteppichs von Andersons Sommerjugendromanze aus, der auch aus Song-Kleinoden, Kinderopern und Klassikstücken besteht.

Qualifiziert hat sich derweil Hans Zimmers Komposition für The Dark Knight Rises, nachdem die einschneidende Musik zum Vorgänger wegen zu vielen Mitwirkenden nicht nominiert werden konnte. Da auch vereinzelt Themen aus den ersten beiden Filmen im Trilogiefinale vorkommen, war The Dark Knight Rises, wie so viele Fortsetzungen, kein sicherer Kandidat für die nachfolgende Liste aller qualifizierter Kompositionen, aber Zimmer hielt sich mit den Rückgriffen ausreichend zurück. Auch Johnny Greenwood, der für There Will Be Blood die rote Karte sah, darf sich für Paul Thomas Andersons neuen Film The Master Hoffnungen machen.

Es folgen alle 104 möglichen Nominierungen für die beste Original-Filmmusik. Meine Vorauswahl ist fett markiert, anschließend verkürze ich sie auf meine fünf Oscar-Tipps.

       "Abraham Lincoln: Vampire Hunter," Henry Jackman,
       "After the Wizard," Stephen Main,
       "Alex Cross," John Debney & Sebastian Morton,
       "The Amazing Spider-Man," James Horner,
       "Anna Karenina," Dario Marianelli,
       "Argo," Alexandre Desplat,
       "Battleship," Steve Jablonsky,
       "The Bay," Marcelo Zarvos,
       "Beasts of the Southern Wild," Dan Romer & Benh Zeitlin,
       "Being Flynn," Damon Gough,
       "The Best Exotic Marigold Hotel," Thomas Newman,
       "Big Miracle," Cliff Eidelman,
       "Booker's Place: A Mississippi Story," David Cieri,
       "Brave," Patrick Doyle,
       "Brooklyn Castle," B. Satz,
       "Chasing Ice," J. Ralph,
       "Chasing Mavericks," Chad Fischer,
       "Chicken with Plums," Olivier Bernet,
       "Chimpanzee," Nicholas Hooper,
       "Cloud Atlas," Reinhold Heil & Johnny Klimek,
       "Compliance," Heather McIntosh,
       "Contraband," Clinton Shorter,
       "The Dark Knight Rises," Hans Zimmer,
       "Dark Shadows," Danny Elfman,
       "Darling Companion," James Newton Howard,
       "Deadfall," Marco Beltrami & Buck Sanders,
       "The Dictator," Erran Baron Cohen,
       "Dr. Seuss' The Lorax," John Powell,
       "End of Watch," David Sardy,
       "Ethel," Miriam Cutler,
       "Flight," Alan Silvestri,
       "For a Good Time, Call..." John Swihart,
       "For Greater Glory: The True Story of Cristiada," James Horner,
       "Frankenweenie," Danny Elfman,
       "Fun Size," Deborah Lurie,
       "Girl in Progress," Christopher Lennertz,
       "The Grey," Marc Streitenfeld,
       "The Guilt Trip," Christophe Beck,
       "Hidden Moon," Luis Bacalov,
       "Hitchcock," Danny Elfman,
       "The Hobbit: An Unexpected Journey," Howard Shore,
       "Hotel Transylvania," Mark Mothersbaugh,
       "House at the End of the Street," Theo Green,
       "The Hunger Games," James Newton Howard,
       "Hyde Park on Hudson," Jeremy Sams,
       "Ice Age Continental Drift," John Powell,
       "The Impossible," Fernando Velázquez,
       "Jack Reacher," Joe Kraemer,
       "John Carter," Michael Giacchino,
       "Journey 2: The Mysterious Island," Andrew Lockington,
       "Lawless," Nick Cave & Warren Ellis,
       "Life of Pi," Mychael Danna,
       "Lincoln," John Williams,
       "Lola Versus," Will Bates & Philip Mossman,
       "Looper," Nathan Johnson,
       "The Lucky One," Mark Isham,
       "LUV," Nuno Malo,
       "The Man with the Iron Fists," RZA & Howard Drossin,
       "Marvel's The Avengers," Alan Silvestri,
       "The Master," Jonny Greenwood,
       "Men in Black 3," Danny Elfman,
       "Middle of Nowhere," Kathryn Bostic,
       "Mirror Mirror," Alan Menken,
       "The Odd Life of Timothy Green," Geoff Zanelli,
       "On the Road," Gustavo Santaolalla,
       "The Pardon," Ashley Irwin,
       "Parental Guidance," Marc Shaiman,
       "People Like Us," A.R. Rahman,
       "The Possession," Anton Sanko,
       "Prometheus," Marc Streitenfeld,
       "Promised Land," Danny Elfman,
       "The Raid: Redemption," Mike Shinoda & Joseph Trapanese,
       "Red Tails," Terence Blanchard,
       "Rise of the Guardians," Alexandre Desplat,
       "Ruby Sparks," Nick Urata,
       "Safe House," Ramin Djawadi,
       "Safety Not Guaranteed," Ryan Miller,
       "Saint Dracula," Sreevalsan J. Menon,
       "Savages," Adam Peters,
       "Seeking a Friend for the End of the World," Rob Simonsen & Jonathan Sadoff,
       "The Sessions," Marco Beltrami,
       "Sinister," Christopher Young,
       "Skyfall," Thomas Newman,
       "Smashed," Eric D. Johnson & Andy Cabic,
       "Snow White and the Huntsman," James Newton Howard,
       "Taken 2," Nathaniel Mechaly,
       "Ted," Walter Murphy,
       "Think Like a Man," Christopher Lennertz,
       "This Means War," Christophe Beck,
       "A Thousand Words," John Debney,
       "The Three Stooges," John Debney,
       "Trashed," Vangelis,
       "Trouble with the Curve," Marco Beltrami,
       "21 Jump Street," Mark Mothersbaugh,
       "The Twilight Saga: Breaking Dawn Part 2," Carter Burwell,
       "Until They Are Home," Jamie Dunlap,
       "War of the Worlds The True Story," Jamie Hall,
       "The Watch," Christophe Beck,
       "West of Memphis," Nick Cave & Warren Ellis,
       "Where Do We Go Now?" Khaled Mouzanar,
       "Won't Back Down," Marcelo Zarvos,
       "The Words," Marcelo Zarvos,
       "Wreck-It Ralph," Henry Jackman,
       "Zero Dark Thirty," Alexandre Desplat,  

Selbst wenn man die 104 möglichen Nominierungen auf 15 Kandidaten runterkürzt, fällt es ungeheuerlich schwer, das Feld auf die endgültigen, glücklichen Fünf zu kürzen. Sehr sicher fühle ich mich bei Anna Karenina, denn Dario Marianelli wurde bislang für jede der Literaturverfilmungen des Gespanns Joe Wright/Keira Knightley nominiert (einmal ging er sogar als Gewinner hervor) und Tolstois Dreiecksgeschichte begleitet er mit zurückhaltender, aber ausdrucksstarker und ergreifender Kammermusik, die zudem schon für einige Indikatorpreise nominiert wurde. Auch Life of Pi ist mit seiner multiethnischen, unaufdringlich esoterischen Note ein nahezu gesetzter Kandidat.

Ansonsten wird es wirklich schwer, richtig zu tippen. Lincoln ist allgemein recht beliebt und John Williams ist ein Liebling der Academy, was sich gegenseitig zu einer Nominierung hochschaukeln dürfte. Beim Hobbit stellt sich die Frage, ob die Academy-Musikbranche das Leitthema als Song würdigt oder lieber als Instrumentalstück. Oder halt doppelt. Und wieso darf Howard Shore, was Alan Menken nicht mehr darf?

Alexandre Desplat läuft Gefahr, sich selbst Stimmen zu klauen. Aus Zero Dark Thirty ist mir nicht eine einzige Melodie hängen geblieben, Argo hingegen hat eine einprägsamere Musikbegleitung. Allerdings könnte es sein, dass die weniger aufdringlichere Zero Dark Thirty-Musik ihre Fans findet. Im Falle von The Master kann man mit ein paar "Sorry, wegen There Will Be Blood"-Stimmen rechnen, John Carters genialer Score ist eigentlich ein Muss, leidet aber am frühen Starttermin des Films und der lauwarmen Reaktion gegenüber Andrew Stantons Realfilmdebüt.

Brave aka Merida ist akustischer stärker als inhaltlich, aber kann sich der Film in einem so umkämpften Score-Jahr durchsetzen? Und wie sieht es mit The Dark Knight Rises aus? Die Academy hat zweifelsfrei keine Probleme mit lauten, bombastischen Blockbuster-Scores, wie Zimmers jüngste Nominierungen für Inception und Sherlock Holmes beweisen, aber jene hatten einen eifrigeren Awardhype als die aggressiven The Dark Knight Rises-Klänge, die in der Diskussion von der Debatte um die Qualität des eigentlichen Films überschattet wurden. Zieht dieses Jahr der Minimalismus  der Marke Beasts of the Southern Wild an solchem Bombast vorbei?

Mit argem Bauchweh tippe ich auf folgende Nominierungen:

  • Anna Karenina, Dario Marianeill
  • Life of Pi, Mychael Danna
  • Lincoln, John Williams
  • Argo, Alexandre Desplat
  • Beasts of the Southern Wild, Dan Romer & Benh Zeitlin
Wäre ich am Drücker und dürfte nominieren, sähe das Feld übrigens so aus:
  • The Dark Knight Rises, Hans Zimmer
  • Anna Karenina, Dario Marianeill
  • John Carter, Michael Giacchino
  • Life of Pi, Mychael Danna
  • Beasts of the Southern Wild, Dan Romer & Benh Zeitlin
Eine Ehrennennung ginge an Marvel's The Avengers, für den Alan Silvestri einige geniale Themen geschrieben hat, sowie an Merida. Ginge es um die besten Einzelstücke und nicht das beste akustische Gesamtwerk, wären diese beiden Filme an Stelle von Life of Pi sowie Beasts of the Southern Wild drin. Selbiges gilt auch für den Hobbit, aber da bin ich mal päpstlicher als die Academy und sage: "Sorry, Misty Mountains ist ein Song und wird intensiv als Score rezitiert, wenn Alan Menken das nicht darf, dann auch nicht Howard Shore!"

Freitag, 28. Dezember 2012

"Project X" ist Film des Jahres ... auf der Filmpiraten-Hitliste


Drei unsympathische Protagonisten, darunter ein zum Kotzen selbstüberzeugtes Plappermaul mit dem Wortschatz einer Jauchegrube, zahllose Wackelkameras, ein anstrengender Soundtrack und ein hauchdünner Alkoholfilm an Handlung. Schon ist er fertig, der Filmerfolg des Jahres. Naja, zumindest in Filmpiratenhausen.

Der Partyfilm Project X fiel nicht nur mir auf den Wecker, sondern auch weiteren Bloggerkollegen, an den Kinokassen machte die Assiparade mit weltweit 100 Millionen Dollar für einen verwackelten No-Budget-Film ohne Stars noch vergleichsweise viel Geld. Viel mehr Leute haben sich aber geweigert, für diesen Film zu zahlen und ihn stattdessen runtergeladen. Wie TorrentFreak meldet, ist Project X nämlich mit 8,72 Millionen Downloads der am meisten illegal gedownloadete Film des Jahres.

Besseren Geschmack bewiesen die Entertainmentpiraten sowohl bei den Serien des Jahres als auch auf den Plätzen zwei bis fünf, auf denen sich Mission: Impossible – Phantom Protokoll, The Dark Knight Rises, The Avengers und Sherlock Holmes: Spiel im Schatten befinden. Platz sechs ging an 21 Jump Street, es folgen Verblendung, Der Diktator, Ice Age 4 und Breaking Dawn 2.

Samstag, 1. Dezember 2012

Oscar 2013: Die 10 möglichen Effekt-Kandidaten


Die Oscar-Saison gewinnt an Spannung. Die ersten "Shortlists" werden bekannt gegeben, also die Listen, mit denen die Academy-Abteilungen das Feld der möglichen Nominierungen eingrenzen, so dass wir Kinoliebhaber etwas zum rätseln haben. Heute: Die 10 möglichen Nominierungen in der Kategorie "Beste Spezialeffekte" ...

  • The Amazing Spider-Man 
  • Cloud Atlas 
  • The Dark Knight Rises 
  • The Hobbit: An Unexpected Journey 
  • John Carter 
  • Life of Pi 
  • Marvel’s The Avengers 
  • Prometheus 
  • Skyfall 
  • Snow White and the Huntsman
Meine fünf Wunschkandidaten sind The Dark Knight RisesJohn CarterMarvel's The AvengersPrometheus und Skyfall (da ich den Hobbit noch nicht sah). Ich denke, dass der Hobbit in der Liste der tatsächlichen Nominierungen Skyfall ersetzt und Cloud Atlas wohl leider John Carter.

Freitag, 19. Oktober 2012

Kameragenie Wally Pfister findet "The Avengers" schlecht fotografiert


Bevor der Kinosommer 2012 losging, ahnte, ja, fürchtete man als leidenschaftlicher Filmfreund eine unschlichtbare Debatte, die unschöne, hitzige Argumente nach sich ziehen könnte. Der Kampf der Superhelden-Epen und ihrer Fans kündigte sich an, standen der Popcornspaß The Avengers und Christopher Nolans lang ersehnter Abschluss seiner The Dark Knight-Saga an. Sofern ich die vergangenen Wochen nicht ausschließlich die ruhigsten Ecken des Internets aufgesucht haben sollte, so blieb der erwartete Killerstreit aus. Selbstredend trollten manche The Avengers-Fans Batman-Liebhaber, weil The Dark Knight Rises nicht das Kritikerlob einheimste, welches dem Vorläufer zuteil kam, ebenso musste Marvels The Avengers einstecken, weil er weniger Risiken einging. Allgemeinhin schienen Comicfans und Blockbusterfreunde aber friedlich zum Entschluss gekommen zu sein, dass wir uns einfach über den Superhelden-Supersommer freuen sollten.

Nun gießt ausgerechnet Wally Pfister, der geniale Stammkameramann Christopher Nolans, Öl ins Feuer. In einem (mittlerweile um die entsprechende Stelle gekürzten) Interview mit der Harald Tribute, sagt der für Inception mit dem Oscar ausgezeichnete Kameramann:

"Was wirklich wichtig ist, ist das Storytelling. Es ist alles bedeutungslos, wenn es nicht die Geschichte unterstützt. Ich fand, dass The Avengers ein entsetzlicher Film war. Sie filmten aus irgendeinem seltsamen Winkel und ich fragte mich 'Wieso ist die Kamera dort? Oh, ich weiß, sie ist dort, weil sie eine halbe Million Dollar für das Set ausgegeben haben und das zeigen müssen.' Es hat mich völlig aus dem Film gerissen, diese unlogische Form des Geschichtenerzählens hat mich völlig wahnsinnig gemacht."

Was ist nun von Pfisters Urteil zu halten? Nun, zunächst einmal: Da das Zitat mittlerweile aus dem ursprünglichen Interview entfernt wurde, liegt die Vermutung nahe, dass der The Dark Knight-Filmer diese Stelle nicht für die Medienöffentlichkeit bestimmte und nicht öffentlich über erfolgreiche Kollegen des selben Metiers herziehen wollte. Dass Pfister im Rahmen einer Vortragsreihe allerdings auch Negativbeispiele aktueller Kameraarbeiten heranzieht, ist völlig legitim, und so sei es ihm generell gestattet, über Kollegen zu urteilen. Das hat meiner Ansicht nach nichts mit Neid oder Unprofessionalität zu tun, selbst wenn ihm das momentan viele vorwerfen.

Doch bietet sich The Avengers tatsächlich für solch harsche Kritik an? Ich zumindest kann Pfisters Argument schwer nachvollziehen, mir persönlich viel dieses Superheldenstelldichein sogar als besonders gut fotografierter Film auf, ein Urteil, dass ich selbst nach viermaligem Anschauen nicht revidieren möchte. Es lassen sich einige Beispiele für gutes Framing und tolle Kameraführung finden, wie etwa die Sequenz im großen Actionfinale, die jedem der Helden in Manhattan im Einsatz zeigt. Ohne Schnitt von Held zu Held, jeder bekommt seinen kleinen Glanzmoment, die Szene ist sowohl übersichtlich als auch dynamisch und stellt gleichermaßen dar, welch ein Team die Avengers mittlerweile sind, wie auch die kämpferischen Fähigkeiten des Einzelnen. Diese Szene war das cinematografische Pendant einer doppelseitigen Splashpage, die in einem einzelnen Bild mehrere Aktionen zusammen abbildet, also ein wahrhaftig künstlerisch wie technisch ausgefeilter Comicfilm-Höhepunkt.

Ebenfalls besonders gelungen ist die im Marketing ausgeschlachtete 360°-Kamerafahrt rund um das Heldenteam. Solche Aufnahmen sind in Actionfilmen keine Seltenheit, und mit etwas triumphaler Musik wirkt so eine Kreisfahrt fast automatisch epochal, doch Avengers-Kameramann Seamus McGarvey verzichtet darauf, Michael Bay zu kopieren und platziert die Kamera nicht etwa in einem Froschwinkel, sondern auf Augenhöhe mit den Helden, was subtil die Bildwirkung von "Woah, was geht hier nur vor?" zu "Diese Leute haben es drauf und ergänzen sich" verschiebt. Kein Meilenstein der cinetmatografischen Geschichtsschreibung, trotzdem überaus gelungen.

Was also könnten die dem Film schadenden, störend-seltsamen Einstellungen sein, von denen Pfister spricht? Mir fallen wirklich nur zwei Momente ein, in denen McGarvey etwas exzentrischeres versucht, und eine davon ist die Verhörsequenz zwischen Black Widow und Loki. Wenn der zunächst sehr stille Loki sein Gegenüber einschüchtert, seine mit Hass erfüllte Drohung ausspricht und sich in seiner Abscheulichkeit aalt, fängt McGarvey aus einem Dutch Angle die spiegelnde Gaswand ein, der sich Loki nähert und außerhalb derer sich Black Widow befindet. Auf der Glaswand reflektiert der schwadronierende Gott, sein Spiegelbild verzerrt zu einer monströsen Fratze. Diese Aufnahme riss mich kurz aus dem Film, nicht aber, weil sie selbstgefällig ist, sondern weil ich eine so gekonnt augeleuchtete und geframte Aufnahme nicht in diesem Popcornspaß erwartet habe. Und insbesondere in 3D, wo sich die Reflektion in einer anderen Tiefenebene abspielt, als Black Widows schockierte Mimik und das Innere von Lokis Glaskäfig, vermittelt diese Aufnahme mit voller Wucht, dass Loki gerade auch für seine Verhältnisse richtig hässlich handelt.

Bleibt somit nur ein Moment, in welchem ich Pfisters Kritik verstehen kann: Während sich das Team von Helden streitet, zoomt die Kamera zurück, zeigt Lokis machtvolles Szepter und dreht sich, bis das Bild Kopf steht. Es ist ein aufgesetzter visueller Kniff, um die entstehende Kluft im Team darzustellen und beim Publikum Unbehagen auszulösen, und immer, wenn diese Szene kommt, wundere ich mich, was diese kleine Kamerafahrt soll. Jedoch ist es ein sehr, sehr kurzer Moment in einem ansonsten wundervoll fotografierten Actionfilm, der das Tempo eines guten Michael-Bay-Films hat, aber wesentlich, wesentlich übersichtlicher gelang.

Dennoch: Niemand sollte Pfister wegen seiner Kritik an The Avengers schlecht machen. Er ist einer der besten aktiven Kameramänner Hollywoods und blickt auf seine Profession mit einem Hintergrundwissen, welches wir nicht haben. Zudem sind seine Kameraarbeiten hypnotischer, selbst Aufnahmen wie das querstehende Hotel in Inception oder das Leuchtfeld in Prestige erwecken bei mir keine "Wow, cool!"-Rufe, sondern stehen im laufenden Film ganz im Dienste der Story und Atmosphäre, erst wenn sie aus ihrem Kontext gelöst werden, erstaunen sie so, wie die 360°-Fahrt in Avengers. Pfister verfolgt also eine andere Schule als McGarvey. Da sind Differenzen nicht zu vermeiden ...

Samstag, 21. Juli 2012

The Dark Knight Rises


Vier Jahre sind vergangen, seit The Dark Knight die Kinowelt in Aufruhr versetzte. Ein intelligent geschriebener, komplex gesponnener Action-Thriller mit tiefschürfenden Darbietungen, basierend auf den Batman-Comics, eroberte nicht nur im Sturm die Herzen der Kino-Kritiker, sondern katapultierte sich in die oberen Ränge der Hitliste, die für die erfolgreichsten Filme aller Zeiten reserviert ist. Christopher Nolan übertraf die Erwartungen vieler, die nach seinem bereits hoch respektierten Batman Begins gebannt waren, wie er seine psychologisch-dramatische Interpretation des Rächers und dunklen Ritters weiterführen wird, schürte so aber auch sofort wieder Anspannung. Kann die Batman-Reihe ohne Heath Ledger und seine alles überschattende Darstellung des Jokers angemessen fortgeführt werden? Wie kann die Fortsetzung von The Dark Knight die so hoch angesetzte Messlatte noch nehmen und die Saga konsequent auf eine höhere Ebene führen, ohne zur reinen Materialschlacht zu verkommen?

Noch während The Dark Knight seinen Siegeszug vollführte, der unter anderem acht Oscar-Nominierungen (darunter zwei Siege, einmal für den Tonschnitt und einen Nebendarsteller-Oscar für Ledger) sowie kurzzeitig Platz 1 in der ewigen Bestenliste der IMDb beinhaltete, überschlugen sich die Spekulationen. Früh schien sich die Internet-Fangemeinde einig, dass Catwoman und der Riddler Teil eines weiteren Bat-Abenteuers sein müssen. Doch wäre ein Verrückter, der gerne Rätsel aufgibt, nicht zu nah am Joker? Und Catwoman könnte für Nolan gewiss zu kitschig sein ... Überhaupt – wie düster wird wohl die Fortführung von Batman Begins und The Dark Knight? Der Regisseur und Autor, der zwei Jahre nach seinem Milliarden-Dollar-Kassenerfolg mit Inception eine melancholische, vergrämte Liebesgeschichte im Gewand eines Science-Fiction-Action-Kriminalthrillers erzählte, betonte dereinst in einem Interview, optimistische Filme zu drehen. Wenn jedoch der Mann, der einen Superheldenfilm erschafft, in dem die Hauptfigur lernen muss, dass sie Soziopathen erst dazu inspirierte, massive Verbrechen zu begehen, und dass sie deswegen den schmerzvollen Lebensweg eines Gejagten einnehmen muss, sein eigenes Werk als "optimistisch" betrachtet – so darf der spekulierende Filmfreund über diese Sichtweise sicherlich zynisch lächeln und sich ein ganz besonders "optimistisches" Finale der Saga ausmalen.

Die Zeit der Spekulationen hat nunmher ein Ende gefunden, denn Christopher Nolans Interpretation Batmans kommt für ein drittes und letztes Mal ins Kino. Mit der Rückkehr des dunklen Ritters in Fledermausmaske und Cape erfährt das geneigte Kinopublikum auch die Rückkehr diverser Stilmittel, welche für Christopher Nolan typisch sind, in The Dark Knight allerdings nur in subtilerer Form aufkamen oder sogar gänzlich fehlten. Das Finale dieser Batman-Trilogie lässt die Handschrift ihres Schöpfers deutlicher erkennen, wodurch es sich Batman Begins annähert und als konsequenter Kreisschluss dient. Schilderte The Dark Knight unvermittelt den einschneidenden Wendepunkt in Batmans Werdegang, bildete ein großes Ereignis ab, umfassen Batman Begins und The Dark Knight Rises komplexere Prozesse – nämlich jene, die zum Anfang und zum Ende dieser Batman-Saga führen. Was in der Zwischenzeit geschah, soll dem Zuschauer zwar durchaus interessant vorkommen, ist für Christopher Nolan allerdings nicht von größerem Belang, so dass er die Übergänge zwischen Anfangsphase, Wendepunkt und Schlussphase seiner Trilogie bewusst in einem Schleier der Mystik verhüllt. Insbesondere im ersten Akt von The Dark Knight Rises werden Fragen aufgeworfen, wohlweislich inhaltliche Lücken gelassen und Geheimnisse gestreut.

Seit Commissioner Gordon die Jagd auf Batman eröffnen musste, damit dieser sich als der Schuldige hinter den Taten des durch den Joker in den Wahnsinn getriebenen Harvey Dent inszenieren konnte, ist vieles in Gotham geschehen; das meiste davon reißen die für das Drehbuch verantwortlichen Brüder Jonathan & Christopher Nolan allerdings bloß an. Neue Bekanntschaften wurden geschlossen, Bindungen wurden gekappt, einige der Figuren veränderten ihre Position in der Welt – oder gar die Position, die sie der Welt gegenüber einnehmen. So ist unter anderem nicht nur Batman, zu Beginn von The Dark Knight noch ein Vorbild vieler Einwohner Gothams, zu einer finsteren Persönlichkeit verkommen, es färbte auch auf Bruce Wayne ab, den wir in The Dark Knight Rises anfangs ohne nähergehende Erläuterungen als zurückgezogenen, verbitterten Mann vorfinden. Die zahlreichen offenen Stellen in Nolans Batman-Mythos machen es möglich, ihn überhaupt als solchen aufzufassen, obwohl er so firm in einer realistischen Welt verankert ist. Die vielen, nie aber zentralen Rätsel dienen der Weltenbildung, geben das Gefühl, dass mehr als das bloße Erzählte hinter der Geschichte steckt. Somit ist es auch ein spannungsförderndes Stilmittel, es soll das Publikum an den Rand des Kinosessels ziehen, gebannt, ein sichereres Gefühl für die Figuren, Hintergründe und Ereignisse zu entwickeln. Zugleich riskiert Nolan somit, seine Zuschauer von der Handlung zu distanzieren. Erst recht, nachdem er sie in The Dark Knight unmittelbar an Batmans Kampf gegen den ein perfides Spiel treibenden Joker teilhaben ließ, kann sein Einstieg in The Dark Knight Rises etwas entfremdendes an sich haben, da es sich nun um eine gänzlich andere Form von Spannungsbildung handelt.


Selbstredend arbeitet selbst ein Christopher Nolan, welcher weder über eine E-Mail-Adresse noch über ein Handy verfügt, nicht in einem künstlerischen Vakuum. Zu den beliebtesten Momenten von The Dark Knight gehört die ausführliche Introsequenz, die im überwältigenden IMAX-Format einen vom Joker geplanten, genialen Banküberfall schildert und so das unberechenbare Handeln dieses Schurken sowie seinen makaberen Humor vorführt. Während die Erzählstruktur, die Bildästhetik und die Grundstimmung eher an Batman Begins angelehnt sind, gehört der Versuch, diesem denkwürdigen Einstieg nachzueifern, zu den von The Dark Knight beeinflussten Sequenzen des großen Endkapitels der Batmansaga. Obwohl Banes großer Auftritt durchaus Parallelen zur Introsequenz von The Dark Knight aufweist, und selbstredend wieder im IMAX-Format gedreht wurde, macht Nolan dennoch unmissverständlich deutlich, dass Batman nun nicht einfach bloß einem Joker-Abklatsch die Stirn bieten muss. Bane beweist bereits in wenigen Minuten, dass er in größeren Maßstäben denkt, bei vergleichbarer Ruchlosigkeit kontrollierter handelt und dass mit ihm weitaus weniger zu spaßen ist. Zudem ist er körperlich um ein Vielfaches stärker, wodurch er Batman sowohl im Zweikampf als auch im Planungsvermögen ebenbürtig ist.

Paradoxerweise schlägt Bane den Joker sogar in seinem eigenen Fachbereich: Bane agiert geordneter, ist ein fokussierterer Wahnsinniger, doch gerade dadurch behauptet er sich in The Dark Knight Rises als der effektivere Anarchist. Denn wie ungebührend wäre ein Ende der Batman-Legende, in dem es um bloße monetäre Dinge geht? Nein, auch Bane verfolgt eine Agenda völlig eigener Ideale – wenngleich diese für ihn, im Gegensatz zum Joker, keinen perfiden Spaß darstellt. Das macht ihn werkimmanent betrachtet zum gefährlicheren Widersacher für Batman, aus der Publikumssicht kommt Bane derweil nicht ganz an den Psychopaten mit der Clownsschminke heran, weil in ihm kein so großer Funken der manisch-kindlichen Begeisterung brennt. Was keineswegs bedeuten soll, dass Bane ein langweiliger Antagonist ist. Skript, Inszenierung und Darstellung verleihen ihm bedeutsam mehr Profil als den Schurken aus Batman Begins, und selbst wenn hinter der Maske Banes nur wenig von Tom Hardys Gesicht zu erkennen ist, verraten bereits seine in der Rolle versunkenen Augen, dass der Inception-Star mit großer Passion dabei ist. Er nimmt diesen in sein Vorhaben vernarrten, intelligenten Koloss von Mann und gibt ihm selbstdarstellerische Züge, durch welche Banes brachialsten und wortgewaltigsten Szenen gleichfalls bedrückend wie faszinierend wirken. Mit einem heiteren Singsang in der düsteren Stimme hält Bane vernichtende Monologe, während er mit dem Körper eines Kampfgiganten den Gestus eines entspannten Showmasters einnimmt.
Die Brillanz des Jokers erreicht diese komplexe Performance nicht, auch das Drehbuch deutet zwar einvernehmende Tiefen für Bane an, kann aber die Geniestreiche aus The Dark Knight nicht gänzlich erreichen. Dennoch hat Bane eine derart für sich gewinnende, abscheuliche Ausstrahlung, weswegen es enttäuscht, dass es nicht zu mehr Interaktion zwischen ihm und Batman kommt und Tom Hardy nicht wenigstens noch eine ausschweifende, auf ihn konzentrierte Sequenz erhielt, um Bane mit noch größerer Gewalt in die Erinnerung des Zuschauers zu prügeln.

Die etwas geringere Präsenz Banes gegenüber dem Joker ermöglicht es aber, Batman wieder etwas stärker ins Zentrum zu rücken. Erneut weist Nolan seinem Helden nicht die prominente Position zu, die er in Batman Begins einnahm, allerdings lässt sich nunmehr mit Sicherheit sagen, dass dies Methode hat. Einzig das Anfangskapitel der Trilogie trägt Batman explizit im Titel, die Fortsetzungen dagegen nennen ihn (ehr)fürchtig bei seiner inoffiziellen Bezeichnung – es steht sinnbildlich dafür, dass Batman in diesen Filmen als Symbol eine gesteigerte Bedeutung hat, was Nolan auch auf die Narrative überträgt. Dennoch wird Batman somit nicht zum Nebendarsteller im Finale seines eigenen Filmmythos degradiert. Christian Bale stellt sowohl Bruce Wayne als auch sein Alter Ego überzeugend in verschiedensten Facetten dar, er skizziert wohl das komplexeste Bild dieser Figur, die es im Kino bislang zu bewundern galt: Verbittert, moralisch gebrochen, seinen Einsatz als Held wieder genießend, von Wut getrieben und verzweifelt-verbissen – für Batman steht in The Dark Knight Rises eine emotionale Tour de Force bevor. Dass diese nachvollziehbar und glaubwürdig erscheint, ist vor allem Bales nuanciertem, zwischen diesen so weit voneinander liegenden Gefühlsregungen plausible Brücken bauendem Spiel zu verdanken, denn Nolans Erzählung bemüht sich vorrangig um die Vermittlung ihrer thematischen Kernthesen, so dass Batmans innere Reise auf ihre Eckpfeiler reduziert wird. Die Übergangsphase deutet das Drehbuch oftmals nur an, weshalb die emotionalen Entwicklungen nicht durchwegs Schritt für Schritt erklärt werden – unglaubwürdig werden sie dadurch nicht, jedoch gleichen sie eher schnellen, dramaturgischen Pinselstrichen. Nolan legt größeren Wert, dass die Beschlüsse Batmans überzeugen und trotzdem erstaunlichen Effekt haben, nicht, dass der Zuschauer auf jede einzeln Entscheidung die Antwort darauf parat hat, weshalb der Ritter der Nacht diese Wege einschlägt.

Es wird einige Fans sicherlich freuen, dass Batman, obwohl The Dark Knight Rises einen noch ernsteren Ton anschlägt, verbal wieder schlagfertiger geworden ist. Insbesondere gegenüber Catwoman kann sich der grimme Held diverse verschmitzte Wortspielereien nicht verkneifen. Es ist wohl ein künstlerisches Naturgesetz, dass Batman in der Nähe der katzenhaften Meisterdiebin seinen Humor wiederfindet, und diese Grundregel schadet The Dark Knight Rises keineswegs, da die kurzen Phasen pointierter Dialoge stets behutsam in die dramatische Handlung eingestreut sind.


Aufgrund der vielen Catwoman-Fans führte die Ankündigung, Batmans bezirzende Widersacherin käme in The Dark Knight Rises vor, vorab für einigen Jubel, zugleich herrschte jedoch unter einigen Kinogängern Sorge, Anne Hathaway könne bei weitem nicht an Michelle Pfeiffers Version aus Batman Returns heranreichen. Tatsächlich aber macht Hathaway ihre Sache sehr gut und interpretiert die diebische Verführung ohne zu starken Einfluss aus vorhergegangenen Batman-Inkarnationen. Aufgrund der ihr recht wenig bemessenen Leinwandzeit verfügt Hathaways Catwoman-Performance jedoch nicht über die ikonische Ausstrahlungskraft des Ledger-Jokers, Aaron Eckharts Harvey Dent oder auch Tom Hardys Bane, und da sie klar als Nebenrolle und nicht als heimlicher Star angelegt ist, kann sie auch nicht mit der nachhaltigen Präsenz von Michelle Pfeiffer mithalten. Dennoch besteht kein Zweifel daran, dass Hathaway die richtige Catwoman für diesen Batman ist. Die ouverte Sexualität der im Lack-und-Leder-Fetisch gekleideten Batman Returns-Katzenfrau (über die von Halle Berry gespielte Domina-Straßennutte hüllen wir den Mantel des Schweigens) tauscht die Der Teufel trägt Prada-Hauptdarstellerin gegen eine subtilere, natürlichere Attraktivität ein, sie versprüht durch beiläufige Blicke und unaufgesetztes Selbstbewusstsein ihre verführerische Ausstrahlung. Die aufgeweckte Diebin stiehlt sich gekonnt, aber dennoch nur ausreichend erfolgreich durch Gotham, um in einer ihr nicht gerechten Welt überleben zu können. Somit repräsentiert sie jene, die in der schattenhaften Metropole zwischen Licht und Dunkelheit der Moral stehen. Während andere unpriviligierte Bürger Gothams das Gestz selbst in die Hand nehmen und es dermaßen verdrehen, dass sie zu einer Geißel der Ordnung werden, nimmt sie nur notgedrungen von den Überpriviligierten, um sich über Wasser zu halten. Denn für ein Leben auf der gesetzestreuen Seite ist es für sie bereits zu spät, längst hat sie ihre Hände zu schmutzig gemacht, um einer rechtmäßigen Tätigkeit nachzugehen.

Die weniger aufdringliche Sinnlichkeit Catwomans und die von ihr nie theatralisch angesprochene Unglücklichkeit hinter ihrem kessen Auftreten passen wundervoll in Nolans Filmuniversum und werden von Anne Hathaway mit ungezwungenem Charme rübergebracht. Trotzdem wird Christopher Nolan nur manche der Kritiker verstummen lassen können, die ihm vorwerfen, beim Erschaffen von Frauenrollen ein weniger fähiges Händchen zu haben als bei den Männerrollen. So galant Hathaways Selbstversorgerin in hochhakigen Schuhen auch zwischen Gut, Böse und Opportunismus tigern mag, zugleich ist sie das möglicherweise unverdienteste Opfer der gewollt unvollkommenen, narrativen Legendenbildung von The Dark Knight Rises. Zwar sind die Facetten vorhanden, die für eine mehrschichtige Skizzierung dieser Figur notwendig sind, doch sie werden nicht ausreichend vertieft, um diese eigentlich sehr bodenständige Nebenrolle vollkommen greifbar zu machen. Die Inszenierung Catwomans als eine schwer durchschaubare, flüchtige Bekanntschaft Batmans mag reizvoll sein, aufgrund ihrer Position im Schickalsspiel von The Dark Knight Rises hätte es sich allerdings angeboten, sie etwas ausgiebiger zu charakterisieren und somit als kleines Licht, das in große Ereignisse verstrickt wird, erzählerisch besser zu erden.

Auch weitere Nebenrollen werden eher flüchtig dargelegt, bei ihnen ergibt sich aber dank ihrer klareren Rolle dessen ungeachtet ein rundes Bild: Morgan Freeman begeistert erneut als freundliches, zum trockenen Witz aufgelegtes Technikgenie Lucius Fox und Gary Oldman bietet als gealterter Jim Gordon weiterhin die brüchige Klasse eines überforderten, von seiner Aufrichtigkeit dennoch weiter vorwärtsgetriebenen Polizeibeamten. Gordon trifft in The Dark Knight Rises eine bedeutungsvolle Fehlentscheidung, die zwar unter Berücksichtigung seiner Charakterisierung in den Vorgängerfilmen für ihn naheliegend ist, da Nolan sich in diesem Film allerdings nicht die Zeit nimmt, die gutgläubige Seite Gordons erneut zu etablieren, dürfte diese Tat Gordons einige Zuschauer verärgern, da sie ohne frische Erinnerung an The Dark Knight sehr konstruiert wirkt. Hier muss jeder bei der Bewertung der erzählerischen Stärke beschließen, ob es wichtiger ist, dass eine Trilogie am Stück besser funktioniert, oder ob ihre Einzelelemente primär alleinstehend aufgehen sollten.

Unterstützung erhält der in The Dark Knight Rises nicht mehr sonderlich prominent (wenngleich bedeutsam) auftretende Jim Gordon durch den noch ungeschliffenen, ebenso idealistischen wie ungestümen Cop John Blake, gespielt von Joseph Gordon-Levitt. Gordon-Levitt gibt eine adäquate Leistung ab, er drängt sich nicht zu sehr in den Vordergrund, hinterlässt dennoch Eindruck. Ähnliches gilt für Marion Cotillard, die als Energieunternehmerin Miranda Tate zwar sympathisch spielt, jedoch vom Skript nur wenig herausgefordert wird. Manchen wird es stören, dass Alfred und Bruce Wayne sie wie eine alte Bekannte behandeln, ohne dass dem Publikum ihre Vorgeschichte über wenige Bruchstücke hinaus nahegelegt wird. Es stützt die schattenhafte, leicht zerfranste Erzählweise, die Nolan eingangs verwendet, um The Dark Knight Rises mit Unklarheiten und atmosphärischer Spannung zu füllen, anders als bei Selina Kyle aka Catwoman schadet es der Figur der Miranda Tate aber nicht im Geringsten. Dessen ungeachtet kann es schnell als unsaubere Erzählweise aufgefasst werden, wenn man sich auf diese Narrative nicht völlig einzulassen vermag.

Zu guter Letzt muss hinsichtlich der Darsteller erwähnt werden, dass Michael Caine in The Dark Knight Rises als Alfred noch gewitzter ist als in den Vorläuferfilmen. Darüber hinaus darf er den juxenden, väterlichen Butler aber auch von seiner fürsorglichsten und verletztlichsten Seite zeigen. In diesen Szenen wird wieder das ungeheuerliche Talent Caines deutlich, der in Nolans intellektueller, psychologischer Heldenstudie die rührendsten und menschlichsten Dialogzeilen aufgebracht spielen kann, ohne deplatziert zu wirken.


Nach der unweltlich-rotbraunen Bildästhetik von Batman Begins und dem kühlen Blauschleier, in welchen sich The Dark Knight hüllte, tritt The Dark Knight Rises in einem verwaschenen/überbelichteten, gleißendem Weiß auf. Selbstredend ist es keine ästhetische Entscheidung ohne Belang. Das herbstliche Kastanienbraun von Batman Begins weckte Assoziationen zu Gruselgeschichten, was angesichts der Anleihen an die 13-teilige Batman-Erzählung The Long Halloween und dem zentralen Motiv der Angst eine naheliegende Wahl darstellt. Zumal trat Batman in diesem Film als albtraumhafter, noch kaum bekannter Schrecken der Unterwelt auf, während auch die unbequeme Hintergrundgeschichte des Helden erzählt wird. The Dark Knight rückte visuell näher an harte, dennoch weitestgehend realistische Kriminalthriller, war nicht nur Batman nun eine greifbare Bedrohung des Bösen, sondern auch der Kampf zwischen dem Titelhelden und dem Joker so weltnah, wie nie zuvor derKernkonflikt eines Superheldenfilms. Zugleich unterstrich das eisige Blau die emotionale Kälte in Gotham und in Bruce Waynes vereinsamendem Leben.

Das gleißende Weiß, welches über dem Geschehen in The Dark Knight Rises liegt, fußt gleich auf mehreren Gedanken. Mit seinem helleren Farbton impliziert The Dark Knight Rises nicht so düster wie seine Vorläufer zu sein, was sehr oberflächlich betrachtet anfänglich auch zutrifft. Gotham scheint seit den Ereignissen von The Dark Knight mühselig Frieden erarbeitet zu haben. Aber das Weiß dieses Films ist ein verwaschenes, imperfektes, der Frieden trügt nur. Das helle Licht dieses Finales blendet zu sehr, ist befremdender als die Farbfilter der ersten beiden Filme. Der verwaschene, helle Weißton kann sogar beinahe schmerzlich sein, was sinnbildlich für eine zentrale Aussage Banes steht: Dieser predigt, sinngemäß, davon, dass erst der helle Schein eines Hoffnungsschimmers Menschen in einer ausweglosen Situation vergehen lassen kann. Eine Weisheit, die The Dark Knight Rises methodisch verfolgt: Wie erläutert tritt er als der strahlendste, demnach vermeintlich hoffnungsvollste Film der Reihe auf, dann aber hält er dem Zuschauer und seinen Helden konsequent vor, dass diese Hoffnung nur aus der Ferne scheint, dass dieses Licht auf einen Hort der Verzweiflung runterblickt und die dort Gefangenen blendet. The Dark Knight Rises wird somit der stringenteste, die ärgsten Konsequenzen vordernde Teil der Saga. Er missleitet bewusst mit seinen Lichtschimmern, was ihn schlussendlich zum düstersten Teil der Trilogie macht.

Diese duale Deutung der Hoffnung lässt sich auch auf Batman übertragen, der sich herausgefordert sieht, den Bürgern Gothams endlich als leuchtendes Symbol zu dienen – gleichwohl zeichnet sich ab, dass Bruce Wayne ob dieses Vorhabens verglühen dürfte. Sein Licht droht, sein Untergang zu werden, Hoffnung und hehre Absichten können seinen Untergang bedeuten. Die Kernproblematik, die The Dark Knight Rises behandelt, ist die zerstörerische Kraft von Heldentum und Hoffnung, was sich visuell in der unwohlen Leuchtkraft von Wally Pfisters Kinematografie äußert.

Bei aller Genialität, wie tief die Farbästhetik von The Dark Knight Rises im Filminhalt verwurzelt ist, verfügt der Film nicht über derart viele minutiös geplante, Bände sprechende Stillbilder wie The Dark Knight. Obschon Christopher Nolan und sein versierter Stammkameramann Wally Pfister erneut einige imposante, stimmungsvolle und ausdrucksstarke Bilder kreieren, wie etwa Banes in seiner selbstgefälligen Entspanntheit eine kontrollierte Aggressivität ausstrahlender Gang, während er sich darauf vorbereitet, ganz Gotham eine Rede zu halten, lassen sie seltener als in The Dark Knight allein die Bilder sprechen. Auch verweilen Nolan und Cutter Lee Smith kürzer auf aussagekräftigen Einstellungen, weshalb diese nicht die nachhallende Kraft entwickeln können, die mehreren Szenen des Vorgängers innewohnte. Nolan nutzt also zwar starke Motive und lässt auf visueller Ebene das Innenleben der zentralen Figuren sowie den Stand der von ihm erschaffenen Filmwelt widerspiegeln, aber solche Momente wie Batman, der über einer Ruine stehend sein Versagen zu begreifen versucht, oder die Szene, in der der Joker beharrlich darauf wartet, von Batman angefahren zu werden, entstehen in The Dark Knight Rises nicht.

Partiell ist dies darin begründet, dass dieser dramatische Superheldenthriller sehr viel Handlung zu erzählen hat, die sich über einen größeren Handlungszeitraum erstreckt. Da das Geschehen deshalb selbst bei einer Laufzeit von 165 Minuten stark komprimiert werden muss, kann Regisseur Christopher Nolan nicht ohne weiteres länger auf beeindruckenderen Bildern ruhen bleiben. Wegen seiner komprimierten Erzählung kann er in The Dark Knight Rises außerdem nicht davon ablassen, Handlungsstränge und Figuren hastig bei Seite zu schieben, sobald sie seiner Ansicht nach ihre Funktion erfüllt haben. Wer sich schon in Batman Begins und The Dark Knight schwer mit der raschen Abfertigung vereinzelter Figuren tat, wird auch beim Finale der Saga feststellen müssen, dass nicht alle Handlungsfäden zeremoniell abgeschlossen werden. Die starke Verdichtung der Erzählzeit ermöglicht zugleich aber eine effektvolle Verunsicherung des Zuschauers. Dies trifft vor allem auf die zweite Hälfte des Films zu, welche inhaltlich wieder größere Anleihen bei The Dark Knight nimmt. Banes Plan konkretisiert sich, es wird ersichtlich, dass auch er ein Agent des Chaos ist. Doch während der Joker die Welt einfach nur brennen sehen wollte, um sich daran zu vergnügen, will Bane ihr seine Deutung von Gerechtigkeit und Selbstbestimmung bescheren. Was vermeintlich nur gelingen kann, indem er sie mit Zerstörung und Verzweiflung erfüllt, weil dies die einzigen Wege sind, die er kennt und die es seiner Auffassung nach zu beschreiten gilt.

Über Banes Verbreitung von Furcht und Unordnung knüpft das ausführliche Kernstück von The Dark Knight Rises schlüssig Bande mit seinem Vorläufer, obwohl der Film stilistisch näher an Batman Begins ist und auch seine thematischen Schwerpunkte zu einem bedeutsameren Anteil aus dem Anfang der Trilogie generiert. Dass Bane eigene Beweggründe hat, ist jedoch nicht der alleinige Unterschied zur Anarchie des Jokes, Nolan erzählt diesen Aspekt auch anders, statt erneut Schritt für Schritt das Katz-und-Mausspiel zwischen dunklem Helden und chaotischem Schurken nachzuverfolgen: Immer wieder springt die Geschichte für kleinere Zeitspannen voran, so dass Nolan mühevoll das Zeitgefühl seines Publikums aus dem Gleichgewicht bringt, was dazu führt, dass es sich selten gewiss sein kann, wie tief Gotham bereits im Morast steckt oder wie aussichtslos die Situation für Batman nunmehr geworden ist. Insgesamt ist dies ein stimmiges Stilmittel, welches gekonnt durchgeführt wird, zumal dem aufmerksamen Zuschauer regelmäßig wieder Anhaltspunkte gegeben werden, wie viel Zeit verflogen ist. Allerdings überspringt Nolan dabei vereinzelte Punkte, die sehr wohl von Interesse wären, so dass haarspaltende Zuschauer einige bohrende Fragen aus dem Kinosaal mitnehmen werden.


Wie eingangs erwähnt, stellte sich in den vergangenen vier Jahren, wie The Dark Knight Rises als dramatisches Finale die schiere Bandbreite von The Dark Knight übertrumpfen kann, ohne in die berüchtigte Sequelfalle zu tappen und einfach das gleiche Feuerwerk nochmal abzubrennen, nur halt größer.

Die Antwort liegt, erneut, in den kleinen, doch feinen Unterschieden zwischen Joker und Bane. Der Joker sponn ein die Helden quer durch Gotham jagendes, explosives Wirrspiel, es gab mehrere, sich in ihrer Intensität steigernde Attentate, die Hinweise zu ihrer Abwendung ließen Batman und Gordon nur knapp bemessene Zeit. Bane lädt zu keiner solchen Verfolgungsjagd ein, er ist ein stationäres Ziel, statt eine eskalierende Abfolge von Gräueltaten vollführt er einen megalomanischen Plan, ein längerfristiges Vorhaben. Dadurch hat The Dark Knight Rises ein völlig anderes Tempo, die Action nimmt andere Gestalt an. Statt vieler atemberaubender Verfolgungen und knapp ausgehenden Kämpfen gibt es in The Dark Knight Rises zunächst nur sehr kurze, sehr harsche Auseinandersetzungen. Diese sind auf den Punkt inszeniert und einschneidende Sequenzen, nicht aber so bombastisch, wie man es vielleicht erwarten würde. Denn der überragend kräftige Bane will Batman und Gotham auch innerlich, moralisch zerbrechen, weshalb sich seine Handlungen weniger auf große Verbrechensakte und verbitterte Kämpfe mit Batman konzentrieren, sondern auf Manipulation und Zerstörungen mit symbolischer Aussage. So zeichnet Nolan ein Finale mit deutlicher Fallhöhe, ohne einfach The Dark Knight in größerem Maßstab zu wiederholen.

Für Batman wiederum bringt das von Bane erstellte Szenario vor allem einen Kampf mit sich selbst. Einen Kampf, dem so oder so Batmans Untergang vorprogrammiert scheint. Gibt er kleinbei, ist er kein Held mehr, doch je mehr er sich zum Leuchtbild hochstilisiert, desto ärger werden die Folgen, die dies nach sich zieht. Denn wie in The Dark Knight klar wurde, ist Batman Mitverursacher des Leids, welches er zu bekämpfen versucht Wer zu lange Held spielt, wird schließlich selbst zum Schurken, so die pessimistische Moral, die der Joker hinterließ. Womit das visuelle Leitmotiv wieder zum Vorschein kommt: Eines der Themen von The Dark Knight Rises ist, dass für Batman sowohl die Flucht ins Licht als auch in die Schatten der Vergessenheit nur Schmerzen bedeuten werden. So eine ausweglose Situation schilderte selbst der Vorgängerfilm nicht – dieser wies dafür den straffer umrissenen Spannungsbogen auf, weil sein Kernkonflikt explizitere und dynamischere Auseinandersetzungen zwischen Protagonisten und Antagonisten gestattete. Die Actionhöhepunkte von The Dark Knight Rises sind dagegen Selbstbezwingung und der Versuch, Banes Demoralisierung Einhalt zu gewähren. Nolan holt das packendste aus diesen Szenen heraus, den klassischen Thrill aus The Dark Knight kann er dennoch nicht vollauf erreichen.

Umso handgreiflicher ist dafür die Musik in The Dark Knight Rises. Der Oscar-prämierte Komponist Hans Zimmer schuf für Bane ein wiederkehrendes Thema, welches mit wild hämmernder Percussion, manischen Streichern und einem einschüchternden Chorus wuchtvoll voranschmettert. Es ist laut, düster und begleitet die Szenen, in denen es vorkommt, mit einer unheilvollen, wie ein Damoklesschwet über den Bildern schwebenden Andersweltlichkeit, die allerdings sehr gezielt eingesetzt wird, so dass sich eine Sogwirkung ergibt, der man sich nur schwer entreißen kann. Zimmer setzt jedoch nicht nur auf pure Klanggewalt, sondern schuf auch ein zärtlicheres, mit leiser Tragik spielendes Motiv für Catwoman und dramatische Szenen untermalt er mit traurigen Melodien, die sich eine heroische Ehrwürdigkeit bewahren. Aber auch das in den Vorgängern aufgebaute Batman-Leitthema kommt erneut zum Einsatz, meistens im verzweifelten Kampf um die Vorherrschaft gegen sich langsam aufbäumende Reinterpretationen des Bane-Themas. Die Filmmusik ist, kurzum gesagt, kraftvoll, bei Bedarf feinfühlig und vor allem das Ergebnis von kontrolliertem Wahnsinn. Perfekt für diesen Film, in dem es um die Ungerechtigkeit des Heldentums sowie um die stets durch das Unheil durchschimmernde, durchaus auch destruktive Wirkung der Hoffnung geht.

Fazit: Christopher Nolan fügt in The Dark Knight Rises konsequent zusammen, was er zuvor aufgebaut hat und verfolgt dabei gezielt den angemessenen Ansatz, die übergreifenden Themen seiner Trilogie stärker in den Vordergrund zu rücken. Dadurch wird The Dark Knight Rises nicht zu dem Film, den sich alle Liebhaber von The Dark Knight gewünscht haben, sehr wohl aber zu dem Finale, das sich Nolans Batman-Trilogie verdient hat. Das Gesamtbild ist aufgrund der überwältigenden Inszenierung, zahlreichen intelligenten Handlungselementen und der durchdachten, handfesten Betrachtung der Heldenthematik stimmig geraten, wenngleich sich der brillante Autor und Regisseur bei vereinzelten Details verkalkuliert hat. Denn zu Gunsten der effektvollen Durchführung seiner thematischen Konzepte wird die Charakterentwicklung in manchen Sequenzen mit einem solchen Nachdruck vorangetreiben, dass sie stellenweise sprunghaft erscheinen kann und nicht jede Figur die ihr gebührende Aufmerksamkeit erhält.

Dienstag, 10. Juli 2012

The Dark Knight Rises: Genießt den kompletten Soundtrack online


Die Soundtrack-CD zu The Dark Knight Rises steht zwar erst zum 17. Juli zum Verkauf bereit, aber für alle, die sich davon überzeugen wollen, ob sie der filmmusikalische Pflichtkauf ist, den es zu erwarten gilt, hat Empire einen ganz besonderen, akustischen Leckerbissen parat: Eine vollständige Hörprobe von Hans Zimmers behände zwischen todtraurig-triumphierend, überwältigend-atmosphärisch und verstörend-albtraumhaft schwebendem Score zum Finale von Christopher Nolans Batman-Trilogie.

Zum Soundtrack

The Dark Knight Rises startet am 26. Juli in den deutschen Kinos, ausgewählte Lichtspielhäuser veranstalten passend zum heiß ersehnten Finale dieser Trilogie Sondervorführungen mit allen drei Teilen. Nachdem sich bei Batman Begins und The Dark Knight Hans Zimmer und James Newton Howard zusammentaten, setzt Nolan beim Trilogie-Finale allein auf Zimmer, der für seine hypnotische Arbeit an Nolans Inception mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurde. Nicht bestätigten Aussagen eines James-Newton-Howard-Fans nach sei Inception auch der Anlass für Zimmers Solo-Flug bei diesem Film: Auf einem Konzert habe Howard angeblich erklärt, dass Zimmer und Nolan während der Arbeit an dem Film eine so eng verwobene Arbeitsweise entwickelten, dass er sich nicht als das fünfte Rad am Wagen an das Duo dranhängen wollte.

Donnerstag, 23. Februar 2012

Hans Zimmer: Der Sound für Hollywood

Bildquelle & Copyright: Ken Hively / Los Angeles Times

Amazon hat sich mit seinen Kaufempfehlungen eine verführerische Sache geschaffen, die zwar ab und zu lachhafte Tipps abliefert, im Großen und Ganzen aber seinen Kunden gerissen das Geld aus den Taschen zieht. Diese Woche wurde auch ich Opfer von Amazons Vorschlägen:

Hans Zimmer ist, sollte dieser Blog irgendwelche StammleserInnen haben, die das noch nicht wissen, mein absoluter Lieblingskomponist. Und ich wollte mich Anfang der Woche endlich mal wieder selbst belohnen, und mich bei Amazon mit ein paar seiner Soundtracks eindecken. So weit, so gut. Doch kaum wollte ich meine Bestellung abgeben, springt mir diese verfluchte Kaufempfehlung ins Auge. Welche anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?: Hans Zimmer - Der Sound für Hollywood. Eine DVD mit einer Dokumentation über den Werdegang und die Arbeitsmethoden des Mannes, der die genialen Filmmusiken zu Rain Man, Der König der Löwen, Fluch der Karibik, Inception, etc. geschrieben hat ... Nach kurzer Überlegung wurde ich schwach. Mein armer Geldbeutel ...

Der Kauf hat sich aber, meiner Meinung nach, durchaus gelohnt. Die Dokumentation selbst ist mit weniger als einer Stunde Laufzeit etwas kurz ausgefallen, dahingehend entschädigen allerdings die Bonus-Interviews im Bonusmaterial, die mit rund zwei Stunden sehr ausführlich sind.

Die Doku selbst steigt kurz damit in die Materie ein, einige Filmemacher über ihre Erfahrungen mit Hans Zimmer sprechen zu lassen, bevor am Exempel von The Dark Knight Zimmers experimentellere Seite vorgeführt wird. Es geht um die Entstehung des Joker-Themas im Speziellen und Zimmers perfektionistische und dennoch auch lässige Weise im Allgemeinen. Nachdem etabliert wurde, wie Zimmer so tickt, macht das Porträt von Ariane Rieker & Dirk Schneider einen Sprung zurück in Zimmers Kindheit. Da ich mich bislang eher mit dem Hörgenuss sowie bei manchen Scores auch mit der Analyse seiner Arbeit beschäftigte, und weniger mit dem Privatmenschen, habe ich in diesem Abschnitt der Doku sehr viel lernen können: Hans Zimmer stammt zwar aus einer gut situierten Familie (er wuchs in einer 36-Zimmer-Villa auf), war jedoch aufgrund des frühen Tod seines Vaters und seiner emotional belasteten Mutter (ein Jugendfreund erklärt, dass nur zwei Räume der Villa genutzt wurden und man vorsichtig sein musste, wann man eintritt) ein Problemkind in der Schule. Nach zahlreichen Schulwechseln fand er in einer Londoner Reformschule endlich eine Institution, wo er sich mit seinen Mentoren verstand. Vor allem, weil sie musikalisch sehr offen waren und Zimmer freien Lauf ließen, seiner Leidenschaft nachzugehen.

Es folgt ein Segment über Zimmers Zeit bei den Buggles und ihren Erfolg mit Video Killed the Radio Star, in dem auch erklärt wird, dass Zimmer unter anderem aus dem Popgeschäft floh, dass man dort von Musikern den immer gleiche Sound erwartet. Deshalb zog es ihn zur Filmmusik, da dort viel mehr Möglichkeiten existieren, Genres und somit auch musikalische Stilrichtungen zu wechseln oder zu kombinieren. In England kooperierte er zunächst mit Stanley Myers (Mein wunderbarer Waschsalon, Homo faber), der für den künftigen Oscar-Gewinner eine schützende Mentorenrolle übernahm. Mit Rain Man erhielt Zimmer erstmals ein Angebot aus Hollywood - und erhielt prompt eine Oscar-Nominierung. Interessanter Fakt am Rande: Zimmer ist mit seiner Musik zu diesem mehrfach Academy-Award-gekrönten Drama vollkommen unzufrieden, weil er seine noch unfertigen Melodien aus Nervosität gegenüber den Hollywood-Filmemachern nicht behühtete, sondern bei Gefallen schon im inkompletten Zustand abgab. Deshalb ist er sich auch sicher, dass ihm die Oscar-Nominierung für seinen Einstand in Hollywood nur zuteil kam, weil die Academy beim Namen Hans Zimmer dachte "das klingt deutsch und alt, der hat sicher schon viel geleistet, lasst uns das belohnen!"

Mit Zimmers Durchbruch verlässt die Dokumentation wieder den chronologischen Pfad und öffnet sich nacheinander mehreren Themen. Erneut wird Zimmers Arbeitsmethode behandelt, unter anderem berichtet Rango- und Fluch der Karibik-Regisseur Gore Verbinski davon, dass Zimmer die Filmemacher zunächst über die Beweggründe hinter dem Film ausquetscht. Auch der von mancher Seite aus harsch kritisierte Hang Zimmers zu Massenkollaborationen mit seinen Komponisten aus der Musikwerkstatt Remote Control Productions wird thematisiert. Gerade hier zeigt sich die Dokumentation eher sachlich und distanziert, statt Zimmer entweder als Visionär darzustellen, oder wie seine Gegner als Strippenzieher hinter einer Fließbandproduktion. Es wird erklärt, wie die Vorgänge und Arbeitsverhältnisse in Zimmers Studio aussehen, und das Urteil bleibt dem Betrachter überlassen. Dieser Part setzt allerdings auch eine gewisse Grundkenntnis  mit der Thematik Filmmusik bzw. erweitertes Interesse voraus, wer sich mit der Sache nie auseinandergesetzt hat, dürfte schnell verloren sein. Wohl auch deshalb ist dieser Abschnitt sehr kurz, so dass der unkundige Zuschauer nicht völlig ausgeschlossen wird. Jedoch ist dieser Part für Filmmusikfreunde einer der spannenderen, so dass die Dokumentation an diesem Punkt etwas seicht herüberkommt.

Zum Ende hin wird Zimmers Selbstverständnis beleuchtet und scherzende Kommentare von James L. Brooks und Jeffey Katzenberg sowie amüsante Anekdoten aus den Arbeiten an Fluch der Karibik und Inception sorgen für einen runden, unterhaltsamen Abschlus.

Das sehr empfehlenswerte Bonusmaterial zeigt noch längere Interviewpassagen der bereits in der Dokumentation vorkommenden Filmemacher und Musiker. Mit Jeffrey Katzenberg, Gore Verbinski, Werner Herzog (Fun Fact: Herzog und Terence Malick lieben den Film König der Löwen!), Mitgliedern von Remote Control und vielen anderen ist die Palette an Meinungsgebern sehr groß, und in den Interviews werden auch Dinge näher erläutert, die in der Doku zu kurz kamen, darunter auch die Methoden von Remote Control. In rund 40 Minuten kommt auch Zimmer selbst zu Wort, der sich auch selbstkritisch über die deutliche Inspiration durch klassischer Musik äußert und nachdenkliche Beobachtungen bezüglich des Untergangs der Orchesterkultur macht. Über den Vorwurf des Selbstklaus sagt er wiederum, dass er ungern zweimal das gleiche tut und stets versucht, neue Facetten an seiner Musik zu entdecken. Er habe aber, wie auch viele Regisseure und Autoren, seine ganz eigene Stimme, weshalb er manche Musikpassagen nunmal gerne mit der einen oder anderen Notenfolge beendet oder bestimmten Projekten eine ähnliche Klangfarbe gibt.

Fans von Hans Zimmer und Leuten, die sehr an Filmmusik generell interessiert sind, kann ich die kurze, aber informative Dokumentation dank der ausführlichen Extras nur ans Herz legen. Wer sich aber unsicher ist, ob ihn diese Sache reizt, sollte sich das Geld lieber für ein paar Soundtrack-CDs aufheben.