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Dienstag, 23. Mai 2017

Bias of the Caribbean: The Curse of Disney's Happiness


2016 war ein äußerst seltsames Jahr in der Historie des digitalen Filmdiskurs. Die Diskrepanz zwischen den von Rottentomatoes gelisteten Kritikern und den emsigsten Zirkeln an Social-Media-Filmdiskutanten lag häufig weit auseinander und selten häuften sich derart Filme, wo der Kritikerkonsens dermaßen harsch in Kommentarsektionen zerlegt wurde. Es wurde fast schon zum Online-Running-Gag, und die Reaktionen der DC-Fans, die Warners jüngsten Schub an Verfilmungen mochten, auf die weitestgehend negativen Kritiken sorgten mehrfach für Schlagzeilen. Von der ganzen Ghostbusters-Chose will ich gar nicht erst anfangen ...

2016 wurde auch die (von manchen Leuten tatsächlich ernst gemeinte) Verschwörungstheorie populär, Filmkritiker würden in ihren Urteilen gelenkt. Vor allem Disney würde mit seinen tiefen Taschen dafür sorgen, Kritiker dahin zu schmieren, alles von Marvel toll und ausgewählte Filme der Konkurrenz (vor allem Warner/DC) doof zu finden. Ähnliche "Alles nur eine abgekartete Sache"-Theorien erfreuten sich ebenfalls einer gewissen Beliebtheit.

Keine haltlosen Vorwürfe, lieber Dynamiken nachvollziehen
Enttäuschung durch an den Haaren herbeigezogene Verschwörungstheorien zu kompensieren ist, gelinde gesagt, arm. Und haltlos. Und es hilft niemandem. Es erschwert eher noch das Führen eines Filmdiskurses. Es gibt kein Schmiergeld und es sich einzureden, raubt nur die Möglichkeit, seine Filmpassion weiter auch durch das Genießen spannender Kritiken und Analysen zu verschönern (die man im riesigen Meer des Angebots ja einfach nur finden muss).

Nun nehme ich meine Branche aber nicht einfach auch aus egoistischen Gründen in Schutz. Schließlich widerspreche ich auch oft genug dem Kritikerkonsens. Es ist allen geholfen, von diesem sonderbaren Gedanken wegzukommen, ein hoher Rottentomatoes-Wert ist ein Status, den sich ein Film erarbeiten muss. Und wir müssen davon wegkommen, Kritiken so verbissen hinzunehmen. Natürlich gibt es Fälle, denen anzumerken ist, dass sich da jemand beim Schreiben sehr wichtig genommen hat und versucht, der Leserschaft etwas vorzuschreiben. Meist ist dem aber nicht so. Kritiken sind Einschätzungen, Orientierungshilfen, Diskussionsmotoren. Und als solche auch nicht zwingend in Stein gemeißelt - alteingesessene Publikationen blicken daher auch gerne Mal zurück, wenn ein Kultklassiker anno dazumal von ihnen verrissen oder ein legendärer Flop gefeiert wurde.

Vor allem sind auch Mitglieder des Kritikerzirkels nur Menschen, keine Filmkunstanalyseroboter. Und als solche können wir auch mal von Eigendynamiken oder Kontexten mitgerissen werden. Was auch völlig okay ist. Schließlich schreiben wir ja primär auch für andere Menschen, nicht für irgendwelche Rottentomatoes-Algorithmen - und somit sind die Adressaten von Kritiken ebenfalls Teile von Dynamiken und Kontexten - vor allem aber auch im Idealfall mündig und des selbstständigen Denkens fähig. So dass sie eine negative Kritik auch mal mit einem "Wow, find ich geil!"-Gedanken niederlegen können.

Der Kontext verändert nicht zwingend die Noten, aber sicher die Akustik
Wenn also etwa in unserer modernen Welle an aufwändigen, ambitionierten Superheldenfilmen ein Werk daherkommt, dass eher durchschnittlich ist, dann mag es zwischen den ganzen Genrekollegen enttäuschend sein. Selbst wenn sich das Kinopublikum 1985 noch nach solch einem Film alle Finger geschleckt hätte. Und so passioniert La La Land sein mag, so clever im Einfädeln seiner Referenzen in seine eigene Story, so mitreißend die Songs: Als praktisch ironiefreies Musical, das nicht im Videoclipstil daherkommt und genauso wenig ein Märchen erzählt, ist der Film heute einfach viel erfrischender und andersartiger als es 1950 der Fall gewesen wäre.

Eine ausführliche Kritik kann den Kontext dafür liefern. Und selbst wenn sie es nicht explizit klar macht, so lässt sie vielleicht den Interessenten beim Lesen genug Raum für Selbstrelexion, um zu erkennen: "Ja, Mittelmäßigman ist wirklich nicht schlecht. Er sieht nur im Vergleich zu den restlichen Superheldenfilmen des Jahres eher mies aus." Rottentomatoes hingegen ... kriegt das nicht gebacken und generiert aus den gesammelten Kritiken eine Zahl. Punkt, Ende, Aus.

Verwirrende Meinungsscheren und variierende Erwartungen
Das Abschneiden von Pirates of the Caribbean - Salazars Rache sorgte dieser Tage bei nicht wenigen Filmliebhabern für Verwirrung: Sowohl nach der Preview auf der Branchenexpo als auch nach dem Ende des Social-Media-Embargos war der Konsens sehr positiv. Von einem nötigen frischen Wind war die Rede, der plötzlichen Lust nach weiteren Filmen und einem rundum feinen Abenteuer. Und nun: Mickrige 34 Prozent bei Rottentomatoes. Wie kommt sowas nur zustande? Sind die Kritiker denn alle verrückt geworden?

Nein, das nicht. Rottentomatoes führt nicht über jede einzelne Kritik Buch, die im englischsprachigen Web veröffentlicht wird. Entertainment-Reporter, wie die diversen Leute von Collider, Slashfilm und Co., die zum positiven ersten Reaktionsschub beigetragen haben, werden von Rottentomatoes ignoriert. Und sind eher Teil der Zielgruppe, die solch ein Fantasy-Abenteuer-Komödien-Spektakel loben werden als die etwas diversere Gruppe, die Rottentomatoes berücksichtigt. Hinzu kommt, dass manche einschlägige Portale unterschiedliche Redakteure zur Cinema Con schickten und die Kritik verfassen ließen (auch wenn das Optimismusgefälle schon extrem ist).

Und dann zählt Rottentomatoes halt einfach anders. Weil es unbenotete Kritiken eine Wertung draufpackt. Ich habe mir nach der Pressevorführung im Zug nach Hause in meine Notizen unter anderem geschrieben, dass Salazars Rache allem Humor zum Trotz für Disney-Maßstäbe ein sehr sadistischer, fieser, gemeiner, dreckiger Film ist. Ich finde sowas klasse. Wäre ich rottentomatoesrelevant, könnte das Portal dem Kontext meiner Kritik vielleicht entnehmen, dass die Review bitte als "fresh" zu werten ist, aber bei vielen anderen Kritikern könnte das eher negativ klingen - was dem Pirates of the Caribbean-Zielpublikum schnuppe sein dürfte. Aber es kostet de Film ein paar Prozentpunkte.

Was mich zu einer Feststellung führt: Die (für Rottentomatoes nennenswerten) US-Kritiker scheinen ein ordentliches Problem damit zu haben, wenn ein Film unter der Disney-Flagge segelt, aber gar nicht die muntere, fröhlich-bunte Weltflucht liefert, die sonst mit diesem Namen verbunden wird. Wie viele Kritiken zu Gore Verbinskis Pirates of the Caribbean-Fortsetzungen beinhalteten Variationen von "zu düster", "zu ernst" oder "nicht lustig genug". Dinge, die Gareth Edwards Godzilla, einem Herr der Ringe oder einem Daniel-Craig-Bond von der schreibenden Zunft nicht so leichtsinnig vorgeworfen werden. Oh, aber ein Disney-Seefahrer-Fantasyepos, das hat bitte fluffig, bunt und nett zu sein.

Aber nehmen wir nicht mein Geschwafel für bare Münze. Und schauen auf die Zahlen, die ja als so wichtig erachtet werden.  Nimmt man sich die wenigen Disney-Filme (also astrein, klassisches Disney, nicht Marvel, Star Wars und Co.) mit einem PG-13-Rating, also einer höheren US-Jugendfreigabe als sonst vom Studio gewohnt, zeigt sich ein klares Bild.

Fresh (PG-13):
Fluch der Karibik (2003): 79%
Saving Mr. Banks (2013): 78%
The Finest Hours (2016): 63%

Rotten (PG-13):
Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2 (2006): 54%
John Carter (2012): 51%
Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt (2007): 45%
Prince of Persia - Der Sand der Zeit (2010): 36%
Pirates of the Caribbean - Salazars Rache (2017): 34%
Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten (2011): 32%
Lone Ranger (2013): 31%

Nun werden manche sagen: "Disney macht halt einfach oft miese Filme". Andere werden den einen oder anderen dieser Filme in Schutz nehmen. Und einen Kausalzusammenhang kann ich hiermit nicht belegen, das ist mir klar. Ebenso ist mir bewusst, dass Korrelationen nicht zwangsweise etwas belegen. Interessant finde ich es dennoch: Fluch der Karibik, der für Disney in Sachen "mutigerem" Entertainment als Eisbrecher fungierte (und ironischerweise nicht mit dem Disney-Logo beginnt, sondern es am Ende versteckt) ist "fresh". Saving Mr. Banks, der von der Entstehung eines Disney-Films handelt, steht ebenfalls sehr positiv dar. Und The Finest Hours ... verwirrt mich. Tun wir ihn als Ausnahme ab. Der Rest, alle Piratenepen, die ja laut manchen Kollegen doch bitte einfach nur Komödien sein sollten, Gore Verbinskis zuweilen sehr garstiger Westernritt, die Pirates-Wüstenantwort Prince of Persia und John Carter, der seinen Helden in einer Szene unter einem Berg von Leichen vergräbt ... sie alle sind also schlecht. Schon ein hübscher Zufall.

Vielleicht ist da tatsächlich diese Eigendynamik, die zum Zuge kommt. Die alteingesessenen US-Kritiker rechnen damit, dass Disney ihnen leichten Familienspaß liefert. Dann bekommen sie etwas ganz anderes serviert, und sie reagieren entsprechend darauf. In einer Langkritik kann sich aus diesem Clash zwischen Wunsch und Filmprodukt was spannendes ergeben - oder auch ein Beispiel für voreingenommene Perspektiven, die einem Film die Chance nehmen, gerecht besprochen zu werden. Kommt immer drauf an. Rottentomatoes differenziert da nicht. Und da können noch so viele Social-Media-Vorabkritiken von jüngeren Kritikern, die das "härtere" Disney nicht so verwunderlich finden, Salazars Rache loben. Deswegen muss man aber nicht gleich Sturm laufen und das Gekeile von 2016 im Namen der Piraten fortführen oder seinen Glauben an die Filmkritik aufgeben.

Vielleicht hat aber auch einfach Warner Bros. dieses Mal den größeren Betrag Schmiergeld gezahlt. Das wäre natürlich unerhört ...

Ich verzichte mal darauf, die Ironie zu kennzeichnen. Ich vertraue euch!

Montag, 12. Dezember 2016

Gore Verbinski und die MPAA


Gore Verbinski neigt dazu, seine Filme über die Grenzen ihres eigenen Sektors hinausschwappen zu lassen. Seine Disney-Abenteuer sind sehr actionlastig, brutal und mitunter garstig für Disney-Filme. Seine bislang einzige Familienkomödie ist ein Clash aus Cartoon-Slapstick und Bitternis. Nur Mexican fällt als jugendtaugliche Romantikkrimikomödie mit Westerneinschlag aus dem Rahmen. Der hat locker eine FSK ab 12 Jahren drin, wurde in den USA aber (unter anderem wegen böser, böser Sprache) mit einem dort härteren R abgestraft. Dennoch: Wenn 2017 mit A Cure for Wellness sein erster Horrorfilm seit Ring ansteht, dürfen wir uns wohl auf ein fieses Brett gefasst machen, dass der Visionär uns vor den Latz knallt.

Zur Einordnung habe ich hier die MPAA-Jugendfreigabebegründungen für all seine bisherigen Filme festgehalten ...

1997: Mäusejagd. Rated PG for language, comic sensuality and mayhem

2001: Mexican. Rated R for violence and language

2002: Ring. Rated PG-13 for thematic elements, disturbing images, language and some drug references

2003: Fluch der Karibik. Rated PG-13 for action/adventure violence

2005: The Weather Man. Rated R for strong language and sexual content

2006: Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2. Rated PG-13 for intense sequences of adventure violence, including frightening images

2007: Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt. Rated PG-13 for intense sequences of action/adventure violence and some frightening images

2011: Rango. Rated PG for rude humor, language, action and smoking

2013: Lone Ranger. Rated PG-13 for sequences of intense action and violence, and some suggestive material

2017: A Cure for Wellness. Rated R for disturbing violent content and images, sexual content including an assault, graphic nudity, and language


A Cure for Wellness wird ein Spaziergang durch den Park. Durch einen höllischen Park. Ich. Freu. Mich!

Freitag, 2. Oktober 2015

Freitag der Karibik #20


Gore Verbinskis Disney-Regiearbeiten stechen im Disney-Archiv heraus. Unter anderem, weil sich Verbinski in atmosphärische und grafische Gefilde wagt, die nicht jeder Disney-(Realfilm-)Regisseur zu betreten gewillt ist. Wenn bei Gore Verbinski trotz Disney-Label Blut spritzt und Massenexekutionen stattfinden, spricht aber nicht nur seine rebellische Natur. Sondern auch seine Kenntnis dessen, wofür die Marke Disney im ursprünglichen Verständnis steht. So erklärte er in einem Interview über Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt:

"Ich finde des faszinierend, dass Disney als Marke irgendwie mit Happy Meals und Soccer Moms in Verbindung gebracht wird. Dabei war sich Walt Disney dessen überaus bewusst, wie bedeutsam Dramatik für eine Erzählung ist. Er hat Filme wie Bambi und Mein Freund Jello gemacht, die beide ihre grimmen Momente haben, die essentiell für die emotionale Fallhöhe dieser Produktionen sind. Ich finde, wir sind [bei den Pirates of the Caribbean-Filmen] dem Markenverständnis sehr treu geblieben und die gegenwärtige Studioleitung war auch so freundlich, zuzulassen, dass ich mich an diesen Prinzipien orientiere."

Recht hat er. Schade, dass manch andere Regisseure es nicht hinbekommen, Disneys komplexes Markenverständnis auszureizen und es all zu sehr auf Nummer sicher angehen lassen ...

Mittwoch, 26. Februar 2014

Meine 30 Lieblingsfilme 2013 (Teil III)

Und somit beende ich meinen Rückblick auf die 30 Filme, die sich 2013 am erfolgreichsten in mein cineastisches Herz gedrängelt haben. Nach den Plätzen 30 bis 21 und den Plätzen 20 bis 11 folgen hier nun meine zehn absoluten Favoriten:

Platz 10: Don Jon (Regie: Joseph Gordon-Levitt)
Was für ein Regiedebüt: Ohne falsche Scham und frei von forcierten Tabubrüchen packt Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Regisseur Joseph Gordon-Levitt in seiner dramatischen Sucht- und Liebeskomödie Don Jon das selten behandelte Thema Pornosucht an. Und macht sich ganz nebenher mit Köpfchen über formelhafte Hollywood-Schmonzetten lustig. Gekonnt spielt Gordon-Levitt mit Stilmitteln der Überzeichnung, Satire und Irreführung, ohne dieser Geschichte einen emotionalen Kern zu verwehren. Gordon-Levitts sex-, porno- und selbstsüchtiger Protagonist hat einen von Beginn an unmöglich zu verleugnenden guten Kern, den aber erst einige plausible, trotzdem kurzweilig karikierte Liebeslektionen sowie eine Handvoll tiefschürfender Gespräche freilegen können. Scarlett Johansson wiederum gibt ein herrliches Biest ab und Julianne Moore wandelt unbeschwert als gute Seele des Films durch die geistreiche, schmissige und dennoch einfühlsame Handlung. Nicht zu lang, nicht zu kurz, schwer vorhersehbar und toll geschnitten: Da können Don Jons geliebte Pornos nicht mithalten.

Platz 9: Captain Phillips (Regie: Paul Greengrass)
Seefahrtsthriller, auf wahren Begebenheiten basierendes Drama, charakterstarker Kommentar auf die Wettbewerbsgesellschaft: Paul Greengrass zielt auf das anspruchsvolle sowie das nach Spannung und Schauwerten suchende Kinopublikum gleichermaßen ab und erzählt in mitreißenden, ungeschliffenen, dennoch kinoreifen Bildern von einem wahren Schiffsüberfall, der sich 2009 in der Nähe der somalischen Gewässern ereignete. Tom Hanks brilliert (vor allem im emotional aufreibenden Finale) als Captain Richard Phillips, der seine Besatzung um jeden Preis zu beschützen versucht, Newcomer Barkhad Abdi bietet ihm als Piratenanführer beeindruckend die Stirn. Das keinerlei Längen aufweisende Drehbuch von Billy Ray und Greengrass schnörkellose, minutiöse Inszenierung erlauben keinerlei Verschnaufpause und gen Schluss ist Gänsehaut garantiert! So soll kluges Spannungskino sein.

Platz 8: Blue Jasmine (Regie: Woody Allen)
Sehr frei nach Tennessee Williams: Die über viele Jahre hinweg vom Reichtum ihres Ex-Mannes verwöhnte Jasmine verlässt ihre Luxusheimat in New York und versucht mit Hilfe ihrer optimistischen Adoptivschwester in San Francisco ein neues Leben aufzubauen. Doch die emotional instabile, finanziell gebeutelte Junggesellin ist unfähig, die Erinnerung an früher ziehen zu lassen ... Woody Allens bitterböse High-Society-Komödie, die zu gleichen Teilen eine mitleiderregende Tragödie ist, fußt zu großen Teilen auf Allens genauer Beobachtungsgabe menschlicher Schwächen und, selbstredend, auf Cate Blanchetts bereits von vielen Cineasten intensiv beleuchtete Performance in der Titelrolle. Garstig, egomanisch, arrogant – und dann zutiefst verletzt, von Selbsthass zerfressen und bedauerlich: Jasmine durchläuft eine intensive, aufreibende Gefühlsachterbahn, die Blanchett lebensnah und mit großem Nachhall umsetzt. Hinzu kommen ein mit kleinen Gesten viel aussagendes Ensemble aus Nebendarstellern und denkwürdige Dialogpassagen aus Woody Allens legendärer Feder – nicht so magisch wie Midnight in Paris, dafür war der New Yorker Neurotiker lange nicht mehr so greifbar und emotional lebensnah wie hier. Man muss ja nicht gleich aus den Oberen Zehntausend gefallen sein, um vergangene Fehler nicht vergessen zu können.

Platz 7: Inside Llewyn Davis (Regie: Ethan & Joel Coen)
So liebe ich sie, die Coens! Fand ich True Grit (gemessen an den Maßstäben der findig mit Genreregeln spielenden Gebrüder) enttäuschend konventionell, bietet Inside Llewyn Davis wieder den sicherlich zum Patent angemeldeten Coen-Mix aus staubtrockenem Humor, Genrekommentar und Verlierertragik. Die Odyssee des künstlerisch integren Folkmusikers Llewyn Davis, der sich jeglicher Kommerzialisierung verweigert und nur für seine Musik Verantwortung übernehmen möchte, führt das Publikum durch die in ausgewaschene Farben getauchten 60er-Jahre, kurz bevor sich in der Folkszene weitreichende Änderungen am Horizont zusammenbrauen. Der Titelheld wie auch die Zuschauer kreuzen ihre Wege mit kuriosen Musikern, piefigen Bildungsbürgern und liebenswerten Katzen, und wie so oft bei den Coens gilt auch in diesem bedächtigen Musikerdrama: Der Weg ist das Ziel. Was soll man sagen: Bei solch einer dichten Atmosphäre wie der von Inside Llewyn Davis fällt es schwer, zu bereuen, diesen Weg gegangen zu sein.

Platz 6: Les Misérables (Regie: Tom Hooper)
Die auf Victor Hugos Monstrum von einem Roman basierende Musicalsensation kommt auf die große Leinwand – was bietet sich einem Regisseur da an? Es wäre die große Gelegenheit, die Opulenz der Erzählung auf visueller Ebene an ihre emotionale und thematische Bandbreite anzupassen, ein spektakuläres Historienepos zu erschaffen und in schwelgerischen, aufwändigen Bildern von den titelgebenden Elenden zu erzählen. Tom Hooper jedoch wählte den entgegengesetzten Weg und nutzte die sich ihm bietenden cineastischen Möglichkeiten, um den Zuschauer noch näher an das Leid von Hugos Figuren zu rücken. Rasch geschnittene, kurze Übergangssequenzen ermöglichen im Zusammenspielt mit den ausführlichen, direkt auf die vom Schicksal gezeichneten Gesichter der Figuren haltenden Einzelsequenzen eine fast schon erschöpfende Sogwirkung, so dass es ein Leichtes ist, sich in den eingängigen Liedern und den brillanten Darbietungen von Hugh Jackman, Anne Hathaway und Co. zu verlieren. Übrigens: Das ständige Draufhauen auf Russell Crowe ist maßlos übertrieben! Aber selbst wenn man meint, über einzelne Castingentscheidungen jammern zu müssen, kann man sich nur schwerlich dem Rausch dieser genial komponierten Tragödie entziehen.

Platz 5: The Master (Regie: Paul Thomas Anderson)
Paul Thomas Anderson sinniert in diesem Drama über Sucht, Fremd- und Selbsttäuschung sowie die Glanz- und Schattenseiten einer Schüler-Mentor-Beziehung. In einem ganz eigenen, fast meditativen Tempo rückt der Regie-Virtuose zwei überlebensgroße, facettenreiche und ebenso faszinierende wie abstoßende Persönlichkeiten in den Fokus seiner opulenten 70mm-Aufnahmen: Den schwer durchschaubaren Sektenführer Lancaster Dodd (Philip Seymour Hoffman) und seinen alkoholsüchtigen, sexbesessenen Schüler Freddie Quell (Joaquín Phoenix). In wenigen, ausführlichen und soghaften Einzelszenen liefern sich Dodd und Quell ein Duell der Starrköpfigkeit, das sich durch die überwältigenden Darbietungen der Hauptdarsteller ins Gedächtnis brennt. Doch diese von Orientierungslosigkeit berichtende Geschichte ist kein Zwei-Personen-Stück: Mit Amy Adams mischt eine dritte Schauspielgröße mit, deren Figur das Geschehen unaufdringlich kommentiert und behutsam beeinflusst. Ein schauspielerisches, eindringlich inszeniertes Meisterwerk!

Platz 4: Django Unchained (Regie: Quentin Tarantino)
Brutal witzig, brutal ehrlich und brutal … äh … gewalttätig. Nachdem Quentin Tarantino in Inglourious Basterds nach eigenem Gutdünken den Zweiten Weltkrieg umschrieb, widmet sich der Kunst und Vulgarität zu einer süchtig machenden Symbiose vereinende Autorenfilmer in diesem Rachewestern der Sklaverei. Urkomische Dialoge, smarte Genrekommentare, stylische Gewaltausbrüche und umwerfende Darbietungen von Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson sowie einem zu schnell unterschätzten Jamie Foxx lassen Django Unchained trotz (typisch Tarantino!) langer Laufdauer wie in Windeseile vorbei sausen. Irgendwo zwischen Metakino, Schmuddelspaß und Westernaction fürs anspruchsvolle Publikum – kaum einer kann so dynamisch auf mehreren cineastischen Hochzeiten gleichzeitig tanzen wie Tarantino.


Platz 3: Gravity (Regie: Alfonso Cuarón)
Ein technischer Meilenstein, der von der Kritik und weiten Teilen des zahlenden Publikums euphorisch aufgenommen wurde, dessen Status als Meisterwerk aber seither von einer lauten Minderheit hinterfragt wird. Zu dünne Dialoge, zu wenig Handlung, heißt es. Doch wird Gravity von seinen Gegnern nicht für das kritisiert, was diesen Weltall-Survivalthriller auszeichnet? Die Geschichte dreht sich um zwei Astronauten, deren Space Shuttle während eines Einsatzes zerstört wird, woraufhin sie mit schwindender Hoffnung auf Rettung durch den Weltraum trudeln. Dies ist wahrlich keine glaubwürdige Szenerie für tiefschürfende, grammatikalisch komplexe Monologe, in denen zwei Hilfesuchende allmählich und unterschwellig die wahren Befindlichkeiten ihrer Seelen andeuten. Es gibt für Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) und Matt Kowalski (George Clooney) in solch einer Situation kaum etwas zu bereden, und wenn sie miteinander kommunizieren, so ist es vollends plausibel, dass sie entweder in wenigen Worten ihre missliche Lage und mögliche Rettungspläne skizzieren, oder sich in beruhigendem, wenngleich redundantem Smalltalk üben. Dass sich daraus, wenn beide befürchten, zeitnah einen grausamen Tod sterben zu müssen, letztlich Gesprächsfetzen entwickeln, in denen Ryan direkt auf einen schwer zeichnenden Schicksalsschlag zu sprechen kommt, ist da nur konsequent. Wer hat nicht bereits einmal eine persönliche Tragödie durchmachen müssen, und wieso sollte man diese Geschichte für sich behalten, wenn der Tod bereits seine Sense wetzt und es die Möglichkeit gibt, der Trauer ein letztes Mal Luft zu machen?
Die Kunstfertigkeit, die Gravity erzählerisch ausmacht, ist nicht, wie subtil oder unsubtil etwas thematisiert wird. Die große Leistung von Regisseur/Autor Alfonso Cuarón und seinen Mitautoren Jonás Cuarón & Rodrigo García ist viel mehr, mit welcher Konsequenz sie ihre Spannungsgeschichte verfolgen und wie diese mit der angeschnittenen Thematik von Verlust, Trauerüberwältigung, Angst und Zukunftsglauben räsoniert. Es braucht für den Zuschauer das Feingefühl eines Meteoriten, um Ryans seelische Wunde auszumachen, aber es dürfte Cineasten noch für Generationen beschäftigen, auseinander zu pflücken, wo die Parallelen zwischen innerer Befindlichkeit und äußerer Bedrohung zu ziehen sind, wo sich bedeutsame Differenzen auftun und wieso all dies zusammen solch eine emotionale Achterbahnfahrt ergibt. Dass der Children of Men-Regisseur in diesem Thriller obendrein entgegen jeglicher Konvention eine strikte Handlung spinnt, die auf Rückblenden oder Subplots verzichtet, und einfach nur der Protagonistin folgt, verstärkt nur die Wirkung von Gravity. Es geht um Ryans Überlebenskampf und nichts weiteres. Keine wissenschaftlichen Gedankenspiele, keine weiteren Lebensschicksale, einfach nur eine Frau und ihre Lage – durch diese Reduzierung rückt Cuarón seiner Heldin näher, als man je zuvor im digitalen Effektkino einer Hauptfigur kam. Damit beinhaltet Gravity eine beachtliche erzählerische Leistung. Und diese erst erlaubt es, dass die beeindruckende Umsetzung dieses Films mit makellosem 3D, täuschend realen Computeranimationen, schwindelerregend perfekt choreographierten, extralangen Kamerafahrten und beklemmendem Sounddesign (inklusive einem Gänsehaut-Score von Steven Price) mehr darstellt, als nur eine Demonstration der Möglichkeiten digitalen Filmemachens.

Platz 2: Lone Ranger (Regie: Gore Verbinski)
Ich habe bereits so viel über diesen Film geschrieben, es wird Zeit, anderen das Feld zu überlassen:

'' For what is perhaps the hundredth time, I’ve heard someone casually bash last summer’s film of The Lone Ranger. […] Based upon the trailers, many people thought it would be the epitome of the Big Dumb Summer American Movie. Perhaps I am guiltier than most of being contrarian, but I want to let you know that although the movie didn’t find much of an audience last summer, The Lone Ranger was actually not just good, but great. It might be the first postmodern epic. I don’t mean the term epic loosely, as in the grand exploits of a generic, steroidal hero. The Macintosh dictionary app offers an admirably succinct definition: “a long poem, typically one derived from ancient oral tradition, narrating the deeds and adventures of heroic or legendary figures or the history of a nation.” Apart from being a movie rather than a poem, Gore Verbinski’s film meets all of the other requirements. It is even a story about the creation of America, in terms of that geographically symbolic moment of an epoch, the transcontinental railroad. [..] And the final action sequence is an amazing set piece that should please fans of action films. The William Tell Overture that began the television show begins that sequence, in the adrenaline rush that begins the movie’s third act. The overture is expanded into its own extended, manic piece, somehow realizing something sublime in the weird appropriation from opera, for a Western. […] The cruelty of William Tell being forced to shoot an arrow into an apple atop his own son’s head carries with it odd semiotic resonances into the old west, as is the cruelty of the Tell’s political situation. The West is made to seem just as politically menacing. In this version of The Lone Ranger, the music is both rousing and almost comically atavistic in a scene that goes on seemingly forever, but, to my taste, without the sense of eyeball-numbing relentlessness of the late sequences in The Matrix Revolutions and Man of Steel. It is more like Buster Keaton’s The General mixed with the chase scene from Raiders of the Lost Ark mixed with The Lone Ranger. And all rather coherent, in terms of cinematography. […] [I]f you want a feel-good family epic set in the Western frontier, this movie is not for you, and if you crave a movie of such excess that casts no shadows upon the meaning of that spectacular excess, then The Lone Ranger forces you to make too many moral, political, and epistemological choices as a viewer. If you like the Crank films, though, or Samuel Beckett, or Buster Keaton, then watching The Lone Ranger can be a deeply satisfying experience.'' – John King

''Everything you need to know about the picture, its attitude towards story, myth, representation, reality and this new vision of Tonto in particular is in this first five minutes. In short, everything is at question. Who is good, what is real and not, how the story is told, where the story is happening (inside one story, and still another), what the story's stakes are ("There comes a time, kemosabe, when good man must wear mask."), and why it needs telling by this character in particular […] Everything in the film is so absurd, and so patently fabricated by the very telling, as coming from Tonto's cracked brain, that it fits as a madman's kaleidoscopic vision, not a cohesive tableau, of his life/story. Because, despite the name and the Disney trappings, this is Tonto's film: a polyphony at play, producing flux of ideas. […] The fact that a Disney tentpole was launched to tell this version of the story is something to celebrate. Furthermore, the movie is full of energy, almost like one long chase sequence, albeit with necessary pauses to spell the characters as much as the audience. Verbinski has all the right theoretical ideas for me to back when it comes to how he wants to figure the West of yesteryear. But maybe more importantly he has an eye for action set-pieces as lucid as anybody working in late Hollywood's blockbuster-bound era of the past three decades. He likewise riddles his films with sight gags, but they're never just gags — they always play into the concept of the film, and Verbinski's consistent tendency to make movies about various systems of order falling apart and/or exploding.'' – Ryland Walker Knight

''I will say it and I will say it loudly: Gore Verbinski's The Lone Ranger is perhaps the most subversive Hollywood film since Paul Verhoeven's still misunderstood sci-fi masterpiece, Starship Troopers (1997). Not only does this sneaky, revisionist epic attempt to recontextualize the history of Western films, screenwriters Justin Haythe, Ted Elliott, and Terry Rossio — working directly from Zane Grey's 1915 novel The Lone Star Ranger — have designed an ambitious journey through America's tainted, tattered history. […] Th[e] meditative walk [during the end credits] can be interpreted as history (represented by Tonto) slipping back into the past, or perhaps the truth leaving without anyone noticing. For me, it proved how intricately thoughtful The Lone Ranger truly is. Perhaps this film about two old-school heroes (who urge anyone who'd listen never take their own masks off) was a bit too modern for audiences in 2013. Hopefully, eventually, viewers will come to appreciate this inspired, unlikely, uncompromised, maniacal treasure.'' – Jesse Hawthorne Ficks

''The movie's crazy-quilt of references includes Dead Man, El Topo, Blazing Saddles, The Searchers, A Man Called Horse, the Man with No Name trilogy, Verbinski's own Rango, the cinematic contraptions of Sam Raimi and Tim Burton (check out Bonham-Carter's ivory leg-cannon!), and Keaton's train-crazy The General. (There's a General-worthy shot of Tonto perched on a long ladder that's balanced across a locomotive like a seesaw.) […] Luckily, The Lone Ranger is more than the sum of its references, because Verbinski and his screenwriters wind them around the core of a vision. This is a story about national myths: why they're perpetuated, who benefits. As we watch this story unfold, we're not seeing "reality," but a shaggy, colorful counter-myth.'' – Matt Zoller Seitz

''Wer an dieser ausgeklügelten Western-Hommage keinen Spaß hat, ist selbst Schuld.'' – Antje Wessels


Platz 1: Alles eine Frage der Zeit (Regie: Richard Curtis)
Der richtige Film mit den richtigen Darstellern und Machern im richtigen Jahr!

Mehr müsste ich meiner Ansicht nach eigentlich nicht sagen, aber ich fürchte, dass einige Leserinnen und Lesern dann nur eine Erklärung fordern würden. Gern gemacht: An anderer Stelle ging ich bereits vor einiger Zeit darauf ein, wie bemerkenswert es ist, dass in Gesprächen über Musik es gemeinhin durchaus respektiert wird, wenn jemand seinen Lieblingstitel aufgrund emotionaler Assoziationen auserkoren hat. Im Austausch über Filmkunst erfährt dies weitaus weniger Achtung – und ich frage mich, was denn so verabscheuungswürdig daran sein soll, eine emotionale Entscheidung (nämlich die Wahl des Lieblingsfilms) auf Basis von Gefühlen zu treffen. Also, ich habe kein Problem damit. Kinners, keine Bange: Wäre ich Mitglied der Hollywood Foreign Press oder der Academy of Motion Picture Arts & Sciences, käme ich keineswegs auf den Gedanken, aus rein sentimentalen Gründen Alles eine Frage der Zeit als besten Film vorzuschlagen. Aber solange ich in meinem Blog eine höchst persönliche Liste über meinen ganz eigenen Lieblingsfilm 2013 erstelle? Wieso zum Geier sollte ich Richard Curtis' jüngste Regiearbeit nicht auf den ersten Platz setzen?

Sie weiß mich einfach zu umschmeicheln! Dieses liebevolle Comedy-Drama mit einem hauchzarten Fantasy-Twist und wohl gewählten schwermütigen Momenten erzählt von einem schüchternen 21-Jährigen namens Tim Lake, der von seinem Vater eröffnet bekommt, dass er (genauso wie jeder andere seiner männlichen Anverwandten) die Fähigkeit hat, durch die Zeit zurückzureisen. Tim kann dies aber nur nutzen, um Momente in seinem eigenen Leben erneut zu besuchen und nach Wunsch umzuschreiben. Wie Tim bald darauf lernen muss, hilft ihm diese Fähigkeit aber nicht, einseitige romantische Gefühle in beidseitige Liebe umzuformen. Trotzdem nutzt Tim das Zeitreisen, um dann und wann Kleinigkeiten zu korrigieren – mal mit freudigen, mal mit desaströsen Folgen. Regisseur und Autor Richard Curtis lässt vor diesem reizvollen Hintergrund eine ruhige, sentimentale und humorvolle Reflexion über Liebe, Familienzusammenhalt und Hoffnung spielen.

Es geht um Tod, das Finden des richtigen Lebenspartners und das behutsame Aufbauen eines eigenen Lebens sowie einer ganz eigenen Lebensphilophie. Wunderschön erzählt und technisch makellos eingefangen, in ein liebliches musikalisches Kleid gehüllt – und somit der Film, in den ich mich mehr verlieren konnte als in jeder anderen Produktion des Jahres 2013. Von den ersten Minuten an traf Curtis mit seiner dezent-britischen Verschrobenheit und großen, ehrlichen Einfühlsamkeit genau den Nerv, den es bei mir zu treffen galt. Nicht zuletzt auch dank des goldigen Domhnall Gleeson und der bezaubernden Rachel McAdams in den Hauptrollen sowie Bill Nighy und Tom Hollander in tollen Nebenrollen. Kurzum: Romantikspezialist Richard Curtis gelang eine berührende Verschmelzung aus Dramatik, Romantik und Humor, die in meinem Filmherzen für immer fest mit dem Kinojahr 2013 verbunden sein wird und mich glücklich (sowie einer leichten Spur von Gänsehaut) strahlen lässt.

Siehe auch:

Freitag, 17. Januar 2014

Die Nominierungen für die 86. Academy Awards



Die erste Phase der Unklarheit liegt hinter uns, liebe Filmfans. Nun steht fest, welche Filme und welche Filmschaffenden sich dieses Jahr Hoffnungen auf einen Academy Award machen dürfen. American Hustle überrascht mit starken zehn Nominierungen, Gravity zog gleich und 12 Years a Slave landete mit neun Nennungen direkt dahinter. Wie sich dies auf meine Prognose auswirkte? Schauen wir mal nach ...

Bester Film

  • American Hustle
  • Captain Phillips
  • Dallas Buyers Club
  • Gravity
  • Her
  • Nebraska
  • Philomena
  • 12 Years a Slave
  • The Wolf of Wall Street
Prognose: 8/10
Weder sah ich kommen, dass es nur neun Nominierungen gibt, noch habe ich mit Philomena gerechnet. Leider musste Saving Mr. Banks hier aussetzen, wie in nahezu allen Kategorien. Der herzliche Streifen fiel bei der Academy offenbar durch und wurde nur in der Musik-Kategorie nominiert, womit er auch in Sparten fehlt, wo er eine sichere Wette schien. Etwa bei der Hauptdarstellerin oder dem Produktionsdesign.

Beste Regie
  • Alfonso Cuarón – Gravity
  • Steve McQueen – 12 Years a Slave
  • Alexander Payne – Nebraska
  • David O. Russell – American Hustle
  • Martin Scorsese – The Wolf of Wall Street
Prognose: 4/5
Paul Greengrass zog den Kürzeren und machte Platz für Alexander Payne, dessen Nebraska vergleichsweise stark ankam. Schade, denn ich finde, dass Captain Phillips eine sehr beeindruckende Regieleistung war. Auch Spike Jonze vermisse ich ...

Bester Hauptdarsteller
  • Christian Bale – American Hustle 
  • Bruce Dern – Nebraska 
  • Leonardo DiCaprio – The Wolf of Wall Street 
  • Chiwetel Ejiofor – 12 Years a Slave 
  • Matthew McConaughey – Dallas Buyers Club
Prognose: 4/5
Christian Bale bricht entgegen vieler (und meiner) Prognosen ins Feld ein und kegelt somit Tom Hanks raus, der gegen Ende von Captain Phillips seine beste Leistung der vergangenen zehn Jahre ablieferte. Und David O. Russel? Der verhilft zum zweiten Mal hintereinander vier Darstellern zu einer Oscar-Nominierung ...

Beste Hauptdarstellerin

  • Amy Adams – American Hustle
  • Cate Blanchett – Blue Jasmine
  • Sandra Bullock – Gravity
  • Judi Dench – Philomena
  • Meryl Streep – Im August in Osage County
Prognose: 4/5
Von wegen "Entweder Streep oder Adams"! Beide haben es ins heiß umkämpfte Film geschafft, dafür ist Emma Thompson nicht mit dabei. So oder so: Ein starkes Feld an Hauptdarstellerinnen, das sich wahrscheinlich zwischen Adams und Blanchett entscheiden wird. Oder überrascht Bullock mit einem Sieg?

Bester Nebendarsteller
  • Barkhad Abdi – Captain Phillips
  • Bradley Cooper – American Hustle
  • Michael Fassbender – 12 Years a Slave
  • Jonah Hill – The Wolf of Wall Street
  • Jared Leto – Dallas Buyers Club
Prognose: 4/5
Die Wolfsliebe war dann doch größer als erwartet, und reichte weit genug, um Superbad-Star Jonah Hill seine zweite Oscar-Nominierung zu sichern. Wann wird ihm Seth Rogen in den Club der Oscar-Nominierten folgen? 

Beste Nebendarstellerin
  • Sally Hawkins – Blue Jasmine
  • Jennifer Lawrence – American Hustle
  • Lupita Nyong’o – 12 Years a Slave
  • Julia Roberts – Im August in Osage County
  • June Squibb – Nebraska
Prognose: 5/5
Selbstredend hat sich Oprah Winfrey nicht durchgesetzt! So gehört sich das! Glückwünsche an dieser Stelle an Sally Hawkins, die nun endlich ihre erste Oscar-Nominierung erhielt, nachdem sie ja für Happy Go-Lucky leer ausging.

Bestes Originaldrehbuch
  • American Hustle – Eric Warren Singer und David O. Russell
  • Blue Jasmine – Woody Allen
  • Dallas Buyers Club – Craig Borten und Melisa Wallack
  • Her – Spike Jonze
  • Nebraska – Bob Nelson
Prognose: 4/5
Auch wenn ich hier erneut das Fehlen von Saving Mr. Banks beklagen darf, ist es kein überraschendes sowie kein peinliches Feld. Dramatik, Humor und Tragikomik sind allesamt vertreten, womit diese Sparte auch sehr abwechslungsreich ausfällt. Ein wiederkehrendes Thema dieses Jahr ...

Bestes adaptiertes Drehbuch
  • 12 Years a Slave – John Ridley 
  • Before Midnight – Richard Linklater, Julie Delpy, Ethan Hawke 
  • Captain Phillips – Billy Ray 
  • Philomena – Steve Coogan und Jeff Pope 
  • The Wolf of Wall Street – Terence Winter
Prognose: 5/5
Würde es doch immer so laufen ... :-D

Bester Animationsfilm
  • Die Croods
  • Ich - Einfach unverbesserlich 2
  • Ernest & Celestine
  • Die Eiskönigin
  • The Wind Rises
Prognose: 4/5
Es ist ja in Ordnung, dass Die Croods oder Ich - Einfach unverbesserlich 2 drin sind. Aber dass beide Filme drin sind, während Die Monster Uni fehlt? Gutes Design im ersten, anspruchsloser Spaß im zweiten und Pixar-Charme im dritten. Was ging schief? War es das "Träume werden nicht wahr"-Thema? Hat Pixar einfach genug gewonnen? Mag die Academy keine Prequels?

Bester fremdsprachiger Film
  • The Broken Circle – Belgien
  • Das fehlende Bild  – Kambodscha
  • Die Jagd – Dänemark
  • La Grande Bellezza – Die große Schönheit – Italien 
  • Omar – Palästinensische Autonomiegebiete
Prognose: 3/5
Ungewöhnlich, nicht aber revolutionär, dass The Grandmaster zwei Nominierungen erhielt, aber keine in dieser Sparte.

Bester animierter Kurzfilm
  • Feral 
  • Get a Horse!
  • Mr Hublot 
  • Possessions
  • Für Hund und Katz ist auch noch Platz 
Prognose: 3/5
Geht so in Ordnung, denke ich ...

Bester Kurzfilm
  • That Wasn't Me
  • Avant que de tout perdre
  • Helium
  • Do I Have To Take Care of Everything?
  • The Voorman Problem 
Prognose: 3/5
Martin Freeman und Tom Hollander als Therapeut und ein sich für Gott haltender Philosoph ... eigentlich kein Wunder, dass The Voorman Problem nominiert wurde ...

Bestes Produktionsdesign
  • 12 Years a Slave – Adam Stockhausen und Alice Baker
  • American Hustle – Judy Becker und Heather Loeffler
  • Gravity – Andy Nicholson, Rosie Goodwin und Joanne Woollard
  • Der große Gatsby – Catherine Martin und Beverley Dunn
  • Her – K. K. Barrett und Gene Serdena
Prognose: 3/5
Erneut: Es ist zwar schade, dass Saving Mr. Banks fehlt, trotzdem gibt es über diese einmalige, abwechslungsreiche Auswahl nichts zu meckern!

Beste Kamera
  • The Grandmaster – Philippe Le Sourd
  • Gravity – Emmanuel Lubezki
  • Inside Llewyn Davis – Bruno Delbonnel
  • Nebraska – Phedon Papamichael
  • Prisoners – Roger Deakins
Prognose: 4/5
Starke, starke Auswahl.

Beste Kostüme
  • 12 Years a Slave – Patricia Norris
  • American Hustle – Michael Wilkinson
  • The Grandmaster – William Chang Suk Ping
  • Der große Gatsby  – Catherine Martin
  • The Invisible Woman – Michael O'Connor
Prognose: 3/5
Ich bin etwas baff wegen The Grandmaster, trotzdem kann ich auch hier nicht wirklich meckern.

Bester Dokumentarfilm
  • The Act of Killing 
  • Cutie and the Boxer 
  • Dirty Wars: The World Is a Battlefield 
  • Al Midan 
  • 20 Feet from Stardom
Prognose: 3/5
Dass es weder Blackfish noch Stories We Tell geschafft haben gehört zu den ärgsten Snubs dieses Oscar-Jahres. Selbst wenn er kaum diskutiert wird ...

Beste Kurzdokumentation
  • CaveDigger
  • Facing Fear
  • Karama Has No Walls
  • The Lady in Number 6
  • Reed Prison Terminal: The Last Days of Private Jack Hall
Prognose: 5/5
Ich habe mich bei meiner Vorhersage allein an den behandelten Themen der Kurzdokus entlanggehangelt, und siehe da, ich hatte Glück damit!

Bester Schnitt
  • 12 Years a Slave – Joe Walker 
  • American Hustle – Jay Cassidy, Crispin Struthers und Alan Baumgarten 
  • Captain Phillips – Christopher Rouse 
  • Dallas Buyers Club – John Mac McMurphy und Martin Pensa 
  • Gravity – Alfonso Cuarón und Mark Sanger
Prognose: 4/5
Ich bin noch immer perplex, weil es The Wolf of Wall Street nicht geschafft hat. Eine kleine Sensation, wenn ihr mich fragt ...

Bestes Make-up & Hairstyling
  • Dallas Buyers Club – Adruitha Lee und Robin Mathews 
  • Jackass presents: Bad Grandpa – Stephen Prouty
  • Lone Ranger – Joel Harlow und Gloria Pasqua-Casny
Prognose: 2/3
Yiiiiiiieeee-haw!

Beste Musik
  • Die Bücherdiebin – John Williams 
  • Gravity – Steven Price 
  • Her – William Butler und Owen Pallett 
  • Philomena – Alexandre Desplat 
  • Saving Mr. Banks – Thomas Newman
Prognose: 3/5
Mir fehlt Zimmer in dieser Liste ...

Bester Filmsong

  • Alone, Yet Not Alone aus Alone Yet Not Alone – Bruce Broughton und Dennis Spiegel 
  • Happy aus Ich – Einfach Unverbesserlich 2 – Pharrell Williams 
  • Let It Go aus Die Eiskönigin – Idina Menzel, Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez 
  • The Moon Song aus Her – Karen Lee Orzolek und Spike Jonze 
  • Ordinary Love aus Mandela – Der lange Weg zur Freiheit – U2
Prognose: 2/5
Die Songkategorie, stets für eine Überraschung gut! Wer hätte schon mit Happy gerechnet? Geschweige denn mit dem christlichen Alone, Yet Not Alone? Und wo ist Lana del Rey?

Bester Ton
  • Captain Phillips – Chris Burdon, Mark Taylor, Mike Prestwood Smith und Chris Munro 
  • Gravity – Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro 
  • Der Hobbit – Smaugs Einöde  – Christopher Boyes, Michael Hedges, Michael Semanick und Tony Johnson 
  • Inside Llewyn Davis – Skip Lievsay, Greg Orloff und Peter F. Kurland 
  • Lone Survivor – Andy Koyama, Beau Borders und David Brownlow
Prognose: 3/5
Soll mir recht sein.

Bester Tonschnitt
  • All Is Lost – Steve Boeddeker und Richard Hymns
  • Captain Phillips – Oliver Tarney 
  • Gravity – Glenn Freemantle 
  • Der Hobbit – Smaugs Einöde – Brent Burge 
  • Lone Survivor – Wylie Stateman
Prognose: 4/5
Ich vermisse zwar Die Eiskönigin, bin aber dennoch zufrieden.

Beste Effekte
  • Gravity – Tim Webber, Chris Lawrence, Dave Shirk und Neil Corbould 
  • Der Hobbit – Smaugs Einöde – Joe Letteri, Eric Saindon, David Clayton und Eric Reynolds 
  • Iron Man 3 – Christopher Townsend, Guy Williams, Erik Nash und Daniel Sudick 
  • Lone Ranger – Tim Alexander, Gary Brozenich, Edson Williams und John Frazier 
  • Star Trek Into Darkness – Roger Guyett, Patrick Tubach, Ben Grossmann und Burt Dalton
Prognose: 4/5
Ein Hoch auf den Ranger! ;-)

Insgesamt habe ich 91 von 123 Punkten. Wirklich nicht mein schlechtester Schnitt. Nun gilt es, die Gewerkschaftspreise zu verfolgen, die letzten filmischen Wissenslücken zu schließen und sich so perfekt auf die Oscar-Verleihung einzustimmen.

Donnerstag, 16. Januar 2014

Oscar 2014: Meine komplette Prognose der Nominierungen für die 86. Academy Awards


Gegen 14.30 Uhr MEZ wird Chris Thor Hemsworth vor die Kameras treten und die Nominierungen in den populärsten Oscar-Kategorien verlesen. Und somit tritt er die heiße Phase der Award-Saison los, in der jeder Filmliebhaber in muntere Spekulationen, laute Jubelschreie und erzürnte Schimpftiraden gerät.

In den vergangenen Tagen und Wochen habe ich mich um Vorhersagen in nahezu allen Kategorien versucht, die ich nun an dieser Stelle als kleinen Service für alle Leserinnen und Leser zusammenfasse. Die genauen Erläuterungen sind jeweils verlinkt. Außerdem gebe ich auch in den "stiefmütterlichen" Kategorien Prognosen ab, wobei ich gestehen muss, da rein nach Bauchgefühl aus den wichtigsten Anwärtern ausgewählt zu haben.

  • Gravity
  • 12 Years a Slave
  • American Hustle
  • Captain Phillips
  • The Wolf of Wall Street
  • Her
  • Nebraska
  • Inside Llewyn Davis
  • Saving Mr. Banks
  • Dallas Buyers Club

Beste Regie:
  • Alfonso Cuarón, Gravity
  • Paul Greengrass, Captain Phillips
  • Steve McQueen, 12 Years a Slave
  • David O. Russell, American Hustle
  • Martin Scorsese, The Wolf of Wall Street

  • Cate Blanchett, Blue Jasmine
  • Sandra Bullock, Gravity
  • Judi Dench, Philomena
  • Emma Thompson, Saving Mr. Banks
  • Amy Adams, American Hustle

  • Bruce Dern, Nebraska
  • Chiwetel Ejiofor, 12 Years a Slave
  • Tom Hanks, Captain Phillips
  • Matthew McConaughey, Dallas Buyers Club
  • Leonardo DiCaprio, The Wolf of Wall Street

  • Jennifer Lawrence, American Hustle
  • Lupita Nyong'o, 12 Years a Slave
  • Julia Roberts, Im August in Osage County
  • June Squibb, Nebraska
  • Sally Hawkins, Blue Jasmine

  • Jared Leto, Dallas Buyers Club
  • Michael Fassbender, 12 Years a Slave
  • Barkhad Abdi, Captain Phillips
  • Bradley Cooper, American Hustle
  • Daniel Brühl, Rush

  • Ich - Einfach unverbesserlich 2
  • Ernest & Celestine
  • Die Eiskönigin - Völlig unverfroren
  • Die Monster Uni
  • The Wind Rises

  • David O. Russell & Eric Singer, American Hustle
  • Woody Allen, Blue Jasmine
  • Craig Borten & Melisa Wallack, Dallas Buyers Club
  • Spike Jonze, Her
  • Bob Nelson, Nebraska

  • Tracy Letts, Im August in Osage County
  • Richard Linklater, Julie Delpy & Ethan Hawke, Before Midnight
  • Billy Ray, Captain Phillips
  • Steve McQueen, John Ridley, 12 Years a Slave
  • Terence Winter, The Wolf of Wall Street

  • Sean Bobbit, 12 Years a Slave
  • Phillippe Le Sourd, The Grandmaster
  • Emmanuel Lubezki, Gravity
  • Bruno Delbonnel, Inside Llewyn Davis
  • Roger Deakins, Prisoners

  • Alfonso Cuarón & Mark Sanger, Gravity
  • Joe Walker, 12 Years a Slave
  • Christopher Rouse, Captain Phillips
  • Thelma Shoonmaker, The Wolf of Wall Street
  • Jay Cassidy & Crispin Struthers & Alan Baumgarten, American Hustle

  • Randy Newman, Die Monster Uni
  • John Williams, Die Bücherdiebin
  • Steven Price, Gravity
  • Thomas Newman, Saving Mr. Banks
  • Hans Zimmer, 12 Years a Slave
  • “Amen” aus All Is Lost 
  • “Let It Go” aus Die Eiskönigin 
  • “Young and Beautiful” aus Der große Gatsby
  • “The Moon Song” aus Her 
  • “My Lord Sunshine (Sunrise)” aus 12 Years a Slave
  • Catherine Martin, Der große Gatsby
  • Michael Corenblith, Saving Mr. Banks
  • Adam Stockhausen, 12 Years a Slave
  • Judy Becker, American Hustle
  • Dan Hennah, Der Hobbit: Smaugs Einöde

  • Catherine Martin, Der große Gatsby
  • Patricia Norris, 12 Years a Slave
  • Michael Wilkinson, American Hustle
  • Daniel Orlandi, Saving Mr. Banks
  • Gary Jones, Die fantastische Welt von Oz

  • Captain Phillips
  • Gravity
  • Inside Llewyn Davis
  • 12 Years a Slave
  • Rush

  • Die Eiskönigin
  • Captain Phillips
  • Gravity
  • All is Lost
  • Lone Survivor

  • Lone Ranger
  • Dallas Buyers Club
  • American Hustle
(Anmerkung: Im Dezember gab ich noch Der große Gatsby den Vorsprung gegenüber American Hustle, was ich mittlerweile bezweifle und daher hier, bei meiner finalen Prognose, korrigieren möchte.)

  • Lone Ranger
  • Iron Man 3
  • Gravity
  • Pacific Rim
  • Der Hobbit: Smaugs Einöde
(Anmerkung: Auch hier weiche ich aufgrund jüngerer Entwicklungen, wie etwa der Nominierungen für die Visual Effects Society Awards von meiner Dezember-Prognose ab.)

  • The Broken Circle (Belgien)
  • Die Jagd (Dänemark)
  • The Grandmaster (Hongkong)
  • Das große Heft (Ungarn)
  • La Grande Bellezza – Die große Schönheit (Italien)

Beste Dokumentation:
  • 20 Feet From Stardom
  • Blackfish
  • The Act of Killing
  • Stories We Tell
  • The Square
Beste Kurz-Dokumentation:
  • The Lady in Number 6
  • Karama Has No Walls
  • Cavedigger
  • Facing Fear
  • Prison Terminal: The Last Days of Private Jack Hall
Bester Animations-Kurzfilm:
  • Get a Horse!
  • The Missing Scarf
  • Feral
  • Mr. Hublot
  • Requiem for Romance
Bester Kurzfilm:
  • That Wasn't Me
  • Do I Have To Take Care of Everything
  • Two
  • Record/Play
  • Helium

Mittwoch, 15. Januar 2014

Oscar 2014: Wer wird für das beste Produktionsdesign nominiert?


Es ist schwer, seinen persönlichen Lieblingen "Adieu!" zu sagen, doch ich würde mir nur selber ins Fleisch schneiden, wenn ich weiterhin darauf bestehe, dass Lone Ranger für das beste Produktionsdesign nominiert wird. Mit einem 1930er Jahrmarkt, einem wandernden Sündenpfuhl, einer detaillierten Westernstadt sowie historisch akkuraten Zügen hätte sich Gore Verbinskis Westernepos redlich eine Nominierung verdient, jedoch stehen die Chancen aufgrund des (noch!) eher mageren Rufs des Films und einer fehlenden Nominierung bei den Gewerkschaftspreisen der Produktionsdesigner überaus mies.

Trotzdem steht sicherlich eine Disney-Nominierung zu erwarten: Saving Mr. Banks umfasst eine Vielfalt an handwerklichen und künstlerischen Herausforderungen, da sowohl das Farmleben in "Old Time England" als auch das Hollywood der 60er rekreiert wurden und zudem das kalifornische Disneyland der Gegenwart mühselig zurück in seinen damaligen Zustand zurückversetzt werden musste. Damit sind Michael Corenblith & Susan Benjamin gesetzt. Außerdem holt sich mit großer Sicherheit das Der große Gatsby-Team Catherine Martin & Beverly Dunn eine Nominierung, erschufen sie doch eine brodelnde, farbenfrohe Baz-Luhrmann-Version des Big Apple in den 20ern. Und weshalb das Sklavendrama 12 Years a Slave Adam Stochausen & Alice Baker, die Armut, chaotische Großstädte und Südstaatenreichtum zeigten, eine Nominierung beschert, muss man wohl kaum erläutern.

So sicher ich mir bei diesen drei Filmen bin, so unsicher bin ich mir, welche Filme die zwei verbliebenen Plätze ausfüllen werden. Gravity ist ein naheliegender Kandidat: Starke 3D-Welten werden mittlerweile gerne berücksichtigt, zudem ist der hohe Grad an Realismus bemerkenswert. Jedoch könnte dies genauso gut in der Effektkategorie prämiert werden. Ein weiterer Kandidat wäre Der Hobbit: Smaugs Einöde, da bisher sämtliche Mittelerde-Filme in dieser Kategorie repräsentiert wurden und nun mit Smaugs Höhle und der Seestadt zwei neue beachtliche neue Umgebungen hinzukamen. Andererseits kam der erste Hobbitt schon bei der Academy relativ schwach an ... wird sie Teil zwei nun überhaupt beachten?

Inside Llewyn Davis bietet sich aufgrund seiner mühevoll ausgestatteten Hintergründe an, ebenso wie die sanfte Zukunftsvision von Her oder American Hustle mit den großen Gegensätzen zwischen Büro- und Disco-Welt. Und dann wären da noch der Historienschinken Invisible Woman und Disneys Fantasyspektakel Die fantastische Welt von Oz ...

Schlussendlich gebe ich American Hustle und dem Hobbit einen leichten Vorteil, weil ersterer viel Buzz genießt und letzterer fast schon Tradition ist.

Meine Prognose:

  • Catherine Martin, Der große Gatsby
  • Michael Corenblith, Saving Mr. Banks
  • Adam Stockhausen, 12 Years a Slave
  • Judy Becker, American Hustle
  • Dan Hennah, Der Hobbit: Smaugs Einöde