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Montag, 8. April 2013

Joseph Kosinski hält Disneys Retro-Sci-Fi-Franchises weiter auf Trab


Hallo und herzlich willkommen zurück bei unserem beliebten Artikelsegment "Disney-Realfilmregisseure, deren Nachnamen auf -ski enden, werden hier wahnsinnig gehypt, weil ihre Regiearbeiten angenehm aus dem üblichen Disney-Rahmen fallen". Heute im Fokus: Joseph Kosinski.

Vor US-Kinostart von Tron: Legacy sah die Welt für den früheren Architekten großartig aus. Studiointern herrschte massives Vertrauen in die kommerziellen Aussichten des Films, Kosinski wurde als fähiger, umgänglicher Regisseur gelobt und deshalb mit weiteren Disney-Projekten anvertraut (darunter Tron 3 und einem Remake von Das schwarze Loch) und das Maushaus war auch sehr an einer raschen Adaption von Kosinskis Graphic Novel Oblivion interessiert.

Dann aber unterbot Tron: Legacy Disneys hoch gesteckte Erwartungen im Bezug auf das Einspielergebnis. Das Studio war nun plötzlich nicht mehr so komfortabel damit, Kosinski ausreichend Geld für einen atypischen, relativ düsteren Film ohne berühmte Vorlage zur Verfügung zu stellen, weshalb Oblivion zu Universal wanderte. Um Das schwarze Loch wurde es still und Tron 3 wurde vom Erfolg des Tron-Franchises auf dem Heimkino-, Fernseh- und Merchandising-Markt gemacht. Erst vor wenigen Monaten erlangte die Kinofortsetzung für Disney erhöhte Priorität und immerhin hielt man an Kosinski fest.

Aufgeschoben ist in diesem Fall jedoch wahrlich nicht aufgehoben: Wie Kosinski nun stolz verkündete, sind Das schwarze Loch und Tron 3 weiterhin wohl auf. Und stehen kurz davor, spruchreif für große Ankündigungen zu sein.

The Hollywood Reporter bestätigte bereits, dass Das schwarze Loch ein solides Skript hat, welches nun von Jon Spaihts aufgepeppt werden soll, was ein Novum für den Sci-Fi-Autor darstellt. Spaihts baute sich zuletzt eine Reputation als Drehbuchautor auf, dessen Skriptentwürfe für The Darkest Hour und Prometheus branchenintern gefeiert wurden und dann via Drehbuchüberarbeitungen aus fremder Hand, Studioentscheidungen und Regiebeschlüsse zu eher polasierenden Werken wurden. Kosinski selbst verspricht, dass sein Remake des Disney-Kultfilms das Potential voll ausschröpft und auch eine große, aufregende Ankündigung bevorsteht. Selbiges gelte für Tron 3. Titel und Story stehen, man wolle sich voll auf die Implikationen des Finales von Tron: Legacy stürzen und nach rund 30 Jahren Teasing endlich all das bieten, was die Tron-Welt ermöglichen würde.

Und mit einer baldigen Ankündigung soll uns einiges über den Film klar werden.

Viel heiße Luft oder erobert Kosinski bald neue cineastische Ebenen? Ich platze fast vor Neugierde ...

Montag, 4. Februar 2013

Die 40. Annie Awards: "Ralph reicht's" räumt ab


Am Wochenende wurden zum 40. Mal die Annie Awards verliehen, die namenhaftesten Preise der Animationsbranche. Nachdem Disney, vor sehr kontroversen Hintergründen, in den vergangenen Jahren denkbar schwach abschnitt, kehrte das Maus-Haus bei der diesjährigen Verleihung wieder in den Kreis der stattlichen Gewinner zurück: Ralph reicht's, Disneys 52. abendfüllender Trickfilm, sahnte richtig ab und gewann den Preis in fünf Kategorien, darunter auch der für den besten Langfilm. Außerdem wurde Paperman als bester Kurzfilm geehrt, darüber hinaus gingen vereinzelte Auszeichnungen auch an Merida und Tron Uprising.

Und hier findet ihr die vollständige Auflistung der Gewinner:

Bester Animationsfilm: Ralph reicht's 
Bestes animiertes Special: Despicable Me - Minion Mayhem 
Bester Kurzfilm: Paperman 
Beste animierte Vorschulserie: Bubble Guppies 
Beste animierte Kinderserie: Die Drachenreiter von Berk 
Beste Trickserie für ein allgemeines Publikum: Robot Chicken 
Bestes animiertes Videospiel: Journey 
Bester Studentenfilm: Head Over Heels 

Beste animierte Effekte in einem Animationsfilm: Andy Hayes, Carl Hooper, David Lipton – Die Hüter des Lichts
Beste animierte Effekte in einem Realfilm Jerome Platteaux, John Sigurdson, Ryan Hopkins, Raul Essig, Mark Chataway - The Avengers 
Beste Figurenanimation in einer animierten Fernsehproduktion: Dan Driscoll - SpongeBob Schwammkopf: It’s a SpongeBob Christmas! 
Beste Figurenanimation in einer animierten Kinoproduktion: Travis Knight - ParaNorman 
Beste Figurenanimation in einem Realfilm: Erik de Boer, Matt Shumway, Brian Wells, Vinayak Pawar, Michael Holzl - Life of Pi – 'Tiger' 
Bestes Figurendesign in einer animierten Fernsehproduktion: Robert Valley - Tron Uprising 
Bestes Figurendesign in einer animierten Kinoproduktion: Heidi Smith - ParaNorman 
Beste Regie einer animierten Fernsehproduktion: John Eng -Die Drachenreiter von Berk  
Beste Regie einer animierten Kinoproduktion: Rich Moore - Ralph reicht's  
Beste Musik in einer animierten Fernsehproduktion: John Paesano - Die Drachenreiter von Berk  
Beste Musik in einer animierten Kinoproduktion: Henry Jackman - Ralph reicht's 
Bestes Produktionsdesign in einer animierten Fernsehproduktion: Alberto Mielgo - Tron Uprising 
Bestes Produktionsdesign in einer animierten Kinoproduktion: Steve Pilcher - Merida 
Bestes Storyboard einer animierten Fernsehproduktion: Doug Lovelave - Die Drachenreiter von Berk 
Bestes Storyboard einer animierten Kinoproduktion: Johanne Matte - Hüter des Lichts 
Beste(r) Sprecher(in) in einer animierten Fernsehproduktion: Kristen Schaal - Gravity Falls 
Beste(r) Sprecher(in) in einer animierten Kinoproduktion: Alan Tudyk - Ralph reicht's  
Bestes Drehbuch einer animierten Fernsehproduktion: Trey Parker - South Park 
Bestes Drehbuch einer animierten Kinoproduktion: Phil Johnston und Jennifer Lee - Ralph reicht's  
Bester Schnitt einer animierten Fernsehproduktion: Hugo Morales, Adam Arnold, Davrik Waeden, Otto Ferraye - Kung Fu Panda 
Bester Schnitt einer animierten Kinoproduktion: Nicholas A. Smith, Robert Graham Jones und David Suther - Merida

Winsor McCay Award: Oscar Grillo, Tim Burton, Mark Henn
June Foray Award: Howard Green
Ub Iwerks Award: Toon Boom Animation Pipeline
Tex Avery Award: June Foray

Samstag, 15. Dezember 2012

Tron 3: Das Raster wird neu aufgestellt

Offenbar war es keine leere Behauptung, dass Disney mit Hochdruck an Tron 3 arbeitet: Tron: Legacy-Hauptdarsteller Garrett Hedlund wurde nun (wenig überraschend, doch aber sehr erfreulicherweise) auch für den dritten Teil der technisch so sprunghaften Tron-Saga bestätigt und auch Regisseur Joseph Kosinski, der sich bislang eher über den nächsten Film der Reihe ausschwieg, gab nun einige aufregende Ankündigungen von sich.

So erklärte er, dass die Filmreihe weiter in Echtzeit ablaufen werde. Ganz gleich, wie viel Zeit schlussendlich zwischen den Kinostarts von Tron: Legacy und Tron 3 vergehen wird, so viel Zeit wird auch zwischen den jeweiligen Storys liegen. Mit diesem Zeitsprung wird auch eine visuelle Veränderung einhergehen. Gegenüber Collider verriet Kosinski:

"Ich will nicht zu viel darüber sagen, aber das Ziel ist es nicht einfach, wieder zu verwerten. Wir werden nicht schlicht das Design von Tron: Legacy noch einmal nutzen, wo bliebe da der Spaß? Wenn wir den Film machen, dann werden wir alles neu erfinden und eine völlig neue Generation [des Rasters] schöpfen, und das aus Motiven, die enorm handlungsgesteuert sind."

Schlüssig wäre dies auf jeden Fall. Computersysteme ändern sich schnell, zudem wäre es unsinnig, das bekannte Rasterdesign 1:1 neu zu verwenden. Aber was erwartet uns inhaltlich? Nun, Kosinski verrät bloß, dass an den Schluss von Tron: Legacy angeknüpft wird und ...

"wir haben eine Idee, die sich riesig anfühlt und wirklich die Ketten des Franchises sprengen wird. Es wurden zwei Filme lang Versprechungen und Andeutungen gemacht, und das dreißig Jahre lang, also ist es an der Zeit, endlich abzuliefern."

Klingt so, als sei auch der Wille da, die Makel der Vorgänger auszubügeln. Mit dem Schluss von Tron: Legacy schuf man zweifelsohne die Grundlage für eine enorm actionreiche und/oder clevere Story. Mal abwarten, welchen Weg Kosinski und Co. einschlagen. Und wie erfolgreich ...

Freitag, 7. Dezember 2012

Dritter "Tron"-Teil hat erhöhte Priorität für Disney

Gute Aussichten für alle Tron-Fans!

Wir erinnern uns: 2010 startete Disney nach Jahren der intensiven Promoarbeit die heiß ersehnte Fortsetzung des Kultfilms Tron. Trotz Disneys überaus redlicher Bemühungen, die Öffentlichkeit heiß auf Tron: Legacy zu machen, erreichte die hyperstylische Produktion an den Kinokassen bloß eine schwer definierbare Grauzone. Mit 400 Millionen Dollar weltweit war das audiovisuelle Erlebnis zu gefragt, um als Flop zu gelten, allerdings war es bei einem Kostenpunkt von rund 170 Millionen nicht so kommerziell einträglich, dass eine Fortsetzung geschäftlich betrachtet schnell herbei musste.

Seither hält uns Disney hin. Die Zukunft der Tron-Filmreihe sei von den Verkaufszahlen der Blu-ray abhängig ... Die Entscheidung fiele, nachdem sich abgezeichnet hat, ob die Trickserie Tron: Uprising beim Publikum Anklang findet ... 

Nun kommt endlich Bewegung in die Akte Tron 3: Wie Heat Vision erfuhr, bedenkt der Alan Horn, der neue Chef der Disney Studios, den Sci-Fi-Film mit neuer Dringlichkeit. Um den Film voranzutreiben, bittet Disney den Drehbuchautor Jesse Wigutow um einen neuen Skriptentwurf. Im März holte das Studio noch David DiGilio an Bord, um ein Drehbuch zu entwickeln. Die Tron: Legacy-Autoren Edward Kitsis und Adam Horowitz, die auch die frühen Grundlagen für Tron 3 prägten, sind derzeit zu sehr mit ihrer ABC-Serie Once Upon a Time beschäftigt, weshalb sie sich bloß als Produzenten an der Fortsetzung beteiligen. Tron: Legacy-Co-Produzent Justin Springer wird ebenfalls als Produzent von Tron 3 aktiv sein.

Die erhöhte Priorität, die Alan Horn dem Projekt gibt, äußert sich auch darin, dass das Studio nun fest mit einer Rückkehr des Tron: Legacy-Regisseurs Joseph Kosinski plant. Zuletzt wurde die Regiefrage offen gehalten. Kosinski ist derzeit mit der Postproduktion der Realverfilmung seiner dystopischen Graphic Novel Oblivion beschäftigt. Danach stünde der Ex-Architekt wieder zur Verfügung. Die Zeichen für ein schnelles Vorwärtskommen von Tron 3 sind nun also so gut wie nie zuvor ...

Dienstag, 6. November 2012

11 Regisseure für "Star Wars: Episode VII"


Der Disney/Star Wars-Deal setzte vergangene Woche das Internet in Flammen. Neben großer Verwunderung gab es auch zahllose schockierte, erboste Reaktionen von Star Wars-Fans und Gelegenheitspessimisten, die Star Wars nun ins Kinderspielparadies umziehen sehen. Dass ich widerspreche, sollte niemanden überraschen, und weshalb genau ich Disney als eine annehmbare Heimat für Luke, Leia, Darth Vader und Co. halte, könnt ihr hier nachlesen.

Statt rumzuflennen, dass Disney Star Wars runinieren wird, sollten wir lieber unsere Energien darauf verwenden, über die möglichen Regisseure von Star Wars: Episode VII zu spekulieren. Das macht wesentlich mehr Spaß, ist erbaulicher und sorgt für einen amüsierten Aufruhr, wenn der tatsächliche Regisseur bekannt gegeben wird.

Meine Top 11 beschränkt sich auf Regisseure, die ich für wahrscheinlich halte. Joss Whedon etwa fällt, so sehr man ihn sich auch wünschen mag, raus, da Whedons The Avengers 2 genauso wie der neue Star Wars-Film für 2015 angekündigt ist, weshalb es unwahrscheinlich ist, dass Whedon beide Filme umsetzen wird. Doch die Auswahl bleibt groß genug ...

Duncan Jones
David Bowies regieführender Sohn brachte bislang zwei Filme ins Kino, und beide zählen zum Sci-Fi-Fach. Zwar ist weder Moon, noch Source Code sonderlich popcorntauglich, allerdings wäre Jones nicht der erste, der vom eher ernsten Fach ins Blockbusterkino springt. Jones zeigte im fantastischen Moon, dass er Maschinen toll vermenschlichen kann (wichtig für Star Wars), während der meiner Ansicht nach überschätzte Source Code bereits solide Action-Anteile aufwies. Vor allem ist Jones aber ein ambitionierter, junger Filmschaffender, der eine eigene Vision mitbringen kann, jedoch keine derart strenge eigene Handschrift hat, dass sie sich mit der ursprünglichen Star Wars-Welt beißen würde. Hollywood traut ihm große Stoffe bereist zu: Er war lang im Rennen, das Superman-Reboot und den neuen Wolverine-Film zu tragen. Derzeit arbeitet er angeblich an einem Ian-Flemming-Biopic. Aber der Film kann gewiss warten ...


Kenneth Branagh
Der nordirische, Oscar-nominierte Schauspieler und Regisseur verantwortete Thor und hat sich somit bereits als fähiger Strippenzieher hinter theatralisch-bunter Sci-Fi-Fantasy bewiesen. Mir war Asgard etwas zu klinisch, vielen anderen Kinogängern hat Branaghs Umsetzung der Marvel-Interpretation des nordischen Götterkosmos sehr gut gefallen. Und auch wenn ich optisch weiterhin nicht vollauf von Thor überzeugt bin, hat mich der Film tonal für sich eingenommen. Branaghs Wurzeln als Shakespeare-Spezialist merkte man bereits seinem Marvel-Hit an, und eine Spur Groschenroman-Shakespeare steckt auch in den besseren Star Wars-Filmen. Das darf sehr gerne auch bei der siebten Episode durchschimmern. Aktuell dreht er den 2013 anstehenden Actionthriller Jack Ryan, danach wäre er wieder zu haben ...

Sam Raimi
Wenn wir Glück haben, bekommen wir eine Art Spider-Man 2 für das Star Wars-Franchise: Blockbuster-Tiefgang über das Heldensein, cartoonigen, doch nicht überzogenen Humor, gute Spezialeffekte und einen fantastischen Schurken. Mit noch mehr Glück bringt Raimi auch eine Prise seines originellen Horrorkönnens mit. Möglicherweise aber weigert er sich nach dem Spider-Man 3-Debakel, erneut ein Franchise weiterzuspinnen.

Sam Mendes
Wir wollen einen Regisseur, der ein Franchise über den zuletzt gesehenen Kinofilm hinaushebt und nach umstrittenen Modernisierungsversuchen aktuell und zeitgemäß bleibt, trotzdem fähig ist, wieder etwas klassisches Flair zu erzeugen? Wieso nicht Sam Mendes? Sein Qualifikationsschreiben? Ein Wort: Skyfall!

Joe Johnston
Für Joe Johnston spricht seine Arbeit an Captain America: Der Werdegang eines bemitleidenswerten Jedermanns zu einem Superhelden, die Vermischung aus Popcorn-Emotion und einer bunten, dynamischen eigenen Mythologie, der grundlegende Tonfall, all das erinnert durchaus an Star Wars. Der Look des Films ist super und zwar computergestützt, allerdings auch viel handwerklicher und echter als bei den mitunter klinisch-künstlichen Star Wars-Prequels. Johnston hat zudem eine gesunde Vergangenheit mit Disney, die unter anderem den coolen und bald mit einem Reboot aufwartenden Rocketeer umfasst, und ist großer Star Wars-Fan, der seit einiger Zeit Lucasfilm anbettelt, einen Boba-Fett-Film drehen zu dürfen. Klingt perfekt, oder?

Joseph Kosinski
Der studierte Architekt hat aufgrund seiner Vergangenheit als Regisseur von mit Computergrafiken gespickten Werbespots bereits einiges an Erfahrung hinsichtlich einiger der grundlegenden technischen Herausforderungen für einen Star Wars-Regisseur sammeln können. Sein inoffizielles Bewerbungsschreiben war jedoch sein Regiedebüt Tron: Legacy, das Disneys 80er-Kultfilm Tron nahm und visuell wie atmosphärisch in die Gegenwart überführte. Zwar ist sich das "Geektum" nicht gänzlich einig, wie gut oder schlecht der Film war, wenn ich aber mein eigenes Wort auf die Goldwaage schmeißen darf, so war Tron: Legacy ein audiovisuelles Fest mit dichter Atmosphäre, originellen Setpieces und leichten Defiziten im zwischenmenschlichen Sektor, welche allerdings eher dem Skript als der Inszenierung zuzuschreiben sind. Kosinski drehte Tron: Legacy als Achterbahnfahrt durch eine popkulturelle Kunstinstallation, und wenn Kosinski etwas knalligerem Humor mitbringt, dürfte er mit diesem Stil einen sehr interessanten Star Wars-Film erschaffen. Vor allem schaffte es Kosinski, aus seinen Darstellern unterschiedlichste, dem Film zuträglich kommende Performances rauszukitzeln, wie sie auch im Lucas-Universum willkommen wären. Wenn Oblivion kommendes Jahr nicht völlig durchfällt, sollte Kosinski sich auf einigen Wunschlisten zu finden sein. Wäre bloß schade, dass Tron 3 dann länger auf sich warten ließe ...


Guy Ritchie
Mit Sci-Fi oder Fantasy hat Ritchie bislang keine Erfahrung, jedoch dürfte der britische Underground-Filmer seit Sherlock Holmes 1 & 2 einiges an Blockbustervertrauen genießen. Seine Mischung aus Spannung, Action, figurengesteuerten Momenten und Witz könnte einen spritzigen Star Wars-Film versprechen. Und irgendwie glaube ich, dass man mit einem Gastauftritt von Robert Downey Junior rechnen müsste. Oder von Jason Statham. Beides nicht übel.

David Fincher
Ja, richtig gelesen. Fincher ist, trotz seiner schlechten Erfahrungen im Sci-Fi-Sektor und seiner Tendenz zu düsteren Stoffen, ein gar nicht mal so unwahrscheinlicher Kandidat. Er begann seine Karriere bei Lucasfilm und befindet sich seit einigen Monaten in Verhandlungen mit Disney, um einen 20.000 Meilen unter dem Meer-Film zu verwirklichen, der laut Branchenkennern eine Art "düsteres Star Wars trifft Jules Verne" darstellt. Fincher kann gut mit Disney-Produktionschef Sean Bailey und ist großer Star Wars-Liebhaber. Aber würde er sich tatsächlich erneut an ein bereits etabliertes Franchise herantrauen wollen?

Andrew Stanton
Der beste Grund, weshalb Andrew Stanton Star Wars: Episode VII übernehmen sollte: Uns bliebe dann (vorerst?) Findet Nemo 2 erspart. Doch auch sonst wäre Andrew Stanton eine gute Wahl: John Carter erlitt an den Kinokassen zwar Schiffbruch, künstlerisch gelang Stanton aber ein ambitioniertes Stück Sci-Fi-Fantasy, das altbekannten Stilmitteln etwas neues abgewann und, wie er selbst sagt, in die Kategorie "Groschenroman-Shakespeare" passt. Die Romanvorlage war eine der vielen Star Wars-Inspirationen und im (visuell wie charakterlich) farbenfroheren Universum der Jedi und Sith könnte ein neues Stanton-Epos vielleicht auch jene überzeugen, denen John Carter zu karg war. Und nachdem Stanton mit Star Wars die Milliarden-Dollar-Grenze nahm, schreibt, produziert und co-inszeniert er John Carter 2 & 3, während er für Pixar originelle Stoffe verwirklicht. Hm, jupp, diese potentielle Zukunft gefällt mir!

Brad Bird
Abhängig davon, wie lange 1952 bis zur Verwirklichung benötigt und ob Bird danach endlich seinen Wunschfilm 1906 drehen darf, könnte er für Star Wars: Episode VII nicht zur Verfügung stehen. Doch wenn 1952 zügig vorwärts kommmt und 1906 dann sozusagen nach Star Wars: Episode VII den "Belohnungsfilm" abgibt, dann haben wir alle guten Grund zum Jubeln. Mission: Impossible - Phantom Protokoll hat trotz gewisser Tom-Cruise-Müdigkeit beim Otto Normaldurchschnittskinogänger sämtliche Vorgängerfilme an den Kinokassen hinter sich gelassen, und das sogar mit Recht! Große Spannung, gekonnte Action-Kernmomente, die einen in den Kinosessel pressen sowie eine herrliche Prise Humor machten das Rezept von Birds visuell aufregendem Realfilmdebüt aus, welches sich gerne bei Star Wars wiederholen darf. Darüber hinaus bewies Bird mit Die Unglaublichen, dass er thematisch interessante Action versteht, die zwar familientauglich ist, sich wohl aber nicht um dieses Prädikat schert. Und, selbst wenn es seit der Disney-Übernahme heftiger denn je bestritten wird: Star Wars war stets familientauglich, ohne als Familienfilm konzipiert zu sein. Zumindest auf der großen Leinwand. Brad Bird hat ein Auge für ernste Zwischentöne (die gerne in der neuen Trilogie aufkommen können), das Inszenieren neuer und bekannter Figuren, einprägende Bilder und gute, der Story dienlicher Action. Was braucht's sonst?

Robert Rodriguez
Eigentlich hatte ich den Killer-Mariachi unter den Hollywood-Regisseuren nicht auf der Rechnung. Zu wild, zu blutig seine (guten) Filme. Dann aber reagierte die Filmbranche auf die Disney/Star Wars-Meldung, und eine Stimme stach auffällig heraus. Autoren und Regisseure äußerten sich in einem authentischen, spontanen Tonfall über diese Neuigkeit, waren überrascht, perplex, aufgeregt, optimistisch oder auf diplomatische Weise schockiert. Bloß ein Mann tanzte aus der Reihe und gab ein Lob in bestem PR-Vokabular von sich, und zwar ... Robert Rodriguez???! Ja, der coole, kumpelhafte Gringo sprach nicht von einer "verfickt scharfen Sache", sondern gab folgendes Statement: "George Lucas hat eine aufregende Welt, ein aufregendes Erbe erschaffen — eines, das fähige Hände benötigt, in denen es weiter verweilen kann. Ich finde, dass Disney das bestmögliche Studio für diese Aufgabe ist und der Fakt, dass sie Kathleen Kennedy dazugeholt haben? Ich kann mir kein idealeres Szenario vorstellen. 2015 kann nicht schnell genug eintreffen."
Äh ... und das aus dem Mund von Robert Rodriguez? So spricht doch kaum jemand, ohne zuvor mit seinen Anwälten oder Geschäftspartnern gesprochen zu haben, insbesondere nicht wenn er Robert freakin' Rodriguez ist! Leute, da ist was im Busch, und wenn es sich dabei um einen Tequilla flavoured Tex-Mex-Scheiß von einem Star Wars-Film handelt, so bin ich Cowboyhut-schwingend am Starttag im Kino mit dabei!

Freitag, 18. Mai 2012

Tron: Uprising – Beck's Beginnings


Um Hype für den US-Start der Trickserie Tron: Uprising am 7. Juni zu generieren, stellte DisneyXD die Pilotfolge Beck's Beginnings auf YouTube. Die Onlinereaktionen gingen zumeist ins Extreme: Entweder wurde der Einstieg in die Serie sehr euphorisch aufgenommen, oder sehr drastisch abgelehnt. Klar ist zumindest, dass die Serie davon ausgeht, dass man Tron: Legacy gesehen hat oder aber kein Problem mit Spoilern für das späte Tron-Sequel hat.

Angesiedelt ist die Serie in der Zeit kurz nach CLUs folgeschwerem Verrat an Flynn, der einen Machtwechsel auf dem Raster zur Folge hat, den Freiheitskämpfer Tron von der Oberfläche fegte und den Programmierer Kevin Flynn dazu zwang, sich in seiner digitalen Welt zu verkriechen, vermeintlich ohne jede Hoffnung auf eine Rückkehr in unsere Realität.

CLU (Originalstimme: Fred Tatasciore), der neue Herrscher des einst als Utopie aufgebauten Rasters, befindet sich zu Beginn von Tron: Uprising noch zusammen mit seiner rechten Hand General Tesler (Lance Henriksen) in der Aufbauphase seines Imperiums. Sein jüngstes Ziel ist Argon City, Heimat des Mechanikerprogramms Beck (Elijah Wood), welches es in seiner Freizeit genießt, sportliche Disckämpfe mit seinen Freunden auszutragen. Als Becks engster Freund bei einer Auseinandersetzung mit den militärischen Truppe des CLU-Regimes gelöscht wird, nimmt Beck die Identität des tot geglaubten Tron an, um als Zeichen der Rebellion ein überdimensionales Abbild CLUs in die Luft zu sprengen. Allerdings löst dieses Zeichen keine erfolgreiche Revolte gegen die herrschenden Programme aus, sondern ruft nur den tyrannischen General Tesla auf den Plan, der die Bewohner Argon Citys einzieht, um auf dem Spieleraster in Gladiatorenkämpfen in Spielen um ihr Leben anzutreten. Derweil entkommt Beck nur knapp der agilen Paige (Emmanuelle Chriqui), die für ihren Vorgesetzten Tesler die dreckigen Jobs übernimmt, und gerät letztlich in die Hände des unberechenbaren Rinzlers ...

Die neuen Figuren, die das Tron-Universum bevölkern, sind nicht durchweg originell, aber meiner Meinung nach allesamt interessant ausgeführt. Der Serienheld Beck ist ein ungestümer, jugendlicher Bursche, der sich zum Beginn von Tron: Uprising als Revoltenanführer aufspielen will, dazu allerdings nicht das nötige Durchhaltevermögen hat. Erst, als er einen Mentor findet und seine Freund ein Gefahr sind, wird aus dem Unruhestifter ein wirkliches Symbol der Hoffnung. Es dürfte spannend sein, zu verfolgen, wie Beck sich in der kompletten Serie noch wandeln wird. Paige als feuriges Kämpferweib, das ein Auge auf Beck geworfen hat, könnte ebenfalls noch für Spannung sorgen. Mandy Moores Rolle als gute Freundin und Arbeitskollegin Becks kam in der Pilotfolge noch nicht zur Geltung, versprach in den Interviews allerdings, dass sich dies ändern wird. Einen Volltreffer landeten die Serienmacher meiner Ansicht nach mit General Tesler, der einen sehr coolen Bösewicht abgibt und dessen Powerfäusten aus dem bisherigen Tron-Kampfarsenal herausstechen. Enttäuscht bin ich, wie die bisherigen Figuren umgesetzt wurden: CLU sieht gräßlich aus und die Stimme seines neuen Sprechers klingt eher wenig nach Jeff Bridges und Bruce Boxleitners Rolle hat nahezu keinerlei Mimik und ist in der Pilotfolge kaum mehr, als ein wandelnder Deus Ex Machina. Ich hoffe, dass dies in der Serie noch verbessert wird und auch, dass sie noch eine deutliche, tragische Wendung nimmt, da es sonst mit dem Filmkanon Probleme gibt.

Während die steife Mimik mir in der Pilotfolge durchweg missfiel, ist Tron: Uprising insgesamt betrachtet ein optischer Leckerbissen. Die Tron: Legacy-Welt wurde sehr gut ins (computergestützte) Zeichentrickmedium übersetzt und gewinnt auch wieder etwas von der Desorientierung zurück, die im Original-Tron herrschte. Mir persönlich ist das eigentlich schnuppe, so lange ich in den Episoden mehr ausmachen kann, als in den Trailern (ja, kann ich), aber ich kenne manche Tron-Fans, denen die Landschaft von Tron: Legacy zu leicht auszumachen war. Diese dürften sich an den genialen Hintergründen der Serie also umso mehr erfreuen.

Beck's Beginnings erzählt ein durchaus ansprechendes erstes Kapitel einer größeren Heldensaga, jedoch finde ich die Umsetzung nicht optimal gewählt: Rund die erste Hälfte der Folge wird in einer Rückblende erzählt, die mit sehr vielen Off-Kommentaren gespickt ist, wodurch der Story viel Dynamik verloren geht. Die Actionszenen wiederum sind großartig choreographiert und packend. Die Musik gefällt mir sehr, sie baut effektiv auf dem Tron: Legacy-Soundtrack auf und verleiht der Serie ein epochales Gefühl. Kritisch finde ich bloß, dass die große Kampfszene auf einer Monorail (yay, Monorail!) mit Musik untermalt wurde, die ziemlich dreist aus Inception kopiert wurde.

Alles in allem hat mir die Pilotfolge von Tron: Uprising gefallen, den Lobeshymnen würde ich mich aber nicht anschließen. Es ist noch einiges an Luft nach oben, und ich hoffe, dass das Potential in der Serie noch ausgeschöpft wird. Tron: Uprising könnte sich zu einem echten Disney-Seriengeheimtipp entwickeln, vorerst bin ich dagegen etwas vorsichtig und mag noch nicht in Jubelschreie ausbrechen.

Montag, 16. April 2012

Vorschau auf "Tron: Uprising"


Disneys Zufriedenheit mit dem finanziellen Erfolg von Tron: Legacy ist eine Geschichte für sich: Nach dem US-Startwochenende zeigte man sich bei alleiniger Betrachtung der reellen Zahlen zufrieden und lediglich vor dem Hintergrund der enormen Erwartungen enttäuscht. Darüber hinaus zeigte sich Disney ob der weiteren Einnahmequellen erfreut: Die Tron-Events in Disney California Adventure liefen super, das Merchandising verkaufte sich ordentlich. Jedoch zog der Film auch im Rest der Welt nicht noch einmal massiv an (gerade in Asien erwartete man wohl noch höhere Zahlen), und ein Langläufer in den US-Kinos war Tron: Legacy auch nicht gerade. Also vertagte man die Entscheidung, ob das Franchise eine Zukunft hat, auf die Heimkinoauswertung. Deren Resultat: Ein Drehbuch für einen dritten Tron-Kinofilm wird in Auftrag gegeben, aber erst der Erfolg der Zeichentrickserie Tron: Uprising soll endgültig Vergewisserung bieten.

Die Serie spielt zwischen Tron und Tron: Uprising, und Disney legt endlich mit der Promotion los:





Im Original sind unter anderem Elijah Wood, Emmanuelle Chriqui, Mandy Moore, Paul Reubens, Nate Corddry, Lance Henriksen und Bruce Boxleitner zu hören. Das teils gezeichnete, teils am Computer animierte Raster wird mit Musik von Daft Punk und  Joseph Trapanese erfüllt. Es scheint eine außergewöhnliche, disneyunytpische aber auch aufregende Serie zu werden. Ich freu mich drauf, liebe User!

Dienstag, 6. März 2012

Meine Lieblings-Kinofilme 2011 – Teil III

Wie viele Disney-Filme haben es denn nun vergangenes Jahr in mein Filmherzen geschafft? Und wie sieht es mit den Oscar-Kandidaten des Vorjahres aus? Es wird Zeit, für Aufklärung zu sorgen! Ohne es also weiter in die Länge zu ziehen, steigen wir jetzt ein ... Und zwar in die Top Ten meiner Lieblingsfilme 2011.

Platz 10: Super 8
Alias-Schöpfer J. J. Abrams zeigt Steven Spielberg, was sein Publikum schon lange von ihm wollte. Mit einer fast schon aus der Leinwand triefenden 80er-Stimmung und herrausragenden Kinderdarstellern erzählt er die Geschichte einer Gruppe von Freunden, die während den Sommerferien einen Zombiefilm drehen wollen. Außerdem ist es ein Thriller über ein zerstörerisches Alien. Abrams balanciert beide Seiten von Super 8 mit sicherer Hand, fängt wundervolle Bilder ein und lässt diese von Michael Giacchino meisterhaft musikalisch begleiten. Gen Schluss wird es allerdings zu kitschig und klischeehaft, als dass ich Super 8 noch höher einordnen würde.

Platz 9: The Help
Einer von gleich zwei Filmen mit Emma Stone in meiner Hitliste, und ich habe wirklich lange mit mir gerungen, welchen ich besser bewerte. Nach eifriger Überlegung glaube ich, dass ich es eher verkraften kann, The Help auf Rang 9 zu setzen, auch wenn sich das vielleicht wieder ändern könnte. The Help hat einige der stärksten weiblichen, darstellerischen Leistungen des Kinojahres zu bieten und ist generell, ohne das Thema groß in den Fokus zu setzen, einer der feministischeren Filme der letzten Zeit. Was mich auch zu einem der Kritikpunkte führt, der The Help letztlich unter den nächsten Eintrag auf dieser Liste führt, denn diese Stärke wurde nicht konsequent genug durchgesetzt: Manche männliche Rollen hätte man radikal runterkürzen, vielleicht sogar ganz streichen können, da sie in ihrer jetzigen Form fast so wirken, als wollte man durch ihre Anwesenheit einfach nur den Ruf eines reinen Frauenfilms vermeiden. Was irrsinnig ist, denn dieses trotz ungeschöntem Blick letztlich optimistisch stimmende Rassendrama spricht mit seinem tollen Ensemble, einer kleinen, nötigen Prise Witz und unaufgesetzter Dramatik eh schon ein großes Publikum an - weshalb es in den USA zu einem Überraschungshit wurde. In Deutschland ging der Film leider unter, aber vielleicht schafft er es auf DVD, sich einen größeren Namen zu machen ...

Hiermit hätten wir einen Film, den ich wirklich schmerzlich bei der diesjährigen Golden-Globe-Verleihung vermisst habe. In Zeiten, in denen Julie & Julia (nett), Alice im Wunderland (gleichermaßen ansehnlich wie katastrophal), Burlesque (aaaah!), The Tourist (*schnarch*) oder My Week with Marilyn (würdiger Globe-Nominierter, aber nicht in dieser Kategorie!) als bester Comedy- oder Musical-Film nominiert werden, sollte Crazy, Stupid, Love. ein absoluter Selbstläufer sein. Eine Meinung, die mich selbst überrascht, denn auch wenn mich das namenhafte Ensemble und die gelungenen Trailer durchaus auf diese Romantik-(Tragi-)Komödie aufmerksam machten, so rechnete ich keineswegs damit, solch einen Film zu meinen Jahreslieblingen zu zählen. Aber vorab konnte ich auch kaum ahnen, dass Crazy, Stupid, Love. die perfekte Mischung aus süß und sexy unschuldig und verrucht, bezaubernd-altmodisch und erfrischend-modern ist. Was Rapunzel für das Disney-Trickmärchen ist, stell dieser Ensemblefilm für die gute, alte Romantikkomödie dar – nämlich nostalgischen Rücksturz und Modernisierung zugleich. Da dürfte es kaum überraschen, das beide auch vom selben Autor stammen. Dan Fogelman liefert alles, was man von einer klassischen Romantikkomödie erwartet – und die neuen Genreableger kaum noch liefern. Statt billiger Pseudo-Konflikte, bei denen sich jeder noch nicht in die Kitschwelt eingelullte Zuschauer fragt, weshalb kein kurzes, alles sofort klärendes Gespräch zustande kommt, führen Fogelman und das Regie-Duo Glenn Ficarra & John ihre Figzren in wirklich deprimierende, reale Sackgassen. Man kann mit den Figuren in Crazy, Stupid, Love. richtig mitleiden, und dennoch auch sehr oft sorglos lachen. Teils, weil der alte Screwball-Humor mit einer moderneren Offenherzigkeit wiederbelebt wird, teils aufgrund von Slapstick, Wortwitz oder Situationskomik. Und teils, weil die vom Publikum erwarteten Standardsituationen oder das Genre an sich kommentiert werden.

Crazy, Stupid, Love.
wird zu keinem Zeitpunkt zum Meta-Film, ist sich aber sehr wohl bewusst, wo Ironie angebracht ist. So spricht Emma Stones ein langweiliges Liebesleben führende Figur mit ihrer Freundin darüber, welche FSK-Freigabe ihr Leben verdient hätte - das ist durchaus glaubwürdig (ja, manche Leute führen tatsächlich solche Gespräche *unschuldig pfeif*), aber auch ein netter Hinweis darauf, was von Crazy, Stupid, Love. zu erwarten ist. In einer anderen, improvisierten, Szene brummelt Steve Carell, welch ein Klischee im doch gerade widerfährt. Das alles ergibt zusammen mit dem wundervollen Ensemble und den herzlichen, wie angemessen frechen wie dramatischen Geschichten eine schwer schlagbare Mischung, die mehr als nur die Globe-Nominierung für Ryan Gosling verdient hätte. Die Gemeinheiten hätten für meinen Geschmack nur etwas fieser sein können, und der Übergang zum finalen Akt einen winzigen Tacken galanter, dann wäre vielleicht der nächsthöhere Rang in dieser Liste möglich gewesen. Trotzdem: Crazy, Stupid, Love. hat mir beim zweiten und dritten Mal Anschauen tatsächlich noch genauso gut gefallen, wie beim ersten Mal. Das schaffen Vertreter dieses Genres üblicherweise nicht. Hut ab! (Disney-Nerd-Bonuskommentar: Crazy, Stupid, Love. hätte eine perfekte Ergänzung der Touchstone-Filmographie abgegeben ...)

Ein überaus würdiger Gewinner für den 2011 verliehenen Oscar in den Katagorien "Bester Film" und "Bester Hauptdarsteller" – und auch Geoffrey Rush hätte ich für die Rolle des liebenswerten, leicht schrägen Sprachtherapeuten eine Trophäe gegönnt. Klar, es war weder die mutigste, noch die am meisten dem Zeitgeist entsprechendste Wahl, aber das mit sehr menschlichen Dialogen ausgestattete, inspirierende Drama über König George VI. und seine Sprachprobleme ist in sich hervorragend abgerundet und weiß ebenso zu berühren, wie auch zu unterhalten undanzuregen.

Platz 6: Der Gott des Gemetzels
Jaja, ich schulde euch noch eine richtige Filmkritik. Sorry, ich hatte die letzten Monate über zuviel Cobbler, und ich vertiefe mich neuerdings in der faszinierenden Welt der zahllosen Facetten an Klospülungen – wann soll ich da die Zeit finden, eine Rezension über dieses Kammerspiel sich zankender Ehepaare finden? Ach, mit der kurzen Laufzeit habt ihr euch das sicher eh schneller angeschaut, als manch eine meiner XL-Kritiken durchgelesen ...

Platz 5: 127 Hours
Wie denkwürdig, spannend, kurzweilig und nachdenklich soll ein Film über jemanden, der in einer Felsspalte festklemmt, denn schon sein? Der stilistisch wandelbare Brite Danny Boyle und ein sich von seiner facettenreichsten Seite zeigender James Franco machen aus einer potentiell drögen Prämisse ein intensives Kinoerlebnis mit kräftigen Farben, davonwandernden Gedanken, beklemmender Atmosphäre und einem ebenso starken Befreiungsgefühl. Deutlich besser als Slumdog Millionär, wenn ihr mich fragt. Die James-Franco-Einmannshow trifft einfach genau den Nerv, den solch ein jugendliches Abenteuerdrama zu treffen hat. (*Gesamten Wochenendproviant und das Handy in die Wortspielkasse zahl*)

Platz 4: Tron: Legacy
Wo ich die lange und heiß ersehnte, im Vorfeld enorm gehypte Fortsetzung des Kultklassikers Tron einordne, hat mir beim Erstellen dieser Hitliste wohl die ärgsten Kopfschmerzen bereitet. Ginge es um das intensivste Kinoerlebnis 2011, den "geilsten Ride", so wäre er nochmals ein klares Stück nach vorne gerutscht. Aber das trifft nicht so ganz den Sinn dieser Hitliste und wurde deshalb schon an dieser Stelle abgehakt. Ginge es um die besten Filme 2011, so müsste ich Tron:Legacy für den schwachen dramaturgischen Aufbau sowie die mitunter arg misslungenen Versuche, der Geschichte eine größere Note Menschlichkeit zu verleihen, etwas nach unten schieben. Allerdings geht es hier um meine Lieblingsfilme 2011 (ja, ich weiß, die Unterschiede zwischen diesen Definitionen herauszuarbeiten können manchen Leuten befremdlich vorkommen, was zu Frustration und Unverstänis führen kann und ... oh, guckt mal, explodierende Bits und Bytes, yay!) ... Aber wie sehr liebe ich Tron: Legacy? Ich kann Adam Horowitz und Edward Kitsis den leicht episodischen Aufbau und die teils schlecht platzierten emotionaleren Momente, denke ich zumindest im Moment, nicht genügend verzeihen, um das monströse Sequel in meine Top 3 aufzunehmen. Aber ich werde mich weiter für Tron: Legacy stark machen, dass er wesentlich intelligenter ist, als ihn seine schärfsten Kritiker auffassen. Mal sehr offen (digitaler Holocaust), mal sehr abstrakt behandelt Tron: Legacy die Beziehung zwischen Mensch und Technik, Religion und Politik. Nicht so elaboriert, dass er gleich als intellektuelle Glanzleistung verstanden werden muss, doch insgesamt sehr wohl, betrachtet man obendrein seine künstlerische Gestaltung, geistreich genug, um ihn als filmische Kunstinstallation bewerten kann. Die sich in einem modernen Kunstmuseum ebenso gut machen würde, wie als Anlass, sich einen großen Becher Popcorn reinzuziehen. Tron: Legacy schwebt in Sachen Anspruch zwischen dem, was ihm öffentlich angerechnet wird, und dem, wie geistreich er sich selbst hält. Das kann natürlich zu Reibungen in der Rezeptionsgeschichte führen, weshalb es zweifelsfrei eine kluge Idee ist, wenn ich jetzt einfach nur schnell die berauschende digitalen Welten und die packende Musik von Daft Punk lobe und schnell das Treppchen meiner Lieblingsfilme 2011 ansage ...

Bildquelle: Ray Lewis
Platz 3: Black Swan
Praktisch das Gegenteil von Tron: Legacy (*Eine Erdbeertorte in die Polemik-Kasse und sie sofort wieder raushol, da ich's ja sofort schlüssig erläutern werde*): Dem Psychothriller / -drama von Darren Aronofsky wird zuweilen sehr viel mehr weitreichende Metaphorik zugesprochen, als wohl ursprünglich hineingelegt wurde. Die beklemmende Geschichte über eine Ballerina, die sich von einer sie überfordernden Doppelrolle in den Wahn reißen lässt, ist ein beunruhigender Blick hinter die zahlreiche zierliche Frauen zerschleißende, harsche Welt des Balletts und ein mitnehmendes Abbild von Künstler verschlingendem Ehrgeiz. Also behandelt Black Swan ziemlich genau das, was er auch zeigt – interpretieren lässt sich vornehmlich, welche zwischen Real und Irreal angesiedelten Szenen nun Wahn und welche Sinn zeigen, und wie sehr sich der Wandel der Hauptfigur Nina auf welche der gezeigten Umstände zurückführen lässt. Generell ist Black Swan aber ein furioses, hypnotisches Stück Atmosphäre mit einer begandeten Performance von Natalie Portman in seinem Zentrum. Selbstverständlich ist der albtraumhaft-schöne Black Swan sehr viel intelligenter, als viele kopflos metzelnde Genrekollegen, doch ich bezweifle, dass Aronofsky die abstraktesten der Filminterpretationen beabsichtigte.
(Wobei man selbstredend den literaturtheoretischen Tod des Autors heraufbeschwören könnte, auch wenn es wiederum fragwürdig ist, ob sich dan an einem intellektuell lichten Tage bei drei Gläsern Sahnelikör nicht sehr viel mehr erhellendes Material in Tron: Legacy finden lässt, als im thematisch dichteren Black Swan. Hm, man könnte das ja einmal ausprobieren ...) (Und NEIN, ich sage nicht, dass der blickende, leuchtende und laut tönende Sci-Fi-Streifen anspruchsvoller ist als Black Swan - ich hab durchaus noch alle meine Murmeln beisammen. Ich behaupte bloß, dass der eine Film für die ihm gegebenen Verhältnisse überinterpretiert wird und der andere unterschätzt ...)

Woody Allen war zwar nie wirklich weg, allerdings beinhaltet der selbstreflexive Midnight in Paris alle klassischen Zutaten eines archetypischen Vorzeige-Comebackfilms. Wem kann man es der Presse da schon verdenken, dass sie wiederholt von Woody Allens Rückkehr sprach, wenn sie diese Künstlerkomödie behandelte? Charmant, bildhaft fotografiert, vergnügt gespielt und mit einem klugen, tänzerischem Drehbuch hat Midnight in Paris alles, was es braucht um zur Spitze des Filmschaffen Woody Allens aufzuschließen.

Das kommt höchst überraschend, findet ihr nicht auch, Master Gibbs?
Fremde Gezeiten ist zwar der erste Teil der Pirates of the Caribbean-Saga, der mich nicht auf euphorischen, Rum getränkten Schwingen aus dem Kinosaal entließ, allerdings steigerte er sich nach wiederholter Begutachtung in meiner Gunst. An meinen Favoriten der Piratenreihe reicht die Suche nach dem Jungbrunnen zwar nicht heran, aber eine Vielzahl an einprägsamen Filmmomenten, einige tolle neue Figuren und heiteres Melodienraten während der Filmmusik lassen dennoch das berauschende Pirates-Feeling aufkommen. Rob Marshall lässt den vierten Teil an Verbinskis Trilogie gleichermaßen anschließen, wie auch eine eigene Stimme finden. Ich als Fan fühle mich sehr gut bedient. Klar soweit?!

Siehe auch:

Dienstag, 30. August 2011

Aller guten Dinge sind drei: "Tron: Legacy"-Fortsetzung unterwegs?


Sin City 2, Epic Mickey 2 und nun Tron: HierUntertitelEinsetzen! Wenn morgen erstaunliche Meldungen bezüglich Pirates of the Caribbean 5 auftauchen, dann habe ich eine neue Lieblingswoche des Jahres.

Natürlich muss man solche Meldungen immer mit etwas Vorsicht betrachten, dennoch versetzt es mich in einen kleinen Jubelsturm, dass AICN ein Video veröffentlicht hat, in dem Bruce Boxleitner höchstpersönlich auf der D23-Expo mit einem Fan darüber spricht, dass er von Disney bereits für einen dritten Teil der Tron-Saga angeheuert wurde und dieser 2013 in die Kinos käme.

Natürlich könnte es sein, dass Boxleitner bloß davon spricht, dass bereits ein Drehbuchautor engagiert wurde,  bloß würde ich das als Schauspieler nicht als abgemachte Sache bezeichnen. Zumindest Gespräche mit dem Studio, vielleicht auch abgeschlossene Verträge, sollten schon dazugehören. Außerdem ist es ja keine Selbstverständlichkeit, dass er überhaupt noch mit dem Film zu tun hat. Nun, Tron 3 würde ich noch nicht als garantiert ansehen, aber meine Furcht, dass der Film nicht realisiert wird, hat bereits ein gutes Stück nachgelassen.

Siehe auch:

Mittwoch, 8. Juni 2011

Neuer Autor für dritten "Tron"-Film angeheuert

Tron: Legacy lief noch nicht einmal in den Kinos, da mutmaßten einige bereits über die Fortsetzung. Aufgrund der hohen Produktionskosten des Films und der nicht ganz an Disneys Hoffnungen heranreichenden Einnahmen, müssen Tron-Fans allerdings noch immer darum bangen, dass die Fortsetzung grünes Licht erhält.

Drehbuchideen aus der Feder von Adam Horowitz und Edward Kitsis, den ehemaligen Lost-Autoren, deren Arbeit an Tron: Legacy einiges an Kritikerschelte hinnehmen musste, existieren bereits, doch das Studio bringt nun einen neuen Spieler auf's Drehbuch-Raster. Wie The Hollywood Reporter meldet, wurde der Antarctica-Autor David DiGilio engagiert, um einen neuen Entwurf für das Tron 3-Drehbuch abzuliefern. Selbst wenn Disney weiterhin darauf pocht, noch nicht ganz davon überzeugt zu sein, den Film überhaupt zu verwirklichen. Vielleicht will man so die Blu-ray-Verkäufe oben halten. Das könnte sogar gelingen - während ich diese Zeilen verfasse, bekomme ich nach und nach ein schlechtes Gewissen, selbst noch keine Tron: Legacy-Kopie gekauft zu haben.

Wie dem auch sei: David DiGilio wurde auf's Tron 3-Raster geholt, weil Kitsis & Horowitz neuerdings an einer neuen Märchenserie für ABC namens Once Upon a Time arbeiten, die sie selbst kreierten. DiGilio wiederum ist Absolvent des Disney-Autorenlehrprogramms und Erfinder der bald auf dem US-Sender Showtime startenden postapokalyptischen Serie Last H.O.P.E.. Antarctica war überraschend gut, insofern habe ich nichts dagegen, dass er sich an Tron 3 versuchen darf, und sollte nächstes Jahr die Trickserie Tron: Uprising erfolgreich sein, wird Disney vielleicht sogar dafür sorgen, dass dieses neue Engagement mehr, als nur Beschäftigungstherapie für DiGilio ist.

Weiterführende Artikel:

Sonntag, 13. März 2011

Leaked: Flynn Lives

Kurz vor dem deutschen Kinostart von Tron: Legacy machte ein Gerücht die Runde, dass Disney nicht nur dem dritten Teil der Tron-Kinoreihe den Startschuss gab, sondern dass bereits der Teaser abgedreht sei und auf die Veröffentlichung im Rahmen der Legacy-Blu-ray wartet (*mehr dazu*).

Dieser Teaser stellte sich letztlich als Kurzfilmchen heraus, der im Rahmen des intensiven Bonusmaterials für Tron: Legacy das Tron-Universum weiterspinnt. Dazu verband er auch das ausführliche virale Marketing für Tron: Legacy mit den Ereignissen aus dem Kinofilm.

Das rund zehnminütige Video ging nun online, und steht zu eurem Sehvergnügen bereit. Es enthält zahlreiche Spoiler für Tron: Legacy und ist ganz klar an Fans des Tron-Universums gerichtet. Wer Tron: Legacy im Kino gesehen hat, kein so großer Tron-Nerd ist, aber trotzdem wissen will, welche Türen für den semi-offiziell in Auftrag gegebenen dritten Teil geöffnet werden, springt zu Minute 8.



Weiteres zu Tron Legacy:

Freitag, 28. Januar 2011

Tron: Legacy


Als ich frisch aus Tron: Legacy stolperte, sagte mir mein Verstand, ich sei hin und weg. Mein Bauchgefühl war dagegen verlangender als befriedigt. Nun gut, ich hatte mich mit Trailer-Dauerberieselung und stetem Verfolgen der viralen Kampagne sowie zahlreicher Interviews auch dermaßen hochgehypt, dass es eine cineastische Offenbarung benötigte, um mich weiterhin positiv überraschen zu können.

Mittlerweile habe ich jedoch eine Ahnung, was den wahren Grund für meine ambivalente Erstreaktion auf Tron: Legacy darstellte. Ich erwartete nichtmal zuviel, sondern was falsches. Ich malte mir eine Entwicklung von Super Mario Bros. zu Super Mario 64 aus, oder gar zu Super Mario Galaxy. Stattdessen steht Tron: Legacy seinem Vorgänger gegenüber, wie Super Mario Bros. 3 zu Marios Jump'n'Run-Lehrstunde. Meine Hoffnung hätte sicherlich einige Tron-Liebhaber verärgert, Tron: Legacy sollte das Original nehmen und radikal umstürzen, einen vollkommen anderen Ton anschlagen und anderen filmphysikalischen Gesetzen gehorchen. Tron: Legacy aber ist viel mehr eine konsequente Weiterentwicklung von Tron. Seine Welt ist ausgereifter, sein Verständnis und seine Bewertung der Computertechnologie dem heutigen Standard angepasst, gestalterisch setzt Tron: Legacy allerdings schlichtweg das um, was man schon damals gemacht hätte, wäre die entsprechende Voraussicht, Expertise und Technik vorhanden gewesen. Nur ein wenig glasiger, schlanker und transparenter ist es, das Spieleraster. Ein Hauch mehr Apple-Sexiness statt Arcade-Klobigkeit.

Im Hinblick auf die Fangemeinde und beim Versuch, etwas von meinen subjektiven Wünschen abzukehren, ist der Weg, den Tron: Legacy ging weiser gewählt, als der von mir erhoffte Pfad. Nicht, dass Tron: Legacy nur das Gute von Tron wiederholte. Die Figuren mögen schärfer umrissen und interessanter sein, ihre Dynamik untereinander und von Kevin Flynn und Quorra abgesehen auch ihre gesamte Charakterisierung ist eher mau beziehungsweise flach. Nur Michael Sheens schrille, wandelnde Jukebox namens Castor, eine Art "Cyberspace-Frank-N-Furter, hätte ihn Lucas Grabeel unter den weisen Ratschlägen von Ziggy Stardust gespielt", darf von den restlichen Figuren so offensichtlich charakterisiert sein, wie sie nunmal ist. Wirklich, Castor ist ein schillernder Pfau unter den Programmen von Tron: Legacy und verdient seine eigene Cyberpunk-Sitcom. Manche werden Castor hassen, aber die wissen seine verschrobene Art einfach nicht zu schätzen.

Dennoch, Tron: Legacy ist smarter, als viele wegen seines Blockbuster-Budgets und berauschend lärmenden Art zutrauen wollen. Es ist eine auf Film gebannte, schimmernde und tönende Kunstinstallation, deren ganzer sinnästhetischer Sinn sich nicht auf Anhieb entschließt, die aber ohne jeden Zweifel etwas über Technologie, Massenmedien und deren Nutzer aussagt. Dass nebenher noch eine konventionelle Popcornkino-Story erzählt wird, ist dem Medium geschuldet.
Was, ihr glaubt mir nicht, dass Tron: Legacy neben sinnloser Unterhaltung auch Verstand bietet? Eins sage ich euch, fänden einige der Szenen von Tron: Legacy nicht auf einer Leinwand im Multiplex statt, sondern auf der Theaterbühne oder (mit runtergedrehter Lautstärke und weniger Effekgewitter) zwischen zwei anerkannten Kunstfilmen, dann fingen alle an, die Architektur der Szenerie zu analysieren, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen (so lange es nicht um zwischenmenschliches geht, sind die Dialoge eigentlich recht passabel) und über die Sinnästhetik sowie ihrer verborgenen Intention zu philosophieren.

Was Kosinski und den Autoren Adam Horowitz & Edward Kitsis, wie schon den Macher von Tron, nicht gelang, ist es beide Rezeptionswelten ihres Films so zu verschmelzen, dass er problemlos sowohl als eigenwilliges Experiment, wie auch als unterhaltender Blockbuster erkannt wird. In dieser Hinsicht blieb man dem Tron-Vokabular zu treu, um die eingeschworenen Fans nicht zu vergraulen, als dass man die Gelegenheit nutzte, das Drehbuch zu verfassen, dass Steven Lisberger zu Beginn der 80er Jahre mangels Erfahrung nicht kreieren konnte. Doch das ist sehr viel verlangt. Schon beim intelligenteren Inception werfen Cineasten ein, dass der Film nur intellektuell auftrete und eigentlich vollkommen hohl sei, da man der Handlung ja folgen kann. Als wenn sich Niveau nur auf der oberflächlichen Narrative abspiele...

Ein bedeutenderer Kritikpunkt ist, dass die Autoren keine fließende Dramaturgie schufen - und Regieneuling Joseph Kosinski inszenatorisch nicht gegen das unbeabsichtig episodische Naturell seines Films anzusteuern vermochte. Man könnte fast der TV-Herkunft der ehemaligen Lost-Autoren die Schuld in die Schuhe schieben. Da haben wir den alles in Bewegung bringenden Piloten, die Disc-Wars-Episode, die rührende Vater/Sohn-Drama-Folge, die spannungstechnisch durchhängende und Exposition nachschiebende Brückenepisode, die vollkommen abgefahrene Highlight-Episode mit jeder Menge "Nein, das entstand wirklich komplett nüchtern, ehrlich!"-Momenten... Tron: Legacy ist ein wahnsinniger Zusammenschnitt einer kompletten Fernsehserie, die es nie gab, und der einvernehmende, klanggewaltige Score von Daft Punk verstärkt dieses Gefühl nur. Dank Daft Punk und Kosinskis in Kapiteln betrachtet sehr zielsicheren und ästhetischen Inszenierung ist Tron: Legacy immer wieder für den Moment faszinierend und spannend - sobald man den gesamten Handlungsbogen betrachtet, halten die holpernden Aktübergänge den Gesamtfilm etwas stärker in Zaum.

Trotz eines das Werkumspannenden, sinnästhetischen Reizes, ist das Tron: Legacy demnach weniger als die Summe der beeindruckenden Actionpassagen und seiner gelungeneren Charaktermomente, welche abstrahiert einen über die konventionelle Handlung hinweg führenden, tieferen Sinn erörtern.

Anders ausgedrückt: An der Kinokasse Hirn gegen 3D-Brille austauschen und berauschen lassen, den Plot zugunsten der Spannung und Gesamtwirkung ungefragt hinnehmen. Oder aber die Membranen auf Hochtouren bringen und künstästhetische, philosophisch-informatische Analysen über den hinter der stupiden Blockbuster-Fassade der Narrative verborgenen Subtext führen. Bis die Fortsetzung kommt, und Tron endlich zur verdienten Perfektion bringt. Möglicherweise.

Weiteres zu Tron Legacy:

Sonntag, 23. Januar 2011

Teaser für neuen "Tron"-Film abgedreht

Donnerstag startet Tron: Legacy endlich in den deutschen Kinos. Der weltweite Erfolg der von Disney gehypten und Tron-Fans lang erwarteten Fortsetzung bietet Diskussionsstoff, um ganze Bücher zu füllen (Box Office Mojo feiert ihn als erstaunlicher Ausbau einer Nischenmarke, andere belachen ihn ob des enormen Marketings als weit unter den Erwartungen liegend), und dennoch werden deutsche Kinogänger das 3D-Kinoevent mit einem anderen Hintergrundwissen erleben können, als es noch die ersten US-Zuschauer taten.

Sie können sich nämlich mit einer größeren gewissheit darauf verlassen, dass Disney an seinen Plänen für eine Fortsetzung festhalten möchte. Wie Harry von AICN erfuhr, wurde ein drei Sequenzen umfassender, spezieller Teaser Trailer gedreht, der als Extra für DVD/Blu-ray den Grundstock für den dritten Tron-Film legen wird. Dieser Teaser Trailer enthält, mehr oder minder naturgemäß, Spoiler für Tron: Legacy, weshalb ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten möchte (wer sich nicht zügeln möchte, kann sich ja den Artikel bei AICN durchlesen). Allerdings kann ich schonmal sagen, dass Tron 3 offensichtlich intensiv in der ausführlichen Marketing-Kampagne für Tron: Legacy verankert ist und zahlreiche Verknüpfungspunkte an die viralen Aktionen hat. Die Interviewaussagen der Autoren und von Regisseur Joseph Kosinski, man habe sich eine ausgefeilte Mythologie erdacht, scheinen also Substanz zu haben.

Stellt sich bloß noch die Frage, was Tron hat, das Prince of Persia nicht hatte. Tron: Legacy hat nicht einmal alle Kinomärkte abgeklappert und wird wohl seine Fortsetzung erhalten (augenscheinlich soll das Teaser-Material schon länger abgedreht sein, aber würde Disney es weiterhin als Teaser deklarieren, wäre Teil 3 tot?), während Prince of Persia-Fans weiterhin auf eine offizielle Stellungnahme warten. "Fortsetzung? Niemals!" oder "Jupp, könnte kommen!"? Beide Filme spielen in der gleichen Box-Office-Liga: Prince of Persia nahm 335 Millionen Dollar ein und lief sehr gut auf Blu-ray, Tron: Legacy liegt derzeit bei 330 Millionen Dollar und sollte mit seinen noch ausstehenden Märkten auf 350 bis 400 Millionen Dollar klettern, letzteres aber nur bei einem Sensationserfolg in Deutschland, der Türkei und Frankreich. Wieso ist Disney bei Tron also sorgenfrei und winkt die Fortsetzung ohne zu zögern durch, während Prince of Persia als Problemfall und Flop gilt? 

Einerseits profitiert Tron: Legacy davon, dass er eine schon bekannte Marke aktualisierte und bekannter machte - Prince of Persia wäre aus Disneys Sicht dagegen erst ein Franchise-Start gewesen. Etwas am Leben zu erhalten ist eine leichtere Entscheidung, als erst groß etwas aufzuziehen. Dann nahm Tron: Legacy wesentlich mehr in den USA ein, als es Bruckheimers Abenteuerfilm tat (160 Mio. vs. 90 Mio.) - und zu guter letzt: Tron soll wohl ordentlich Merchandising verkaufen. Die ElecTRONica-Nächte im Disneys California Adventure-Park sind ebenfalls ein Renner und werden voraussichtlich bis April weitergeführt. Das bot Prince of Persia nicht.


Ich hätte zu beiden Filmen gerne eine Fortsetzung - von daher nehme ich die Meldung bezüglich Tron 3 dankend an. Und ja, ich muss sagen, der Teaser klingt super...

Siehe auch:

Samstag, 22. Januar 2011

Oscar 2011: Meine dritte Prognose

Am Dienstag werden sie endlich bekannt gegeben, die Nominierungen für die mittlerweile 83. Academy Awards. Mit weiteren Nominierungs-Kurzlisten und den Golden Globes im Rücken, hoffe ich eine akkuratere Prognose abgeben zu können, als noch vor einigen Wochen.
Als Orientierung für meine Prognose dienen, wie eh und je, Oscar-Vorwissen, bisherige Preise, Hype um gewisse Filme bzw. Leistungen sowie Bauchgefühl. Wie viel das wert ist, wissen wir in wenigen Tagen...

Die Reihenfolge meiner potentiellen Nominierten drückt aus, wie wahrscheinlich ich eine Nennung am Dienstag einschätze. Sichere Tipps zuerst.

Bester Film:

  • The Social Network
  • Inception
  • Black Swan
  • Toy Story 3
  • The King's Speech
  • The Kids Are All Right
  • The Fighter
  • True Grit
  • 127 Hours
  • The Town 
Ersatzkandidaten: Winter's Bone, Blue Valentine, Another Year  
Wild geratene Überraschung: Shutter Island 
Ich bleibe meinen Tipps aus der zweiten Oscar-Prognose treu. Die Sicherheit, mit der ich manche Filme nenne, hat sich geändert, manche gewannen an Vertrauen, andere verloren, doch ich bleibe dabei, dass dies die zehn nominierten Filme sein werden. Damit gäbe es dieses Jahr eine absolute Deckungsgleichheit mit den Nominierungen der Produzentengewerkschaft.

Beste Regie:
  • David Fincher - The Social Network 
  • Christopher Nolan - Inception
  • Darren Aronofsky - Black Swan
  • Tom Hooper - The King's Speech
  • Ethan & Joel Coen - True Grit
Ersatzkandidat: David O. Russel für The Fighter
Es ist gewagt, gegen die Nominierungen der Director's Guild Awards zu setzen, aber ich denke, dass die Academy die Coens mehr liebt, als die Regie-Gewerkschaft. Somit bleibe ich einfach bei meiner letzten Prognose. Sollte ich mich irren, dann war es ein naheliegender Fehler und Russel wird den Platz der Coens einnehmen, aber wenn ich richtig liege, umso mehr Ruhm für meine hellseherischen Fähigkeiten!

Bester Hauptdarsteller:
  • Colin Firth - The King's Speech
  • James Franco - 127 Hours
  • Jesse Eisenberg - The Social Network
  • Jeff Bridges - True Grit
  • Javier Bardem - Biutiful
Ersatzkandidaten: Robert Duvall für Get Low, Ryan Gosling für Blue Valentine, Mark Wahlberg für The Fighter
Die Schauspieler-Gewerkschaft nominierte bei ihren Preisen Duvall an Stelle von Bardem, doch Anton Chigurh hat viele Anhänger in der Academy und zudem bekam Bardem eine überraschende BAFTA-Nominierung.  Die Liebe für True Grit bleibt bestehen, und so muss ich leider zwei der Globe-Nominierten rauskegeln. Wahlberg und Gosling standen bei meiner letzten Prognose am unteren Ende des Feldes und müssen deshalb leider packen. Und aufgrund Duvalls SAG-Nominierung, rutschen sie auch hinter ihn.

Beste Hauptdarstellerin:
  • Natalie Portman - Black Swan
  • Annette Bening - The Kids Are All Right
  • Nicole Kidman - Rabbit Hole
  • Jennifer Lawrence - Winter's Bone
  • Michelle Williams - Blue Valentine
Ersatzkandidaten: Hillary Awank für Betty Anne Waters, Julianne Moore für The Kids Are All Right, Hailee Steinfeld für True Grit, Lesley Manville für Another Year
Ich fühle mich hilflos. Bening und Portman sind nahezu sicher (Portman wird auch garantiert gewinnen), aber der Rest ist ein gewaltiges Gedränge für die verbliebenen Plätze. Und rein theoretisch könnten sowohl Steinfeld, als auch Moore genauso gut durch etwas Stimmen-Verschieberei in die Nebendarstellerinnen-Kategorie gemogelt werden. Ich beiß die Zähne zusammen und warte auf die Bekanntgabe der Nominierten...

Bester Animationsfilm:
  • Toy Story 3
  • Drachenzähmen leicht gemacht
  • Rapunzel
Ersatzkandidaten: The Illusionist, Ich - Einfach unverbesserlich
Ich bleibe bei meiner letzten Vorhersage: Die Academy liebt Disney, so sehr, dass sie damals Bolt einigen anderen Kandidaten (wie Waltz with Bashir) vorgezogen hat. Das sollte Rapunzel (verdient) in das viel zu enge Nominiertenfeld hieven.


Bestes Original-Drehbuch:
  • David Speidler - The King's Speech 
  • Christopher Nolan - Inception
  • Stuart Blumberg & Lisa Cholodenko - The Kids Are All Right
  • Mark Heyman, Andres Heinz & John J. McLaughlin - Black Swan
  • Eric Johnson, Scott Silver & Paul Tamasy für The Fighter
Ersatzkandidaten: Derek Cianfrance, Joey Curtis & Cami Delavigne für Blue Valentine, Mike Leigh für  Another Year, Nicolle Holofcener für Please Give
Ich bin mir der Schizophrenie bewusst, The Fighter nun im Rennen für einen Drehbuch-Oscar zu sehen, während ich David O. Russell weiterhin nicht im Regie-Feld sehe. Aber die Nominierungen für die WG-Awards sind nicht zu missachten. Zwar sind die gestrengen Regeln der Autoren-Gilde immer Anlass, ein oder zwei Filme rauszustreichen, da ein paar der disqualifizierten Drehbücher bei den Oscars wieder Anerkennung finden... doch ich schätze, dass von den fünf WGA-Nominierungen in dieser Kategorie Please Give bei weitem die verletztlichste ist. Deren Platz nimmt The King's Speech ein.

Bestes adaptiertes Drehbuch:
  • Aaron Sorkin - The Social Network
  • Michael Arndt - Toy Story 3
  • Ethan & Joel Coen - True Grit
  • Danny Boyle & Simon Beaufoy - 127 Hours 
  • Ben Affleck, Peter Craig & Aaron Stockard für The Town
Ersatzkandidat: Debra Granik, Anne Rosellini & Daniel Woodrel für Winter's Bone, Robert Harris & Roman Polanski für Der Ghostwriter
Da ich im Gegensatz zu vielen anderen Bloggern Winter's Bone nicht fest zu den zehn Nominierungen in der Hauptkategorie zähle, und The Town zu meiner Freude bei den WGAs nominiert wurde, gehe ich das Risiko ein und "befördere" ihn vom Ersatzkandidaten zum potentiellen Kandidaten. Verdient hätte es Ben Afflecks spannendes Kriminaldrama auf jeden Fall.

Bester Schnitt:
  • Lee Smith - Inception
  • Andrew Weisblum - Black Swan
  • Kirk Baxter & Angus Wall - The Social Network 
  • Tariq Anwar für The King's Speech
  • Jonathan Amos & Paul Machliss - Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt
Ersatzkandidaten: Pamela Martin für The Fighter,Jeffrey M. Werner für The Kida Are All Right, "Roderick Jaynes" für True Grit, Jon Harris für 127 Hours, Dylan Tichenor für The Town, Thelma Schoonmaker für Shutter Island
Mangels Nominierung bei den Preisen der Cutter-Gewerkschaft, sind die Chancen für The Town enorm gesunken. Als Ersatz habe ich jedermanns Lieblings-Oscarüberraschungsmöglichkeit The King's Speech gewählt, auch wenn The Fighter ebenfalls gute Chancen hat, schließlich benötigt es als Sportlerdrama einen dynamischen Schnitt. Aber diesen Slot gebe ich weiterhin Scott Pilgrim. Es wäre eine Überraschung, aber er hat eine Comedy-Nominierung für den Besten Schnitt bei den Cutter-Preisen, und mutige Innovationen sollten doch eigentlich bei den Oscars entlohnt werden...


Bester Nebendarsteller:
  • Christian Bale - The Fighter
  • Geoffrey Rush - The King's Speech
  • Andrew Garfield - The Social Network
  • Jeremy Renner - The Town
  • Justin Timberlake - The Social Network
Ersatzkandidaten: Mark Ruffalo für The Kids Are All Right, Matt Damon für True Grit, John Hawkes für Winter’s BoneIch kann an dieser Stelle nur erneut beteuern, was ich bei meiner letzten Prognose schrieb: Eigentlich ist Timberlake eine verrückte Entscheidung von mir, da er die Nominierung zwar verdient haben mag, aber Mark Ruffalo die klassischere Wahl ist. Außerdem ist mit Andrew Garfield bereits ein anderer, junger Darsteller für den gleichen Film eine (recht) sichere Nominierung. Aber Justin Timberlake soll die letzten Wochen wohl hart daran gearbeitet haben, sicherzustellen, dass er eine Oscar-Nominierung als Ehre sehen würde und einiges der PR-Arbeit an The Social Network fand in seiner Gegenwart statt. Das könnte vielleicht ein paar unsichere Stimmen überzeugt haben. Wie bei Scott Pilgrim in der Schnitt-Kategorie, denke ich mir hier: Wer nicht wagt...

Beste Nebendarstellerin:
  • Melissa Leo - The Fighter
  • Helena Bonham Carter - The King's Speech
  • Amy Adams - The Fighter
  • Hailee Steinfeld - True Grit
  • Mila Kunis - Black Swan
Ersatzkandidaten: Jacki Weaver für Animal Kingdom, Lesley Manville für Another Year, Julianne Moore für The Kids Are All Right, Sissi Spacek für Get Low, Dianne Wiest für Rabbit Hole
Obwohl Steinfeld eigentlich zu den Hauptdarstellerinnen zählt, hat man sie erfolgreich in die Nebenkategorie abgeschoben, wohl auch, weil Kinder dort eher Glück haben. Die SAG-Awards bestätigten meine letzte Prognose, und deshalb werde ich sie trotz der ungewöhnlichen BAFTA-Nominierungen (Barbara Hershey anstatt Kunis für Black Swan, Manville für Another Year, Miranda Richardson für We Want Sex statt Leo für The Fighter) beibehalten. Mein Bauchgefühl ist bei den oben genannten fünf Schauspielerinnen einfach stabiler...

Beste Filmmusik:
  • Hans Zimmer - Inception
  • Trent Reznor & Atticus Ross - The Social Network
  • Alexandre Desplat - The King's Speech
  • John Powell - Drachenzähmen leicht gemacht
  • Daft Punk - Tron: Legacy
Ersatzkandidaten: A.R. Rahman für 127 Hours, Danny Elfman für Alice im Wunderland
Ich setze weiterhin stur auf Tron: Legacy und behalte meine letzte Prognose bei. Rahman soll, wie mir zu Ohren kam, große Fans in der Academy haben, allerdings soll gleichermaßen die zu Beginn der Saison starke Liebe für 127 Hours wieder erloschen sein - und ich hoffe, dass Daft Punks sich perfekt mit dem Film vermischende Musik davon profitieren kann. Es ist ein ungewöhnlicher Soundtrack für die Oscars, aber wenn zwei Hip-Hop-Songs gewinnen können, wieso sollte ein elektronisches Dance-Orchester nicht nominiert werden? Zumal ist es ein erfolgreicher Soundtrack, und das wird in den Musik-Kategorien hin und wieder entlohnt...

Beste Kamera:
  • Wally Pfister - Inception
  • Matthew Libatique - Black Swan 
  • Roger Deakins - True Grit
  • Jeff Cronenweth - The Social Network
  • Danny Cohen - The King's Speech
Ersatzkandidaten: Enrique Chediak & Anthony Dod Mantle für 127 Hours, Bob Richardson für Shutter Island, Robert Elswit für The Town
The Social Network ist keine garantierte Nominierung! Bei den BAFTAs wurde David Finchers Drama nicht einmal nominiert, dafür fand 127 Hours Berücksichtigung. Und dennoch nehme ich Danny Boyles Abenteuerdrama aus "meinem" Kamerafeld heraus. Wie bereits gesagt, soll die Unterstützung für 127 Hours nachlassen, und die BAFTA-Nominierung lässt sich vielleicht mit Boyles Pass erklären. Als Ersatz habe ich angesichts des steigernden Buzz The King's Speech ausgesucht - somit würden die ASC Awards und die Oscar-Nominierungen deckungsgleich sein, was etwa alle zehn Jahre mal geschieht. Aber wieso sollte es nicht passieren?

Bestes Szenenbild:
  • Guy Dyas - Inception 
  • Eve Stewart - The King's Speech 
  • Jess Gonchor - True Grit 
  • Robert Stromberg  - Alice im Wunderland
  • Therese DePrez - Black Swan
Ersatzkandidaten: Dante Ferretti für Shutter Island, Darren Gilford & Lin MacDonald für Tron Legacy
Spiegel, wohin man schaut, Sets mit bedrohlichen Schatten und generelle Liebe für diesen Film: Ich springe auf den Black Swan-Zug auf und opfere für ihn Shutter Island. Der Film ist "zu alt" für die Oscars.

Beste Kostüme:
  • Colleen Atwood - Alice im Wunderland
  • Jenny Beaven - The King's Speech
  • Mary Zophres - True Grit
  • Sandy Powell - Der Sturm
  • Michael Wilkinson - Tron: Legacy
Ersatzkandidaten: Michael Kaplan für Burlesque, Amy Westcott für Black Swan, Janty Yates für Robin Hood
Keine Neuerungen bei dieser Vorhersage. Burlesque glitzert und schimmert zwar, aber dies sind nicht die Make-Up-Preise, wo die eigentliche Filmqualität völlig ignoriert werden. Black Swan wäre eigentlich ein naheliegender Kandidat, allerdings müssen die nicht von Amy Westcott für den Film gestalteten Ballett-Kostüme ausgeblendet werden, was die Alltagskleidung der Figuren zurücklässt, die die mondäne, nach der in dieser Kategorie üblicherweise gestrebt wird, vermissen lässt. Also hätten wir einen von vielen bereits völlig vergessenen Historien-Schinken (Robin Hood) oder Michael Wilkinsons exzentrisch-stylische Retro-Futurismus-Kluften aus Tron: Legacy auf dem Zettel. Da wäre letzterer klar die bessere Wahl und ich hoffe inständig, dass Wilkinsons Arbeit auch mit einer Nominierung entlohnt wird.

 Bestes Make Up:
  • Alice im Wunderland
  • True Grit
  • The Fighter
Ersatzkandidaten: Wolfman, Barney's Version, The Way Back, Jonah Hex
Bloß sieben Filme kommen für die drei Slots dieser Kategorie in Frage, und dennoch fischt die gesamte Oscar-Bloggerwelt im Dunkeln. Beim Make-Up kann einfach alles passieren, und so geht es auch allen anderen. Ich tippe wild auf blass geschminkte Dauer-Kollaborateure eines verrückten Regisseurs, den dreckig-realistischen Western-Look von True Grit und Verletzungseffekte bei The Fighter.


Beste Spezialeffekte:
  • Inception
  • Tron: Legacy
  • Alice im Wunderland
  • Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 7.1
  • Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt
Ersatzkandidaten: Eine Liste der weiteren vornominierten Filme findet ihr hier
Seit meiner letzten Prognose hat sich nicht wirklich was in diesem Bereich getan - und deshalb bleibe ich bei diesen Fünfen.

Bester Ton:
  • Inception
  • True Grit
  • Black Swan
  • Tron: Legacy
  • Salt
Ersatzkandidaten: The Social Network, The King's Speech, Toy Story 3, 127 Hours, Shutter Island
Laut den Insiderstimmen von In Contention soll Columbia Pictures wohl in einem ganz raffinierten Schachzug "For Your Consideration"-Kopien von Salt nur stimmberechtigten Academy-Mitgliedern geschickt haben, die während der NominierungsperiodeZeit totzuschlagen hatten - in der Hoffnung, dass sie sich Salt ansehen und mit frischen, positiven Erinnerungen an den Nominierungsprozess gehen. Angeblich soll das wohl gut funktioniert haben, zumindest sollen etwas redseligere Mitglieder ausgeplaudert haben, dass ihnen Salt akustisch sehr gut gefiel. Tron: Legacy dagegen sei manchen zu laut - wir dürfen also damit rechnen, dass Salt oder Tron: Legacy wahlweise von einem der Nominierten für den Cinema Audio Society Award oder durch die BAFTA-nominierten 127 Hours und/oder The King's Speech ersetzt werden. Wenn sich nicht Pixar durchsetzt.


Bester Tonschnitt:
  • Inception
  • Tron: Legacy
  • Black Swan
  • Toy Story 3
  • Drachenzähmen leicht gemacht
Ersatzkandidaten: True Grit, 127 Hours, Salt, The Social Network, The King's Speech, Iron Man 2, Shutter Island
So weit mich mein Laienwissen hier nicht verlässt (eventuell sind wir schon Dienstag klüger), sollte Tron: Legacy hier bessere Chancen haben, da "zu laut" als Beschwerde eher dem Ton bzw. der Tonmischung angelastet wird, und nicht dem Tonschnitt. Da hat das Effektspektakel mit seinen einschneidenden Toneffekten ein kleines Heimspiel - und während bei den CAS Awards der Tonmixer keine Liebe für Tron: Legacy gezeigt wurde, waren die Töne schneidenden Mitglieder der MPSE gönnerhafter. Inception dürfte verhältnismäßig sicher sein, auch beim kunstvoll-melodramatischen Ballett-Psychohorror Black Swan bin ich zuversichtlich, schließlich müssen die Schockmomente perfekt gesetzt sein. Ansonsten setze ich auf "Liebe für Pixar" und auf Randy Thom, der vor Drachenzähmen leicht gemacht zwei Oscar-Siege nach Hause fuhr (Die Unglaublichen und Der Stoff, aus dem die Helden sind) und zwölf weitere Male nominiert war (u.a. für Ratatouille, Die Rückkehr der Jedi-Ritter und dem womöglich stillsten Disney-Realfilm aller Zeiten, Wenn die Wölfe heulen).


Bester fremdsprachiger Film:
  • In einer besseren Welt - Dänemark
  • Biutiful - Mexiko
  • Life, above all - Südafrika
  • Outside the Law - Algerien
  • Incendies - Kanada
Ersatzkandidaten: Simple Simon aus Schweden, Dogtooth aus Griechenland, Confessions aus Japan, Even the Rain aus Spanien
Ich halte mich eigentlich vor der Bekanntgabe der Nominierten aus dieser Kategorie raus, weil ich überhaupt kein Gefühl dafür habe, was bei der Academy ankommt und was nicht, aber ich will mich einfach mal herausfordern. Nachdem das Feld von offizieller Seite eh auf neun Filme runtergekürzt wurde, kann es auch nicht viel schlechter als beim Make Up werden. Meine Begründungen für die fünf "Auserwählten": Der dänische Beitrag gewann den Golden Globe, Mexiko hat mit Iñárittu (21 Grams) einen prestigeträchtigen Regisseur, Incendies ist in meiner Liste, weil die meisten Oscar-Blogger sich so sicher mit dem Film sind (das kann also entweder einen guten Grund sein, oder alle plappern irgendwem nach, der wild herumgeraten hat), Life, above all gefiel Kritikerpabst Roger Ebert enorm und der algerische Beitrag, der ein Familiendrama gegen Algeriens Kampf um Unabhängigkeit schneidet... der klingt einfach zu typisch, als dass ich ihn raushalten könnte.


Bester Song:
  • I See the Light / Endlich sehe ich das Licht aus Rapunzel
  •  You Haven’t Seen the Last of Me” aus Burlesque
  • Shine aus Waiting for Superman
Wer weiß?: Chanson Illusionist aus The Illusionist, Coming Home aus Country Strong, We Belong Together aus Toy Story 3, If I Rise aus 127 Hours, Bound to You aus Burlesque
Damit ihr euch zu Hause selbst eure eigene Oscar-Vorhersage für diese Kategorie zusammenbasteln könnt, habe ich die meistgenannten weiteren Lieder aus anderen Prognosen mal für euch aufgezählt. Ich bleibe derweil stur bei meiner "Es werden nur drei Lieder nominiert!"-Theorie, bloß dass ich Chanson Illusionist durch den Song Shine aus der das US-Bildungssystem kritisierenden Dokumentation Waiting for Superman ersetzt habe. Grammy-Gewinner John Legend scheint mir doch etwas mehr Zugkraft zu haben, als die von mir gemutmaßte Sympathie der Academy für Musik aus Filmen von Sylvain Chomet.

Das waren dann auch schon meine Prognosen für die Dienstag anstehenden Oscar-Nominierungen. Wer sich dafür interessiert, mit welchem naiven Enthusiasmus und Glauben an Überraschungen ich meine erste Prognose für dieses Jahr anging, der klickt hier. Rückblickend noch putziger ist meine erste Prognose für die Oscars 2009. Für einen detaillierteren Blick auf die meiner Meinung nach beste Oscar-Kampagne dieses Jahres, solltet ihr hier klicken.