Posts mit dem Label James Bond werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label James Bond werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 27. Dezember 2015

Die schlechtesten Filme 2015 (Teil I)

Es ist wieder so weit: Das Kinojahr 2015 ist (so gut wie) vorbei, und als großer Filmliebhaber nehme ich mir die gemäßigte Zeit zwischen den Jahren, um über die großen Rückschläge nachzudenken. Über Produktionen, die fürstlich langweilen. Über Storys, die verärgern. Und über Werke, bei denen einfach alles schief zu gehen scheint. Vor allem aber geht es darum, welche Filme bei mir große Antipathien wecken.

Daher sei an dieser Stelle, wie schon in den Jahren zuvor, gesagt: Diese Liste müsste ich eigentlich "Meine Hassfilme 2015" betiteln, nur ist das so eine ungelenke und aggressive Überschrift, dass ich mich davor scheue. Zutreffend wäre es aber. Diese Filme sind nicht zwingend die handwerklich schlechtesten des Jahres (dann würden sich hier C-Filme aus der Videotheken-Grabbelkiste tummeln), sondern die Streifen, deren Mängel mich frustrieren, nerven, ärgern oder in Verzweiflung stürzen.

Platz 25: SPECTRE (Regie: Sam Mendes)

Und schon muss ich noch einmal unterstreichen, dass dies eine höchst subjektive Liste ist, die sich darum dreht, wie sehr mich die hier genannten Filme verärgern. Denn in einer rein nach dem Filmlehrbuch gebürsteten Liste handwerklich misslungener Produktionen dürfte SPECTRE nicht zu den 25 schlechtesten Werken des Jahres gehören. Dafür ist die Kameraarbeit von Hoyte van Hoytema zu malerisch und Léa Seydoux macht dafür zu viel aus ihrer unterentwickelten Rolle. Aber: Aufgrund des dramaturgisch fehlgeleiteten Drehbuchs empfiehlt sich SPECTRE durchaus für den einen oder anderen Verriss. Und da mir zudem, von der spektakulären, stimmungsvollen Prolog-Sequenz abgesehen, nicht eine einzige Actionszene in SPECTRE zusagt, drängelt sich Daniel Craigs vierte Bond-Mission leider auch in meine persönliche Filmfrust-Liste 2015. Plottwists, die keine sind, ein verschenkter Christoph Waltz, ein völlig uninteressant eingesetzter Dave Bautista und die erschreckend schale Inszenierung der typischen Bond-Tropoi, nachdem Mendes in Skyfall noch den Nagel auf den Kopf getroffen hat, haben es dann letztlich ermöglicht, SPECTREs Drängelei in meine Flopliste durchgehen zu lassen.

Platz 24: Project Almanac (Regie: Dean Israelite)

Found Footage kann außerhalb des Horrorgenres Wunder wirken. Josh Tranks Debütfilm Chronicle ist für mich ein Paradebeispiel dafür, was der Found-Footage-Überbau leisten kann, wenn er nicht dazu genutzt wird, effizient (oder einfach nur billig) Suspense aufzubauen und kleine Jump Scares zu ermöglichen. Daher habe ich dem Konzept hinter Project Almanac durchaus Potential zugeschrieben: Eine Gruppe Jugendlicher gerät an eine Zeitmaschine und filmt sich dabei, wie sie diese Erfindung nutzen, um Spaß zu haben, Liebesprobleme auszubügeln und ihren Lebensweg auszubessern. Doch diese Michael-Bay-Produktion krankt an einem unausstehlichen Hauptdarsteller, sowie an einem Storytelling, das große Probleme damit hat, so Schwerpunkte zu setzen, dass die Geschichte an Spannung und Flair gewinnt. Hinzu kommen vermeidbare Logikprobleme und dieses schale Gefühl, das nach der Sichtung übrig bleibt: "Wo sind die letzten Minuten Lebenszeit hin, und wie kriege ich sie zurück?"

Platz 23: Chappie (Regie: Neill Blomkamp)

District 9-Regisseur Neill Blomkamp erarbeitet sich eiligen Schrittes den Ruf eines One-Trick-Ponys: Der Genrefilmer hat ein starkes Auge dafür, der ungeordneten, ausgebleichten, schmutzigen Großstadt Johannesburg ein charakterstarkes, faszinierendes Aussehen zu verleihen. Vor diesem Setting, das Blomkamp wie kein Zweiter beherrscht, drei Mal hintereinander eine Klassenkampf-Geschichte zu erzählen, ist trotzdem allein schon aus Prinzip ermüdend. Wäre Chappie allerdings eine clevere Auseinandersetzung mit den von Blomkamp angerissenen Ideen über Künstliche Intelligenz sowie die Frage bezüglich Erziehung versus Herkunft, so ließe sich die Monotonie in Blomkamps Schwerpunktwahl verzeihen. Da Chappie aber als Film genauso tumb ist wie seine Hauptfigur, und obendrein auch in Sachen Action seinen Möglichkeiten hinterherhinkt, bleibt von Blomkamps Sci-Fi-Actionthriller-Pseudodrama nur eins positiv in Erinnerung: Die von Hans Zimmer komponierte Hintergrundmusik, die mit Intensität gegen den schlechten Film anspielt, so als hätte der Oscar-Gewinner mal wieder gesagt: "Ach, was soll's, den Film kann niemand retten, aber wenigstens ich hätte gern Spaß ... Zeit für dröhnende Genialität!"

Platz 22: Zu Ende ist alles erst am Schluss (Regie: Jean-Paul Rouve)

Bevor mein Stammkino Sneak Previews eingeführt hat, war ich dem Konzept der "Überraschungs-Vorpremiere" nicht sonderlich angetan. Mittlerweile bin ich Sneak-Stammbesucher. Doch zwischendrin habe ich vorgeführt bekommen, weshalb ich lange vor dieser Idee zurückgeschreckt habe: Da freut man sich auf einen ungewöhnlichen Kinoabend. Und was bekommt man vorgesetzt? Eine seelenlose Fließband-Tragikomödie, die sich in einer nachdenklich markierten Stimmung suhlt, aber letztlich alle Probleme mit müden, kleinen Witzlein weglacht. Einige der Darsteller haben Charisma und einzelne Running Gags sind ganz süß. Das reicht jedoch nicht, um über die gähnende Langeweile hinwegzutäuschen, die sich hier breit macht.

Platz 21: Self/less - Der Fremde in mir (Regie: Tarsem Singh)

Das passiert wohl, wenn ein Regisseur keinen Mittelweg kennt: Tarsem Singh musste sich in seiner bisherigen Kino-Karriere wiederholt der Kritik aussetzen, seine Regiearbeiten seien zu schräg, zu schrill, zu überdreht. Mit Self/less überkorrigiert Singh den Kurs und driftet ins Beliebige, Nichtssagende ab. Sämtliche philosophischen Fragen dieser Körpertauschgeschichte werden nach wenigen Minuten über Bord geworfen, um einen Thriller von der Stange zu erzählen. Bloß, dass Singh die entstehende Verfolgungsjagd zwischen Ryan Reynolds als wieder jung gewordener Millionär mit der Spannung eines schlaffen Gummibandes übermittelt. Bloß eine Szene sticht aus diesem grau-grauen, drögen Thriller heraus: Eine präzise geschnittene, kreativ vertonte, atmosphärische, belebende Montagesequenz, die den Protagonisten am Startpunkt eines neuen Lebens in New Orleans zeigt. Singh hat den Dreh raus. Nun muss er diesen Dreh nur für eine Laufzeit von mehr als einigen wenigen Minuten durchziehen.

Platz 20: Regression (Regie: Alejandro Amenábar)

Ein Historiendrama über gesellschaftliche und juristische Missstände, dass für rund 80 Minuten seiner Laufzeit so tut, als sei es ein sich langsam entfaltender Psychothriller, der sich wiederum orientierungslos an der Bildsprache und Dramaturgie von Horrorfilmen bedient: Regression könnte mit einem konzentrierten, tief schürfenden Drehbuch vielleicht eine packende Box-in-einer-Box-in-einer-Box darstellen. Aufgrund eines auf der Stelle tretenden, effekthascherischen Skripts und einer mühselig-erzwungenen Regieleistung ist Regression dagegen ein lascher, uninspirierter Film, der weder die grauen Zellen herausfordert, noch Gänsehaut erzeugt. Und Emma Watson wirkt darstellerisch so verloren wie nie zuvor. Sie kann es doch so viel besser!

Platz 19: The Gunman (Regie: Pierre Morel)

Nach einem angestrengten Prolog, der The Gunman so gerne Gewicht verleihen und diesen Actioner zu einem Werk mit Aussagekraft über heutige Kriegsgebiete machen würde, entwickelt sich Pierre Morels 40-Millionen-Dollar-Produktion zu einem vollkommen austauschbaren Stück Fließbandware. Obwohl: Das stimmt nicht. Auf Skriptseite mag dies der Fall sein, doch mit einem stoisch-gelangweilten Sean Penn in der Hauptrolle und Morels schwerfälliger Inszenierung ist The Gunman zu lahm, um als Fließband-Actionfilm durchzugehen. Von zwei lichten Momenten abgesehen (Stichwörter: Flammendes Bad und Duell mit Magazinen) ist The Gunman das, was wohl aus Jason-Statham-Filmen werden würde, wenn man so dumm wäre, sie mit Baldrian, Kamillentee und No-Name-Schlafmitteln außer Gefecht setzen. Und ihnen dann den Humor rausoperiert.

Platz 18: Blackhat (Regie: Michael Mann)

Michael Mann macht mir allmählich Sorgen: Der Thriller-Experte hat seinen letzten brillanten Film vor elf Jahren abgeliefert, und zwar mit dem mörderischen Nacht-Trip Colleteral. Public Enemies war in Ordnung, dafür sind Miami Vice und Blackheat übergroße, in körniger Digitalästhetik gehaltene Schlaftabletten. Zwar ist es löblich, dass Mann versucht, Hacking akkurat darzustellen, statt in typischer Hollywood-Manier. Aber ohne eine zündende Story und mit Figuren, die so flach sind, dass man durch sie hindurch ganz altmodisch eine Tageszeitung lesen könnte, ist authentisches Hacking nicht gerade ein Spitzenargument, um sich so einen undenkwürdigen Film anzuschauen.

Platz 17: Escape From Tomorrow (Regie: Randy Moore)

"Prätentiös" ist ein Begriff, der in Verrissen viel zu häufig genutzt wird. Aber auf Randy Moores mit Guerilla-Filmemachertaktiken in Walt Disney World und Disneyland gedrehter Schwarz-Weiß-Horrorfilm trifft dieses Label makellos zu. Schlechte Computereffekte und billig konzipierte Schreckmomente gehen hier Hand in Hand mit pubertär gedachter Satire, derbem Overacting und einer gehässigen Attitüde, die jedoch unter Konfusion darüber zu leiden scheint, wo eigentlich ihr Ziel liegt. Ich bin offen für gezielte, profunde, einfallsreiche Disney-Parodien und alternativ für Eltern-Horror, der inneren Tumult gegen das äußere Glück anspielen lässt. Escape From Tomorrow ist aber derartiges Kuddelmuddel, dass dieses berüchtigte Projekt bestenfalls als ungewollte Komödie funktioniert.


Platz 16: American Sniper (Regie: Clint Eastwood)

American Sniper ist (abgesehen von einer klar als solche erkennbaren Baby-Puppe, die für ein echtes Kleinkind einspringt) mit Abstand der Film im ersten Teil meiner Flop-Liste 2015, der technisch den größten Eindruck hinterlässt. Joel Cox und Gary D. Roach leisten als Cutter preiswürdige Arbeit: Wann und wie sie schneiden, lässt das Adrenalin hochkochen und wertet auch die Erzählweise enorm auf. Darüber hinaus sind Tonschnitt und -abmischung großartig: Der Kriegslärm rüttelt wach, brennt sich in die Gehörgänge, ist aber dennoch mehr als nur klangliche Dissonanz. Man merkt, dass hier Experten genau darüber nachgedacht haben, wann was wie herumtönt. Bradley Cooper agiert überdurchschnittlich gut als der titelgebende Spitzen-Scharfschütze Chris Kyle und Tom Sterns Kameraarbeit ist versiert - wenngleich im Zusammenspiel mit Eastwoods Regieführung teils arg pathetisch. Und hiermit erreichen wir die kritischen Aspekte dieses Dramas: American Sniper handelt von einer grantigen, vorurteilsbelasteten Persönlichkeit, der durch Pathos, Heldenverehrungskitsch und lasche Argumente der ihr politisch gegenüberstehenden Figuren keine komplexe, differenzierte Betrachtung zugutekommt. Sondern einseitiges Flaggenschwingen. In seinen besten Momenten ist American Sniper nur konservativ geraten, in seinen schlimmsten aber (aufgrund inszenatorischer Ausrutscher in diffizilen Szenen) verlogen und hetzerisch.

Demnächst findet ihr hier bei SDB-Film meine Flop 15 der Kino- und Videotheken-Filme 2015. Seid gespannt!

Donnerstag, 5. November 2015

James Bond 007 – SPECTRE


Da ist er wieder: Bond, James Bond. Der britische Geheimagent meldet sich nach dem überragenden Erfolg von Skyfall, seinem 23. offiziellen Leinwandabenteuer, zurück und hat daher mit entsprechenden Erwartungen zu kämpfen. Doch wie Daniel Craigs Version des Spitzenagenten schon im Anschluss an Casino Royale erfahren musste, und auch einige seiner Vorgänger durchlitten haben: In der Spionagewelt des 007 ist Qualität ein wankendes Gut. Dies bestätigt nun erneut der gerüchteweise 300 Millionen Dollar teure SPECTRE. Denn die neuste Mission des Agenten mit der Lizenz zum Töten ist bemüht, zäh und arm an Überraschungen …

Dabei beginnt der von Skyfall-Regisseur Sam Mendes inszenierte Film mit einer der beeindruckendsten Prolog-Sequenzen im bisherigen 007-Kanon: James Bond befindet sich in Mexiko-Stadt auf der Suche nach einem gefährlichen Verbrecher. In der Metropole feiern gerade aber Touristen und Einheimische ausgelassen den Tag der Toten, so dass es nahezu unmöglich ist, Übersicht zu wahren. In einem einzelnen Take schwebt die von Hoyte van Hoytema (Interstellar) geführte Kamera durch die vor Staub und Hitze stehende Großstadt, während sich Bond an Hunderten von feiernden Menschen vorbei manövriert. Die gesamte Leinwand bebt vor Bewegung und Komponist Thomas Newman begleitet dieses vitale Treiben mit einem festlichen, treibenden Score, der von mexikanischen Rhythmen geprägt ist. Irgendwann setzen Regisseur Sam Mendes und sein Cutter Lee Smith dann zwar doch einen Schnitt, aber auch ohne das inszenatorische Gimmick der Plansequenz fesselt das Intro: Bonds Eingreifen in das Treffen einiger mysteriöser Männer zieht eine Schneise der Zerstörung durch den Ort und als der MI6-Agent den Kampf gegen seine Widersacher in einem Helikopter fortsetzt, führt dies zu spektakulären Flugstunts, wie sie bislang nicht im 007-Franchise zu sehen waren.

Aber schon mit der Titelsequenz stellt sich Ernüchterung ein: Sam Smiths Titelsong „Writing's on the Wall“ ist zu zart und melancholisch, um den von Daniel Kleinman entworfenen Bildern den letzten Schliff zu verleihen. Eher ist sogar das Gegenteil der Fall: Die verrucht-düsteren und die Bond-Historie feiernden Bilder des Vorspanns verlieren durch die bittersüße Radiopop-Nummer an Stärke. Und der restliche Film kann das im Keim erstickte Flair nicht wieder herstellen: Bond ergattert in Mexiko einen Hinweis darauf, dass eine mysteriöse Organisation existiert, die für einige der ärgsten terroristischen Anschläge der vergangenen Jahre verantwortlich ist. Der Agent folgt seiner Spur nach Rom, wo er Bekanntschaft mit Lucia (Monica Bellucci) macht, der Witwe eines wichtigen Mitglieds dieser Organisation. Dank ihrer Informationen schleust sich Bond in ein Treffen der sinistren Vereinigung, woraufhin aber der durchtrainierte Schläger Hinx (Dave Bautista) auf ihn angesetzt wird.

Unterdessen befindet sich der MI6 im Umbruch: Nach den Ereignissen von Skyfall wird der Geheimdienst mit dem Centre for National Security zusammengelegt, dessen Leiter Max Denbigh (Andrew Scott) daran arbeitet, Geheimagenten obsolet zu machen. Und so kommt es, dass Bond seine Mission nahezu ohne Hilfe von M (Ralph Fiennes), Q (Ben Whishaw) und Miss Moneypenny (Naomie Harris) absolviert. Glücklicherweise gerät er aber an die taffe Ärztin Madeleine Swann (Léa Seydoux), die Bond näher an den geheimnisumwitterten Franz Oberhauser (Christoph Waltz) führen kann, der in der Geheimorganisation eine entscheidende Rolle spielt …

Wie es sich für einen Bond-Film gehört, führt die Spurensuche und Schurkenhatz den Geheimagenten auch in SPECTRE rund um den Globus. Solch eine Weltreise kann wahlweise großen Actionspaß bieten, wie etwa in den Filmen mit Pierce Brosnan, oder alternativ einem dramatischen roten Faden folgen. So zeigte etwa Casino Royale dass es selbst mit Womanizer und Killermaschine Bond möglich ist, eine von den Figuren getragenen Story inklusive gut funktionierenden Plot-Motor zu erzählen. Das Autoren-Quartett John Logan, Neal Purvis, Robert Wade und Jez Butterworth reiht in SPECTRE jedoch ernst vermittelte, spröde Handlungspunkte aneinander, ohne je die Charaktertiefe von Casino Royale oder die metatextuelle und thematische Fülle eines Skyfall zu erreichen. Somit folgt ein in zähen Dialogen abgestecktes Puzzleteil auf das nächste, ohne dass die angeschnittenen Themen „Totale technische Überwachung gegen Spionagearbeit“ und „Bonds Vergangenheit gegen seine mögliche Zukunft“ je an Komplexität gewinnen.

Das wäre etwas leichter zu vernachlässigen, wären die zentralen Geheimnisse der SPECTRE-Story nicht so ungeheuerlich vorhersehbar und die Actionpassagen so schockierend uninspiriert. Trotz eines Mordsbudgets und solcher Einfälle wie „Lassen wir Bond doch mit einem klapprigen Flugzeug in den Bergen abstürzen!“ weiß die Action – vom Prolog abgesehen – nie vollauf zu begeistern. Eine Autoverfolgungsjagd durch das nächtliche Rom punktet mit vereinzelten Gags, die auch aus der Moore-Ära stammen könnten und mit gutem Timing vermittelt werden – die Raserei selbst aber lässt Dynamik missen. Auch besagter Flugzeugabsturz und eine Schlägerei in einem Zug kommen mit angezogener Handbremse daher: Die Stunt- und Kampfchoreografie sind arm an Ideen, die Musik von Thomas Newman verkommt in den Actionpassagen zu einem anonymen Wust aus Tönen und die Kameraführung ist arg steril. Im Vergleich mit dem vor packenden, einfallsreichen Actionsequenzen platzenden Mission: Impossible – Rogue Nation sieht Bond plötzlich ganz alt aus.

Womit SPECTRE aber punktet, sind die – im besten Sinne – Nerven zerfetzenden Foltersequenzen gegen Ende des Films. Auch Léa Seydoux ist mit ihrem gleichermaßen kantigem wie süß-galanten Spiel eine Bereicherung. Selbst wenn das Drehbuch die Motivation ihrer Rolle mehrmals vom Zaun bricht, macht die französische Mimin aus ihrer Figur eine ideale Wegbegleiterin für Craigs Bond. Seydoux schneidet daher von allen Neuzugängen auch klar am besten ab. Bellucci dagegen hat kaum mehr als einen Cameo, Bautista kommt so gut wie gar nicht zur Geltung, Andrew Scott chargiert sich durch seine mager geskripteten Szenen und Waltz darf ein paar Mal verschmitzt Grinsen und einige wenige Monologe schwingen, die aber längst nicht die Brillanz von Javier Bardems Skyfall-Auftritt mit sich bringen.

Die aus Skyfall bekannte Riege an Bond-Nebendarstellern indes kann mit gelegentlichem Dialogwitz punkten – aber in diesem Film, der hauptsächlich dramatisch sein möchte und daran scheitert, sind ein paar gut sitzende Gags einfach nicht genug. Daran ändern auch Newmans Score, der nach dem Prolog wenigstens abseits der Action weiterhin mit komplexen Motiven überzeugt, sowie die schwelgerischen Landschaftspanoramen nichts. Und die Rückverweise auf frühere Bonds sind genauso oft Treffer wie Rohrkrepierer. Sorry, Mr. Bond, aber dieses Kinojahr hat deutlich stärkere Agenten zu bieten. Begeben Sie sich zurück ins Trainingscamp, um sich wieder in Form zu bringen!


Fazit: Zähe Dialogsequenzen, Actionsequenzen, die nicht zünden, und Geheimnisse, die nicht erstaunen: SPECTRE ist trotz manch guter Gags und eines starken Prologs einer der schwächeren Bond-Einsätze.

Mittwoch, 18. März 2015

Mein James Bond-Ranking


Der Name: Bond. James Bond. Der Beruf: Agent im Dienste Ihrer Majestät. Die Berufung: Martinis schlürfend durch die Welt reisen, abstruse Pläne größenwahnsinniger Verbrecher aufhalten und Frauen erobern. Der cineastische Stellenwert: Ein Mikrokosmos des Actionkinos. Trends und Strohfeuer, popkulturelle Empfindlichkeiten und filmtechnische Errungenschaften: Dank der langen Laufzeit der James Bond-Filmreihe lassen sich Entwicklungen innerhalb des actionreichen Popcornkinos mühelos verfolgen.

Oder eher: Weitestgehend mühelos. Denn die James Bond-Filmreihe hat neben einigen starken Einträgen auch so manche Enttäuschungen zu bieten. Das Faszinierende an Bond: Wenn man lang genug sucht, findet man wohl für jeden Part der Reihe jemanden, der ihn am wenigsten mag. Und jemanden, der ihn favorisiert. Wieso auch nicht? Denn gerade weil die 007-Filmreihe trotz ihrer ikonischen Traditionen so variabel ist, kann man aus allerhand Gründen zu ihr finden. Weswegen man auch aus zahllosen Gründen an ihr Anstoß finden kann.

Da ich alle bisherigen Teile hier im Blog besprochen habe, dachte ich, es wäre nun an der Zeit, mein Ranking der James Bond-Teile mit euch zu teilen. Aber eins direkt voran: Meine persönliche Rangfolge der 23 offiziellen Filme und dem zwar inoffiziellen, aber fest mit den Eon-Produktionen assoziierten Sag niemals nie ist ... sagen wir ... gemischt. Bunt gemischt!

Platz 24: Ein Quantum Trost (Daniel Craig, 2008; Regie: Marc Forster)

Chaotische, inkohärent zusammen geschnibbelte Actionsequenzen, die sich weigern, Spaß zu machen. Eine wirr erzählte, träge Story, die keinerlei Spannung erlaubt. Und ein Titelsong, der mir in den Ohren wehtut: Ein Quantum Trost ist ein Bond-Film, der lieber ein Bourne-Film wäre, aber nicht vollauf verstanden hat, wieso diese Agententhriller funktionieren. Die einzigen Elemente, die Ein Quantum Trost ansatzweise erträglich machen, sind die pompöse Abhör-Sequenz in der Oper und eine engagierte Olga Kurylenko, deren Rolle einen besseren 007-Film verdient hätte. Aber auch diese Argumente retten Marc Forsters trübes Schnittgewitter nicht davor, sich konkurrenzlos die rote Lampe in meinem Bond-Ranking zu schnappen.

Platz 23: Diamantenfieber (Sean Connery, 1971; Regie: Guy Hamilton)

Sean Connerys letzter offizieller Bond-Einsatz ist ein Schatten dessen, was der Schotte zu Beginn dieses Franchises zu leisten vermochte. Connery ist spürbar desinteressiert, sein hoher Gehaltscheck drückt zugleich das Budget für die restlichen Elemente des Films, der sich dennoch nicht zurückhält. Regisseur Guy Hamilton versucht trotz der niedrigen zur Verfügung stehenden Mittel, den "höher, schneller, verrückter"-Trend fortzuführen, was in peinliche, oft auch antiklimatische Actionszenen mündet. Der Plot ist uninteressant, der Humor oftmals infantil oder gar verächtlich und die  Dramaturgie ist unausgegoren. Pluspunkte gibt es in diesem schwulen-, lesben- und frauenfeindlichen Film überraschenderweise ausgerechnet für eines der Bond-Girls: Während Jill St. Claires eingangs fähig gezeichnete Rolle jegliche Kompetenz verliert, um 007 besser aussehen zu lassen, begeistert Lana Wood als das vielleicht erste gekonnt-selbstironische Bond-Girl der gesamten Filmreihe. Ihre Plenty O'Toole (alias Penny O'Toole in der deutschen Fassung) ist nichts weiteres als eine Verführung auf zwei Beinen – und sie weiß es! Sie kokettiert mit dem Image der 007-Dirnen, nimmt es sachte auf die Schippe und verhilft Diamantenfieber so wenigstens zu ein paar erfreulichen Schmunzlern.

Platz 22: Sag niemals nie (Sean Connery, 1983; Regie: Irvin Kershner)

Sean Connery kehrt noch einmal zur Rolle seines Lebens zurück – und kaum etwas geschieht. Dieses Remake von Feuerball, der für mich bereits zu den unterdurchschnittlichen Bond-Filmen zählt, unterbietet das Original mit einer schleppenden Erzählweise und uninspirierten Actionsequenzen sowie dem schlechtesten Duell in der Historie von 007: Ein peinlicher, langweiliger, unnötig komplizierter Videospiel-Wettkampf! Die ersten 30 Minuten (nach dem Intro) haben Witz und Charakter, allerdings stürzt Sag niemals nie danach so radikal ab, dass er sich als Gesamtwerk für mich dessen ungeachtet auf dem 007-Flop-Podest positioniert.

Platz 21: Der Mann mit dem goldenen Colt (Roger Moore, 1974; Regie: Guy Hamilton)

Die Idee zum zweiten Roger-Moore-Einsatz ist eigentlich recht gelungen: Bond bekommt es mit einem gefürchteten Schurken zu tun, dem sein Ruf vorauseilt und der hinsichtlich Charakter und Können im Grunde genommen nichts anderes ist als sein böses Spiegelbild. Hinzu kommt ein Inselparadies von einem Fiesling-Hauptsitz und ein Faible für Skurrilität, und schon müsste Christopher Lees Rolle einer der denkwürdigsten 007-Widersacher sein. Doch Der Mann mit dem goldenen Colt fällt weit hinter seinem Potential zurück, mit einem erstaunlich uninspirierten Lee, einer dahinplätschernden Dramaturgie und hölzern inszenierter Action.

Platz 20: Stirb an einem anderen Tag (Pierce Brosnan, 2002; Regie: Lee Tamahori)

Streng betrachtet, rein vom filmischen Lehrbuch aus betrachtet, müsste Stirb an einem anderen Tag eigentlich viel, viel schlechter abschneiden. Der letzte Platz wäre vielleicht sogar drin, so mies, wie die Spezialeffekte doch sind. So aggressiv hip und aufdringlich selbstfeiernd, wie der Tonfall ist. Nicht zu vergessen, dass Halle Berry als Jinx sowohl unausstehlich ist, als auch unfassbar mies geschrieben. Aber es gibt ein schlagendes Argument für Pierce Brosnans Schwanengesang: Rosamund Pike! Die Britin packt ungeheuerliches Engagement in ihre erste Filmrolle, erkennt genau, was für eine Art Produktion das Ganze ist, und fliegt daher mit ansteckendem Spaß (und gleichzeitig auch mit einer angemessen eisigen Aura) durch ihre Szenen. Und obendrein ist die Idee hinter ihrer Figur eine recht gute - die Art und Weise, wie das Skript ihren Handlungsbogen umsetzt, ist zwar ausbaufähig, trotzdem hat sie einen durchaus sehenswerten kleinen Storyarc. Hinzu kommt, dass Brosnan allem Irrsinn um ihn herum zum Trotz eine genussvolle Performance gibt (anders als etwa Sean Connery in seinen späteren Filmen), und schon haben wir gleich zwei Rettungsringe für dieses Wrack von einem Bondfilm.

Platz 19: Feuerball (Sean Connery, 1965; Regie: Terence Young)

Hach ja, Feuerball: Viele Schurken, Handlanger und Bond-Girls, aber sie alle haben wenig Profil. Die Actionszenen unter Wasser sind sichtbar aufwändig und spürbar innovativ, doch auf Dauer einfach zu viel und zu lang. Jedoch ist die ausgedehnte Einleitung ungeheuerlich amüsant! Sean Connery zündet in seiner vielleicht letzten voll und ganz ambitionierten Bond-Darstellung ein wahres Feuerwerk an Gags, Zweideutigkeiten und Frivolitäten, und auch nach seinem langen Besuch in einem Spa bringt der Schotte mit seinem Flair diesem Film genügend Kurzweil ein, dass er sich so gerade noch als (ironiefrei) ansehnlich qualifiziert.

Platz 18: Octopussy (Roger Moore, 1983; Regie: John Glen)

Ein weiterer Bond-Film mit respektablen Höhen und peinlichen Tiefen: Das Finale etwa, in dem sich Bond als Clown verkleiden muss, ist unerwartet gelungen, mit spannungssteigerndem Spiel Roger Moores sowie effektivem Schnitt. Auch der Prolog mit 007 auf Kuba ist sehr amüsant und einfallsreich. Doch Bonds Aufenthalt auf einer geheimen Amazoneninsel ist unfassbar chauvinistisch, albern und eintönig. Nein, sowas muss doch nicht sein!

Platz 17: Goldeneye (Pierce Brosnan, 1995; Regie: Martin Campbell)

Ein Skandal. Ein Sakrileg. Doch so leid es mir tut, dies ist meine Meinung: Pierce Brosnans umfeiertes Debüt als James Bond ist für mich nur Durchschnittsware. Der Vorspann ist stylisch, der Titelsong ist eine Wucht und Campbells Händchen für Actionszenen kann sich sehen lassen. bner Famke Janssens generell sehr gut aufgenommene Schurkin ist mir viel zu anstrengend und nervig, der Score von Éric Serra macht mit seinem bemühten 90er-Techno-Einschlag mehrere Passagen kaputt und die Story plätschert auch ins Nirgendwo. Goldeneye enthält zwar alle Elemente eines archetypischen Bond-Films, allerdings mangelt es am Bindemittel, an der Gentleman-Magie, es macht schlichtweg nicht (oft genug) Klick.

Platz 16: Goldfinger (Sean Connery, 1964; Regie: Guy Hamilton)

Und noch einmal verstoße ich gegen den Konsens: Es ist wahrlich keine unpopuläre Position, Goldfinger als einen der der besten 007-Filme zu bezeichnen. Oder sogar als den besten Bond-Film schlechthin. Jedoch packt mich der dritte Leinwandauftritt des Agenten mit der Lizenz zum Töten nur streckenweise: Connerys Performance bügelt einige Drehbuchschwächen aus, das Zusammenspiel mit Gert Fröbe ist denkwürdig und sämtliche Szenen mit Oddjob und Bonds Auto sind sehenswert. Die Gesamtdramaturgie aber missfällt mir zu sehr, um Goldfinger noch besser zu platzieren: Der Erzählfluss nimmt mich nicht mit, einige Szenen bremsen den Spannungsgewinn dafür einfach zu aggressiv aus.

Platz 15: Moonraker (Roger Moore, 1979; Regie: Lewis Gilbert)

Ab hier macht es wirklich Spaß: Zum Start erhielt Moonraker überwiegend positive Kritiken, mittlerweile streiten sich Filmfans und Bond-Begeisterte, ob der Zahn der Zeit diese Moore-Mission völlig zerstört hat, oder ob sie im Laufe der Jahre an Witz, altbackenem Charme und Kuriosität gewonnen hat. Ich vertrete letztere Position: Dieser Film macht einfach unverschämt viel Spaß. Es ist zwar überhaupt nicht konsistent, weshalb er Spaß macht, trotzdem ist der Unterhaltungsfaktor dieses flott erzählten, teils bewusst auf Spionagecomedy setzenden, teils unbeabsichtigt lächerlichen, teils direkt geradeheraus abstrusen 007-Einsatzes immens hoch. Und was Star Wars-Nachmachen anbelangt, ist mir Moonraker viel lieber als so etwas wie Eragon.

Platz 14: Man lebt nur zweimal (Sean Connery, 1967; Regie: Lewis Gilbert)

Noch ein Film, der streckenweise unfreiwillig viel Spaß macht: Die ganze "Sean Connery verkleidet sich als Japaner"-Maskerade dürfte schon 1967 mau gewesen sein, doch heutzutage ist sie so lachhaft, dass es eine Wonne darstellt. Und die ständigen Richtungswechsel der Story sowie die changierenden Tonfälle der Settings - von realistisch zu Sci-Fi zu Reiseromantik zu vollkommen absurder Agenten-Fantasy - machen Man lebt nur zweimal zu einem regelrechten Ritt. Doch dieser 007-Film hat, anders als Moonraker noch immer einen ernstlich-spannenden Kern, zudem sind die Setbauten überwältigend und Gilberts Regieführung effizient. Nun müsste bloß Connery Spaß bei an der ganzen Sache haben, und das hier wäre sicher ein Bond-Top-Ten-Film geworden!


Platz 13: Die Welt ist nicht genug (Pierce Brosnan, 1999; Regie: Michael Apted)

Pierce Brosnans dritter Auftrag als Ms liebster (?) aller Geheimagenten gleicht zwar einem 007-Best-of, was sich allein schon in der zu Lande, zu Wasser und in der Luft abspielenden Prologsequenz äußert, allerdings ist es ein süffisantes Sammelsurium bereits gebrauchter, guter Bond-Ideen. Die Actionsequenzen sind flott und explosiv, die Oneliner mitreißend bescheuert und Denise Richards ist (im Sinne des Films!) als Atomforscherin amüsant. Selbst wenn der rote Faden verschwindend gering ist, macht Brosnans Leistung allerhand wieder wett. Unverfälschtes Fastfood-Kino.

Platz 12: Leben und sterben lassen (Roger Moore, 1973; Regie: John Glen)

Charismatische Schurken, stylische Musik mit einem dunkel-rockigen Beigeschmack und ein Roger Moore, der zwar noch nicht hunderprozentig Fuß in der Rolle des 007 gefasst hat, aber sichtbar Freude verspürt, erstmals Bond spielen zu dürfen. Leben und sterben lassen ist als Blaxploitation-Trittbrettfahrer zwar ein ungeheuerlich seltsamer Eintrag in die Bond-Saga, aber diese Mixtur aus Thrills, Spaß und Atmosphäre möchte ich trotz einiger schlecht gealterter Aspekte sowie der nicht sonderlich gut gestrafften Übergängen zwischen den zentralen Plotpunkten nicht im Bond-Franchise missen.

Platz 11: In tödlicher Mission (Roger Moore, 1981; Regie: John Glen)

Ein Bond-Film, der einfach rund ist: Ein kongenialer Prolog, der Kevin McClory den Stinkefinger zeigt. Ein behutsam zeitgemäße, elektronische Elemente einfließen lassender Score von Bill Conti. Eine rasante Ski- und Bob-Verfolgungsjagd, eine fesselnde Automobil-Actionszene, die Bond in einem unter seinem gewohnten Niveau liegendem Gefährt quer durch Spaniens samtgrünen Hügel führt und eine der besten Q-Sequenzen des Franchises. In tödlicher Mission gelingt ein wohlchoreografierter tonaler Balanceakt und mit dem Fangirl Bibi (Lynn-Holly Johnson) hat er zudem eines dieser Bondgirls zu bieten, die einen ganz eigenen Charakter haben und meiner Ansicht nach völlig zu unrecht vom Fandom gehasst werden.

Platz 10: Der Hauch des Todes (Timothy Dalton, 1987; Regie: John Glen)

Raue Actionszenen mit handgemachten, packenden Stunts, ein dickes Maß an Abenteuerromantik und ein James Bond, der sich in Jobfragen nicht zweimal bitten lässt, dafür aber mal etwas mehr Respekt für die Frauenwelt zeigt: Der Hauch des Todes ist ein vor allem auf Spannung und Flair setzender Film, der mit cleveren Der dritte Mann-Anleihen recht zuversichtlich über seine dramaturgischen Mackel hinwegtäuscht. Das Aufdecken des zentralen Kriminalfalls wird smart vorbereitet, die dunkleren Zwischentöne fügen sich gut mit der klassischen Bond-Formel, und wenn das Drehbuch 007 so rund geschrieben hätte, wie Dalton ihn spielt, wäre vielleicht ein noch besserer Rang möglich gewesen.

Platz 9: James Bond – 007 jagt Dr. No (Sean Connery, 1962; Regie: Terence Young)

Der Film, mit dem alles begann: Die erste Hälfte des Agentenabenteuers, das die Filmwelt nachhaltig beeinflusste, ist zwar etwas ungelenk, aber die Qualität der ikonischen Momente trägt diesen Klassiker trotzdem ohne größere Anstrengung in die Top Ten meiner 007-Rangliste. Auch die sehenswerten Kulissen des Bühnenbildners Ken Adams und die sinnliche, überhaupt nicht ins Schema des hilflosen Dummchens passende Darbietung Ursula Andress zählen zu den Pluspunkten. Aber allem voran steht wohl Sean Connery, der hier um ein vielfaches stärker spielt als in seinen letzten paar 007-Abenteuern. Hier ist er wirklich Bond ... James Bond!

Platz 8: Im Angesicht des Todes (Roger Moore, 1985; Regie: John Glen)

Buht mich nur aus. Ich liebe diesen verdammten, vor durchgeknallten und/oder sitcomhaften Ideen platzenden, seltsamen Film. Während Roger Moores Version von 007 in Würde gealtert ist und nunmehr zum älteren, gediegeneren Gentlemanagenten heranreifte, müht sich John Glen ab, einen lässigen, coolen Streifen für die erste MTV-Generation zu erstellen. Das Ergebnis ist, in meinen Augen, nicht etwa schizophren, sondern wunderbar zweischneidig, was für eine ungewöhnliche Dynamik sorgt und mich fasziniert vor diesem finalen Moore-Einsatz sitzen lässt. Christopher Walken und Grace Jones sind tolle Fieslinge, die Actionszenen sind zügig geschnitten und alles in allem ist das hier einfach ein sich seiner Identität bewusster Popcorn-Agentenspaß, den man einfach gesehen haben muss, um zu glauben, dass es ihn gibt!

Platz 7: Der Spion, der mich liebte (Roger Moore, 1977; Regie: Lewis Gilbert)

Die Produktionsgeschichte war steinig, das Ergebnis ist super: Der Spion, der mich liebte setzt zwar nicht auf Originalität, dafür aber umso mehr auf Passion und engagierte Versuche, die 007-Tropoi ideal umzusetzen und flüssig ineinander greifen zu lassen. Mit dem Beißer alias Jaws (Richard Kiel) gibt es einen der besten Handlanger, Curd Jürgens übertrifft als manischer Meeresbiologe, der eine bessere Welt aufbauen will, in meinen Augen den berühmteren Bond-Erzrivalen Blofeld und hinzu kommt ein großartiges Produktionsdesign. Lewis Gilberts Inszenierung ist hier ebenfalls zielstrebig und beschert uns mit einigen der besten Stunts der Bond-Historie - darunter mit einem halsbrecherischem Skistunt, der in die Filmgeschichte einging. Brillant!

Platz 6: Der Morgen stirbt nie (Pierce Brosnan, 1997; Regie: Roger Spottiswoode)

Die nächsten paar Plätze dieser Hitliste sind in meiner Gunst so nah beieinander, dass ich mir genauso gut vorstellen könnte, sie in wenigen Monaten in einer völlig vertauschten Reihenfolge zu nennen. Aber momentan bevorzuge ich genau diese Platzierung. Wenn man die Allgemeinheit, das Kritikerklientel oder Bond-Fanforen fragt, so ist Der Morgen stirbt nie bestenfalls ein durchschnittliches Werk. Humbug, sage ich! Absoluter Humbug! Nie erlebte Brosnans Version des Kultagenten ein besseres Abenteuer: Jonathan Pryce rockt als Oberschurke, der seiner Zeit weit voraus ist. Mit dem blonden Hünen Götz Otto und Vincent Schiavelli als theatralischen Auftragskiller sind auch die Handlanger unvergesslich, darüber hinaus besticht Michelle Yeoh in einer taffen Actionrolle als die Form eines austeilenden Sidekick-Bondgirls, die Halle Berry gern geworden wäre. Und auch wenn Terry Hatcher als konventionelleres Bondgirl wenig zum Plot beiträgt, haben auch ihre Sequenzen viel Charme und Klasse. Und gerade letzteres bekommt die 007-Saga nicht so oft hin, wie sie gern würde. Man packe noch den turbulenten Start hinzu, das gigantomanische Finale, die fast schon verboten spaßige Verfolgungsjagd in einem fernsteuerbaren BMW und einige erstaunliche Motorrad-Stunts und fertig ist mein Liebling unter den "ambitionslosen", rein actionorientierten Spaß-Bonds.

Platz 5: Im Geheimdienst Ihrer Majestät (George Lazenby, 1969; Regie: Peter R. Hunt)

Es ist der liebste Bond-Film von Christopher Nolan und Steven Soderbergh. Und es fällt nicht schwer, zu erahnen, weswegen diesen fähigen Regisseuren Im Geheimdienst Ihrer Majestät dermaßen zusagt: Der frühere Cutter Peter Hunt nimmt alles, was bis zu diesem Zeitpunkt die Bond-Formel ausmachte, und hebt es auf ein ehrgeiziges, geistreiches Niveau. Die Actionszenen sind bahnbrechend temporeich, komplex choreographiert und perfekt geschnitten. Die Story ist weit mehr als nur ein neues Abenteuer, sondern eine melancholische Erörterung dessen, was es bedeutet, ein Spion zu sein - oder generell jemand, der mit seiner Identität flexibel umzugehen hat. Diana Rigg gibt die beste weibliche Schauspielleistung im gesamten Bond-Franchise, die vor Eva Greens Darbietung als Vesper in Casino Royale zu bestaunen war. Kameramann Michael Reed fängt das Geschehen in malerischen, schroff-ästhetischen Bildern ein und die vereinzelten humoristischen Einlagen sitzen allesamt. Zwischenzeitlich wird es leider arg abstrus und George Lazenby ist (vor allem im letzten Akt) zwar deutlich besser als sein Ruf, aber leider trotzdem nicht so zuverlässig, wie es dieses Drehbuch verdient hätte. Aber die Höhepunkte dieses bittersüßen Bonds wissen, von diesen Schwächen abzulenken. Ein Meisterwerk.

Platz 4: Casino Royale (Daniel Craig, 2006; Regie: Martin Campbell)

Vielleicht ist Im Geheimdienst Ihrer Majestät der künstlerisch faszinierendere Fall, doch Daniel Craigs Debüt als 007 hat den eine mitreißendere Wirkung erzielenden Erzählfluss und zudem das besser aufspielende zentrale Paar. Lazenby strahlt zwar etwas mehr klassischen Bond-Esprit aus als Craig, doch der Brite gibt mimisch die mehrdimensionalere, fesselndere Performance ab. Und Eva Green? Die ist einfach eine absolute Wucht, zeigt womöglich sogar das beste Schauspiel, das es je in der gesamten Bond-Filmreihe zu bestaunen gab! Dank der passionierten, feisten, fiesen, feschen, listigen, verletzlichen Green und dem gebrochenen, knallhart auftretenden Craig hat Casino Royale ein großes schlagendes Herz, das hinter den dynamischen, kernigen, berauschenden Actionszenen schlägt und so den Plot am Laufen hält. Mit einem tollen Mads Mikkelsen als Schurken, stimmigen Pokerszenen und starker Musik macht Martin Campbell diesen Streifen zu einem der Aushängeschilder für den Reboot-Grundgedanken.

Platz 3: Lizenz zum Töten (Timothy Dalton, 1989; Regie: John Glen)

Ein Werk mit der Wucht eines überdimensionalen Sattelzuges und Action, so feurig, wie ein in Benzin getauchter Fiesling, der in Brand gesteckt wurde. Timothy Daltons 007 ist zurück, und er ist böser, frustrierter, genervter und erbarmungsloser als zuvor. Schroff, ungeduldig und wild entschlossen, dabei aber niemals blind vor Wut, metzelt sich Bond hier mit mörderischem Einfallsreichtum und raffiniertem Kombinationsvermögen durch einen persönlichen, ihn ins Herzen treffenden Fall. Regisseur John Glen zieht das Tempo an, erdet den Tonfall und lässt zugleich in den Actionpassagen die Fallhöhe dramatisch ansteigen: Ein psychologisch schlüssiger Bond, Widersacher, die es faustdick in sich haben und Stunts, die einen geradezu überfahren. Kerniger Eskapismus, der charaktergesteuert ist, nicht plot- und effektgesteuert. Das darf es bei Bond auch mal geben! Der einzige nennenswerte Wermutstropfen: Wenn sich die Daltons Darbietung vom Debüt zum Nachfolger so sehr verbesserte und man sieht, wie die Produzenten einen dermaßen radikalen Absturz ins Rachelüsterne und Finstere erlaubten ... All dies wirft nur Fragen auf, was bitte erst bei einem dritten Dalton-Bond möglich gewesen wäre!

Platz 2: Liebesgrüße aus Moskau (Sean Connery, 1963; Regie: Terence Young)

Bond trifft Hitchcock ... mit einem Hauch Agatha-Christie-Feeling: Der zweite 007-Film brachte die 007-Formel voran, und gleichzeitig widerstrebt Liebesgrüße aus Moskau einigen Elementen, die mittlerweile gemeinhin als "unerlässlich" für Bond gelten. Das Ergebnis ist eine hochspannende, atmosphärische und erstaunlich gut gespielte Suspense-Geschichte mit einer interessanten Figurenkonstellation sowie geschliffenen Dialogen. Die Actionenszenen sind weitestgehend frei von Gimmicks, aber auf den Punkt choreografiert und das Skript punktet mit nahezu makellosem Pacing.

Platz 1: Skyfall (Daniel Craig, 2012; Regie: Sam Mendes)

Ich möchte nicht einmal beschwören, dass Skyfall über alle Zweifel erhaben der beste Bond-Film ist. In dieses Rennen würde ich zumindest auch Liebesgrüße aus Moskau und Im Geheimdienst Ihrer Majestät packen. Doch Skyfall ist zumindest derzeit der 007-Film, der mir persönlich am meisten imponiert. Aufgrund der Meta-Erzählung, durch welche die Rezeptions-, Produktions- und Finanzturbulenzen der Craig-Ära in den filmischen Subtext Einzug halten. Dank der charmanten, wohlüberlegten Franchisereferenzen, die der eigentlichen Handlung einen effizienteren Dienst erweisen als etwa die Selbstverliebtheit eines Stirb an einem anderen Tag. Und weil Roger Deakins - da lasse ich mich zu keinen Debatten hinreißen - den visuell beeindruckendsten Film der 007-Historie fotografierte. Ein malerisches, atmosphärisch dichtes, und trotzdem mit allem Blockbuster-Pomp bestücktes Spiel mit Licht und Schatten! Thomas Newmans Score und Adeles Titelsong lassen Skyfall selbstbewusst zwischen der Bond-Blütezeit und dem Heute Platz nehmen und Regisseur Sam Mendes orchestriert eine schlagkräftige Symphonie aus allen Tonarten, die Bond jemals ausmachten. Skyfall steht auf den Schultern eines zuweilen lachhaften, teils imposanten, aber stets ikonografischen, einflussreichen und selbstbewussten Giganten unter den Filmreihen. Und zu keinem Zeitpunkt gerät Skyfall daher ins Schwanken. Hut ab, Mr. Bond!

Am 5. November erfahren wir dann, wo sich SPECTRE in dieser Riege einordnet. Ich bin bereits enorm gespannt. Auch auf eure Bond-Ranglisten!

Dienstag, 6. Januar 2015

James Bond 007 – Skyfall


James Bond wurde vermisst gemeldet. Für tot gehalten. QualitativEin Quantum Trost erhielt deutlich schwächere Kritiken als der überragend aufgenommene Franchiseneustart Casino Royale und das Publikum strömte zwar in die Kinos, hielt den Thriller allerdings nicht sonderlich lange in Ehren. Wirtschaftlich. 2009 machte MGM 3,7 Milliarden Dollar Verlust und musste im Folgejahr daher Insolvenz anmelden. Daraufhin wurden sämtliche Pläne für eine möglichst zeitnahe Ein Quantum Trost-Fortführung aufgegeben. Charakterlich. Schon die subtile, durchdachte Formierung eines kontemporären, sich dennoch treu bleibenden Bonds wurde von manchen Puristen als Verrat an der Doppelnull betrachtet. Craigs zweite Agentenmission verlor dann tatsächlich 007s Identitätsmerkmale aus den Augen, womit sich die Gegner Craigs bestätigt fühlten. Und mit voranschreitender Wartezeit auf einen weiteren Film konnte sich der bittere Nachgeschmack immer hartnäckiger festsetzen. In der Zwischenzeit veränderte sich das politische Gefüge ebenso wie die Blockbusterlandschaft. Bond wollte vorübergehend nicht mehr Bond sein, das war bereits klar. Aber mehr und mehr brannte auch die Frage: Kann Bond überhaupt noch Bond sein? Womöglich war die letzte Bejahung dieser Frage, Casino Royale, nur ein geheimdienstliches Strohfeuer. Und die Tage des klassischen Spions im Frack sind sehr wohl gezählt.

Weit gefehlt. Alte Bedrohungen verblassen, aber es betreten stets neue die Bühne. Und ja, die Beschaffenheit eben dieser Bühne mag sich ändern, ebenso wie die Mittel und Wege der sinistren Schattengestalten. Doch es wird stets dasselbe Spiel gespielt. Im Puppentheater, das wir Weltpolitik nennen, versuchen stets irgendwelche Strippenzieher ihre Machenschaften durchzuführen. Wie könnte da der Raum für eine fiktionale, eskapistische Verarbeitung dieser Spielchen entschwinden? Qualität und Herangehensweise müssen bloß stimmen, und es kann nicht schaden, wenn die richtigen Personen die Federführung übernehmen.

Bond ist auch inhaltlich tot. Und das, obwohl er gerade erst zurückgekehrt war. Als 007 nach vierjähriger Wartezeit, der längsten ohne einen Darstellerwechsel, mittels Geldspritze aus dem Hause Sony Pictures wieder die Leinwand betritt, wird er niedergeschossen. Und stürzt, schwer getroffen, einen Wasserfall hinunter. In Skyfall ist es ein Relikt vergangener Bond-Zeiten, die den Agenten anschießend rettet. Die überdimensionale Hand einer anonymen Schattenfrau zerrt Bond zu sich, um ihm in einer finsteren, vor Kreativität überbordenden (ganz nach der alten Schule gestalteten) Titelsequenz erst durch die Hölle gleiten zu lassen. Und um ihm dann neues Leben zu geben.
Hinter den Kulissen ist es indes die versierte Hand des Regisseurs Sam Mendes, der mit Passion für Bond sowie mit hohen Ambitionen für seinen ersten großen Actionfilm ein dramatisches, unterhaltsames, fesselndes Schauspiel leitet. Ein charaktergesteuertes Agentenspektakel mit Persönlichkeit und thematischer Textur.


Nachdem James Bond durch die Vorspannsequenz driftete und wieder an einem Strand angespült wurde, ist er körperlich angeschlagen. Der Casino Royale-Agent – jung, ungestüm, hocheffizient – war einmal. Was aber bleibt ihm? Seine erfrischende, feiste Adoleszenz ist verloren. Nicht nur durch den Zahn der Zeit. Nun, da er viele Jahre (beziehungsweise für zwei Filme und einen Prolog, also länger als der Lazenby- und Dalton-Bond) dem MI6 diente, musste er im Einsatz erkennen, dass er als ersetzbar betrachtet wird. Als unfähig, in der Stunde der Not den Job zu erledigen. Er könnte nunmehr die Frührente antreten, als anonymer Fremder in den Tag hineinleben. Doch Bond, sowohl Craigs Figur als auch die Filmreihe, sieht nicht ein, einfach abzutreten. Als das MI6-Quartier attackiert wird, kehrt 007 zurück. Aus Vaterlandstreue? Um es M auf ganz eigene Art zu beweisen, dass er es noch immer drauf hat? Aus Langeweile, weil er ohne Mission mit sich selbst unzufrieden ist? Auf der Metaebene zumindest kehrt er zurück, um seine neue Identität zu finden. Beziehungsweise, um in seine alte Identität reinzuwachsen. Mit dem Verlust einiger seiner ihm exklusiven Merkmale benötigt der Craig-Bond ein neues Abenteuer, das ihn in die Welt der übergroßen, ikonischen Agentenabenteuer einführt. Um zu erproben, wie sehr sich dieser neue Bond treu bleiben, und wie sehr er auf die alten Traditionen zurückgreifen sollte.

Dass sich die Welt unaufhörlich dreht und wendet, und daher Änderungen vonnöten sind, zieht sich wie ein roter Faden durch Skyfall. Die Bösen nutzen neue Technologien, die Guten sind daher an neuen Stellen angreifbar. Cyberterrorismus, Datenlecks, unklare Fronten. Attacken, die nicht mehr auf einer deutlich kontrastierten Weldkarte stattfinden, sondern urplötzlich ganz nah an einem selbst. Aber Erneuerung bedeutet nicht Abschaffung. M hält in Skyfall eine passionierte Rede für ihren Geheimdienst. Nach Bonds Rückkehr fällt sie die Entscheidung, ihm nunmehr ihr Vertrauen zu schenken. Und auch der einst so freche, wilde Bond spricht sich für "die alten Eisen" aus. Nutzt altmodische Rasierklingen, wünscht sich kreativere Gadgets als die, die ihm Q (nerdig und dennoch sexy: Ben Whishaw) liefert, bekommt leuchtende Augen beim Anblick eines Oldtimers der Marke Aston Martin. Erneuerung bedeutet, Bestehendes zu nehmen und anzupassen. James Bond versteht es. M erinnert sich im Laufe des Films an diese Tugend. Vor allem: Regisseur Sam Mendes versteht es, so viel mehr als Marc Forster vor ihm. Und auch das nun wieder dem Projekt stärker zugetane Autorentrio Neal Purvis, Robert Wade und John Logan versteht es.

Wer es nicht versteht, ist einerseits die britische Regierung, die M aufgrund ihrer Fehler in die Mangel nimmt. Und noch weniger Verständnis für diese Maxime hat Raoul Silva. Der von Javier Bardem mit Raffinesse und bissiger Emphase verkörperte Schurke wurde einst bitter vom System enttäuscht und glaubt, die einzig wahre Antwort parat zu haben. Und diese hat nichts mit Neugeburt zu tun. Sein Patentrezept ist die bloße Zerstörung. Ihm gelüstet es nicht nach Macht, er will die ihm bekannte Welt brennen sehen. Christopher Nolans Joker grüßt, mit dreckigem Lächeln.
Was dieser überlebensgroßen, ebenso beängstigenden wie kurzweiligen Figur zusätzliche Würze verleiht: Bardem, Mendes und die Autoren lassen auf der Metaebene auch ihn zu einem wichtigen Element der Bond-Wiederauferstehung werden, stützen mit Silva ihre Skyfall-Formel. Er ist teils ein neuer, zeitgemäßer Bond-Schurke, mit ausgefeilterer Charaktermotivation und aktuellen Mitteln, die Welt zu verängstigen. Andererseits ist er der erste archetypische Widersacher, dem Craigs Version des Doppelnullagenten begegnet: Große Gesten, selbstgenüsslich-pathetische Monologe und dieses Glitzern in den Augen, das zeigt, dass er genau weiß, wie fies und abscheulich er ist.


Auch andere Bond-Tropoi kehren zurück, doch selten lässt Mendes sie die Story, die Atmosphäre des Moments übertönen. Anders als die zwei späteren Brosnan-Filme ist Skyfall keine 007-Checkliste, die primär dazu da ist, alle ikonischen Elemente des Franchises abzuhaken, während die eigene cineastische Identität der Mission Nebensache ist. Wie in Casino Royale sollen die Bond-Elemente als Stütze fungieren. Bond ist in einem Casino und sitzt an der Bar, also trinkt er einen geschüttelten Martini. Allerdings ist die Situation zu angespannt, die Kulisse zu exotisch und atmosphärisch, als dass es angebracht wäre, den viel zitierten Satz "Geschüttelt, nicht gerührt" fallen lassen zu können, ohne dass die immersive Wirkung der betörenden Kameraarbeit beschädigt würde. Also sehen wir schlicht das Ergebnis der Cocktailbestellung.

Solche Passagen wiederholen sich unaufdringlich, aber wirkungsvoll in Skyfall, wobei die stützenden 007-Elemente das Flair stärker mitprägen als in Casino Royale. Das Geschehen ist fesselnd, die Figuren sind ausdifferenziert, und dennoch nimmt Mendes regelmäßig genügend Abstand vom brennenden Plot, dass er einen dazu einlädt, über den gebotenen Prunk zu staunen. Über Dialoge zu schmunzeln. Und an Bonds Stelle Spaß zu haben. Die Stunts sind größer, spektakulärer und unwahrscheinlicher. Nur dass Mendes sie nicht ins Campige abgleiten lässt, sondern sie nutzt, um Bond als verboten gut in seinem Job dastehen zu lassen. Wenn er etwa noch vor dem Vorspann in einer atemberaubenden Verfolgungsjagd mit einem Bagger einen Zugwaggon zerstört, in das Abteil springt und dann seinen Anzug richtet. Craigs Mimik und Roger Deakins' mit Licht und Schatten spielende, realistische, aber betörend schöne Bildgestaltung verankern das Geschehen stets da, wo es hingehört: Überhöht, aber glaubwürdig.

So grimm, fast schon nolanesk ausgedehnte Passagen des Films sind, versteht Skyfall diese Momente als das dunkle Tal, durch das 007 wandern muss, um zur Lichtung zu gelangen. Er feuert wieder coole Sprüche ab. Er wehrt Widersacher mit improvisierten Fallen ab, die den allein zu Haus gebliebenen Kevin neidisch machen dürften. Und ganz zum Schluss verspricht er, die Arbeit wieder aufzunehmen. Dieses Mal mit Vergnügen.

Daher erlaubt sich Mendes gar zwei Aktualisierungen der Pistolenlaufszene. Eine versteckt, ganz subtil. Der Film beginnt, der Fokus begrenzt sich auf einen kleinen Punkt im Bild, ebenso wie das Licht. Bond geht mit Pistole auf den Betrachter zu. Es ist der Pistolenlauf, wie er Ein Quantum Trost gestanden hätte, und er stürzt den Zuschauer direkt in die Handlung. Zum Abschluss kehrt die traditionelle Bond-Eröffnung dann in gewohnter Manier zurück, um von Thomas Newmans glamourös-nostalgischer Reprise des 007-Themas darauf hinzuweisen, dass Skyfall ein Geburtstagsgeschenk ist. 50 Jahre Bond auf der Leinwand. Zur Feier gab es Craigs besten Fall, den visuell beeindruckendsten Bond-Film und einen Titelsong für die Ewigkeit.

Die Vergangenheit lehrte, dass der Mann mit der Lizenz zum Töten nach besonders geglückten Einsätzen leicht ins Stolpern gerät. Aber zu gerne lässt uns Skyfall im Glauben, dass sich 007 für eine goldene Zukunft bereit macht. Auf dass Bond, James Bond, sein zwischen den Zeilen liegendes Versprechen dieses Mal einhält!

Siehe auch:

Samstag, 3. Januar 2015

James Bond 007 – Ein Quantum Trost


Daniel Craig betrat die Bretter, die James Bonds Welt bedeuten, mit einer klaren, starken Ansage. Hier ist er, der neue 007, und er ist es wert, dass wir ihm konzentriert unsere Aufmerksamkeit schenken! Im Gegensatz zum Original-Bond Sean Connery, der mit seiner zweiten Mission erst so richtig auftrumpft, gerät Craigs Version des unverkennbaren Spitzenagenten in Runde zwei allerdings ins Trudeln: Ein Quantum Trost ist von Anfang bis Ende ein gewaltiger Schlag ins Wasser. Sämtliche Aspekte, die für Craigs Debüt sprechen, werden entweder über Bord geworfen oder nach ihrem dezenten Einsatz im Vorläufer völlig überreizt.

Bereits der Prolog setzt die Messlatte beschämend niedrig an. Üblicherweise ist es das Ziel der eröffnenden Actioneinlage, die Stimmung für das nachfolgende Abenteuer zu setzen, indem sich nach und nach eine 007-Mission enthüllt (die mal nichts, mal wenig mit dem eigentlichen Fall zu tun hat). Die ersten Minuten von Ein Quantum Trost dagegen sind hauptsächlich eins: Irritierend. Bond düst in einem kugelsicheren Auto (das rasch eine Tür und somit seine Effizienz in Sachen Kugelsicherheit verliert) vor Schurken davon, es gibt diverse Auffahrunfälle und eine Vielzahl an realer Stuntarbeit. Diese lässt sich aber nur im Heimkino bewundern, wenn man den Film Bild für Bild schaut. Denn Regisseur Marc Forster und Kameramann Roberto Schaefer machen es sich hier zum Ziel, Jason Bourne zu überbieten und noch mehr zu wackeln, noch öfter den Fokus zu ändern und so noch rauer zu sein als der 007-Konkurrent aus der Post-9/11-Ära. Die flatterige Schnittarbeit von Matt Chesse und Rick Pearson drückt die Chancen, auch nur im Ansatz die Übersicht zu behalten, im Verlauf der Szene dann endgültig gen Null. Nach der Enthüllung, dass Bond einen bösen Buben aus Casino Royale in seinem Kofferraum gefangen hält, der so austauschbar ist, dass dieser kleine Twist nur funktioniert, wenn man den Vorläufer wenige Stunden zuvor gesehen hat, folgt die Überblende zum weniger hektischen Vorspann.

Mit dem Intro beginnt zugleich eine Attacke auf die Ohren. Denn der Titelsong, der die Ehre hat, das erste Duett im Bond-Pantheon zu sein, macht selbst Madonnas Die Another Day Konkurrenz. Sängerin Alicia Keys klingt flach, kurzatmig und unterkühlt, Jack White hinterlässt als Sänger derweil überhaupt keinen Eindruck – und der Gesang ist noch das 'stärkste' Element dieser Nummer. Denn die Komposition ist mit ihren deplatzierten Dissonanzen, ihren forcierten Tempowechseln und ihrem Mangel an eigenständigem, tragendem Charakter nicht nur schlecht, sondern sogar peinlich. Sie passt überhaupt nicht zu Bond und selbst als alleinstehend betrachtete Kollaboration zwischen White und Keys ist sie nur mit Wohlwollen überhaupt als gescheitertes Experiment zu bezeichnen.

Nachdem der Song Another Way to Die ungewollt treffend den Tonfall für den restlichen Film beschrieben hat, erfährt MI6 während des Verhörs von Bonds Gefangenem, dass die gesamte Organisation durch Doppelagenten korrumpiert wurde. Wie sich bei den Ermittlungen rasch zeigt, werden diese Doppelagenten unter anderem durch den Wirtschaftsmagnaten und Umweltaktivisten Dominic Greene (farblos: Mathieu Amalric) finanziert. Dieser hat derzeit allerlei fiese Pläne am Laufen, so versucht er seine Liebhaberin Camille Montes (Olga Kurylenko) zu töten und einem ins Exil verbannten, faschistischen Militaristen dabei zu helfen, an die Macht in Bolivien zu gelangen. Im Austausch für seine tatkräftige Unterstützung verlangt Greene eine scheinbar wertlose Wüste, mit der er selbstredend noch große Pläne hat. 007, der eigentlich nur zum Ziel hatte, die Quelle der MI6-Saboteure ausfindig zu machen, befindet sich nun mitten in einem deutlich größeren Fall, in den er sich verbeißt – schließlich erhofft er sich Aufklärung darüber, ob seine geliebte Vesper ebenfalls eine Verräterin war oder zum Verrat gezwungen wurde.

Bond-Plots funktionieren nahezu ausnahmslos nach dem Zwiebelprinzip – sie entblättern sich Schicht für Schicht. Ein Quantum Trost ist da keine Ausnahme, wohl aber ist Craigs zweite Mission hinsichtlich ihrer Ausführung bemerkenswert. Bemerkenswert schlecht! Viele der alten Bond-Storylines, insbesondere der Brosnan- und Moore-Phasen, sind absurd, wie etwa Im Angesicht des Todes, wo manipulierte Pferderennen, Hochleistungscomputerchips, Erdbeben und Weltherrschaft angeblich nahtlos ineinandergreifen. Casino Royale behält die schrittweise erfolgende Annäherung zum eigentlichen Kernkonflikt klassischer Bond-Filme bei, beinhaltet allerdings plausible Beziehungen zwischen den einzelnen Plotebenen sowie glaubwürdige Detektivarbeit. Ein Quantum Trost wiederum verabschiedet sich von der schleichenden Vorgehensweise seines direkten Vorgängers, um dem Zuschauer eine konfuse Ansammlung von Plänen, Ideen und Intentionen um die Ohren zu hauen.

Wer bezweifelt, dass das im Vorspann genannte Trio Paul Haggis, Neal Purvis und Robert Wade dieses Skript verbrochen hat, ist einer heißen Fährte auf der Spur. Wie Daniel Craig Jahre nach der Veröffentlichung dieses Actionthrillers in diversen Interviews verriet, verfassten er und Regisseur Marc Forster während der Dreharbeiten weite Teile des Drehbuchs, da sich die Autoren gemeinsam mit praktisch all ihren US-Kollegen im Streik befanden. Und dies erklärt einen Großteil der inhaltlichen Probleme von Ein Quantum Trost. Gewiss: Es ist möglich, einen guten Film zu verwirklichen, wenn noch am Set das Drehbuch vollendet wird. Allerdings sind es in solchen Fällen zumeist die eigentlichen Drehbuchautoren, die während der Dreharbeiten noch den Dialog polieren (siehe etwa Fluch der Karibik). Dass ein lückenhaftes Skript eines als komplex beabsichtigten Agentenfilms durch improvisierte Schreibversuche des Hauptdarstellers und des Regisseurs vervollständigt wird, ist da schon ein ganz anderes Paar Schuhe.

Ein Quantum Trost ist zwar bei weitem nicht die einzige Großproduktion, die vom Autorenstreik 2007/08 in Mitleidenschaft gezogen wurde, jedoch lässt sich das Argument anbringen, dass es keinen Film schwerer traf als diesen. Dass der zweite Transformers-Film sinnlos ist, ist unbedeutend, schließlich wäre er auch ohne Autorenstreik zu einem überlangen Effektgewitter verkommen (man ziehe zum Vergleich Transformers 1 & 3 heran). Auch der erste G.I. Joe-Film spielt inhaltlich auf einer deutlich niedrigeren Ebene als Ein Quantum Trost, der ja nicht nur qualitativ und tonal in die Fußstapfen von Casino Royale treten möchte, sondern auch den bis dahin intelligentesten aller Bond-Filme fortsetzen möchte. Mit gesteigertem Selbstanspruch kommt nun einmal eine größere Fallhöhe – und Ein Quantum Trost legt eine gewaltige Bruchlandung hin. Wie der vermeintlich weitererzählte Plot des Vorläufers mit Greenes hanebüchenen Allmachtsfantasien zusammenhängt (die inszenatorisch und skriptintern als realistisch dargestellt werden), ist albern und der Epilog, in dem Bond Vespers Ex-Lover ausfindig macht, ist forciert, hölzern und emotional wenig überzeugend.

Selbiges gilt für die Charakterisierung des Topagenten. Dass Casino Royale mit einem Knall endete und formal laut ankündigt, dass 007 ab sofort der Spion ist, den seine Fans seit Jahren lieben, bloß um Ein Quantum Trost mit einem 'Nein, doch nicht!' zu eröffnen, ist schon rein prinzipiell unglücklich. Wäre die Rachegeschichte mitreißend und Bonds emotionaler Bogen in sich schlüssig, wäre es aber möglich, den Verantwortlichen ihr Umdenken zu verzeihen. Denn per se ist es nachvollziehbar, dass 007 nach den Erlebnissen aus Casino Royale mit Tunnelblick durch die Welt rast und zu einer noch kälteren Killermaschine wird als zu Beginn des ersten Craig-Films. Dass dieser Bond, der seine große Liebe rächen will, aber mit einer unbedeutenden MI6-Angestellten (verschenkt: Gemma Arterton) schläft, die taffe und smarte Camille dagegen nicht einmal anbaggert, ergibt keinen Sinn. Wenn der Chauvi Bond aus Trauer um Vesper züchtig wird, dann bitte konsequent. Wenn er seine Wut hinweg kopulieren will, wieso dann nicht mit einer Frau, die ihm ebenbürtig ist, sondern mit der mädchenhaften MI6-Mitarbeiterin? Dies klingt vielleicht nach Haarspalterei, ist aber das griffigste Exempel dafür, wie schwammig Bonds Charakter hier skizziert wird.

An Craigs stets grimmiger Mimik und der farblosen, rauen Inszenierung wird zwar deutlich, dass sich die Filmemacher einig waren, einen unzufriedenen, wütenden, unglücklichen Bond vorzuführen; wie sich Bonds Frustration äußert, ist aber völlig inkonsistent, was das Mitfiebern weiter erschwert. Einem schwer nachvollziehbarem Plot lässt sich noch immer gebannt folgen, wenn die emotionale Reise des Protagonisten fesselt. Wenn auch diese enttäuscht, fällt der Handlungsbogen in sich zusammen.

Da hilft es auch nicht, dass Ein Quantum Trost mit 106 Minuten Laufzeit ungewöhnlich schlank ausgefallen ist. Zumal die knackige Filmlänge nicht zuletzt dadurch zustande kommt, dass Forster und das Cutter-Team Cheese & Pearson in den Actionszenen wie manisch zwischen Einstellungen wechseln und jeden Schlag, Tritt, Schuss oder Aufprall sofort von einem Schnitt folgen lassen. Die Leistung der Stuntcrews geht unter, jeglicher Orientierungssinn geht verloren, fast alle Actionpassagen werden somit unverständlich und langweilig. Nur in einer Actionsequenz setzt Forster auf Übersicht und Atmosphäre statt auf Tempo und Chaos. Und diese Szene entfaltet sich prompt zum Höhepunkt des Films: Bond beschattet die Mitglieder der Geheimorganisation QUANTUM, während sie ein Treffen in einem Opernsaal abhalten. Die aufgeführte Fassung der Tosca, inklusive Bühnenbild, das exzentrisch das Gefühl der Paranoia visualisiert, fügt sich grandios in die Thematik des Filmkapitels und die visuelle Komposition aus Bond, QUANTUM-Ganoven und Bühnengeschehen ist ebenso smart wie packend.

Etwas ähnliches versucht Forster bereits kurz nach der Vorspannsequenz umzusetzen: Die Scharmützel zwischen Bond und einigen Doppelagenten werden immer wieder von Aufnahmen des berühmt-berüchtigten Pferderennens Palio di Siena unterbrochen – womöglich, um die Brutalität und Effizienz der Fieslinge zu kommentieren. Bloß, dass der frenetische Schnitt nicht erlaubt, sein Augenmerk auf die Täter zu lenken, so dass keine fundierten Vergleiche möglich sind. Der disharmonische Rhythmus der Szene und die mangelnde Interaktion zwischen beiden Schauplätzen lässt die Szene letztlich rein prätentiös wirken – oder eher gewollt, aber nicht gekonnt. Bezeichnend, dass das Rennen das erste war, was gedreht wurde, noch bevor Forster überhaupt wusste, welche Aufgabe das gefilmte Material im Film erfüllen soll.

Diese 'Hals-über-Kopf'-Produktionsweise macht sich durch die Bank weg bemerkbar. Die MI6-Büros sind in Ein Quantum Trost vollkommen anders gestaltet als noch in Casino Royale, der aber wenige Stunden vor den ersten Ein Quantum Trost-Szenen endet. Wie das sein kann? Ein Quantum Trost war laut Craig zunächst nicht als direkte Fortführung geplant, diese Idee entstand erst im Laufe der Produktion – wohl zu spät, um das (langweilige) Setdesign zu ändern. Wenn schon solche recht prominente Dinge nicht beachtet werden, wäre es einem Wunder gleichgekommen, hätte Ein Quantum Trost so brillante Abwandlungen der Bond-Tropoi zu bieten wie Craigs Debüt. Denn dafür benötigt es Bedenkzeit und Sorgfalt. Und die ist in Ein Quantum Trost vollkommen abhanden gekommen. Stattdessen holpert und poltert sich diese filmische Katastrophe mit einer 'Wir hassen Traditionen'-Attitüde durch den 007-Mythos. Die einzige direkte, liebevolle Referenz (eine Aktualisierung des berühmten Goldfinger-Todes via Goldfarbe) wird durch Forsters Schnitt kurzgehalten, fast schon untergraben. Dafür kopiert Ein Quantum Trost den Widerwillen seines Vorgängers, die Pistolenlauf-Szene an ihrem angestammten Platz zu zeigen. Hatte der Traditionsbruch in Casino Royale aber Hand und Fuß, klatscht Forster diese klassische Bond-Zutat an die sentimentale Schlussszene, wodurch diese ihre Stimmung verliert.

Womit Ein Quantum Trost auftrumpfen kann, ist wohlgemerkt eine engagierte Darbietung des Bondgirls Olga Kurylenko, die erste Frau in der 007-Reihe den Archetyp des Verbrechensopfers, das sich zu einer kühlen Rächerin entwickelte, gekonnt mit vollem Ernst und Dramatik anpackt. Dumm nur, dass das Skript ihr nicht gerade in die Karten spielt. Auch Komponist David Arnold macht das Beste aus seiner Lage – sein Score ist zwar alles andere als eine echte Bond-Klangtapete, aber wie sollte er auch bei dieser lieblosen, sinnbefreiten Bourne-Kopie? Was Begleitmusik für raue, schnelle, pseudo-realistische Agentenfilme angeht, ist seine Arbeit an Ein Quantum Trost jedoch eine der stärkeren.


2013 durfte Forster dann beweisen, dass Ein Quantum Trost nicht etwa gescheitert ist, weil er unfähig ist, aus der Not einen Tugend zu machen. Der Big-Budget-Action-Zombiefilm World War Z durchlitt ähnlich herbe Produktionsschwierigkeiten, nahm aber eine respektable Form an. Und bereits 2012 zeigte sich, dass Daniel Craigs erster 007-Film kein glücklicher Unfall war, sondern Ein Quantum Trost ein herber Ausrutscher nach unten. Bond mit Craig kann sehr wohl Spaß machen …