Freitag, 1. März 2013

James Bond 007 – Feuerball

Feuerball ist der vierte James-Bond-Film und zugleich der mit der wohl kompliziertesten Vorgeschichte. Ursprünglich wurde das Skript als Grundlage für eine TV-Serie entwickelt, die jedoch nicht zustande kam, woraufhin Ian Flemming das Material in einen Bond-Roman umwandelte. Kevin McClory und Jack Whittingham, die an dem unverwirklichten Serienskript mitwirkten, verklagten Flemming daraufhin aufgrund von Urheberrechtsverletzung, was wiederum die Pläne, Feuerball als größte und aufwändigste Bond-Geschichte auch als erste auf die Leinwand zu bringen, zunichtemachte. Nach Guy Hamiltons Goldfinger ruhten die Rechtsstreitigkeiten allerdings (weitestgehend ... vorerst) und die Köpfe hinter dem erfolgreichen Kinofranchise hatten genügend Finanzkraft und Selbstvertrauen, die Geschichte auf Leinwand zu bannen. Mit der Regie wurde zunächst Hamilton beauftragt, der den vorherigen 007-Streifen zu einem massiven Erfolg machte, da dieser aber ablehnte, wurde es Terence Young, der die beiden ersten Kinoeinsätze des Agenten mit der Lizenz zum Töten drehte. Auf der von Goldfinger zu neuen Höhen getriebenen Welle der Bond-Mania und der damaligen Manie um die damals noch neuartige Story um nuklearen Terrorismus empor getragen wurde Feuerball zu einem überwältigenden Erfolg, selbst für Bond-Maßstäbe. Allein in Deutschland generierte der Film über zwölf Millionen Kinobesuche, über 60 Millionen US-Bürger tigerten in die Lichtspielhäuser und weltweit nahm Feuerball unter Berücksichtigung der Inflation rund eine Milliarde Dollar ein.

Und so wurde Feuerball zu einem Paradebeispiel für zwei Faustregeln in der Welt der Kinofranchises: Nach einem Erfolg streben Produzenten nach "größer, schneller, weiter, mehr Hickhack auf der Handlungsebene". Und: Sofern keine immens lange Wartezeit zwischen zwei Filmen besteht, so sagen die Einnahmen einer Fortsetzung weniger über ihre eigenen Qualitäten aus, als über die Beliebtheit des Vorgängers. Denn auch wenn Feuerball keine cineastische Katastrophe ist, so leidet er ganz deutlich an üblichen Sequelitis-Symptomen und profitierte zweifelsfrei vom Durst des Kinopublikums nach mehr Goldfinger.

Die Story ist, wenn man sie von der dauernden Einführung neuer, kaum relevanter Figuren und dem dauernden Seitenwechsel der von Bond verführten (Ex-)Schurkinnen befreit, schnell erzählt: SPECTRE (beziehungsweise Phantom) kann einen britischen Kampfjet kapern und zwei darin befindliche Atombomben an sich reißen. Daraufhin erpressen die dubiosen Schurken die reichsten Nationen der Erden um einen absurden Geldbetrag. Der britische Geheimdienst MI-6 setzt deswegen seinen besten Mann, niemand geringeres als James Bond, auf den Fall an. Bond, der eigentlich eine andere Mission absolvieren sollte, reist nach Nassau, wo er der atemberaubenden Domino (Claudine Auger) begegnet, dem Mündel der Nummero deux in der SPECTRE-Rangfolge. Zahlreiche Mordanschläge auf 007, ausführliche Unterwasserkämpfe und intensive Techtelmechtel folgen, in deren Laufe sich Bond dem Strippenzieher hinter der Bombendrohung nähert ...

Bereits in der Prologsequenz versucht Feuerball größer, schneller, weiter als sein Vorgänger zu sein: Nach einer kurzen Irreführung, Bond sei verstorben (ja, das Franchise liebt diese falsche Fährte), folgt er der Spur eines untergetauchten SPECTRE-Mitglied, das er in einem harschen, rauen Faustkampf bezwingt, woraufhin Bond mit einem Jetpack flieht. Direkt im Anschluss folgt die bis dahin beste Vorspannsequenz der Bond-Reihe: Maurice Binder erstellte ein mysteriös-sinnliches Unterwasserballett nackter, tauchender Frauensilhouetten, die vor hellblauem, blubberndem Hintergrund erscheinen und so auf das dominierende Unterwassermotiv des Films vorbereiten. Währenddessen röhrt sich Tom Jones durch den Titelsong, der nichts von den Ohrwurmqualitäten des melodiöseren und mit seinen ikonischen Blechbläsereinsätzen auffallenden Goldfinger hat, aber sich redlich bemüht, größer, kerniger und cooler zu klingen. Die lange Schlussnote haute Tom Jones mit so viel Luft raus, dass er sogar das Bewusstsein verlor. Irgendwie sinnbildlich für den gesamten Film: Achtbare Ambitionen, aber all die Bemühungen führen dennoch nicht zu einem besseren Ergebnis als beim weniger berechneten Vorgänger.

Bevor Feuerball auf Tauchstation geht, erleben die Zuschauer James Bond in einem völlig neuen Element: Aufgrund einer Verletzung, die er sich bei seiner spektakulären Flucht hinzuzog, bekommt Bond eine ausführliche Behandlung in einem Spa verordnet. Natürlich schmeißt sich der alte Schwerenöter sofort an seine Pflegerin heran, die ihn aber gehörig abblitzen lässt. Aber ein Bond besteigt, was er sich in den Sinn setzt, und wenn ihn die Drehbuchfee dafür erst leiden lassen muss: Ein gegnerischer Agent stellt eine Massagemaschine, in die 007 gespannt wurde, auf eine tödliche Stufe (natürlich hat ein Massagegerät eine Todesstufe!), was Bond nur durch Glück übersteht. Weil ihn seine Pflegerin aus den Augen ließ und somit in Gefahr brachte, bedroht er sie: Wenn sie ihm nicht gibt, was er will, dann muss er ihren Vorgesetzten in Kenntnis über die Ereignisse setzen ...

Aber keine Sorge, liebe Kinder und FrauenrechtlerInnen: Im Nachhinein gefällt es ihr!

Doch Spaß beiseite: Im Gegensatz zur Verführung der Pussy Galore in Goldfinger ist diese Szene dermaßen over the top, dass man sie kaum ernst nehmen kann. Generell ist das gesamte Spa-Kapitel, so überflüssig es für die Handlung sein mag, dank Sean Connerys Timing und Ausstrahlung, die hier voll zur Geltung kommt, ein sehr vergnüglicher Start in den Film. Problematischer finde ich das dauernde Einführen und Fallenlassen von Randfiguren, das Feuerball einen zerfahrenen Aufbau einbrockt. Auch ist die hohe Anzahl an Unterwassersequenzen lästig. Ich stimme nicht dem modernen Konsens ein, dass sie allesamt lahm und unübersichtlich sind, doch es stimmt, dass sie (naturgemäß) langsamer ablaufen. Trotzdem: Die für ihre Zeit aufwändige Arbeit, ist ihnen anzusehen, was ihnen ein paar Bonuspunkte einbringt. Und Terence Young gibt ihnen auch durch seine Inszenierung viel Suspense, selbst wenn es bei dieser Masse an ähnlichen Unterwasserszenen ermüdend und repetitiv wird, weswegen man sich auf eine oder zwei herausstechende Szenen unter Wasser hätte beschränken sollen, statt das Gimmick zu forcieren, ein Viertel des Films im Meer abspielen zu lassen.

Während die Vielzahl an Handlangern und Schurken blass bleibt, fällt Feuerball in Sachen Bond-Girls durch eine Vielzahl an schmucken Damen auf, die dem Casanova mit der Lizenz zum Töten verfallen und allesamt von charismatischen, gutaussehenden Frauen gespielt werden, die verzweifelt versuchen, ihren Rollen etwas Leben einzuverleiben. Manche von ihnen bekommen dies besser hin als andere (Luciana Paluzzi als Fiona kommt da als erstes in den Sinn), dennoch beginnt hier auf der Skriptseite der Trend von Qualität (für Eyecandy waren die Bond-Girls in den ersten drei Filmen noch recht "gut" geschrieben) zu Quantität.

Zu den guten Szenen nach dem Prolog und Intro zählen für mich sonst noch die herrlich alberne SPECTRE-Sitzung und der Abstecher in den Tanzclub, während das vollkommen durchschaubar und amateurhaft beschleunigte Finale auf der Yacht des Schurken ein echtes Grausen ist.

Unterm Strich ist Feuerball kurzweilig, aber wer Bond nur wenig abgewinnen kann, darf gut und gerne einen Bogen um ihn machen. Ambitioniert, aber in seinen Eigenansprüchen fehlgeleitet. Kein Wunder, dass er von den Produzenten als Beispiel für aus den Händen geglittene Bond-Projekte genutzt wird.

0 Kommentare:

Kommentar posten