Mittwoch, 22. Mai 2013

James Bond 007 – Diamentenfieber


Eigentlich hatte Diamentenfieber nie eine faire Chance. Bekanntlich quittierte George Lazenby seinen Dienst als 007 und die Produzenten grämten darüber, dass Im Geheimdienst Ihrer Majestät zwar viel Geld einspielte, jedoch hinter den Erwartungen zurückblieb. Somit war praktisch vorprogrammiert, dass Bonds nächster Leinwandeinsatz nicht weiter den dramatischen und ambitionierten Ansatz von Lazenbys Film verfolgen wird. Wer sich von Diamantenfieber also einen menschelnden, von Rachemotiven getriebenen, mehrdimensionalen Agententhriller verspricht, steuert hilflos einer Enttäuschung entgegen. Aber auch Freunde des überdrehten, kunterbunten Bonds, die sich mit der Rückkehr Sean Connerys einen neuen Agentenspaß der Marke Goldfinger oder Man lebt nur zweimal erhoffen, sollten nicht zu viel erwarten. Damit Sean Connery nämlich wieder in die Rolle schlüpft, derer er überdrüssig wurde, mussten die Produzenten die eine damalige Rekordgage abdrücken, um ihn zu überzeugen. Connery investierte einen Großteil seiner Gage in eine von ihm gegründete gemeinnützige Organisation und schleppte sich lustlos vor die Kamera.

Ein Goldfinger (begeisterter Connery) war somit ebenso unmöglich wie ein Man lebt nur zweimal (vollkommen absurd und irrsinnig aufwändig), denn um die Ausgaben an Connery zu kompensieren, sparten die Filmemacher an allen Ecken und Kanten. Somit entstand ein "kleiner" Bond-Film mit einem überschaubaren Plot, der sich somit eher für eine engagierte, ernstzunehmende Performance und einen spannenden inszenierten Film eignen würde. Stattdessen wurde diese simple Handlung mit vielen kleinen Albernheiten geschmückt, die aber nur selten die Grenze ins Reich des begeisternden Wahnsinns leisten. Kurzum: Diamantenfieber bleibt in einer drögen Grauzone hängen.

Dabei sind die ersten Filmminuten noch ganz gelungen: Bond befindet sich auf einem wütenden Streifzug durch die Welt, verbissen sucht er nach dem Aufenthaltsort Blofelds. Unausgesprochen bleibt seine Motivation (wer mag, kann eine Verbindung zum Ende von Im Geheimdienst Ihrer Majestät herstellen, wer es nicht will, kann so tun, als sei Lazenby nie geschehen), schlussendlich macht Bond seinen Erzfeind aber ausfindig und scheint ihn auch zu besiegen. Mit einer visuell unaufregenden Titelsequenz mit einem meiner Ansicht nach überbewerteten Bond-Song (die Tempiwechsel erscheinen mir einfach zu unausgegoren und klingen eher nach Werbung) beginnt allerdings die Abwärtsspirale: Bond wird vom MI6 mit einem neuen Auftrag bedacht, der ihm aber wegen seiner Simplizität stinkt. Eine Vielzahl südafrikanischer Diamanten wird zwar von den Minenbesitzern gestohlen, nicht aber weitergeschmuggelt. Der Spitzenagent soll sich der Sache annehmen. Dabei begegnet er zwei Auftragskillern, die jeden erledigen, der mit dem Diamantendiebstahl zu tun hat, sowie der Diamantenschmugglerin Tiffany Case, der er sofort schöne Augen macht. Einige Verwechslungen später deckt 007 auf, was mit den gestohlenen Diamanten wirklich geschehen soll ...

Ich weiß kaum, wo ich anfangen soll, denn es gibt wirklich kaum etwas, das mir an Diamantenfieber gefällt. Es geht schon bei Bonds Sprüchen gegenüber Frauen los, die in diesem Film die Grenze von "spaßig-augenzwinkernd machohaft" zu abstoßend-tolldreist überschreiten. Die deutsche Synchro rettet (entschärft?) dies ein wenig, so dass zum Beispiel sein (inhaltlich irrelevantes) Treffen mit der von Lana Wood gespielten Plenty O' Toole (im Original: hölzern aber sympathisch, in der Synchro: spaßiges Fräulein) doch ein paar Schmunzler zu entlocken weiß, generell macht mit die "Wir müssen uns diesen ekligen, romantischen Nachgeschmack von Im Geheimdienst Ihrer Majestät auswaschen!"-Darstellung Bonds in Diamantenfieber aber aggressiv. Ebenfalls durch negative Stereotypisierung schlecht gealtert und aufgrund der dick aufgetragenen Darbietung auch dessen ungeachtet einfach lästig: Die Schurken-Handlanger Mr. Kidd und Mr. Wint, zwei schleimige Schwulen-Klischeefiguren, die so angelegt sind, dass ihre sexuelle Orientierung Teil dessen ist, was das Publikum von ihnen abschrecken soll. Zwei Kampflesben namens Bambi und Klopfer, die Bond im weiteren Verlauf das Leben schwer machen, runden das Paket ab, welches ebenfalls einen radikalen Kompetenzzerfall des Haupt-Bond-Girls Tiffany Case (eine schlafwandelnde Jill St. Claire) umfasst: Anfangs energisch, kopfgesteuert und Bond gegenüber immun, im Finale strohdoof und ein wandelnder Klotz an jedermanns Bein.

Wenn gerade keine schalen oder ignorante Gags gerissen werden, zimmert Regisseur Guy Hamilton (Goldfinger) mit seinem vergleichsweise mageren Budget langweilige Actionszenen zusammen, die einem Bond-Film keineswegs gerecht werden. Sei es eine gemäßigte Auto-Verfolgungsjagd, die durch zweieinhalb Straßen von Las Vegas führt, eine Verfolgungsjagd, bei der Bond in einem Moon Buggy (!) durch eine Wüste kurvt (!!) hin zu einem antiklimatischen Finale, das urplötzlich stoppt, obwohl der ursprüngliche Auftrag Bonds nicht angemessen erfüllt wurde – es mag einfach kein Thrill entstehen.

Nach Diamantenfieber suchten die Produzenten erneut nach einem neuen Hauptdarsteller. Mit ihm sollte erneut ein tonaler Richtungswechsel folgen. Nach dem "Einfach nur unterkocht"-Feeling von Diamantenfieber wahrlich keine miese Idee ...

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