Sonntag, 1. Januar 2017

Meine Gedanken zum Kinojahr 2016


2016 liegt hinter uns, und somit das Jahr, das in den sozialen Netzwerken (und nicht nur dort) auf fast schon lachhafte Weise zum wandelnden Comicsuperschurken unter den Jahren hochstilisiert wurde. Natürlich lief 2016 wahrlich nicht alles optimal (vor allem politisch) und selbstredend gab es 2016 prominente Verluste, die schwer zu verkraften waren. Aber, haltet euch fest, denn nun kommt der Megaschocker: Es gibt jedes Jahr Promitode und jedes Jahr welt- und/oder gesellschaftspolitische Entwicklungen, bei denen es einem den Magen umdreht. 2016 so sehr zu personifizieren, wie es passiert ist, wandelte sich vom kurzen, kleinen Gag zum überreizten Running Joke hin zu einem halboffiziellen, idiotischen Glauben.

Ähnliches geschah auch beim exklusiven Blick auf das Kinojahr: Es genügte eine Riege an misslungenen, doch erfolgreichen Blockbustern wie Batman v Superman: Dawn of Justice, Suicide Squad oder (am weltweiten Einspielergebnis gemessen) Warcraft: The Beginning sowie eine Riege an enttäuschenden bis sehr schwachen Big-Budget-Produktionen, die meilenweit unter den wirtschaftlichen Erwartungen geblieben sind (darunter: X-Men: Apocalypse, Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln, Independence Day: Wiederkehr und BFG sowie Die Bestimmung – Allegiant), und schon setzte sich ein Gedanke felsenfest in die Köpfe der Filmliebhaber. 2016, das schlechteste Kinojahr der Geschichte.

Was für ein grober Unsinn! 2016 bescherte uns zahlreiche unterhaltsame, stylische, kluge und denkwürdige Filme. Es waren nur selten die Produktionen, auf die schon zwölf Monate zuvor ungeduldig hingefiebert wurde. Das macht 2016 aber zu keinem mieseren Filmjahr.

Was sich 2016 allerdings sehr wohl abzeichnete: Aus der seit einigen Jahren schlicht dazugehörenden Reibungsfläche zwischen Franchisefans, Durchschnittspublikum und Kritikerzunft wurde ein anstrengendes, lärmendes Dauergetöne. Hatte ein Film 2016 ein Budget von 150 Millionen Dollar aufwärts, war Internetkritikern quasi jede Meinung verboten. Positive Batman v Superman-Kritiken stammten demnach von dummen, blinden DC-Fanboys und prahlenden Antimainstreamblendern, negative Kritiken von Snobs, Marvel-Fanboys und snobistischen Marvel-Fanboys, die geschmiert wurden. Ghostbusters? Wer den mag, ist ein feiger, sich bei Frauen einschleimender Idiot, wer ihn nicht mag schwimmt nur auf der Welle mit. Warcraft: The Beginning? "Öh, du hast nur zu wenig Ahnung vom Spiel!" bei Negativkritiken, "Äh, du hast nur Angst vor den Fanboys" bei den Positivkritiken. Und. So. Weiter. Der Filmdiskurs im Jahr 2016 war ein stotternder, galliger Dreifrontenkrieg zwischen Hatern, Allesbejublern und denen, die verzweifelt versuchen, in Ruhe jeden Film einfach nur für sich stehend zu betrachten. Leute, das muss sich 2017 ändern!

Eine schönere Entwicklung im Jahr 2017: Auch abseits der Nische wird das Kino diverser, mit besseren Frauenbildern selbst in Vulgärkomödien (etwa: Bad Neighbors 2, Mike and Dave Need Wedding Dates), ethnisch breiter gefächerten Blockbuster-Ensembles (zum Beispiel: Rogue One, Die glorreichen Sieben, die Original-Sprecherlisten von Vaiana und Zoomania) und einer Vielzahl an Filmen, die vorurteilsfrei und ohne Stigmatisierung aus der Heteronormativität geschritten sind.

Dessen ungeachtet kommt so ein Kinojahr kaum ohne Enttäuschungen und Frustrationen aus, selbst abseits meiner Flops. The Witch wurde meiner Ansicht nach seinem Hype nicht gerecht, sondern ist schlicht die Aussage "Fanatismus ist nicht gut!" in Dauerschleife, wenngleich gut gespielt und atmosphärisch. Das Biopic Die Poesie des Unendlichen macht zu wenig aus seinem naturwissenschaftlichen Culture Clash und ist somit nur laffe Massenware, Stolz und Vorurteil & Zombies fehlt der nötige Biss, Creed - Rocky's Legacy hat zwar eine gute Kameraarbeit und einen tollen Hauptdarsteller, ist mir aber letztlich zu klischeehaft und zwischendurch in der Dramaturgie sowie der Inszenierung zu sehr am Selbstzweck behaftet, weshalb ich ihn gemeinsam mit "Machos in den 80er-Jahren waren schwer erträglich - Der Film" alias Everybody Wants Some!! für zwar passabel, doch arg überbewertet halte. Und der in einigen Jahresbestenlisten auftauchende Love & Friendship hat auch nur einige brillante Minuten in einem Meer aus Kostümfilmdurchschnitt zu bieten. Von Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind will ich gar nicht erst anfangen ... Obwohl: Hey, er ist wesentlich kompetenter gemacht als Suicide Squad, der ein handwerkliches Lehrstück darstellt, was Produktionschaos alles verursachen kann - aber dabei ist er wenigstens so vollgestopft und zügig, dass er im Gegensatz zu Fantastic Four aus dem Vorjahr nicht anödet.

Umso schöner waren die besonderen Kinobesuche meines Filmjahres. Darunter befanden sich zwei Besuche der The Hateful Eight-70mm-Roadshow, diverse Sneaks, ein Double-Feature der Bad Neighbors-Filme, die (natürlich interaktive) Rocky Horror Picture Show, ein Tron-Double-Feature und mein obligatorisches Geburtstagsspecial, bei dem ich meine Freunde mit Hinweisen gebenden Trailern verwirre, ehe ein mir am Herzen liegender Film läuft. Schön war's, Leute, ich freue mich auf's nächste Mal!

Und somit: Ich wünsche euch allen ein schönes 2017!

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