Donnerstag, 2. Mai 2013

John Carter and the Gods of Hollywood


Im Frühjahr 2012 hatten Filmjournalisten und Berichterstatter über das Kinogeschäft ein unbestrittenes Lieblingsthema: Die wirtschaftliche Bauchlandung, die Andrew Stantons monumentale Sci-Fi-Buchadaption John Carter in den USA hinlegte. Branchenblätter überstürzten sich mit Artikeln, die den großen Misserfolg auseinander nahmen und den Schuldigen suchten.

Doch all dies waren nur Momentaufnahmen. Jeder, der sich eine ausführliche Aufschlüsselung des furiosen Kinoflops ersehnt, wird dagegen in John Carter and the Gods of Hollywood fündig. Indie-Filmer und Edgar-Rice-Burroughs-Experte Michael D. Sellers hält in dieser Mischung aus einer Chronik des Scheiterns und einem Pamphlet für Disneys Verfilmung der von Edgar Rice Burroughs geschriebenen Mars-Abenteuer jedes einzelne Stolpern fest, das sich die Geschäftsführung und Marketingabteilung leistete. Und so skizziert er ein in seiner Masse an unglücklichen Entscheidungen, Zufällen und Unfällen faszinierendes Bild eines Kinofilms, der sich auf seinem Heimatmarkt unmöglich zu einem gewinnbringenden Projekt hocharbeiten konnte. Als Fan der literarischen Geschichten John Carters und Anhänger der Interpretation durch Andrew Stanton zieht Sellers aber keinen Genuss aus dieser Anti-Erfolgsgeschichte, sondern fungiert als kenntnisreicher, baffer Zeitzeuge, und zuweilen auch als Kämpfer für diesen Underdog von einem Film, wobei er seine Pro-John Carter-Seite weitestgehend von den Fakten trennt.

Das als E-Book und gedruckte Ausgabe erhältliche Werk besteht zwar nicht ausschließlich aus der Analyse der John Carter-Werbekampagne in den Vereinigten Staaten, allerdings ist dies ganz klar das Hauptverkaufsargument für John Carter and the Gods of Hollywood. Nachvollziehbar führt Sellers aus, wieso Disneys kurzlebige Marketingchefin MT Carney den Entschluss fasste, den Filmtitel John Carter of Mars um das "of Mars" zu erleichtern (es klingt so weniger spezifisch und erfährt somit in Marktforschungsumfragen weniger Ablehnung), und weshalb sich diese Entscheidung letztlich als fatal herausstellte. Denn so trat Carney einen Schneeballeffekt des Misstrauens gegenüber der 250-Millionen-Dollar-Produktion in den meinungsbildenden Medien und bei der Geek-Zielgruppe los, der sich letztlich auf das gesamte Publikum ausbreitete. Sellers beleuchtet auch die viel debattierten Trailer und TV-Spots zum Film und erschüttert mit den Hintergründen zum desaströsen Superbowl-Spot jegliches Vertrauen in die millionenschweren Marktetingexperten im Maushaus.

Ermüdender ist unterdessen Sellers ausschweifende Liebeserklärung an Burroughs und sein Werk, die die ersten Kapitel ausmacht. Zwar ist ein kleiner Exkurs sinnvoll, um so den Kontext, vor dem John Carter entstand und vor dem der Film eine Fanbase erhielt, die dem ähnlich gefloppte und ähnlich ansehnliche Prince of Persia verschlossen blieb, zu erklären, allerdings holt Sellers zu weit aus. Auch stört in diesem Part Sellers hölzerne Schreibweise mehr als im erhellenderen Hauptteil des Buchs, an den ein zum Kampf für eine Fortsetzung aufrufender, mit vielen Wiederholungen gestreckter Schluss anschließt.

Auch wenn John Carter and the Gods of Hollywood wegen manch kleineren inhaltlichen Schnitzern (laut Sellers erschien z.B. Ratatouille nicht unter dem Disney-Markennamen) und dem schlichten sprachlichen Stil Lichtjahre von Standardwerken wie Disney War zurückbleibt, die ihren Blick hinter die Kulissen Disneys zu einer packenden Kunst erheben, so ist diese Analyse einer vollends misslungenen Marketingkampagne für jeden Fan des Films und alle, die sich für die Mechanismen des modernen Hollywoods interessieren, durchaus einen Blick wert.

Kleiner Tipp für die Multimedia-Hasen unter euch: Die Kindle-Version ist regelmäßig für einen roten Heller zu haben.

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich hoffe immernoch auf eine Fortsetzung des Films....

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