Sonntag, 27. Januar 2008

Beim ersten Mal - DVD Review


Herzlich Willkommen bei "Irreführende Filmtitel, Part 367". Denkt man beim Poster, bei manchen der Trailer und beim Titel, es ginge ums erste Mal bzw. um das erste Mal, das direkt in eine Schwangerschaft mündet, handelt der Film in Wahrheit "lediglich" vom ersten gemeinsamen Mal zweier Menschen. Welches in eine Schwangerschaft mündet.

Es gibt sicherlich gravierendere Missverständnisse in der Geschichte des Films, aber dennoch wollte ich diesen relativ weit verbreiteten Irrtum ansprechen.

Nun aber zum wesentlichen.
Beim ersten Mal ist die zweite Regiearbeit von Judd Apatow, einem Verbündeten des "Frat Packs", dem Komödien-Klümmel um Ben Stiller, Will Ferrell, Owen Wilson, Jack Black und Co. Während Apatow weiterhin Freund dieses Klümmels ist, baut er sich derzeit eine eigene Comedy-Connection aus, und setzt sich derzeit in Hollywood zusammen mit seinem Freund Seth Rogen als einer der Big Player im Genre durch.

Das bemerkenswerte an Apatows Filmen ist, dass sie größtenteils auf Dialogwitz setzen - gerade im Subgenre der Sex-thematisierten Komödien eine kleine Sensation. Apatow setzt nicht auf das Fremdschämen und überbohrenden Slapstick mit herumfliegenden Sexzubehören und Körperflüssigkeiten.
Stattdessen erwarten einen sympathische und mehrdimensionale Figuren, die sich selbst, sich gegenseitig oder die sie plagenden Probleme verbal fertig machen. Jungfrau (40), männlich, sucht überraschte mit einer überzeugenden Liebesgeschichte, die den Zuschauer tatsächlich interessierte - die Figuren waren keineswegs das bloße Mittel zum Zweck der Pointen.

Dies ist auch in Beim ersten Mal der Fall. Die Geschichte über einen alkoholbedingten One-Night-Stand zwischen Alison, einer aufstrebenden, optimistischen TV-Journalistin und Ben, einem jung gebliebenen Tunichtgut, der zu einer ungewollten Schwangerschaft führt, ist sensibel erzählt. Man merkt dem Regisseur/Autor an, dass er sich um seine Hauptfiguren (und sekundär auch um einige der Nebenfiguren) sorgt - und so ergeht es auch dem Zuschauer. Nach wenigen Filmminuten wartet man nicht mehr den nächsten wahnwitzigen Dialog über Filme, Sex oder Drogen ab, viel mehr möchte man wissen, wie es dem Paar ergeht.

Einzige Makel des Films sind die etwas dahinschleppende Dramaturgie an mehreren Stellen und die sehr nervige Schwester von Alison.

Beim ersten Mal ist nun auch auf DVD erhältlich - das 2-Disc-Set ist proppevoll mit Bonusmaterial und beinhaltet zudem den längeren Cut des Films, anstelle der Kinoversion.

Als Bonusmaterial gibt es neben einem Audiokommentar, mehreren Blooper-Reels, einer Hand voll kurzer "Mockumentaries" über den Dreh und einem recht kurzweiligem Produktionstagebuch vor allem massenhaft erweiterte, entfallene und alternative Szenen. Die im Videotagebuch angesprochene Herangehensweise an den Film (Improvisieren bis die Schwarte kracht oder der Film reißt) macht sich anhand dieser Unmengen an weiterem Material bemerkbar. Sich bei diesem Film durch den Schnitt gekämpft zu haben muss eine Heidenarbeit gewesen sein.

Erfreulich ist, dass die meisten der erweiterten, entfallenen und alternativen Szenen auch einen Blick wert sind und nur selten langweilig werden.

Dennoch ist es auf einer Seite irgendwie schade, dass eine DVD-Veröffentlichung mit so viel Material nur recht wenig Einblick in die Entstehung des Films liefert.
Wer aber darüber hinwegsehen kann und nach einer erfrischenden Komödie mit herrlichen Dialogen und einer überraschend klug gestalteten Geschichte sucht, ist mit Beim ersten Mal gut bedient.

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