Sonntag, 27. Juli 2008

The Weather Man

Gore Verbinski gehört zu den erfolgreichsten Regisseuren aller Zeiten - sonderlich bekannt ist der Kopf hinter Mäusejagd, The Ring und den Pirates of the Caribbean-Filmen jedoch nicht. Er steht einfach zu sehr im Schatten seiner drei erfolgreichsten Filme.
Dabei leistet Verbinski hervorragende Arbeit und ist ein besonders versierter Regisseur, der alle Fäden fest in der Hand hält. Dies zeigt sich auch in The Weather Man von 2005, Verbinskis Regiearbeit zwischen den PotC-Filmen.

The Weather Man war für mich ein absoluter Blindkauf, ich wusste nur, dass Gore Verbinski die Regioe übernahm, Nicolas Cage die Hauptrolle spielt, Michael Caine eine Nebenrolle hat und dass der Film an den Kinokassen unterging. Die ersten drei Infos reichten, um mich neugierig zu machen und zum Kauf anzuregen, und auf das Kinopublikum ist eh nur gelegentlich Verlass. Also... DVD besorgt und angeguckt!


The Weather Man handelt vom Chicagoer Wetteransager David Spritz (Nicolas Cage), der einen lokalen Prominentenstatus aufweist und beruflich eigentlich keinerlei Grund zur Klage haben müsste: Für wenig Arbeitsaufwand wird er fürstlich entlohnt und dank seiner Berühmtheit erhält er im Alltag immer wieder Vergünstigungen. Zudem erleichtert seine Bekanntheit das Flirten ungemein.

Doch diese glückliche Oberfläche, die er auch als gut gelaunter und stets lächelnder Wetterfrosch vor der Kamera auslebt, ist hauchdünn und zersplittert schon beim bloßen Ansehen: David ist geschieden, verlor seine Frau an einen heiteren, weichgespülten Wattebausch von einem Mann, seine übergewichtige Tochter ist das Gespött der Schule und sein 15-jähriger Sohn muss zur Drogentherapie. Das Verhältnis zwischen David und seinem Vater (Michael Caine als Pulitzer-Preisträger) ist unterkühlt, und trotz Davids Bemühungen kann er sich seinem kranken Vater nicht annähern.

Anstatt etwa eine dramatische, aber mittlerweile schon oft gesehene Geschichte über einen unglücklichen Versager zu erzählen, der sein Leben wieder in den Griff kriegt, erweist sich The Weather Man als atmosphärisch dichte Tragikomödie, in der es mehr um die Momentaufnahme einer Lebenssituation geht. Die Ansammlung von Emotionen und unterschiedlich entscheidenden Entscheidungen in Davids Leben bilden den Kern des Films, der liebevoll detailreich ist und gekonnt eine künstlerische Verfremdung des Alltags mit Realismus und Identifikationsmöglichkeiten vereint. Die Handlung tritt in den Hintergrund, bildet mehr den Rahmen des Films, bewahrt ihn dabei vor der Episodenhaftigkeit.

Wohl dosiert und unaufdringlich zieht Regisseur Gore Verbinski mehrere bildliche Motive durch den Film: Das Motiv des Wetters, des Bogenschießens und Fast-Food. Diese drei Elemente formen einen zeitgenössischen, künstlerisch durchdachten roten Faden durch die intellektuelle Ebene des Films, während der trockene Off-Kommentar von Nicolas Cage die emotionale Tragweite der gezeigten Situationen unterstreicht und zugleich mit trockenem und zuweilen auch skurrilen Humor zum schmunzeln einlädt.

Die Darsteller sind durch die Bank weg klasse, allen vorran Nicolas Cage, der mit diesem Film wieder daran erinnert, dass er mehr sein kann als der gewitzt-sakrastische Actionheld. Seine Darstellung ist facettenreich und lebensnah, zeigt jedoch auch die gegebene künstlerische Distanz zum "wahren" Leben.

The Weather Man ist dramatisch, leise, ungewöhnlich und überrascht mit unvorhergesehenen witzigen Momenten und ist deshalb jedem, der nicht zwanghaft auf eine klar definierte Handlung besteht, nur zu empfehlen.

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