Freitag, 20. März 2009

Gibt Warner aus Enttäuschung über Watchmen "erwachsene" Superhelden auf?

Ist die Vorlage außerhalb der Comicfanszene vielleicht nicht populär genug?
War der Film dem Kinopublikum zu inhaltsschwer?
Waren mehr als nur wütende Comicgeeks aus dem Internet mit den Änderungen so unzufrieden, dass schlechte Mundpropaganda dem Film schadete?

Oder waren die Darsteller dem breiten Publikum zu unbekannt?

Weshalb auch immer: Watchmen spielte weltweit bislang 139.344.176 Dollar ein (darunter ca. 90 Millionen in den USA) und Warner Bros. ist laut ISEB.net damit überhaupt nicht zufrieden. Warner Bros. soll mit dem Einspielergebnis so unzufrieden sein, dass studiointern bereits die Nachricht die Runde machen soll, dass man keinen weiteren Superheldenfilm (oder vergleichbare Großproduktionen) mit einem R-Rating veröffentlichen möchte.

Schlimmer noch als das eingeschränkte Kinopublikum seien für Warner die wegfallenden weiteren Verwertungen des Films: Zu Watchmen lassen sich keine Spielzeuge, T-Shirts und Happy Meals verkaufen. Sämtliche Kinderprodukte fallen völlig weg (sogar zu The Dark Knight konnte man zumindest Kinder-Actionfiguren verkaufen).

Erstes Opfer dieser Politik könnte Terminator: Erlösung sein. Die Streitereien zwischen Warner Bros. und dem Regisseur McG über die Kinofreigabe werden schon länger öffentlich ausgetragen, und eine endgültige Entscheidung bleibt weiterhin abzuwarten. Zwar heißt es immer wieder Mal, man hätte sich geeinigt, die finale Kinofassung und deren Freigabe sind allerdings noch nicht in Stein gemeißelt.

Für die Zukunft würde diese Entscheidung Warners bedeuten, dass Comicfans die Adaption weiterer Graphic Novels im Stile von Watchmen aufgeben können.
Zumindest war The Dark Knight ein großer Erfolg, weshalb wir zumindest auf weitere anspruchsvolle und düstere "PG-13"-Superheldenfilmen rechnen dürfen. Stellt euch vor, The Dark Knight wäre an den Kinokassen so gut angekommen wie Watchmen...

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Watchmen war für das nicht amerikanische Publikum einfach zu brutal. Ich hab nichts gegen Filme die Gewalt Explizit darstellen, aber es gibt für das Massenpublikum im Normalfall Grenzen, und wenn die bewusst zu oft in einem Film überschritten werden und dann auch noch so sinnlos wie bei dem Absägen der Arme oder dem Fleischerbeil in den Kopf (da hätte es der Schatten mit einer anschließenden Abblende genausogut getan um die Härte zu transportieren), dann darf man sich nicht über den "Flop" wundern.

Ich hätte den Film gerne noch ein weiteres Mal gesehen, aber abgehalten hat mich die gezeigte Brutalität.

<-- Männlich, 21

Lutz hat gesagt…

Ich wage, dem männlichen Anonymen zu widersprechen. ich denke, die Brutalität in Watchmen hat nur einen geringen Anteil. Andere Filme, auch Snyder's Own "300" waren ähnlich brutal. Auch, wenn die Gewalt in "Watchmen" ein ein bisschen weniger comichaft war, gab es auch hier genug perverse Momente, in denen Freunde von Kino-Kloppereien eine Mischung aus Erschaudern und "Cool"-Schreien einbringen konnten. Dazu gehört vermutlich nicht die Szene mit dem Beil, aber die Knochenbrechereien zählen schon dazu.

Wenn man sich Community-Foren anschaut oder bei IMDB in den Message Boards durchliest, stellt man fest, dass Joe Smith sich eher an der Nacktheit von Dr. Manhattan und der Sex Szene zwischen Night Owl und Silk Spectre II ("far too explicit and unnessecary"). Zumindest waren diese beiden Gründe der ausschlaggebende Grund, warum viele Eltern ihre Kinder nicht mitnahmen oder wieder aus dem laufenden Film zerrten. Wenn es einer von beiden Gründen ist, wird es also eher der sexuelle Inhalt sein, der in einem Kiddie-Superheldenfilm nichts zu suchen hat.

Ich denke aber eher, dass der Grund generell woanders liegt:
Warner Bros. hat den Film einfach falsch vermarktet. Auch wenn "Watchmen" eine große Fanbase hat, macht dies letztenlich doch nur einen kleinen Teil der amerikanischen (und sicher einen noch kleineren Teil der europäischen) Bevölkerung aus. Snyder und Warner Bros. haben ja bewust beschlossen, im Trailer nichts von der Handlung zu verraten und stattdessen einfach ein paar coole visuelle Sachen zu zeigen. Dadurch wirkte der Film aber eben zu sehr wie ein normaler Superhelden-Film

Ich glaube, sowohl Snyder als auch Warner Bros. haben sich verrechnet in ihrer Annahme, wie viel Überraschung sie dem Publikum zumuten können. Ich habe an vielen Stellen negative Kommentare gehört, weil der Film a) kein richtiger Superhelden-Film ist und b) die Superhelden ja gar keine echten Superhelden sind. Den Schritt, beides zusammenzuführen und den Schluss zu ziehen, dass genau das der Sinn von "Watchmen" ist, haben wohl viele nicht gemacht.

Snyder war ja davon ausgegangen, wie er auch in Interviews betonte, dass er die Leute in den Film lockt und Mindfucking mit ihnen betreibt und sie so schließlich für den Film gewinnt. Das Gegenteil ist wohl passiert.

Neben dem falschen Marketing glaube ich aber auch, dass der Film zu sehr für die Fans gemacht wurde. Ich persönlich finde das toll, weil ich "Watchmen" gar nicht anders haben wollen würde, auch mit dem veränderten Ende komme ich gut klar. Aber die Struktur des Films wie des Comics ist nun einmal äußerst un-cinematisch. Im Comic kommt man damit klar, weil eine klare Kapitel-Unterteilung stattfindet und man auch insgesamt mehr Zeit hat, sich darauf einzustellen, dass das hier eben nicht das typische Superhelden-Comic ist.

Im Film sieht das aber anders aus. Snyder verzichtet auf jede Angabe, die eine klare Kapitel-Unterteilung deutlich macht. Das ist zwar lobenswert, andererseits hätte gerade das den Zuschauern eventuell eine Orientierung geben können. So haben sie eine Stunde von Charakterisierungen und Rückblenden von verschiedenen Figuren. Und an dieser Stelle scheiden sich schon einmal die Geister: Die einen sind überrascht und extrem gelangweilt und finden den Film scheiße, weil sie den Sinn nicht verstehen und nicht wissen, wo das alles hinführen soll. Die anderen sind überrascht und lassen sich dann begeistert darauf ein, ein Charakter-Drama zu sehen.

Nach über einer Stunde macht der Film aber wieder einen Schlenker, und aus dem Charakterdrama mit ein paar Action- und Special-Effects-Szenen wird auf einmal ein ziemlich deutlicher Action-Kracher. An dieser Stelle wurden jetzt wiederum viele von denjenigen verloren, die sich inzwischen auf das Charakterdrama eingelassen hatten und die Action-Szenen an dieser Stelle unpassend finden.

Meine Erfahrung aus Gesprächen und dem, was ich gelesen habe war, dass diejenigen, die sich durch diese beiden Überraschungen nicht vom Film abwandten, das Ende auch toll fanden, während die beiden anderen Gruppen mit dem Ende jetzt gar nichts mehr anfangen konnten.

Der Film ist dafür einfach zu sehr ein Genre-Mischmasch.

Wären Warner Bros. und Snyder mit dem Publikum ehrlicher gewesen darüber, was sie zu sehen bekämen, so dass sich das Publikum im vorhinein darauf hätte einstellen können, denke ich, wäre das Ergebnis besser gewesen.

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