Freitag, 13. März 2009

Quis custodiet ipsos custodes?

Verzeiht mir, doch ich konnte es mir einfach nicht nehmen lassen, diese Rezension mit dem berühmten Zitat Wer wacht über die Wächter? zu betiteln, wohlwissend, dass ich damit alles andere als allein stehe. In seiner Ganzheit konnte man diesen Spruch wohl nie zuvor so häufig begutachten, wie in den letzten Tagen.

Die sowohl innerhalb, als auch außerhalb des Comiczirkels gefeierte, als einziger Comic von der Time zu einem der hundert besten Romane (seit 1923) gewählte und millionenfach verkaufte Graphic Novel Watchmen stellt sich exakt diese Frage: Wer wacht über die Wächter?
In Alan Moores detailliert ausgestattetem, verkommenden Paralleluniversum sehen wir eine vom nahenden Atomkrieg überschattete, 1985 vom mehrfach wiedergewählten Nixon regierte USA. Vigilanten sind ebenso Realität geworden wie Superhelden, doch sie sind keine sauberen, strahlenden Verteidiger der Gerechtgkeit. Sie sind ebenso von Mängeln und Schattenseiten durchtrieben wie der Rest der Welt, vielleicht sogar noch mehr. Soziopathen, Sadisten, emotionslose Übermenschen, arrogante Multimillionäre.
Wie die wahre Welt von maskierten Verbrechensbekämpfern beeinflusst wird und wie sich solche "Superhelden" in der harten Realität außerhalb der bunten Comicseiten zurechtfinden sind weitere Themen dieses (Comic-)Literaturklassikers. Mit fortschreitender Handlung bürden sich schwerwiegende moralische (sozio-)psychologische Fragen auf, vor allem jedoch ist das Herzstück von Watchmen nicht das Erzählte, sondern das Erzählen an sich.

Mit dem Zeichner Dave Gibbons ergründete Moore in Watchmen die erzählerischen Möglichkeiten in einer Comicwelt, entdeckte visuelle und struktuelle Stilmittel, die nur in einem Comic funktionieren oder weitete sie aus, zugleich stellte er die Regeln in der Comicwelt auf den Kopf. Der 1986/87 erstveröffentlichte Comic bediente sich einer unvergleichlichen erzählerischen Dichte, verlieh seiner Geschichte und seinen Charakteren literarische Schwere. Und sorgte so für Furore.

Kein Wunder, dass eine Filmadaption schon länger im Gespräch ist. Genauer gesagt schon seit August 1986, als 20th Century Fox sich die Filmrechte sicherte.
Mehrere Filmemacher waren im Gespräch für eine Adaption, darunter auch der verschrobene Filmvisionär Terry Gilliam und Popcorn-Blockbuster-Regisseur Michael Bay, doch keines dieser Projekte kam über das Planungsstadium hinaus. Watchmen wurde immer wieder als unverfilmbar deklariert, und mit der Zeit wurde auch immer stärker die comichistorische Bedeutung dieses Stoffes erkennbar,vor allem der Einfluss auf das Superheldengenre, welches sich immer stärker auf die Schattenseiten ihrer Persönlichkeiten und der Rechtmäßigkeit ihres Handelns konzentrierte.
Sicherlich spielte der Ruf von Watchmen, der Respekt vor dieser Graphic Novel, in die lange Wartezeit auf die Verfilmung hinein.

Der Watchmen-Kinofilm nahm endlich Gestalt an, als Warner Bros. Zack Snyder auf diese Produktion ansprach. Das Studio war von Snyders 300 beeindruckt und sah in ihm den richtigen Mann für eine erfolgreiche Umsetzung.
Snyder sagte ironischerweise, dass die lange Wartezeit sogar half einen Watchmen-Film auf die Beine zu stellen. 1985 sei jetzt lang genug her, um ein "Period Piece" zu drehen, dass in diesem Jahr spielt (auch wenn es in einem alternativen Universum spielt). Und je länger ich darüber nachdenke, desto sinnvoller erscheint mir diese Aussage.

Snyder setzte sich gegenüber Warner Bros. früh für zwei wichtige Elemente des Films ein: Er behält das erwähnte Setting der Vorlage (statt sie wie in vielen früheren Entwürfen in die heutige Zeit zu verlegen) und ist kompromisslos auf ein "R Rating" zugedreht. Eine pg-13-Fassung hätte Fans von Watchmen nur unnötig verärgert und würde den Hauptfiguren viel von ihrer Abartigkeit nehmen. Die Wirkung wäre eine völlig andere, würden die Gewaltspitzen und Nacktszenen fehlen.

Dennoch muss ich zugeben, dass auch ich vor dem Kinobesuch ein paar Zweifel hatte, was die Wahl des Regisseurs angelangt. 300 fand ich zwar unheimlich unterhaltsam undaußerordentlich stylisch, doch in den Trailern für Watchmen kam es mir so vor, als würde Snyder zuviel von der 300-Stilistik auf diese Geschichte zu übertragen. Erst nach dem Kinobesuch las ich ein Interview mit Snyder, in dem er offen bekennt, dass er sich in den Trailern große Mühe gab unter Vorspiegelung falscher Tatsachen auch das breite Massenpublikum ins Kino zu locken.

Watchmen ist zwar visuell sehr ausgefallen, doch von kurzen (brutalen) Prügeleien abgesehen frei von Action. Der Schwerpunkt liegt auf den Dialogen und den Charakteren - ihre Entwicklung, ihr Wesen, ihre Bedeutung - und der Geschichte. Die außergewöhnliche Erzählstruktur musste natürlich gemäß des neuen Mediums etwas hertuntergebrochen werden, was bereits im Vorfeld einige Fans aufschreien ließ und auch für Alan Moore Grund genug war die Watchmen-Adaption abzulehnen (ohne sich weiter mit ihr zu beschäftigen), trotzdem bleibt im Kino nicht bloß der Inhalt anspruchsvoll, sondern außerdem die Art und Weise, wie er transportiert wird. Wer die ganze Zeit nur mit halbem Ohr zuhört, könnte am Ende tatsächlich mit dem Eindruck aus dem Kino gehen, 163 Minuten lang seichte, Höhepunkt arme und sehr außergewöhnlich gefärbte Unterhaltung ohne Nährwert gesehen zu haben.

Natürlich ist dem nicht so, und Snyder gibt sich redlich Mühe, die durch den Wechsel in ein anderes Medium verlorenen, unübersetzbaren Stilmittel aus der Graphic Novel durch effektiven Einsatz filmischer Stilmittel auszugleichen. Dies macht sich sehr früh im Film deutlich, nämlich während des bereits jetzt schon vielgelobten Vorspanns, der von Bob Dylans The Times They Are A-Changin' untermalt in stilisierten Schnappschüssen dem unwissenden (und besonders aufmerksamen) Publikum das Watchmen-Paralleluniversum näher bringt. Sie zeigen die Gründung einer "Superhelden"-Vereinigung namens Minutemen, in der normale Bürger zu selbsternannten Rächern des rechts zusammenarbeiten, sowie deren Untergang. Der Kenner der Vorlage entdeckt hier zahlreiche Informationen aus Unter der Maske, der am Ende der ersten Watchmen-Kapitel abgedruckten Biographie von Nite Owl, einem Mitglied der Minutemen.

Der Vorspann beweist, mit welcher Leidenschaft Snyder an dieses Projekt geht - eigentlich könnte man den Film auch ohne solche "Bonusinformationen", die für den Hauptplot nahezu irrelevant sind, drehen. Aber das würde der Vorlage nicht den würdigen Tribut zollen.


Ungefähr in der Mitte des Films überschattet Zack Snyder dank des filmischen Mediums sogar die Vorlage. Eine sehr emotionale Montage (für Kenner des Comics: Kapitel IV) bringt uns einen der zentralen Charaktere näher, und so sehr Moore auch darauf pocht, dass er sich einer Bildsprache und Struktur bediente, die weder in Literatur noch in Film fuktioniert, so bleibe ich bei meiner Meinung, dass dieses Kapitel mit Abstand das "filmischste" der ganzen Vorlage ist - und somit natürlich am besten für eine gelungene Verfilmung geeignet.

Am ehesten musste man bangen, dass diese sehr ausgedehnte und ruhige Sequenz der Schere zum Opfer fällt, doch Snyder brachte die Geduld auf und brachte eine Gänsehaut erzeugende, malerische, gedankenvolle und rührende, fast poetische Sequenz auf die Leinwand, die mit Musik aus Koyaanisqatsi perfekt untermalt wurde. Aus dem 4. Kapitel der Vorlage fand fast alles seinen Weg in die Kinofassung, und wenn im Director's Cut für die DVD auch der letzte bedeutende Rückblick in die Vergangenheit mit eingebaut wird bin ich was diese Sequenz anbelangt wunschlos glücklich.

Es sollte sich allerdings von selbst erklären, dass der Film nicht komplett an seine Vorlage heranreichen kann. Im Gegensatz zu manchen hitzigen Hasstiraden, die man derzeit im Internet finden kann, soll das aber nicht bedeuten, dass das Medium Film eh Comics unterlegen sein. Keines der Geschichten vermittelnde Medien ist den anderen unterlegen, Filme, Comics, Literatur, sie alle haben ihre Stärken und Schwächen. Das Problem bei Watchmen ist allerdings, wie weiter oben schon erläutert, dass die größte Stärke Graphic Novel, noch vor den durchdachten Charakteren und der anspruchsvollen geschichte, die tief in dieser Kunstform verwurzelte Erzählstruktur ist. Hier muss beim Transfer in eine andere Kunstform über kurz oder lang etwas verloren gehen, es sei denn man gestaltet Inhalt und Struktur so sehr um, dass der Watchmen-Film für Filme das gleiche bedeutet, wie die Graphic Novel für ihr Medium. Doch dieses Vorhaben würde allein schon daran scheitern, dass man es sich vornimmt. Viele der großartigen Watchmen-Elemente entstanden erst im Laufe der Produktion, durch glückliche Zufälle, und nicht weil sich Moore und Gibbons hinsetzten und zu Comicgöttern erklärten.

Hier stellt sich natürlich wieder die Frage, warum man Watchmen dann eigentlich überhaupt verfilmt, wenn man doch weiß, dass man gar nicht ans Original heranreichen wird.
Zu diesem Thema lassen sich sicherlich ganze Doktorarbeiten verfassen, doch dazu habe weder ich die Zeit, noch ihr, liebe Leserinnen und Leser, die nötige Leselust. Meine kurze Antwort lautet jedenfalls, dass der Watchmen-Film sicherlich auch gut als "Rekrutierungsvideo" fungiert (ich selbst habe mir erst angesichts des nahenden Kinostarts den Comic besorgt), und dass eine gelungene Leinwand-Neuinterpretierung auch (selbst wenn sie nicht ganz an das Original heranreicht) für Kenner des Originals neues bietet. Und sei es auch nur neuer Spaß an der Graphic Novel. Von dem heiteren Suchspiel nach Vignetten, die auf sonst ausgelassene Elemente anspielen (wie nunmal der Vorspann) oder auch, Gott bewahre, Stellen die man unter Snyders Regie einfach besser findet, wie in meinem Fall unter anderem die zentrale Montage.
Mir gefällt auch die Farbästhetik im Film besser, die ich konsequenter finde und schon zu Beginn atmosphärischer und pessimistischer wirkt.


Snyder schafft es, den Dunkelblaugrün-Farbfilter und den in solchen Geschichten nahezu obligatorischen Dauerregen neu, originell und ohne Abnutzungserscheinungen einzubringen, erschafft ein plastisches und abstoßendes New York, abfotografiert in faszinierenden Bildern. Obiges Poster versprach mir persönlich leider ein bisschen zu viel, ich erwartete etwas mehr solcher durchgestylten Momentaufnahmen, doch das habe ich hauptsächlich mir selbst zuzuschreiben.

Die Darstellerriege besteht aus größtenteils Unbekannten, was die lobenswerte Folge hat, dass keine der Figuren allein aufgrund des hochkarätigen Darstellers besonders heraussticht. Die Leistungen variieren ein wenig, zwischen "okay" und "sehr gut" ist alles dabei. Hier ist jedoch hinzu zufügen, dass ich mehrere US-Kritiken las, in denen die Darstellung von Laurie (gespielt von Malin Akerman) kritisiert wurde, da sie ihre Zeilen zu emotionslos vorlas. Da ich die Synchronfassung sah und wirklich keinerlei Kritik an der Stimmlage anzubringen hachte, könnte dies einer der Fälle sein, in denen die Synchronfassung (hier die Sprecherin Ursula Hugo) das Original verbessert.

Von der schauspielerischen Leistung gefiel mir Jackie Earle Haley als der mürrische, in einigen Szenen durch seine Tagebucheinträge als Erzähler fungierende und mit einer an Rohrschachtests erinnernde Fleckenmaske bedeckte, Rorschach am besten, wobei aufgrund Rorschachs Maske auch hier das meiste Lob der unglaublich coolen Sprecherleistung der meiste Respekt gebührt. Rorschach wurde von Ausdruck, Bewegungen und Stimme genau so getroffen, wie ich es mir beim Lesen gewünscht hatte. Im Film gelitten hat dagegen der blau strahlende Übermensch Jon, dessen Emotionslosigkeit in der Graphic Novel zum Denken anregte, im Film dagegen bei mir über weite Strecken nur Antipathie auslöste. Das ist jedoch nicht die Schuld des Darstellers (Billy Crudup), sondern die von Regisseur Snyder und den Autoren Alex Tse und David Hayter, die einige Elemente kürzten und manche Aussagen Jons in einer anderen Szene unterbrachten, wo ihre Wirkung (zumindest auf mich) jedoch nicht weiter die erwünschte war.
Ein kleines bisschen liegt es hier zudem am Medium: Während Rorschachs sich bewegenden Tintenklecks-Maske im Film unglaublich cool ist und sich deshalb auf Zelluloid übertragen lässt, ist ein sich bewegendes, aber stets gleichbleibend ausdrucksloses Gesicht im Film einfach unsympatischer, als sein Pendant im Comic.


Die Actionszenen sind im Kinofilm an manchen Stellen etwas brutaler, als in der Graphic Novel. Zwar fielen dafür andere Grausamkeiten (wohl aus Zeitgründen weg), dennoch hörte ich ob der gesteigerten Gewalt im Film einige Kritik, da Snyder wohl unbedingt die Gorehounds im Kino zufriedenstellen möchte. Ich dagegen finde die leicht dramatisierten Gewaltspitzen völlig angebracht, da sie beim Publikum eher den selben Schockeffekt erreichen können, den die Erstleser Mitte der 80er empfanden, als eine vorlagengetreuere Gewaltdarstellung.

Snyders Inszenierung der Actionszenen greift hin und wieder auf die "Zeitlupen-Zeitraffer-Zeitlupen"-Technik aus 300 zurück, ohne aber penetrant zu wirken. Es passt einfach zu diesen Szenen, da sie zugleich den Blick auf Details ermöglicht und dennoch Dynamik vermittelt. Die noch vor dem Vorspann gezeigte Ermordung des Comedians vollführt diesen Balanceakt vorzüglich. Diese Szene ist auch eine der wenigen im Film, die etwas länger als in der Graphic Novel gerät, wohl um die Atmosphäre der Geschichte schneller zu etablieren und die Figur der Comedians bereits hier mehr Tiefe zu verleihen (schließlich fehlen dafür andere Hintergrundinformationen aus der Vorlage). Sein Abgang, die Eröffnung von Watchmen, ist brutal, jedoch durchaus melancholisch.

Der mit zahlreichen Vorschusslorbeeren versehene Soundtrack unterstützt sowohl die düstere, als auch die melancholische Stimmung, ist allerdings eine Achterbahnfahrt in sich selbst. Manche Stellen sind durch den treffsicheren Musikeinsatz absolut großartig, andere dagegen sind eher kontraproduktiv. Nenas 99 Luftballons wird in Deutschland sicherlich mehr Leute aus dem Film reißen und verwirren als in nicht deutschsprachigen Ländern, weshalb man nicht zu hart mit dessen Einsatz ins Gericht gehen sollte, doch es bleibt fragwürdig. So sehr mich dieser Song nervt, er hätte inhaltlich das Potential zum Film zu passen, die Szene, in der er dann allerdings genutzt wurde wäre auch mit hunderten anderer Songs ausgekommen. Und Hallelujah von Leonard Cohen sollte mittlerweile ganz oben auf der Liste von großen "Nein-Neins" für Filmemacher stehen. Nicht, dass das Lied schlecht wäre. Es wurde bloß viel zu oft verwendet. Viel zu oft. Shrek, Scrubs, barfuss. Und dutzende weitere Filme und Serien.
Hier hätte man etwas originelleres finden müssen.
Und den Abspann-Song fand ich als Abschluss viel zu unspektakulär.

Die meisten hitzigen Diskussionen über Watchmen handeln natürlich vom Ende. Da ich nicht spoilern möchte, sei hier nur gesagt, dass ich aufgrund all der Kritiken Angst hatte, der Film würde eine sehr konventionelle Schlussszene wählen. Das war aber nicht der Fall, und in meinen Augen machte Snyder das beste aus dem Schluss. Ja, die Kinofassung ist anders, doch sie ändert bloß, wie eine bestimmte Sache geschieht. Nicht aber das, was passiert.
Die große Sache, die geändert wurde, ist für mich bloß ein Mittel zum Zweck. Aufgrund der Laufzeit des Films, einer weggefallenen B-Storyline (oder eher C-Storyline, D-Storyline) und den entfallenen Buchschnipseln und Zeitungsartikel hätte sie im Film viel mehr nachgeschobene Exposition benötigt, und sehr cineastisch wäre sie zudem auch nicht.
[Spoiler]In der Graphic Novel sehen wir bloß die Folgen der Teleportation des riesigen Monsters. Es gab keinen Monsterangriff auf New York. In der Graphic Novel fährt die "Kamera" seitenlang über die zahlreichen Toten. Es kommt keinerlei Bewegung vor und der Comic lebt von den ganzseitigen Bildern. Im Film hätte aber der Leichenhaufen mit dem Monster im Hintergrund schnell, wenn man etwas falsch macht, albern gewirkt.[/Spoiler]

Snyder und die Autoren fanden einen Weg, die Thematik mit der gleichen Ernsthaftigkeit anzupacken, ohne das Risiko einzugehen, Teile der Zuschauer abzustoßen, und sei es auch nur die Gefahr, dass Effekte jetzt noch eine gute Folgewirkung erreichen, aber in Zukunft mit voranschreiten der Spezialeffekte dieser Film rückblickend ein schwaches Ende innehält.

So aber endet Watchmen zwar mit weniger Schauwerten als möglich, dafür mit einer durchgehend gelungenen, werkgetreuen Stimmung. Der Film ist so nah wie möglich an der Vorlage, ohne abzuschreiben und durch mangelnde Selbstständigkeit im Transfer auf die Leinwand unnötig an Wirkung zu verlieren. Watchmen ist intelligent, düster (jedoch in einem völlig anderem Weg als The Dark Knight), stylisch, voller interessanter Figuren und trotz seiner beinahe drei Stunden kurzweilig.

An die Bedeutung der Graphic Novel reicht er allerdings nicht heran, falls das irgendjemand erwartet haben sollte. Wie bereits erklärt: Die Novel definierte das Superheldengenre neu und fand viele Nacheiferer. Das hätte der Film niemals erreichen können. Das Superheldengenre wurde ja bereits neu definiert. Und die großen Vorbilder für weitere Superheldenfilme gibt es schon mit The Dark Knight (düstere, anspruchsvollle Superheldenfilme), Iron Man (selbstironische, schnelle, actionreiche Filme) und Spider-Man (2) (die Streifen, deren Stimmung irgendwo dazwischen ist). Um alle kommenden Superheldenfilme beeinflussen zu können, kommt Watchmen zu spät. Zum Glück. Denn wer weiß, ob's vor fünf Jahren so sehr gelungen wäre wie jetzt.

2 Kommentare:

Lutz hat gesagt…

Nur unbekannte Darsteller? Also... entweder kennst du dich mit Filmen nicht aus, oder du spielst da gerade etwas runter. Wenn du sagen würdest: Charakterschauspielern aus dem Independent Kino, die bisher nicht in den großen Blockbustern mitgespielt haben.... aber nein... UNBEKANNT... Sie mögen dir vielleicht unbekannt sein, aber Billy Crudup und Patrick Wilson sind schon ziemlich bekannte und angesehene Schauspieler. Jackie Earle Haley wurde für seine Leistung in "Little Children" (auch mit Patrick Wilson) immerhin für den Oscar nominiert und Jeffrey Dean Morgan spielt in einer der erfolgreichsten U.S. Serien mit.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Ich schrieb "aus größtenteils Unbekannten". Ich hätte auch "weitläufig Unbekannten" schreiben können. Oder, oder, oder... *augenroll* Das größtenteils bezog sich auf den Bekanntheitsgrad der Darsteller, nicht auf die Menge der "Unbekannten". Geh mal auf die Straße und frag, wer Jackie Earle Haley ist....

Ich sagte ja nicht, dass die Watchmen-Darsteller Newcomer sind, oder allesamt ihren Debütfilm hatten. Sondern dass sie eher unbekannt sind. Dass ihre Namen noch nicht groß sind, es keine "Name groß über Filmtitel auf Poster anzutreffen" Darsteller sind.

Und im Vergleich zu denen, die angeblich zuvor im Gespräch für die Rollen waren, SIND sie unbekannt. "Unbekannte Darsteller" heißt ja nicht "noch nie von gehört", sondern misst sich hier wie eben gesagt an der Popularität beim Publikum.

Dennoch danke für die Rückmeldung...

Kommentar veröffentlichen