Donnerstag, 16. Juli 2009

All the Boys Love Mandy Lane

Einige Personen, auf deren Filmurteil ich mich üblicherweise blind verlasse, müssen von nun an gewaltige Vertrauenseinbußen kompensieren. Denn All the Boys Love Mandy Lane fiel nach all den Vorschusslorbeeren während seiner erwartungsvollen Betrachtung mit weniger Widerstand auf die Knie, als die staatlich geprüfte Stufenschlampe auf dem schwach beleuchteten Parkplatz der eine Abschlussfete veranstaltenden Dorfdisco.

Was eine derbe Ironie des Filmschicksals ist, schließlich ist die bereits im Titel angehimmelte Hauptfigur Mandy Lane (verkörpert von Amber Heard) der dampfend heiße, unnahbare feuchte Traum ihrer High School: Blond, beliebt, schüchtern, attraktiv, sportlich, zartstimmig, clever, süß und vor allem... jungfräulich. Unter den Jungs gibt es nur ein Ziel: Derjenige sein, der diese Gottheit entehrt. Doch niemand hat eine Chance bei ihr.

Von den zahlreichen Attributen, die Mandy Lane in Jonathan Levines 2006 gedrehtes, vergangenen Sommer in die Kinos entlassenes Regiedebüt zugeschrieben werden, trifft höchstens das der Attraktivität auch auf diesen Teenie-Slasher zu. In einem selbstbewussten Genreoptik-Destillat vereinen Levine und sein Kameramann Darren Genet unterschiedliche, typische Horrorfilm-Markenzeichen aus mehreren Generationen zu einem selbstbewussten, ganz eigenen Look. All the Boys Love Mandy Lane spielt zum Großteil am Tag, ist grobkörnig, überbeleuchtet und farbübersättigt, verliert sich gerne in Lichtbrechungen, Zeitlupen oder postmoderne Überblendungen. Je nach Präferenz kann man in diesem mit einem stillen Indie-Soundtrack unterlegten Horrorfilm einen typischen Vertreter der 70er, 80er, 90er oder dieser Dekade entdecken.
Doch während dieses ins Genre vernarrte Zusammenbasteln von Konventionen in einer herausragenden Bildgewalt resultiert, lässt das Abhaken jahrzehntealter Klischees schnell große Langeweile aufkommen. Sobald sich dann die Augen an die originelle Optik gewöhnt haben, hofft man nur noch, dass der Film in letzter Minute die Kurve kriegt.
Stattdessen rennt er mit dummen Grinsen ins Messer und bildet sich auch noch ein, er würde den Zuschauer somit schocken und ins Staunen versetzen.

Die Story ist schnell erzählt: Alle Jungs reißen sich um Mandy Lane, und dass einer beim Versuch ihr zu imponieren sogar schon das Leben ließ, macht sie nur umso begehrenswerter. Eine Clique kann sie schließlich sogar dazu überreden über's Wochenende mit auf eine entlegene Ranch zu kommen und ordentlich abzufeiern.
Es beginnt das, was Hollywoodautoren wohl für den Traum eines jeden Teenies halten: In einem verlassenen, verrottenden Haus saufen, kiffen, koksen und balzen die Jungs und Mädels was das Zeug hält. Und wenn man gerade nicht damit beschäftigt ist, sich über die Schwanzlänge des kleinsten in der Gruppe lustig zu machen oder sich gegenseitig anzuzicken, dann versucht man Mandy zu verführen. Klingt doch nach einem traumhaften Wochenende, würden nicht unentwegt irgendwelche Cliquenmitglieder spurlos verschwinden...

Manche Horrorfilme schaffen es ja dank interessanter Charaktere den Zuschauer trotz simplem "Zehn kleine Negerlein"-Prinzip zu fesseln. All the Boys Love Mandy Lane gehört nicht dazu. Die Figuren sind völlig blass und eine öde, graue Einheitsmasse. Es reicht nichtmal für die übersptzten Teeniefilm-Klischees. Wir haben hier einfach nur eine Gruppe von möchtegerncoolen Angebern und Zicken ohne jede Spitze, an die der Zuschauer anecken könnte.

Vor allem kann ich nicht nachvollziehen, was alle Welt (sei es im Film oder auch unter den vielen begeisterten Zuschauern) bitte schön an Mandy Lane findet. Für mich wird Mandy Lane noch mehr überbewertet, als der gesamte Film, die Faszination für diesen Charakter bleibt mir völlig verschlossen. Und das ist bei einem Film, der so stark um die Titelfigur zentriert ist ein Todeskriteritum.
Okay, Mandy Lane mag hübsches Haar haben und ab und zu charmant-gelangeweilt aus der mädchenhaft-unschuldigen Wäsche dreinblicken, na und? Davon abgesehen ist sie eine absolut uninteressante Schlafwandlerin. Fast könnte man denken, sie sei die Zwillingsschwester von dem charakterlosen Stück Papier namens Maggie (die aus Tintenherz), und zwar auf Baldrian.

Man muss All the Boys Love Mandy Lane allerdings zu gute halten, dass die Exposition und die Dialoge bei weitem nicht so dick auftragen, als man vermuten würde. Mandy Lanes Verehrer drücken sich noch verhältnismäßig gewählt aus, und tanzen nicht etwa wie notgeile Affen aus einem schlechten American Pie-Verschnitt um sie herum.
Das ändert jedoch nichts an den herben Problemen des Films: Er krankt sowohl an einer abgenutzten Story, als auch sterbensuninteressanten Charakteren. All the Boys Love Mandy Lane landet deshalb im Filmlexikon schnurstracks als Beispiel für die Schlagwörter "Style over Substance" und "Don't belive the Hype".

Achja, und für jeden, der den Film schon gesehen hat (oder jetzt nicht mehr sehen möchte): [Spoiler (Markieren um ihn zu lesen)]Die Motivlosigkeit von Mandy Lane ist nie im Leben eine respektwürdige, bitterböse Konsequenz. Es ist vorhersagbares, twistgeiles Skripting mit fadenscheinigen Vorausdeutungen (bzw. "Begründungen") und somit einfach nur schlecht. Vergleiche mit anderen Horrorthrillern, in denen der Killer als motivlos, barbarisch und abgrundtief verkommen dargestellt wird, sind vollkommen unangebracht. Mandy Lane wurde vom Autor hier nicht etwa zum Killer, damit aus dem Film eine düstere Charakterstudie wird, sondern um allen Zuschauern, die die ganze Zeit über die grobkörnigen, übersättigten Farben bestaunten, statt aufzupassen, einen billig erkauften Schrecken zu verpassen.[/Spoiler]

Ihr fandet diese Kritik schon hart? Dann nehmt das hier:

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