Freitag, 25. Dezember 2009

Elfen helfen - Bahn frei für Santa Claus

Manchmal braucht es kleine Weihnachtswunder. Da in meiner Programmzeitschrift das Nachfolgeprogramm von Der Gigant aus dem All auf Super RTL ohne jegliche Kommentare oder "Neu"-Kennzeichnungen versehen war, tat ich es dank seines Titels als Cosmo & Wanda-Special ab und kümmerte mich nicht weiter darum. Während des Finales des schönen Zeichentrickfilms von Brad Bird kamen mir jedoch Zweifel. Könnte es vielleicht auch, völlig unspektakulär von Disney im Weihnachtsprogramm versteckt und kein bisschen von Disneys Pressediensten angepriesen, die deutsche Free-TV-Ausstrahlung des diesjährigen, von US-Zuschauern, Kritikern und Animationskollegen gelobte CGI-Fernsehspecial Prep & Landing aus den Disney-Studios sein? Der Untertitel klingt immerhin ein wenig danach...

Und tatsächlich: Nach Der Gigant aus dem All prangt ein festlich-grünes Walt Disney Pictures auf meiner Flimmerkiste!
So kam ich, vollkommen unvorbereitet, in den Genuss des Fernsehspecials, welches auf einer Idee von Bolt-Regisseur Chris Williams basiert und urspünglich als Kurzfilm vorgesehen war, dann jedoch von John Lasseter für so gut befunden wurde, dass man es auf TV-Special-Länge aufblähte und für's Fernsehen produzierte.

Aber worum geht es eigentlich in Elfen helfen?
Im 22-minütigen Fernsehspecial aus den Walt Disney Animation Studios geht es um den Elfen Wayne, der seit 227 Jahren für die Elfeneinheit "Elfen helfen"... ach, dämliche deutsche Übersetzung... "Prep & Landing" arbeitet und am Weihnachtsabend in die Häuser steigt, um alles für den Besuch des Weihnachtsmannes vorzubereiten. Ihr wisst schon: Aggressive Hunde beruhigen, nachschauen, ob auch alle schlafen, den Kamin löschen, den Fettgehalt der Milch überprüfen... das nötigste halt.

Wayne hat mittlerweile genug von dieser Anstellung und reibt sich wegen einer winkenden Beförderung vorfreudig die Hände. Es kommt allerdings ganz anders, und Wayne erfährt von Magee, der Koordinatorin sämtlicher Nordpolaktivitäten, dass nicht er befördert wurde, sondern sein bisheriger Partner. Als Ersatz bekommt Wayne den nervösen und überengagierten Neuling Lanny zur Seite gestellt. Damit kommt Wayne kein bisschen zurecht, und so macht er sich mit Wut im Bauch und einer gehörigen "Mir doch alles egal"-Einstellung auf in seine Mission. Wieso sollte sich denn Santa alle Plätzchen in seinen dicken Bauch stopfen? Und wenn Lanny doch so gut auf der Akademie abgeschlossen hat, dann kann der sich ganz allein um alles kümmern!

Unter der Regie von Stevie Wermers-Skelton und Kevin Deters (How to Hook up your Home Theatre) entwarfen Produktionsdesigner Mac George (Layoutkünstler bei Der Glöckner von Notre Dame, Der Schatzplanet und Bärenbrüder) und Szenenbildner Andy Harkness (Layoutkünstler bei Lilo & Stitch und Bärenbrüder) ein liebevoll und fantasiereich gestaltetes Weihnachtsspecial. Gerade die Szenen am Nordpol sprühen nur so vor Einfallsreichtum und zeigt eine herrliche und komische Symbiose aus Weihnachtsromantik/-nostalgie und moderner Kommunikationszentrale. Das Elfendesign erfindet das Rad zwar nicht neu, ist allerdings sehr gut umgesetzt. Animation und Rendering sind lebendig und schön abgerundet, die Figuren sind für ein Fernsehspecial sehr detailreich. Fast bin ich geneigt, Elfen helfen als die bislang hübscheste CGI-Produktion aus den Disney Animation Studios zu bezeichnen - jedoch ist Bolt noch etwas filigraner und dynamischer geraten, was man zum Beispiel an solchen Details wie den Haaren der Charaktere erkennen kann. Trotzdem ist es eine erstaunliche Leistung, wenn Elfen helfen es mit den anderen CGI-Langfilmen Disneys aufnehmen kann - oder eine Peinlichkeit für die hier ungenannt bleibenden Produktionen.

Elfen helfen ist zudem sehr witzig - neben den komischen und erstaunlicherweise nicht überreizten Codenamen und den genialen Rentieren hat es mir vor allem Magee angetan, die für alles in Verantwortung stehende und entsprechend nervös auf das sich anbahnende Chaos reagierende Kommandantin mit wirklich witzig überzeichneter Mimik.

Allerdings scheitert Elfen helfen an seiner Lauflänge. Als prägnanter und rasanter Kurzfilm wäre er urkomisch, als Langfilm (und sei es nur als siebzig Minuten langes DTV, das zwischen den Tinkerbell-Filmen veröffentlich wird) könnte er mehr aus seinem fantasiereichen Konzept von der Welt des Weihnachtsmanns machen und auch Waynes Unzufriedenheit mit seinem Beruf besser herausstellen. In seinen 22 Minuten dagegen fällt der Konflikt viel zu kurz aus, weshalb die Spannungselemente abgehetzt wirken und die Emotionen schwächer ausgeprägt werden als möglich. Deswegen fühlt sich Elfen helfen am Schluss inhaltlich ein wenig unbedeutend an. Die hübsche Verpackung, die feinen Disney-Insidergags, der alle Altersschichten befriedigende Humor und die wieder einmal charakterliche Musikuntermalung von Michael Giacchino übertrumpfen hier den recht netten Inhalt.

Für eine knappe halbe Stunde ist Elfen helfen dessen ungeachtet sehr schön anzusehen und zeigt, dass die Disney-Trickstudios wieder in Form kommen.

1 Kommentare:

corny hat gesagt…

Oh Danke, ich hatte den Film total übersehen ... in meiner Programmzeitschrift fehlte sogar der Hinweis "neu" total.

Bei mir stand: "ZeichentrickSERIE"

Herzlichen Dank für den Tipp!

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