Sonntag, 2. Mai 2010

Die Zehn-Satz-Rezension zu "Zu scharf, um wahr zu sein"


  1. Mit den großen Erfolgen seiner Regiearbeiten Jungfrau (40), männlich, sucht... und Beim ersten Mal sowie von ihm produzierten romantischen Komödien wie Nie wieder Sex mit der Ex begründete Judd Apatow das Subgenre der Männer zentrischen Mainstream-Romantikkomödien mit ehrlich-herzlichem Kern und rauer, frecher Schale.
  2. Von Apatows Erfolgen angespornt versuchen sich in jüngster Zeit auch andere Regiesseure und Autoren an dieser Mixtur und holen sich für diese Produktionen gerne auch Schützlinge des Regisseurs und Produzenten ins Boot, so zum Beispiel geschehen bei Trauzeuge gesucht aus dem vergangenen Jahr.
  3. In diese Kategorie lässt sich auch Zu scharf, um wahr zu sein einsortieren, eine romantische Komödie mit dem aus Beim ersten Mal oder auch Tropic Thunder und dem kommenden Duell der Magier bekannten Jay Baruchel in der Hauptrolle.
  4. Baruchel spielt in Zu scharf, um wahr zu sein einen versagenden Durchschnittstypen, dessen letzte Beziehung nunmehr zwei Jahre her ist und kurz nach einem erneut misslungenen Versuch, seine Ex zurückzugewinnen, bei der Arbeit eine absolute Traumfrau kennenlernt, der er sofort positiv auffällt.
  5. Während ihm seine Freunde einreden, dass es vollkommen unmöglich ist, dass er das Interesse der wunderschönen, intelligenten und reichen Molly erweckt haben könnte, nähert sie sich ihm während einiger Verabredungen in einem ungezwungenen Rahmen immer mehr an.
  6. Während Zu scharf, um wahr zu sein (ähnlich wie die bislang mit Abstand beste Apatow-Imitation Trauzeuge gesucht) gerade zu Beginn Genrekonventionen auslässt und während des augenzwinkernd dick aufgetragenen Finales gekonnt mit ihnen spielt, bleiben in der Mitte dem Zuschauer manche ausgetragenen Wege nicht erspart, was aufgrund der charismatischen und glaubwürdig agierenden Hauptdarsteller-Paars allerdings leicht zu erdulden ist.
  7. Jay Baruchel besteht seine erste größere Rolle im Scheinwerferlicht sehr gut und kann als liebenswürdiger Durchschnittskerl einige Lacher für sich verbuchen und kann genauso gut Mitgefühl wie amüsantes Fremdschähmen erzeugen.
  8. Die mir bislang völlig unbekannte Alice Eve ist eine gute Leinwandpartnerin für Baruchel und macht es mühelos glaubwürdig, dass diese Beziehung in der Realität aufgehen würde und überflügelt in diesem Bereich Katherine Heigls vergleichbare Arbeit in Beim ersten Mal, auch wenn Heigl insgesamt die bessere Figur machte und ihrer Rolle mehr Facetten abgewinnen konnte.
  9. Stilistisch liegt Zu scharf, um wahr zu sein zwischen dem bodenständig-alltäglichen (Pseudo-)Realismus von Judd Apatow und der humorig-nerdigen, aber trotzdem greifbaren Karikaturisierung von Kevin Smith, ohne dabei den genannten Vorbildern das Wasser reichen zu können.
  10. Zu scharf, um wahr zu sein erreicht nicht die herzerwärmende und rührende Wirkung einiger ähnlich gearteter Filme und bleibt auch bei der Gag-Trefferquote hinter den geistigen Paten zurück, vermischt dessen ungeachtet sympathische Hauptfiguren und comichafte Nebenfiguren, gezielte Fremdschähmmomente und witzig überspitzte Alltagsrealitäten zu einer unterhaltsamen, leicht überdurchschnittlichen RomCom für beide Geschlechter, die zwischendurch etwas an Biss verliert, dafür aber aufmunternder sein dürfte als viele klassische Genrevertreter.
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1 Kommentare:

Sunshine hat gesagt…

Hm, immerhin gut zu hören, dass der Film also nciht eine dieser Fremdschäm-Blödelkomödien ist (dafür hab ich sie nämlich zuerst gehalten, allein schon wegen des Titels...). Glück gehabt. Reizt mich dennoch nicht genug, um ihn im Kino anzuschauen. Vielleicht auf DVD; Jay Baruchel ist mir sympathisch genug.^^ Im Moment aber bitte entweder Kultur oder ACTION - mit nem Augenzwinkern! ;)

("Trauzeuge gesucht" war total klasse!)

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