Freitag, 14. Mai 2010

Ridley Scotts Robin Hood

Ich hatte keinerlei freudigen Erwartungen an Ridley Scotts ernst-realistische Neuerzählung von Robin Hood. Die Vorgeschichte zur Legende des mit Pfeil und Bogen virtuos arbeitenden Meisterdiebes, der den Reichen nimmt und den Armen gibt, reizte mich nicht wirklich. Die Trailer wirkten auf mich eher bemüht und auch wenn ich Remakes, Neuinterpretationen und dergleichen gegenüber aufgeschlossen bin, wollte ich mich nicht so wirklich auf Robin Hood mit Rusell Crowe einlassen. Jerry Bruckheimers und Antoine Fuquas Versuch, eine britische Legendengestalt auf historisch plausible Weise in die Kinos zu bringen und die romantisch verklärten Versionen des Stoffs hinter sich zu lassen, hatte ja noch Sinn, da sich Historiker im Falle von König Arthus nicht sicher sind, ob der Sagen umwobene König nicht womöglich ein echtes Vorbild hatte, doch Robin Hood gilt unbestritten als eine Vermischung zahlreicher Personen mit einem übergroßen Schuss Fiktion. Wieso also die "womöglich wahre Geschichte" erzählen?

Doch wie es der Beruf so will, sah ich mir Robin Hood im Kino an. Der Saal war überraschend gut gefüllt, die Stimmung im Publikum erwartungsvoll. Und zu meiner Überraschung hat mich Robin Hood sehr gut unterhalten und gepackt. Ridley Scotts in der Skriptphase mehrfach umgeschmissene Neuerzählung des Robin-Hood-Stoffs erstickt nicht in selbst auferlegter Düsternis, sondern ist in seinem Tonfall vergleichsweise ausgeglichen und plausibel. Auf die imposanten, dreckigen Schlachten folgen spannende mittelalterliche Polit-Thriller-elemente und vergnügliche Szenen mit Lady Marian oder Robins Gefolgsleuten.

Dass Robin Hood mehr wie ein Ritterfilm wirkt ist zugleich Vor- und Nachteil. Einerseits rechtfertigt dies die Existenz dieses Films, da es ja eigentlich schon mehr als genug leichtherzige Mantel-und-Degen-Streifen über Robin Hood gibt, andererseits lässt Ridley Scott über dieses Element hinweg all zu oft den Kern seines Stoffs fallen. Würden die wenigen Szenen mit Little John, Bruder Tuck und Co. qualitativ nicht dermaßen herausstechen, könnte man diesen Film auch als x-beliebiges Mittelalterepos betrachten, dem einfach die Marke Robin Hood aufgedrückt wurde.

Dessen ungeachtet ist Robin Hood sehr spannend geraten und lebt von Scotts stattlichen Kampfsequenzen, einer beachtlichen Ausstattung und sehr guten Schauspielern. Einen Platz neben dem angepeilten Vorbild Gladiator wird Robin Hood im Film-Pantheon jedoch nicht einnehmen, dafür finden sich im Rückblick bei genauerer Betrachtung zu viele Makel. Während des Filmgenusses ist Robin Hood allerdings ohne Längen und erfüllt alle Anforderungen an sein Genre auf sehr zufriedenstellende Art. Als "Prequel zur Legende" funktioniert er definitiv besser als Bruckheimers King Arthur (*zu meiner Rezension von King Arthur*).

Außerdem möchte ich an dieser Stelle auf die aktuelle Ausgabe meiner Kolumne Popcorn und Rollenwechsel hinweisen, auf die ich besonders stolz bin. Ich blicke dieses Mal darauf, wie das Internet die Suche nach Filminformationen für den geeigneten Kinofan veränderte und kommentiere zudem den Bericht, dass das Budget für Pirates of the Caribbean - On Stranger Tides gekürzt worden sei. Diese Ausgabe meiner Kolumne findet ihr hier.

12 Kommentare:

Letterman hat gesagt…

Hi,

an sich eine wirklich gute und fachliche Kritik! Jedoch hätte ich gerade von dir, als Soundtrackliebhaber erwartet, dass du mindestens einen Absatz über die Arbeit des Komponisten Marc Streitenfeld verlierst. Ich würde mir an dieser Stelle sehr wünschen, dass du nachträglich noch dein Urteil über den Soundtrack hier fällst und deine Meinung womöglich etwas länger als nur ein finales Urteil ausfällt.

Andi hat gesagt…

Mal so allgemein die Frage... kann mir mal jemand die Faszination von Prequels erklären? Dieser Wahn nimmt ja kein Ende mehr!

Sir Donnerbold hat gesagt…

@ Letterman: Aus dem Stand heraus kann ich nicht viel zum Score sagen, da er mir kaum auffiel. Beim zweiten Ansehen (das wäre wohl erst auf DVD) oder beim Anhören vom Film losgelöst (Probehören im Laden?) könnte sich das vielleicht ändern, so hingegen kann ich leider nur sagen, dass er seine Aufgabe offenbar erfüllte. Die Abspannsuite fiel mir noch auf, die war angenehm zurückhaltend mittelalterlich-mysteriös und ein willkommener Kontrapunkt zum eigentlichen Tonfal des Films.

Davon abgesehen... werde ich dich wohl enttäuschen müssen.

Räudiger Windhund hat gesagt…

Die Piraten Obsession geht weiter xD Wieder ein Beitrag der gegen Ende für eine On Stranger Tides Anspielung missbraucht wurde.

Blöde , klamaukige , viel zu Familienfreundliche MTV Action in Piratenkostümen . Aber über Titanic herziehen wie nichts gutes XD

Gute Kritiken hin oder her, aber wer so auf die beiden miesen Pirates Sequels abgeht disqualifiziert sich irgendwie als Cineast . Da hilfts auch nicht wenn man als Alibi mal "Moderne Zeiten" guckt.

Übrigens, der erste Pirates war auch überbewertet. Genauso wie The Dark Knight.

An dieser Stelle fordere ich das du "Die Verurteilten", "Sieben", "Fight Club", "Blade Runner", "Shining" und "Der Soldat james Ryan" reviewst .

Das wären mal anspruchsvolle Reviews.

Herr Donnerhall, SIE MÜSSEN es tun weil ich selber zu unfähig bin . Außerdem ist es ja dumm Reviews zu lesen die man selber geschrieben hat . Ich will lesen aber nicht schreiben . Schreiben ist mir zu anspruchsvoll.

Nun da ich es gefordert habe ist ja klar das die Reviews bald gepostet werden , hier im Blog.

Ich will anmerken das ich diese Forderung ernst meine ! Van Donnersmark wird die Reviews posten.

Ich bitte sie recht zügig zu arbeiten !

Isosceles hat gesagt…

Die vollständige Kritik zu "Robin Hood" werde ich mir später zu Gemüte führen, auch wenn mich der Film nicht im Geringesten interessiert. Die Trailer fand ich langweilig, und mit "Robin Hood" konnte ich noch nie viel anfangen.

@ Räudiger Windhund: Also darf ein "Cineast" nur, ähm, "anspruchsvolle Filmkunst" mögen? :)

RÄUDIGER WINDHUND hat gesagt…

@Isosceles

Nö ! Man kann auch mal das Hirn aus dem Fenster schmeißen und sowas wie Pirates und Spiderman genießen. Möglicherweise kann man sogar solch einen filmischen Sondermüll wie Transformers genießen. Wenn man denn die Fähigkeit hat seine Ansprüche nicht nur runterzufahren sondern abzuschalten.

Das ändert dann ja nix daran das man imme rnoch ein Verständnis für die wahren Meisterwerke hat.

Was Sir Hannerbolt aber tut ist was anderes : Er beweihräuchert und glorifiziert Pirates über alle Maßen (und das obwohl er als jemand der sehr gute, fundierte und treffende Kritiken verfasst eigentlichw issen müssste das zumindest Teil 2 und 3 nur knapp über Transformers und fantastic Four Level stehen)

Genau genommen ist es so das wenn man aus Pirates Johnny Depp rausstreichen würde nichts mehr übrig bleiben würde was auch nur im Ansatz eine Erwähnung wert wäre. Gleiches Problem etwas aktueller festzustellen bei Iron Man und Robert Downey Jr.

Un er glorifiziert nicht nur Pirates, er giftet auch immer wieder gegen Titanic.

Und JA verdammt , Titanic ist ein Film den man mögen kann oder eben nicht , aber IGNORIEREN darf man ihn als Cineast auf keinen Fall. Es ist eine Schnulze?? Kommt auf die Definition an, aber stimmt schon es ist ein bisschen arg rührseelig.

Aber die regie- Arbeit , die Kostüme, das Art und Set Design des Films, der nachbau der Titanic, die Versenkung, der Score, und das geniale Schauspiel von DiCaprio (BabyFace or not , alle die das sagen sind nur neidisch)

Die Liste ließe sich beleibig fortführen...Ausleuchtung der Szenerie, besonders im Finale, der Einsatz des Wassers in Interaktion zu den Schauspielern, das Gefühl einer längst vergangenen Ära das sich durch den Film zieht , die magische eröffnungssequenz mit der Titanic im Hafen, bis hin zu den Kleinigkeiten wie den beschlagenen Scheiben des Wagens als Leo und Kate sich lieb haben .

>Und die Thematik welche die oberflächliche Liebesgeschichte überwiegt ( die Love Story dient eh nur dazu den Film ins Hollywood Korsett zu zwängen) ist diese vortrefflich eingefangene Allorgie auf die Standesunterschiede des vorletzten Jahrhunderts die erst nach dem zweiten Weltkrieg langsam aber sicher abgetragen wurden.
DAFÜR GIBT ES DIE OSCARS, für all das was ich gerade aufgezählt habe und unendlich viel solcherlei mehr.

Titanic ist Filmemachen in seiner pursten und perfektesten Form , und James Cameron gilt zu recht als König des Blockbuster Kinos. Ich sage bewusst nicht KINO , ich sage Blockbuster Kino

Diese versiertheit , dieses Auge fürs Detail, diese Fähigkeit zur Komposition - James Cameron ist der perfekteste Big Budget Regiesseur den Hollywood zu bieten hat.

No doubt about that .

Und all diese Fakten MUSS auch jemand akzeptieren der mit dem Film selbst nichts anfangen kann.

Und das ist es was mich anpisst ....dieses Video hier --- My hate will go on - FUCK IT

Pirates ist überteuerer Abenteuer Trash ausm PC der sich nur durch einen zugegebenermaßen ziemlich talentierten Hauptdarsteller vom CGI Superhelden, Harry Potter, Transformer Einheitsbrei abhebt.

Genauso eben wie Iron Man 2 . Ich wiederhole es : Exakt dasgleiche Phänomen ^^

soviel wollt ich gar nicht schreiben XD mann

Clochette hat gesagt…

Hihi, die Diskussion find ich irgendwie lustig.

Meiner Meinung nach sind sich Fluck der Karibik und Titanic nämlich in etwa ebenbürtig; oberflächlich gesehen Blockbuster-Popcornkino, hinter dem sich aber - wenn man bereit ist, es als solches zuzulassen - ein absolut geniales Meisterwerk versteckt.

Ist doch interessant, wie sich die Argumentationen da unterscheiden (und gleichzeitig spiegeln) - ein guter Beweis dafür, dass es sowas wie eine objektive Beurteilung nicht geben kann...

The Great Gonzo hat gesagt…

Ich liebe ja Leute, die jemandem die eigene Meinung anbsprechen und dann dem anderen aber seine eigene einhämmerhn wollen. Später dann wahrscheinlich auch noch mit Das ist meine Meinung, die muss man mir lassen" ankommen. Tut mir Leid, Räudiger Windhund, aber Du hast dich leider selbst disqualifiziert - Was gelungene Argumentation angeht. Aber ich glaube von mir kleinem Filmfan wird sich der Herr Übercineast eh nichts sagen lassen.

RÄUDIGER WINDHUND hat gesagt…

doch durchaus ^^ warum so polemisch?

Ich bin kein über cineast und du kein kleiner filmfan, was ist das überhaupt?

wieso habe ich mich selber disqualifiziert? Jemandem eine Meinung einhämmern und Fakten aufzählen die für sich sprechen sind zwei paar Schuhe.

Ich tat das letztere. Sir Hannyabals Video über Titanic, das ist fresch, unsachlich, polemisch und steht im krassen Widersatz zu der Tatsache das er abgeht auf die Pirates Filme wie ne V2 Rakete

Das ist es worüber ich mich echauffiere, wenn überhaupt . und ich halte das für legitim öÖ

Anonym hat gesagt…

Leute, die nicht den Unterschied zwischen den ernst gemeinten schriftlichen Kritiken hier im Blog und einer schon direkt zu Beginn als primär Unterhaltungsvideo offenbarter Kritik unterscheiden können, sollten den Mund nicht so weit aufreißen. Für die ganz schwerfälligen steht es ja sogar im Abspann!

Anonym hat gesagt…

Ich hab das Video samt Abspann gesheen, und? Das ändert nichts an der Tatsache das es frech ist so ein Video überhaupt zu machen.

Wäre Sir Rullerblend wenigstens gut gekleidet gewesen.

Piraten- Nerd

Andi hat gesagt…

Ach...
...nee, doch nicht! ;-)

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