Sonntag, 4. Juli 2010

Toy Story 3: Synchro-Kurzbericht

Toy Story 3 wird am letzten Donnerstag in diesem Monat endlich regulär in den deutschen Kinos starten. Bis dahin lässt Disney das Publikum noch ein wenig zappeln. Aber das Warten lohnt sich: Dass der Film klasse ist, durfte ich ja bereits während der OV-Vorführung feststellen, die ich besuchen durfte. Heute konnte ich mich auch von der deutschen Fassung überzeugen, und das ist dieses Mal ja spannender, als normalerweiseüblich, da mit Michael "Bully" Herbig und Rick Kavanian (und bei einigen wenigen Zweiflern auch Christian Tramitz) drei zuvor kontrovers diskutierte Sprecher gewählt wurden. Ich selbst war ja nur mäßig glücklich über den Austausch Peer Augustinskis durch Bully als Woodys Sprecher.

Nachdem ich die deutsche Fassung nicht mehr bloß anhand von Trailern begutachten muss, ist nun folgendes zu sagen:
  • Herbig ist ein guter Woody-Sprecher, aber ein schlechter Augustinski-Ersatz. Soll heißen: Der in einigen Trailern auf Woody zu hörende Ulrich Frank hätte den Bruch besser kaschiert und wäre sicherlich nicht den meisten Zuschauern aufgefallen (bei Woodys ersten Sätzen mit Bullys Stimme ging hingegen ein deutliches Tuscheln durch den Saal). Allerdings füllt Herbig die Rolle Woodys sehr gut aus. Er spricht nicht mit seiner hohen Scherzstimme, wie in vielen Bullyparade-Sketchen oder Ein Königreich für ein Lama, sondern moduliert seine Stimme ganz professionell nach den Bedürfnissen der Rolle und bringt Woodys Emotionen sehr gut rüber. Zwar wäre mir Peer Augustinski noch immer deutlich lieber, doch ich könnte -so weit man von den Trailern ausgehend urteilen kann- nicht sagen, dass Frank ein besserer Woody gewesen wäre. Ein besseres Double für Augustinski, das schon. Aber allein von der Figur ausgehend ist Herbig eine geglückte Besetzung. Da es zwei Vorgängerfilme gibt, ist er allerdings auch ein starker Kontinuitätsbruch. Die Reaktion auf ihn wird also von der Frage abhängen, ob man bei Ersatzsprechern rollen- oder stimmen- bzw. darstellerspezifisch entscheidet. Prognose einer Daumenregel: Wer mit Off statt Nathan als Jack Sparrow leben kann, könnte sich vielleicht auch mit Bully arrangieren (selbst wenn der Vergleich hinkt, da einer die Darsteller- und einer die Rollenkontinuität verletzt).
  • Kavanian ist super als Rex. Ich weiß zwar nicht, weshalb man Rex unbedingt umbesetzen musste (unnötiger Kontinutiätsbruch = Negativpunkt), aber Kavanian passt sehr gut zu Rex und klingt vor allem nicht nach Kavanian.
  • Tramitz ist von den drei Promis ganz eindeutig der beste, nicht nur, weil er keine Kontinuitätsbürden zu tragen hat. Er hat ein perfektes Timing als Ken und seine Stimme ist perfekt für das, was Pixar mit dem berühmtesten aller Barbie-Accessoires anstellt. Manche unkten ja zuvor, Tramitz wäre zu alt und rau für Ken, aber das selbe gilt auch für Michael Keaton im Original. Pixar besetzte Ken subtil gegen de Strich - was optimal zu dem um Ken geschaffenen Humor und seiner Rolle in der Gesamthandlung passt. Vor allem lässt Tramitz noch immer das weiche, sanftmütige rausklingen, das man bei Ken erahnt. Kurzum: Schlichtweg klasse und wie ich finde auch besser als das Original.
  • Die anderen neuen Spielzeuge sind allesamt sehr gut besetzt, insbesondere der Lederhosen tragende Igel (in der deutschen Fassung inklusive Akzent) und Lotso-Knuddelbär.
  • Appropos Lotso: Ich muss mein Urteil über ihn nach oben korrigieren. Vielleicht liegt es nur daran, dass ich jetzt bereits die gesamte Handlung kannte, vielleicht am Sprecher, aber Lotso ist doch recht komplex geraten und herrlich charakterisiert.
    [Spoiler]Auch wenn er nicht Pixars bester Schurke ist... An Randell und Hopper reicht er nicht heran und streitet sich mit Syndrome um Platz 3. Ich glaube, Lotso wird über lange Sicht die Nase vorn' haben.[/Spoiler]
  • Ich wollte es nach dem letzten Ansehen noch nicht beschreien, aber nun bin ich mir in meinem Urteil sicher: Jesse gefällt mir in Toy Story 3 deutlich besser, als in Teil 2.
  • Leider musste man auch Slinky umbesetzen und ich sehe bei ihm den größten Bruch.
  • Trotzdem ist die deutsche Synchronisation gelungen, manches ist in ihr besser, manches schlechter (insbesondere Slinky), die vielen Kontinuitätsbrüche sind ärgerlich, aber nahezu durchgehend gut bis sehr gut ersetzt. Es ist nicht die bestmögliche Synchro, doch sie macht den Film nicht schlechter. Das Buch ist sehr gut und schafft es, selbst aus schwierig zu übersetzenden Pointen große Lacher zu verwandeln. Und so langsam formiert sich auch mein Gesamtbild von Toy Story 3 im Vergleich zu anderen Pixarfilmen.

2 Kommentare:

Sunshine hat gesagt…

Ich schiffe bisher noch sehr gekonnt um alle möglichen Spoiler rum *juhu*, und immerhin ist positiv, dass Bully in der Rolle an sich gut ist. Um den Bruch zu den ersten beiden Teilen ist es wirklich schade (und ärgerlich, da an sich unnötig), aber wenn es wenigstens gut gemacht ist, kann man sicherlich damit leben. Ein Grund, den Film nicht gucken zu gehen, ist es sicherlich nicht.

(selbst wenn der Vergleich hinkt, da einer die Darsteller- und einer die Rollenkontinuität verletzt).
Dabei wäre es hier ja auch beinahe zum Bruch gekommen... ;) Off ist super, weil er von Natur aus schon einen leicht tuntigen Touch in der Stimme hat, so ein winziges bisschen. Daher ist mir die andere Stimme überhaupt nicht negativ aufgefallen (was aber auch daran liegt, dass Jack für mich immer Jack und so gut wie nie Depp ist...). Mir kam nie in den Sinn, das es der "falsche" Sprecher ist, weil er auf die Rolle einfach passt. Wohingegen ich bei Die 9 Pforten regelmäßig die Krise bekommen - nicht nur falsch, sondern auch noch zu jung und dann ist es tatsächlich Will aus Will & Grace, was für die Rolle noch viel weniger geht...

Ähm ja, jedenfalls, gut, dass die Synchro anscheinend gelungen ist! *g*

Anonym hat gesagt…

Die deutschen Sprecher von Slinky und Rex sind leider verstorben, weswegen man sie umbesetzen musste. Slinky (meine Lieblingsfigur) hat sogar in allem drei Filmen einen anderen Sprecher

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