Freitag, 18. Februar 2011

The King's Speech

Welch ein Oscar-Jahr: Toy Story 3, Inception, The Social Network, Black Swan. Und da kommt so ein zurückhaltendes, britisch-besonnendes und bodenständiges Drama über die Königsfamilie und prischt an die Favoritenposition. Ja, darf das denn angehen?

Ja, es darf. Tom Hoopers The King's Speech ist nicht der traurigste, mutigste, witzigste oder wichtigste Film der letzten Monate. Doch er ist in seiner Gesamtheit so fehlerfrei, in seiner Nachhaltigkeit so erquicklich und zu gleichen Teilen anrührend, witzig wie intelligent, dass man sich einfach nicht über den Gedanken aufregen könnte, dass er vielleicht den Goldjungen mit nach Hause nimmt. Mit einer adelsgleichen Gelassenheit erzählt der smart betitelte The King's Speech (endlich mal wieder ein englischer Titel, der berechtigterweise nicht eingedeutscht wurde) die Geschichte von Prinz Albert, dem Herzog von York, der unter einem gravierenden Sprachfehler leidet. Er stottert selbst im Kreis der Familie, aber bei öffentlichen Auftritten wird es richtig katatstrophal. Also unterzieht er sich einer Sprachtherapie nach der anderen. Als er letztlich beim australischen Exzentriker Lionel Louge landet, ecken das aufbrausende Adelsgeblüt und der dreiste Therapeut mit seinem staubtrockenen Humor an. Mit hilfreichen Folgen für die Sprechprobleme des angehenden Königs...

The King's Speech wird garantiert den Oscar für den besten Film gewinnen. Denn er ist nicht nur ein intelligenter, aufrichtiger und dennoch keineswegs hochtrabender Wohlfühlfilm, sondern vor allem eine fantastische Bühne für seine Darsteller. Colin Firth verschmilzt mit dem gequälten Prinz Albert / König George VI, der eigentlich lieber auf die Verantwortung verzichten würde, sie aber angesichts seines Lebemann von Bruders nicht abstreifen möchte und Geoffrey Rush... ist Geoffrey Rush in Bestform. Man hätte ihm nur noch in einer Szene 'nen Piratenhut verpassen müssen. Diese beiden ungleichen, sich respektierenden Männer wachsen dem Zuschauer ans Herz, durch ihnen wird die historische Fußnote, die der Film nacherzählt, zum fesselnden Kinoerlebnis mit hoher Klasse. Idealerweise natürlich in der Originalfassung.

1 Kommentare:

Dr-Lucius hat gesagt…

Ich kann zwar Deine Begeisterung für die schauspielerischen Leistungen der beiden Protagonisten nicht nachvollziehen, war mir etwas zu vorhersehbar und beim einen zu überkandidelt und beim anderen zu wenig, aber es ist perfektes Popcorn-Kino und damit natürlich wie immer für den Popcorn-Oscar geeignet, weil völlig unpolitisch. Fühlte mich zwar nicht gefesselt aber doch sehr gut unterhalten.

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