Montag, 30. Mai 2011

Hangover 2


Filmrisse kommen vollkommen unvorhergesehen. Und der Kater am Morgen danach üblicherweise aus. Hangover machte also seinem Namen alle Ehre: Die derbe, freche Komödie über den möglicherweise geilsten Junggesellenabschied aller Zeiten kam aus dem Nirgendwo und eroberte über Nacht Kritikerherzen sowie die Lachmuskeln des Publikums weltweit. Wie ich finde, auch absolut zu recht, wie ihr in meiner Kritik nachlesen könnt.

Hangover 2 warf dagegen lange Schatten voraus. Und schnell war klar, dass das wichtigste Element am Erfolg des Vorgängers verloren gehen wird: Die Überraschung. Und mit der Überraschung verliert Hangover 2 die kultig-liebenswerte Frische des auf narrativer Ebene überraschend intelligenten Gagfeuerwerks. Denn Hangover 2 zeigte sich schon in seinen Trailern ganz ehrlich als nichts anderes, als eine Wiederholung von Hangover an einem neuen Schauplatz.

Höchst objektiv ist Hangover 2 laut dem großen Lehrbuch der Filmbewertung also deutlich schwächer als das Original von 2009. Und dennoch kann sich ein Kinobesuch genauso sehr lohnen. Wenn man nunmal den entsprechenden Humor mitbringt. Was Hangover 2 konzeptgemäß an Einfalsreichtum verliert, kompensiert er durch kompromissloseren Witz, pechschwarzen Humor und eine verwegen-skurrile Derbheit, wie man sie abseits reiner Schockkomödien, die mit Blut, Kotze und Sperma nur so um sich schmeißen, selten zu sehen bekommt.

Dadurch, dass sich das Wolfsrudel rund um Stu, Phil und den erneut nahezu jede Szene stehlenden Freak Alan treu bleibt, gibt es trotz der Härte von Hangover 2 weiterhin einen bodenständigen, kumpelhaften Kern. Die lautesten Lacher kommen aus den bitterbösen, verrückten Situationen, in die die drei Freunde geraten, aber die wohl wichtigsten kommen aus der ungewöhnlichen Dynamik in diesem Freundeskreis und den dadurch entstehenden Dialogen.

Weil Hangover 2 nicht mehr von der gleichen Originalität lebt, wie noch sein Vorgänger, ist er längst nicht so kultig und wird auch weitaus weniger Filmpreise einheimsen. Aber der in erstaunlichen, teils destruktiv-poetischen Bildern eingefangene Bangkok-Trip des Wolfsrudels ist für Leute mit schwarzem Humor noch immer urkomisch. Die Trefferquote ist in Hangover 2 weiterhin sehr hoch und dank der Spielfreude des Ensembles vergehen die rund 100 Minuten wieder einmal wie im Flug. Jedenfalls, sofern man eine für den Film angemessene Schmerzgrenze hat. Stellt euch die fiesesten Minuten aus Hangover vor und nehmt an, dass nun rund 65 bis 70% des Films diese zu übertreffen versuchen. Wenn ihr das reizvoll findet... dann ab ins Kino mit euch! Ansonsten: Bleibt beim Original.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

immer nur am nörgeln

Anonym hat gesagt…

Hö?! Genörgel?

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