Mittwoch, 4. Mai 2011

Wasser für die Elefanten


1931 in den Vereinigten Staaten von Amerika: Jacob Jankowski (Robert Pattinson) , ein aus bescheidenen Verhältnissen stammender Sohn polnischer Immigranten, studiert an der renommierten Cornell University und sieht sich zu Zeiten der Großen Depression auf der Gewinnerstraße. Während seines Abschlusstests wird der angehende Tierarzt rausgebeten: Seine Eltern starben bei einem Autounfall und hinterließen ihm einen Haufen Schulden, weil sie zur Finanzierung seines Studiums Hypotheken auf ihr Haus nehmen mussten. Ohne Existenzgrundlage wandert er ziellos die nächstgelegenen Eisenbahngleise entlang. Als ein Zug vorbeikommt, springt er kurzerhand auf. Es stellt sich als Zirkuszug heraus, und die unterbezahlten Arbeiter schleusen ihn in ihre Truppe ein. Beim ersten Halt des "Benzini Brothers Zirkus" werden ihm Kleinstarbeiten zugetragen, aber die Nähe zu Tieren und die Artistin Marlena (Reese Witherspoon) geben ihm ein Gefühl der Heimat. Am Abend wird er dem manischen Zirkusdirektor August Rosenbluth (Christoph Waltz) vorgestellt, der mit Marlena verheiratet ist und seinen Star der Vorführung mit Argusaugen überwacht. August stellt Jacob als Tierarzt ein, doch der idealistische Jacob rasselt schnell mit dem rücksichtslosen Showman aneinander. Marlena und Jacob beginnen ein Illusionsspiel, einen Drahtseilakt zwischen "The show must go on" und Freiheitsdrang...

Nach den mit übernatürlichen Kreaturen bevölkerten Actionern Constantine und I Am Legend betritt Musikvideo-Regisseur Francis Lawrence mit der melodramatischen Romanverfilmung Wasser für die Elefanten genretechnisches Neuland. Dass er die Historienromanze in ein engagierendes Filmdrama verwandeln konnte, dürfte er unter anderem dem in diesem Bereich erfahreneren Drehbuchautor Richard LaGravenese zu verdanken haben, den der Kinogänger vor allem von Der Pferdeflüsterer oder dem klebrig-schematischen P.S. Ich liebe dich kennen könnte. Da der Schwerpunkt von Wasser für die Elefanten weniger auf der heimlichen und verhinderten Beziehung zwischen Jacob und Marlena liegt, und die Geschichte mehr von der Faszination Zirkus sowie deren Lage während der Großen Depression, besteht jedoch nicht der unbesselte Kitsch aus LaGraveneses Ausflug auf den Regiestuhl zu befürchten.

Getragen wird Wasser für die Elefanten vor allem von drei Stützpfeilern: Seinen beiden männlichen Hauptdarstellern und seiner den Zuschauer envolvierenden Atmosphäre. Lawrence und sein Produktionsteam erschaffen mit ausschweifenden, nicht jedoch pompösen, Kulissen und Kostümen ein das Publikum absorbierendes, leicht romantisiertes Bild der 30er Jahre. Die Inszenierung schafft es unaufdringlich, eine ambivalente Stimmung zwischen Träumerei und realistischer Dramatik zu erschaffen. Obwohl Wasser für die Elefanten den Mythos des fröhlichen Fahrvolks dekonstruiert, versprüht er auch magische Momente, so dass man zwar nie auf die Idee käme, Jacob für sein Leben zu beneiden - mehr Zeit mit seinem jugendlichen Ich würde man dennoch sehr gerne verbringen. Wasser für die Elefanten ist deswegen wieder einer dieser typischen Filme, bei denen man am Ende nicht darüber nachdenkt, wie spannend oder intelligent sie waren, sondern wo man im Abspann glücklich seufzt: "Ein schöööner Film... Hätte sehr gerne länger sein dürfen!"

Dass man Jacobs Werdegang im Zirkus, mit all den Leiden und Freuden, so gebannt verfolgt, liegt nicht zu letzt an Robert Pattinsons Schauspielleistung. Der Twilight-Schauspieler, der durch die Kinoreihe zwar viele Fans, jedoch aber auch mindestens ebenso viele harsche Kritiker gewann, wird ja nicht müde in Interviews zu gestehen, dass er Twlight nicht ganz ernstnimmt und eigentlich nur Kristen Stewart anbaggern wollte. Wer Pattinson also nur aus Twilight (oder Clips/Trailern davon) kennt, kann seine Vorurteile, er sei ein schwacher Schauspieler, wieder einpacken. In die Rolle Jacobs vertieft sich der Darsteller sehr und es gelingt ihm, die Figur mit unangestrengter Intensität zum Leben zu erwecken. Vor allem ist Pattinson auch sehr glaubwürdig in der Darstellung von Jacobs Gefühlswelt... so lange seine Figur ihre Gefühle auch offen zeigt. Wenn es um subtilere Emotionen geht, wenn Jacob sein wahres Inneres hinter einem Mienenspiel versteckt, verfällt Pattinson leider öfter in einen hohlen, übermüdeten Blick, statt mit seinen Augen tiefere Einblicke zu gewähren. Deswegen bin ich von Pattinson in Wasser für die Elefanten sowohl erstaunt, als auch ein wenig enttäuscht.
Wenn er das nonverbale Spiel was wacher gestaltet, sehe ich ihn aber bei entsprechender Rollenwahl in einigen Jahren als Oscar-Nominierten. 

Sein weiblicher Gegenpart Reese Witherspoon weckt in mir leider weniger Freude. Ich nehme ihr zwar die Rolle der Erhabenheit ausstrahlenden, unnahbaren Artistin ab, ihre innere Zerrütung kommt dagegen wie reine Müdigkeit ab. Die heimlichen Gefühle für Jacob wiederum kommen überhaupt nicht rüber, so dass der romantische Plot von Wasser für die Elefanten für mich ein reiner Handlungsmotor bleibt und mich emotional kalt lässt.

Was Witherspoon verschenkt, baut Waltz wieder auf. Der Oscar-Preisträger aus Inglourious Basterds liefert nicht nur wieder eine göttliche, minutiös ausgelebte Performance ab, sondern hebt auch den gesamten Film auf ein höheres Level. Sein Zirkusdirektor ist ein manischer Kommandant, dem Geld, Ruhm und eine erfolgreiche Show über menschliche Werte gehen, eine egomanische Persönlichkeit, die jene, die ihm im Weg stehen, mit Freuden vorführt. Aber er ist kein reiner Despot, man spürt ihm an, dass in ihm einst eine gesundere Seele lag, und dass seine Bessessenheit ihm die zwischenmenschlichen Sinne vernebelte. Waltz orientiert sich zwar mit seinem Spagat zwischen (gescheitertem) Gentleman und Unmenschen sichtbar an seinem Judenjäger Hans Landa, doch im Detail gibt er August Rosenbluth genügend Individualität, um ihn nicht als Selbstkopie abzuschreiben. Landa lebte jegliche Werte des Spektrums zwischen Gut und Böse gleichzeitig, Rosenbluth ist ein die Illusion zelebrierender Zirkusleiter, der seinen moralischen Kompass und konsequenterweise die Beherrschung verlor. Er verirrt sich kurzzeitig wieder in friedlichere emotionale Gefilde, nur um umso despotischer wieder auszuticken.

Die Musik von James Newton Howard, letztlich, setzt nur selten Akzente, dann jedoch sehr griffige. Sein Score klingt, wie aus einem anderen Setting ausgeliehen, er versprüht mehr von einem magischen Abenteuer, als das Zirkusdrama zu Zeiten der Großen Depression erwarten ließen. Für mich ging diese Andersartigkeit jedoch sehr gut auf.

Auch wenn Wasser für die Elefanten dem weiten Feld der Depressions-Historienstücken keine Innovationen beizusteuern vermag, ist das Drama klar einer der besseren Vertreter dieses Genres. Die Geschichte wird sehr schön erzählt, die Inszenierung kreiert eine glaubwürdige Welt und gen Schluss wartet man auch gespannt ab, wie die vom erzählenden Jacob erwähnte, schweren Katatsrophe kommen wird. Wasser für die Elefanten ist längst nicht so romantisch, wie er wohl ursprünglich sein sollte, als bannendes Melodrama, das zwischen rauer Realität und Feel-Good-Mentalität tänzelt, hallt es dennoch lange nach. Für mich eine der schönsten Kinoüberraschungen der letzten Monate.

Siehe auch:

1 Kommentare:

der starke rüdiger hat gesagt…

lolololo was für ein scheiss, also kein SCREAM 4 Review

hab den gestern gesehen. der war sooo gut. so schön old-school slahser

und du....verschmähst ihn. :(

und dann auf dvd schauen in 5 monaten lol

tsss

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