Mittwoch, 7. September 2011

100 Jahre Fred Moore

 Fred Moore (r.), Mary Blair und Walt Disney (l.) bei der Produktions-Abschlussfeier zu Drei Caballeros

Vor exakt 100 Jahren erblickte  Robert Fred Moore, besser bekannt als Fred Moore, in Los Angeles das Licht der Welt. Er sollte zu einem der unbesungenen Helden der Walt Disney Studios werden. Für seine denkwürdigen Arbeiten, wie den drei kleinen Schweinchen, Lampwick in Pinocchio, Timothy in Dumbo und den Zentaurinnen in Fantasia wurde er 1995 posthum zur Disney-Legende ernannt. Kommenden Samstag beginnt der erste Artikelzyklus von Im Schatten der Maus mit einer Biographie über den nicht genug besungenen Zeichenkünstler. Heute aber möchten wir euch zu Ehren Fred Moores je eine unserer Lieblingsarbeiten Moores vorstellen, in der Hoffnung, euch sein Genie ein Stückchen näher zu bringen.


Akus Favorit

Es geschah nur ein einziges Mal, dass einem einzelnen Künstler die Aufgabe zugeteilt wurde, ganze sieben Hauptcharaktere eines Zeichentrickfilms für Walt Disney zu erschaffen. Dass es ihm gelang, sie zu den erinnerungswürdigsten des Films – und, bei aller Zurückhaltung, vielleicht brillantesten „Truppe“, die je in einem Film interagieren durfte! – zu machen, steigert nur noch die Freude, die man als Genussmensch an den auf Zelluloid komponierten Szenen der sieben Zwerge haben muss.

Fred Moore war nicht irgendein junges Talent. Walt Disney wusste, dass der Erfolg seines Films mit der Umsetzung der Zwerge stehen und fallen würde. Der junge Zeichner, der keine professionelle, künstlerische Ausbildung erhalten hatte, war dem Maestro durch seine Arbeit an Die drei kleinen Schweinchen aufgefallen. Disney ging ein Risiko ein – nie mehr danach sollte ein Künstler in so jungen Jahren zum Chefzeichner ernannt werden. Es war nicht so, dass Disney keine Alternativen gehabt hätte, als er Fred Moore das Recht und die Pflicht auferlegte, die finalen Designs für die sieben Zwerge anzufertigen. Mit Zeichnern wie Joe Grant oder Albert Hurter standen ihm Mitarbeiter zur Seite, deren Erfahrung im Character Design der von Moore bei weitem überlegen war. Disney sollte mit seiner Entscheidung wieder einmal Recht behalten. Denn was Fred Moore aus der Nebenrolle eines alten Märchens schuf, übertraf alle Erwartungen.

Quelle: Jenny Lerew (The Blackwing Diaries)
Der Ausdruck, den er in die Emotionen der Zwerge legte, setzte neue Maßstäbe. Es ist nicht der Text oder die Sprache, nicht das Verhältnis von Licht und Schatten oder der Einsatz der Multiplan-Kamera, der die sieben Zwerge zu einer so nachhaltigen Erinnerung vieler Zuschauer macht. Es ist die Animation. Es ist die kaum in Worte zu fassende Natürlichkeit, die in den federnden Bewegungen der Figuren liegt. Jedem Gefühl wird mehrfach Leben verliehen. Augen, Mund, Hände, Gesicht, der ganze Körper scheint zu interagieren, wenn der Zusehende die Freude, Furcht oder Überraschung der Charaktere wahrnimmt. Noch verstärkt wird dieser Eindruck durch die über die Leinwand schwebende Schönheit des Schneewittchens – dass die Zwerge neben ihr an Natürlichkeit nicht verlieren, ist die wahre Leistung Fred Moores. Seine Zeichnungen erwecken schon auf Papier den Eindruck, jeden Moment aus dem Bild springen zu wollen – in animierter Form gelingt ihnen das tatsächlich.

Der inflationäre Gebrauch der Bezeichnung „die Zwerge“ soll keinesfalls vortäuschen, Moores Schöpfungen seien ein einziges Kollektiv. Gerade dass es ihm gelingt, den Charakter der einzelnen Figuren aufzuzeigen, ohne dabei ihre gemeinschaftliche Einheit zu zerstören, macht sie so denkwürdig. Man sollte dabei nicht der Verlockung erliegen, Happys oder Brummbärs Darstellung als plump bezeichnen zu wollen. Tatsächlich wäre es jeder einzelne Zwerg wert, ihn einzeln zu betrachten, um zu erkennen, wieviel Gedanken und harte Arbeit in seiner Rolle stecken. Wer dem nicht spontan nicht zustimmen möchte, sollte wenigstens den Anstand besitzen, das Experiment durchzuführen und sich eines besseren belehren zu lassen.

So erinnern wir uns kurz an die Einleitung dieser Hommage und überlassen den Schülern Moores, Ollie Johnston und Frank Thomas, das Schlusswort: „Es hat in den Augen der Öffentlichkeit nie denkwürdigere Charaktere als die Zwerge gegeben.“ Wahrhaftig!



Anankes Favorit


Eine der faszinierendsten und wohl auch ikonischsten Disney-Szenen von Fred Moore ist die Meermädchen-Lagune aus Peter Pan.

Die Entscheidung, Nimmerlands Nixen im Design der berühmt-berüchtigten Freddy-Moore-Mädchen zu gestalten sorgte meiner Meinung nach für eines der absoluten Highlights des Films. So sehen wir in dieser Szene herrlich freizügige Sirenen mit der lasziven Sinnlichkeit, die typisch für Moores Zeichnungen ist, ohne dass die Darstellung Kinder-untaugliches Terrain betritt.
Moores Meermädchen strahlen eine jugendliche Sexualität aus, die sie auf unschuldigste Weise verführerisch erscheinen lässt. Gepaart mit ihrer - anscheinend genauso naiven - Bosheit ist diese Mischung geradezu genial und trifft Barries Stil wie keine andere Szene des Films.

Obwohl mich die sehr freie deutsche Synchronisation von Peter Pan generell eher stört, muss ich übrigens zugeben, dass die Übersetzung von "mermaids" als "Meermädchen" in diesem Fall den Nagel auf den Kopf trifft. Ich nehme nicht an, dass es in der Intention des Synchronstudios lag, aber diese Entscheidung unterstreicht den Charakter von Moores Stil einfach perfekt.Der Begriff „Mädchen“ passt hier zweifellos - bei „Jungfrauen“ wäre ich mir nicht genauso sicher.


Bei näherer Betrachtung der Szene fällt auf, dass sich der Stil der Meermädchen eindeutig von dem der Kinder abhebt. Einerseits sind sie um Einiges realistischer und weniger cartoonhaft gezeichnet und erscheinen äußerlich auch eindeutig älter. Gleichzeitig sind die Körpermaße aber eher kleiner und zierlicher als die von Peter und Wendy. Auf diese Weise wird die gefährliche Gratwanderung erfolgreich gemeistert, die Meermädchen sinnlich und verführerisch darzustellen, ohne dass ihr Interesse an dem jungen Peter unangemessen wirkt oder auch nur unangenehm auffällt.


Moores Zeichnungen haben übrigens auch auf die heute mit Abstand bekannteste Meerjungfrau des Disney-Kanons ihren Einfluss hinterlassen: Die unschuldige und fast unbewusste Sinnlichkeit der Freddy-Moore-Mädchen wurde als eine der Inspirationen für Arielle genutzt.


Und nimmt man zum Vergleich nicht das extrem stilisierte Moore-Konzept des Character-Sheets sondern eines der Nimmerland-Meermädchen, ist die Ähnlichkeit noch auffallender:

Somit ist es denke ich nicht übertrieben, Moore einen gewissen Anteil des Tributs für Arielles Design und den Anbruch der Disney-Renaissance zuzusprechen.
Aber vor allem: Danke, Fred Moore, für deine Meermädchen und eine der bezauberndsten Szenen in der Geschichte der Animation.

Sir Donnerbolds Favorit

Dass Walt Disney und Micky Maus untrennbar zusammengehören, ist altbekannt. Auch ein anderer Mann, der in Mickys Weg zum Weltruhm eine unerlässliche Rolle spielte, ist nach anfänglichen Jahren in Vergessenheit mittlerweile zu Anerkennung gekommen: Ub Iwerks, der Micky sein frühes Aussehen verlieh und die ersten Auftritte Mickys nahezu im Alleingang in einem rekordverdächtigen Tempo auf's Papier brachte. Dass aber Fred Moore einen ebenfalls kaum ausreichend zu würdigenden Beitrag in der Gestaltung der wohl berühmtesten Maus der Welt spielte, wird viel zu häufig sträflich vernachlässigt.

Zunächst war Micky optisch ganz klar ein Produkt seiner Zeit. Die witzigen Cartoon-Tiere der 20er-Jahre waren nahezu allesamt an Felix the Cat orientiert: Ein aus simplen Formen, detailarmer schwarzer Körper mit weißen Gesichtspartien. Einfach und vor allem schnell zu zeichnen. Disney und Iwerks orientierten sich mit ihrem Stummfilmhelden Oswald the Lucky Rabbit ebenfalls an Felix, und Oswalds Nachfolger im Geiste sah dem Kaninchen nicht gerade unähnlich.Was Micky in den besten seiner frühen Abenteuer von der längst vergessenen Konkurrenz aus den späten 20ern und frühen 30ern hervorhob, war keineswegs sein Aussehen, sondern zunächst das Novum, dass er in Tonfilmen auftrat, aber auch ein gutes komödiantisches Timing sowie sein Charakter. Ja, Micky war eigentlich nur ein Frechdachs wie viele andere zu dieser Zeit, doch in den besten Momenten konnten die Disney-Studios Micky zu einer Persönlichkeit machen, wo die Konkurrenz noch beliebig austauschbar war.

Dennoch: Die Trickfilmwelt und -technik entwickelte sich rapide weiter, und recht schnell war Micky ein Relikt vergangener Tage. Nicht nur, dass Mickys wildes Verhalten gezügelt werden musste (eine Ikone wie er wirft keine Frauen aus fliegenden Flugzeugen, nur weil sie ihn nicht küssen möchten) und er mit Pluto, Goofy und Donald Konkurrenz aus eigenem Hause erhielt, sein altmodisches Design war schlichtweg nicht mehr zeitgemäß. Der Micky aus den frühen Schwarz-Weiß-Tagen musste sich über kurz oder lang weiterentwickeln. Und das tat er. Dank Fred Moore.

Wie genau es dazu kam, ist nicht mehr verbucht. Manche behaupten, dass Walt Disney sah, wie Fred Moore Micky mit einem birnenförmigen Körper zeichnete, statt dem zuvor üblichen Gummiband-Rumpf. Dies soll ihm aufgrund der Glaubwürdigkeit und Ausdrucksstärke so sehr gefallen haben, dass er seinen Zeichner anordnete, Micky ab sofort nur noch wie Fred zu zeichnen. Das ist eine hübsch klingende Anekdote, die man sich beim frühen Walt auch gut vorstellen kann. Allerdings hat sie auch etwas so kurzentschlossenes und griffiges, dass es auch eine starke Zusammenraffung eines längeren Prozess sein kann. Fakt ist jedenfalls, dass Fred Moore ab Mitte der 30er federführend für jede einschneidende Änderung der Leinwandgestalt von Micky Maus war. Allein das spricht bereits Bände dafür, wie groß Walts Vertrauen in Fred Moore war.

Die erste Änderung war besagte Neugestaltung von Mickys Körper. Das undefinierte Gummiband mit dem runden Kopf erhielt einen organischeren Körperbau, Mickys Bewegungen konnten sich somit vom rein comichaften wegentwickeln, hin zu einer "Menschlichkeit". Fred Moore hat sehr großen Einfluss auf den Micky-Kurzfilm The Brave Little Tailor (Das tapfere Schneiderlein) von 1938, einer Glanzstunde des Mäuserichs. Micky strahlte wieder eine Präsenz wie zu Beginn seiner Karriere aus, war aber durch seinen stabileren, kräftigeren Körper, der dennoch nichts vom disney-typischen Schwung verlor, um ein vielfaches mehrdimensionaler, als in seinen vergangenen Filmen. Aber die größte Änderung am Kino-Erscheinungsbild sollte nochfolgen.

Für Mickys großen Auftritt als Zauberlehrling in Fantasia sollten die schwarzen Knopfloch-Augen Mickys wieder "richtigen" Augen mit Pupillen weichen, mit denen sich viel mehr Emotionen vermitteln lassen. Außerdem erhielt der blasse Micky seinen fleischfarbenen Teint im Gesicht. Kurzum: Unter der Aufsicht Fred Moores wurde aus der Schwarz-Weiß-Film-Ikone die so ansprechend aussehende Trickfilmlegende, wie wir sie heute kennen. Aufgrund der immensen Produktionsdauer, und vielleicht auch um Zuschauer an das neue Kino-Auftreten der populären Figur zu gewöhnen, war der 1940 erschienene "Konzertfilm" Fantasia allerdings nicht das Debüt des neuen Mickys. Bereits 1939 war Fred Moores "neuer" Micky im Werbefilm Minnie's Surprise Party und im Kurzfilm The Pointer (Pluto, der Jagdhund) zu sehen. Und schon 1941 hatte Fred Moore eine weitere Änderung an Mickys Äußerem zu präsentieren.

Eines von Fred Moores Model Sheets für The Little Whirlwind (Quelle: The Fred Moore Blog)

Dies führt mich auch zu meinem kleinen, persönlichen Kleinod im Schaffen Fred Moores: Dem oftmals übersehenen Kurzfilm The Little Whirlwind (Der kleine Wirbelwind). Ich sah diesen Cartoon erstmals als Kind im ARD-Disney Club, und von allen Micky-Kurzfilmen blieb mir dieser von Anhieb am besten in Erinnerung. Ich fand ihn einfach richtig gut und so habe ich ihn dann Jahre später freudig bei einer Super RTL-Wiederholung von Abenteuer mit Micky und Donald wiederentdeckt. Dann, in einem Alter, in dem ich besser ergründen konnte, was mir warum so gut gefällt, konnte ich mich in Mickys zweiter Walt Disney Kostbarkeiten-DVD erneut von diesem Cartoon überzeugen.

Die Prämisse ist einfach und zeigt bereits auf, was mir The Little Whirlwind so nahelegt. Micky besucht Minnie, die gerade einen verführerisch duftenden Kuchen backt. Ihm wird ein Stück vom Kuchen versprochen, unter der Bedingung, dass er ihren Garten aufräumt. Geschwind wie der Wind macht sich Micky bereit dazu, den Hobby-Gärtner zu spielen. Aber dann kommt ein kleiner, neckiser Wirbelwind und legt sich mit Micky an. Die Idee ist simpel, wird sehr toll ausgeführt und... ja, es ist einer der donald'esquesten Micky-Kurzfilme. Was wohl einer der Gründe sein dürfte, weshalb ich den Film so sehr mag.

Quelle: Mayerson on Animation
Aber das ist natürlich nicht der alleinige Grund. Dass The Little Whirlwind für mich zu den unbesungenen Juwelen der Micky-Kurzfilme gehört, liegt auch an der durchgehend großartigen Animation von Micky und seinem kleinen Störenfried. Sie ist überaus schwungvoll, gibt dem generell doch eher steif und ernst gewordenen Micky viel von seiner einstigen Dynamik und Flexibilität zurück, ohne dass das Ende der 30er eingeführte "organische" an ihm verloren geht. Und auch dem kleinen Wirbelwind wird mit wenigen, effektiven Mitteln ein frecher Charakter und viel Leben eingehaucht.
Die Federführung für Mickys das perfekte Mittel zwischen Dehnbarkeit und Plausibilität findenden Aufbau übernahm erneut Fred Moore, der beim Feinschliff an Mickys Design auch eine sehr auffällige Neuerung unternam. Er verpasste Micky nämlich perspektivische Ohren.


Die tiefschwarzen, runden Ohren waren auf dem Kopf des 40er-Jahre Mickys eigentlich zu einem implausiblen Artefakt der Schwarzweiß-Ära verkommen. Oft genug sitzen sie zwar ästhetisch ansprechend auf Mickys Kopf, so wirklich realistisch sehen sie je nach Perspektive aber nicht aus. Ein Fakt, dem die Macher von Neue Micky Maus Geschichten Jahrzehnte später in einem Anflug von Postmodernismus noch scherzhaft Tribut zollen sollten und dem sich auch Fred Moore bewusst war. So antwortete er auf die Frage: "Wie zeichne ich Mickys Kopf von oben?", dass man das gar nicht erst versuchen sollte. Schließlich will man seine Figur ja nicht blöd aussehen lassen. Ja nicht etwas zu versuchen, was man nicht anstreben sollte (etwa Micky nicht aus der Vogelperspektive zu zeichnen) war letztlich eins von Fred Moores 14 Grundlagen der Animationskunst. Und um Micky an einen weiteren dieser Punkte anzufassen (die dreidimensionale Klarheit), erhielt er nunmal Ohren, die sich je nach Blickwinkel ändern. Sieht man Micky so zum ersten Mal, ist man kurz verdutzt, doch im Laufe der überaus spaßigen Minuten von The Little Whirlwind hat man sich ruckzuck daran gewöhnt.

Nun ist es gut möglich, dass Disney (und Moore) diesen Designaspekt fallen ließen, weil er eine weitere Variable zu Mickys Äußerem hinzufügte, die ihn schwieriger zu zeichnen machte. Wenn man sich nur zum Vergleich die Cartoons der Jahre 1938 bis 1948 anschaut, wird man feststellen, dass Micky manchmal sehr liebenswürdig, andersmal etwas unausgearbeitet und in wieder anderen Fällen fast schon hässlich / dümmlich aussieht. Die Chancen, dass Fred Moore an den besten Beispielen beteiligt war, stehen praktisch bei 100%.

Selbstredend hat Moore The Little Whirlwind nicht alleine bewerkstelligt. Doch er gab das Aussehen Mickys vor, gestaltete die Posen, nach denen die Model Sheets gestaltet wurden, an denen sich die Zeichner richten konnten (es besteht Uneinigkeit, ob die Model Sheets von Ward Kimball nach Moores Vorlagen erarbeitet wurden, oder ob Moore sie selbst anfertigte). Und einige der witzigsten, besten Momente in diesem Cartoon stammen von ihm. Zwar erhielt sein Micky studiointern den Spitznamen "Drunk Mickey", aber ihre Energie und Schwunghaftigkeit macht diese herausragenden Augenblicke zu einem meiner Cartoon-Höhepunkte mit der Maus. Der ich ja sonst längst nicht so viel abgewinnen kann, wie dem wütenden Erpel.

Moore arbeitete weiter an Micky. Er nahm sich zum Ziel, wann immer er an der Maus arbeitet, sie weiterzuentwickeln - ohne ihre Einprägsamkeit zu zerstören. Eine der letzte Änderungen, die Micky durch Fred Moore erfuhr, war die Hinzufügung von Augenbrauen im Cartoon Pluto's Party, der 1952 seine Premiere hatte. Eine Idee, deren kurzzeitiges Durchsetzungsvermögen ich im Gegensatz zu den perspektivischen Ohren nur begrüßen kann. Zugleich erhielt Micky in diesem Cartoon einen Hauch der Kantigkeit, die damals von UPA (Mr. Magoo) popularisiert wurde - erneut wurde Micky dem visuellen Stand der Dinge angepasst. 1955 wurde dieser Ansatz von Ward Kimball für einen Werbespot ins Extreme verdreht.

Aber ganz gleich, wie oft Micky temporär umgestaltet wurde. Ob er nun auf Retro-Merchandising und in Videospielen wieder wie in den frühen 30er-Jahren herumhüpft, oder ob er als preisgünstige Computeranimation Kindern das Zählen beibringt:
Am legendärsten (und wohl am hübschesten) ist Fred Moores 40er-Micky, mit den modernen Augen und den runden, schwarzen Segelohren. So lernten die meisten Micky kennen, so repräsentiert er noch heute den gesamten Konzern. Darum ist es vielleicht Fred Moores wichtigster Beitrag zur Legende Disneys.

Und mit diesem Wissen im Hinterkopf ist es gewiss faszinierend, sich mit anderen Arbeiten dieses genialen Zeichners zu beschäftigen. Vielleicht findet ihr euer ganz eigenes Lieblingsstück. Es muss ja nicht Disneys Maskottchen sein. Es kann auch eine fesche, kurzlebige Weiterentwicklung der Maus sein. Oder zeitlose, süß-verführerische Sinnlichkeit. Oder eine Gruppe sieben unvergleichlicher, aber untrennbarer Charaktere. Oder so vieles mehr...

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