Mittwoch, 15. Februar 2012

Dame, König, As, Spion


Mitten im Kalten Krieg: "Control" (John Hurt), der Leiter des britischen Geheimdienstes, erteilt Jim Prideaux (Marc Strong) einen Spezialauftrag: Er soll sich anach Budapest aufmachen, um einem ungarischen General beim Überlauf in den Westen zu helfen und im Gegenzug den Namen ds Maulwurfs in den britischen Reihen einholen. Der Auftrag geht schief, Control muss in Konsequenz dessen seinen Hut nehmen und sein Spitzenagent George Smiley (Gary Oldman) "wird gegangen". Aber die Suche nach dem Maulwurf glückt auch nach dieser personellen Umstrukturierung nicht, weshalb der Geheimdienst Smiley um eine Rückkehr aus dem Ruhestand bittet. Gemeinsam mit dem jungen Peter (Benedict Cumberbatch) wälzt Smiley erneut die Akten und verhört seine früheren Kollegen. Eine Schlüsselfigur in diesem verworrenen Spiel könnte der Agent Ricki Tarr (Tom Hardy) sein, der den Geheimdienst bereits mit wertvollen Informationen belieferte, allerdings selbst ins Kreuzfeuer geriet ...

Gary Oldman, Colin Firth, Tom Inception Hardy, Mark Strong, Benedict Sherlock Cumberbatch, Stephen Fremde Gezeiten Graham, Toby Frost/Nixon Jones, John Hurt, Robert Doctor Who Lloyd-Pack ... Das halbe Vereinigte Königreich hat sich versammelt, um dem Agenten-Genre mit Dame, König, As, Spion einen Gegenpol zu Jason Bourne und James Bond anzubieten. Denn George Smiley reißt keine frostig-lässigen Sprüche. Und Verfolgungsjagden oder Schießereien gibt es auch nicht, denn Smileys einzige bedeutende Waffe ist sein Verstand. Dame, König, As, Spion entschleunigt die spektakuläre Agenten-Thematik und macht durch eine intelligente Regieführung sowie wortschwere, durchdachte Dialoge besonnene Verhöre zu großem Spannungskino. Während andere Regisseure Kleinstädte in die Luft jagen, kitzelt Tomas Alfredson (So finster die Nacht) das letzte Stück Aufregung aus dem heimlichen entwenden einer Akte heraus.

Die Kinoadaption des bereits als Fernsehserie umgesetzten, gleichnamigen Romans ist piefig. Und stolz darauf. Zurecht. Hier rauchen die Agenten wie Schornsteine, George Smileys Hornbrille mit Selbstverständlichkeit getragen, die Requisiten, Sets und auch Kostüme atmen aus vollen Zügen den muffigen Charme spießiger 70er-Büros, beziehungsweise der darin agierenden Bürohengste. Das Szenenbild ist dabei allerdings so voller Details und spießigem Charakter, dass Dame, König, As, Spion im Idealfall auf der Kinoleinwand genossen werden sollte, denn die Liebe zur überhöhten Realität verleiht diesen denkenden, statt schießenden Agenten erst ihre volle Zugkraft.

Gary Oldman spielt seine Rolle mit aller Geleassenheit, und dennoch mit einer wahrhaftigen Intensität. Man kauft ihm seinen Intellekt, seine Illusionslosigkeit und seine spröde Art jederzeit ab - und Tom Hardy hätte als ungestümerer, anfangs etwas zwielichtiger Agent mit russischen Affären eigentlich auch eine Oscar-Nominierung verdient. Er zeigt fast als einziger in diesem Film offen Emotionen, ohne dadurch als "showy" aufzufallen. Die Maulwurfssuche ist schlüssig, plausibel und mit Suspense, statt offensiverem Thrill, umgesetzt. Teils wird, da stimme ich meiner benachbarten Bloggerkollegin zu, die Routine zu ausführlich allein um der Routine willen, aufgezeigt. Und auch wenn die Kühle, Spröde und Langsamkeit dieses "Agenten-Thrillers für das denkende Publikum" Methode hat (und mich damit überzeugte), so hätte ich mir schon gewünscht, dass Hardy sich nicht den Löwenanteil an Demaskierung ätte bunkern müssen. Selbstredend gehört es zu George Smileys Persönlichkeit dazu, dass schon eine leichte Veränderung der Tonfarbe für ihn eine eine Gefühlsregung darstellt, trotzdem erscheint mir die Striktheit der meisten Figuren in Dame, König, As, Spion in dieser Masse ein wenig aufgesetzt.

Dennoch: Wer einen Agententhriller sehen will, in dem die Spannung daher rührt, was als nächstes gesagt wird, und nicht, wer wen als nächstes wie erschießt, kann mit Dame, König, As, Spion kaum etwas falsch machen. Manche Szenen hätten den Ernst ihrer Lage etwas stärker betonen dürfen, doch Gary Oldman und Tom Hardy spielen beide fantastisch auf, der Rest des Ensembles ist ebenfalls durchweg weit überdurchschnittlich und die letzten Filmminuten führen wohl zum herrlich-spießigsten Crescendo, den das Genre bisher auf der Kinoleinwand gesehen hat.

1 Kommentare:

Sunshine hat gesagt…

Ich muss ehrlich sagen, ich konnte mit Ricki Tarr gar nicht so viel anfangen. *g* Aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache; ich fand die verschlossenen Charaktere interessanter.

Das Ende fand ich sehr gelungen (und es bewegte ein teeniemädel in der Reihe vor uns zu, "Hä? Ist das jetzt das Ende?" *g*), weil so ziemlich alle Charaktere abschließend und so gar nicht aufmerksamkeitsheischend.^^

Ich will so eine Bulldoggenfigur mit Union jack drauf! Die war so offenichtlich im Bild, dass wir schon dachten, die hätte noch irgendeine Bewandnis (wie das unglaublich hässliche Bild...).

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