Samstag, 24. März 2012

Nach 37 Jahren Trickmagie: Glen Keane verlässt Disney


Vergangenes Jahr erschütterten Gerüchte die Animationsbranche, und wohl noch mehr die Disney-Fangemeinde, dass Glen Keane Disney verlassen würde, um zu DreamWorks Animation zu ziehen. Mit seinem Traumprojekt Rapunzel wieder aus den Kinos, soll Keane März 2011 bei Gesprächen mit höheren Vertretern von Disneys derzeit hartknäckigsten Mitbewerber gesehen worden sein. Damals reagierte er auf diese Berichte, dass sein Vertrag mit Disney im Mai ausliefe, und er sich vor einer Erneuerung umsehen möchte, wo seine Karriere zunächst besser gedeihen könnte. Er war sehr zufrieden mit Rapunzel und konnte sich dort, obwohl er vom Regieposten abdankte, sehr kreativ betätigen und in seiner Funktion als visueller Berater mehr Zeichnungen machen, als Chefzeichner der Titelfigur von Tarzan. Jedoch habe er auch eine gute Beziehung zu Jeffrey Katzenberg und sei von der inneren Dynamik der DreamWorks-Trickstudios beeindruckt.

Ob Keane nun nach DreamWorks Animation wechselt, ist bislang nicht bekannt. Doch nach einem Jahr Verzögerung bewahrheiten sich die Meldungen über Keanes Ausstieg aus den Disney-Studios, wo er (mit kürzeren Unterbrechungen während produktionstechnischer Dürreperiosen) 37 Jahre lang die Welt des Trickfilms entscheidend mitprägte. Keane gehört zu den geachtesten und talentiertesten Zeichnern seiner Generation und war unter anderem der Chefzeichner von Rattenzahn aus Basil, der große Mäusedetektiv, Arielle (gemeinsam mit Mark Henn), Pocahontas, Tarzan und John Silver in Der Schatzplanet.

Keane war stets daran interessiert, die Animationskunst voranzutreiben und Zeichentrick mit Computeranimation zu vereinen. Von Tron beeindruckt entwarf er zusammen mit John Lasseter einen Animationstest für eine Zeichentrick und Computertechnik verschmelzende Adaption von Wo die wilden Kerle wohnen und sein gezeichneter, mit computeranimierten Prothese ausgestatteter John Silver ist ein technischer Meilenstein des Mediums. Keane sorgte auch dafür, dass Rapunzel einer der visuell atemberaubendsten Computeranimationsfilme wurde, mit dynamischen, weichen Figuren, die nichts mit den Starren Wesen vieler anderer moderner Trickproduktionen gemein haben.

Keane wird bei Disney definitiv eine große Lücke hinterlassen, und wenn er es Dean DeBlois & Chris Sanders gleichtut, dann ist es nur Jeffrey Katzenbergs Gewinn und ich bin gespannt, was Keane ohne Disney noch erschaffen wird.

Auf Cartoon Brew wurde Keanes Brief an seine Kollegen veröffentlicht.

Viel Glück, Glen; viel Glück, Disney ... und darf ich schon "Respekt, DreamWorks!" sagen?

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das Ausscheiden von Glen Keane ist natürlich ein Verlust für Disney und wohl ein noch größerer für die Fans des gezeichneten Trickfilms. Was mich aber noch mehr verwundert, ist die schon etwas ältere Nachricht, dass Andreas Deja das Studio verlassen hat, um sich - wie man vernimmt - eigenen Projekten zu widmen. Ist dazu näheres bekannt?

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