Freitag, 4. November 2016

Ma Ma – Der Ursprung der Liebe


Acht Jahre lang hockte Regisseur und Autor Julio Medem eigenen Angaben zufolge am Drehbuch zu Ma Ma – Der Ursprung der Liebe, bevor sich alles gefügt hat. Mit Penélope Cruz, die den neuen Film des Lucía und der Sex-Machers mitproduziert hat, fand Medem eine fähige Hauptdarstellerin, die dieses Krebsmelodram mit Würde und Hingabe sowie einer bodenständigen, unaufdringlichen Performance erfüllt. Somit kann sich Cruz, die bevorzugt auf temperamentvollen Rollen besetzt wird, wieder von einer anderen Seite zeigen. Allerdings ist eine mit stiller Vehemenz gegen das Elend Brustkrebs angehende Cruz einer der wenigen gelungenen Aspekte dieser internationalen Koproduktion, bei der die Frage erlaubt sein darf: Wieso hat in den acht langen Jahren niemand das Skript aufgeräumt?

Ihren Anfang nimmt diese Parade des Leidens, als Magda (Penélope Cruz) zur Routineuntersuchung bei ihrem Gynäkologen geht. Der bildhübsche, charmante und gesanglich begabte Frauenarzt namens Raúl (Àlex Brendemühl) hat schlechte Nachrichten für die derzeit eine Trennung durchmachende, auf Jobsuche befindliche Mutter: Sie hat fortgeschrittenen Brustkrebs und wird nicht nur eine Chemotherapie durchlaufen, sondern sich zudem eine Brust entfernen lassen müssen. Wenige Stunden nach dieser Hiobsbotschaft lernt sie während eines Fußballspiels ihres Sohnes Dani (Teo Planell) den einfühlsamen Talentscout Arturo (Luis Tosar) kennen, der gerade auf der Suche nach Nachwuchstalenten für die Jugendmannschaft von Real Madrid ist. Während der Partie erhält er einen schockierenden Anruf: Seine Tochter ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, seine Frau ist schwer verletzt und ins Koma gefallen. Arturo wird von dieser Nachricht niedergeschmettert, weshalb Magda ihn ins Krankenhaus begleitet, wo die beiden alsbald ob ihrer jeweiligen Tragödien eine zweckmäßige Freundschaft als gegenseitige Trauerbegleiter knüpfen.

Eingebettet wird diese Geschichte der gegen ihre Krankheit ankämpfende Magda, die sich nichts sehnlicher wünscht, als ein zweites Kind zu bekommen und zu erfahren, dass Raúl endlich seine Pläne vollzieht, eine sibirische Waise zu adoptieren, in beiläufige Skizzierungen der spanischen Wirtschaftskrise sowie in Momentaufnahmen der EM-Euphorie 2012. Darüber hinaus wird Magdas verfahrene Beziehung zu Danis Vater, den Philosophieprofessor Julián (Asier Etxeandia), angerissen sowie die verborgenen sexuellen Sehnsüchte der erwachsenen Protagonisten dieser Story, die sich mit ihrer Anhäufung an melodramatischen, knochentrocken behandelten Wendungen glatt als Arthouse-Seifenoper etikettieren lassen könnte.

Ma Ma ist nicht nur mit viel Pathos versehen. Medem illustriert seine Erzählung zudem mit teils schmerzlich-offensichtlicher Symbolik. So spazieren mehrmals Krebse durch die Strandszenen dieser zweistündigen Leidensgeschichte, die den Fortschritt von Magdas Krebserkrankung verbildlichen. Die Gegenüberstellung der wirtschaftlichen Lage Spaniens und der sportlichen Erfolge der spanischen Fußball-Nationalelf fallen ähnlich bemüht aus, zumal diese Subthematik irgendwann verschwindet und Magdas Leidensgeschichte weder bereichert, noch ansprechend kommentiert.

Untermalt von träger, einseitiger Musik aus der Feder des Komponisten Alberto Iglesias und bestickt mit weltfremden Monologen, wird Ma Ma – Der Ursprung der Liebe aus genau den falschen Gründen zu einem schwermütigen, ermattenden Kinoerlebnis. Den wenigen Freuden in Magdas Leben fehlt es an Leichtfüßigkeit, während ihre zahlreichen Rückschläge wegen der gekünstelten Bildästhetik Kiko de la Ricas und der meist kraftlosen Inszenierung ihre Wirkung verfehlen. Würde Cruz sie nicht so passioniert darbieten, gäbe es gar keinen Grund, mit Magda mitzufiebern. Medem erschafft zwar zusammen mit seinem manch cleveren Szenenübergang erstellenden Cutter Iván Aledo zwischendurch eine kunstvolle Stimmung, dennoch fehlt es Ma Ma letztlich an Substanz und Kohärenz. Es ist ein Film über Brustkrebs, Schwangerschaft, Leid, Mut, Elternliebe und sexuelle Selbsterfahrung. Und irgendwie ist er auch nichts davon, sondern einfach nur zwei Filmstunden voller Elend – abgesehen von einem Abstecher in einen Sexclub, der auch prompt wegen seiner Bild- und Klangästhetik wie aus einem anderen Film geklaut scheint.

Fazit: Penélope Cruz gibt ihr Bestes, aber dieses Melodram ist ebenso nichtssagend wie schwermütig. Eine arg ernüchternde Kombination.

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