Donnerstag, 23. Februar 2017

Oscars 2017: Meine Prognose für die Gewinner der 89. Academy Awards


Die Oscars stehen kurz bevor, und sie singen, glänzen und tanzen so sehr wie schon lange nicht mehr: Nach einer Reihe von "Themenfilmen" ist dieses Jahr wieder ein "Gefühlsfilm" der Frontrunner, noch dazu einer, der trotz dramatischer Zwischentöne sein Publikum vor allem mit losgelösten, frohen Emotionen entlassen will. Damien Chazelles La La Land gewann eine Rekordsumme an Golden Globes und heimste so viele Oscar-Nominierungen ein, wie zuvor nur Titanic und Alles über Eva. Doch wie viele Preise wird La La Land letztlich bei den Academy Awards gewinnen? Hier ist meine Prognose:

Bester Film
- Arrival
- Fences
- Hacksaw Ridge - Die Entscheidung
- Hell or High Water
- Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen
- La La Land
- Lion: Der lange Weg nach Hause
- Manchester by the Sea
- Moonlight

Hier gibt es wohl nichts zu diskutieren: La La Land ist ein Film, den die Filmindustrie liebt, der selber seine Liebe zum Kino zelebriert und zudem exzellent gemacht ist. Das gibt O

Bester Hauptdarsteller
- Casey Affleck für Manchester by the Sea
- Andrew Garfield für Hacksaw Ridge - Die Entscheidung
- Ryan Gosling für La La Land
- Viggo Mortensen für Captain Fantastic: Einmal Wildnis und zurück
- Denzel Washington für Fences

Diese Kategorie gehört zu den wenigen superspannenden des Abends, denn es gibt zwei klare Favoriten: Casey Affleck, der mit seiner minimalen, doch so vielsagenden Mimik Manchester by the Sea auf seinen Schultern trägt und diverse Trophäen dafür gewann, und Denzel Washington, der für Fences den Screen Actors Guild Award erhielt. Ich tendiere leicht zu Washington, bei dem industrieintern vielleicht der "Er muss (wieder) ausgezeichnet werden"-Gedanke etwas größer ist.

Bester Nebendarsteller
- Mahershala Ali für Moonlight
- Jeff Bridges für Hell or High Water
- Lucas Hedges für Manchester by the Sea
- Dev Patel für Lion: Der lange Weg nach Hause
- Michael Shannon für Nocturnal Animals

Moonlight ist ein hervorragend besprochenes Drama, und geht man nach dem Wind im Branchenblätterwald, entdeckten in den letzten Wochen des Oscar-Votings immer mehr Industriemitglieder diese kleine, starke Produktion. Hinzu kommt, dass Alis Stern 2016 enorm gestiegen ist. Dies sollte eine klare Sache sein ...

Beste Hauptdarstellerin
- Isabelle Huppert für Elle
- Ruth Negga für Loving
- Natalie Portman für Jackie
- Emma Stone für La La Land
- Meryl Streep für Florence Foster Jenkins

Emma Stone verwandelt eine der ruhigsten Augenblicke in La La Land zu einem seiner bezauberndsten, noch dazu hat die Academy ein Faible dafür entwickelt, Frauen für Musicalperformances auszuzeichnen - zuletzt zwar primär Nebendarstellerinnen, doch in La La Land gibt es keine einprägsamen Nebenrollen. Zwar haben es dieses Jahr mehrere Darstellerinnen locker verdient, den Goldjungen in Händen zu halten, dennoch sollte dies ein recht sicheres Ding für Stone sein.

Beste Nebendarstellerin
- Viola Davis für Fences
- Naomie Harris für Moonlight
- Nicole Kidman für Lion: Der lange Weg nach Hause
- Octavia Spencer für Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen
- Michelle Williams für Manchester by the Sea

Viola Davis ist längst für einen Oscar-Gewinn überfällig und gewann bereits einen Tony, als sie Fences am Broadway spielte. Zudem hat sie einen sehr einprägsamen Monolog - die Oscar-Clip-Reel schneidet sich quasi von selbst, und anders als bei Kidman ist dieser Moment sogar dramaturgisch gerechtfertigt.

Bester Animationsfilm
- Kubo: Der tapfere Samurai
- Vaiana - Das Paradies hat einen Haken
- Mein Leben als Zucchini
- Die rote Schildkröte
- Zoomania

Zoomania hat mit Kubo: Der tapfere Samurai einen von Kritikern gefeierten, und von der Academy sogar an anderer Stelle erneut nominierten, Konkurrenten, zudem hat auch Mein Leben als Zucchini eine innige und verdiente Fanbase. Nicht zu vergessen, dass Vaiana ebenfalls sehr wirksam ist. Dennoch: Der Durchmarsch Zoomanias durch die Awardsaison und einer (leider) topaktuellen Botschaft ist dies ein recht einfacher Oscar-Tipp.

Beste Kamera
- Bradford Young für Arrival
- Linus Sandgren für La La Land
- Grieg Fraser für Lion: Der lange Weg nach Hause
- James Laxton für Moonlight
- Rodrigo Prietro für Silence

Die Videoessays über Sandgrens Kameraarbeit in La La Land sind in den vergangenen Wochen durch die Decke gegangen, zudem ist es einer dieser Fälle, in denen Ausleuchtung und Kameraführung gleichermaßen knifflig wie behände sind. Malerisch, aber dennoch bodenständig, komplex, aber so simpel zu goutieren. Alternativ haben aber auch Moonlight und Arrival in dieser Sparte zu recht Fans ...

Beste Kostüme
- Joanna Johnston für Allied
- Colleen Atwood für Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
- Consolata Boyle für Florence Foster Jenkins
- Madeline Fontaine für Jackie
- Mary Zophres für La La Land

Für mich neben der Hauptdarsteller-Kategorie eine der schwierigsten Sparten des Jahres: Jackie wäre für mich eigentlich der Frontrunner, als atemberaubendes Historienstück, das seiner Hauptdarstellerin eine vielseitige Garderobe schenkt. Aber La La Land ist der Film, der den "Fluch der Gegenwart" brechen und mit seinem prägnanten Farbschema und schlichten Eleganz brechen könnte. Mit leichtem Bauchgrimmen tippe ich auf das Musical ...

Beste Regie
- Denis Villeneuve für Arrival
- Mel Gibson für Hacksaw Ridge - Die Entscheidung
- Damien Chazelle für La La Land
- Kennenth Lonergan für Manchester by the Sea
- Barry Jenkins für Moonlight

"Wunderkindnarrative", Sympathie für Whiplash plus "Er lässt etwas so schweres so einfach aussehen" = Chazelle gewinnt.

Bester Dokumentarfilm
- Seefeuer - Fire by the Sea
- I Am Not Your Negro
- Life, Animated
- O. J.: Made in America
- 13th

Auch wenn die "Die meistdiskutierte Doku gewinnt"-Faustregel nicht immer zieht, bleibe ich hier bei O.J.: Made in America.

Beste Kurz-Dokumentation
- 4.1 Miles
- Extremis
- Joe's Violin
- Watani: My Homeland
- The White Helmets

Die Dokumentation über einen Holocaustüberlebenen, der seine Violine spendet, ist bewegend und zudem profund - gutes Oscar-Material!

Bester Schnitt
- Joe Walker für Arrival
- John Gilbert für Hacksaw Ridge - Die Entscheidung
- Jacke Roberts für Hell or High Water
- Tom Cross für La La Land
- Joie McMillon und Nat Sanders für Moonlight

Ein Musical braucht einen guten Rhythmus, und Cross hat La La Land genau dies gegeben. Da der Film zudem der große Frontrunner ist, sollte er den Preis wohl bekommen, auch wenn ich Arrival genauso weit vorne sehe.

Bester fremdsprachiger Film
- Unter dem Sand (Dänemark)
- Ein Mann namens Ove (Schweden)
- The Salesman (Iran)
- Tanna - Eine verbotene Liebe (Australien)
- Toni Erdmann (Deutschland)

Ich bemühe mich, meine Abneigung gegen Toni Erdmann hier rauszuhalten. Dass ich auf The Salesman tippe, liegt eher daran, dass in dieser Kategorie der frühe Frontrunner auf den letzten Metern von einem dramatischeren Film überholt wird. Regisseur Asghar Farhadi ist zudem dank A Seperation wahrlich kein Unbekannter, außerdem ist der titelgebende, rote Faden mit einer Tod eines Handlungsreisenden-Aufführung guter Academy-Köder ...

Bestes Make-Up und Hairstyling
- Eva von Bahr und Love Larson für Ein Mann namens Ove
- Joel Harlow und Richard Alonzo für Star Trek Beyond
- Alessandro Bertolazzi, Giorgio Gregorini und Christopher Nelson für Sucide Squad

Star Trek Beyond hat das meiste, aufwändigste Make-up in dieser Runde, und, wow, ist es gut. Alles andere als ein Sieg des Sci-Fi-Films wäre ein Affront.

Beste Originalmusik
- Mica Levi für Jackie
- Justin Hurwitz für La La Land
- Durstin O'Hallroan und Hauschka für Lion: Der lange Weg nach Hause
- Nicholas Britell für Moonlight
- Thomas Newman für Passengers

Schwer, hier gegen den Frontrunner zu tippen, ist er doch ein Ohrwurmmusical sondersgleichen ...

Bester Originalsong
- "Audition (The Fools Who Dream)" aus La La Land
- "Can't Stop the Felling" aus Trolls
- "City of Stars" aus La La Land
- "The Empty Chair" aus Jim. The James Foley Story
- "How Far I'll Go" aus Vaiana - Das Paradies hat einen Haken

Ja, ja, ich und die Oscar-Songs: So, so oft finde ich den Disney-Gewinnersong schwächer als diverse andere aus demselben Film, und auch wenn La La Land kein Disney-Film ist, trifft ihn dasselbe Schicksal. City of Stars ist ein schönes Lied, für mich dennoch das am wenigsten denkwürdige aus La La Land. Ich finde, Audition sollte gewinnen, doch da alle über City of Stars reden und es zudem das wiederkehrende Thema ist, wird wohl doch dieser Song den Preis abräumen.

Bestes Ausstattung
- Patrice Vermette für Arrival
- Stuart Craig für Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
- Jess Gonchor und Navy Haigh für Hail, Caesar!
- Sandy Reynolds-Wasco und David Wasco für La La Land
- Guy Hendrix Dyas für Passengers

Für dieses traumhafte, kunstvolle Finale ...

Bester animierter Kurzfilm
- Blind Vaysha
- Borrowed Time
- Pear Cider and Cigarettes
- Pearl
- Piper

Seit die Academy die Abstimmungsregularien für diesen Oscar geändert und den Kreis der Abstimmungsberechtigten enorm vergrößert hat, geht diese Kategorie tendenziell an den bekanntesten Film. Als Findet Dorie-Vorfilm mit liebenswürdiger Animation hat Piper da den Schnabel vorn ...

Bester Kurzfilm
- Ennemis Intérieurs
- Le Femme et le TGV
- Silent Nights
- Sing
- Timecode

Die Terrorismusgeschichte hat den größten Onlinebuzz. Das sehe ich mal als Vorzeichen ...

Bester Tonschnitt
- Arrival
- Deepwater Horizon
- Hacksaw Ridge - Die Entscheidung
- La La Land
- Sully

La La Land könnte Geschichte schreiben und als erstes Musical diesen Oscar gewinnen, doch irgendwo muss man auch Grenzen ziehen. Und Hacksaw Ridge hat mit seinem Kriegsgeballer einfach die einschneidenderen Soundeffekte …

Bester Ton
- Arrival
- Hacksaw Ridge - Die Entscheidung
- La La Land
- Rogue One: A Star Wars Story
- 13 Hours

Der La La Land-Backlash nahm auch den Klang des Films in die Mangel, trotzdem sehe ich ihn hier vorne - auch nach dem Sieg beim Gewerkschaftspreis.

Beste Effekte
- Craig Hammack, Jason Schnell, Jason Billington und Burt Dalton für Deepwater Horzion
- Stephane Ceretti, Richard Bluff, Vincent Cirelli und Paul Corbould für Doctor Strange
- Robert Legtato, Adam Valdez, Andrew R. Jones und Dan Lemmon für The Jungle Book
- Steve Merson, Oliver Jones, Brian McLean und Brad Schiff für Kubo: Der tapfere Samurai
- John Knoll, Mohen Leo, Hal Hickel und Neil Corbould für Rogue One: A Star Wars Story

Ich finde The Jungle Book als Film überbewertet, dennoch ist die fotorealistische Animation schwer als alles andere als preiswürdig abzutun.

Bestes Original-Drehbuch
- Taylor Sheridon für Hell or High Water
- Damien Chazelle für La La Land
- Yorgos Lanthimos und Efthymis Filippou für The Lobster: Eine unkonventionelle Liebesgeschichte
- Kenneth Lonergan für Manchester by the Sea
- Mike Mills für 20th Century Women

Manchester by the Sea hat ein starkes Skript und war zwischenzeitlich der am meisten mit Oscar-Buzz gesegnete Film nach La La Land. Daher glaube ich, das Chazelle für seinen faszinierenden Referenzenteppich hier leer ausgehen wird.

Bestes adaptiertes Drehbuch
- Eric Heisserer für Arrival
- August Wilson für Fences
- Allison Schroeder und Theodore Melfi für Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen
- Luke Davies für Lion: Der lange Weg nach Hause
- Barry Jenkins und Tarell Alvin McRaney für Moonlight

Siehe oben: Moonlight gewinnt stetig an Zugkraft ...

Nicht vergessen: In der Nacht von Sonntag auf Montag wird hier wieder live zu den Oscars gebloggt. Los geht es ca. 23.20 Uhr!

Montag, 20. Februar 2017

Bizaardvark


Internetstars sind überwiegend was? Genau: Jung. Und jeder, der sich intensiver mit der Branche Webvideos befasst, weiß was? Einige der erfolgreichsten Videoproduzenten sind in einem Netzwerk und produzieren ihre Videos allem "Schaut her, habe ich selbst gemacht"-Style zum Trotz, in einem Studio. Eben dieser Subkosmos dient der neuen Disney-Channel-Sitcom als Setting für zügig erzählte Späße.

Das in den USA erst vergangenen Format gestartete Format namens Bizaardvark handelt von Frankie Wong (Madison Hu) und Paige Olvera (Olivia Rodrigo), zwei eng befreundeten Schülerinnen, die mit ihrem Comedyaccount bei der Videoplattform Vuugle die magische Grenze von 10.000 Abonnenten durchbrochen haben. Daher laden die Vuugle-Studios das Duo zu sich ein, um ab sofort als Teil der Vuugle-Videoproduzentenelite seine Videos an einer festen Produktionsstätte zu verwirklichen und mit anderen Topleuten der Vuugle-Szene zu netzwerken.

Die von Kyle Stegina und Josh Lehrman erdachte Sitcom nimmt die typische Tonalität der aktuellen Produktionen aus dem Hause it's a laugh!, setzt also auf schrille Figuren, hohes Tempo und schlichtes Storytelling, verquickt diese aber mit gekonnt überzeichneten Beobachtungen über den Subkosmos Webvideos. Die eingestreuten Clips des fiktiven Bizaardvark-Webchannels könnten auch echte und gelungene YouTube-Videos sein, die viral gehen. So rappen Frankie und Paige in einer Folge darüber, wie wenig schlagfertig sie sind und präsentieren sich dank des gekonnten Irrsinns ihrer Prahlerei als eine Art jugendfreundliches The Lonely Island.

Auch die vielen anderen Figuren aus den Vuugle-Studios fußen auf YouTuber-Archetypen, Episodenplots nähren sich einerseits aus typischen Familiensitcomproblemen wie "Hilfe, wir werden von den anderen Kids wohl nicht gemocht", andererseits aus solch spezifischen Webvideoproblemen wie "Wir müssen eine virale Reihe fortsetzen, haben aber keine Ideen". Die grelle, schnelle Webvideowelt kommt dem typischen Stil der meisten modernen Disney-Sitcoms sehr zugute: Ähnlich wie Crash & Bernstein als Serie mit einer muppetartigen Chaospuppe durch den dazu passenden Wahn die grundlegend gekünstelte Stimmung dieser Serien gezielt kanalisiert, so hilft dieses Setting ebenfalls, die aufgekratzten Serienfiguren in ein Setting zu bringen, wo alles andere eh enttäuschend wäre. Das Klischee über Webvideo-Promis ist, dass sie hyperaktiv sind - da muss eine Sitcom über sie ähnlich sein.

Dank der sehr launigen parodistischen Note ist Bizaardvark ein fescher Spaß, auch für Leute, die außerhalb der Kernzielgruppe der üblichen Disney-Channel-Sitcoms sind, da die ganzen liebevollen Seitenhiebe auf YouTube-Klischees der Serie einen zusätzlichen Reiz verleihen.

Bizaardvark ist ab sofort werktags ab ca. 14.15 Uhr im Disney Channel zu sehen.