Freitag, 28. August 2015

Freitag der Karibik #15


Pintel und Ragetti. Die zwei Burschen. Heimliche Publikumslieblinge. Fanfavoriten. Krakentöter – naja, zumindest will Pintel letzteres behaupten, um ahnungslose Passanten übers Ohr zu hauen. Kurz: Die von Lee Arenberg und Mackenzie Crook verkörperten Piraten sind beliebt. Und das zu guter Recht. Umso bestürzter waren die Pirates of the Caribbean-Fans, als bekannt wurde, dass das aus den ersten drei Teilen bekannte Duo in Fremde Gezeiten nicht auftaucht.

Schuld daran sind jene Banausen, die Die Truhe des Todes und Am Ende der Welt vorgeworfen haben, zu kompliziert und zu lang zu sein. Der vierte Film der Pirates of the Caribbean-Saga sollte daher kürzer und im Idealfall geradliniger erzählt werden. Wie Terry Rossio in seinem bei 'Wordplayer' veröffentlichten Drehtagebuch erklärt:

„Weil wir zwei Weltklasseschauspieler (Lee Arenberg und Mackenzie Crook) haben, müssen ihre Rollen substanziell genug sein, damit sie ihrer Zeit würdig sind. Niemand wird sie fragen, im Hintergrund herumzustehen und nur ein Teil der Schiffscrew zu sein. Ihre Rollen aber bedeutungsvoll zu gestalten, bedeutet, der Handlung eine weitere Last aufzuzwingen, und dies auf Kosten der Leinwandzeit neuer Figuren.“ Rossio und Elliott, stets versucht, ihren Abenteuerspektakeln ein Extra an narrativem Anspruch zu verleihen, entwickelten trotzdem eine Idee, wie sie Pintel und Ragetti in die Story einbinden könnten.

Letztlich war es Rob Marshall, der das fatale Urteil über einst verfluchte Zweigespann fällte. In Rossios Worten: „Schlussendlich war sich Rob Marshall nicht sicher, ob der Subplot den Ansprüchen an die Verständlichkeit der Story und einer knapperen Laufzeit gerecht wird; es wäre eine Tragödie, wurden ihre Erlebnisse gekürzt oder komplett aus dem Film geschnitten.“ Also lieber gar nicht erst filmen.

Welche Idee Rossio und Elliott hatten? Pintel und Ragetti entzweien, „ihnen einzeln begegnen, wie sie Teil jeweils unterschiedlicher Mannschaften sind und denken, der jeweils andere sei tot, bis sie im Endkampf wiedervereint werden.“ Also, ich hätte das sehr gerne gesehen und bin überzeugt, dass Fremde Gezeiten dadurch nicht zu kompliziert geworden wäre, aber an treibender Kraft gewonnen hätte. Da sich die Fragen gestellt hätten: Wann treffen sie sich? Wie reagieren sie? Wie reagieren die anderen Figuren?

Andererseits halte ich ja auch keinen einzigen Teil der Reihe für kompliziert, also bin ich in dieser Hinsicht wohl nicht der richtige Ansprechpartner.


Rossio kündigte im Fahrwasser von Fremde Gezeiten an, die Idee für Teil fünf wiederbeleben zu wollen, doch daraus wurde bekanntlich auch nichts. Und ob jemals ein sechster Film kommt und jemand Rossios Vorschlag dann endlich umsetzt, muss sich leider auch erst zeigen. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Freitag, 21. August 2015

Freitag der Karibik #14


Klar. Das Pirates of the Caribbean-Musikstück schlechthin ist in der öffentlichen Wahrnehmung He's a Pirate, und daran will ich auch keineswegs rütteln. Es ist eine verflucht gute Komposition, und wie sich im Laufe der Fortsetzungen des Originalfilms zeigte, auch eine sehr wandelbare. Doch die Filme rund um Käpt'n Jack Sparrow haben noch massenhaft weitere gute Stücke zu bieten. Eines der stärksten ist in meinen Ohren das Kraken-Leitthema, welches essentiell darin ist, Pirates of the Caribbean - Die Truhe des Todes seinen kernigen Drive zu verleihen.



Da Hans Zimmer in Interviews anmerkte, die verschiedenen Piratencrews in den Gore-Verbinski-Teilen der Saga als Rockerbanden zu betrachten, und der Oscar-Preisträger bekannt dafür ist, das übliche Filmorchester durch elektrische respektive elektronische Elemente zu ergänzen, ist es ein leichtes, auf die falsche Fährte gelockt zu werden und zu denken: Hey, wie cool, dieser Track benutzt aber E-Gitarren! Was hier aber in den wildesten Momenten so metalmäßig rumwabert, sind keine E-Gitarren, sondern die Klänge des Filmorchesters.

Wie Zimmer Soundtrack.net erklärte, ist es genauer gesagt der Klang des Orchesters, den Zimmer während der Aufnahmesession durch einen Gitarrenvertärker gejagt und live zurück in das Studio hat beschallen lassen. Zimmer begründete seine Idee wie folgt:

"Wenn Johnny Depp seine Figur nach dem Vorbild von Keith Richards modelliert, muss ich für seinen Widersacher Davy Jones ein Gegengewicht finden. Als ich seine Erkennungsmusik geschrieben habe, standen zuallererst die Orgel und seine Spieluhr, die aber nicht gerade einen 'rockigen' Charakter erschaffen. Eine Kirchenorgel ist in dieser Hinsicht einfach nicht sehr lebhaft, und es ist richtig schwer, für sie  Actionmusik zu schreiben. Also habe ich mir gedacht: Jage ich halt das ganze Orchester durch einen Gitarrenverstärker. Finde ich sehr Lemmy-von-Motörhead-haft."


Dienstag, 18. August 2015

Entengeschnatter: Kritiker kritisieren Kritiker


Leute, ihr habt hoffentlich Zeit und stählerne Nerven mitgebracht. Denn Antje und Sidney haben die Faxen dicke. Wir rufen eine Intervention aus: Die Filmkritikerszene ist nicht willens, ihre kleinen, aber deutlichen Macken auszubügeln. Also machen wir uns auf, sie darauf hinzuweisen, was alles schief läuft.

Und es ist dringend nötig, etwas zu tun. Finden wir zumindest. Denn sonst geht es weiter abwärts für die Branche. Und darauf haben wir wirklich keine Lust. Immerhin arbeiten wir gerne als Filmkritiker! Selbst wenn wir nicht immer ins Schwarze treffen, so haben wir immerhin als lebenslange Filmfreunde ein gewisses Gespür dafür, was überhaupt nicht in Ordnung ist. Und um sicher zu gehen, dass wir uns nicht in irgendwelche selbstverliebten Lobhuldigungen reiten, haben wir Stephan dazugeholt, um uns bei ihrem Streifzug durch die Höhen und Tiefen der Szene zu begleiten.

Als macht euch gefasst auf Geplauder aus dem Nähkästchen, Gejammer über Kritiker, die sich selber für die allerbesten Menschen der Welt halten, Mutmaßungen über die Aufgaben eines Kritikers und auf überraschende Exempel. Von Ich seh Ich seh und Eine Stunde Ruhe bis hin zu Transformers: Ära des Untergangs. Jaaa ... echt jetzt!