Montag, 5. Dezember 2016

Vier Frauen und ihr dummes Blondchen namens Kevin: Ghostbusters


Er hat es so gut gemeint, und so viele (vermeintliche) Filmfreunde haben es ihm mit Hass und Beschimpfungen gedankt: Brautalarm-Regisseur Paul Feig brachte die Filmschmiede Sony Pictures von ihrem verbissen verfolgten Vorhaben ab, irgendwie Ghostbusters 3 auf die Beine zu stellen. Harold Ramis, einer der Hauptdarsteller und Autoren der Originalfilme, war bereits verstorben. Superstar Bill Murray bezeichnete es indes mehrmals öffentlich als unsinnige Idee, mit dem alten Ensemble eine weitere Geschichte zu erzählen. Und selbst medial gehandelte Neuzugänge wie Seth Rogen, die den alten, verbliebenen Haudegen unter die Arme hätten greifen sollen, schüttelten bei Erwähnung der Storypläne den Kopf. Doch erst Feig überzeugte Sony von einer neuen Herangehensweise:

Statt die alte Ghostbusters-Welt bis auf den letzten Tropfen auszuquetschen, koste es, was es wolle, sollte man noch einmal bei Null anfangen. Alte Grundidee, umgeformte Geschichte, neue Figuren. Und damit sich ja keine Vergleiche zwischen den ursprünglichen und den neuen Geisterjägern aufdrängen, sollten halt Frauen die Hauptrollen übernehmen. Für einen zusätzlichen Schub an Frische hinsichtlich der Storydynamik. Wenn der für Komödien wie die Agentenfilmparodie Spy – Susan Cooper Undercover verantwortliche Filmemacher die Initialzündung seines Ghostbusters-Neustarts im Rückblick erzählt, so entfleucht ihm dabei nunmehr ein ironisches bis zynisches Grinsen. Denn sein Plan, Sony böse Fanschelten zu ersparen und Filmliebhaber wiederum vor unnötigem Frust zu bewahren, stellte sich als Auslöser für einen der garstigsten, verbittertsten Feldzüge gegen ein Stück Popkultur, den das Internet je gesehen hat.

Feigs Ghostbusters verwandelte sich zu dem Zankapfel schlechthin für Remake-Feinde und schlecht getarnte, Frauen hassende Mistkerle. Ein Schub an schlechten bis grauenvollen Promomaterialien ließ die 144-Millionen-Dollar-Produktion tiefer in den Sumpf der Kontroverse versacken. Letzten Endes sollte Ghostbusters als Film aber nicht anhand der Debatten um ihn herum beurteilt werden. Diese haben, leider, ihre medienwissenschaftliche und womöglich gar soziologische Relevanz, da sie Bände darüber sprechen, wie weite Teile des potentiellen Publikums gepolt sind. Doch sie sagen schlussendlich überhaupt nichts über die Vorzüge und Schwächen dieses Remakes aus. Ebenso wenig wie die vollkommen misslungenen Trailer, die es auf fast schon faszinierend-unfähige Weise geschafft haben, Witz und Timing dieser Neuerzählung komplett zu entstellen. Daher ist es nur vernünftig, die von Feig und Katie Dippold (Parks & Recreation) verfasste, übernatürliche Komödie vor dem Hintergrund zu kritisieren, vor dem sie, anscheinend in naiver Weise, entstand: Im Glauben, es sei vollkommen selbstredend, dass Frauen lustig und zugleich heldenhaft sein dürfen.


Frauen, die Geister jagen – weshalb denn auch nicht?
Für Dr. Erin Gilbert (Kristen Wiig) ist der lang ersehnte berufliche Fortschritt zum Greifen nah: Ihr wird eine Festanstellung an der renommierten Columbia-Universität in Aussicht gestellt. Doch ausgerechnet kurz bevor ihre Karriere als ernstzunehmende Physikerin in trockenen Tüchern ist, gerät eine Jugendsünde an die Oberfläche. Einst verfasste Erin nämlich gemeinsam mit ihrer Jugendfreundin Abby Yates (Melissa McCarthy) ein ausführliches Forschungsbuch über das Paranormale. Da sich Erin mittlerweile von diesem verlachten Wissenschaftszweig distanzierte, geriet ein Keil zwischen sie und Abby, die ebenfalls ihren Doktor gemacht hat und nun gemeinsam mit der ebenso exzentrischen wie brillanten Ingenieurin Jillian Holtzmann (Kate McKinnon) das Übernatürliche auslotet. Die zerstrittenen Weggefährten schließen einen Deal: Abby sorgt dafür, dass Erins Geisterforschervergangenheit wieder unter den Teppich gekehrt wird, wenn diese ihnen zu einem Geisteraustreibungsauftrag verhilft.

Entgegen Erins Erwartungen begegnet diese in einem alten Herrenhaus zusammen mit Abby und Holtzmann tatsächlich einem Geist, woraufhin das Trio neue Wege einschlägt: Sie gründen ein Institut für die Erforschung und Bekämpfung paranormaler Erscheinungen. Alsbald erhalten sie dabei Unterstützung durch die resolute, über immense Kenntnisse der New Yorker Geschichte verfügende U-Bahn-Aufseherin Patty (Leslie Jones). Des Weiteren erhalten sie wenig verlässliche „Hilfe“ in Form des Sekretärs Kevin (Chris Hemsworth), dessen atemberaubendes Aussehen doppelt und dreifach von seiner unfassbaren Dummheit geschlagen wird …

Der absolute Löwenanteil des durch Ivan Reitman (Ghostbusters) und Amy Pascal (Spider-Man: Homecoming) produzierten Geisterjäger-Spaßes geht mit eben jener Selbstverständlichkeit vor, die schon das Original von 1984 ausmacht. In dieser Filmwelt gibt es halt Menschen, die an Geister glauben, und die urplötzlich mit Beweisen für ihre Theorien überhäuft werden. Und selbstredend bekommen es vier Figuren hin, mit frisch entwickelter Technik diesen zumeist gefährlichen Wesen den Garaus zu machen. Niemand stellte es beim Erstling in Frage, dass da vier Männer dem Paranormalen den Kampf ansagen. Wieso sollte es was Besonderes sein, dass nun vier Frauen die Protonenwaffen schwingen? Einen wandelnden Kommentar auf die standardmäßige Geschlechterrollenverteilung (nicht nur) in Hollywood-Blockbustern gibt es in dieser 144-Millionen-Dollar-Produktion aber doch: Kevin. Das dumme Blondchen vom Empfang.


Dabei sollte die „Empfangsdame“ dieser Ghostbusters ursprünglich als eines der wenigen handlungsrelevanten Elemente sehr nah am 1984er-Film angelegt werden: Den Filmverantwortlichen zufolge wurde der Sekretär als sarkastisch-desinteressierte Figur geschrieben. Dann aber schlossen sich Paul Feig und Thor-Darsteller Chris Hemsworth zusammen, der unbedingt eine atmende, wandelnde, muskulöse, aber weiterhin hohle Ken-Puppe spielen wollte – und am Set unentwegt neue Wege herbei improvisierte, um die himmelschreiende Blödheit seiner Rolle zu belegen. Das Ergebnis ist nicht nur ein unschlagbares Bewerbungsschreiben Hemsworths, häufiger Komödienparts zu übernehmen, sondern obendrein eine von gepfeffertem Timing geprägte, mit ansteckender Spielfreude dargebotene Parodie all jener idiotischen Frauenrollen, die das Kino so häufig zu bieten hat. Hemsworth nimmt das „Sieht gut aus, hat nichts drauf“-Schema, rennt damit dreizehn Mal um den Block, findet nicht wieder nach Hause zurück und sprengt es daher einfach glückselig lächelnd in die Luft.

Von Hemsworths Paradedummbeutel abgesehen beschränken sich die Randbemerkungen bezüglich des Geschlechts der zentralen Darsteller auf ein absolutes Minimum. In einem Anflug von neu erworbenem Selbstbewusstsein macht sich der (dramaturgisch weitestgehend vernachlässigte, aber kess als einsames, blasses Kellerkind entworfene) Schurke gen Schluss darüber lustig, dass Frauen ihn ja wohl kaum aufhalten könnten. Und ein den Darstellerinnen zufolge eigentlich als „Tribut“ an alle möglichen Videos als Fakes einschätzende YouTube-Nutzer gedachter Wortwechsel wurde während der Dreharbeiten um einen kurzen, pointierten Seitenhieb auf die absurde Kontroverse rund um vom Webpöbel unerwünschte „Bitches“ erweitert. Diese kleinen Angriffe auf die Beschränktheit der gegen Gleichberechtigung wetternden Männer, die es noch immer gibt, sind nahezu unvermeidlich. Immerhin verankern sie die Erzählung, die sonst gleichermaßen auf „Frauen an die Macht!“-Parolen wie auf „Diese Frauen sind was Besonderes, weil sie sich nicht darum scheren, wie sie auf Männer wirken!“-Relativierungen verzichtet und einfach nur eine „Frau kann tun, was Frau tun will“-Idealwelt entwirft, doch wenigstens mit einem Bein in unserer Genderrealität.


Wenig Sorgen, viel Spaß
Daher, dass Feig & Dippold jegliche ernstzunehmende Diskussion außen vorlassen, ob ihre Heldinnen aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden, gewinnt das Autoren-Duo an Raum, allgemeingültigere Identifikationsmöglichkeiten zu schaffen. Die 1984-Ghostbusters waren klar ein Produkt der Reagan-Ära: Arbeiter, die ein Kleinunternehmen gründen, bei dem es gilt, mit beiden Händen anzupacken, arbeiten sich allen Hindernissen zum Trotz nach oben. Die Ghostbusters von heute, vor allem Erin, treiben Probleme an, die in unserer Zeit stärker diskutiert werden: Sie fühlen sich aufgrund ihres Berufs, ihrer Interessen oder ihrer Ansichten ausgegrenzt und wollen endlich akzeptiert werden.

Dieses unaufdringlich mitschwingende Thema dient nicht bloß als roter Faden der von Kristen Wiig mit Bodenständigkeit gespielten, aufgesetzt-spießigen Erin, sondern fungiert obendrein als ergiebiges Gegengewicht zu den schrägeren Aspekten dieses Films. Und davon gibt es allerhand: Paul Feigs Ghostbusters gewinnt viel Humor daraus, anfänglich normale Situationen ins Bizarre zu verzerren. Unlustige Tourguides, die ihre eingeübten Gags gelangweilt, und dennoch von sich selbst amüsiert, herunterrasseln. Passanten und Konzertgänger, die in den unpassendsten Momenten Selfies knipsen müssen. Graffiti-Künstler, die sich divenhaft-selbstüberzeugt mit U-Bahn-Mitarbeitern anlegen. Politiker, die absurde Pfade zur Deeskalation beschreiten. Und so weiter, und so weiter.

Dieser situationsbasierte Humor benötigt nicht nur Kontext (weshalb Trailer zu Paul-Feig-Filmen nahezu durchweg für die Tonne sind ), sondern zudem auch Zeit. Trotz des routinierten Schnitts von Melissa Bretherton & Brent White fallen manche Comedyeinlagen zwischen zwei Stühle, finden also weder auf der Seite „aufhören, wenn es am Schönsten ist“, noch auf der Seite „erst ist es lustig, dann geht es weiter, bis es unlustig wird, und dann wird es richtig lustig“ Platz. Somit schleichen sich in dieses insgesamt zügig erzählte Remake vereinzelte Momente des Dialogleerlaufs und gelegentliche Rohrkrepierer ein – aber diese trüben den Gesamteindruck nur in sehr spärlichem Ma0e. Nicht nur, weil die comedyerfahrenen Darstellerinnen eine bestechende Chemie untereinander entwickeln und sich in den spritzigen Dialogszenen sehr gut die Bälle zuspielen. Sondern vor allem auch, weil Ghostbusters, vom nüchtern-geradlinigen Prolog abgesehen, eine äußerst hohe Gagdichte aufweist.


Der Gag steckt im Detail – und in der Haltung der Darstellerinnen
Neben den Kabbeleien der Ghostbusters untereinander sowie ihren sehr unterschiedlichen Reaktionen auf Geister abgesehen, sind es gerade Hintergrundgeschehnisse oder Kleinigkeiten, die neben den großen Gesten dieses Films aufblitzen, die das Humorlevel nach oben treiben. Meisterin dieses „Eine auf dem Papier normale Szene ins Irrwitzige pushen“ ist Saturday Night Live-Veteranin Kate McKinnon, die mit Holtzmann eine der besten und originellsten Leinwandfiguren des Jahrzehnts erschafft. Auffällig gekleidet, ungewöhnlich frisiert und stets einen quirligen Spruch auf den Lippen, wenn sie nicht gerade selbstbewusst alberne Grimassen zieht, wuselt sich die Waffenexpertin der Ghostbusters unbekümmert durch die Szenerie. Ob sie mit ihrer „Jack Sparrow trifft Bugs Bunny, gefangen im Körper einer verrückten Wissenschaftlerin mit Tendenz zum Zündeln“-Attitüde aneckt, ist dieser Figur egal – und diese spritzige „Leck mich doch!“-Haltung überträgt sich auf den gesamten Film.

Die in vielen ihrer jüngsten Kinorollen ennervierend laute Melissa McCarthy (Taffe Mädels) hält sich derweil zurück, spielt gleichzeitig das vernünftige Gegenstück zu Holtzmann und das begeisterungsfähigere Gegenstück zu Wiigs Erin. In dieser Grauzone fällt es McCarthy schwer, ihrer Figur ein einprägsames Profil zu verleihen, wenngleich sie in dieser gemäßigteren Art (wie schon in Spy – Susan Cooper Undercover) ein souveränes Timing zur Schau stellt, welches ihr etwa als ungehobelte Tammy verloren ging. Leslie Jones dagegen ist im Film nahezu das komplette Gegenteil dessen, was die Trailer aus ihrer Rolle gemacht haben: Statt eine hysterische, bauernschlaue von der Straße zu spielen, ist ihre Patty eine keinerlei Unsinn verstehende Buchversessene – die bedauerlicherweise keinen erwähnenswerten Storybogen spendiert bekommt.

Von einem durch die Bank weg engagierten Nebendarstellerensemble begleitet, dem die Liebe zum Ghostbusters-Franchise anzumerken ist und dem diverse alte Bekannte angehören, schlägt sich dieses Quartett durch Paul Feigs bislang am stärksten aussehenden Film. Feig ist seit jeher ein mehr an der Komik seines Casts interessierter Regisseur, als ein inszenatorischer Maestro der visuellen Erzählweise. Mit seiner sechsten Leinwand-Regiearbeit verwandelt sich Feig nicht auf einen Schlag in einen gänzlich neuen Filmemacher, jedoch variiert er die Kameraeinstellungen in Gruppenszenen behände und hat dabei gut im Blick, wann ulkige Mimik oder Gestik im Fokus zu stehen hat, und wann kleine Gags am Rand besser funktionieren. Zudem erschafft er mit Kameramann Robert Yeoman (Moonrise Kingdom) und dem Design- sowie Effektteam einige sehr schön anzuschauende Geistersequenzen – vor allem das einem Farbrausch gleichkommende, actionbetonte Finale weiß zu begeistern. Überhaupt rechtfertigen die unwirklichen, gleichwohl greifbar erscheinenden Geister das fürs Komödienfach atypisch hohe Budget – sowie den 3D-Zuschlag. Wer sich nicht aus Prinzip vollständig gegen dieses Format verschworen hat, erhält jedenfalls für seinen Aufpreis zahllose gut eingesetzt Pop-Up-Effekte, die (auch dank cleverer Manipulation des Bildformates) aus den Geisterjagd-Szenen eine scheinbar zum Publikum herausragende Gaudi machen.


Der besagte Kampf gegen Geister greift trotz neuer Figuren und neuer Storybögen wiederholt auf die Originalfilme zurück, was ihm in der gebotenen Ausführlichkeit aber ein Stück weit die Eigenständigkeit raubt. Zwar baut Feig ikonische Bilder, Wesen und Zeilen aus den Vorlagen so ein, dass Novizen nicht plötzlich ratlos dastehen, und Ghostbusters-Experten trotzdem erfreut grinsen dürfen. Trotzdem könnte das eine oder andere Wiedersehen knackiger verlaufen. Komponist Theodore Shapiro gelingt auf musikalischer Seite dagegen ein formidabler Spagat: Sein Score könnte zu weiten Teilen auch einem strikten Actionfilm sehr gut zu Gesicht stehen (und lässt beispielsweise diverse Marvel-Instrumentalmusiken alt aussehen). Mit gezielten Rückgriffen auf alte, akustische Gruselfilm-Klischees sowie mit bewusst gewählten, abwechslungsreichen Varianten des Ray-Parker-Junior-Titelsongs setzt Shapiro dieser Klangwelt letztlich allerdings einen überdeutlichen, kräftigen und markanten Ghostbusters-Stempel auf. Bei der Songauswahl andererseits wechseln sich launige Einfälle und schnell vergessene Lückenbüßer ab.

Unterm Strich ergibt all dies einen Film, der zwei Dinge auf einmal ist: Eine spürbar liebevoll-ehrfürchtige Neuinterpretation des Originals, die Teile der Fanbase partout nicht haben wollen, sowie eine bunte Neuerfindung der 80er-Gruselkomödie als turbulente, übernatürliche Actionkomödie für die Avengers-Kinogängergeneration. Ein gewagter, allerdings selbstbewusst vollführter Drahtseilakt, der hauptsächlich mit kleineren Längen zu kämpfen hat. Und der gehässigen Welt da draußen. Aber die wollten wir an dieser Stelle ja vergessen. Wobei dieser Gute-Laune-Budenzauber äußerst hilfreich ist!

Fazit: Wer Remakes/Reboots aus Prinzip hasst, den wird Ghostbusters nicht bekehren. Wer generell ein Problem mit Frauen hat, braucht einen Psychiater. Wer aber eine bunt durcheinander gewürfelte Truppe an Heldinnen sehen will, die mit Situationskomik, coolen Gadgets und frechen Kommentaren bewaffnet Jagd auf stylische Geister macht, sollte den ganzen Onlinefrust über diesen Film vergessen. Und sofort zuschlagen!

Sonntag, 4. Dezember 2016

Teen Beach 2


Zwei Jahre nach Teen Beach Movie brachte der Disney Channel mit Teen Beach 2 seine erste Fortsetzung seit einem halben Jahrzehnt heraus. Erneut führt Flashdance-Choreograf Jeffrey Hornaday Regie, Ross Lynch und Maia Mitchell schlüpfen wieder in die Rollen der surfvernarrten Teenager Brady und McKenzie. Auf der Autorenfront wird dagegen ein Personalwechsel abgehalten: Dieses Mal führen Matt & Billy Eddy (Überraschend unsichtbar) die sprichwörtliche Schreibfeder, und sie ignorieren prompt den Schlussgag des Vorgängers, laut dem praktisch direkt nach den Ereignissen der Musicalkomödie die Filmfiguren eines fiktiven 60er-Kultstreifens in der realen Welt auftauchen.

Stattdessen lassen die Drehbuchautoren Brady und McKenzie in der Dolphin's Cove erstmal in Ruhe den letzten Abend vor Beginn des neuen Schuljahres genießen und davon schwärmen, wie sie sich einst bei einer Retroaufführung von Wet Side Story kennengelernt haben. Am ersten Schultag erzählt das noch unverdorben-naive Pärchen dem jeweils eigenen Freundeskreis von den großen romantischen Erfahrungen des Sommers, was mit schockierten Reaktionen begrüßt wird - Bradys bester Freund glaubt nicht, dass der simple, handwerklich begabte und sportliche Bube eine Spitzenschülerin dauerhaft glücklich machen kann. Und MacKenzies beste Freundin gibt ebenso schwache Zukunftsaussichten von sich. So kommt es, dass es sich die zwei gegenseitig übel nehmen, als sie für einander keine Zeit mehr finden - Mack aufgrund außerschulischer Aktivitäten, Brady, weil er heimlich neuartige Surfboards entwirft.

Unterdessen machen sich im Wet Side Story-Universum die Folgen von Bradys und McKenzies durch übernatürliche Geschehnisse ermöglichten Besuch bemerkbar: Die weibliche Hauptfigur Lela (Grace Phipps) ist zunehmend von ihrer passiven Rolle frustriert, was die Nebenfiguren verwirrt. Nur Protagonist Tanner (Garrett Clayton) stärkt ihr den Rücken - und reist mit ihr mittels einer magischen Halskette in die heutige Wirklichkeit. Somit stiften sie nicht nur bei Brady und MacKenzie für Chaos, die ihre nun-nicht-mehr-fiktiven Freunde in die Realität eingliedern müssen, sondern auch in der Welt von Wet Side Story, die ohne die Hauptfiguren zu zerfallen droht ...

Teen Beach 2 ist auf der einen Hand ambitionierter und auf der anderen Hand wesentlich alltäglicher und ambitionsloser als sein Vorgänger. Hatte dieser aufgrund seines Tonfalls, seiner Surfer-Musical-Musik und seines augenzwinkernden Konzepts durchweg ein Alleinstellungsmerkmal in der Disney-Channel-Filmriege, so backt das Sequel zunächst deutlich kleinere Brötchen: Der erste Akt ist nicht mehr als ein ideenloser, laffer High School Musical-Abklatsch mit einer "verbotenen Liebe" zwischen einem wenig hellen, sportaffinen Jungen und einer klugen Topschülerin. Anders als beim Disney-Megahit von 2006 sprühen hier jedoch keine spürbaren Funken und die Mitschüler der Protagonisten sind völlig blasse Pappkameraden, und nicht etwa so schrill wie die Mädels und Jungs, die zur East High gehen.

Irgendwann gegen Ende des zweiten Akts wiederum, wenn "Realität" und "Fiktion" bereits länger aufeinandergeprallt sind, entwickelt Teen Beach 2 urplötzlich achtsame Ambitionen: Basierend auf einer Storyidee von Dan Berendsen & Robert Horn erzählt das Eddy-Autorenduo von der Macht und dem Einfluss des Geschichtenerzählens. Vermengt mit der nicht nur uninspirierten, sondern obendrein espritlos verfolgten Teen-Lovestory reißen sie (in grellen, wenngleich amüsierten narrativen Pinselstrichen) an, welche Verantwortung popkulturelle Phänomene in der Erschaffung von Weltbildern haben - und machen sich dabei nicht belehrend, sondern ermunternd dafür stark, dass sich Frauen endgültig aus dem Schatten herauskämpfen, in den sie so gerne als hübsche Love Interest geparkt werden.

Dies beißt sich zuweilen mit dem Overacting der Nebendarsteller, während Mitchell und Phipps eine kecke Chemie als sich gegenseitig inspirierende Frauen entwickeln und wenigstens die launigeren Gags über Filmlogik dem von den Fließbandelementen ausgebremsten Film etwas Pepp verleihen. Die Songs indes sind austauschbarer als im Original - nur die höchstironische Hymne auf die Magie des Kinos namens Silver Screen und der erquickliche Teenager-Party-Surfrock-Musical-Ohrwurm Gotta Be Me stechen aus dem Mischmasch hervor.

Ähnlich, wie Camp Rock 2 mit einem untypischen Ende daherkam, wagt sich auch Teen Beach 2 nicht nur weit von der Disney-Channel-Formel, sondern auch vom generellen Disney-Schema hinfort, weshalb Jeffrey Hornaday und Co. einige Respektpunkte gut haben. Dennoch ist Teen Beach 2 als ungeordnetes Sammelsurium an Ideen, die durch routiniert rausgeleiertes Standardmaterial auf 104 Minuten Laufzeit gestreckt werden, leider nur ein schwacher Schatten dessen, was der Vorläufer leistete.