Montag, 28. November 2016

Maleficent – Die dunkle Fee


Disney ist vom Wicked-Virus befallen. Gregory Maguires Roman Wicked – Die Hexen von Oz kam zwar bereits 1995 in den Buchhandel, doch erst durch die gleichnamige Musicaladaption gelangte der revisionistische Roman zu anhaltender, internationaler Berühmtheit. Das Buch wie auch das 2003 uraufgeführte Broadwaymusical blicken aus einer neuen Perspektive auf den populären Der Zauberer von Oz-Mythos und erzählen davon, dass die darin ihr Unwesen treibende böse Hexe eigentlich eine recht gute Seele ist. Eine Verfilmung des Buches oder des Musicals lässt zwar noch auf sich warten, doch der Disney-Konzern ist in jüngster Vergangenheit sehr strebsam darin, trotzdem im von Wicked popularisierten Markt zu wildern.

Der Computeranimationsfilm Ralph reicht's hat noch eine gute Ausrede. Zwar handelt auch dieses Werk von der guten Seite eines angeblichen Schurken, allerdings wird hier kein bereits bekannter Bösewicht uminterpretiert. Es kann sich dabei also um eine eher zufällige Parallele handeln. Aber es gibt noch einige weitere Disney-Projekte, in denen ein Teil des Wicked-Geistes mitschwingt: Die zum Disney-Konzern gehörige Fantasyserie Once Upon a Time etwa interpretiert im besten Wicked-Stil alle möglichen Märchen halb düster, halb verspielt um. 2013 brachte Walt Disney Pictures zudem mit Sam Raimis Fantasyspaß Die fantastische Welt von Oz seine eigene Vorgeschichte zu den Ereignissen aus Der Zauberer von Oz in die Kinos. Darüber hinaus erschienen zwei Romane, in denen Seehexe Ursula und böse Fee Malefiz ihre Sicht der Dinge erzählen.

Außerdem feierten die Disney-Trickstudios im selben Jahr mit einer gewissen Produktion namens Die Eiskönigin – Völlig unverfroren einen ihrer größten Erfolge. Wie Wicked steht in diesem Musicalsteifen eine junge Frau im Mittelpunkt, die aufgrund ihrer Kräfte zur Ausgestoßenen wird. Und rein zufällig wird diese Rolle im englischen Original von Idina Menzel gesungen und gesprochen – der ersten Broadway-Besetzung der Wicked-Hauptfigur, deren wichtige Gesangsnummer „Defying Gravity“ ganz klar „Let It Go“ inspirierte.

Den wirtschaftlichen Höhepunkt seiner Wicked-Obsession hat das Hause Disney mit Die Eiskönigin gewiss bereits erreicht. Doch die Spitze der Dreistigkeit, mit der bei der Oz-Umdeutung abgeschrieben wird, folgt erst mit Maleficent – Die dunkle Fee: Im Disney-Zeichentrickfilm Dornröschen war die diabolische Malefiz (im englischen Original: Maleficent, was im neuen Realfilm auch für die deutsche Synchro übernommen wurde) eine finstere Gestalt mit boshaftem Blick, diebischer Freude an ihrer eigenen Boshaftigkeit und einer eigenartig-grünen Hautfarbe. Ihre Hintergründe und Motive? Vage bis unbekannt. Wicked machte aus einer sich als Schurkin genießenden, grünhäutigen Antagonistin ohne nennenswertes Handlungsmotiv eine mitleiderregende Protagonistin. Wer nun errät, was das Konzept von Maleficent – Die dunkle Fee ist, darf sich darauf nichts einbilden, denn die Lösung liegt verboten nahe.

Die Idee zum Film wurde studiointern entwickelt und Anfang 2010 an Tim Burton herangetragen, der in den letzten Zügen seiner Realverfilmung von Alice im Wunderland lag. Burton lehnte das Projekt ab, woraufhin Disney es weiteren namhaften Regisseuren anbot. Unter anderem wurden David O. Russel (American Hustle) und Darren Aronofsky (Black Swan) angefragt, kurzfristig brachte sich auch Guillermo del Toro selbst ins Gespräch, aber all diese Verhandlungen kamen nicht zur Fruchtung. Stattdessen erhielt Regienovize Robert Stromberg den Zuschlag – seines Zeichens Szenenbildner von Avatar – Aufbruch nach Pandora, Tim Burtons Alice im Wunderland und Die fantastische Welt von Oz sowie leitender Effektkünstler bei Shutter Island, There Will Be Blood und zahlreichen weiteren Produktionen.

Die Alarmglocken dürfen an diesem Punkt laut schrillen: Da wäre ein Studio, das vom Wicked-Konzept besessen ist, sich vornimmt, es unverblümt auf eine seiner denkwürdigsten Schurkenrollen anzuwenden und es daher mehreren Starregisseuren schmackhaft machen will. Welche jedoch allesamt ablehnen, weshalb ein Novize herangezogen wird. Dies wiederum weckt unschöne Erinnerungen an Snow White and the Huntsman, Universal Pictures' semidüstere Neuerfindung des Schneewittchen-Märchens, die ebenfalls von einem Regieanfänger umgesetzt wurde – und bei der Kritik böse durchfiel. Als Produzent zeichnete bei Snow White and the Huntsman Joe Roth verantwortlich, der auch die Geschicke von Maleficent – Die dunkle Fee leitete.

War Snow White and the Huntsman zwar langatmig und seelenlos, wirkte er dank manch eigener Idee und der sichtbar kostspieligen Ausstattung trotz allem durchaus ambitioniert. Zumindest mehr als dieser Disney-Fantasiefilm. Bereits dem selbst auferlegten Ziel, den 1959 entstandenen Zeichentrickklassiker Dornröschen aus anderer Perspektive neu zu erzählen, wird Maleficent – Die dunkle Fee nicht gerecht. Lassen sich das große Vorbild Wicked und Der Zauberer von Oz ohne größere Logikbrüche vereinen, beißen sich hier Zeichentrickvorlage und Realverfilmung nahezu durchgehend. Dass Hauptdarstellerin Angelina Jolie keinen grünen Teint verpasst bekam, sei noch geschenkt. Doch auch davon abgesehen können beide Filme unmöglich in der gleichen Kontinuität spielen, da selbst so relevante Eckpunkte wie die Taufe der kleinen Aurora (besser bekannt als Dornröschen) inklusive Maleficents Verfluchung der Neugeborenen vollkommen anders ablaufen. Somit fehlt Robert Strombergs Regiedebüt ein nicht unbedeutender Spaßfaktor, den Wicked aufzuweisen hat.

Dies ließe sich verschmerzen, wäre Stromberg und der Drehbuchautorin Linda Woolverton eine runde, eigenständige Geschichte gelungen. Stattdessen strotzt Maleficent – Die dunkle Fee vor Logikfehlern und tonalen Inkonsistenzen. Im Intro führen der Avatar-Szenenbildner und die Alice im Wunderland-Autorin die magischen Fähigkeiten Maleficents ein, nur um ab dann ihre Kräfte auszuweiten oder zu verringern, wie es die Situation nun einmal verlangt. Ihre Jugendliebe König Stefan (als Erwachsener gespielt von einem auf lächerliche Weise chargierenden Sharlto Copley) wird während eines Zeitsprungs in der Erzählung wahnsinnig – den Grund erfährt das Publikum nicht. Ebenso kommt und geht die Einstellung, die die Untertanen Stefans gegenüber Maleficent und anderen magischen Wesen haben: Sehnsucht nach Frieden, Bereitschaft, sie in einem von Gier getriebenen Krieg auszurotten oder doch der genügsame Wille zur Koexistenz?

Besonders dramatisch ist der Mangel an Kohärenz, den die Charakterzeichnung der Titelfigur aufweist. Zunächst eine Fee unter vielen, schwingt sie sich nach einem schweren Verrat ihrer Jugendliebe Stefan zur nach Rache dürstenden Königin ihres eigenen Reiches herauf. Dieser Wechsel auf die Seite des Bösen ist jedoch rasch vergessen. Maleficent verflucht Aurora zwar zum Tode, weicht diesen Todesfluch kurzerhand aber zu einem tiefen Schlummer ab, den die Kleine ereilen wird, sobald sie sich im Alter von 16 Jahren in den Finger sticht. Die dunkle Fee fügt sogar die im Disney-Zeichentrickfilm einer anderen Figur vorbehaltenen Rettungsklausel hinzu.

Kaum ist diese Tat getan, beobachtet Maleficent, wie Aurora aufwächst, und gleicht dabei geduldig die Defizite ihrer Zieheltern aus. Es entsteht eine Beziehung zwischen Aurora und Maleficent, die die Inszenierung mittels düsterer Schattenwürfe und überdramatischer Musik gerne als Hassliebe darstellen würde, die aber auf dem Papier und in der schauspielerischen Darstellung frei von Ecken und Kanten ist. Weshalb Maleficent so rasch ihren zunächst mühevoll aufgebauten Zorn auf die Menschen verliert, das bleibt der Fantasie der Zuschauer überlassen. Immerhin: Die auch als ausführende Produzentin am Projekt tätige Angelina Jolie hat sichtbar Spaß an dieser Figur, was zumindest manche der unsinnigeren, albernen Momente (wie Maleficents „böse“ Tat, unerwartet einen Schauer zu erzeugen) durch Kurzweil erträglich macht. Dennoch ändert dies nichts an der lächerlichen Häufigkeit, mit der Regisseur Stromberg die Actrice bedeutungsvoll aus dem Schatten treten lässt, oder daran, dass Jolie in dramatischen Phasen zum melodramatischen Overacting neigt.

Nicht allein die Charakterentwicklung ist sprunghaft, genauso zerschnitten sind die raren Actionmomente in dieser 180-Millionen-Dollar-Produktion, welche genauso rasch vorbei sind, wie sie angefangen haben. Glücklicherweise fallen auch die Comedyeinlagen mit den drei guten Feen, die Aurora großziehen, eher knapp aus, denn die mit seltsamen Proportionen gestalteten Damen fallen mit ihrer Inkompetenz schnell auf die Nerven. Positiver bleibt da Elle Fanning (Super 8) in Erinnerung, die zwar in ihrer Prinzessinnenaufmachung um Längen jünger aussieht als Disneys Zeichentrick-Dornröschen, die jedoch den naiven Optimismus ihrer Figur strahlend zum Leben erweckt. Der heimliche Star von Maleficent – Die dunkle Fee ist allerdings Sam Riley als menschliche Form von Maleficents Hausraben und Lakaien. Anders als das restliche Ensemble trifft der Das finstere Tal-Nebendarsteller durchwegs einen seinen Szenen zugutekommenden, vitalen Tonfall, zudem sieht die an ihm verwendete Effektschminke glaubwürdig aus, womit er als wandelndes Fantasyelement vorführt, was aus diesem Film hätte werden können.

Die scharfen, eckigen Wangen, die Angelina Jolie verpasst bekam, um der Trickfigur ähnlicher zu sehen, sehen dagegen je nach Lichtgebung aus, als seien sie hastig angeklebt worden, und auch einige der digitalen Statisten aus dem Zauberwald stechen äußerst negativ heraus. Einzig eine späte Szene, in der Aurora und Maleficents nachts durch das Feenreich wandern, erinnert an Robert Stromergs Können, eine visuell kohärente, ansprechende Fantasiewelt zu gestalten. Außerhalb dessen gehen die Versuche, eine eigenständige Filmwelt zu erschaffen, durch all zu cartoonhaftes Design einzelner Nebenfiguren (die sich somit mit dem dreckig-pseudorealistischen Umfeld beißen) und dürftige Flugszenen zugrunde.

Somit gehen Inhalt und Form immerhin Hand in Hand, ist das Skript zu Maleficent – Die dunkle Fee (welches zahlreiche Rewrites durchlief) ebenfalls ein wildes, zusammengerafftes Durcheinander. Der finstere Look und die grimme Musik des Komponisten James Newton Howard dürften Maleficent – Die dunkle Fee für Kinder zu einem relativ harschen Seh- und Hörerlebnis machen. Gleichzeitig sorgen stupider Humor und liebloses Storytelling dafür, dass Maleficent – Die dunkle Fee ungewollt immer und immer wieder betont, wie viel ausgereifter und erwachsener Disneys graziöses Zeichentrick-Dornröschen ist. Daher empfiehlt sich ein Kinobesuch einzig für energische Disney-Komplettisten und große Angelina-Jolie-Fans.

Montag, 21. November 2016

Findet Dorie


13 Jahre nach dem Original schwimmt mit Findet Dorie die Fortsetzung des Pixar-Megaerfolgs Findet Nemo in die deutschen Lichtspielhäuser – und dies auf einer Erfolgswelle: In den USA und Kanada gelang es dem Sequel, mit einem Einspielergebnis von mehr als 480 Millionen Dollar aus wirtschaftlicher Sicht sämtliche Filme zu überbieten, die jemals unter dem Disney-Markennamen ins Kino entlassen wurden. So erfolgreich die neuste Fischgeschichte der Pixar Animation Studios auch sein mag, stellte sie keinesfalls eine sichere Nummer dar. Die letzte Pixar-Fortsetzung, die Agentenkomödie Cars 2, gehört schließlich nicht nur finanziell betrachtet zu den schwächsten Werken der Trickfilmschmiede – und nicht nur dies warf vorab kein vorteilhaftes Licht auf die Idee, auch Findet Nemo einen zweiten Teil zu spendieren.

Denn Regisseur Andrew Stanton sprach sich in der Presse jahrelang vehement gegen den Gedanken aus, die Geschichte von den Clownfischen Marlin und Nemo sowie der vergesslichen Doktorfischdame Dorie fortzuführen. Als Stanton nach dem wirtschaftlichen Misserfolg seines Realfilmdebüts John Carter plötzlich mitteilte, mit Findet Dorie letztlich sehr wohl seinen größten Kassenschlager weiterzuspinnen, waren die sarkastischen Kommentare nicht fern. Entgegen sämtlicher verständlicher Befürchtungen wirkt Findet Dorie allerdings nicht wie ein zynisch kalkulierter Comebackversuch – stattdessen ist das Sequel trotz gelegentlicher Déjà-vu-Augenblicke eine urkomische Komödie mit jeder Menge Herz.

Nach dem Ende geht es weiter …
Es ist etwas mehr als ein Jahr her, seit die unter Gedächtnisschwund leidende, gutherzige Fischdame Dorie dem übervorsichtigen Clownfisch Marlin dabei geholfen hat, seinen verschollen gegangenen Sohn Nemo wiederzufinden. Nun lebt das Gespann in unmittelbarer Nachbarschaft und scheint, zur Ruhe gefunden zu haben. Doch dann holen Dorie Erinnerungsfragmente daran ein, wonach sie vor ihrem Kennenlernen mit Marlin gesucht hat: Ihre Eltern, die sie als junges Fischlein verloren hat. Marlin versucht, seiner naiven Nachbarin auszureden, sich in ein neues Abenteuer zu stürzen – schließlich habe sie in seinem Korallenriff ja ein neues Zuhause gefunden. Dorie aber findet nicht mehr zur Ruhe und drängt darauf, ihren bruchstückhaften Erinnerungen hinterherzujagen.

Auf der Reise, die das Fischtrio von Australien nach Kalifornien verschlägt, zerstreiten sich die Optimistin, der Behutsame und sein abenteuerlustiger Nachwuchs allerdings und werden durch missliche Umstände getrennt. Dorie landet in einem Marineforschungsinstitut, wo sie zahlreiche neue Bekanntschaften schließt, etwa mit dem grantigen Septopus Hank, während Marlin und Nemo versuchen, zu ihrer Freundin zu gelangen. Wird Dorie ihre Eltern wiederfinden, und wird sie danach überhaupt Marlin und Nemo wiedersehen wollen?

Obwohl Findet Nemo seine zentrale Vater-Sohn-Geschichte harmonisch auserzählt hat, und sich eine friedliche Fischfamilie nicht dermaßen für eine mehrteilige Filmreihe anbietet wie kämpferische Superhelden oder eine Mission nach der nächsten annehmende Agenten, wirkt Findet Dorie keineswegs aufgesetzt: Stanton und Victoria Strouse nehmen sich in ihrer gemeinsam entwickelten Geschichte eines in Findet Nemo gern übersehenen Aspekts an, um auch diesem zu einem stimmigen Ende zu verhelfen. Dorie wusste zu Beginn des Megaerfolgs nicht, wo ihre Familie ist, und kam mit ihrer Vergesslichkeit so schlecht zurecht, dass sie ohne Marlins Hilfe stets drohte, sich zu verirren. Am Ende des Films änderte sich nichts daran, da sich Dorie allerdings Marlin und Nemo anschloss, fiel dies nicht weiter auf. Nun Dories Lage genauer zu hinterfragen, gibt den Drehbuchverantwortlichen die Chance, organisch an den Pixar-Renner von 2003 anzuschließen und zudem einfühlsamer von der Last der Fischdame zu erzählen.

Sensibler, und dennoch lustiger.
Weiterhin werden Dories irren Namensverwechslungen und ihre sich widersprechenden Aussagen pointiert eingesetzt und sorgen genauso wie in Findet Nemo für ausgelassene Lacher. Gleichwohl wird der Umgang von Dories Umfeld mit ihren Problemen komplexer gezeichnet als im Erstling: Waren Figuren dort von ihrer Vergesslichkeit entweder amüsiert oder dezent genervt, zeigen sich in Findet Dorie die Abgründe, wie sich ihre psychische Benachteiligung auswirkt. In ergreifenden Rückblenden ist zu sehen, wie ihre liebevollen Eltern in Fürsorge und Furcht um das Wohl Dories förmlich ertrinken. Der Streit zwischen Marlin und Dorie wiederum, der angesichts der glaubwürdigen, engen Bindung zwischen den Figuren aufreibend geraten ist, zeigt, wie sich Betroffene fühlen, wenn sie wegen ihrer Behinderungen stigmatisiert werden.

Verstärkt durch die minutiöse, ausdrucksstarke Animation der Figuren und die in der deutschen wie in der englischen Sprachfassung formidablen Sprecherleistung bei den tragenden Rollen ist Pixar somit eine sehr einfühlsame, dank des enormen Humorfaktors unaufdringliche Geschichte über Inklusion gelungen. Die sehr exzentrischen Randfiguren, wie die kurzsichtige Waldame Destiny und der neurotische Beluga Bailey (göttlich in der deutschen Fassung: Axel Malzacher) oder zwei streitsüchtige Seelöwen (die in der deutschen Fassung dickstes bayerisches Kauderwelsch sprechen) vergrößern die Gagquote weiter. Heimlicher Star des Films ist der grummelige Kraken Hank, der entgegen der Natur nur ein Ziel hat: Dafür zu sorgen, für immer in Gefangenschaft zu leben und somit seine Ruhe zu haben.

Wie auch der Erstling prescht die Fortsetzung im Road-Movie-Stil von Station zu Station, so dass diese überzeichneten Randfiguren nie zu lange um Aufmerksamkeit buhlen, sondern ihre schrillen Auftritte erfrischend bleiben. Dramaturgisch gibt es in den ersten zwei Dritteln daher allerdings auch gelegentliche „So ähnlich ist das doch schonmal passiert“-Augenblicke.

Ein großer Unterschied zum Original ist derweil das Finale. Diente es im Erstling als dramatischer Höhepunkt, steigert Stanton in Findet Dorie Dories turbulente Reise zu einem hysterischen Gagfeuerwerk, das als übertriebene, äußerst selbstironische Verfolgungsjagd ein unerwartetes Gegengewicht zu den sensiblen Zwischentönen des restlichen Films darstellt. Egal ob wild oder einfühlsam: Die Musikuntermalung durch den mehrfach Oscar-nominierten Komponisten begleitet das im Mittelteil etwas lange auf der Stelle herumirrende Geschehen mit eingängigen (wenngleich nicht ganz so einfallsreichen), streicherlastigen Melodien. Diese erinnern an den ersten Teil, ohne ihn direkt zu kopieren. Somit steht er sinnbildlich für den gesamten Film: Die bildhübsch umgesetzte Fortsetzung ist nicht ganz so überraschend und unverbraucht wie das Original, aber zugleich lustiger und emotionaler – hat aber auch ein paar kleine Längen, die Findet Nemo nicht aufweist.

Fazit: Eine würdevolle Fortsetzung mit Herz und Humor: Findet Dorie spinnt den Pixar-Hit Findet Nemo 13 Jahre später auf hohem Niveau, wenngleich nicht äußerst originell, weiter.