Sonntag, 2. November 2008

Hocus Pocus

Halloween liegt mittlerweile wieder hinter uns, und so motten die Fernsehsender ihre Horror- und Gruselfilme langsam wieder ein. Nur ProSieben wird morgen Abend noch die neue Halloween-Folge der Simpsons nachreichen.
Wer sich über die vergangenen Tage schön brav mit Horrorfilmen eindeckte wird eventuell auch über eine der ältesten Horrorfilm-Gesetze gestolpert sein: Jungfrauen haben die größten Überlebenschancen.
Zumindest so lange man keine Figur in Hocus Pocus ist. Dort sind sie eher gefährlich und gefährded...

Disneys Halloweenspektakel aus dem Jahre 1993 konnte sich über die Jahre eine respektable Fangemeinde aufbauen, unter anderem dank semi-traditionellen Fernsehausstrahlungen zur Oktoberzeit und natürlich dank dem hohen Spaßfaktor des Gruselspaßes.
Der Film beginnt in der kleinen Stadt Salem im 17. Jahrhundert, wo die drei Sanderson-Schwestern mittels eines Zaubertrankes (der unter anderem auch die Lebensenergie einer Jungfrau erfordert) ewiges Leben und jugendliche Schönheit erlangen möchten. Allerdings beobachtet Thackery Binx die Entführung seiner Schwester und alarmiert das gesamte Dorf. Er kommt zwar zu spät in die Hexenhütte, um seine Schwester zu retten, aber die Sanderson-Schwestern können gefangen genommen und zum Tode verurteilt werden.
Winnifried Sanderson (Bette Midler) spricht am Galgen jedoch einen Fluch aus, der sie und ihre Schwestern ins Leben zurückholen wird, sobald eine Jungfrau in der Halloween-Nacht eine schwarzflammige Kerze entzündet.
Der Film springt in die Gegenwart: Max (Omri Katz, und seine Familie sind erst vor kurzem aus Kalifornien nach Salem gezogen, und im Gegensatz zur restlichen Bevölkerung des kleinen Kaffs hält er von den Halloween-Festivitäten überhaupt nichts. Damit versaut er sich auch seine Chancen bei der schönen Klassenkameradin Allison (Vinessa Shaw, u.a. Todeszug nach Yuma und The Hills Have Eyes).
Dementsprechend widerwillig begleitet er seine laute, jüngere Schwester Dani (die noch sehr junge Thora Birch) bei ihrer Halloween-Tour, während dieser die zwei auch auf Allison treffen. Diese schlägt vor, ins alte Sanderson-Haus zu gehen, wo Max die schwarzflammige Kerze entzündet und somit die Sanderson-Schwestern wiederbelebt, die fortan nur noch ein Ziel haben: Einen Trank brauen um so an ewiges Leben zu erlangen. Dazu benötigen sie lediglich das von Max entwendete Zauberbuch und... Jungfrauen.

Es beginnt ein herrlich komisches Katz- und Maus-Spiel zwischen den Schwestern einerseits und Allison, Max, seiner Schwester Dani und dem durch einen Fluch der Hexen in eine unsterbliche Katze verwandelten Thackery andererseits. Dank der großartig aufgelegten Bette Midler und ihren ebenfalls unterhaltsamen Schwestern, gespielt von Kathy Najimy (Sister Act) und Sarah Jessica Parker (bevor sie zum Vorzeigepferd aus Sex and the City wurde), kommt nie Langeweile auf.
Hocus Pocus legt ein hohes Tempo zu und seine verrückte Geschichte ist mit tollen Einfällen und super Sprüchen gespickt. Was den Film so besonders macht ist, dass er eine ehrlich überzogene, spaßige Hexengeschichte erzählt, ohne je trashig zu werden. Das liegt wohl daran, dass er seine zahlreichen, gelungenen Gags in eine eigentlich schaurig-gruselige Grundiee verpackt, die zudem durchdacht ist. Wer sich zum Beispiel im Laufe des Filmes fragt, warum keine Erwachsenen eingreifen bekommt eine hieb- und stichfeste Erklärung geliefert. Nur dass diese in Form einer extrem spaßigen Gesangsnummer geliefert wird.
Auch die keineswegs billige Ausstattung und Effekte (warum sieht z.B. eine sprechende Katze aus einer Disney-Komödie von 1993 besser aus als der sprechende Fuchs aus Narnia von 2005?) erledigen ihr übriges.

Die größte Stärke von Hocus Pocus ist wohl das großartige Timing der Darsteller (egal ob nun die Hauptdarsteller wie Bette Midler oder Randfiguren wie Doug Jones' Zombie oder gar der in nur einer kurzen Szene vorkommende Busfahrer) gepaart mit dem Ideenreichtum des Drehbuchs. Wo sonst darf man Pretty Woman-Regisseur Garry Marshall als in Halloween verliebten, alternden Ehemann erleben, der von drei Hexen für Satan gehalten wird?

Als Disneyfan liebt man den Film möglicherweise auch aus reiner Kuriosität. Zusammen mit anderen Spielfilmen von 1993 erregte Hocus Pocus so manche amerikanischen Elterngemüte. Diese Reaktionen sind allerdings völlig überzogen, stattdessen ist ein nettes Grinsen viel angebrachter, wenn ausgerechnet in einem Disney-Film die Jungfräulichkeit nicht nur immer wieder betont, sondern für die Handlung auch bedeutend ist.

Es sei auch erwähnt, dass mir die deutsche Synchronisation erheblich besser gefällt als die Originalfassung. Statt irgendein albernes Fantasiewort für Brüste zu verwenden, werden sie schlicht "Möpse" genannt (was weit weniger nervig-albern klingt) und Thackerys deutsche Stimme ist etwas besonnener und glaubwürdiger als der gekrümmt enthusiastische Kater in der englischsprachigen Fassung.

Hocus Pocus ist im Grunde wie eine gelungene Halloween-Feier: Auf der Basis eines übernatürlichen Themas kommt in schön ausgestattetem Gewand eine geballte Ladung ehrlicher, kurzweiliger Unterhaltung daher. Gutes Timing, super Einfälle und nach mehrfachem Ansehen wird er einfach nicht alt. Schlicht und ergreifend gute Unterhaltung ohne großen Nährwert, aber auch ohne jeglichen Fremdschähmfaktor.
Naja, und halt mit der vermutlich häufigsten Verwendung des Wortes "Virgin" (bzw. "Jungfrau" und "unberührt") in einem Familienfilm.

Ach, und jetzt ratet mal, für welche Filmreihe der Regisseur von Hocus Pocus noch verantwortlich ist:
Zumindest erklärt das, wieso die Gesangssequenz so toll inszeniert ist. Bette Midlers Version von I Put A Spell On You ist einfach super und sollte auf jeder Halloweenparty laufen.
Wer sich dagegen noch über den Zombie, den "Hexen töten Kinder"-Plot, die deutsche Jugenfreigabe (FSK ab 12) und manch andere gruselige Details wundert... Bonnie Bruckheimer produzierte den Film. Der Nachname öffnet bei Disney wohl wirklich Tür und Tor... Zumal sie tatsächlich Jerrys Exfrau ist.
Oder aber das Wort "Virgin" und witzige Untote sind nur halb so schlimm, wie Amerikas Eltern denken und ich euch mit zwinkerndem Auge weiß machen möchte.

Wie auch immer, Hocus Pocus ist ein waschechter Komödien-Geheimtipp. Gute Laune garantiert.

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