Samstag, 15. August 2009

Endlich gekommen! Zack and Miri Make a Porno

Ich komm gleich zur Sache: Kevin Smith hat es wieder einmal geschafft!
Das Vorspiel zum deutschen Kinostart von Zack and Miri Make a Porno war zwar lang, langwierig und steinig (die MPAA verweigerte dem Film ein R-Rating, Trailer und TV-Spots zum Film mussten zurückgezogen werden, der Titel löste Proteste aus und weil Smith in Deutschland nicht gerade Kassengold ist, fand sich lange Zeit kein deutscher Verleih), doch der eigentliche Akt enttarnte sich letztlich als rund 100 minütiger Höhepunkt. Gefühlsecht und leidenschaftlich.

Kevin Smiths erster Film, der nicht in New Jersey spielt handelt von den am Rande des Existenzminimums lebenden platonischen Freunden Zack und Miri. Das perfekt eingespielte Kumpelduo kommt weder finanziell auf einen grünen Zweig, noch haben die beiden Glück in Sachen Beziehung. Miris Plan, auf der großen High-School-Reunion ihre Jugendliebe abzuschleppen, geht (vom nicht enden wollenden Lachen des Kinopublikums begleitet) katastrophal unter. Als ihnen dann auch noch der Strom abgestellt wird, suchen sie Hände ringend nach einer schnellen Methode um an Geld ranzukommen. Und wie der Titel des Films bereits schon vermuten lässt, beinhaltet die Lösung auf die Zack und Miri kommen sie beide, ein außerordentlich amateurhaftes Filmteam, eine Kamera und Sex.

So niedergeschrieben klingt die Idee, dass zwei freundliche Durchschnittsversager wie Zack und Miri ihre finanzielle Lage mit einem Pornodreh verbessern wollen möglicherweise so konstruiert, dass Smith seine für ihn kennzeichnenden Losercharaktere in einen Pornodreh verwickeln und viele Sexwitzchen unterbringen kann.
Doch wenn man sich den Film erstmal ansieht, wirkt die Handlung authentisch, sie zieht die richtigen Konsequenzen aus ihren glaubwürdigen und natürlichen Hauptfiguren, welche Dank Kevin Smiths fantastischen Dialogen nicht nur außerordentlich komisch sind, sondern auch wie reale Menschen wirken anstatt wie die Figuren einer Hollywoodkomödie.

Besonders gut zeigt sich dies in der Chemie zwischen Zack und Miri. Denn wie sich wohl jeder Denken kann, hat ihr Vorhaben für Geld miteinander zu schlafen weitreichende Auswirkungen auf ihre Freundschaft. Allerdings meistern Smiths wunderbare Dialoge und das charismatische Spiel von Seth Rogen und Elizabeth Banks die Herausforderung aus dem ausgeleierten Thema noch eine herzerfrischende Komponente herauszukitzeln. Zwischen Zack und Miri besteht keine gekünstelte Hollywoodfreundschaft die völlig gestelzt einer Liebe hinzustolpert, sondern eine aus dem Alltag entnommene, für den Zuschauer greifbare Freundschaft, die sich im Laufe berührender Szenen zu etwas größerem entwickelt. Die Wendepunkte ihrer Beziehung sind dabei aus dem Leben gegriffen, nur dass Smith sie dann zu Liebe der Komik in einen absurderen Kontext einfügte. In Zack and Miri zeigt sich somit erneut, was für ein aufmerksamer Beobachter Kevin Smith ist, denn in den Feinheiten des Films zeigt sich seine Liebe zur detaillierten Abbildung der Realität, was es ihm ermöglicht eine romantisch-realistische und keinesfalls kitschige Liebesgeschichte als Nährboden für eine wilde-freche und kein Blatt vor den Mund nehmende Komödie zu etablieren.

Denn ein Film von Schundmaul Kevin Smith mit dem Wort Porno im Titel und in dem Sex ein zentrales Thema der Geschichte ist (und nicht einfach nur das meistgeliebte Gesprächsthema der Hauptfiguren) kann es sich natürlich nicht nehmen lassen die Fleischeslust in zahllosen Dialogen und Monolgen pointiert zu kommentieren. Und natürlich gibt Smith auch die bei einem solchen Filmtitel obligatorische Pornoparodie zum Besten: Schlechte Dialoge, absurd wildes aufeinander Rumgehoppel und grausige Kameraführung.
Der sexuelle Tonfall ist dabei so, wie es der treue Anhänger des Regie führenden Comic- und Filmgeeks gewohnt ist: Derbe, unverschämt und detailliert. Das ist nichts für Leute, die niemanden (nicht einmal sich selbst oder ihre bessere Hälfte) nichtmal mit der Kneifzange anpacken würden, jedoch ist das genauso wenig pure Provokation auf niedrigstem Niveau. Smiths liebenswürdige Verlierercharaktere haben nämlich eine solch kindische, spielerisch-freche Ansicht von Sex, dass man von ihnen gar nicht angewidert sein kann. Es sind putzige Maulhelden und durch Sexentzug zur Überkompensierung durch intensiven Sextalk gedrungene Kumpels von nebenan. Die realen Pornodarstellerinnen Traci Lords und Tracy Morgan wiederum dürfen in Zack and Miri Make A Porno nicht nur solide Gehversuche als richtige Schauspielerinnen machen, sondern auch ihren eigenen Beruf karikieren.

Besonders interessant dürften die Pornodreh-Sequenzen in Zack and Miri Make a Porno aber für anstrebende Filmemacher sein, da Smith hier Erfahrungen aus den Anfangszeiten seiner Filmkarriere einfließen ließ. Vom improvisierten Filmstudio bis hin zur lachhaften Filmausrüstung: Die Produktion von Clerks lässt stets grüßen.

Trotz alldem ist Zack and Miri Make a Porno allerdings kein völlig normaler Kevin-Smith-Film: Wie bereits erwähnt ist er der erste Film vom Kultregisseur, der nicht in seiner Heimat New Jersey spielt. Außerdem ist er der bis dato erst zweite Film, der nicht in seinem "View Askewniverse" spielt, dem fiktionalen Universum, in dem Clerks I & II, Mallrats, Chasing Amy, Dogma und Jay und Silent Bob schlagen zurück angesiedelt sind und dessen Geschichten durch zahllose Insidergags, Anspielungen und die kultigen Drogendealer Jay und Silent Bob verbunden wurden. Zack and Miri Make a Porno verzichtet so konsequenterweise auf weitere Randpointen, die nur Smith-Fans erkennen würden, allerdings konnte Smith es wieder einmal nicht sein lassen mehrere Darsteller aus seinen früheren Filmen zu casten. Jeff Anderson (am besten bekannt als Randell aus den Clerks-Filmen) bekam hier jedoch genau wie Jason Mewes (Jay - aus allen früheren Smith-Filmen außer Jersey Girl) eine weniger gesprächige Rolle als bislang zugeteilt, während Smiths Ehefrau (nun wieder mit brünetten Haaren) kurz angebaggert wird und kurz darauf von der Leinwand verschwindet. Auf weitere Standardmitglieder wie Ben Affleck oder Jason Lee verzichtet Zack and Miri Make a Porno völlig und ein ursprünglich geplanter, kurzer Gastauftritt von Jeff Andersons Rolle des Randell Graves als Darsteller eines Eishockey-Maskottchens wurde klugerweise umgeschrieben.

Denn so genial Smiths View Askewniverse-Filme auch sein mögen sollte Zack and Miri Make a Porno als die Chance zur Profibilitierung von Smiths Wandlungsfähigkeiten wahrgenommen werden, nachdem Jersey Girl dank der Boulevardpresse und der totgeredeten Beziehung zwischen Ben Afflecks und Jennifer Lopez nie die Gelegenheit bekam sich selbst beweisen zu können.
Zack and Miri Make a Porno ist ein frischer Wind in Smiths Filmografie, er weist eine andere Dynamik und Ausstrahlung auf und bietet Smith-Neulingen die Gelegenheit auch als unbeschriebenes Blatt einen seiner Filme voll auszukosten.
Deshalb ist es eine unglaubliche Schande, dass Smiths Entscheidung den Film außerhalb seines alten Filmuniversums spielen zu lassen nicht ausreichend entlohnt wurde.

Mit Zack and Miri Make a Porno beweist Kevin Smith übrigens auch ein für alle Mal, dass er mehr ist, als nur ein massenuntauglicher, auf ein Nischenpublikum zugeschnittener Judd Apatow mit seltsamen Randcharakteren ist. In jüngster Vergangenheit stellten manche Kritiker bereits die These auf, dass Apatow (Jungfrau (40), männlich, sucht... und Beim ersten Mal) und Smith im Grunde die gleichen Filme machen (nur mit anderem Casting und unterschiedlichem Erfolg). Während Smith uns (leider) noch den Beweis schulsig bleibt, dass seine Filme bereits im Kino haufenweise Geld einspielen können, so wird dank der Besetzung Seth Rogens als Zack offensichtlich, dass in Hollywood für Smith und Apatow genug Platz ist. Obwohl sich Smith Apatows gelockte Muse auslieh und der übergewichtige Charmebolzen unter den Losern bei Smith eine gewohnt schreiend komische und sympatische Darstellung abliefert, fühlt sich Zack and Miri Make a Porno in keinem Moment wie ein Apatow-Film an. Die Stimmung der Liebesgeschichte unterscheidet sich ebenso sehr von Apatows Regiearbeiten, wie der sexuelle Humor oder der geballte Dialogwitz.

Highlight in dieser Hinsicht ist übrigens die High-School-Wiedersehensfeier zu Beginn des Films, in der Rogen ein situationskomisches Wortwitzfeuerwerk abfackelt - ich habe die komplette Exposition des Films hindurch gekichert. Großes Lob gebührt hier auch Justin Long (Stirb langsam 4.0) als exzentrischer Darsteller in Schwulenpornos. Long ist zweifelsohne das große Two-Scene-Wonder dieses Films.

Zu guter Letzt muss ich noch unbedingt die großartige Elizabeth Banks (Scrubs) erwähnen, die als Miri unglaublich liebenswürdig ist und zusammen mit Rogen ein wunderbares Duo abgibt und dem wortwörtlich alles entscheidenden Höhepunkt des Films allein durch funkelnde Augen Glaubwürdigkeit und emotionalen Tiefgang verleiht. Damit reiht sie sich direkt neben Joey Lauren Adams (Chasing Amy) an die Spitze der besten weiblichen Darstellungen in Smiths Filmen.

Fazit: Kevin Smith landete mit Zack and Miri Make a Porno einen absoluten Volltreffer: Witzige Dialoge, lebensechte Hauptcharaktere, lebensnahe Gefühle, pointierte Nebenfiguren und offensive Pointen in einer greifbar-absurden Gesamtsituation vereinen sich zu honigsüßem Schmuddelkram mit Charme und unverschämtem Grinsen.

Weiterführende Artikel:

1 Kommentare:

simpty hat gesagt…

Sehr gut geschriebene und ausführliche Kritik! Kann mich deiner Meinung nur anschließen. Der Film ist einer der besten von Smith, super gespielt und total überzeugend. Werde ihn mir auch auf Bluray holen. Greets...

Kommentar posten